[Konzert] Welle: Erdball
Support: The Sexorcist
Samstag, 6. Mai 2017
Schlachthof, Wiesbaden
Wenn Welle: Erdball die
bundesdeutschen Clubs und Hallen mit einer neuen Sendung bespielen,
machen sie regelmäßig Station im Rhein-Main-Gebiet. So weit ich
mich zurück erinnern kann waren sie dabei immer in der Opelstadt
Rüsselsheim (von einem kurzen Abstecher nach Bingen abgesehen) zu
Gast. Auf ihrer aktuellen Vespa 50N Special Tour bricht die
Band mit dieser langjährigen Tradition und tritt in der großen
Halle des Wiesbadener Schlachthofs auf, um ihre neue EP
Gaudeamus Igitur dem geneigten Hörer vorzustellen.
Im Gegensatz zu vielen anderen
Musikern legt die Band Wert auf Pünktlichkeit und so betritt exakt
um 20 Uhr das Duo The Sexorcist die Bühne um das Publikum auf
den Hauptact einzustimmen. So richtig will dieses Unterfangen mit
Stücken wie „Brandenburg“, „Tokio“ oder „Vegan“ jedoch
nicht gelingen. Die harten Beats zusammen mit den expliziten,
provokanten (und nicht ganz Ernst gemeinten) Texten kommen nicht
übermäßig gut an – immerhin haben eine Handvoll Besucher vor der
Bühne sichtlich Spaß. Der Rest des Publikums hat sich über die
gesamte Halle verteilt, redet, trinkt, oder hat sich gleich ganz vor
die Tür der Halle verzogen. Das gut 45minütige Set endet
schließlich mit einer sehr eigenwilligen Interpretation des
NDW-Klassikers „Skandal im Sperrbezirk“ - für mich das beste
Stück der Vorband.
Kaum ist der letzte Ton verklungen
räumen Chris L. und Gunnar Kreuz die Bühne, während die
hauseigenen Techniker hektisch letzte Hand an die Verkabelung und die
Bühnendekoration legen, damit es ohne größere Verzögerung weiter
gehen kann.
Tatsächlich ist die Umbaupause in
Rekordzeit abgeschlossen und Welle: Erdball machen sich für
ihren großen Auftritt bereit. An den Bühnenrändern knattern schon
fröhlich (nach anfänglichen Startproblemen) die beiden Vespas mit denen die vier Bandmitglieder, ganz
im Sinne des Tourmottos, auf die Bühne fahren. Derweil läuft
„Gaudeamus Igitur“, der Titeltrack der neuen EP aus den Boxen.
Nachdem die Musiker ihre Positionen eingenommen haben und das Konzert
traditionell mit „Funkbereit!“ einleiten, sehe ich im Publikum
viele fragende Gesichter. Auch ich bin etwas verwirrt, stehen dort
oben mit Honey und Lady Lila nur 50 Prozent der bekannten Besetzung.
Doch statt einer Erklärung folgen „Vespa 50N Special“ und „Nur
mit mir allein“ vom neuen Tonträger, bei denen sich Honey und Lady
Lila am Mikrofon abwechseln. Bei „Nerdfaktor 42“ hat dann endlich
der Commodore C64, das eigentliche Aushängeschild der Band, seinen
Einsatz. Zum ersten Mal an diesem Abend kommt tatsächlich Bewegung
ins Publikum – es ist auch schwer sich dem minimalen, aber
eingängigen Rhythmus zu entziehen. Das folgende „Stirb mir nicht
weg“ entstand im letzten Jahr Jahr im Rahmen eines Workshops auf
dem Amphi-Festival und gedenkt im Intro der prominenten Toten
des Jahres 2016. Erst danach liefert Honey eine Erklärung für das
Fehlen der beiden Bandmitglieder und stellt gleichzeitig den Ersatz
auf der Bühne vor. Sowohl A.L.F. als auch Fräulein Venus stehen für
die laufende Tour aus familiären Gründen leider nicht zur
Verfügung, stattdessen übernimmt Andy Berberich, normalerweise der
Mann im Hintergrund, die Tastenarbeit, während Emma Peel für
Mikrofon und Moderation zuständig ist.
Schon ein paar Jahre ist das
folgende „Der Türspion“ alt, das vom Publikum trotzdem nach
Kräften gefeiert wird und vor allem mit einer gelungenen optischen
Präsentation unterhalten kann. „Die letzte Chance zu leben“
liefert eine sehr spezielle Mischung aus Alleinunterhalter-Keyboards,
einem Bubble-Gum-Refrain und einem beinahe schlagerhaften Vortrag von
Honey. Eine sehr gewöhnungsbedürftige Nummer, die sich aber
unbestreitbar im Gehörgang festsetzt und den ganzen Saal zum Tanzen
bringt. Ähnlich eingängig aber deutlich ruhiger, und für mich
eines der Highlights von Gaudeamus Igitur, ist das von Lady
Lila vorgetragene „L'inconnue de la Seine“. Es folgt das
stampfende „20.000 Meilen unter dem Meer“, bei dem vor allem der
Refrain hängen bleibt. Schließlich endet der erste Teil des Sets
nach einer guten Dreiviertelstunde mit „FanFanFanatisch“, der
wohl bisher tanzbarsten, druckvollsten Nummer des Abends. In der,
leider nur halb vollen, Halle gibt es zu diesem Zeitpunkt
eigentlichen niemanden mehr der still steht.
Die sich daran anschließende Pause
dürfte die kürzeste sein, die ich jemals auf einem Konzert erlebt
habe. Während die beiden Moderatorinnen von der Bühne gehen,
stöpseln Andy und Honey einige (zu kurze) Kabel um und verschieben
Instrumente. Schon nach handgestoppten zwei Minuten geht es wieder
mit der Sendung weiter.
Ganz in weiß und mit aufblasbaren
Flügeln betritt Lady Lila die Bühne um den zweiten Teil mit „1000
Engel“ zu eröffnen. Hier ist es vor allem die Optik die überzeugen
kann; dem Stück selbst fehlt, wie ich finde, das gewisse Etwas. Nach
diesem etwas ruhigeren Intermezzo ziehen Welle: Erdball das
Tempo mit „Wir wollen keine Menschen sein“ wieder deutlich an.
Treibende Beats, eine einfach gestrickte Melodie und den eingängigen
Text – mehr braucht es nicht um gut 600 Leute zum Tanzen zu
bringen. Die Hymne der Verschwörungstheoretiker, „23“, darf
natürlich nicht fehlen, ebenso wie „Die Liebe der 3. Art“. Hier
bekommt der treue C64 eine kurze Verschnaufpause während die
komplette Musik zu dem Stück von einem Nintendo DS geliefert wird.
Über 20 Jahre alt ist mittlerweile „Wo kommen all die Geister her“
- und für mich immer noch eines der besten Stücke der Band. Das
Theremin, mit seinem extrem charakteristischen Klang, hat an diesem
Abend einen Wackelkontakt und gibt stellenweise merkwürdige
Geräusche von sich und auch der Text wurde in einigen Passagen den
aktuellen technischen Gegebenheiten angepasst. Mittlerweile wird
jedes Stück gefeiert und das komplette Publikum bewegt sich im Takt
der Musik.
Ein Standard auf Konzerten der Band ist schon seit
vielen Jahren „Schweben, fliegen, fallen“, bei dem die beiden
Moderatorinnen riesige Bälle ins Publikum werfen, die sich zu
begehrten Trophäen entwickelt haben. Die Stimmung ist zu diesem
Zeitpunkt großartig, die Besucher singen lautstark mit und auch die
Band hat sichtlich Spaß an dem Auftritt. Eine kurze Verschnaufpause
gibt es mit dem Frühwerk „Ich bin nicht von dieser Welt“ und
„Alles Lüge“ vom 2006er Album Chaos Total. Als ein Ölfass
auf die Bühne gerollt wird jubelt der Saal, denn die erfahrenen
Konzertgänger wissen, dass nun „Arbeit adelt“ folgt. Extrem
eingängig und tanzbar ist dieses Stück ebenfalls schon seit Jahren
völlig zu Recht ein Publikumsliebling. Während sich Honey ein wenig
zurückzieht übernehmen Emma Peel und Lady Lila das Mikrofon und
sorgen mit dem „8-Bit-Märchenland“ für eine dringend benötigte
Ruhepause. Zwischen „VW Käfer“ und „Feuerwerk“ darf der
Hinweis auf die obligatorischen Unterschriftenlisten und
Spendenaktionen am Merchandise-Stand nicht fehlen. Schon seit Jahren
unterstützt die Band den Deutschen Tierschutzbund e.V. und
die SOS-Kinderdörfer, so auch bei diesem Auftritt in
Wiesbaden.
Nach knapp zwei Stunden kündigt
Honey das baldige Ende des Konzertes an, allerdings wäre so ein
kurzer Auftritt ungewöhnlich für die Band. Als dann der Sound von
Triebwerke aus den Boxen dröhnt ist es Zeit für „Starfighter
F-104g“, ein weiterer Fixpunkt bei den Auftritten. Während
Papierflieger von der Bühne ins Publikum fliegen, werden in der
Halle die letzten Reserven mobilisiert und ausgelassen getanzt.
Anscheinend hat die Band immer noch Lust zu spielen und diesem
vermeindlich letzten Stück folgt das von mir sehr geschätzte,
zuckersüße „Poupée de Cire“ bei dem wieder Lady Lila das
Mikrofon übernimmt. „Graf Krolok“, „Deutsche Liebe“ und das
lautstark geforderte „Monoton & Minimal“ müssen ebenfalls
gespielt werden, obwohl Honey jedes Lied als das wirklich allerletzte
ankündigt. Schließlich geht die Sendung dann doch zu Ende und
Welle: Erdball verabschieden sich mit „Es geht voran“ dann
tatsächlich nach "nur" 2 1/2 Stunden in den
Backstage-Bereich.
Meist folgen die Konzerte von
Welle: Erdball einem bestimmten Schema und auch dieser
Auftritt im Schlachthof in Wiesbaden sollte dabei keine
Ausnahme bilden. Der erste Teil des Sets konzentrierte sich
weitgehend auf das Material der neuen Sendung, während der zweite,
deutlich längere Teil einen Querschnitt durch das beinahe 25jährige
Schaffen der Band bietet. Auch die Kostümwechsel der beiden
Moderatorinnen, die zahlreichen Accessoires, Filmprojektionen und die
nüchternen, lakonischen Moderationen von Honey gehören eigentlich
schon lange zum Standardprogramm. Und obwohl ich im Laufe der Jahre
schon bestimmt bei sieben oder acht Konzerten war, wird es dennoch
nicht langweilig. Die Stimmung im Publikum war schlicht großartig,
die Band hatte Spaß und die Setlist aus neuem Material und
liebgewonnenen Klassikern schaffte es (fast) immer die
Lieblingslieder der Zuhörer punktgenau zu treffen. Wirklich perfekt
wäre der Auftritt noch mit „Die Moorsoldaten“ gewesen, aber ich
will mich nicht beschweren – wo bekommt man noch so viel gute
Unterhaltung für sein Eintrittsgeld geboten. Im Laufe der Jahre ist
es Welle: Erdball gelungen die Mischung zwischen Musik,
optischer Präsentation und Show zu perfektionieren. Natürlich muss
man diese Art der minimal-elektronischen Musik mögen – dann
bekommt man aber auch ein fantastisches Konzerterlebnis geboten.
Auch
der dazugehörige technische Rahmen passte an diesem Abend. Die Leute
hinter den Mischpulten hatten Sound und Licht hervorragend im Griff;
einzig die Vocals der Moderatorinnen hätten stellenweise etwas
lauter sein können. Ansonsten gab es, wie eigentlich in letzter Zeit
immer im Schlachthof, rein gar nichts von dieser Seite
auszusetzen.
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Sonntag, 14. Mai 2017
Sonntag, 29. Januar 2017
[Live-Hörspiel] The Call of Cthulhu
Freitag, 27. Januar 2017
Alfons-Jung-Saal, Wiesbaden
Mit kurzer Verspätung stattet der frisch gewählte US-Präsident Donald Trump (Christopher Buhr) dem Saal einen kurzen Besuch ab, freut sich über die zahlreichen Besucher, die nur seinetwegen hier sind und äußert sich abfällig über das völlig überbewertete Kryptonite Radio Theater. Als musikalische Einleitung erzählt Diana Schupp noch über ihre kurze, tragische (aber durchaus komische) Liebesgeschichte mit einem Spanier, bevor es dann wirklich losgeht.
Die Rahmenhandlung beginnt in Boston mit den beiden Polizisten, Detective Jack Mallory (David Mark) und Sergeant Nick Hale (Andrew Graham), die zu einem Tatort gerufen werden. Bei dem bedauernswerten Mordopfer handelt es sich um Francis Weyland Thurston, den Erzähler aus H.P. Lovecrafts Call of Cthulhu. Während Hale den Fall als eher alltägliches Verbrechen ansieht, vertieft sich Mallory immer weiter in die gefundenen Unterlagen und erfährt auf diesem Weg von den Forschungen die Thurstons Onkel, der kürzlich verstorbene Anthropologe Professor George Gammel Angell, angestellt hat.
Freitag, 27. Januar 2017
Alfons-Jung-Saal, Wiesbaden
Vor einigen
Wochen landete ein kleiner Flyer in meinem digitalen Postfach, auf
dem sehr prominent der Titel The Call of Cthulhu prangte.
Neugierig wie ich bin, folgte ich dem Link und fand heraus, dass es
sich dabei um Werbung für ein Live-Hörspiel handelte. Stattfinden
sollte das Ganze im Alfons-Jung-Saal, der Wiesbadener St.
Bonifazius-Gemeinde zugehörig.
Obwohl ich mich relativ viel mit der
Kulturlandschaft der hessischen Landeshauptstadt befasse, hatte ich
bisher weder von diesem Saal, noch von der Existenz des
Veranstalters, dem Kryptonite Radio Theater, etwas gehört.
Bei dieser Gruppe handelt es sich, wie eine kurze Recherche ergab, um
zumeist US-amerikanischen Schauspieler, die schon seit 2010 immer
wieder Hörspiele auf die Bühne bringen. Ihr Repertoire umfasst
dabei so unterschiedliche Stücke wie den Klassiker Casablanca,
das Fantasy-Epos Dungeons & Demons oder King Kong.
Die
Veranstaltung ist praktisch ausverkauft und ich bin froh, dass ich so
früh vor Ort bin. Ein Platz in der zweiten Reihe erlaubt mir einen
ungehinderten Blick auf die Bühne und ich kann mir mit ein wenig
unauffälligem Geschiebe noch etwas mehr Beinfreiheit erarbeiten.
Schnell besorge ich mir noch ein Getränk an der Bar, während sich
der Saal immer weiter füllt. Ein kurzer Blick in die Runde zeigt ein
ungewöhnlich gut durchmischtes Publikum – ich hatte dagegen mit
deutlich mehr schwarz Gekleideten gerechnet.
Mit kurzer Verspätung stattet der frisch gewählte US-Präsident Donald Trump (Christopher Buhr) dem Saal einen kurzen Besuch ab, freut sich über die zahlreichen Besucher, die nur seinetwegen hier sind und äußert sich abfällig über das völlig überbewertete Kryptonite Radio Theater. Als musikalische Einleitung erzählt Diana Schupp noch über ihre kurze, tragische (aber durchaus komische) Liebesgeschichte mit einem Spanier, bevor es dann wirklich losgeht.
Die Rahmenhandlung beginnt in Boston mit den beiden Polizisten, Detective Jack Mallory (David Mark) und Sergeant Nick Hale (Andrew Graham), die zu einem Tatort gerufen werden. Bei dem bedauernswerten Mordopfer handelt es sich um Francis Weyland Thurston, den Erzähler aus H.P. Lovecrafts Call of Cthulhu. Während Hale den Fall als eher alltägliches Verbrechen ansieht, vertieft sich Mallory immer weiter in die gefundenen Unterlagen und erfährt auf diesem Weg von den Forschungen die Thurstons Onkel, der kürzlich verstorbene Anthropologe Professor George Gammel Angell, angestellt hat.
Zu diesem
Zeitpunkt tritt die Rahmenhandlung mit den beiden Polizisten weit in
den Hintergrund und die eigentliche Geschichte startet mit dem ersten
Teil "The Horror in Clay". Dabei übernimmt Laura
Helmke-Long die Rolle der Erzählerin, während der Rest des
Ensembles in wechselnde Rollen schlüpft.
Eben jener
Professor Angell bekommt im Jahr 1925 Besuch von dem jungen Bildhauer
Henry Wilcox, der in einem Traum die Skulptur eines monströsen
Wesens geschaffen hat, das er Cthulhu nennt. Der Wissenschaftler hat
schon früher von einem Kult gehört, der sich um diese Kreatur
gebildet hat. Die Träume des Künstlers intensivieren sich und der
Professor protokolliert die Inhalte akribisch. Daneben sammelt er
Zeitungsberichte und befragt Freunde und Bekannte und erkennt, dass
auch andere Menschen auf der ganzen Welt ähnliche Träume haben.
Der zweite
Abschnitt der Geschichte, "The Tale of Inspector Legrasse",
macht einen Sprung zurück ins Jahr 1908. Hier erfährt Professor
Angell zum ersten Mal vom Kult des Cthulhu durch Inspector Legrasse
(Michael Lee). Dieser erzählt von mörderischen Ritualen in den
Sümpfen von New Orleans und zeigt den versammelten Wissenschaftlern
eine merkwürdige Statue. Diese Mischung aus Drache, Tintenfisch und
Mensch ähnelt sehr der Skulptur des Bildhauers und stellt die
Gelehrten vor ein Rätsel. Einzig Professor Webb, eine Autorität auf
dem Gebiet der Anthropologie, hat eine ähnliche Abbildung vor 50
Jahren auf Grönland bei einem degenerierten Eskimo-Stamm schon
einmal gesehen. Polizist und Wissenschaftler vergleichen ihre
Erkenntnisse und kommen zu dem Schluss, dass es sich um einen
weltweiten Kult handelt, der den Großen Alten Cthulhu anbetet.
Daran
schließt sich ein weiterer Werbeblock an, gefolgt von einer kurzen
Pause. Wie schon am Anfang gibt es einen Kommentar des Präsidenten
und eine Episode aus dem Leben von Diana Schupp. Diesmal singt sie
den Zuhörern aus ihren bewegten Karriere auf den Bühnen der Welt
vor.
Die
eigentliche Geschichte wird mit dem dritten und letzten Kapitel "The
Madness from the Sea" abgeschlossen. Nach dem Tod seines Onkels
geht Francis Thurston weiter den Berichten über den Kult nach und
reist dabei nach Neuseeland und Australien. Dort soll der Seemann
Johansen (Mike Riepl) leben, der auf seinen Reisen ein merkwürdiges
Erlebnis hatte. Thurston folgt Johansens Spur nach Oslo, muss aber
feststellen, dass der Mann mittlerweile unter merkwürdigen Umständen
verstorben ist. Jedoch hinterließ er seiner Witwe (Anna Gardner) ein
Tagebuch, mit den Ereignissen seiner letzten Reise.
Auf dem Weg nach Kalau wurde sein Schiff von degenerierten Kultisten angegriffen, jedoch konnten sie diese besiegen. An Bord des feindlichen Schiffes fand Johansen eine Statue, die eine frappierende Ähnlichkeit mit den Abbildungen aus Grönland und New Orleans hatte. Auf der Weiterreise landete das Schiff, die Alert, auf einer Insel, die offensichtlich durch ein Erdbeben an die Oberfläche gehoben wurde. Die überlebenden Seeleute erkundeten die Bauwerke auf der Insel und es gelang ihnen die Tür zu einem der Gebäude zu öffnen. Aus dieser Gruft kroch schließlich jene gewaltige Kreatur, die als Vorbild für die Statuen diente. Nur Johansen und einem weiteren Matrosen gelang die Flucht von der Insel, die anderen starben vor Schreck, wurden von dem Großen Alten getötet oder von den abstrakten Winkeln der Gebäude verschlungen. Der Eintrag endet mit der Beschreibung, dass Johansen sein Boot direkt in das Monster hinein steuert und es damit zerstört. Während sich Cthulhu wieder zusammensetzt gelingt den beiden Seeleuten die Flucht, doch sie verlieren über den Schrecken den Verstand. Während der Matrose Briden stirbt, überlebt Johansen und kehrt, getrieben von schrecklichen Alpträumen, in seine Heimat zurück. Doch schon nach kurzer Zeit kommt er bei einem Unfall ums Leben und alles was Thurston bleibt, sind die Einträge in dem Tagebuch.
Auf dem Weg nach Kalau wurde sein Schiff von degenerierten Kultisten angegriffen, jedoch konnten sie diese besiegen. An Bord des feindlichen Schiffes fand Johansen eine Statue, die eine frappierende Ähnlichkeit mit den Abbildungen aus Grönland und New Orleans hatte. Auf der Weiterreise landete das Schiff, die Alert, auf einer Insel, die offensichtlich durch ein Erdbeben an die Oberfläche gehoben wurde. Die überlebenden Seeleute erkundeten die Bauwerke auf der Insel und es gelang ihnen die Tür zu einem der Gebäude zu öffnen. Aus dieser Gruft kroch schließlich jene gewaltige Kreatur, die als Vorbild für die Statuen diente. Nur Johansen und einem weiteren Matrosen gelang die Flucht von der Insel, die anderen starben vor Schreck, wurden von dem Großen Alten getötet oder von den abstrakten Winkeln der Gebäude verschlungen. Der Eintrag endet mit der Beschreibung, dass Johansen sein Boot direkt in das Monster hinein steuert und es damit zerstört. Während sich Cthulhu wieder zusammensetzt gelingt den beiden Seeleuten die Flucht, doch sie verlieren über den Schrecken den Verstand. Während der Matrose Briden stirbt, überlebt Johansen und kehrt, getrieben von schrecklichen Alpträumen, in seine Heimat zurück. Doch schon nach kurzer Zeit kommt er bei einem Unfall ums Leben und alles was Thurston bleibt, sind die Einträge in dem Tagebuch.
Damit endet
die ursprüngliche Geschichte Lovecrafts und die Rahmenhandlung mit
den beiden Bostoner Polizisten tritt wieder in den Vordergrund.
Während Mallory sich ganz in die Aufzeichungen des Verstorbenen
vertieft hat, gelingt es Hale tatsächlich einen Verdächtigen im
Hafen zu lokalisieren und die Gesetzeshüter machen sich auf den Weg,
um den Kultisten zu verhaften...
Diese
Vorstellung des Kryptonite Radio Theater basiert auf der
Adaption der H.P. Lovecraft Historical Society, die schon
mehrere Geschichten des Autors im Stil alter Radio-Hörspiele
aufbereitet haben.
Die sechs
Schauspieler schlüpfen in die unterschiedlichsten Rollen - in einem
Moment ein tapferer Polizeibeamter, wenige Sekunden später ein
degenierter Kultist, eine Krankenschwester, ein Gelehrter, ein
Seemann oder ein Hillbilly. Aussprache und Akzente wechseln dabei
ebenso schnell wie Kopfbedeckungen und Accessoires, die den
Rollenwechsel weiter verdeutlichen. Auch Mimik und Körpersprache
wechseln beständig und demonstrieren eindrucksvoll die
Vielseitigkeit der Beteiligten. Während meist nur zwei oder drei
Charaktere direkt eingebunden sind, gibt es mehrere Szenen, in denen
das komplette Ensemble gefordert ist, beispielsweise bei der
Erkundung der mysteriösen Insel oder beim Kampf gegen die
degenerierten Kultisten in den Sümpfen.
Die
dezente, aber sehr effektive, musikalische Untermalung kommt aus der
Konverse, die Soundeffekte werden dagegen live von Anna Gardner
erzeugt. Mit ihren Utensilien nimmt sie den kompletten rechten
Bühnenrand ein und plantscht fast zwei Stunden lang in Wasser,
raschelt mit Bändern, stößt Messer in Salatköpfe, schlägt Türen
zu oder klopft auf unterschiedlichste Oberflächen.
Unterbrochen
wird die Geschichte auch immer wieder durch kleine (und sehr lustige)
Werbejingles, beispielsweise für die neue, noch schleimigere
Frühstücks-Cerealie "Cthuloops" oder Schinken-Aroma aus
der Sprühdose - zur Abwehr von Veganern und Vegetariern. Auch die
Gesangseinlagen von Diana Schupp, wenn auch ohne cthuloiden Bezug,
sind sehr gelungen und lockern das eigentlich finstere Stück auf.
Bisher
hatte ich keine Vorstellung, wie ein Live-Hörspiel funktioniert. The
Call of Cthulhu hat sich als wirklich großartige Mischung aus
Theater und szenischer Lesung erwiesen, die sehr gut zu unterhalten
weiß. Einerseits wurde die Horror-Geschichte stimmig und sehr
atmosphärisch umgesetzt, andererseits nahmen sich die Beteiligten
nicht zu ernst und sorgten zwischendurch immer wieder für Lacher.
Dabei agierten die Schauspieler mit sichtlich Spaß an der Sache und
bescherten so den Zuschauern einen wirklich gelungenen,
unterhaltsamen Abend mit einer ungewöhnlichen Veranstaltung. Es wird
sicherlich nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich dem Kryptonite
Radio Theater einen Besuch abgestattet habe.
Sonntag, 17. Januar 2016
The Busters; Alte Schmelze; Wiesbaden
[Konzert] The Busters
Donnerstag, 14. Januar 2016
Alte Schmelze, Wiesbaden
Mit Ska, Reggae
oder Rocksteady verbindet man eigentlich Sommer, Sonne, Sonnenschein, Strand und kühle Getränke mit Schirmchen drin; tatsächlich finden die meisten Ska-Konzerte in meiner
Umgebung (zumindest kommt es mir so vor) aber im Herbst oder Winter
bei nasskaltem Wetter in kleinen bis mittelgroßen Hallen statt. In
dieses Schema passt dann auch, dass eine der dienstältesten
deutschen Ska-Bands, The Busters,
im Rahmen ihrer "Busting, Blasting, Everlasting"-Tour an
einem stürmischen, kalten und verregneten Donnerstag Anfang Januar
in der Alten Schmelze
in Wiesbaden Station machen.
Schon um 20 Uhr öffnen sich die Türen der Location und die ersten Besucher huschen auf der Flucht vor dem eisigen Nieselregen ins Foyer der kleinen Halle. Hier hat man die Gelegenheit sich mit Platten, Shirts und allerlei anderem Merchandise einzudecken. Auch das Thekenpersonal hat gut zu tun, da die Warterei auf die Band doch durstig zu machen scheint.
Schließlich betritt kurz nach 21 Uhr Gitarrist Alex Lützke die spärlich ausgeleuchtete Bühne, setzt sich auf den einzelnen, verloren wirkenden Stuhl und beginnt akribisch ein kleines Fußbänkchen aufzubauen um dann im Anschluss auf der akustischen Gitarre eine ziemlich großartige Version von „Stairway To Heaven“ zu spielen. Nach diesem, etwas unerwarteten, Auftritt entern nach und nach auch die restlichen zehn Musiker die Bühne und leiten nahezu übergangslos "Mickey Mouse In Moscow" vom 1988er Debütalbum Ruder Than Rude ein. Das Publikum dankt es der Band mit ausgelassenem Tanzen, wobei immer noch ein respektvoller Abstand zur Bühne gehalten wird. Erst nach wiederholter Aufforderung von Sänger Ron Marsman verschiebt sich der gesamte Innenraum ein paar Meter in Richtung der Band.
In den folgenden zwei Stunden bieten The Busters eine sehr breit gefächerte Auswahl aus ihrer nun fast 30jährigen Bandgeschichte. Frühe Stücke wie „Rude Vibrations“, „Whiskey 'til I drop“ oder „No risk, no fun“ wechseln sich mit Cover-Versionen, beispielsweise „Revolution Rock“ von The Clash oder dem aus einer Kooperation mit Farin Urlaub entstandenen „Liebe macht blind“, ab. Dazu kommen natürlich auch immer wieder Stücke des aktuellen Albums Supersonic Eskalator, die ebenfalls recht gut vom Publikum angenommen werden. Besonders zu „Summernight“ und „Hangin' out with the Boys“ wird wild getanzt und gefeiert, leider verzichtet die Band auf „Evil Eve“, mein Lieblingsstück auf dem Album (was absolut gar nichts mit dem Video zu tun hat).
Natürlich
dominieren die beiden Sänger Ron Marsman und Ritchie Alexander aka
Dr. Ring Ding die Bühne, wechseln sich beim Gesang ab, ergänzen
sich, wagen sich an das eine oder andere Duett und interagieren mit
dem Publikum. Dennoch lassen sie ihren Mitmusikern genug Raum um sich
mit teils spektakulären Solos ebenfalls in Szene zu setzen.
Tatsächlich übernimmt Organist Markus Schramhauser gegen Ende des
Konzertes sogar Akkordeon und Mikrofon und führt den Rest der Band
durch eine völlig überdrehte Version von "Ca plane pour moi",
für mich wohl das Highlight des Konzertes. Bei den Zugaben darf
schließlich "Dead Or Alive" nicht fehlen, eigentlich DAS Stück, das die Band ausmacht. Schließlich gibt es
zum Ausklang, nach mehr als zwei Stunden schweißtreibender Show, mit
„Enjoy Yourself“ von den Specials
den
passenden Schlusspunkt zu einem grandiosen Konzert.
Ob es nun am bescheidenen Wetter lag oder ob die Ankündigung des Konzertes vielleicht etwas untergegangen ist weiß ich nicht, doch leider kam nur relativ wenig Publikum an diesem Abend in die Alte Schmelze. Die Halle war zwar nicht wirklich leer, aber doppelt so viele Leute hätten sicherlich auch Platz gefunden. Immerhin hatte man genug Raum um ausgelassen zu tanzen und wild zu feiern, was angesichts der treibenden Musik auch durchaus angebracht war. The Busters haben sich glücklicherweise von der recht spärlichen Besucherzahl nicht aus der Fassung bringen lassen und ein großartiges Set gespielt. Die ausgewogene Mischung aus neuem Material, liebgewonnenen Klassikern und der einen oder anderen Coverversion, kam beim Publikum augenscheinlich gut an. Die beiden Frontmänner (und natürlich auch der Rest der Band) verstehen ihr Handwerk und haben nicht einfach nur ihr Set runtergespielt, sondern die Besucher immer wieder eingebunden, einschließlich einem kleinen Seitenhieb auf die benachbarte rheinland-pfälzische Landeshauptstadt. Auch technisch gab es bei diesem Konzert nichts zu meckern; die nicht aufdringliche, aber effektive und stimmige Lichtshow passte ebenso zu diesem gelungenen Auftritt wie der gut abgemischte, aber vielleicht einen Tick zu laute, Ton, wobei es hin und wieder zwischen den beiden Sängern ein gewisses Ungleichgewicht gab. Auch die Organisation von Theke, Einlass und Garderobe verdient ein Lob, haben sie doch einen soliden und sehr gut organisierten Job gemacht.
Ein rundum gelungener, toller Konzertabend, bei dem nur das Klingeln des Weckers am nächsten Morgen um fünf Uhr etwas gestört hat.
Donnerstag, 14. Januar 2016
Alte Schmelze, Wiesbaden
Schon um 20 Uhr öffnen sich die Türen der Location und die ersten Besucher huschen auf der Flucht vor dem eisigen Nieselregen ins Foyer der kleinen Halle. Hier hat man die Gelegenheit sich mit Platten, Shirts und allerlei anderem Merchandise einzudecken. Auch das Thekenpersonal hat gut zu tun, da die Warterei auf die Band doch durstig zu machen scheint.
Schließlich betritt kurz nach 21 Uhr Gitarrist Alex Lützke die spärlich ausgeleuchtete Bühne, setzt sich auf den einzelnen, verloren wirkenden Stuhl und beginnt akribisch ein kleines Fußbänkchen aufzubauen um dann im Anschluss auf der akustischen Gitarre eine ziemlich großartige Version von „Stairway To Heaven“ zu spielen. Nach diesem, etwas unerwarteten, Auftritt entern nach und nach auch die restlichen zehn Musiker die Bühne und leiten nahezu übergangslos "Mickey Mouse In Moscow" vom 1988er Debütalbum Ruder Than Rude ein. Das Publikum dankt es der Band mit ausgelassenem Tanzen, wobei immer noch ein respektvoller Abstand zur Bühne gehalten wird. Erst nach wiederholter Aufforderung von Sänger Ron Marsman verschiebt sich der gesamte Innenraum ein paar Meter in Richtung der Band.
In den folgenden zwei Stunden bieten The Busters eine sehr breit gefächerte Auswahl aus ihrer nun fast 30jährigen Bandgeschichte. Frühe Stücke wie „Rude Vibrations“, „Whiskey 'til I drop“ oder „No risk, no fun“ wechseln sich mit Cover-Versionen, beispielsweise „Revolution Rock“ von The Clash oder dem aus einer Kooperation mit Farin Urlaub entstandenen „Liebe macht blind“, ab. Dazu kommen natürlich auch immer wieder Stücke des aktuellen Albums Supersonic Eskalator, die ebenfalls recht gut vom Publikum angenommen werden. Besonders zu „Summernight“ und „Hangin' out with the Boys“ wird wild getanzt und gefeiert, leider verzichtet die Band auf „Evil Eve“, mein Lieblingsstück auf dem Album (was absolut gar nichts mit dem Video zu tun hat).
Natürlich
dominieren die beiden Sänger Ron Marsman und Ritchie Alexander aka
Dr. Ring Ding die Bühne, wechseln sich beim Gesang ab, ergänzen
sich, wagen sich an das eine oder andere Duett und interagieren mit
dem Publikum. Dennoch lassen sie ihren Mitmusikern genug Raum um sich
mit teils spektakulären Solos ebenfalls in Szene zu setzen.
Tatsächlich übernimmt Organist Markus Schramhauser gegen Ende des
Konzertes sogar Akkordeon und Mikrofon und führt den Rest der Band
durch eine völlig überdrehte Version von "Ca plane pour moi",
für mich wohl das Highlight des Konzertes. Bei den Zugaben darf
schließlich "Dead Or Alive" nicht fehlen, eigentlich DAS Stück, das die Band ausmacht. Schließlich gibt es
zum Ausklang, nach mehr als zwei Stunden schweißtreibender Show, mit
„Enjoy Yourself“ von den Specials
den
passenden Schlusspunkt zu einem grandiosen Konzert.
Ob es nun am bescheidenen Wetter lag oder ob die Ankündigung des Konzertes vielleicht etwas untergegangen ist weiß ich nicht, doch leider kam nur relativ wenig Publikum an diesem Abend in die Alte Schmelze. Die Halle war zwar nicht wirklich leer, aber doppelt so viele Leute hätten sicherlich auch Platz gefunden. Immerhin hatte man genug Raum um ausgelassen zu tanzen und wild zu feiern, was angesichts der treibenden Musik auch durchaus angebracht war. The Busters haben sich glücklicherweise von der recht spärlichen Besucherzahl nicht aus der Fassung bringen lassen und ein großartiges Set gespielt. Die ausgewogene Mischung aus neuem Material, liebgewonnenen Klassikern und der einen oder anderen Coverversion, kam beim Publikum augenscheinlich gut an. Die beiden Frontmänner (und natürlich auch der Rest der Band) verstehen ihr Handwerk und haben nicht einfach nur ihr Set runtergespielt, sondern die Besucher immer wieder eingebunden, einschließlich einem kleinen Seitenhieb auf die benachbarte rheinland-pfälzische Landeshauptstadt. Auch technisch gab es bei diesem Konzert nichts zu meckern; die nicht aufdringliche, aber effektive und stimmige Lichtshow passte ebenso zu diesem gelungenen Auftritt wie der gut abgemischte, aber vielleicht einen Tick zu laute, Ton, wobei es hin und wieder zwischen den beiden Sängern ein gewisses Ungleichgewicht gab. Auch die Organisation von Theke, Einlass und Garderobe verdient ein Lob, haben sie doch einen soliden und sehr gut organisierten Job gemacht.
Ein rundum gelungener, toller Konzertabend, bei dem nur das Klingeln des Weckers am nächsten Morgen um fünf Uhr etwas gestört hat.
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