Donnerstag, 11. Februar 2016

The Bollock Brothers; Das Bett; Frankfurt


[Konzert] The Bollock Brothers
Support: JP Kennedy
Samstag, 6. Februar 2016
Das Bett, Frankfurt


Um das Jahr 1990 herum entdeckte ich The Bollock Brothers oder The Famous B. Brothers, wie sie sich seinerzeit nannten, für mich. Die Mischung aus leicht versponnenen, abstrusen Texten, eingängigem Sound und sehr charakteristischem Sprechgesang übte eine unbestreitbare Faszination auf mich aus und schon nach kurzer Zeit hatte ich fast alle Alben der Band im Schrank stehen, bekam aber nie die Gelegenheit sie live zu erleben. Irgendwann verlor ich die Band dann aus den Augen und lediglich einige Stücke auf meiner Playlist hielten sie mir in Erinnerung.
Wie es nun mit vielen Bands aus dieser Ära auch der Fall ist, so tauchten The Bollock Brothers vor einigen Jahren wieder aus der Versenkung auf und begannen ausführlich zu touren, so dass ich endlich den schon lange überfälligen Konzertbesuch nachholen konnte. Im vorletzten Jahr hatte ich leider keine Zeit auf den Gig der Band zu gehen, letztes Jahr hätte es mit meinen Terminen funktioniert, allerdings wurde der Auftritt kurzfristig abgesagt; doch nun sollte dem lange geplanten Konzertbesuch eigentlich nichts mehr im Wege stehen.


Die Schlange vor dem Ticketschalter war überschaubar, auch im Bett selbst war noch nicht so viel los, so dass ich mir in Ruhe noch etwas zu trinken holen und einen Blick auf das recht umfangreiche Merchandise-Sortiment werfen konnte.


War der Konzertbeginn eigentlich für 20.30 Uhr angesetzt, so betritt erst eine halbe Stunde später JP Kennedy die Bühne, der an diesem Abend die Aufgabe hat, die mittlerweile deutlich zahlreicheren Besucher auf die Hauptband einzustimmen. Mit den leicht zotteligen roten Harren, einem ebensolchen Bart und einer Akustikgitarre vor der Brust sieht er praktisch wie der Inbegriff des irischen Straßenmusikers aus. Das Set verstärkt dann auch diesen Eindruck, besteht es doch aus Folk-Klassikern wie "Dirty Old Town" oder dem unvermeidlichen "Whisky in the Jar", ergänzt um einige nette Eigenkompositionen wie den nicht sonderlich ernst gemeinten "Hangover in Hannover" oder "Las Vegas in the Hills of Donegal". Ebenso wichtig wie die Musik ist ihm dabei auch die Interaktion mit dem Publikum; Mr. Kennedy hat fast zu jedem seiner Lieder eine Kleinigkeit zu erzählen und macht den einen oder anderen Scherz, wobei die Nachfrage wie Eintracht Frankfurt in der Bundesliga an diesem Tag gespielt hat nicht ganz so gut ankommt. Am Ende des gut halbstündigen Auftritts verabschiedet sich der Musiker schließlich mit einer sehr ungewöhnlichen, aber hörenswerten, Version des The Undertones-Hits "Teenage Kicks" in den Backstage-Bereich.



Obwohl die Instrumente schon auf der Bühne aufgebaut sind, lassen sich die Bollock Brothers dann doch ein bisschen viel Zeit und betreten kurz vor 22 Uhr, angeführt von Bassist Richard Collins, die Bühne des Bett. Als letzter schlendert schließlich ein älterer Herr in in dunkelblauem Anzug, scheußlicher Krawatte und modisch-blondierter Stachelfrisur ans Mikrofon. Dabei handelt es sich jedoch nicht, wie das Aussehen vermuten lässt, um einen in Würde gealterten Handelsvertreter sondern um Jock McDonald, Sänger, Kopf und letztes verbliebenes Gründungsmitglied der Band. Doch schon nach der netten Begrüßung und den ersten Zeilen des Openers macht sich bei Mr. McDonald leichter Unmut breit, da sein Mikrofon den nötigen Wumms vermissen lässt. Nachdem die Diskussion, wer das lauteste Mikrofon hat jedoch zur Zufriedenheit aller Beteiligten geklärt ist macht die Band einen erneuten Anlauf. Bei "Four Horsemen", einem meiner Lieblingsstücke, kommen die Vocals dann auch deutlich druckvoller und die Zuschauer feiern nach Kräften. Beim folgenden "Horror Movies" sind es vor allem die Keyboard-Passagen die das Stück tragen, während der Refrain irgendwie etwas unkoordiniert wirkt. Jock McDonald ist augenscheinlich mit der Technik und mit der Performance der Band immer noch nicht so wirklich zufrieden und bittet mehrfach beim Publikum um etwas Geduld und verspricht, dass es besser wird, je länger das Konzert dauert. Für "Cyberspace Polaroid" steuert die reizende Mademoiselle Elodie einige Vocals bei, die man in dieser Intensität gar nicht von solch einer zierlichen Person erwartet hätte. Zwischendurch schiebt die Band noch ein kurzes Cover von Rod Stewart ein, bevor es mit dem eigentlichen Stück weitergeht; vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber sicherlich nicht schlecht. Danach folgt ein großartiges "Best Of"-Set, das neben "Woke Up This Morning And Found Myself Dead", "Henry The 8th", dem wahrscheinlich bekanntesten Stück der Band, "Harley David (Son of a Bitch)", und dem swingenden "Jack The Ripper" auch meinen ungeschlagenen Liebling "King Rat" umfasst.
Daneben spielt die Band einige eher unbekannte Stücke, die allerdings auch recht gut beim Publikum ankommen, vor allem die groovende Mitgröhlnummer "Jesus Lived Six Years Longer Than Kurt Cobain" oder "Queen & Country", dem verstorbenen Keyborder Mark Humphrey gewidmet, bleiben mir davon im Gehörgang hängen. Daneben streut die Band immer wieder Coverversionen, manchmal nur Fragmente, ein um das eigene Repertoire aufzulockern. Dazu passt auch, dass Jock McDonald immer wieder kleine Anekdoten aus seinem bewegten Musikerleben, beispielsweise über einen Bordellbesuch in Frankfurt oder vertauschte Ausweispapiere auf dem Flughafen erzählt.

Gelegentlich zieht er sich auch kurz in den Hintergrund der Bühne zurück und überlässt das Mikrofon seinen Mitstreitern. So darf Drummer Patrick Pattyn bei "Beats Of Love" übernehmen, Gitarrist Chris McKelvey ist leider bei "Fields of Athenry" praktisch gar nicht zu verstehen (was aber definitiv nicht am Mikro liegen kann) und mit dem Sex Pistols-Cover "Pretty Vacant" bringt Bassist Richard Collins das vorher eher entspannt mitwippende Publikum zum wilden Pogen, was schließlich in einigen unfreiwilligen Bier- und Äppler-Duschen mündet.

Nach fast 100 Minuten zieht sich die Band von der Bühne zurück und ich nutze die Gelegenheit für ein kleines Schwätzchen mit JP Kennedy, der sich mittlerweile unters Publikum gemischt hat und neben mir steht.

Für die erste Zugabe soll eigentlich eine Dame aus dem Publikum den Gesangspart von "Ace Of Spades" übernehmen, doch trotz eines Cola-Cognacs um die Hemmungen abzubauen ziert sie sich leider, bleibt aber für die nächsten beiden Stücke dekorativ tanzend auf der Bühne. Danach brauchen die Herren, sie sind schließlich alle nicht mehr die jüngsten, nochmals eine klitzekleine Pause und betreten schließlich nach wenigen Minuten noch ein letztes Mal die Bühne. Nachdem es schon mehrfach lautstark gefordert wurde ist es nun endlich an der Zeit, das gut zweistündige Set mit dem großartigen "Faith Healer" würdig abzuschließen.



Obwohl sich die Halle rasch leerte blieb ich noch ein paar Minuten bei der sich direkt anschließenden Desperate Society Party, war dann aber doch letztendlich viel zu müde um noch großartig mitzufeiern, zumal sich die Heimfahrt erfahrungsgemäß immer sehr in die Länge zieht.



Nach der anfänglichen Diskussion darum, wer das lauteste Mikrofon hat befürchtete ich eigentlich, dass das Konzert in einem Debakel enden würde. Doch hielt Jock McDonald sein Versprechen und lieferte mit seiner Band ein großartiges Konzert bei dem Setlist, Stimmung und schließlich auch dieTechnik passten. Da störte es auch nicht weiter, dass die kurzfristig anberaumte Improvisation von "Ace Of Spades" doch nicht zum Einsatz kam oder das ein oder zwei Stücke fehlten, mit denen ich fest gerechnet hatte. Die Atmosphäre im Das Bett war, eigentlich wie immer, sehr entspannt und familiär - was den kleinen Frankfurter Club zu einer meiner liebsten Veranstaltungsorte macht.


Samstag, 6. Februar 2016

Spielwarenmesse Nürnberg 2016

[Messe] Spielwarenmesse 2016
Donnerstag, 28. Januar 2016
Nürnberg


Ist die SPIEL in Essen das Mekka aller Spielbegeisterten und Konsumwütigen, so stellt die Spielwarenmesse in Nürnberg quasi den Gegenentwurf hierzu dar. In den Messehallen herrschen weitgehend Ruhe und Zurückhaltung, die meisten (Fach-)Besucher gehen zielstrebig und konzentriert ihren Geschäften nach und praktisch nie kommt es zu Drängeleien oder Geschubse. Zwar gibt es hier kaum Spielmöglichkeiten, dafür steht in der Regel jedoch qualifiziertes Fachpersonal bereit, das in der Lage ist, Fragen zu den meisten Spielen zu beantworten. In den letzten Jahren habe ich die entspannte Atmosphäre in den Nürnberger Messehallen doch sehr zu schätzen gelernt und freue mich jedes Jahr darauf, mir die Neuheiten der Aussteller ansehen zu können.
Ich hatte in diesem Jahr eine relativ genaue Vorstellung, was ich mir bei den verschiedenen Verlagen anschauen wollte, ließ mir aber auch ein ausreichend großes Zeitfenster, um einfach so ein wenig die Produkte der verschiedensten Hersteller zu betrachten.  Akkreditierung, Bahnfahrkarten und der notwendige Urlaub waren schnell organisiert, und so stand einem kleinen Ausflug zur Messe eigentlich nichts mehr im Weg.
Wie auch schon im letzten Jahr verlief die Anreise mit der Bahn, abgesehen von der obligatorischen Verspätung auf dem Weg zum Frankfurter Hauptbahnhof, schon ungewöhnlich problemlos. Ich hatte grade noch Zeit, mir ein wenig Reiseproviant zu besorgen, als mein Zug auch schon in den Bahnhof einfuhr und mir einen (vermeintlich) ruhigen Platz zu suchen. Eigentlich wollte ich nach einer sehr kurzen Nacht die drei Stunden Fahrt für ein kurzes Schläfchen nutzen, allerdings machte die wilde und lautstarke Knutscherei des Paares im Sitz vor mir jegliche Hoffnungen auf etwas Ruhe zunichte.


So kam ich dann etwas zerknittert, aber immerhin pünktlich, kurz nach 9 Uhr an der Messehalle an und ging fast auf dem direktem Weg zum Pressezentrum, um dort meine Jacke zu verstauen und mir den aktuellen Messekatalog zu holen. Dermaßen präpariert konnte ich mich nun daran machen, meine To-Do-Liste abzuarbeiten.


Auf dem Weg zu meinem ersten Ziel musste ich die Halle 7A passieren, in denen die Hersteller der verschiedensten fernsteuerbaren Fahrzeuge ihren Platz gefunden haben. Nachdem einer meiner Kollegen mich ein wenig mit seinen Quadkoptern angefixt hat, nutzte ich die Gelegenheit auf der Messe auch einen kurzen Blick auf die angebotenen Modelle zu werfen. Die schier unüberschaubare Auswahl überforderte mich jedoch komplett und daher packte ich lediglich einige Kataloge ein um diese zu einem späteren Zeitpunkt und vielleicht mit sachkundiger Hilfe durchzugehen.


Mein eigentliches Ziel lag jedoch bei den Modellbauern in Halle 7, hier war ich vor allem neugierig, was den britischen Tabletop-Marktführer Games Workshop nach Nürnberg verschlagen hatte. Normalerweise machen die Mannen aus Nottingham um solche Veranstaltungen einen weiten Bogen. Der überraschend kleine Stand lag ziemlich zentral in der Halle und außer einem großen Diorama mit Figuren des Fantasy-Systems Warhammer – Age of Sigmar und einer Vitrine mit einigen weiteren Figuren gab es eigentlich nichts wirklich Spannendes zu sehen. Wirklich interessante Neuigkeiten ergaben sich dann auch erst nach dem Gespräch mit dem Standpersonal. Vor allem die Rückkehr des großartigen Fantasy-Football-Spiels Blood Bowl mit neuen Figuren und überarbeiteten Regeln im nächsten Jahr sorgte bei mir für sichtbare Vorfreude, da dieses Spiel seit über 20 Jahren zu meinen Lieblingen zählt. Auch nicht unspannend war die Ankündigung, alte, relativ einfache Bausätze der Space Marine- und Ork-Fraktionen aus dem Warhammer 40.000-Universum neu zu verpacken und mit einigen Farben, Pinsel und Kleber als Einstiegsmodelle an eine jüngere Zielgruppe zu vermarkten. Angesichts der angekündigten Preise dürften die Modelle aber auch für altgediente Spieler interessant sein, die ihre Armeen aufstocken wollen. Im Vergleich zu den letzten Jahren tummelten sich in dieser Halle auch erstaunlich viele Hersteller von Lack- und Acrylfarben, von denen ich Acrylicos Vallejo auf jeden Fall einen Besuch abstatten wollte. Neben einigen neu zusammengestellten Farbsets und Airbrush-Farben mit neuer Rezeptur war es vor allem das Buch The Rise of Fantasy, das ich gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Autor Juan Barrena beschreibt hier dezidiert die Entstehung einiger großartiger Dioramen von den ersten Skizzen bis hin zum fertigen Werk. Nebenan bei MIG Productions konzentrierte man sich in erster Linie auf den Einsatz von Pigmenten um Modellen den letzten Schliff zu geben. Auch hier standen Produkte im Vordergrund, die dem Anwender die Erzielung spektakulärer Effekte erleichtern sollen. Während einer kurzen Vorführung hatte ich schließlich die Gelegenheit einige Erklärungen einzuholen, die mir hoffentlich bei künftigen Projekten helfen werden.
Ich konnte diesen Hallenbereich nicht verlassen ohne vorher noch einen Blick auf den Stand des Airbrush-Pistolen-Herstellers Badger zu werfen, wo ein Künstler den ganzen Tag damit beschäftigt war die Tankverkleidung eines Motorrads zu verschönern. Auch bei einigen anderen Modellbauherstellern wie beispielsweise Italeri, Heller oder Zvezda warf ich noch einen schnellen Blick auf die Neuheiten, fand aber nichts wirklich Spektakuläres, so dass ich mich schon bald weiter auf den Weg zu meinen eigentlichen Ziel, der Halle 10, machte.

Zwischendurch schaute ich noch kurz bei Folat vorbei, einer niederländischen Firma, die allerlei Partyzubehör im Angebot hat. Zwar gab es hier auch einige recht interessante Dinge zu sehen, Luftballons in allen Farben und Formen oder wirklich lustige Scherzartikel, doch ich interessierte mich eher für das großartige Give-Away, das am Messestand abgeholt werden konnte. Mit dem stabilen Trolley fiel das Gewicht der zahlreichen Prospekte, Kataloge und Flyer die sich schon nach kurzer Zeit in meiner Tasche angesammelten gar nicht mehr auf und ich konnte, spürbar erleichtert, meinen Weg zu meinen weiteren Zielen fortsetzten.

In Halle 10 war die erste Anlaufstelle natürlich der mächtige Stand von Kosmos, deren Experimentierkasten KosmoBits am Tag zuvor mit dem Toy Award 2016 ausgezeichnet worden war. Wie schon frühere Experimentierkästen, so ist auch hier das Ziel Kinder spielerisch an Themen mit technischem Hintergrund heranzuführen, in diesem Fall die Programmierung eines Bewegungssensors. Mit diesem lassen sich dann nicht nur kleine Spiele auf dem Pad steuern sondern auch praktische Anwendung entwickeln. Ein interessantes Konzept, ganz in der Tradition des Kästen, mit denen ich seinerzeit herumgewerkelt habe. Natürlich gab es daneben auch mit der Big Box die unvermeidliche Erweiterung für die Siedler von Catan und eine Neuauflage des dazugehörigen Kartenspiels. Leider macht der Star Wars-Hype auch bei diesem Hersteller keine Ausnahme und mir stellte sich die Frage, ob die Welt unbedingt ein Star Wars Ubongo gebraucht hätte. Glücklicherweise gab es aber auch noch einige originelle Konzepte zu sehen, so beispielsweise Schmuggler, bei dem die Spieler Gegenstände in Knete verstecken und diese durch die Kontrolle schmuggeln müssen, oder das Bauspiel Imhotep, das die Pyramidenkonstrukteure und Taktiker fordert. Natürlich bekommt das Detektivzubehör der Die drei ???-Reihe ebenfalls einigen Zuwachs und verschiedene kleinere Spiele erweitern das Portfolio des Verlags. Meine nächstes Ziel befand sich am entgegengesetzten Ende der Halle und ich unterbrach meinen Weg nur kurz, um die neuesten Würfel zu bestaunen, die Q-Workshop aus Polen mitgebracht hatten. Hier war man anscheinend der Meinung, das jede Kampagne des Pathfinder-Rollenspiels einen eigenen Würfelsatz braucht, ebenso wie verschiedene Cthulhu-Settings. Daneben gab es natürlich noch einige universelle Würfelsets, edel aufgemachte Würfelbecher und stylische, auf das jeweilige Spielsystem abgestimmte, Würfeltürme zu bestaunen. Nach diesem kurzen Intermezzo erreichte ich schließlich mein eigentliches Ziel, den Stand des Heidelberger Spieleverlag. Natürlich waren auch hier die Star Wars-Spiele prominent vertreten. Neben dem kleinen, schnellen Raumkampfspiel X Wing, dessen kommende Neuerscheinungen ich schon in der Vitrine betrachten konnte, die strategische Raumschlacht Armada und der Dungeon Crawler Imperial Assault. Um die Konflikte aus den Filmen schließlich auf ein galaktische Maß zu bringen wird in Kürze Rebellion erscheinen, bei dem die Spieler entweder als Rebellen oder Imperiale um die Kontrolle über ganze Planetensysteme ringen und dabei das komplette aus den Filmen bekannte Arsenal, einschließlich der Todessterne, einsetzen können. In eine ganz ähnliche Richtung geht das im Warhammer 40.000-Universum angesiedelte Strategiespiel Verbotene Welten, bei dem ebenfalls verschiedene Fraktionen um die Kontrolle über Planeten und Ressourcen ringen. Natürlich gab es auch noch einige andere Spiele, darunter weitere Lizenzprodukte, zu sehen, beispielsweise den Dungeon-Crawler Dungeon Saga, der zumindest optisch eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit dem Klassiker HeroQuest aufweist, Spiele zu den Fernsehserien Homeland und Game of Thrones oder Twin Tin Bots, bei dem die Spieler Bewegungsabläufe für ihre Roboter planen und diese in einen Parcours schicken. Danach ging es hinüber zu Pegasus Spiele, die wie schon im letzten Jahr, mit einem recht großen Stand im Übergangsbereich der Hallen 10 und 11 anzutreffen waren und hier ihr komplettes Produktsortiment aufgebaut hatten. Viel interessanter als die schon erhältlichen Spiele waren für mich jedoch die kommenden Neuheiten, auf die man schon einen ersten Blick werfen konnte. Hier waren es vor allem Fortsetzungen und Ableger schon bekannter Titel, beispielsweise der Kartenspielversion des großartigen Intrigen-Spiels Junta, die eigenständige Munchkin Steampunk-Erweiterung oder Schattenland, der vereinfachte Einsteig ins Cyberpunk-Rollenspiel Shadowrun, die mich interessierten. Aber auch einige originelle Neuheiten gab es zu bestaunen, so die abenteuerliche Suche nach dem Yeti oder das putzig anzuschauende Gierige gierige Goblins, die sich beide an eine etwas jüngere Zielgruppe richten. Viele der hier ausgestellten Neuheiten befanden sich noch in einer mehr oder minder frühen Entstehungsphase, aber zumindest konnte sich der interessierte Spieler ein Bild davon machen, was in den nächsten Monaten von den Friedbergern veröffentlicht wird. Nachdem ich mir damit auf der unteren Ebene einen ersten Überblick verschafft hatte, ging es weiter in der ersten Stock der Halle 10, in der die meisten traditionellen Brettspielverlage untergebracht waren.


Direkt von der Rolltreppe aus stolperte ich in den Stand von Schmidt Spiele, bei denen es wieder einige hübsche Spielideen zu sehen gab. Hier bekam der Spielernachwuchs etwas geboten, zum Beispiel mit Burg Flatterstein, bei dem die Spieler Fledermäuse mittels eines Katapultes in eine Schlossruine befördern müssen. Aber auch für ältere Semester gab es das eine oder andere interessante Stück: so müssen die Spieler bei Skull King – Das Würfelspiel die Anzahl der Stiche ansagen, die sie erwürfeln; ein interessantes Konzept, für mich mit meiner Würfelphobie aber eher ungeeignet. Viel besser, sowohl optisch als auch vom Spielkonzept her, gefiel mir dagegen das Kartenstichspiel Vampire Queen das sich durchaus auch für größere Spielergruppen eignet. War ich beim Erscheinen von Star Wars Carcassonne Ende letzten Jahres schon etwas irritiert gewesen, überraschte mich die Ankündigung einer Erweiterung nun nicht mehr ganz so sehr. Ob es dann aber tatsächlich ein Star Wars Qwirkle braucht, dessen Prototyp schon hier ausgestellt war, möchte ich doch bezweifeln. Amigo entwickeln sich dagegen immer mehr zum Spezialisten für kleine, feine Kartenspiele mit denen sich Spieler aller Altersgruppen anfreunden können. Optisch machten Dao, Unter Spannung oder auch Schnapp den Sack nicht unbedingt viel her, zeigten aber, dass es immer noch möglich ist, altehrwürdigen Spielprinzipien neue Aspekte abzugewinnen. Die kurzen Testspiele machten zumindest Appetit auf mehr und die Spiele werden wohl in absehbarer Zeit meiner Sammlung hinzugefügt werden. Ganz besonders bin ich jedoch auf die Wizard Jubiläumsedition gespannt, die dem Spiel nicht nur neue Artworks sondern auch noch sechs neue Karten spendiert um das Spielgeschehen durcheinander zu bringen.


Ich bin, zugegebenermaßen, ein großer Freund der Spiele des Verlags Iello und war entsprechend neugierig was die Franzosen in diesem Jahr vorstellen würden. Neben einer, noch namenlosen, Erweiterung für die Monsterkeilerei King of New York gab es Prototypen des strategischen Worker Placement Spiels Bunny Kingdom zu sehen, bei Oceanos machen sich die Spieler in U-Booten auf eine unterseeische Schatzsuche um sich anschließend bei Sea of Clouds als Luftschiffpirat in luftigen Höhen auf Kaperfahrt zu gehen. Neben diesen schon weit fortgeschrittenen Spielentwicklungen gab es dann noch eine ganze Reihe kleinerer Spiele in verschiedenen Entstehungsstadien zu sehen. Gerne hätte ich zu dem einen oder anderen Spiel einige Fragen gestellt, doch das Standpersonal zog sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit entweder in das improvisiertes Büro oder vor den Computer zurück und war dann nicht ansprechbar. Schade eigentlich!
Viel entgegenkommender war man dagegen bei Asmodee, die mittlerweile eine beeindruckende Anzahl an Verlagen, beispielsweise Days of Wonder, Treefrog Games, Ludically oder auch Lookout Games, unter ihrem Dach versammelt haben. Hier waren es vor allem die, ursprünglich über Kickstarter finanzierten, Brettspiele mit ihrer opulenten Ausstattung welche die Aufmerksamkeit auf sich zogen. So wie beispielsweise Blood Rage, in dem die Spieler mit ihrem Wikinger-Clan plündern, Questen erfüllen und Länder erobern um vor dem drohenden Ragnarök Ruhm und Ehre anzuhäufen, um schließlich an der Tafel der Götter in Walhalla zu sitzen. Auch der neueste Zombicide-Ableger Black Plague fällt in diese Kategorie und verlegt die Bedrohung durch die Untoten Horden ins finstere Mittelalter. Neben dem sehr umfangreichen Spielmaterial haben die Autoren dem Spiel sogar noch einige Neuerungen verpasst. In eine etwas andere Richtung geht dagegen das cthuloide Weird War-Strategiespiel Shadows over Normandie: hier müssen die Spieler kurz nach dem D-Day entweder verhindern, dass die bösen Nazis den großen Cthulhu beschwören oder als Achsenmächte die Invasoren zurück ins Meer drängen. Ebenfalls an regem Besucherinteresse konnten sich die grafisch wirklich überragende Mörderhatz Mysterium und das Zeitreise-Epos T.I.M.E. Stories erfreuen, zu dem die beiden Erweiterungen Der Marcy-Fall und Die Drachenprophezeiung präsentiert wurden. Trotz der zahlreichen Besucher nahm sich das Standpersonal tatsächlich die Zeit und beantwortete Detailfragen zu den Spielen ausführlich und erstaunlich fachkundig; auf einer Messe nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit. Auch bei Queen Games hatte man sich wieder angestrengt, um mit einigen Neuheiten aufzuwarten. Risky Adventures, eine Schatzjagd rund um den Erdball in bester Indiana-Jones-Manier, das Architektenspiel World Monuments und auch das im viktorianischen England angesiedelte Handelsspiel London Markets machten sowohl optisch, als auch von der Spielidee her einen ziemlich guten Eindruck. Ob dieser erste Eindruck auch bei einer eingehenderen Prüfung Bestand hat werden dann wahrscheinlich die nächsten Spieleabende zeigen.
Nachdem ich im letzten Jahr mein erstes Krimi-Dinner hinter mich gebracht habe, war ich von diesem Konzept doch sehr angetan und wollte die Messe nutzen, um mich nach eventuellen Fortsetzungen umzuschauen. Fündig wurde ich hier bei Krimi Total, einem Dresdner Verlag, der sich auf solche Publikationen spezialisiert hat. Dem netten Herrn am Stand gelang sogar das Kunststück, mir relativ viel über die Produkte zu erzählen ohne dabei zu spoilern. Zumindest das neu erschienene Intrigen-Epos Die Yacht der Macht, über eien Mord im Umfeld der korrupten Führung einer Bananenrepublik und das schon etwas ältere Im Schatten der Premiere, angesiedelt im Prag der 1920er Jahre, sind bestellt und werden in nicht allzu ferner Zukunft für hoffentlich spannende Abende sorgen. Schließlich stand noch der moses. Verlag auf meiner Liste, die immer wieder interessante Quiz- und Rätselspiele im Programm haben. Den meisten Spielern dürfte die Black Stories-Serie ein Begriff sein, die in Kürze mit der Scary Music Edition eine weitere Fortsetzung erhält, aber auch die Produktpalette zum Fernsehkrimi tatort wächst kontinuierlich. Daneben haben mir besonders gut das Geographie-Ratespiel Wo ist bitte Umtata? und Mr. Lister's Quiz Shooutout gefallen, beides Spiele, bei denen die Spieler endlich eine sinnvolle Anwendung für ihr mühevoll angesammeltes und normalerweise nutzloses Detailwissen haben. Obwohl es nicht unbedingt in mein Ressort fällt musste ich schließlich noch einen Blick auf die Collection Art-thérapie werfen, eine Serie mit Malbüchern der etwas anderen Art und wirklich sehenswert.


Nachdem ich damit praktisch meine komplette To-Do-Liste abgearbeitet hatte, machte ich mich wieder auf den langen Marsch ins Pressezentrum, um dort die zahlreichen Kataloge zu überfliegen, noch einige interessante Ziele herauszupicken und, ganz wichtig, ein paar Minuten die geschundenen Füße hochzulegen. Im Nachhinein stellte sich dies jedoch als kapitaler Fehler heraus, denn bei der zweiten Runde schmerzte jeder Schritt umso mehr. Immerhin konnte ich mein Gepäck hier ablegen und mich einigermaßen unbeschwert auf den Weg in die Hallen 3 und 4 machen.


Ich würde mir zwar selbst nie eine Modelleisenbahnanlage ins Wohnzimmer stellen, aber es ist doch schon beeindruckend, was Firmen wie Märklin, Faller oder Brawa aufstellen: Bei den, mit viel Liebe zum Detail gestalteten, Anlagen kann man wahrscheinlich stundenlang davor stehen und entdeckt immer noch neue, winzige Einzelheiten, die die Szenerie zum Leben erwecken. Einen etwas praktischeren Nutzwert für mich hatten die Produkte des Geländeherstellers Noch, die ich immer wieder gerne für die Gestaltung meiner Tabletop-Miniaturen und der dazugehörigen Szenerie nutze. Vor allem die realistisch aussehenden Gewächse hatten es mir angetan, aber auch für die verschiedene Effekte für Wasser, Eis und Schnee habe ich künftig sicherlich die eine oder andere Anwendung.
Der Weg zu meinen letzten Ziel führte mich durch Hallen vollgestopft mit Puppen, Schulutensilien, Kinderwagen und Feuerwerksartikeln, die ich alle weitgehend ignorierte, da ich wieder einmal viel zu viel Zeit vertrödelt hatte.
Schließlich kam ich bei meinem letzten Ziel, der Halle 12 an, die traditionell von den wirklich großen Spielzeughersteller wie Mattel, Playmobil, Revell oder Lego unter sich aufgeteilt wird. Wie in jedem Jahr stand ich vor den beinahe mannshohen Bauklötzchenfiguren des dänischen Herstellers im Eingangsbereich und staunte über die Details. Neben dem virtuellen Dimensions-Spielsystem stand die neue Figurenserie der Nexo Knights im Mittelpunkt, deren Figuren mich teilweise extrem an das Tabletop Warmachine erinnerten. Nachdem ich mich satt gesehen hatte schlenderte ich relativ gemütlich an den anderen Ständen vorbei, betrachtete die dort präsentierten Produkte und hielt noch das eine oder andere Schwätzchen mit Besuchern und Ausstellern. Einzig bei Revell verbrachte ich ein wenig mehr Zeit als eigentlich geplant. Auch dieser Hersteller kann sich über einen Toy Award für die Junior Kits freuen. Diese Auto-Bausätze machen optisch wirklich einen sehr guten Eindruck und sind solide genug, die Aufmerksamkeit der Zielgruppe längere Zeit zu überstehen. Ansonsten gab es auch hier zahlreiche Star Wars-Modelle zu sehen und auch der Trend zu ferngesteuerten Fahrzeugen am Boden, zu Wasser und in der Luft ist ungebrochen. In den, mit Fangnetzen abgesicherten, Bereichen konnten die Besucher sogar selbst Hand an die Fernbedienungen legen und einige Proberunden absolvieren.


Für die Rückkehr ins Pressezentrum und das dort stattfindende gemeinsame Essen blieb mir nicht mehr sonderlich viel Zeit und so wählte ich den Weg über die Außenflächen um schneller voran zu kommen. Und tatsächlich gelang es mir auch rechtzeitig um 17.30 Uhr am Restaurant zu sein und den traditionellen Messecocktail zu verkosten. Für meinen Geschmack war der Tolls Toyce mit seiner Mischung aus Cidre, Williams, Applie Pie Syrup und Rhabarbernektar jedoch deutlich zu süß und ich beließ es beim Anstandsglas. Das anschließende Essen fand dann wieder in ausgesprochen gelöster Atmosphäre statt und es wurden fröhlich Meinungen und Gerüchte ausgetauscht, wobei die wirklichen Spieler unter den anwesenden Pressevertretern deutlich in der Unterzahl waren. Die Tipps für den weiteren Messebesuch konnte ich mir dagegen sparen, da ich mich am gleichen Abend wieder auf den Heimweg machen musste. Diesmal hatte ich einen früheren Zug gebucht, daher verließ ich das Restaurant recht zeitig und bahnte mir meinen Rückweg durch die nahezu ausgestorbenen Messehallen. Nur gelegentlich kam mir ein Besucher entgegen, der entweder auf der Suche nach einem Ausgang vom Weg abgekommen war oder eine der zahlreichen After-Show-Partys besuchen wollte.
Die Heimreise verlief dann, ebenso wie schon die Hinfahrt, angenehm ereignislos und ich hatte sogar die Gelegenheit immer wieder ein bisschen zu dösen. So kam ich nicht ganz so zerstört wie in den Vorjahren gegen Mitternacht in Ingelheim an und machte mich, nun im Auto, auf die letzte Etappe meines Weges um dann am nächsten Morgen mit der Sichtung des Materials zu beginnen.


Neben schmerzenden Füßen, einer leichten Erkältung und einer gewaltigen Menge an Katalogen konnte ich von der diesjährigen Spielwarenmesse noch einige wichtige Erkenntnisse mitnehmen: Der Zombie-Hype hat offensichtlich seinen Zenit überschritten und nur noch ganz vereinzelt müssen die Untoten für mehr oder minder gelungene Spielkonzepte und andere Produkte herhalten. Auch von den augenfeindlichen quietschgelben Minions war im Vergleich zum letzten Jahr kaum noch etwas zu sehen. Dafür gab es praktisch kein Produkt, vom Kugelschreiber über Luftballons, Kindersessel und Plüschfiguren bis hin zur ausgewachsenen Hüpfburg, das nicht mit jeglicher Art von Star Wars-Motiven zugepflastert wäre. Während man durch die Hallen schlenderte war förmlich zu hören, wie sich die Geldströme auf die Konten des Disney-Konzerns und George Lucas ergossen. Auch sonst war die Lizenzabteilung des Filmstudios nicht faul gewesen und hatte praktisch alle Charaktere die im Laufe der Jahre auf der Leinwand zu sehen waren in irgend einer Form auf Spielzeug, Taschen oder anderem Merchandise verewigt.
Von diesen Exzessen einmal abgesehen gab es auf der Messe einige recht interessante und originelle Spiele und Spielzeuge zu sehen; grade die Zusammenführung analoger und digitaler Spielwelten schreitet langsam aber stetig voran. Kosmos haben dafür mit ihren Produkten ein sehr schönes Beispiel vorgelegt, aber auch andere Verlage arbeiten erfolgreich in diese Richtung und langsam entstehen funktionierende Konzepte, die wohl in den kommenden Jahren in einer völligen Verschmelzung münden könnten. Aber auch in den Kinderzimmern hält die Elektronik immer mehr Einzug, von Puppenhäusern, die sich über das Smartphone steuern lassen bis hin zu Plüschtieren, die mit diversen Sensoren ausgestattet sind. Und schließlich gibt es immer noch tolle, überraschende Ideen für traditionelle Brett-, Karten- oder Würfelspiele, so dass auch für die Messen der nächsten Jahre genug Stoff vorhanden sein dürfte.

Sonntag, 17. Januar 2016

The Busters; Alte Schmelze; Wiesbaden

[Konzert] The Busters
 Donnerstag, 14. Januar 2016
Alte Schmelze, Wiesbaden



Mit Ska, Reggae oder Rocksteady verbindet man eigentlich Sommer, Sonne, Sonnenschein, Strand und kühle Getränke mit Schirmchen drin; tatsächlich finden die meisten Ska-Konzerte in meiner Umgebung (zumindest kommt es mir so vor) aber im Herbst oder Winter bei nasskaltem Wetter in kleinen bis mittelgroßen Hallen statt. In dieses Schema passt dann auch, dass eine der dienstältesten deutschen Ska-Bands, The Busters, im Rahmen ihrer "Busting, Blasting, Everlasting"-Tour an einem stürmischen, kalten und verregneten Donnerstag Anfang Januar in der Alten Schmelze in Wiesbaden Station machen.

Schon um 20 Uhr öffnen sich die Türen der Location und die ersten Besucher huschen auf der Flucht vor dem eisigen Nieselregen ins Foyer der kleinen Halle. Hier hat man die Gelegenheit sich mit Platten, Shirts und allerlei anderem Merchandise einzudecken. Auch das Thekenpersonal hat gut zu tun, da die Warterei auf die Band doch durstig zu machen scheint.
Schließlich betritt kurz nach 21 Uhr Gitarrist Alex Lützke die spärlich ausgeleuchtete Bühne, setzt sich auf den einzelnen, verloren wirkenden Stuhl und beginnt akribisch ein kleines Fußbänkchen aufzubauen um dann im Anschluss auf der akustischen Gitarre eine ziemlich großartige Version von „Stairway To Heaven“ zu spielen. Nach diesem, etwas unerwarteten, Auftritt entern nach und nach auch die restlichen zehn Musiker die Bühne und leiten nahezu übergangslos "Mickey Mouse In Moscow" vom 1988er Debütalbum Ruder Than Rude ein. Das Publikum dankt es der Band mit ausgelassenem Tanzen, wobei immer noch ein respektvoller Abstand zur Bühne gehalten wird. Erst nach wiederholter Aufforderung von Sänger Ron Marsman verschiebt sich der gesamte Innenraum ein paar Meter in Richtung der Band.



In den folgenden zwei Stunden bieten The Busters eine sehr breit gefächerte Auswahl aus ihrer nun fast 30jährigen Bandgeschichte. Frühe Stücke wie „Rude Vibrations“, „Whiskey 'til I drop“ oder „No risk, no fun“ wechseln sich mit Cover-Versionen, beispielsweise „Revolution Rock“ von The Clash oder dem aus einer Kooperation mit Farin Urlaub entstandenen „Liebe macht blind“, ab. Dazu kommen natürlich auch immer wieder Stücke des aktuellen Albums Supersonic Eskalator, die ebenfalls recht gut vom Publikum angenommen werden. Besonders zu „Summernight“ und „Hangin' out with the Boys“ wird wild getanzt und gefeiert, leider verzichtet die Band auf „Evil Eve“, mein Lieblingsstück auf dem Album (was absolut gar nichts mit dem Video zu tun hat).
Natürlich dominieren die beiden Sänger Ron Marsman und Ritchie Alexander aka Dr. Ring Ding die Bühne, wechseln sich beim Gesang ab, ergänzen sich, wagen sich an das eine oder andere Duett und interagieren mit dem Publikum. Dennoch lassen sie ihren Mitmusikern genug Raum um sich mit teils spektakulären Solos ebenfalls in Szene zu setzen. Tatsächlich übernimmt Organist Markus Schramhauser gegen Ende des Konzertes sogar Akkordeon und Mikrofon und führt den Rest der Band durch eine völlig überdrehte Version von "Ca plane pour moi", für mich wohl das Highlight des Konzertes. Bei den Zugaben darf schließlich "Dead Or Alive" nicht fehlen, eigentlich DAS Stück, das die Band ausmacht. Schließlich gibt es zum Ausklang, nach mehr als zwei Stunden schweißtreibender Show, mit „Enjoy Yourself“ von den Specials den passenden Schlusspunkt zu einem grandiosen Konzert.


Ob es nun am bescheidenen Wetter lag oder ob die Ankündigung des Konzertes vielleicht etwas untergegangen ist weiß ich nicht, doch leider kam nur relativ wenig Publikum an diesem Abend in die Alte Schmelze. Die Halle war zwar nicht wirklich leer, aber doppelt so viele Leute hätten sicherlich auch Platz gefunden. Immerhin hatte man genug Raum um ausgelassen zu tanzen und wild zu feiern, was angesichts der treibenden Musik auch durchaus angebracht war. The Busters haben sich glücklicherweise von der recht spärlichen Besucherzahl nicht aus der Fassung bringen lassen und ein großartiges Set gespielt. Die ausgewogene Mischung aus neuem Material, liebgewonnenen Klassikern und der einen oder anderen Coverversion, kam beim Publikum augenscheinlich gut an. Die beiden Frontmänner (und natürlich auch der Rest der Band) verstehen ihr Handwerk und haben nicht einfach nur ihr Set runtergespielt, sondern die Besucher immer wieder eingebunden, einschließlich einem kleinen Seitenhieb auf die benachbarte rheinland-pfälzische Landeshauptstadt. Auch technisch gab es bei diesem Konzert nichts zu meckern; die nicht aufdringliche, aber effektive und stimmige Lichtshow passte ebenso zu diesem gelungenen Auftritt wie der gut abgemischte, aber vielleicht einen Tick zu laute, Ton, wobei es hin und wieder zwischen den beiden Sängern ein gewisses Ungleichgewicht gab. Auch die Organisation von Theke, Einlass und Garderobe verdient ein Lob, haben sie doch einen soliden und sehr gut organisierten Job gemacht.


Ein rundum gelungener, toller Konzertabend, bei dem nur das Klingeln des Weckers am nächsten Morgen um fünf Uhr etwas gestört hat.

Donnerstag, 15. Oktober 2015

SPIEL '15

[Messe] SPIEL '15
8.-11. Oktober 2015
Gruga, Essen

Waren meine Besuche der SPIEL in den letzten Jahren immer ein wenig chaotisch und planlos verlaufen, sollte diesmal alles besser werden: Geplant waren nur zwei Tage Messe, Donnerstag und Freitag, der Urlaub war genehmigt, das Zimmer im In Hostel Veritas in Oberhausen gebucht und die Messetickets hingen schon seit Wochen an meiner Pinwand. Im Laufe der Messevorbereitung wurde meine To-Do-Liste jedoch immer länger, außerdem gab es am Samstag spontan noch zwei private Termine, die ich unbedingt wahrnehmen wollte. Daher entschloss ich mich, meinen Aufenthalt in Essen um einen oder sogar zwei Tage zu verlängern. Also musste dringend noch ein Zimmer her, dass ich erstaunlicherweise zwei Tage vor offiziellem Messebeginn tatsächlich auch fand. Das Hotel befand sich in Laufweite zur Gruga, machte auf der Homepage einen sehr netten Eindruck und hatte zu allem Überfluss bezahlbare Preise. Fast zu gut um wahr zu sein! Ohne lange zu zögern buchte ich das Zimmer und freute mich wie ein Schnitzel über den gelungenen Coup. Allerdings folgte die Ernüchterung am nächsten Tag, als mir telefonisch mitgeteilt wurde, dass es wohl eine „Computerpanne“ gegeben hätte und meine Buchung nicht berücksichtigt werden könnte. Nun ohne Zimmer, dafür mit noch weniger Zeit durchforstete ich die Weiten der verschiedenen Buchungsportale und wurde bei einem Hotel im nicht ganz so weit entfernten Velbert fündig. Hier schien die Buchung zu funktionieren, was mir auch auf Nachfrage bestätigt wurde.


Nachdem diese Probleme beseitigt waren, machte ich mich am Donnerstag gut gelaunt bei strahlendem Sonnenschein, aber recht frischen Temperaturen, auf den Weg nach Essen. Allerdings währte die gute Laune nicht sonderlich lange, denn die zahlreichen Baustellen auf der A61 machten die Fahrt nicht wirklich zu einem Vergnügen. Dennoch kam ich relativ gut voran und sogar der Stau rund um Köln hielt sich in einem überschaubaren Rahmen. Dies änderte sich allerdings schlagartig, als mein Navi mir kurz vor Düsseldorf „schwere Verkehrsbehinderungen“ rund um Oberhausen meldete und mich auf diversen Nebenstrecken durch obskure bergische Ortschaften lotste. So gelang es mir den größten Stau zu umfahren - doch die letzten Kilometer vor Essen, brach der Verkehr dann völlig zusammen. Etliche Zubringer sowie Brücken waren marode und deswegen gesperrt, zu allem Überfluss war einige Tage zuvor ein Stellwerk der Bahn ausgebrannt, so dass der Schienenverkehr im Ruhrgebiet dadurch stark beeinträchtigt wurde und schließlich rechnete die Messe mit einem neuen Besucherrekord. Dies alles führte dazu, dass ich erst eine gute Stunde später als geplant in das Parkhaus unterhalb der Messe einfahren konnte.
Dabei hatte ich offensichtlich noch viel Glück gehabt, denn Bekannte aus meinem Nachbarort, die ich später traf und die erst am frühen Nachmittag in Essen eintrafen sprachen von Staus mit über 50 km Länge, völligem Verkehrschaos und überfüllten Parkplätzen.


Als ich die Halle 1 durch einen Seiteneingang endlich betrat brandete mir eine, im ersten Moment, ohrenbetäubende Geräuschkulisse entgegen. Der Eingang befand sich direkt bei der Schnäppchengasse des Heidelberger Spieleverlags und die Shopper standen in Zweierreihen über die ganze Länge des Standes. So dauerte es etwas, bis ich endlich einigermaßen freies Gelände erreichte und mich orientieren konnte. An diesem Tag wollte ich mir einen kleinen Überblick über die Stände verschaffen, mich mit Freunden und Bekannten treffen und vielleicht sogar das eine oder andere Schnäppchen ergattern. Termine oder gar Proberunden waren vorerst nicht eingeplant. Wie gewohnt führte mich der erste Weg in die Halle 2 zum Tabletop-Hersteller Freebooter Miniatures, bei denen ich die Messefigur und einige der zahlreichen Neuheiten mitnehmen musste. Vor allem auf die zweite Ausgabe der Tales of Longfall und die Option auf großangelegte Kämpfe bin ich gespannt und werde diese bei nächster Gelegenheit antesten. Meine nächste Station befand sich in Halle 7 wo ich ein Spiel einsammeln wollte, das ich über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter mitfinanziert hatte.
Bei den Herrschaften von Voodoo Games herrschte schon reger Betrieb und an den drei Spieltische wurde fleißig Karnivore Koala, das Debüt des kleinen Verlages, gespielt. Eigentlich war der Ausliefertermin für Dezember geplant gewesen, doch das Spiel war tatsächlich schon zur Messe fertig geworden. Zwischenzeitlich hatte ich einen Bekannten getroffen, der ebenfalls verschiedene Crowdfunding-Spiele abholen wollte. Konsequent arbeitete er seine Liste ab und hatte bereits zwei prall gefüllte Taschen, dabei war es erst kurz vor Mittag am ersten Messetag. Crowdfunding war dann auch ein Thema, dass sich durch die gesamte Messe zog, sogar mit einem eigenen Stand war Kickstarter hier vertreten um Kunden für ihr Geschäftsmodell zu werben. Bei kleinen, jungen Verlagen kann ich diese Form der Finanzierung ja durchaus nachvollziehen, aber ob etablierte Spieleverlage unbedingt darauf zurückgreifen müssen, bezweifele ich dann doch ernsthaft.
Als bekennender Doctor Who-Fan führt kein Weg am britischen Rollenspielverlag Cubicle 7 vorbei, die mehrere Erweiterungsbände zum Zeitreise-Rollenspiel im Gepäck hatten. Daneben gab es noch einige Cthulhu-Erweiterungen zu bestaunen, das obskure The Laundry-Rollenspiel über eine britische Behörde die sich mit übernatürlichen Ereignissen befasst und noch einige andere Dinge, von denen ich noch nie etwas gehört hatte. Nach diesem kurzen Intermezzo schlenderte ich eher planlos durch die Hallen und ließ mich von den Besucherströmen treiben. Irgendwann landete ich dann beim Uhrwerk Verlag, die mittlerweile eine ziemlich ordentliche Veröffentlichungsgeschwindigkeit an den Tag legen. Nicht nur die Neuheiten zum DSA-Ableger Myranor waren hier aufgebaut, vor allem für ihr eigenes Splittermond-Regelwerk gab es eine ganze Reihe von Quellenmaterial und Abenteuern, beispielsweise das Monsterkompendium Bestien und Ungeheuer. Wie schon in den vorangegangenen Jahren teilte sich der Verlag wieder den Stand mit den Briten von Modiphius, die vor allem Neuheiten zum Weird-War-Rollenspiel Achtung! Cthulhu dabei hatten. Chris Birch, Chef des Verlages, nahm sich dann auch die Zeit um mir einige Fragen zu den kommenden Rollenspielen des Verlages, beispielsweise Infinity und Conan zu beantworten. Leider blieb er mit Informationen zum schon lange angekündigten Tabletop-Skirmish zu Achtung! Cthulhu äußerst vage. Weiter ging es dann zum kleineren der beiden Pegasus-Stände, der sich hauptsächlich auf die beiden Rollenspiele Shadowrun und H.P. Lovecrafts Cthulhu konzentrierte. Von letzterem liegt mittlerweile die siebte Edition vor, die sich optisch doch erheblich von den vorherigen Ausgaben unterscheidet. Spielerisch hat sich wohl nicht übermäßig viel geändert, doch an manchen Stellen müssen die Spieler sich etwas umgewöhnen. Auch nebenan bei Ulisses Spiele drehte sich viel um das Thema Rollenspiel, natürlich in erster Linie um die beiden großen Systeme Das Schwarze Auge und Pathfinder. Mit Fragerunden der Autoren, einem Blick auf die Entstehung der Artworks und die Arbeit des Verlags konnten sich die Besucher die Zeit vertreiben, wenn sie nicht grade an einem der zahlreichen (und gut gefüllten) Demotische neue Spiele der Waldemser ausprobierten.
Ich warf nur einen kurzen Blick auf die Neuheiten und registrierte etwas verwundert die Kooperation mit Soda Pop Miniatures, die im letzten Jahr noch mit einem eigenen Stand auf der Messe vertreten waren. Da meine üblichen Ansprechpartner entweder alle beschäftigt oder nicht zu sehen waren, zog ich relativ schnell weiter um einen Blick in die Halle 3 zu werfen. Vor allem im hinteren Teil der Halle, wo sich Kosmos und Asmodee niedergelassen hatten, waren die Spieltische allesamt belagert und so blieb mir nur, aus der Ferne einen Blick auf Mysterium, Colt Express oder das Schnick-Spiel Flick 'em Up! zu werfen. Dafür blieb ich etwas länger bei Petersen Games (die im letzten Jahr noch unter Green Eye Games firmierten) hängen und konnte mich mit Mastermind Sandy Petersen ein wenig über die verzögerte Auslieferung von Cthulhu Wars und seine geplante Crowdfunding-Kampagne mit neuen Erweiterungen zu diesem Spiel unterhalten.

Generell schwang bei vielen Besuchern, mit denen ich mich unterhielt, leichter Frust mit wenn die Gespräche auf Spiele mit Crowdfunding-Basis zu sprechen kamen. Einige Firmen die im letzten Jahr mit vollmundigen Versprechungen und opulent ausgestatteten Ständen Backer geködert hatten, waren diesmal gar nicht erst zu sehen. So hatten es beispielsweise Marrow Productions aus „logistischen Gründen“ trotz Anmeldung nicht zur Messe geschafft. Ich vermute allerdings, dass sie den mittlerweile ziemlich zahlreichen, ungeduldigen und erbosten Kunden einfach aus dem Weg gehen wollten, die auf ihr Spiel warten. Auch das im letzten Jahr gefeierte Demigods Rising, dass eigentlich schon lange ausgeliefert sein sollte, war nirgendwo zu sehen.

Für mich war es Zeit noch einmal in Halle 1 vorbei zu schauen, die ich bisher fast völlig ignoriert hatte. Bei Battlefront Miniatures und ihren Unterfirmen gab es einige tolle D&D-Miniaturen zu bestaunen und auch das Tabletop Flames of War hatte seinen festen Platz am Stand der Neuseeländer. Auch einige Brettspiele zu Fernsehserien, wie beispielsweise Sons of Anarchy oder Firefly konnten die interessierten Spieler hier antesten. Ich dagegen war mehr an Informationen zum DUST Babylon-Crowdfunding interessiert, dass offensichtlich kolossal in die Hose gegangen war. Leider war niemand vom Standpersonal in der Lage, mir darüber irgendwelche Informationen zu geben, da angeblich keiner der Anwesenden in die ganze Angelegenheit involviert war. Nach diesem kurzen Gespräch zog ich, etwas frustriert, von dannen. Eine schnelle Demorunde des Würfel-Wrestling-Spiels Luchador! bei Backspindle Games hellte meine Stimmung deutlich auf, leider fehlte mir jedoch die Zeit die beiden Scheibenwelt-Brettspiele des Verlags Guards! Guards! und Clacks ebenfalls auszuprobieren.

Der Messetag war schon fast zu ende und ich musste zurück in Halle 7 um meine beiden Begleiterinnen für die Fahrt zum Hotel einzusammeln; die Frage des Abendessens war glücklicherweise schon im Vorfeld geklärt worden. Da sich anscheinend noch andere Besucher bis zur wirklichen allerletzten Minute in den Messehallen tummelten kam es erwartungsgemäß zu einigen Staus auf der Ausfallstrecke in Richtung Oberhausen/Mühlheim. Dies, zusammen mit dem Feierabendverkehr, sorgte dafür, dass es stellenweise keinen Meter mehr voran ging. Als dann noch einige besonders schlaue Autofahrer die Kreuzungen blockierten entstand schnell ein ziemlich langer Rückstau mitten durch Essen. So brauchte ich dann auch für eine Strecke von 15 km etwas über eine Stunde und traf erst nach 20 Uhr in meiner Unterkunft ein. Da wir uns eigentlich um 20 Uhr im CentrO zum Abendessen verabredet hatten blieb weder Zeit zum  frischmachen oder umziehen. Wie schon in den Jahren davor fielen wir mit einer größeren Gruppe in einem griechischen Restaurant auf der Promenade ein. Bei überbackenem Gyros, Ouzo und Bifteki wurden die Eindrücke des Tages ausgetauscht, Tipps für die kommende Schnäppchenjagd gegeben und einfach nur in angenehmer Atmosphäre entspannt.



Der Freitag startete so wie der Donnerstag geendet hatte, mit einem sehr entspannten Essen. Während die anderen Gäste des In Hostel Veritas schon aufgeregt mit den Hufen scharten und sich eilig in Richtung Gruga davon machten, genoss ich die Ruhe am Frühstückstisch und machte mich tatsächlich erst gegen 10 Uhr auf den Weg zur Messe. An diesem Tag hatte ich keinerlei Termine, so dass ich mich voll und ganz darauf konzentrieren konnte, einige Spiele anzutesten. Allerdings hatte ich es (wieder einmal) versäumt mich im Vorfeld bei den großen Herstellern für Proberunden anzumelden. Da ich keine Lust hatte lange auf einen freien Platz an einem der Spieltische bei Kosmos, Asmodee oder auch dem Heidelberger Spieleverlag zu warten, vertrieb ich mir die Zeit lieber mit den vielen kleinen Verlagen. Als Freund gepflegter Tabletop-Spiele gab es auf der diesjährigen Messe für mich viel Neues zu entdecken und so begann ich meine Test-Tour in Halle 2 bei den Briten von Steamforged Games. Diese haben mit Guild Ball eine Mischung aus Skirmish-Tabletop und Football veröffentlicht, bei dem vor mittelalterlich-fantastischem Hintergrund kleine Teams gegeneinander antreten und versuchen einen Ball ins gegnerische Tor zu befördern. Vor allem die Synergieen zwischen den Teammitgliedern und die Spieldynamik machten die Sache für mich interessant und so wanderten zwei Teams und diverser Kleinkram in meinen Rucksack. Direkt gegenüber hatten sich Prodos Games niedergelassen, die im letzten Jahr mit ihrer Neuauflage des Warzone-Tabletops für einiges Aufsehen gesorgt hatten. Dieses Jahr war es vor allem Aliens vs Predator: The Hunt Begins, das die Aufmerksamkeit der Messebesucher auf sich zog. Aliens, Predator und die obligatorischen Marines tummeln sich hier in den Eingeweiden eines Raumschiffes und müssen versuchen verschiedene Missionsziele zu erfüllen. Spielerisch nicht unbedingt originell, aber optisch sehr beeindruckend präsentiert sich das Spiel und entsprechend schnell gingen auch die wenigen Blister mit Figuren über die Theke. Definitiv ein Spiel, dass ich mir bei Gelegenheit genauer anschauen werde, auch wenn der Preis recht stattlich ist.
Gleich mit zwei Ständen waren Games Workshop, der wahrscheinlich weltweit immer noch größte Tabletop-Hersteller, auf der Messe vertreten. Der Stand ihres Ablegers Forge World mit seinen hochpreisigen Resin-Miniaturen war schon die letzten Jahre in Essen zu sehen gewesen. Allerdings hielten sich sowohl die interessanten Neuheiten als auch der Besucherandrang in einem sehr überschaubaren Rahmen. Neu war dagegen ein reiner Präsentationsstand, mit dem das neue Warhammer – Age of Sigmar beworben werden sollte. Zwei Vitrinen mit Miniaturen, ein Banner und ein Monitor mit Promovideo in Dauerschleife war alles, was von dem Spiel zu sehen war. Gerne hätte ich mir eine Demo geben lassen, war doch Warhammer vor vielen, vielen Jahren mein Einstieg in das Tabletop-Hobby - doch leider waren Testspiele nicht vorgesehen. Auch ein Gespräch mit dem Standpersonal brachte keine wirklichen Informationen, außer das es sich hier um die weltbesten Kunststoff-Miniaturen und das ausgeklügelste Spielprinzip überhaupt handele. Diese Behauptungen ließ ich unkommentiert so stehen und verliess etwas irritiert den Stand. Weiter ging es zu Warlord Games, einem anderen Tabletophersteller aus Nottingham. Neben den verschiedenen historischen Systemen, allen voran natürlich Bolt Action, war es das neue Science-Fiction-Spiel Beyond the Gates of Antares, dass mich interessierte. Hübsche, bezahlbare Figuren, ein sehr abwechslungsreicher Spielablauf und bewährte Regelmechanismen dürften dem Spiel bald eine größere Fangemeinde bescheren. Ebenfalls sehr spannend waren die ersten Infos bezüglich des Doctor Who-Tabletops, das die Firma Mitte/Ende nächsten Jahres veröffentlichen will. Als großer Fan der Fernsehserie werde ich sicherlich bei Gelegenheit nachhaken, da ich unbedingt gewaltige Armeen von Daleks und Cybermen gegeneinander hetzen will. Ebenfalls um kleine Püppchen die sich auf einem Spielbrett bewegen ging es bei Super Dungeon Explore mit seinen zahlreichen Erweiterungen, das mittlerweile auch in deutscher Sprache über Ulisses erhältlich ist. Da ich das grundlegende Spiel schon kannte, verzichtete ich auf eine Demo und hielt lieber ein kurzer Schwätzchen mit einigen der Verantwortlichen über die kommenden Entwicklungen, weitere Kooperationen und Ableger wie das kleine, lustige Würfelspiel Schwarzhand-Henrys Trankparty. Ansonsten gab es noch einen kleinen Überblick über das Verlagsprogramm mit den zahlreichen Rollen-, Tabletop- und mittlerweile auch Brettspielen. Nach nur einem guten Jahr Verspätung hatten Micro Art Studio endlich die neuen Wolsung-Figuren dabei, die, völlig überraschend, im Rahmen eines Crowdfunding-Projektes veröffentlicht wurden. Vor allem die Mafia-Halblinge mit ihren Tentakelmonstern hatten es mir angetan und ich konnte nicht umhin einige der Figuren mitzunehmen. Die deutschen Regelwerke, sowohl für das Tabletop als auch das Rollenspiel, zu diesem spannenden Mix aus Steampunk, Magie und Fantasy lassen leider noch auf sich warten. Immerhin hatte die Redaktion Phantastik mit der Urdapedia 1, neben ihren anderen Neuheiten, frisches Spielmaterial für Wolsung im Gepäck.
Nach einigen Demos, etlichen Neuerwerbungen und vielen Informationen stellten sich bei mir erste Ermüdungserscheinungen ein, so dass ich mir im Außenbereich zwischen LKWs und leeren Paletten ein ruhiges Fleckchen suchte. Hier konnte ich relativ ungestört einen Blick auf meine Beute werfen und das weitere Vorgehen planen. In Halle 7 mit ihren zahlreichen Klein- und Kleinstverlagen gab es noch einige Stände, die ich mir genauer anschauen wollte. Und auch hier waren es die Miniaturen und Tabletops, die mich in erster Linie interessierten.
Es war gar nicht so einfach sich seinen Weg durch die Galerie und weiter in die Halle 7 zu bahnen, doch mit gezieltem Einsatz von Ellenbogen, Knien und dem mittlerweile gut gefüllten Rucksack schaffte ich es den Stand von GCT Studios zu erreichen, deren asiatisch angehauchtes Skirmish-Tabletop Bushido mit seinen detaillierten Miniaturen ich sehr schätze. Mittlerweile hat der Verlag mit Rise of the Kage auch ein Brettspiel veröffentlicht, bei dem eine kleine Gruppe Ninjas einen Gebäudekomplex infiltrieren und verschiedene Ziele erledigen muss. Das kurze Testspiel machte durchaus Appetit auf mehr, so dass ich mich ein wenig ärgerte, dies nicht mehr in meinem Budget unterbringen zu können. Titan Forge hatten ihren Stand zweigeteilt: während ihre Resin-Miniaturen in der einen Halle präsentiert wurden, waren die Brettspiele in der anderen Halle zu sehen. Schon im letzten Jahr hatte ich lange vor dem Horror-Dungeon-Crawler Lobotomy gestanden, leider ergab sich aber damals keine Gelegenheit das Spiel gründlich anzutesten. Diesmal konnte ich eine entspannte Partie mit dem Autor spielen und diesen auch mit der einen oder anderen Frage zum Gameplay nerven. Eine gelungene optische Präsentation, die abseitige Thematik und ein sehr eingängiges Spielprinzip konnten mich dann doch rundum überzeugen. Nun muss das, ebenfalls über Crowdfunding finanzierte, Spiel nur noch im nächsten Jahr veröffentlicht werden.

Irgendwie waren mir offensichtlich einige Stunden abhanden gekommen, denn obwohl der Besucherandrang nur unmerklich abebbte, stand das Ende des Messetages unmittelbar bevor. Da ich keine Lust hatte, wie am Vortag, zusammen mit dem Gros der Besucher auf den verstopften Straßen von Essen festzustecken machte ich mich einige Minuten früher auf den Weg zum Hotel. Diesmal hatte ich den Abend ganz für mich alleine und freute mich darauf, endlich die Schuhe abstreifen und die Füße hochlegen zu können.



Den Samstag wollte ich etwas langsamer angehen lassen und machte zuerst einen Abstecher ins nahe gelegene Oberhausen. In der dortigen Ludwiggalerie läuft noch bis Januar die sehr empfehlenswerte Ausstellung Das ist doch keine Kunst, in der Arbeiten der bekannten Cartoonisten und Comic-Zeichner Ralph Ruthe, Flix und Joscha Sauer gezeigt werden. Die ruhige Atmosphäre innerhalb der Galerie war ein angenehmes Kontrastprogramm zum lauten und hektischen Treiben auf der SPIEL und ich nahm mir viel Zeit für die Exponate. Nachdem ich mir die verschiedenen Scribbles, Zeichnungen und Filme ausführlich angesehen hatte, ging es schließlich gegen Mittag ins benachbarte Essen zur dritten Messerunde.

Nachdem ich mich am Vormittag schon mental auf gezeichnete Bildchen eingerichtet hatte, wollte ich den Messetag mit einem Rundgang über die Comic Action beginnen. Diesen Teil der Halle 2 hatte ich bisher fast vollständig ignoriert und wollte zumindest einen kurzen Blick auf das Angebot geworfen haben. Wie auch schon in den Jahren davor bestimmte der Stand von Panini Comics das Bild, die hier neben ihren zahlreichen Neuheiten auch den einen oder anderen Zeichner am Start hatten. Die Superhelden-Comics, die einen Großteil des Verlagsprogramms ausmachen, interessieren mich allerdings herzlich wenig und so schlenderte ich bald zum Gemeinschaftsstand von Splitter, Tokyopop und Cross Cult, deren abwechslungsreiches Programm eher meinen Geschmack traf. Es war schon spannend durch die ganzen Neuerscheinungen zu schmökern, doch da ich meine Comics in der Regel beim örtlichen Dealer meines Vertrauens kaufe, stellte ich die Bände artig wieder ins Regal. Neben diesen beiden Verlagsständen hatten noch einige Händler ihren Platz in diesem Hallenbereich gefunden und auch hier schaute ich eher beiläufig durch die Auslagen. Tatsächlich wurde ich dann doch fündig und fand die rare Cover-Sammlung der Preacher-Comics zu einem erstaunlich günstigen Preis. Ansonsten gab es bei den Comic-Händlern und Ständen mit Merchandise für mich relativ wenig zu sehen.
Daher machte ich mich schon bald wieder auf den Weg, da auf meiner Liste noch einige Brettspiele standen, die ich mir unbedingt ansehen wollte. Zu diesem Zeitpunkt dürfte der Besucherandrang seinen Höchststand erreicht haben, denn in den Hallen selbst kam ich kaum voran; über die Außenflächen ging es etwas schneller, doch auch hier herrschte reger Betrieb. Nach einem kurzen Plausch mit einer Bekannten setzte ich meinen langen Marsch in Halle 3 fort und konnte diese dann auch, nach weiterem Drängen und Drücken, erreichen.
Wie schon an beiden vorangegangenen Tagen, so war auch heute der Stand von Iello dicht belagert und Plätze an den Demotischen nur schwer zu bekommen. Daher gab ich mich mit einer Rolle als Zaungast bei einer der zahlreichen Runden von The Big Book of Madness zufrieden die hier angeboten wurden. Dieses kooperative Deckbuilding-Kartenspiel machte zumindest optisch einen sehr ansprechenden Eindruck und den Spielern schien es durchweg Spaß zu machen. Sicherlich ein Spiel, mit dem ich mich in absehbarer Zeit näher befassen werde, auch wenn ich Deckbuilding-Spiele nicht übermäßig schätze. Gegenüber bei Pegasus herrschte, wie eigentlich jedes Jahr, dichtes Gedränge und da die Spiele des Friedberger Verlags sowieso bei unseren regelmäßigen Brettspielabenden auf dem Tisch stehen, begnügte ich mich mit einem flüchtigen Blick auf die Neuheiten. Hier war vor allem das mächtige Mega Civilization ein Blickfang, aber eine Demorunde hätte wahrscheinlich jeden Zeitplan gesprengt. So begnügte ich mich mit etwas Smalltalk und setzte meinen Weg zum moses. Verlag fort, der verschiedene neue Ableger seiner Black Stories-Reihe im Gepäck hatte. Dem bewährten Prinzip folgen die Bibel und Latein Edition des Deduktionsspiels. Einen gänzlichen anderen Weg geht der Verlag mit Das Verhör, bei dem die Spieler als Kriminaler einen Fall lösen müssen. Ein sehr kommunikatives Spiel das ein gutes Gedächtnis voraussetzt, aber unter dem hohen Geräuschpegel in der Halle stark litt.
Auch an diesem Tag schien ich in ein Loch im Raum-Zeit-Kontinuum gefallen zu sein, kamen doch schon die ersten Durchsagen, die das baldige Ende des Messetages verkündeten. Anscheinend hatte ich irgendwo auf meinem Weg mindestens zwei Stunden verloren.
So blieb mir lediglich Zeit für einen schnellen Blick in den Asmodee-Stand in Halle 1, wo einige Neuheiten in der Vitrine aufgebaut waren und wo es auch die Möglichkeit gab einen Blick auf T.I.M.E. Stories zu werfen. Das Konzept des Spiels wirkt auf mich etwas abstrakt und verwirrend, den Spielern hat es jedoch, zumindest was ich bisher gehört habe, sehr gut gefallen. Auch hätte ich gerne Die Blutige Herberge angetestet, las sich der Klappentext über eine mörderische Gastwirtsfamilie doch durchaus vielversprechend. Doch das Messepersonal achtete freundlich aber bestimmt darauf, dass auch wirklich alle Besucher sich auf den Weg zu den Ausgängen machten

Um den dritten Messetag angemessen bei lecker Essen und Getränken ausklingen zu lassen machte ich mich mit einigen Freunden auf den Weg ins Essener Cafe Nord. Meine Begleiter hatten im letzten Jahr hier schon Station gemacht und waren durchweg begeistert gewesen. Mir war die etwas angeschwiemelte Metal-Kneipe anfangs eher suspekt, allerdings konnten die gemütliche Atmosphäre und die erstaunlich umfangreiche Speisekarte meine Bedenken rasch zerstreuen. Eine vernünftige Unterhaltung war zwar, Dank der dröhnenden Musik, nur mit den unmittelbaren Sitznachbarn möglich, aber insgesamt doch ein schöner Ausklang für den Tag. Zu vorgerückter Stunde traf ich dann ziemlich zerstört wieder in meinem Hotel ein, wo eine Hochzeitsgesellschaft immer noch am Feiern war. Obwohl mein Zimmer relativ weit abseits lag, war an Schlaf nicht wirklich zu denken. Also nutzte ich die Zeit, um meine Errungenschaften des vergangenen Messetages zu begutachten und schon einen Blick in die verschiedenen Spielanleitungen zu werfen.

Eigentlich hatte ich vorgehabt die Messe auch noch am Sonntag zu besuchen, aber angesichts meiner zusammengeschmolzenen Barschaft, der vielen vollen Taschen und meinen schmerzenden Füßen entschloss ich mich, den Heimweg anzutreten. Nachdem ich einen Großteil meines Gepäcks im Kofferraum verstaut hatte, schlurfte ich in den Frühstückssaal, der mit den verkaterten und unausgeschlafenen Gästen der Hochzeitsgesellschaft eher wie ein Remake von Night of the Living Dead wirkte. Die roten Marmeladeflecken auf dem Kleid einer der anwesenden Damen verstärkten diesen Eindruck und so machte ich mich mit gesenktem Blick über mein Frühstück her. Die Heimfahrt verlief schließlich ohne größere Zwischenfälle, von einem kurzen Stau auf der A61 einmal abgesehen. Und, obwohl ich gelegentlich kurz davor war wegzudämmern, erreichte ich mein Zuhause noch wohlbehalten bei Tageslicht. Dort angekommen verteilte ich meine Schätze wie gewohnt im Wohnzimmer und musste mich allen Ernstes fragen, wann ich die ganzen Sachen gekauft hatte.

Nachdem ich über zwölf Stunden geschlafen hatte, konnte ich mich am nächsten Tag (ich hatte in weiser Voraussicht noch einige Urlaubstage dran gehängt) daran machen die vielen Bilder zu sichten die ich geschossen hatte und meine Eindrücke von den drei anstrengenden Messetagen zu ordnen. Natürlich waren diese Tage bei weitem nicht ausreichend gewesen um alles zu sehen und anzutesten was ich mir vorgenommen hatte, dennoch war ich nicht unzufrieden. Ein wirkliches Highlight gab es zwar auch in diesem Jahr für mich nicht, aber dafür viele kleine, spannenden und streckenweise auch originelle Spiele. Einige davon habe ich mir schon auf der Messe geholt, einige weitere werden im Laufe der nächsten Monate sicherlich folgen. Auf jeden Fall wird mir das Material für regelmäßige Spieletreffen nicht so schnell ausgehen.

Von den Zombies, welche die Messe die letzten zwei Jahre dominiert hatten, war bis auf einige wenige Ausnahmen nichts mehr zu sehen. Dafür setzte sich der Trend in Richtung des Steampunk-Genres weiter fort; Brettspiele, Tabletops, Romane, Comics, Rollenspiele und sogar die verschiedenen LARP-Stände hatten ein breit gefächertes Angebot zu dieser Thematik. Ob sich dieser Trend fortsetzen wird, wage ich zu bezweifeln, eher wird er noch ein oder zwei Jahre anhalten und dann langsam vom nächsten Hype abgelöst werden. Ähnlich verhält es sich mit der bekanntesten Lovecraft-Schöpfung, dem Großen Cthulhu. Oder, wie der großartige Cartoonist John Kovalic schon vor einigen Jahren gesagt hat „Everything is better with Cthulhu!“. Bei dem Rollenspiel H.P. Lovecrafts Cthulhu oder dem Strategiespiel Cthulhu Wars mag dies gerechtfertigt sein, aber bei unglaublich vielen anderen Spielen geht es einfach nur darum, die Fanbase anzusprechen und ihnen mit gierigen Tentakeln die Euros aus den Taschen zu ziehen.


Das sich traditionelle Gesellschaftsspiele immer noch sehr erfolgreich gegen die virtuelle Konkurrenz behaupten können, und dabei sogar einigen Boden gut machen, zeigen die offiziellen Zahlen des Veranstalters: 162.000 Besucher, über 900 Aussteller, rund 1.000 Neuheiten auf 63.000 qm sind durchweg beeindruckend. Auch nach meinem eigenen, zugegeben sehr subjektiven, Empfinden war die Messe noch nie so groß oder so voll wie in diesem Jahr. Das am Samstag dichtes Gedränge herrscht bin ich mittlerweile gewohnt, dass jedoch schon am Donnerstag die Hallen dermaßen vollgestopft sind war mir bisher neu. Als sehr angenehm empfand ich dabei die Atmosphäre in der, neu hinzugekommenen, Halle 7. Hier war es bei weitem nicht so laut, voll und hektisch wie in den anderen Hallen und bei den zahlreichen Klein- und Kleinstverlagen gab es durchaus einige spannende, originelle Dinge zu entdecken. Einige der Verlage konnten zwar nur ein wenig Standdeko oder ein paar Flyer vorweisen, entsprechend herrschte dort gähnende Leere. Andere dagegen wirkten ausgesprochen professionell und konnten sich dem Besucheransturm kaum erwehren. Zudem gab es hier die meisten Dinge, abseits der üblichen Trends, zu sehen und mehr als ein Spiel fand den Weg in meinen Rucksack.