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Mittwoch, 31. Oktober 2018

SPIEL '18


[Messe] SPIEL '18
25. bis 28. Oktober 2018
Grugahallen, Essen


Im letzten Jahr musste ich meinen Besuch auf der SPIEL aus gesundheitlichen Gründen leider bereits nach nur zwei Tagen abbrechen. Auch in diesem Jahr war es bis Anfang Oktober noch nicht abzusehen, ob ich es wirklich nach Essen schaffen würde. Um für alle Fälle gewappnet zu sein, beantragte ich zumindest ein paar Tage Urlaub bei meiner Chefin, organisierte eine Unterkunft und fragte eine Akkreditierung beim Friedhelm Merz Verlag, den Ausrichtern der Messe, an. Wenige Tage später hatte ich nicht nur meine Pressekarte und den Parkausweis im Briefkasten, sondern auch eine Einladung zur Verleihung des Deutschen Spielepreis 2018! Obwohl ich nun seit ziemlich genau 25 Jahren auf die Messe gehe, beinahe die Hälfte der Zeit als Aussteller oder Pressevertreter, war dies für mich etwas Außergewöhnliches – und der ausschlaggebende Grund doch nach Essen zu fahren.
Obwohl mir nicht übermäßig viel Zeit für die Vorbereitungen blieb, gelang es mir doch, überraschend viele Gesprächstermine bei Verlagen zu organisieren. Dazu kamen noch weitere teils geschäftliche, teils private Verabredungen, so dass ich für die komplette Messe (und die dazugehörigen Abende) ein volles Programm hatte.

Mittwoch, 24. Oktober 2018
Die Reise nach Essen beginnt, so denke ich zumindest, mit genug zeitlichem Puffer um für alle Unwägbarkeiten gewappnet zu sein. Ich komme auch gut voran – zumindest bis ich den Großraum Köln erreiche. Dort geht, wie schon so häufig, nichts mehr und ich schaffe in einer halben Stunden einen gefühlten Kilometer...
Irgendwann habe ich jedoch das Nadelöhr passiert und der Verkehr rollt weiter. Glücklicherweise ist dies auch die einzige nennenswerte Behinderung auf der Strecke – die zahlreichen Baustellen fallen da kaum noch ins Gewicht. Als ich die Grugahallen schließlich erreiche, sind die Türen zur Pressekonferenz schon geöffnet und ich beeile mich, mir einen Platz zu suchen. Neben den harten Zahlen und Fakten rund um die Messe (Ausstellungsfläche: 80.000 qm; Aussteller: 1.150; Neuheiten: ca. 1.4000; erwartete Besucher: ca. 190.000) wird verstärkt auf die wachsende Bedeutung des Spielens für die Gesellschaft eingegangen. Die beständig steigenden Umsatz- und Wachstumszahlen der Branche und die allgemeine Entwicklung der Messe bestätigen dies. Der eigentliche Höhepunkt der Pressekonferenz ist (zumindest für mich) die Verleihung des innoSPIEL, eines Preises, der Autoren und Verlage für innovative Spielkonzepte auszeichnet. Gegen die Mitbewerber hat sich dabei Cool Runnings (Olivier Mahy; Ravensburger) durchgesetzt. In dem Spiel muss der Spieler versuchen seinen Eiswürfel ins Ziel zu bringen bevor er geschmolzen ist, während die Mitspieler wirklich alles daran setzen, dies zu verhindern.
Nach dem Ende der Konferenz setzt sich der ganze Tross in Bewegung, um die Neuheitenschau in Halle 1A in Augenschein zu nehmen. Hier steht überall Verlagspersonal bereit, um die neugierigen Fragen der Besucher zu beantworten. Außerdem ist dies für mich die beste Gelegenheit in Ruhe Fotos zu schießen, ohne das ständig jemand im Weg steht. Vor allem an den Tischen von Pegasus Spiele türmen sich die Neuerscheinungen gradezu – was es schwierig macht, alle Spiele ausreichend zu berücksichtigen. Da am Messestand in der Halle erfahrungsgemäß riesiges Gedränge herrscht, nutze ich die Gunst der Stunde um mich hier über einige der zahlreichen Neuerscheinungen zu informieren. Die Rollenspielprodukte zu 7te See, Shadowrun und Cthulhu schaue ich mir allerdings lieber im Laden meines Vertrauens an. Die schon obligatorischen Erweiterungen der Munchkin-Reihe ignoriere ich für den Moment ebenfalls. Viel interessanter ist dagegen das Tower-Defense-Spiel Castle Rampage, bei dem zwei Spieler versuchen, die gegnerische Burg zu erobern. Sieht hübsch aus, spielt sich schnell und auch die Anschaffungskosten halten sich einem überschaubaren Rahmen. Thematisch bietet Adventure Island nichts Neues, allerdings ist der Spielablauf dieses kooperativen Survival-Spiels recht originell. Das Spielziel (und die Hintergrundgeschichte) entwickeln sich erst im Spielverlauf und sollten für einige spannende Runden sorgen – in denen sich die Spieler zudem verbessern können. Zusammen mit der gelungenen Standdeko sicherlich eines der auffälligsten Spiele in der Neuheitenschau.
Besonders neugierig bin ich auf Talisman – Legendäre Abenteuer, eine Einsteigerversion des Klassikers für jüngere Spieler. Das Original war mein erstes Fantasy-Spiel und dürfte für meine spielerische Entwicklung prägend gewesen sein. Diese Version folgt dagegen einem kooperativen Ansatz und lässt das Spielbrett erst nach und nach entstehen. Auf den ersten Blick nicht uninteressant – aber nicht vergleichbar mit dem Original. Dennoch werde ich es bei Gelegenheit genauer in Augenschein nehmen.
Asmodee (und die zahlreichen Verlage unter ihrem Dach) haben zwar auch kleine, unscheinbare Spiele im Programm, doch sind es die großen Brocken, die die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich ziehen. Unter der Last des aufgebauten Materials biegen sich die Tische geradezu: Zombicide, Massive Darkness, Rising Sun oder die verschiedenen Star Wars-Titel mit ihren jeweiligen Erweiterungen nehmen viel Platz ein und zeichnen sich vor allem durch ihren exzessiven Figureneinsatz aus.

Ich notiere mir das eine oder andere Spiel für später, verlasse dann aber bald die Neuheitenschau. Bis zu meinem ersten Termin ist noch ein wenig Zeit und ich möchte mich vor dem eigentlichen Messestart noch ein wenig orientieren. Während sich in den Hallen 1, 2 und 3 im Vergleich zum letzten Jahr relativ wenig getan hat, sind die Hallen 4 und 5 komplett neu strukturiert, die Halle 6 ist gar ganz neu hinzu gekommen ist. Die meisten Aussteller sind noch schwer mit dem Aufbau beschäftigt, daher fasse ich mich kurz und beschränke mich meist nur auf eine kurze Begrüßung.
Bald geht es wieder zurück in Halle 3, wo Amigo Spiele zum Antesten ihrer Neuheiten geladen haben. Ein paar der Spiele habe ich bereits rezensiert, andere wiederum sehe ich hier zum ersten Mal live vor mir. Eine Runde des Schnick-Spiels ICECOOL 2 endet in einem Debakel – die Pinguine fliegen in alle Richtungen, nur nicht dahin, wo ich sie hin haben will. Damit qualifiziere ich mich sicherlich nicht für den Trip in die Antarktis, der für den besten Trick-Shot ausgelobt ist, aber immerhin haben die Umstehenden etwas zu lachen. Auch das Legespiel 3x8 schaue ich mir etwas genauer an – allerdings verbringe ich die meiste Zeit damit mich zu unterhalten.
Bei einer weiteren Runde durch die Hallen mache ich mir fleißig Notizen und entdecke einige vielversprechende Neuheiten, die ich mir später genauer anschauen will. Doch schließlich muss ich mich auf den Weg in meine Unterkunft nach Oberhausen machen und mich auf das eigentliche Highlight des Tages vorbereiten.

Zwei Stunden später stehe ich, frisch geduscht und im Anzug, erneut in der Grugahalle, wieder vor dem Saal Europa. Dort hat sich alles versammelt, was in der Brettspielszene Rang und Namen hat: Autoren, Lektoren, Redakteure und Verlagsleute. Auch einige Schreiberlinge wie ich sind zu diesem Ereignis eingeladen. Nach den einleitenden Worten beginnt die eigentliche Ehrung der nominierten und ausgezeichneten Spiele: Azul (SpielePreis von Michael Kiesling; Next Move/Pegasus Spiele) und Memoarrr! (KinderspielePreis von Carlo Bortolini; Edition Spielwiese/Pegasus Spiele) können sich über die diesjährigen Preise freuen. Eine vollständige Übersicht aller nominierten Spiele findet sich auf der Homepage des Friedhelm Merz Verlages. Der Abschluss (und auch emotionalen Höhepunkt) der Ehrungen war jedoch der Verabschiedung des langjährigen Amigo-Redakteurs Uwe Mölter in den Ruhestand vorbehalten – an dessen Tisch ich eher zufällig landete. Nach dem Ende der Preisverleihung beginnt der „gemütliche“ Teil des Abends mit einem gemeinsamen Essen. Schon bald löst sich die recht starre Sitzordnung auf und es ergeben sich einige sehr interessante Gespräche auf dem Weg zum Buffet oder einfach zwischen den Tischen.
Meine Kondition lässt jedoch nach kurzer Zeit spürbar nach und obwohl ich gerne noch ein wenig geblieben wäre, mache ich auf den Rückweg nach Oberhausen. Hier sortiere ich meine Unterlagen, gehe die Notizen durch und lege noch einige Dinge für den ersten Messetag bereit, bevor ich zügig wegdämmere.

Donnerstag 25. Oktober 2018
Die offizielle Eröffnung der Messe steht kurz bevor und der Trend der letzten Jahre setzt sich auch diesmal ungebremst fort: Donnerstag ist der Tag der Schnäppchenjäger! Schon seit einer guten Stunde drängen sich die Besucher vor den vier Eingängen – ausgestattet mit Unmengen leerer Taschen, Trolleys oder gar Bollerwagen. Ich kann glücklicherweise durch einen Seiteneingang ein paar Minuten früher in die Halle und mir das Spektakel in aller Ruhe von der anderen Seite anschauen. Mit dem Öffnen der Türen wälzt sich die Masse in die Halle und bei einigen der Spielwütigen habe ich den Eindruck, dass sie ums nackte Überleben rennen! Da werden langsamere Besucher rücksichtslos zur Seite gedrückt oder ungünstig platzierte Standdeko rüde mit dem Rucksack abgeräumt. Ich bringe mich in einem der Stände in Sicherheit und warte den ersten Ansturm ab.
Schließlich reihe ich mich auch irgendwann mit in den Besucherstrom ein und lasse mich in Richtung der Galleria treiben. Bis zu meinem ersten Termin bleibt mir noch ein wenig Zeit, so dass ich zuerst meine alljährliche Begrüßungsrunde drehe. Die meisten meiner Bekannten sind mit ihren Verlagen in der neu eröffneten Halle 6 untergekommen. Hier sind in diesem Jahr (fast) alle Aussteller versammelt, die irgendwie mit Tabletops, Rollenspielen, LARP oder Comics zu tun haben. Nachdem ich erfolgreich einige Hände geschüttelt und die obligatorischen Gummibären (in diesem Jahr in Totenkopf-Form mit Chili) verteilt habe, arbeite ich mich langsam wieder zurück in Halle 3. Dort erwartet mich bei Schmidt Spiele der erste offizielle Termin des Tages. Neben ein wenig Smalltalk bekomme ich einen ausführlichen Überblick über die Herbst-Neuheiten. Kinderspiele wie König Grummelbart, Der blubbernde Hexenkessel oder Pfannkuchenparty sind für mich dabei naturgemäß nicht ganz so spannend. Dafür interessiert mich Forbidden Sky umso mehr! Bei dem kooperativen Spiel gilt es mit einer Rakete eine, dem Untergang geweihte, fliegende Stadt zu verlassen. Dazu müssen die Spieler jedoch erst die Rakete startbereit machen, Schaltkreise legen und schließlich das Raumschiff zu erreichen – ohne dabei vom Blitz getroffen oder vom Wind aus der Stadt geweht zu werden. Unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und Charaktere mit verschiedenen Fähigkeiten dürften die Flucht nicht langweilig werden lassen. In eine völlig andere Richtung geht dagegen Top Secret - ein nonverbales Kommunikationsspiel, bei dem sich Teams von Agenten zu konspirativen Treffen verabreden. Das Testspiel zu zweit war relativ reizlos – in großer Runde mit acht Spieler sollte es allerdings gut funktionieren. Wie in jedem Jahr, so gibt es auch 2018 wieder Zuwachs für die Carcassone-Reihe. In Safari sind die Spieler auf der Such nach seltenen Tieren (um diese zu fotografieren). Das grundlegende Spielprinzip wird dabei ein wenig abgewandelt und mit einer neuen Thematik versehen, ist aber eindeutig zu identifizieren. Ein Würfelspiel darf, mit Knapp daneben!, auch in diesem Jahr nicht fehlen. Hier müssen aufeinander folgende Zahlen erwürfelt werden – wobei ich mich dabei als gänzlich unfähig erwiesen habe.

Nach diesem, doch recht ausführlichen, Termin muss ich mich beeilen rechtzeitig in den Saal Europa zu kommen, wo Asmodee zur Spielepräsentation geladen haben. Ein Blick auf die Tische lässt mich schnell eine Entscheidung treffen – zuerst muss es eine Runde Discover sein - „das erste Unique Game der Welt!“, wie es im Begleittext steht. Im Endeffekte bedeutet dies, dass sich jede Packung in ihrem Inhalt unterscheidet, sei es durch Missionen, Bodenplättchen oder Charaktere. Das Spiel selbst dreht sich um eine Gruppe von Charakteren, die auf einer einsamen Insel gelandet sind und diese erforschen müssen. Das Spiel- oder Szenarienziel ist anfangs unbekannt und die Spieler müssen sich darauf konzentrieren, Holz und Nahrung zu finden um zu überleben. Dem ersten Eindruck nach ein ausgesprochen interessantes Spiel mit einigen neuen Einfällen. Ebenfalls auf meiner Must-See-Liste steht Nyctophobia, das ich zwei Tische weiter antesten kann. Bis zu vier Spieler tappen hier im finsteren Wald (simuliert durch undurchsichtige Brillen) herum und müssen sich durch Tasten und Absprachen einen Weg in Sicherheit bahnen. Erschwert wird die Angelegenheit durch einen weiteren Spieler, der die Rolle des irren Axtmörders übernimmt – und der sieht, was die Mitspieler tun. Thematisch und optisch ein weiteres Highlight für mich, auch der erste Test macht Lust auf mehr. KeyForge, das neue Kartenspiel von Richard Garfield, hätte ich mir gerne angeschaut, doch leider war der Andrang hier recht groß und ich hatte keine Zeit mehr.
Also verabschiedete ich mich nach einem weiteren kurzen Rundgang und machte mich auf den Weg zum moses.-Verlag. Neben der schon obligatorischen Fortsetzung der black stories-Serie, diesmal mit einer Sebastian Fitzek-Edition, gibt es mit black stories – Das mörderische Drehbuch auch ein etwas verändertes Konzept. Ausgehend von einer bestimmten Szene müssen die Spieler nach und nach die Entwicklung des Krimi-Drehbuches erraten. Außerdem legt mir meine Gesprächspartnerin Schaben jagen ans Herz. In diesem Solo-Spiel stehen dem Spieler eine gewisse Anzahl an Bewegungskarten zur Verfügung, mit denen er alle Schaben auf dem Spielbrett entweder einsaugen oder zertreten muss. Kniffelige Gehirnakrobatik mit einem erheblichen Suchtpotential bei minimalem Regelaufwand – ein wirklich gelungenes, kleines Spiel! Dazu kommen wieder einige sehr vielversprechende Quiz- und Ratespiele, allerdings beschränke ich mich hier auf ein wenig Prospektmaterial.
Damit endet für mich der offizielle Teil des ersten richtigen Messetages und ich versuche noch einige Dinge von meiner Einkaufsliste zu erledigen. Ein Freund von mir ist großer Terraforming Mars-Fan und der Schwerkraft Verlag hat für die Messe eine neue Erweiterung und drei Promokarten im Gepäck. Außerdem möchte ich ein Auge auf das Bücher-Sammel-Spiel Ex Libris werfen – daher reihe ich mich geduldig in die lange Schlange ein. Als ich endlich an der Reihe bin erfahre ich, dass die Promokarten erst im Laufe des späteren Nachmittag geliefert werden und Ex Libris noch irgendwo im Container im Bauch eines Schiffes liegt. Ärgerlich, aber immerhin kann ich die Spielerweiterung mitnehmen.
Es ist zwar schon relativ spät, aber ein paar Stände stehen noch auf meinem Programm, beispielsweise Voodoo Games. Isles of Terror befindet sich noch in Produktion, immerhin hat der Verlag mit Flautz! eine Neuheit im Gepäck. Für eine Demo-Runde reicht meine Zeit leider nicht, dennoch lasse ich mir das kleine, schnelle Kartenspiel in Grundzügen erklären. Vor allem die putzigen Grafiken haben es mir dabei angetan. Die Tabletop-Schmiede Freebooter Miniatures haben ihrem Piraten-Skirmish nach über acht Jahren und ebenso vielen Ergänzungsbänden eine Generalüberholung verpasst. Freebooter's Fate #2 bringt ein wenig Ordnung in die Regeln, räumt Unstimmigkeiten aus und macht das Spielgeschehen ein wenig flüssiger. Nach wie vor eines meiner liebsten Tabletops – wobei ich es leider viel zu selten spiele! Erst vor kurzem habe ich Warhammer Underworlds von Games Workshop für mich entdeckt. Da trifft es sich gut, dass der britische Tabletop-Riese vor Ort ist und, unter anderem, Nightvault vorstellt. Die Box bringt neben zwei neuen Truppen auch Magieregeln und ein leicht verändertes Setting mit, spielt sich aber noch genau so flüssig wie der Vorgänger.
Die Messe hat zwar noch bis 19 Uhr geöffnet, doch für mich drängt mittlerweile die Zeit, da ich noch ein Treffen in Oberhausen habe. Die Fahrt gestaltet sich zäher als erwartet, und für die 15 km benötige ich beinahe ein Stunde. So bleibt mir nur wenig Zeit, meine Beute zu verstauen und mich ins CentrO zu begeben – wo ich den Tag bei Schnitzel und Pfannkuchen ausklingen lasse.

Freitag, 26. Oktober 2018
Nach einer viel zu kurzen, unruhigen Nacht mache ich noch einen kurzen Abstecher in den örtlichen Supermarkt um meine Vorräte aufzufüllen. Sowohl der Verkehr als auch die Besucherschlangen halten sich heute aber glücklicherweise in einem unüberschaubaren Rahmen. Zudem läuft das Betreten der Halle deutlich gesitteter ab – die Besucher sind an diesem Tag viel entspannter und das Hallenpersonal eingespielt.

Bevor mir irgend etwas anderes dazwischen kommt, besorge ich die Promokarten beim Schwerkraft Verlag; auch bei Fat Fox Games schaue ich kurz vorbei und hole mir die Erweiterung zum, nicht ganz geschmackssicheren, Kartenspiel Don't Drop the Soap. Und ein letzter Kartenpack steht noch auf meiner Liste – die kostenlose Erweiterung zu Kampf gegen das Spießertum von Kampfhummel Spiele. Den angebotenen Schnaps lehne ich dankend ab – ich habe vom Rum-Tasting des vergangenen Tages noch genug. Ein bisschen Zeit bleibt mir noch, daher schaue ich mir die Neuveröffentlichungen der Redaktion Phantastik kurz an. Vor allem das neue Abenteuer Dreadnought für das viktorianische Detektivrollenspiel Private Eye hat es mir angetan. Nachdem ich mir noch die eine oder Kleinigkeit gekauft habe, wird es Zeit für meinen Termin bei Asmodee, die sich in wenigen Jahren von einer winzigen Klitsche zu einem internationalen Branchen-Schwergewicht entwickelt haben. Beinahe die Hälfte der Halle 1 wird von den Verkaufs- und Demoständen des Verlages eingenommen, hinzu kommen weitere Tochter-Verlage, beispielsweise Repos oder Days of Wonder, die traditionell in Halle 3 untergebracht sind. Da ich die Neuheiten schon am Donnerstag in Augenschein nehmen konnte, dreht es sich bei diesem Gespräch eher um Kontaktpflege, das Feedback zu den Neuerscheinungen und den Ausblick auf die kommenden Entwicklungen. Ich mag solche Unterhaltungen sehr, ermöglichen sie mir doch einen tieferen Einblick hinter die Kulissen der Spieleindustrie.
Zum Glück sind es nur ein paar Schritte, bis ich bei Abacusspiele am Stand stehe und bei meinem nächsten Termin bin. Wichtig sind mir hier vor allem drei der Neuheiten, die ich etwas ausführlicher in Augenschein nehmen kann. Die Anno Domini-Reihe erhält mit den Kuriositäten einen neuen Ableger – bei denen die Spieler allerlei obskure historische Ereignisse in die richtige Reihenfolge bringen müssen. Die Serie gehört eindeutig zu meinen Lieblingen und ich freue mich über jede Neuerscheinung – leider teilen meine Mitspieler diesen Enthusiasmus in der Regel nicht. Mit Deckscape – Das Geheimnis von Eldorado liegt bereits der vierte Teil dieses Escape-Room-Kartenspiels vor. Hier gilt es wieder eine ganze Reihe von Aufgaben zu lösen - diesmal fernab der Zivilisation im südamerikanischen Dschungel. Die dritte Neuerscheinung auf meinem Zettel ist deutlich umfangreicher als die beiden anderen Spiele. Als Bauherren müssen die Spieler die City of Rome wieder aufbauen und dabei gleichzeitig auf Ruhm, Geld und politischen Einfluss achten. Ein hübsches, taktisches Spiel, das den Spielern viele Optionen bietet.
Bei Amigo habe ich schon am Mittwoch einige neue Spiele ausprobiert, daher steht auch bei diesem Treffen eher der persönliche Austausch im Vordergrund. Ich finde es wichtig, den Personen, mit denen ich das ganze Jahr über per Mail kommuniziere, ganz normal am Tisch gegenüber zu sitzen und zwanglos zu reden. Allerdings kommen dann doch noch zwei Spiele auf den Tisch, die ich gar nicht richtig auf dem Schirm hatte. Lighthouse Run ist dabei ein klassisches Rennspiel, bei dem es darum geht, mit den eigenen Schiffen den sicheren Hafen zu erreichen, bevor der Sturm losbricht. Was ich im ersten Moment als reines Kinderspiel abgetan habe, entpuppt sich als durchaus taktisch anspruchsvoll. In Lifestyle, einer Mischung aus Karten- und Würfelspiel, geht es dagegen darum, möglichst lohnende Prestigeobjekte zu sammeln. Ein recht nettes Spiel für zwischendurch, mit ein wenig Anspruch und nicht so glücksabhängig, wie es der erste Eindruck vermuten lässt.
Schon auf der Neuheitenschau hat mich die Standdeko von Game Factory angesprochen. Und da ich grade ein wenig Zeit habe und in der Nähe bin, lasse ich mir Frantic erklären – eine Art Mau-Mau mit extrem verschärften Regeln. Sicherlich nicht für jede Spielrunde geeignet, aber sehr böse und schnell! Bereits im letzten Jahr fand ich 13 Indizien, seinerzeit noch in der englischen Version, recht spannend. Nun legt der Verlag zur Messe die deutsche Version des Deduktionsspiels vor, bei dem jeder Spieler ein Verbrechen aufklären muss. Thematisch und optisch sehr schön umgesetzt, auch spielerisch wirkt die Mödersuche recht vielversprechend. Ein kurzer Plausch mit Autor Andrés J. Voicu, der zufällig ebenfalls grade vor Ort ist, rundet den guten Gesamteindruck ab.

Es bleibt mir noch ein wenig Zeit, mich meinen eigentlichen Vorlieben, Tabletop- und Rollenspielen, zu widmen. Dazu geht es wieder zurück in Halle 6 und beinahe ohne Umweg zum geteilten Stand von Uhrwerk und Modiphius, die mittlerweile über ein sehr umfangreiches Sortiment verfügen. Skirmish-Spiele wie Achtung! Cthulhu, Fallout (basierend auf der Computerspiel-Serie) und Wild West Exodus lassen meine Hand kurz zum Geldbeutel zucken – aber eigentlich habe ich genug unbemaltes Zinn und Plastik in den Schränken stehen. Ein paar Blister müssen es dann doch sein – ebenso wie der neue Abenteuerband für das Weird-War-Rollenspiel. Gegenüber an einem eigenen Stand wird das verlagseigene Rollenspiel Splittermond mit seinen zahlreichen Neuerscheinungen präsentiert. Obwohl ich das System durchaus reizvoll finde mangelt es mir jedoch an Spielern und nach einem kurzen Schwatz mit dem Standpersonal ziehe ich weiter.
Auch ein Besuch bei LuPri gehört für mich zum Pflichprogramm. Nach längerer Durststrecke hat Lutz Stepponat mit Zockende Zauberer endlich wieder ein kleines Spiel veröffentlicht. Passend dazu erscheint auch sein Kabale und Hiebe in einer überarbeiteten Version mit einigen neuen Karten. Nach einer schnellen Einführungsrunde lasse ich mir mein Exemplar signieren und mache mich wieder auf den Weg.
Nach einem desaströsen Crowdfunding war das Weird-War-Tabletop DUST eigentlich so gut wie tot – daher überraschte es mich im letzten Jahr einen entsprechenden Stand zu sehen. In diesem Jahr wurden hier sogar neue Produkte präsentiert, einschließlich einer komplett neuen Fraktion mit Cthulhu-Kultisten. Die Arbeiten an einem neuen Regelwerk (auch in deutscher Sprache) schreiten langsam voran und sollen Anfang 2019 abgeschlossen sein. Zumindest die Figuren und das wirklich sehr stimmige Gelände machen einen guten Eindruck und lassen auf einen gelungenen Neustart hoffen. Sicherlich eines der Spiele, die ich künftig wieder mehr im Auge behalten muss.
Die Comic Action hat in diesem Jahr mit dem großen Verlagsstand von Panini wieder einen Fixpunkt, um den sich einige Händler und Illustratoren sammeln können. Dennoch stellt sich mir natürlich die Frage, ob die Integration von Comics in die SPIEL noch ihre Berechtigung hat. Zahlreiche ComicCons, verteilt über die ganze Republik, richten sich gezielt an Freunde der bunten Bildergeschichten und ziehen entsprechend Verlage und Künstler an. Zumal mit der CCXP Cologne im nächsten Jahr noch eine weitere groß angelegte Convention um die Gunst des Publikums buhlen wird. Das hindert mich allerdings nicht daran, noch einige Lücken in meiner Sammlung zu schließen.

Nach weiteren kurzen Zwischenstopps arbeite ich mich langsam in Richtung Parkhaus vor – auch heute Abend habe ich noch Programm. Der Feierabendverkehr auf dem Weg nach Oberhausen fließt zäh und kommt stellenweise ganz zum Erliegen. So bleibt mir wenig Zeit, meine Errungenschaften zu sichern, auch das Abendessen muss ausfallen. Glücklicherweise ist mir noch ein Müsli-Riegel geblieben, den ich auf dem Weg zum Kulttempel mümmele. Die Kammer machen dort auf ihrer Release-Tour zum aktuellen Album Station und Auftritte der achtköpfigen Band sind immer ein Erlebnis!

Samstag, 27. Oktober 2018
Ich bin müde, ein wenig verkatert, Füße und Rücken schmerzen – optimale Voraussetzungen für den härtesten Messetag! Das ganze große Gedränge bleibt diesmal jedoch überraschend aus; sowohl die Verkehrsplanung als auch der zusätzliche Eingang sorgen dafür, dass sich die zahlreichen Besucher etwas besser verteilen.

In den letzten drei Tagen konnte ich mir einen, zumindest groben, Überblick über die Spiele verschaffen, den ich nun etwas vertiefen will – einige vielversprechende Kandidaten habe ich noch auf der Liste. Recht prominent in Halle 6, direkt am Eingang, liegt der Stand für das Trading-Card-Game Warhammer: Champions. Während der kurzen Einführungsrunde wird jedoch schnell klar, dass auch dieses Sammelkartenspiel nichts für mich ist. Direkt dahinter haben Knight Models ihren Stand und stellen ihre drei Skirmish-Tabletops vor. Sowohl das DC Universe Miniature Game als auch das Batman Miniature Game konzentrieren sich auf das Zusammentreffen kleiner Gruppen von Superhelden und -schurken. Ganz neu hinzu gekommen ist das Harry Potter Miniatures Adventure Game, bei dem die Romanfiguren aufeinander treffen. Zumindest das letztere wollte ich mir eigentlich genauer anschauen, doch sowohl die Präsentation als auch die Erklärungen des Standpersonals lassen deutlich zu wünschen übrig. Erschwerend kommt hinzu, dass an dem Stand nichts verkauft wird, lediglich einen Gutschein für den Online-Shop des Herstellers gibt es. Grade bei solch dicken Lizenz-Brocken habe ich doch wesentlich größere Erwartungen!
Besser machen es dagegen Games Workshop aus Nottingham, die in diesem Jahr ihre Präsenz deutlich verstärkt haben. Neben Demotischen für alle ihre Spielsysteme gibt es eine umfangreiche Produktauswahl, vieles davon nicht in Läden erhältlich, und die Möglichkeit unter fachkundiger Anleitung Space Marines zu bemalen. Offensichtlich hat die Firma aus den Fehlern vergangener Jahre gelernt und macht nun vieles richtig.
Ebenfalls aus Nottingham kommen Warlord Games, deren Stand in diesem Jahr etwas kleiner ausgefallen ist. Das Seeschlacht-System Cruel Seas ist nicht mehr rechtzeitig zur Messe fertig geworden, aber mit Blood Red Skies, Konflikt '47 und der neuen Auflage von Black Powder gibt es hier auch genug zu sehen. Dazu gesellen sich Figuren für das Doctor Who-Tabletop und eine umfangreiche Auswahl an Kunststoff-Miniaturen für zahlreichen Epochen und Genres.
War der mächtige Stand von Ulisses Spiele über viele Jahre hinweg einer der Fixpunkte in Halle 2, so ist davon nach der Umstrukturierung des Verlages nicht mehr viel geblieben. In erster Linie konzentrieren sich die Waldemser auf ihr Rollenspiel-Flaggschiff Das Schwarze Auge und verschiedene kleinere Rollenspiel-Crowdfundings, daneben gibt es noch einige Grabbelkisten mit Resten aus dem Lager.
Neben ihrem Fantasy-Football-Skirmish-Tabletop Guildball bauen Steamforged Games ihr Brettspiel-Portfolio weiter aus. Die Brettspiel-Umsetzung des Computerspiels zu Dark Souls ist fertig und im Handel, auf Resident Evil 2 müssen die Spieler noch ein wenig warten, obwohl es auf der Messe die Möglichkeit gab, die fertige Version ausgiebig zu testen. Zudem wurden „Late Pledges“ für die Kickstarter-Kampagnen für Godtear und Horizon eifrig beworben. Beide Spiele sahen für mich jetzt allerdings nicht übermäßig spannend aus – wahrscheinlich habe ich einfach schon zu viele Spiele dieser Art gesehen.
Zwischendurch habe ich noch einen längeren Termin bei Iello, die wie gewohnt mit ihren Neuveröffentlichungen klotzen und nicht kleckern. Ins Auge fällt dabei vor allem das Wikinger-Spiel Raids, bei dem ein Drachenboot am Stand steht und die Spieleerklärer Helme mit leuchtenden Hörnern tragen. Die Spieler ziehen ihre Schiffe zu verschiedenen Orten, plündern, handeln oder vollbringen Heldentaten um Punkte zu kassieren. Vor allem der Zugmechanismus hat mir hier recht gut gefallen – dagegen kann ich mit der Wikingerthematik wenig anfangen.
Downforce erkennt man dagegen sofort an dem Berg Reifen, der in der Demofläche liegt. In dieser Mischung aus Renn-, Strategie- und Wettspiel müssen die Spieler ihre Formel-1-Bolliden durch einen Parcours bringen, aber auch die anderen Aspekte eines erfolgreichen Rennstalls nicht vernachlässigen – ein hübsches Strategiespiel! Mein Favorit am Stand ist allerdings 8Bit Box – ein liebevoll gestaltetes Brettspiel, dass die großen Computer- und Konsolenspiele der 1980er auf den heimischen Spieltisch bringt, einschließlich pixeliger Grafik. Die drei bisher erschienenen „Spiel-Module“ ermöglichen es den Spielern, eine Figur durch ein Labyrinth zu hetzen, an Olympischen Spielen teilzunehmen oder sich mit Raumgleitern Rennen zu liefern. Weitere Module sollen in den nächsten Monaten folgen. Außerdem habe ich noch die Möglichkeit einen kurzen Blick auf demnächst erscheinende Neuheiten, beispielsweise Erweiterungen für King of Tokyo oder Bunny Kingdom, zu werfen.
Mittlerweile ist es spät geworden und das Messeende wurde eingeläutet. Zumindest an diesem Tag halte ich jedoch (gezwungenermaßen) bis zum Toresschluss um 19 Uhr durch, da ich anschließend noch auf die Release-Party eines kleinen Tabletop-Verlags eingeladen bin.
Die Fahrt in einen Vorort von Essen ist erstaunlich stressfrei - die Parkplatzsuche rund um das Diner dagegen eine Katastrophe. Dafür entschädigt jedoch der wirklich sehr gute Burger und die lockere, urige Atmosphäre. Die Runde ist ausgelassen, laut und die Themen drehen sich um alle möglichen Dinge – außer um Spiele. Eine sehr angenehme Art, den vorletzten Messetag abzuschließen.

Sonntag, 28. Oktober 2018
Den letzten Messetag habe ich (beinahe) zur freien Verfügung; lediglich ein Gespräch steht noch auf dem Programm. So bleibt mir genug Zeit, mich in aller Ruhe umzuschauen und noch ein bisschen Geld unters Volk zu bringen. Manche Händler haben am Sonntag tatsächlich die Preise noch einmal reduziert und diesen Umstand nutze ich entsprechend aus. Um das eine oder andere Spiel schleiche ich schon seit Tagen herum, nun wandert es schließlich doch in meine Tasche. Mittlerweile haben mich noch einige Bestellungen aus meinem Bekanntenkreis erreicht. So besorge ich beispielsweise einen Berg Würfel, eine Flasche Sekundenkleber und einige Miniaturen. Bei zwei uralten Spielen scheitere ich dagegen kläglich – der umfangreiche Spieleflohmarkt der vergangenen Jahre ist bis auf wenige Stände mit Raritäten verschwunden. Immerhin bleibt mir so die Zeit, mich ausführlich mit den Hallen 4 und 5 zu beschäftigen, die ich bislang nur im Schnelldurchlauf erkundet hatte. Tatsächlich finden sich hier erstaunlich viele kleine Verlage mit opulent ausgestatteten Brettspiele, die auch nach kurzen Testspielen einen soliden Eindruck machen. Jedoch höre ich mehr als einmal den Satz „Soon on Kickstarter!“, was meine Laune nicht unbedingt hebt.
Bei Osprey Games dagegen ist alles, was auf den Tischen steht, erhältlich, oder war es zumindest – einige Sachen sind bereits ausverkauft. Schon in der Neuheitenschau habe ich vor Wildlands gestanden, einem Mischung aus Tabletop und Dungeon-Crawler, in dem jeder Spieler fünf Figuren durch ein Verlies steuert, dabei Siegpunkte sammelt und im Idealfall die Miniaturen seiner Mitspieler abräumt. Grafisch nicht wirklich anspruchsvoll, aber dafür mit spannendem Gameplay zeigt sich Cryptid, bei dem die Spieler als Cryptozoologen auf der Suche nach einer legendären Kreatur sind. Ein sehr strategisches, komplexes (nicht kompliziertes) Deduktionsspiel, das sicherlich in absehbarer Zeit in meiner Sammlung landen wird.
Um den Stand von Kosmos habe ich in den letzten Tagen nach Möglichkeit einen großen Bogen gemacht, hat sich der Besucherstrom hier doch regelmäßig gestaut. Mittlerweile ist die Lage etwas entspannter und ich werfe einen Blick auf die Neuerscheinungen. Mit Exit Kids – Code Breaker, Exit – Die Katakomben des Grauens und Exit – Das Buch wird die Serie der Escape-Room-Spiele deutlich aufgestockt. Auch Catan bekommt mit Der Aufstieg der Inka neuen Zuwachs. Das Spiel nutzt die klassischen Merkmale der Serie, bringt aber mit dem Untergang der eigenen Zivilisation ein neues Element hinzu – zumindest auf den ersten Blick nicht uninteressant. Das kooperative Würfelspiel Roll for Adventure und eine Erweiterung für Die Legenden von Andor sorgen dafür, dass der Fantasy-Bezug im Verlagsprogramm nicht zu kurz kommt.
Mehrfach habe ich schon am Stand von Monolith Editions gestanden um mir die Spiele genauer anzuschauen, doch herrschte auch hier immer großer Andrang. Nun ist die Situation übersichtlicher und ich nehme auf einem der freien Stühle Platz um mir Solomon Kane erklären zu lassen – ein Brettspiel um meinen liebsten puritanischen Fanatiker. Die Figur wird dabei nicht direkt von den Spielern gesteuert, stattdessen übernehmen diese die Rolle von Tugenden und lenken die Geschicke des Helden. Eine interessante Mechanik, tolle Figuren, finsteres Artwork und eine ausgesprochen umfangreiche Ausstattung – ich kann tatsächlich noch bei der Crowdfunding-Kampagne mitmachen. Auch das zweite Spiel, dass hier präsentiert wird spricht mich optisch und thematisch direkt an. Reich Busters schickt eine kleine, tapfere Truppe alliierter Spezialisten auf Missionen gegen finstere Nazischergen – mit Zombies, Mutantenmonstern und außerirdischer Technologie. Dabei werden die Konzepte mehrerer, von mir sehr geschätzter Computerspiele genutzt. Auf meine Frage nach einem Veröffentlichungstermin werde ich auf den Kickstarter verwiesen, der Ende November starten soll. Eigentlich würde ich jetzt gerne in eine Tischplatte beißen, aber ich kann mich beherrschen.
Mittlerweile ist es früher Nachmittag und ich bin nicht mehr wirklich aufnahmefähig! Dennoch begebe ich mich auf eine letzte Runde durch die Hallen, in erster Linie um mich bei meinen Freunden und Bekannten zu verabschieden. Dass ich dabei noch den einen oder anderen Impulskauf tätige versteht sich beinahe von selbst. Letzten Endes ist aber gegen 15 Uhr für mich Schluss und ich ziehe in Richtung Parkhaus und mache mich auf die lange Heimfahrt.

Und wie wars?!?
Wie in jedem Jahr war die SPIEL anstrengend, lang, teuer, stressig aber auch lustig, spannend und inspirierend. Ich habe viel gesehen, ungewöhnlich viele Spiele angetestet, mit Leuten geredet, die ähnlich spieleverrückt sind wie und eingekauft, als wären meine Schränke nicht schon voller Brett- und Kartenspiele. Dennoch finden sich immer wieder kleine und auch große Spiele, die ich zuvor nicht auf dem Schirm habe, die mich dann aber doch rasch überzeugen können. Daneben gibt es auch Spiele, die einfach nur auf Grund ihrer Thematik, Ausstattung oder weil sie einfach fürchterlich obskur sind in meine Sammlung wandern – zu entdecken gab es in dieser Hinsicht jedenfalls genug! Ärgerlich, vor allem für die Verlage, waren fehlende Spiele, die noch nicht fertig oder im Transit waren – beispielsweise konnte ein kleiner spanischer Verlag außer ein bisschen Deko und einigen Flyern nichts für die Messe vorweisen. Weniger für die Hersteller, sondern eher für die Besucher war es dagegen schade, wenn bestimmte Produkte bereits am ersten oder zweiten Messetag ausverkauft waren. Obwohl ich es eigentlich besser wissen müsste habe ich auch zu lange gezögert und kein Regelwerk für das Warhammer Fantasy Roleplay mehr bekommen.

Selbst an vier Messetagen war es nicht möglich, auch nur einen Bruchteil der gut 1.400 Neuerscheinungen in Augenschein zu nehmen – daher musste ich mich auf einige ausgewählte Spiele beschränken und mich für den großen Rest mit Flyern und Prospektmaterial eindecken. Auch drei Tage nach der Messe habe ich noch nicht alle Eindrücke verarbeitet und alles gesichtet, was ich aus Essen mitgebracht habe.
Die Organisation der Messe lief, von einem kleinen Schluckauf am Donnerstag morgen abgesehen, sehr reibungslos, auch das Verkehrs- und Parkplatzchaos der letzten Jahre scheint nun endlich im Griff zu sein. Die neue Halle 6 kam bei den Ausstellern vor Ort, zumindest was ich gehört habe, recht gut an. Abschließend möchte ich mich an dieser Stelle nochmals für die Akkreditierung und vor allem für die Einladung zur Preisverleihung beim Friedhelm Merz Verlag bedanken!

Waren in den Vorjahren bestimmte Themen, beispielsweise Einhörner oder Zombies, beherrschend, so gab es in diesem Jahr nicht den EINEN Schwerpunkt. Einzig der Große Alte Cthulhu streckt seine Tentakel verstärkt nach den Besuchern aus. John Kovalic sagte zwar einmal, dass mit Cthulhu alles besser wird, jedoch möchte ich das bei einigen der angebotenen Spiele stark bezweifeln. Es reicht eben doch nicht, ein Tentakelmonster auf das Cover zu drucken um ein gutes Horror-Spiel abzuliefern. Glücklicherweise gibt es jedoch genug Verlage, die mit frischen Ideen und Regelmechanismen aufwarten können, so dass es wohl auch die nächsten Jahre im Bereich der Gesellschaftsspiele nicht langweilig wird. Beinahe völlig in den Hintergrund getreten ist mittlerweile die Kombination von traditionellem Brettspiel und elektronischen Hilfsmitteln via App. Zwar versuchen sich manche Hersteller immer noch daran, doch meist fühlt sich das Zusammenspiel der beiden unterschiedlichen Medien einfach falsch an. Sehr häufig bin ich dagegen auf die Brettspielumsetzung von Computerspielen gestoßen – seien es nun Strategie-Schwergewichte wie Civilization, taktische Spiele wie Jagged Alliance oder Action wie Dark Souls.

Ebenfalls auffällig war, das sich zu den Spielen eine unglaubliche Menge von Sekundärprodukten gesellt hat. Dies fängt bei einfachen Kartenhüllen und Würfelbeuteln an, geht über Spielunterlagen aus Stoff oder Neopren und passgenaue Schachteleinlagen für die unterschiedlichsten Spiele und endet schließlich bei, nach Kundenwünschen, handgefertigten Spieltischen. Diese dürfen dann auch gerne einen höheren vierstelligen Betrag kosten. Wenn ich mich nicht verzählt habe, widmeten sich alleine fünf Aussteller diesen luxuriösen Möbelstücken.

Neben vielen wirklich großartigen Dingen gab es natürlich auch einige Aufreger – im Prinzip die gleichen wie in jedem Jahr. Die Preise der Essens- und Getränkestände waren recht sportlich, aber erfahrene Messebesucher hatten sich daher bereits im Vorfeld in einem der nahegelegenen Supermärkte verproviantiert. Viel schwieriger, da nicht einfach auszublenden, war die Geräuschkulisse in manchen Hallen. Besonders in Halle 2 fielen mir zwei Stände auf, die ihre Umgebung zusätzlich zu dem normalen „Grundrauschen“ der Unterhaltungen und Spielgeräusche noch mit Musik und Karaoke-Einlagen beschallten. Dies erschwerte die Kommunikation an den umliegenden Demotischen zusätzlich und sorgte bei manchem Aussteller für gereizte Stimmung. Sehr schön waren auch diesmal wieder die jungen Mütter (selten Väter) anzusehen, die mit ihren Kinderwagen Rammgeschwindigkeit aufnahmen und rücksichtslos durch die Gänge pflügten. Das der Wagen dabei meist mit Spielen vollgestopft war, vergrößerte lediglich die Durchschlagskraft. Besonders hat mich jedoch das Verhalten einiger Kollegen der schreibenden Zunft geärgert – war dies einfach nur zum Fremdschämen. Die Arroganz und Erwartungshaltung mit denen dem Messepersonal und teils auch den Verlagen gegenübergetreten wurde, war schon bemerkenswert und für mich völlig unverständlich. Glücklicherweise handelt es sich dabei um unrühmliche Ausnahmen und die meisten Aussteller und Besucher gingen rücksichtsvoll miteinander um – zumindest soweit ich das sehen konnte.

Noch ein paar Worte zum Thema „Crowdfunding“
Eigentlich zählt diese Thematik mittlerweile eindeutig zu meinen Aufregern, würde aber den obigen Rahmen sprengen, daher möchte ich mich an dieser Stelle kurz separat dazu äußern.
Viele Verlage, auch solche, die vermutlich nicht mehr darauf angewiesen wären, haben in diesem Jahr die SPIEL lediglich als Plattform genutzt, um für ihre Crowdfunding-Projekte zu werben. Ich persönlich habe den Eindruck, dass viele dieser Spiele mittlerweile darauf setzen potentielle Spieler einfach mit tollen Artworks, einem riesigen Berg Figuren und aggressivem Marketing regelrecht zu erschlagen. Dagegen bleiben Spielprinzip, Hintergrundstory und funktionierende Mechaniken immer häufiger auf der Strecke. Natürlich kann mich dieser Eindruck täuschen, doch nach einigen nahezu unspielbaren Spielen in meiner Sammlung (die aber gut aussehen) bin ich in dieser Hinsicht wesentlich skeptischer geworden. Außerdem möchte ich, wenn ich ein Spiel auf der Messe anteste und es mir gefällt, es auch gerne direkt kaufen. Wenn ich dann zu hören bekomme, dass die Kampagne im nächsten Jahr startet und das Spiel (vielleicht) im übernächsten Jahr ausgeliefert wird, verliere ich sehr schnell den Spaß an der Sache.

Natürlich ist es für eine kleine Verlage eine tolle Sache auf diese Weise ein Projekt finanziert zu bekommen, wenn aber große, etablierte Spielehersteller diesen Weg gehen, kommen mir durchaus Zweifel am Sinn des Ganzen. Nichtsdestotrotz hier eine kleine (und sehr unvollständige) Übersicht über Spiele, die mich interessieren, die aber erst über Kickstarter gefundet werden müssen: Solomon Kane (Late Pledge; Mythic Games), Reich Busters (Mythic Games), The Everrain (Grimlord Games), Extraordinary Adventures: Pirates! (Forbidden Games), Project: ELITE (Cool Mini Or Not), Dark Rituals (Dark Gate Games), Assassin's Creed: Brotherhood of Venice (Triton Noir), Magnate: The First City (Naylor Games), Hard City (Hexy Studio), Jagged Alliance (Underground Games), Monumental (Funforge), Krosmaster Blast (Ankama), Cultiststorm oder auch Machina Arcana.

Samstag, 6. Februar 2016

Spielwarenmesse Nürnberg 2016

[Messe] Spielwarenmesse 2016
Donnerstag, 28. Januar 2016
Nürnberg


Ist die SPIEL in Essen das Mekka aller Spielbegeisterten und Konsumwütigen, so stellt die Spielwarenmesse in Nürnberg quasi den Gegenentwurf hierzu dar. In den Messehallen herrschen weitgehend Ruhe und Zurückhaltung, die meisten (Fach-)Besucher gehen zielstrebig und konzentriert ihren Geschäften nach und praktisch nie kommt es zu Drängeleien oder Geschubse. Zwar gibt es hier kaum Spielmöglichkeiten, dafür steht in der Regel jedoch qualifiziertes Fachpersonal bereit, das in der Lage ist, Fragen zu den meisten Spielen zu beantworten. In den letzten Jahren habe ich die entspannte Atmosphäre in den Nürnberger Messehallen doch sehr zu schätzen gelernt und freue mich jedes Jahr darauf, mir die Neuheiten der Aussteller ansehen zu können.
Ich hatte in diesem Jahr eine relativ genaue Vorstellung, was ich mir bei den verschiedenen Verlagen anschauen wollte, ließ mir aber auch ein ausreichend großes Zeitfenster, um einfach so ein wenig die Produkte der verschiedensten Hersteller zu betrachten.  Akkreditierung, Bahnfahrkarten und der notwendige Urlaub waren schnell organisiert, und so stand einem kleinen Ausflug zur Messe eigentlich nichts mehr im Weg.
Wie auch schon im letzten Jahr verlief die Anreise mit der Bahn, abgesehen von der obligatorischen Verspätung auf dem Weg zum Frankfurter Hauptbahnhof, schon ungewöhnlich problemlos. Ich hatte grade noch Zeit, mir ein wenig Reiseproviant zu besorgen, als mein Zug auch schon in den Bahnhof einfuhr und mir einen (vermeintlich) ruhigen Platz zu suchen. Eigentlich wollte ich nach einer sehr kurzen Nacht die drei Stunden Fahrt für ein kurzes Schläfchen nutzen, allerdings machte die wilde und lautstarke Knutscherei des Paares im Sitz vor mir jegliche Hoffnungen auf etwas Ruhe zunichte.


So kam ich dann etwas zerknittert, aber immerhin pünktlich, kurz nach 9 Uhr an der Messehalle an und ging fast auf dem direktem Weg zum Pressezentrum, um dort meine Jacke zu verstauen und mir den aktuellen Messekatalog zu holen. Dermaßen präpariert konnte ich mich nun daran machen, meine To-Do-Liste abzuarbeiten.


Auf dem Weg zu meinem ersten Ziel musste ich die Halle 7A passieren, in denen die Hersteller der verschiedensten fernsteuerbaren Fahrzeuge ihren Platz gefunden haben. Nachdem einer meiner Kollegen mich ein wenig mit seinen Quadkoptern angefixt hat, nutzte ich die Gelegenheit auf der Messe auch einen kurzen Blick auf die angebotenen Modelle zu werfen. Die schier unüberschaubare Auswahl überforderte mich jedoch komplett und daher packte ich lediglich einige Kataloge ein um diese zu einem späteren Zeitpunkt und vielleicht mit sachkundiger Hilfe durchzugehen.


Mein eigentliches Ziel lag jedoch bei den Modellbauern in Halle 7, hier war ich vor allem neugierig, was den britischen Tabletop-Marktführer Games Workshop nach Nürnberg verschlagen hatte. Normalerweise machen die Mannen aus Nottingham um solche Veranstaltungen einen weiten Bogen. Der überraschend kleine Stand lag ziemlich zentral in der Halle und außer einem großen Diorama mit Figuren des Fantasy-Systems Warhammer – Age of Sigmar und einer Vitrine mit einigen weiteren Figuren gab es eigentlich nichts wirklich Spannendes zu sehen. Wirklich interessante Neuigkeiten ergaben sich dann auch erst nach dem Gespräch mit dem Standpersonal. Vor allem die Rückkehr des großartigen Fantasy-Football-Spiels Blood Bowl mit neuen Figuren und überarbeiteten Regeln im nächsten Jahr sorgte bei mir für sichtbare Vorfreude, da dieses Spiel seit über 20 Jahren zu meinen Lieblingen zählt. Auch nicht unspannend war die Ankündigung, alte, relativ einfache Bausätze der Space Marine- und Ork-Fraktionen aus dem Warhammer 40.000-Universum neu zu verpacken und mit einigen Farben, Pinsel und Kleber als Einstiegsmodelle an eine jüngere Zielgruppe zu vermarkten. Angesichts der angekündigten Preise dürften die Modelle aber auch für altgediente Spieler interessant sein, die ihre Armeen aufstocken wollen. Im Vergleich zu den letzten Jahren tummelten sich in dieser Halle auch erstaunlich viele Hersteller von Lack- und Acrylfarben, von denen ich Acrylicos Vallejo auf jeden Fall einen Besuch abstatten wollte. Neben einigen neu zusammengestellten Farbsets und Airbrush-Farben mit neuer Rezeptur war es vor allem das Buch The Rise of Fantasy, das ich gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Autor Juan Barrena beschreibt hier dezidiert die Entstehung einiger großartiger Dioramen von den ersten Skizzen bis hin zum fertigen Werk. Nebenan bei MIG Productions konzentrierte man sich in erster Linie auf den Einsatz von Pigmenten um Modellen den letzten Schliff zu geben. Auch hier standen Produkte im Vordergrund, die dem Anwender die Erzielung spektakulärer Effekte erleichtern sollen. Während einer kurzen Vorführung hatte ich schließlich die Gelegenheit einige Erklärungen einzuholen, die mir hoffentlich bei künftigen Projekten helfen werden.
Ich konnte diesen Hallenbereich nicht verlassen ohne vorher noch einen Blick auf den Stand des Airbrush-Pistolen-Herstellers Badger zu werfen, wo ein Künstler den ganzen Tag damit beschäftigt war die Tankverkleidung eines Motorrads zu verschönern. Auch bei einigen anderen Modellbauherstellern wie beispielsweise Italeri, Heller oder Zvezda warf ich noch einen schnellen Blick auf die Neuheiten, fand aber nichts wirklich Spektakuläres, so dass ich mich schon bald weiter auf den Weg zu meinen eigentlichen Ziel, der Halle 10, machte.

Zwischendurch schaute ich noch kurz bei Folat vorbei, einer niederländischen Firma, die allerlei Partyzubehör im Angebot hat. Zwar gab es hier auch einige recht interessante Dinge zu sehen, Luftballons in allen Farben und Formen oder wirklich lustige Scherzartikel, doch ich interessierte mich eher für das großartige Give-Away, das am Messestand abgeholt werden konnte. Mit dem stabilen Trolley fiel das Gewicht der zahlreichen Prospekte, Kataloge und Flyer die sich schon nach kurzer Zeit in meiner Tasche angesammelten gar nicht mehr auf und ich konnte, spürbar erleichtert, meinen Weg zu meinen weiteren Zielen fortsetzten.

In Halle 10 war die erste Anlaufstelle natürlich der mächtige Stand von Kosmos, deren Experimentierkasten KosmoBits am Tag zuvor mit dem Toy Award 2016 ausgezeichnet worden war. Wie schon frühere Experimentierkästen, so ist auch hier das Ziel Kinder spielerisch an Themen mit technischem Hintergrund heranzuführen, in diesem Fall die Programmierung eines Bewegungssensors. Mit diesem lassen sich dann nicht nur kleine Spiele auf dem Pad steuern sondern auch praktische Anwendung entwickeln. Ein interessantes Konzept, ganz in der Tradition des Kästen, mit denen ich seinerzeit herumgewerkelt habe. Natürlich gab es daneben auch mit der Big Box die unvermeidliche Erweiterung für die Siedler von Catan und eine Neuauflage des dazugehörigen Kartenspiels. Leider macht der Star Wars-Hype auch bei diesem Hersteller keine Ausnahme und mir stellte sich die Frage, ob die Welt unbedingt ein Star Wars Ubongo gebraucht hätte. Glücklicherweise gab es aber auch noch einige originelle Konzepte zu sehen, so beispielsweise Schmuggler, bei dem die Spieler Gegenstände in Knete verstecken und diese durch die Kontrolle schmuggeln müssen, oder das Bauspiel Imhotep, das die Pyramidenkonstrukteure und Taktiker fordert. Natürlich bekommt das Detektivzubehör der Die drei ???-Reihe ebenfalls einigen Zuwachs und verschiedene kleinere Spiele erweitern das Portfolio des Verlags. Meine nächstes Ziel befand sich am entgegengesetzten Ende der Halle und ich unterbrach meinen Weg nur kurz, um die neuesten Würfel zu bestaunen, die Q-Workshop aus Polen mitgebracht hatten. Hier war man anscheinend der Meinung, das jede Kampagne des Pathfinder-Rollenspiels einen eigenen Würfelsatz braucht, ebenso wie verschiedene Cthulhu-Settings. Daneben gab es natürlich noch einige universelle Würfelsets, edel aufgemachte Würfelbecher und stylische, auf das jeweilige Spielsystem abgestimmte, Würfeltürme zu bestaunen. Nach diesem kurzen Intermezzo erreichte ich schließlich mein eigentliches Ziel, den Stand des Heidelberger Spieleverlag. Natürlich waren auch hier die Star Wars-Spiele prominent vertreten. Neben dem kleinen, schnellen Raumkampfspiel X Wing, dessen kommende Neuerscheinungen ich schon in der Vitrine betrachten konnte, die strategische Raumschlacht Armada und der Dungeon Crawler Imperial Assault. Um die Konflikte aus den Filmen schließlich auf ein galaktische Maß zu bringen wird in Kürze Rebellion erscheinen, bei dem die Spieler entweder als Rebellen oder Imperiale um die Kontrolle über ganze Planetensysteme ringen und dabei das komplette aus den Filmen bekannte Arsenal, einschließlich der Todessterne, einsetzen können. In eine ganz ähnliche Richtung geht das im Warhammer 40.000-Universum angesiedelte Strategiespiel Verbotene Welten, bei dem ebenfalls verschiedene Fraktionen um die Kontrolle über Planeten und Ressourcen ringen. Natürlich gab es auch noch einige andere Spiele, darunter weitere Lizenzprodukte, zu sehen, beispielsweise den Dungeon-Crawler Dungeon Saga, der zumindest optisch eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit dem Klassiker HeroQuest aufweist, Spiele zu den Fernsehserien Homeland und Game of Thrones oder Twin Tin Bots, bei dem die Spieler Bewegungsabläufe für ihre Roboter planen und diese in einen Parcours schicken. Danach ging es hinüber zu Pegasus Spiele, die wie schon im letzten Jahr, mit einem recht großen Stand im Übergangsbereich der Hallen 10 und 11 anzutreffen waren und hier ihr komplettes Produktsortiment aufgebaut hatten. Viel interessanter als die schon erhältlichen Spiele waren für mich jedoch die kommenden Neuheiten, auf die man schon einen ersten Blick werfen konnte. Hier waren es vor allem Fortsetzungen und Ableger schon bekannter Titel, beispielsweise der Kartenspielversion des großartigen Intrigen-Spiels Junta, die eigenständige Munchkin Steampunk-Erweiterung oder Schattenland, der vereinfachte Einsteig ins Cyberpunk-Rollenspiel Shadowrun, die mich interessierten. Aber auch einige originelle Neuheiten gab es zu bestaunen, so die abenteuerliche Suche nach dem Yeti oder das putzig anzuschauende Gierige gierige Goblins, die sich beide an eine etwas jüngere Zielgruppe richten. Viele der hier ausgestellten Neuheiten befanden sich noch in einer mehr oder minder frühen Entstehungsphase, aber zumindest konnte sich der interessierte Spieler ein Bild davon machen, was in den nächsten Monaten von den Friedbergern veröffentlicht wird. Nachdem ich mir damit auf der unteren Ebene einen ersten Überblick verschafft hatte, ging es weiter in der ersten Stock der Halle 10, in der die meisten traditionellen Brettspielverlage untergebracht waren.


Direkt von der Rolltreppe aus stolperte ich in den Stand von Schmidt Spiele, bei denen es wieder einige hübsche Spielideen zu sehen gab. Hier bekam der Spielernachwuchs etwas geboten, zum Beispiel mit Burg Flatterstein, bei dem die Spieler Fledermäuse mittels eines Katapultes in eine Schlossruine befördern müssen. Aber auch für ältere Semester gab es das eine oder andere interessante Stück: so müssen die Spieler bei Skull King – Das Würfelspiel die Anzahl der Stiche ansagen, die sie erwürfeln; ein interessantes Konzept, für mich mit meiner Würfelphobie aber eher ungeeignet. Viel besser, sowohl optisch als auch vom Spielkonzept her, gefiel mir dagegen das Kartenstichspiel Vampire Queen das sich durchaus auch für größere Spielergruppen eignet. War ich beim Erscheinen von Star Wars Carcassonne Ende letzten Jahres schon etwas irritiert gewesen, überraschte mich die Ankündigung einer Erweiterung nun nicht mehr ganz so sehr. Ob es dann aber tatsächlich ein Star Wars Qwirkle braucht, dessen Prototyp schon hier ausgestellt war, möchte ich doch bezweifeln. Amigo entwickeln sich dagegen immer mehr zum Spezialisten für kleine, feine Kartenspiele mit denen sich Spieler aller Altersgruppen anfreunden können. Optisch machten Dao, Unter Spannung oder auch Schnapp den Sack nicht unbedingt viel her, zeigten aber, dass es immer noch möglich ist, altehrwürdigen Spielprinzipien neue Aspekte abzugewinnen. Die kurzen Testspiele machten zumindest Appetit auf mehr und die Spiele werden wohl in absehbarer Zeit meiner Sammlung hinzugefügt werden. Ganz besonders bin ich jedoch auf die Wizard Jubiläumsedition gespannt, die dem Spiel nicht nur neue Artworks sondern auch noch sechs neue Karten spendiert um das Spielgeschehen durcheinander zu bringen.


Ich bin, zugegebenermaßen, ein großer Freund der Spiele des Verlags Iello und war entsprechend neugierig was die Franzosen in diesem Jahr vorstellen würden. Neben einer, noch namenlosen, Erweiterung für die Monsterkeilerei King of New York gab es Prototypen des strategischen Worker Placement Spiels Bunny Kingdom zu sehen, bei Oceanos machen sich die Spieler in U-Booten auf eine unterseeische Schatzsuche um sich anschließend bei Sea of Clouds als Luftschiffpirat in luftigen Höhen auf Kaperfahrt zu gehen. Neben diesen schon weit fortgeschrittenen Spielentwicklungen gab es dann noch eine ganze Reihe kleinerer Spiele in verschiedenen Entstehungsstadien zu sehen. Gerne hätte ich zu dem einen oder anderen Spiel einige Fragen gestellt, doch das Standpersonal zog sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit entweder in das improvisiertes Büro oder vor den Computer zurück und war dann nicht ansprechbar. Schade eigentlich!
Viel entgegenkommender war man dagegen bei Asmodee, die mittlerweile eine beeindruckende Anzahl an Verlagen, beispielsweise Days of Wonder, Treefrog Games, Ludically oder auch Lookout Games, unter ihrem Dach versammelt haben. Hier waren es vor allem die, ursprünglich über Kickstarter finanzierten, Brettspiele mit ihrer opulenten Ausstattung welche die Aufmerksamkeit auf sich zogen. So wie beispielsweise Blood Rage, in dem die Spieler mit ihrem Wikinger-Clan plündern, Questen erfüllen und Länder erobern um vor dem drohenden Ragnarök Ruhm und Ehre anzuhäufen, um schließlich an der Tafel der Götter in Walhalla zu sitzen. Auch der neueste Zombicide-Ableger Black Plague fällt in diese Kategorie und verlegt die Bedrohung durch die Untoten Horden ins finstere Mittelalter. Neben dem sehr umfangreichen Spielmaterial haben die Autoren dem Spiel sogar noch einige Neuerungen verpasst. In eine etwas andere Richtung geht dagegen das cthuloide Weird War-Strategiespiel Shadows over Normandie: hier müssen die Spieler kurz nach dem D-Day entweder verhindern, dass die bösen Nazis den großen Cthulhu beschwören oder als Achsenmächte die Invasoren zurück ins Meer drängen. Ebenfalls an regem Besucherinteresse konnten sich die grafisch wirklich überragende Mörderhatz Mysterium und das Zeitreise-Epos T.I.M.E. Stories erfreuen, zu dem die beiden Erweiterungen Der Marcy-Fall und Die Drachenprophezeiung präsentiert wurden. Trotz der zahlreichen Besucher nahm sich das Standpersonal tatsächlich die Zeit und beantwortete Detailfragen zu den Spielen ausführlich und erstaunlich fachkundig; auf einer Messe nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit. Auch bei Queen Games hatte man sich wieder angestrengt, um mit einigen Neuheiten aufzuwarten. Risky Adventures, eine Schatzjagd rund um den Erdball in bester Indiana-Jones-Manier, das Architektenspiel World Monuments und auch das im viktorianischen England angesiedelte Handelsspiel London Markets machten sowohl optisch, als auch von der Spielidee her einen ziemlich guten Eindruck. Ob dieser erste Eindruck auch bei einer eingehenderen Prüfung Bestand hat werden dann wahrscheinlich die nächsten Spieleabende zeigen.
Nachdem ich im letzten Jahr mein erstes Krimi-Dinner hinter mich gebracht habe, war ich von diesem Konzept doch sehr angetan und wollte die Messe nutzen, um mich nach eventuellen Fortsetzungen umzuschauen. Fündig wurde ich hier bei Krimi Total, einem Dresdner Verlag, der sich auf solche Publikationen spezialisiert hat. Dem netten Herrn am Stand gelang sogar das Kunststück, mir relativ viel über die Produkte zu erzählen ohne dabei zu spoilern. Zumindest das neu erschienene Intrigen-Epos Die Yacht der Macht, über eien Mord im Umfeld der korrupten Führung einer Bananenrepublik und das schon etwas ältere Im Schatten der Premiere, angesiedelt im Prag der 1920er Jahre, sind bestellt und werden in nicht allzu ferner Zukunft für hoffentlich spannende Abende sorgen. Schließlich stand noch der moses. Verlag auf meiner Liste, die immer wieder interessante Quiz- und Rätselspiele im Programm haben. Den meisten Spielern dürfte die Black Stories-Serie ein Begriff sein, die in Kürze mit der Scary Music Edition eine weitere Fortsetzung erhält, aber auch die Produktpalette zum Fernsehkrimi tatort wächst kontinuierlich. Daneben haben mir besonders gut das Geographie-Ratespiel Wo ist bitte Umtata? und Mr. Lister's Quiz Shooutout gefallen, beides Spiele, bei denen die Spieler endlich eine sinnvolle Anwendung für ihr mühevoll angesammeltes und normalerweise nutzloses Detailwissen haben. Obwohl es nicht unbedingt in mein Ressort fällt musste ich schließlich noch einen Blick auf die Collection Art-thérapie werfen, eine Serie mit Malbüchern der etwas anderen Art und wirklich sehenswert.


Nachdem ich damit praktisch meine komplette To-Do-Liste abgearbeitet hatte, machte ich mich wieder auf den langen Marsch ins Pressezentrum, um dort die zahlreichen Kataloge zu überfliegen, noch einige interessante Ziele herauszupicken und, ganz wichtig, ein paar Minuten die geschundenen Füße hochzulegen. Im Nachhinein stellte sich dies jedoch als kapitaler Fehler heraus, denn bei der zweiten Runde schmerzte jeder Schritt umso mehr. Immerhin konnte ich mein Gepäck hier ablegen und mich einigermaßen unbeschwert auf den Weg in die Hallen 3 und 4 machen.


Ich würde mir zwar selbst nie eine Modelleisenbahnanlage ins Wohnzimmer stellen, aber es ist doch schon beeindruckend, was Firmen wie Märklin, Faller oder Brawa aufstellen: Bei den, mit viel Liebe zum Detail gestalteten, Anlagen kann man wahrscheinlich stundenlang davor stehen und entdeckt immer noch neue, winzige Einzelheiten, die die Szenerie zum Leben erwecken. Einen etwas praktischeren Nutzwert für mich hatten die Produkte des Geländeherstellers Noch, die ich immer wieder gerne für die Gestaltung meiner Tabletop-Miniaturen und der dazugehörigen Szenerie nutze. Vor allem die realistisch aussehenden Gewächse hatten es mir angetan, aber auch für die verschiedene Effekte für Wasser, Eis und Schnee habe ich künftig sicherlich die eine oder andere Anwendung.
Der Weg zu meinen letzten Ziel führte mich durch Hallen vollgestopft mit Puppen, Schulutensilien, Kinderwagen und Feuerwerksartikeln, die ich alle weitgehend ignorierte, da ich wieder einmal viel zu viel Zeit vertrödelt hatte.
Schließlich kam ich bei meinem letzten Ziel, der Halle 12 an, die traditionell von den wirklich großen Spielzeughersteller wie Mattel, Playmobil, Revell oder Lego unter sich aufgeteilt wird. Wie in jedem Jahr stand ich vor den beinahe mannshohen Bauklötzchenfiguren des dänischen Herstellers im Eingangsbereich und staunte über die Details. Neben dem virtuellen Dimensions-Spielsystem stand die neue Figurenserie der Nexo Knights im Mittelpunkt, deren Figuren mich teilweise extrem an das Tabletop Warmachine erinnerten. Nachdem ich mich satt gesehen hatte schlenderte ich relativ gemütlich an den anderen Ständen vorbei, betrachtete die dort präsentierten Produkte und hielt noch das eine oder andere Schwätzchen mit Besuchern und Ausstellern. Einzig bei Revell verbrachte ich ein wenig mehr Zeit als eigentlich geplant. Auch dieser Hersteller kann sich über einen Toy Award für die Junior Kits freuen. Diese Auto-Bausätze machen optisch wirklich einen sehr guten Eindruck und sind solide genug, die Aufmerksamkeit der Zielgruppe längere Zeit zu überstehen. Ansonsten gab es auch hier zahlreiche Star Wars-Modelle zu sehen und auch der Trend zu ferngesteuerten Fahrzeugen am Boden, zu Wasser und in der Luft ist ungebrochen. In den, mit Fangnetzen abgesicherten, Bereichen konnten die Besucher sogar selbst Hand an die Fernbedienungen legen und einige Proberunden absolvieren.


Für die Rückkehr ins Pressezentrum und das dort stattfindende gemeinsame Essen blieb mir nicht mehr sonderlich viel Zeit und so wählte ich den Weg über die Außenflächen um schneller voran zu kommen. Und tatsächlich gelang es mir auch rechtzeitig um 17.30 Uhr am Restaurant zu sein und den traditionellen Messecocktail zu verkosten. Für meinen Geschmack war der Tolls Toyce mit seiner Mischung aus Cidre, Williams, Applie Pie Syrup und Rhabarbernektar jedoch deutlich zu süß und ich beließ es beim Anstandsglas. Das anschließende Essen fand dann wieder in ausgesprochen gelöster Atmosphäre statt und es wurden fröhlich Meinungen und Gerüchte ausgetauscht, wobei die wirklichen Spieler unter den anwesenden Pressevertretern deutlich in der Unterzahl waren. Die Tipps für den weiteren Messebesuch konnte ich mir dagegen sparen, da ich mich am gleichen Abend wieder auf den Heimweg machen musste. Diesmal hatte ich einen früheren Zug gebucht, daher verließ ich das Restaurant recht zeitig und bahnte mir meinen Rückweg durch die nahezu ausgestorbenen Messehallen. Nur gelegentlich kam mir ein Besucher entgegen, der entweder auf der Suche nach einem Ausgang vom Weg abgekommen war oder eine der zahlreichen After-Show-Partys besuchen wollte.
Die Heimreise verlief dann, ebenso wie schon die Hinfahrt, angenehm ereignislos und ich hatte sogar die Gelegenheit immer wieder ein bisschen zu dösen. So kam ich nicht ganz so zerstört wie in den Vorjahren gegen Mitternacht in Ingelheim an und machte mich, nun im Auto, auf die letzte Etappe meines Weges um dann am nächsten Morgen mit der Sichtung des Materials zu beginnen.


Neben schmerzenden Füßen, einer leichten Erkältung und einer gewaltigen Menge an Katalogen konnte ich von der diesjährigen Spielwarenmesse noch einige wichtige Erkenntnisse mitnehmen: Der Zombie-Hype hat offensichtlich seinen Zenit überschritten und nur noch ganz vereinzelt müssen die Untoten für mehr oder minder gelungene Spielkonzepte und andere Produkte herhalten. Auch von den augenfeindlichen quietschgelben Minions war im Vergleich zum letzten Jahr kaum noch etwas zu sehen. Dafür gab es praktisch kein Produkt, vom Kugelschreiber über Luftballons, Kindersessel und Plüschfiguren bis hin zur ausgewachsenen Hüpfburg, das nicht mit jeglicher Art von Star Wars-Motiven zugepflastert wäre. Während man durch die Hallen schlenderte war förmlich zu hören, wie sich die Geldströme auf die Konten des Disney-Konzerns und George Lucas ergossen. Auch sonst war die Lizenzabteilung des Filmstudios nicht faul gewesen und hatte praktisch alle Charaktere die im Laufe der Jahre auf der Leinwand zu sehen waren in irgend einer Form auf Spielzeug, Taschen oder anderem Merchandise verewigt.
Von diesen Exzessen einmal abgesehen gab es auf der Messe einige recht interessante und originelle Spiele und Spielzeuge zu sehen; grade die Zusammenführung analoger und digitaler Spielwelten schreitet langsam aber stetig voran. Kosmos haben dafür mit ihren Produkten ein sehr schönes Beispiel vorgelegt, aber auch andere Verlage arbeiten erfolgreich in diese Richtung und langsam entstehen funktionierende Konzepte, die wohl in den kommenden Jahren in einer völligen Verschmelzung münden könnten. Aber auch in den Kinderzimmern hält die Elektronik immer mehr Einzug, von Puppenhäusern, die sich über das Smartphone steuern lassen bis hin zu Plüschtieren, die mit diversen Sensoren ausgestattet sind. Und schließlich gibt es immer noch tolle, überraschende Ideen für traditionelle Brett-, Karten- oder Würfelspiele, so dass auch für die Messen der nächsten Jahre genug Stoff vorhanden sein dürfte.