Dienstag, 5. Februar 2019

Spielwarenmesse Nürnberg 2019

[Messe] Spielwarenmesse 2019
Donnerstag, 31. Januar 2019
Nürnberg


Alle Jahre wieder pilgere ich nach Nürnberg auf die Spielwarenmesse - und jedes Jahr nehme ich mir vor, mehr als einen Tag dort zu verbringen. Und wie jedes Jahr funktioniert es aus den unterschiedlichsten Gründen nicht. So muss ich dann notgedrungen mein Programm der knapp bemessenen Zeit anpassen. Ein paar Gesprächstermine beziehe ich ebenso in meinen Zeitplan mit ein, wie großzügig bemessene Pausen - die ich erfahrungsgemäß auch dringend nötig habe.

Die Planung, Akkreditierung und auch die Anfahrt verlaufen angenehm ereignislos - sogar der Wintereinbruch in Teilen des Landes hindert die Bahn nicht daran pünktlich ihr Ziel zu erreichen. In der U-Bahn am Nürnberger Hauptbahnhof herrscht reges Gedränge, doch mit etwas gutem Willen finde ich auch noch eine Ecke. Festzuhalten brauche ich mich dabei nicht - bei der Menschenmenge habe ich keine Chance umzufallen. Angekommen an der Messe verteilt sich der Besucherpulk rasch auf die verschiedenen Eingänge. So kann ich mir unbehelligt meinen Weg vom Eingang Mitte ins Pressezentrum bahnen. Wie bereits im letzten Jahr nutze ich dabei einige Abkürzungen über die Freiflächen und erreiche zügig mein Ziel. Freie Spinde gibt es glücklicherweise noch, ebenso wie Messepläne und -Kataloge. Rasch decke ich mich mit dem ausliegenden Prospektmaterial ein, besorge mir ein koffeinhaltiges Getränke und suche mir ein stilles Eckchen. Die Hallenstruktur hat sich in diesem Jahr etwas geändert und viele Aussteller sind nicht mehr an ihren gewohnten Plätzen. So verbringe ich einige Zeit damit, mir eine grobe Marschroute zurechtzulegen und Notizen zu machen. Hoch motiviert, frisch gestärkt und erstaunlich fit schultere ich meinen Rucksack und mache mich auf den Weg.

 

Halle 7A

Immer wieder schön...
Die größten Änderungen hat in diesem Jahr der Modelleisenbahnbereich erfahren - einen kompletten Hallenwechsel. Dennoch sind praktisch alle der gewohnten Hersteller vor Ort und ich klappere meine üblichen Anlaufstellen ab.
Bei Heki und Faller werde ich in diesem Jahr nicht fündig. Das Sortiment wächst zwar stetig weiter, doch für mich als Dioramenbauer ist nicht wirklich etwas Neues dabei. Bei Noch muss ich mir die Water-Drops genauer anschauen, eine Methode realistische Wassereffekte auf kleinstem Raum darzustellen. Eine nette Idee, für meine Zwecke jedoch ungeeignet, sind die Knitterfelsen, mit denen schnell und kostengünstig hübsch anzuschauende Hintergründe gebaut werden können. Eine einfache Möglichkeit Gelände, Fahrzeuge oder Gebäude "altern" zu lassen gibt es mit den verschiedenfarbigen Patina-Markern. Die Effekte können sich durchaus sehen lassen - der Preis allerdings auch. Speziell an Tabletop- und Rollenspieler richtet sich die Dunkelstadt-Reihe, die der Hersteller gemeinsam mit Ziterdes veröffentlicht. Leider gibt es außer einem Flyer nichts davon am Stand zu sehen - so muss ich mich noch ein wenig gedulden, bis ich die neuen Geländeteile in den Händen halten kann.
Direkt nebenan, bei Viessmann, entdecke ich dann doch etwas, was ich demnächst UNBEDINGT brauche: die Polygonalplatten von Steinkunst Vollmer. Realistische, stabile Böden und Mauern, teilweise maßstabsneutral und zudem bezahlbar. Vom ersten Eindruck her hervorragend geeignet für den Bau von größeren Dioramen und Displays im Tabletop-Bereich.

 

Halle 7


Auch in dieser Halle habe ich einige feste Anlaufpunkte, beispielsweise den Stand des Farbenherstellers Vallejo. Im Sortiment finden sich einige neue thematische Farbsets, beispielsweise solche, die speziell mit der Miniaturenschmiede Nocturna abgestimmt sind. Neue Hilfsmittel zum "Weathering", der künstlichen Alterung von bemalten Modellen, haben die Spanier ebenfalls im Gepäck. Auch für Dioramenbau und Basegestaltung gibt es einige, wenn auch unspektakuläre, Neuheiten. Ein neues, irisierendes Farbset ist derzeit in der Entwicklung, allerdings kann ich schon einige Testbemalungen in Augenschein nehmen. Auf meine imaginäre Einkaufsliste kommen jedoch die Sprühdosen der Hobby Paint-Serie. Grundierung und erste Farbschicht in einem, dürften sich diese Dosen vor allem für größere Armee-Projekte hervorragend eignen. Auftragsdicke, Intensität und Haftung machen auf jeden Fall einen sehr guten Eindruck. Einige hübsche Bodenplatten (leider im falschen Maßstab) runden das Neuheiten-Angebot ab.
Die Gussrahmen für Conquest sind fertig

Direkt nebenan bei AMMO gibt es ebenfalls einige neue Farbsets. Allerdings konzentriert sich der Hersteller eher auf Hilfsmittel für die Alterung, den Dioramenbau und eine Pinselserie. Mit Next Level: Perfection und Encyclopedia of Figures gibt es auch zwei neue Tutorial-Bände, die sich mit Bemalung und Modellierung beschäftigen.
Als letzten Anlaufpunkt in dieser Halle habe ich den griechischen Tabletop-Hersteller Para Bellum auf meinem Zettel stehen. Bereits im letzten Jahr gab es Vorab-Regeln und Modelle für das Miniaturenspiel Conquest zu sehen. Mittlerweile ist die Produktion angelaufen und ich konnte einige der Gussrahmen für das Grundspiel und die Erweiterungsboxen in Augenschein nehmen. Die Miniauren selbst sind für ein Massenkampf-System recht detailliert, teils modular aufgebaut und aus dem harten Kunststoff, den auch anderen Hersteller nutzen. Einzig der ungewöhnlich große Maßstab macht mich bei diesem Spiel ein wenig skeptisch. Die Veröffentlichung der Grundbox ist für Juni oder Juli geplant - dann werde ich das Spiel genauer unter die Lupe nehmen.


Die Hallen 8 und 9 lasse ich zügig hinter mir. Feuerwerk, Ballons, Masken und Partyutensilien sind zwar hübsch anzuschauen, aber wie gewohnt drängt die Zeit. Trotzdem bleibe ich vereinzelt stehen, um mir einige besonders spektakuläre Produkte anzuschauen und das eine oder andere Foto zu machen.

 

Halle 10.0

Der Großteil der (zumindest für mich) interessanten Verlage ist auch in diesem Jahr wieder in der zweigeschossigen Halle 10 untergekommen. Dort erwartet mich direkt am Eingang der Stand von Kosmos an gewohnter Position. Jedoch ist der Aufbau der Ausstellungsfläche in diesem Jahr deutlich offener, so dass es keine Engpässe gibt. Wie üblich stellen die Experimentierkästen einen beträchtlichen Teil der Neuheiten dar. Klassiker wie die Urzeitkrebs-Zucht stehen dort gleichberechtigt neben programmierbaren Robotern. Allerdings bin ich wegen der Brettspiel-Neuheiten hier am Stand! Die Exit-Reihe bekommt gleich zwei neue Titel spendiert: Die Geisterbahn des Schreckens bietet für die Spieler klassische Rätsel-Kost. Für Die Känguru-Eskapaden haben die Inga und Markus Brand mit Marc-Uwe Kling zusammengearbeitet und einen ungewöhnlichen (und nicht ganz ernst gemeinten) Escape Room geschaffen. In eine ganz ähnliche Richtung geht auch die neue Serie Adventure Games. Die beiden bisher angekündigten Teile Das Verlies und Die Monochrome AG präsentieren sich jedoch deutlich umfangreicher, sowohl was Material als auch Spielzeit angeht.
Catan goes Tabletop
Die wachsende Beliebtheit von Krimi-Dinnern ist dem Verlag nicht entgangen und so erscheint mit der Murder Mystery Party eine neue Serie, die sich diesem Thema annimmt. Den Anfang machen gleich drei Spiele, die im ersten Halbjahr veröffentlicht werden: Tödlicher Wein, Pasta und Pistolen sowie Mord am Grill. Schließlich stellen Kosmos mit Escape Tales: The Awakening ein weiteres kooperatives Spiel vor, bei dem die Spielergruppe Rätsel lösen muss. Eher konventionelle Brettspiel-Neuheiten sind dagegen Ubongo 3-D Family, die Erweiterung zu 5-Minute Dungeon, das Ratespiel Quiztopia oder das Kartenspiel Natives. Schließlich gibt es mit Die Legende der Eroberer noch die obligatorische Catan-Erweiterung. Dem ersten Eindruck nach bekommt das Spiel damit einige neue Elemente, die auch kooperative Ansätze verstärken. Ich brauche ein paar Minuten, um die ganzen Eindrücke zu verarbeiten, und schaue mir zur Entspannung die kleine Zaubershow an, die auch in diesem Jahr wieder am Stand ihren Platz gefunden hat.
Schließlich gehe ich einige Meter weiter zum moses.-Verlag. Seit der Messe im Oktober hat das Spielesortiment reichlich Zuwachs bekommen. Zwei neue Ausgaben der makabren Rate-Serie black stories gibt es zu sehen: die Dark Night Edition und die 5 nach 12 Edition. Eher an den Spielernachwuchs richten sich dagegen die rainbow stories - hier geht es nicht ganz so blutig zur Sache. Wie gewohnt wartet der Verlag mit einigen weiteren Logik-, Quiz- und Ratespielen auf. So gilt es beispielsweise bei Der Phrasenfuchs veränderte Redensarten zu erkennen, mit Kross the Wordz Buchstabenkombinationen sinnvoll unterzubringen oder mit Denksport@home die grauen Zellen zu trainieren. Mit Calavera stellt der Verlag zudem noch ein Würfelspiel vor, bei dem es Farben zu sammeln gilt.
 

Merkwürdige Dinge geschehen im Unterbewusstsein
Erfahrungsgemäß ist der eigentliche Stand von Asmodee im ersten Stock überfüllt, daher statte ich lieber dem "kleinen" Stand auf dieser Ebene einen Besuch ab. Hier gibt es zwar nicht alle Neuheiten zu sehen, doch ich habe Ruhe und kann mich mit dem freundlichen (und kompetenten) Personal unterhalten. Neben der zweiten Edition von Arkham Horror ist es vor allem Komanauten, dass mich interessiert. Die Spieler müssen sich auf dabei auf eine Reise ins Unterbewusstsein eines komatösen Wissenschaftlers begeben und diesen aufwecken. Eine sehr interessante Grundidee, kombiniert mit dem kooperativen Spielprinzip und einer schicken Aufmachung macht Lust auf mehr. In eine ganz ähnliche Richtung geht Gen7. Hier sind die Spieler als Kolonisten auf dem Weg zu fernen Planeten, als in ihrem Raumschiff merkwürdige Dinge vor sich gehen. In Blütenpracht müssen dagegen keine schwerwiegenden Entscheidungen getroffen werden. Zwei Spieler versuchten sich hier als Gärtner und Floristen um die hübschesten Buketts zu gestalten. In die Welt von Der Herr der Ringe geht es im (App-gesteuerten) Reise durch Mittelerde. Die Spieler erfüllen dabei gemeinsam Aufträge, stellen sich den Kreaturen Saurons entgegen und arbeiten sich in der Kampagne immer weiter vor. Diese Mischung aus Brettspiel, Dungeon-Crawler und Rollenspiel lässt sich am ehesten mit Star Wars: Imperial Assault vergleichen. Um beim Thema zu bleiben: Neue Modelle für X-Wing, Armada und Legion gibt es ebenfalls in der Vitrine zu sehen.
Neben einer gewaltigen Auswahl an normalen Spielkarten in allen Variationen haben NSV mittlerweile auch ihre eigene Spielesparte weiter ausgebaut. Hier liegt der Fokus eindeutig auf Kartenspielen, jedoch kommen gelegentlich auch Würfel zum Einsatz, beispielsweise bei Knister und dem Nachfolger Knaster. Ausgelegt für große Spielrunden agieren hier alle Teilnehmer gleichzeitig und notieren die Würfelergebnisse in einem Raster. Je nach Aufbau bekommen sie dafür unterschiedliche Punkte. Sehr schnell, sehr einfach und, dem ersten Eindruck nach, ein hervorragender Absacker für lange Spieleabende. Ein Überraschungserfolg, und mehrfach ausgezeichnet, war im letzten Jahr das Kartenspiel The Mind. Mit The Mind - The SOUND Experiment stellt der Verlag nun eine leicht überarbeitete Neuauflage mit einem eigenen Soundtrack vor. Bei Silver & Gold zeichnen die Spieler auf (abwischbaren) Karten den Weg zum vergrabenen Piratenschatz, während sie bei Ohanami einen ganzen Blütengarten anlegen müssen.
Ich kann die Halle 10 nicht verlassen, ohne zumindest einen Blick auf die Neuheiten von Q Workshop, einem polnischen Würfelhersteller, geworfen zu haben. Neben einigen neuen Würfelsets für bestehende Serien, beispielsweise Masks of Nyarlathotep oder Dawn of Flame gibt es ein neues Metall-Set, Svetovid. Einige Prototypen von neuem Zubehör wie Aufbewahrungskästchen, Beutel oder Würfelunterlagen sind ebenfalls zu sehen. Über das demnächst startende Crowdfunding-Projekt ist allerdings leider nichts in Erfahrung zu bringen.
Ebenfalls aus Polen kommt die Netfire Group, die ihre Playmats-Serie präsentierte. In erster Linie handelt es sich dabei um Unterlagen für Tabletop-Spiele in verschiedenen Materialen, Formaten und Designs. Praktisch für jedes Spielsystem und jedes Setting gibt es hier die passende Unterlage, zumeist aus Neopren. Passend dazu auch noch kostengünstige zweidimensionale Geländestücke. Einige Spielunterlagen als Lizenzprodukte für verschiedene Karten- und Brettspiele runden das Angebot ab, ebenso wie die generischen Würfelunterlagen.

 

Halle 10.1

Nachdem ich mich noch ein wenig im Erdgeschoss umgeschaut habe, mache ich mich auf den Weg zur Rolltreppe, um mir den ersten Stock vorzunehmen. Hier sind die Stände weniger zahlreich, jedoch meist deutlich größer. Entsprechend haben sich in dieser Halle einige der Schwergewichte der Branche niedergelassen.
 

Die Kräuterhexen mischen mit
Der Stand von Schmidt Spiele ist strategisch günstig an der Rolltreppe platziert, daher stürze ich mich direkt auf die Auslagen. Alleine schon optisch spricht mich Die Tavernen im Tiefen Thal stark an. Als Wirt müssen die Spieler in dieser Mischung aus Deckbuilding- und Würfelspiel ihre Kneipe ausbauen, um möglichst solvente Kundschaft anzuziehen. Hübsch gemacht und mit einem soliden Mechanismus ausgestattet, bin ich sehr auf die Veröffentlichung gespannt. Die Quacksalber von Quedlinburg bekommen mit Die Kräuterhexen eine erste Erweiterung. Neue Zutatenbücher, ein fünfter Spieler und die namensgebenden Damen fügen dem Kennerspiel des Jahres einige weitere Optionen hinzu. So typisch! ist ein kooperatives Kommunikationsspiel auf Kartenbasis, bei dem die Spieler unterschiedlichste Gegenstände den ausliegenden Personen zuordnen und ihre Mitspieler einschätzen müssen. Ein Blickfang ist zumindest die Präsentation von Ratto Zakko von Drei Magier am Stand. Das Spiel selbst entpuppt sich dann aber als Reaktionsspiel für den Spielernachwuchs.
Danach klappere ich erst einmal die Stände am Hallenrand ab, bevor ich mich mitten ins Getümmel stürze. Meine erste Station sind dabei Queen Games, die in diesem Jahr ihr dreißigjähriges Jubiläum feiern. Alleine von der Optik erinnert mich Copenhagen sehr an das Computerspiel Tetris. Allerdings müssen die Spieler bei diesem Legespiel die Fassade der dänischen Hauptstadt verschönern. Die ägyptische Schatzsuche Luxor bekommt mit The Mummy's Curse eine Erweiterung, die gleich mehrere Elemente ins Spiel bringt, beispielsweise die Mumie, einen fünften Spieler und mehr Schätze. In Bastille müssen sich die Spieler Macht, Waffen und Einfluss sichern, um für die kommende Revolution gewappnet zu sein. Auf den ersten Blick macht das Spiel einen recht anspruchsvollen Eindruck, da es mehrere Ebenen zu beachten gilt. Skylands lässt die Spieler dagegen umher schwebende Inselteile zusammenfügen, um deren Effekte zu nutzen. Auch dieses Spiel kombiniert verschiedene Elemente - leider hatte ich nicht die Gelegenheit, mich näher damit auseinanderzusetzen.
 

Geballte Rätselpower
Direkt nebenan haben Abacusspiele ihren Stand - den Verlaggibt es ebenfalls bereits seit 30 Jahren. Die Dreieicher haben wieder einige Kartenspiele im Gepäck, die ich direkt in Augenschein nehme. Der fünfte Teil der Deckscape-Serie, Hinter dem Vorhang, führt die Spieler in die Bühnenshow eines Magiers. Unter Zeitdruck müssen sie dort kooperativ einige Rätsel lösen und wieder entkommen. Etwas entspannter geht es dagegen bei Pearls zu. Hier gilt es passende Perlenkarten zu sammeln und diese schließlich zu wertvollem (und punktebringenden) Schmuck zu verarbeiten. Dem ersten Eindruck nach ein schneller, unkomplizierter Absacker. Sherlock ist eine neue Serie mit kleinen, kooperativen Krimikartenspielen. Die Spieler versuchen hier, gemeinsam einen Fall zu lösen, in dem sie Indizien sammeln und Täter und Motiv ermitteln. Bisher sind drei Teile erschienen: Der Fluch des Qhaqya, Letzter Aufruf und Tod am 4. Juli. Kriminalistisch geht es im Verlagsprogramm weiter. Als zeitreisende Detektive müssen die Spieler in 3 Secrets und der neuen Erweiterung Crime Time die richtigen Fragen stellen, um die Lösung der Fälle herauszufinden.
Weiter führt mich mein Weg zu den Franzosen von Ankama. Mittlerweile ist Monster Slaughter, eine locker-leichte Teenie-Metzel-Orgie auch offiziell erschienen und die niedliche Krosmaster-Serie wächst beständig. Der Blickfang am Stand war jedoch Arkeis - auf den ersten Blick ein ägyptisch angehauchter Dungeon-Crawler mit schicken Miniaturen. Leider waren zu dem Spiel so gar keine Informationen zu bekommen, außer, dass es demnächst über eine Crowdfunding-Kampagne finanziert wird.
 

Kooperatives Prügeln in niedriger Auflösung
Damit meine eingerosteten Französisch-Kenntnisse in Übung bleiben, mache ich mich direkt auf den Weg zu Iello. Seit der SPIEL hat sich im Verlagsprogramm nicht übermäßig viel getan. Mit Double Rumble kommt ein weiteres Modul für 8BIT Box auf den Markt. Als Hommage an die klassischen Prügelspiele gedacht, kämpfen sich hier zwei Spieler kooperativ durch die verschiedenen Level. Die Erweiterungen zu Bunny Kingdoms und Kanagawa hatte ich mir bereits ausführlich in Essen angeschaut. Wirklich neu ist dagegen Akkat, bei dem die Spieler die Wüste zum Blühen bringen müssen. Ausgehend von den raren Brunnen werden hier Blumenbeet, Sträucher und Bäume angelegt, die immer weiter in die Höhe wachsen. Eine Veröffentlichung ist für den Sommer geplant, der ausgestellte Prototyp vermittelt aber schon einen recht guten Eindruck vom fertigen Produkt. Ebenfalls beinahe fertig ist The Little Town Builder, ein klassisches Worker-Placement-Spiel. Rohstoffe erwirtschaften, Betriebe bauen und auf der grünen Wiese ein prosperierendes Imperium errichten - eine Thematik, die immer wieder gerne genutzt wird. Mit High Risk hat der Verlag außerdem noch ein kleines, sehr schnelles Würfelspiel im Angebot, bei dem sich die Spieler ein Wettrennen zu einem Berggipfel liefern. Daneben gibt es noch ein Party-Quizspiel und ein Geschicklichkeitsspiel mit Ninjas zu sehen, die ebenfalls im Laufe des Jahres veröffentlicht werden. Auch vom Kinder-Label Loki gibt es Neues: das wirklich sehr hübsche Monsieur Carrousel und Zoo Run, das zwei separate Spiele kombiniert.
Direkt gegenüber wird das Sammelkartenspiel Scratch Wars vorgestellt. Neugierig werfe ich einen Blick darauf, zucke aber schon beim Wort "Sammelkarten" wieder etwas zurück. Vor dem eigentlichen Spiel müssen die Spieler ihren Karteninhalt frei rubbeln. Außerdem gibt es auf jeder Karte einen QR-Code um auch online spielen zu können. Das Spielprinzip und die Artworks richten sich dabei an eine eher jüngere Zielgruppe.
 

Das Comeback der Hornochsen
Bei Amigo gibt es in diesem Jahr erstaunlich wenig Neues zu sehen. Saboteur - The Lost Mines greift das Thema des bekannten Kartenspiels auf und lässt die Spieler ihre Gänge buddeln. Verräter, Trolle und Fallen erschweren die Schatzsuche jedoch erheblich. Die Erstveröffentlichung von 6 nimmt! liegt mittlerweile 25 Jahre zurück. Grund genug für den Verlag, eine Neuauflage heraus zu bringen. Einige Sonderkarten peppen dabei den Spielablauf auf und ermöglichen neue Strategien. Für Kopfrechner (also nicht für mich) ist das Kartenspiel Hochspannung ausgelegt. Dabei geht es darum, möglichst schnell Multiplikationsaufgaben zu lösen und so die Handkarten abzulegen. Auch bei L.A.M.A. müssen die Spieler möglichst schnell ihre Karten loszuwerden - allerdings nur solche mit Minuspunkten in bestimmten Farben. Ein einfaches Kartenspiel mit knallbunter Grafik und einem (vermutlich) streng mathematischen Unterbau; immerhin stammt das Spiel von Dr. Reiner Knizia.
Die Spiele von Zoch/Noris richten sich häufig an eine jüngere Zielgruppe, dennoch werfe ich einen Blick in den Stand. Heckmeck Deluxe kombiniert das großartige Würfelspiel mit der Erweiterung in einer schicken Box - spielerisch bleibt jedoch alles beim Altem. Ebenfalls würfeln dürfen die Spieler bei Pechvogel; hier gehört es zum Grundkonzept die Mitspieler zu ärgern. Und je schlechter man würfelt, desto mehr darf man ärgern - hört sich nach einem Spiel für mich an. Als Wegelagerer in einem finsteren Wald dürfen die Spieler bei Rück's raus! Reisende ausplündern. Ein sehr schnelles Kartenspiel mit schicken Illustrationen und einem originellen Sieg-Mechanismus. Die Escape Room-Reihe wächst kontinuierlich an - mittlerweile gibt es bereits ein gutes Dutzend Szenarien. Ganz frisch zur Messe ist die Doppelbox Prison Island/Asylum hereingekommen. Das Grundkonzept der Serie bleibt dabei unverändert und die Spieler müssen wieder zusammen und unter Zeitdruck Rätsel lösen, um zu entkommen.
Womit ich hier eigentlich gar nicht gerechnet habe, ist der Stand des Tabletop-Herstellers Games Workshop. Die letzten beiden Jahre waren die Damen und Herren aus Nottingham stets im Modellbaubereich untergekommen - nun also bei den Spielen. Allerdings war keines der zahlreichen Brettspiele der Firma mit am Stand, sondern nur Displays für die Tabletop- und Modellserien Warhammer 40.000, Warhammer: Age of Sigmar und Warhammer: Underworlds, dazu noch etwas Mal- und Hobbyzubehör. Nach einem kurzen Plausch verabschiede ich mich und ziehe weiter.


Jeder ist sich selbst der Nächste
Damit habe ich, zumindest in dieser Halle, alle Punkte auf meiner Liste abgehakt und schaue mich noch ein wenig um. Schon bei Hadara von Hans im Glück bleibe ich jedoch schon wieder hängen. Hier übernimmt jeder Spieler eine von fünf Zivilisationen und entwickelt diese weiter. Ein interessantes, wenn auch nicht ganz neues, Konzept, eine erstaunlich kurze Spielzeit und eine hübsche Aufmachung machen zumindest neugierig. Von Mojito Studios wird die Crowdfunding-Kampagne für eine opulente Neuauflage von Cleopatra and the Society of Architects beworben. Die Präsentation ist schon beeindruckend, allerdings ist die Bauthematik eher nichts für mich. Bei Ridley's Games entdecke ich mit Caffeine Hit! ein Kartenspiel für Kaffee-Junkies. Dabei muss das Koffein-Level möglichst hochgehalten und Smothies oder ähnlich gesundes Zeugs gemieden werden. Bei Selfish sind fünf Astronauten im Weltall gestrandet - der Sauerstoff reicht aber nur für einen. Ein sehr böses, gemeines und lustiges Kartenspiel - das man vielleicht nicht unbedingt mit Freunden spielen sollte! Cartamundi ist für mich alleine aus beruflichen Gründen interessant, hier schaue ich immer gerne vorbei, um mir die Neuerungen im Druck-Sektor anzuschauen. Schließlich werfe ich noch ein Auge auf die Auslagen von Cool Mini Or Not. Hier gibt es einige Vorab-Exemplare von opulent ausgestatteten Brettspielen zu sehen, die alle über Crowdfunding finanziert wurden. Cthulhu: Death May Die und Zombicide Invaders werden grade produziert, die Kampagne für Munchkin Dungeon läuft dagegen noch zwei Wochen.

Bevor ich den zweiten Teil der Messe in Angriff nehme, entschließe ich mich noch für eine kleine Pause im Pressezentrum. Diesmal wähle ich einen anderen Weg, so dass ich möglichst viel von den anderen Messehallen mitbekomme. Plüschtiere, Baby- und Holzspielzeug sind für mich nicht sooo schrecklich spannend, doch immer wieder bleibe ich an ungewöhnlichen Displays stehen und mache das eine oder andere Foto.
Schließlich erreiche ich mein Ziel und gönne mir eine Verschnaufpause. Es ist zwar schon spät, aber ich habe einen Großteil meines Programms bereits erledigt, so dass ich mir den Luxus gönne, ein wenig zu sitzen, und meine Koffein-, Zucker- und Kohlenhydrat-Reserven auffülle. Die mittlerweile umfangreiche Materialsammlung wird noch im Spind zwischengelagert und dann geht es weiter zur zweiten Runde.

 

Halle 1

Sooo süüüß!!!
Nachdem ich der geballten Niedlichkeit der Ty-Kuscheltiere erfolgreich ausgewichen bin, kann ich mich am Stand von Carletto wichtigeren Dingen, sprich den Gesellschaftsspielen, widmen. Mit Avacado Smash! gibt es ein kleines, hektisches Kartenablagespiel zu sehen, dass sich eher an jüngere Spieler richtet. Deutlich interessanter finde ich dagegen das Würfelspiel Sumo Slam. Hier entscheidet die Position der geworfenen Ringer über die Punktzahl. Vor allem die Aufmachung des Spiels hat es mit dabei angetan. Auch bei Kuhle Kühe ist die Verpackung (in Form einer Milchtüte) ein Blickfang. Das Spiel entpuppt sich dann als recht unterhaltsames Kartenlegespiel - nicht nur für Milchbauern. Auch die erste Erweiterung zum extrem fiesen Kartenspiel Frantic hat es auf die Messe geschafft. Mit Troublemaker kommen neue Karteneffekte und eine weitere Spielfarbe hinzu. Claim und Claim 2 dagegen sind Stichspiele für zwei (oder in Kombination für vier Spieler), bei denen es darum geht, den Thron eines Fantasy-Königreiches zu erobern. Schließlich legt der Verlag mit Klask4 das großartige Geschicklichkeitsspiel nun auch in einer Teamvariante vor.

 

Spiele-Café

Auf kooperativer Tauchfahrt
Wie bereits in den Vorjahren, so haben sich Pegasus Spiele wieder ein Plätzchen etwas abseits des üblichen Messetrubels gesucht. Adventure Island konnte ich bereits in Essen antesten, ebenso wie Talisman - Legendäre Abenteuer. Neu im Programm ist dagegen die Wiederauflage des "klassischen" Talisman, auch einen ersten Blick in das dazugehörige Rollenspiel konnte ich ergattern. Dieses befindet sich allerdings noch in einem sehr frühen Stadium. Ungewöhnlich, sowohl was die Aufmachung und die Abläufe angeht, ist U-Boot, bei dem die Spieler die Rolle von Offizieren einnehmen. Auf Feindfahrt im Zweiten Weltkrieg müssen sie bei diesem App-gesteuerten Spiel auf Ereignisse reagieren, Entscheidungen treffen und hoffentlich den sicheren Heimathafen erreichen. Gleiche Thematik, aber völlig anderes Spielkonzept: Sonar Family. Hier treten zwei Teams aus zwei Spielern gegeneinander an und versuchen das gegnerische Unterseeboot zu versenken. Die Undo-Reihe startet gleich mit drei Titeln: Das Kirschblütenfest, Blut im Rinnstein und Flucht aus der Vergangenheit. In diesen kooperativen Spielen übernehmen die Spieler Zeitreisende, die Todesfälle verhindern müssen. Ein interessantes Konzept mit einem sehr erwachsenen Thema - allerdings wird die Reihe vom Verlag als Familienspiel eingestuft. Ich bin gespannt! Deutlich lockerer geht es dagegen bei Tricky Druids zu. Zutaten auswürfeln, verschenken und Tränke brauen - dazu ein bisschen Taktik, ein wenig kooperatives Spiel, knallige Artworks und eine Prise Bluff. Treasure Island schickt die Spieler, wie der Titel vermuten lässt, auf Schatzsuche. Neben der obligatorischen Schatzkarte gibt es Spielkarten um die Suche etwas einzugrenzen, aber auch Stifte, Zirkel und Schablonen für die Planung. Optisch ein echter Hingucker, ob es spielerisch genauso beeindruckend ist, werde ich demnächst hoffentlich herausfinden. Das Krimispiel Detective bekommt mit L.A. Crimes seine erste Erweiterung. Ort der Handlung ist das Los Angeles der 1980er Jahre - was einen tiefen Griff in die Klischee-Kiste verspricht. Deutlich reduzierter präsentiert sich dagegen Farben. Dabei hat jeder Spieler eine Reihe mit farbigen Karten auf der Hand, die er bestimmten Begriffen zuordnen muss. In der zweiten Phase des Spiels wandelt es sich dann von einem Assoziations- zu einem Kommunikationsspiel. Eine reizvolle Idee, die sich aber sicherlich nicht für jede Spielgruppe eignen dürfte.
 

Natürlich liegen noch viel mehr Spiele in den Auslagen des Verlages - teilweise noch in einem frühen Entwicklungsstadium, teils veröffentlichungsbereit. Aber an dieser Stelle muss ich abbrechen, da ich schon wieder zu viel Zeit vertrödelt habe. Nur noch ein schneller Blick auf die kommenden Neuheiten: Monsters & Minions, die erste Erweiterung zu Roll Player, der unvermeidliche Munchkin-Ableger Warhammer 40.000, neuer Stoff für die drei Rollenspiellinien des Verlages Cthulhu, Shadowrun und 7te See und schließlich mit Auf den Spuren von Jack the Ripper und Tränen einer Göttin zwei neue Spiele-Comics.

 

Halle 12.0

Ein Ende ist absehbar - selbst wenn die letzte Halle zwei Stockwerke hat! Ravensburger nehmen hier einen zentralen Platz ein und ich drücke ich mich in den Stand, um mir die Neuheiten anzuschauen. Frisch mit dem ToyAward ausgezeichnet ist das Quiz-Spiel kNOW!, das traditionelles Brettspiel mit dem Google Sprachassistent verbindet. Mich persönlich spricht es nicht an, aber die Verbindung zwischen analog und digital funktioniert hier recht ordentlich. Neben (zumindest gefühlt) einer Milliarde neuer Puzzles und einigen spektakulären Erweiterung für die Kugelbahn GraviTrax sind es natürlich die Spiele, weswegen ich hier bin. Scotland Yard - Das Würfelspiel variiert das altbekannte Konzept, indem die Spieler ihre Fahrscheine erwürfeln müssen. Werwörter bedient sich des Werwölfe-Hintergrundes, erweitert diesen jedoch um ein Ratespiel. Eine App dient hier als Stichwortgeber und Timer. Red Peak greift dann ausnahmsweise nicht auf ein altbewährtes Konzept zurück! Die Spieler erkunden hier eine Vulkaninsel und versuchen nach dem unvermeidlichen Ausbruch wieder von dieser zu entkommen. 

Halle 12.2

Direkt nach der Rolltreppe erwartet mich das neue Figuren-Display von Lego. Thema sind dabei die Hauptfiguren des neuen Kinofilms - alle aus winzigen Steinen zusammengesetzt. Auch bei Playmobil ist vieles auf den dazugehörigen Film ausgerichtet. Ich drücke mich vorsichtig durch die Menschenmassen, die die Gänge blockieren und auf ihren Termin warten und komme schließlich bei Revell an.
 

Revell machen jetzt auch in Immobilien
Zum einen haben die Modellbauer zahlreiche neue, sehr einfache Modelle für Einsteiger im Programm, auf der anderen Seite hoch komplexe Bausätze wie die USS Enterprise, einen Sternenzerstörer oder einen VW Bus. Diese Bausätze werden zusätzlich noch mit Licht und Soundeffekten aufgewertet. Die Holzbausätze nach Entwürfen von Leonardo da Vinci richten sich ebenfalls an den erfahrenen Modellbauer. Ganz neu im Sortiment sind die 3D-Puzzle herausragender Bauwerke, beispielsweise Schloss Neuschwanstein oder der Kölner Dom. Hinzu kommen die üblichen Modelle von Fahrzeugen in verschiedensten Maßstäben und Schwierigkeitsgraden.
Mittlerweile ist es nach 17 Uhr und die Hallen leeren sich merklich. Ich bin müde, schwer bepackt mit Prospekten und kaum noch aufnahmefähig. Jedoch habe ich noch einen Punkt auf meiner Liste, den ich gerne noch erledigen würde. Also suche ich meine Sachen aus dem Spind zusammen, packe sie, so gut wie möglich und mache mich auf den Weg zur letzten Veranstaltung des Tages.

 

Halle 3C

Das traditionelle Pressetreffen entfällt in diesem Jahr - zum Jubiläum haben die Veranstalter stattdessen eine "kleine" Feier für alle Besucher und Aussteller ausgerichtet. Der Weg in die neue Halle 3C gestaltet sich jedoch schwieriger als gedacht, da die meisten der ausgeschilderten Übergänge entweder ins Leere führen oder verschlossen sind. Schließlich finde ich den richtigen Eingang und reihe mich in die Schlange der Wartenden ein. Pünktlich um 18 Uhr öffnen dann die Pforten und die Menge ergießt sich (sehr gesittet) in den Saal.
 

Die Nürnberger wissen wie man feiert
Die Hallen-Dekoration lässt mich kurz stocken - das sieht schon ziemlich spektakulär aus. An mehreren Stände können sich die Gäste mit allerlei Leckereien versorgen - vor allem die Schlange beim Pulled Pork Burger scheint immer länger zu werden. Während eine vielköpfige Blues- und Soulband Coverversionen bekannter Titel spielt, kreist ein kleiner Zeppelin durch die Halle und hält das Geschehen mit der Kamera fest.
Nachdem sich immer mehr Leute mit Essen und Getränken versorgt haben, füllen sich auch langsam die Sitzreihen. Ich organisiere mir auch eine Kleinigkeit, "Drei im Weggla" wie der Nürnberger sagt (drei Rostbratwürste im Brötchen), dazu noch leckere Käsespätzle und eine Kleinigkeit zu trinken. Nach dieser, viel zu kurzen, Pause schwinge ich ein letztes Mal den Rucksack über die Schulter und mache mich auf den Weg zum Ausgang - die Abfahrt meines Zuges rückt bedenklich näher.


Natürlich haben es nicht alle Neuheiten, die ich im Verlauf des Tages gesehen habe, in diese kleine Nachlese geschafft. Von vielen Ausstellern habe ich einfach nur die Prospekte gegriffen - die nun hier immer noch auf meinem Schreibtisch liegen. Auch sonst habe ich Material mitgenommen, dass ich vielleicht in absehbarer Zeit brauchen könnte, sei es für die Arbeit oder im privaten Bereich. Immerhin habe ich aus den Fehlern vergangener Jahre gelernt und mein Messeprogramm erheblich eingeschränkt. Auf diese Weise hatte ich die Zeit mir zumindest einige Spiele eingehender anzuschauen. In jedem Fall war die Messe für mich auch in diesem Jahr wieder ein tolles Erlebnis: viel gesehen, viel geredet und mir viele neue Ideen geholt.



Der freundliche Türsteher
Wie schon im letzten Jahr gab es nicht das eine, allgegenwärtige Thema, sondern eher eine ausgewogene Mischung. Sicherlich machen Lizenzen nach wie vor einen gewaltigen Teil des Marktes aus, aber es ist schon schön, nicht an jeder Ecke Einhörner, Zombies oder Darth Vader zu sehen. Einen wirkliche zwingenden Spiele-Trend konnte ich ebenfalls nicht ausmachen. Krimi- und Escape-Room-Spiele sind nach wie vor sehr stark, generell erfreuen sich kooperative Kommunikationsspiele ungebrochener Beliebtheit. Auch der Hang zu "überladenen" Spielen hält weiter an. Öfter scheinen dabei Ausstattung und Optik wichtiger zu sein als solide Regeln und eine originelle Spielidee. Eine Tendenz, die durch den Wettlauf um die Käufergunst bei Crowdfunding-Kampagnen noch deutlich verstärkt wird.
Wirkten die ersten Versuche, traditionelle Brettspiele mit digitalen Hilfsmitteln zu kombinieren, eher aufgesetzt, gibt es mittlerweile doch eine ganze Reihe von Spielen, die diese Kombination sehr gut hinbekommen. In diesen Fällen ist die App kein schmückendes Beiwerk, sondern ein integraler Teil der Spielmechanik. Dies mag zwar nicht immer sinnvoll sein, kann ein Spiel jedoch deutlich aufwerten - das Paradebeispiel dabei ist für mich immer noch die zweite Edition von Villen des Wahnsinns.
 

Schon seit Jahren erwarte ich dagegen eine größere Bedeutung des 3D-Druckes im Spielebereich - doch anscheinend traut sich da niemand so wirklich heran. Auf der Messe habe ich einen Aussteller, Mimaki, gefunden, der mit einigen Druckern vor Ort war. Immerhin waren diese Geräte in der Lage vollfarbige Drucke in einer sehr ordentlichen Auflösung auszugeben. Bis es so etwas für den Heimanwender gibt, wird sicherlich noch einige Zeit vergehen, aber die Möglichkeiten sind zumindest da.

Ein Album mit ein paar mehr Bilder gibt es auf meinem Facebook-Account.

Und als Abschluss die Messe in offiziellen Zahlen:
- 2.886 Aussteller aus 68 Ländern
- rund 68.500 Besucher
- 18 Messehallen mit gut 160.000 qm Fläche
- ca. 120.000 neue Produkte
- 21 Firmen, die seit der ersten Spielwarenmesse mit dabei sind

Mittwoch, 31. Oktober 2018


[Messe] SPIEL '18
25. bis 28. Oktober 2018
Grugahallen, Essen


Im letzten Jahr musste ich meinen Besuch auf der SPIEL aus gesundheitlichen Gründen leider bereits nach nur zwei Tagen abbrechen. Auch in diesem Jahr war es bis Anfang Oktober noch nicht abzusehen, ob ich es wirklich nach Essen schaffen würde. Um für alle Fälle gewappnet zu sein, beantragte ich zumindest ein paar Tage Urlaub bei meiner Chefin, organisierte eine Unterkunft und fragte eine Akkreditierung beim Friedhelm Merz Verlag, den Ausrichtern der Messe, an. Wenige Tage später hatte ich nicht nur meine Pressekarte und den Parkausweis im Briefkasten, sondern auch eine Einladung zur Verleihung des Deutschen Spielepreis 2018! Obwohl ich nun seit ziemlich genau 25 Jahren auf die Messe gehe, beinahe die Hälfte der Zeit als Aussteller oder Pressevertreter, war dies für mich etwas Außergewöhnliches – und der ausschlaggebende Grund doch nach Essen zu fahren.
Obwohl mir nicht übermäßig viel Zeit für die Vorbereitungen blieb, gelang es mir doch, überraschend viele Gesprächstermine bei Verlagen zu organisieren. Dazu kamen noch weitere teils geschäftliche, teils private Verabredungen, so dass ich für die komplette Messe (und die dazugehörigen Abende) ein volles Programm hatte.

Mittwoch, 24. Oktober 2018
Die Reise nach Essen beginnt, so denke ich zumindest, mit genug zeitlichem Puffer um für alle Unwägbarkeiten gewappnet zu sein. Ich komme auch gut voran – zumindest bis ich den Großraum Köln erreiche. Dort geht, wie schon so häufig, nichts mehr und ich schaffe in einer halben Stunden einen gefühlten Kilometer...
Irgendwann habe ich jedoch das Nadelöhr passiert und der Verkehr rollt weiter. Glücklicherweise ist dies auch die einzige nennenswerte Behinderung auf der Strecke – die zahlreichen Baustellen fallen da kaum noch ins Gewicht. Als ich die Grugahallen schließlich erreiche, sind die Türen zur Pressekonferenz schon geöffnet und ich beeile mich, mir einen Platz zu suchen. Neben den harten Zahlen und Fakten rund um die Messe (Ausstellungsfläche: 80.000 qm; Aussteller: 1.150; Neuheiten: ca. 1.4000; erwartete Besucher: ca. 190.000) wird verstärkt auf die wachsende Bedeutung des Spielens für die Gesellschaft eingegangen. Die beständig steigenden Umsatz- und Wachstumszahlen der Branche und die allgemeine Entwicklung der Messe bestätigen dies. Der eigentliche Höhepunkt der Pressekonferenz ist (zumindest für mich) die Verleihung des innoSPIEL, eines Preises, der Autoren und Verlage für innovative Spielkonzepte auszeichnet. Gegen die Mitbewerber hat sich dabei Cool Runnings (Olivier Mahy; Ravensburger) durchgesetzt. In dem Spiel muss der Spieler versuchen seinen Eiswürfel ins Ziel zu bringen bevor er geschmolzen ist, während die Mitspieler wirklich alles daran setzen, dies zu verhindern.
Nach dem Ende der Konferenz setzt sich der ganze Tross in Bewegung, um die Neuheitenschau in Halle 1A in Augenschein zu nehmen. Hier steht überall Verlagspersonal bereit, um die neugierigen Fragen der Besucher zu beantworten. Außerdem ist dies für mich die beste Gelegenheit in Ruhe Fotos zu schießen, ohne das ständig jemand im Weg steht. Vor allem an den Tischen von Pegasus Spiele türmen sich die Neuerscheinungen gradezu – was es schwierig macht, alle Spiele ausreichend zu berücksichtigen. Da am Messestand in der Halle erfahrungsgemäß riesiges Gedränge herrscht, nutze ich die Gunst der Stunde um mich hier über einige der zahlreichen Neuerscheinungen zu informieren. Die Rollenspielprodukte zu 7te See, Shadowrun und Cthulhu schaue ich mir allerdings lieber im Laden meines Vertrauens an. Die schon obligatorischen Erweiterungen der Munchkin-Reihe ignoriere ich für den Moment ebenfalls. Viel interessanter ist dagegen das Tower-Defense-Spiel Castle Rampage, bei dem zwei Spieler versuchen, die gegnerische Burg zu erobern. Sieht hübsch aus, spielt sich schnell und auch die Anschaffungskosten halten sich einem überschaubaren Rahmen. Thematisch bietet Adventure Island nichts Neues, allerdings ist der Spielablauf dieses kooperativen Survival-Spiels recht originell. Das Spielziel (und die Hintergrundgeschichte) entwickeln sich erst im Spielverlauf und sollten für einige spannende Runden sorgen – in denen sich die Spieler zudem verbessern können. Zusammen mit der gelungenen Standdeko sicherlich eines der auffälligsten Spiele in der Neuheitenschau.
Besonders neugierig bin ich auf Talisman – Legendäre Abenteuer, eine Einsteigerversion des Klassikers für jüngere Spieler. Das Original war mein erstes Fantasy-Spiel und dürfte für meine spielerische Entwicklung prägend gewesen sein. Diese Version folgt dagegen einem kooperativen Ansatz und lässt das Spielbrett erst nach und nach entstehen. Auf den ersten Blick nicht uninteressant – aber nicht vergleichbar mit dem Original. Dennoch werde ich es bei Gelegenheit genauer in Augenschein nehmen.
Asmodee (und die zahlreichen Verlage unter ihrem Dach) haben zwar auch kleine, unscheinbare Spiele im Programm, doch sind es die großen Brocken, die die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich ziehen. Unter der Last des aufgebauten Materials biegen sich die Tische geradezu: Zombicide, Massive Darkness, Rising Sun oder die verschiedenen Star Wars-Titel mit ihren jeweiligen Erweiterungen nehmen viel Platz ein und zeichnen sich vor allem durch ihren exzessiven Figureneinsatz aus.

Ich notiere mir das eine oder andere Spiel für später, verlasse dann aber bald die Neuheitenschau. Bis zu meinem ersten Termin ist noch ein wenig Zeit und ich möchte mich vor dem eigentlichen Messestart noch ein wenig orientieren. Während sich in den Hallen 1, 2 und 3 im Vergleich zum letzten Jahr relativ wenig getan hat, sind die Hallen 4 und 5 komplett neu strukturiert, die Halle 6 ist gar ganz neu hinzu gekommen ist. Die meisten Aussteller sind noch schwer mit dem Aufbau beschäftigt, daher fasse ich mich kurz und beschränke mich meist nur auf eine kurze Begrüßung.
Bald geht es wieder zurück in Halle 3, wo Amigo Spiele zum Antesten ihrer Neuheiten geladen haben. Ein paar der Spiele habe ich bereits rezensiert, andere wiederum sehe ich hier zum ersten Mal live vor mir. Eine Runde des Schnick-Spiels ICECOOL 2 endet in einem Debakel – die Pinguine fliegen in alle Richtungen, nur nicht dahin, wo ich sie hin haben will. Damit qualifiziere ich mich sicherlich nicht für den Trip in die Antarktis, der für den besten Trick-Shot ausgelobt ist, aber immerhin haben die Umstehenden etwas zu lachen. Auch das Legespiel 3x8 schaue ich mir etwas genauer an – allerdings verbringe ich die meiste Zeit damit mich zu unterhalten.
Bei einer weiteren Runde durch die Hallen mache ich mir fleißig Notizen und entdecke einige vielversprechende Neuheiten, die ich mir später genauer anschauen will. Doch schließlich muss ich mich auf den Weg in meine Unterkunft nach Oberhausen machen und mich auf das eigentliche Highlight des Tages vorbereiten.

Zwei Stunden später stehe ich, frisch geduscht und im Anzug, erneut in der Grugahalle, wieder vor dem Saal Europa. Dort hat sich alles versammelt, was in der Brettspielszene Rang und Namen hat: Autoren, Lektoren, Redakteure und Verlagsleute. Auch einige Schreiberlinge wie ich sind zu diesem Ereignis eingeladen. Nach den einleitenden Worten beginnt die eigentliche Ehrung der nominierten und ausgezeichneten Spiele: Azul (SpielePreis von Michael Kiesling; Next Move/Pegasus Spiele) und Memoarrr! (KinderspielePreis von Carlo Bortolini; Edition Spielwiese/Pegasus Spiele) können sich über die diesjährigen Preise freuen. Eine vollständige Übersicht aller nominierten Spiele findet sich auf der Homepage des Friedhelm Merz Verlages. Der Abschluss (und auch emotionalen Höhepunkt) der Ehrungen war jedoch der Verabschiedung des langjährigen Amigo-Redakteurs Uwe Mölter in den Ruhestand vorbehalten – an dessen Tisch ich eher zufällig landete. Nach dem Ende der Preisverleihung beginnt der „gemütliche“ Teil des Abends mit einem gemeinsamen Essen. Schon bald löst sich die recht starre Sitzordnung auf und es ergeben sich einige sehr interessante Gespräche auf dem Weg zum Buffet oder einfach zwischen den Tischen.
Meine Kondition lässt jedoch nach kurzer Zeit spürbar nach und obwohl ich gerne noch ein wenig geblieben wäre, mache ich auf den Rückweg nach Oberhausen. Hier sortiere ich meine Unterlagen, gehe die Notizen durch und lege noch einige Dinge für den ersten Messetag bereit, bevor ich zügig wegdämmere.

Donnerstag 25. Oktober 2018
Die offizielle Eröffnung der Messe steht kurz bevor und der Trend der letzten Jahre setzt sich auch diesmal ungebremst fort: Donnerstag ist der Tag der Schnäppchenjäger! Schon seit einer guten Stunde drängen sich die Besucher vor den vier Eingängen – ausgestattet mit Unmengen leerer Taschen, Trolleys oder gar Bollerwagen. Ich kann glücklicherweise durch einen Seiteneingang ein paar Minuten früher in die Halle und mir das Spektakel in aller Ruhe von der anderen Seite anschauen. Mit dem Öffnen der Türen wälzt sich die Masse in die Halle und bei einigen der Spielwütigen habe ich den Eindruck, dass sie ums nackte Überleben rennen! Da werden langsamere Besucher rücksichtslos zur Seite gedrückt oder ungünstig platzierte Standdeko rüde mit dem Rucksack abgeräumt. Ich bringe mich in einem der Stände in Sicherheit und warte den ersten Ansturm ab.
Schließlich reihe ich mich auch irgendwann mit in den Besucherstrom ein und lasse mich in Richtung der Galleria treiben. Bis zu meinem ersten Termin bleibt mir noch ein wenig Zeit, so dass ich zuerst meine alljährliche Begrüßungsrunde drehe. Die meisten meiner Bekannten sind mit ihren Verlagen in der neu eröffneten Halle 6 untergekommen. Hier sind in diesem Jahr (fast) alle Aussteller versammelt, die irgendwie mit Tabletops, Rollenspielen, LARP oder Comics zu tun haben. Nachdem ich erfolgreich einige Hände geschüttelt und die obligatorischen Gummibären (in diesem Jahr in Totenkopf-Form mit Chili) verteilt habe, arbeite ich mich langsam wieder zurück in Halle 3. Dort erwartet mich bei Schmidt Spiele der erste offizielle Termin des Tages. Neben ein wenig Smalltalk bekomme ich einen ausführlichen Überblick über die Herbst-Neuheiten. Kinderspiele wie König Grummelbart, Der blubbernde Hexenkessel oder Pfannkuchenparty sind für mich dabei naturgemäß nicht ganz so spannend. Dafür interessiert mich Forbidden Sky umso mehr! Bei dem kooperativen Spiel gilt es mit einer Rakete eine, dem Untergang geweihte, fliegende Stadt zu verlassen. Dazu müssen die Spieler jedoch erst die Rakete startbereit machen, Schaltkreise legen und schließlich das Raumschiff zu erreichen – ohne dabei vom Blitz getroffen oder vom Wind aus der Stadt geweht zu werden. Unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und Charaktere mit verschiedenen Fähigkeiten dürften die Flucht nicht langweilig werden lassen. In eine völlig andere Richtung geht dagegen Top Secret - ein nonverbales Kommunikationsspiel, bei dem sich Teams von Agenten zu konspirativen Treffen verabreden. Das Testspiel zu zweit war relativ reizlos – in großer Runde mit acht Spieler sollte es allerdings gut funktionieren. Wie in jedem Jahr, so gibt es auch 2018 wieder Zuwachs für die Carcassone-Reihe. In Safari sind die Spieler auf der Such nach seltenen Tieren (um diese zu fotografieren). Das grundlegende Spielprinzip wird dabei ein wenig abgewandelt und mit einer neuen Thematik versehen, ist aber eindeutig zu identifizieren. Ein Würfelspiel darf, mit Knapp daneben!, auch in diesem Jahr nicht fehlen. Hier müssen aufeinander folgende Zahlen erwürfelt werden – wobei ich mich dabei als gänzlich unfähig erwiesen habe.

Nach diesem, doch recht ausführlichen, Termin muss ich mich beeilen rechtzeitig in den Saal Europa zu kommen, wo Asmodee zur Spielepräsentation geladen haben. Ein Blick auf die Tische lässt mich schnell eine Entscheidung treffen – zuerst muss es eine Runde Discover sein - „das erste Unique Game der Welt!“, wie es im Begleittext steht. Im Endeffekte bedeutet dies, dass sich jede Packung in ihrem Inhalt unterscheidet, sei es durch Missionen, Bodenplättchen oder Charaktere. Das Spiel selbst dreht sich um eine Gruppe von Charakteren, die auf einer einsamen Insel gelandet sind und diese erforschen müssen. Das Spiel- oder Szenarienziel ist anfangs unbekannt und die Spieler müssen sich darauf konzentrieren, Holz und Nahrung zu finden um zu überleben. Dem ersten Eindruck nach ein ausgesprochen interessantes Spiel mit einigen neuen Einfällen. Ebenfalls auf meiner Must-See-Liste steht Nyctophobia, das ich zwei Tische weiter antesten kann. Bis zu vier Spieler tappen hier im finsteren Wald (simuliert durch undurchsichtige Brillen) herum und müssen sich durch Tasten und Absprachen einen Weg in Sicherheit bahnen. Erschwert wird die Angelegenheit durch einen weiteren Spieler, der die Rolle des irren Axtmörders übernimmt – und der sieht, was die Mitspieler tun. Thematisch und optisch ein weiteres Highlight für mich, auch der erste Test macht Lust auf mehr. KeyForge, das neue Kartenspiel von Richard Garfield, hätte ich mir gerne angeschaut, doch leider war der Andrang hier recht groß und ich hatte keine Zeit mehr.
Also verabschiedete ich mich nach einem weiteren kurzen Rundgang und machte mich auf den Weg zum moses.-Verlag. Neben der schon obligatorischen Fortsetzung der black stories-Serie, diesmal mit einer Sebastian Fitzek-Edition, gibt es mit black stories – Das mörderische Drehbuch auch ein etwas verändertes Konzept. Ausgehend von einer bestimmten Szene müssen die Spieler nach und nach die Entwicklung des Krimi-Drehbuches erraten. Außerdem legt mir meine Gesprächspartnerin Schaben jagen ans Herz. In diesem Solo-Spiel stehen dem Spieler eine gewisse Anzahl an Bewegungskarten zur Verfügung, mit denen er alle Schaben auf dem Spielbrett entweder einsaugen oder zertreten muss. Kniffelige Gehirnakrobatik mit einem erheblichen Suchtpotential bei minimalem Regelaufwand – ein wirklich gelungenes, kleines Spiel! Dazu kommen wieder einige sehr vielversprechende Quiz- und Ratespiele, allerdings beschränke ich mich hier auf ein wenig Prospektmaterial.
Damit endet für mich der offizielle Teil des ersten richtigen Messetages und ich versuche noch einige Dinge von meiner Einkaufsliste zu erledigen. Ein Freund von mir ist großer Terraforming Mars-Fan und der Schwerkraft Verlag hat für die Messe eine neue Erweiterung und drei Promokarten im Gepäck. Außerdem möchte ich ein Auge auf das Bücher-Sammel-Spiel Ex Libris werfen – daher reihe ich mich geduldig in die lange Schlange ein. Als ich endlich an der Reihe bin erfahre ich, dass die Promokarten erst im Laufe des späteren Nachmittag geliefert werden und Ex Libris noch irgendwo im Container im Bauch eines Schiffes liegt. Ärgerlich, aber immerhin kann ich die Spielerweiterung mitnehmen.
Es ist zwar schon relativ spät, aber ein paar Stände stehen noch auf meinem Programm, beispielsweise Voodoo Games. Isles of Terror befindet sich noch in Produktion, immerhin hat der Verlag mit Flautz! eine Neuheit im Gepäck. Für eine Demo-Runde reicht meine Zeit leider nicht, dennoch lasse ich mir das kleine, schnelle Kartenspiel in Grundzügen erklären. Vor allem die putzigen Grafiken haben es mir dabei angetan. Die Tabletop-Schmiede Freebooter Miniatures haben ihrem Piraten-Skirmish nach über acht Jahren und ebenso vielen Ergänzungsbänden eine Generalüberholung verpasst. Freebooter's Fate #2 bringt ein wenig Ordnung in die Regeln, räumt Unstimmigkeiten aus und macht das Spielgeschehen ein wenig flüssiger. Nach wie vor eines meiner liebsten Tabletops – wobei ich es leider viel zu selten spiele! Erst vor kurzem habe ich Warhammer Underworlds von Games Workshop für mich entdeckt. Da trifft es sich gut, dass der britische Tabletop-Riese vor Ort ist und, unter anderem, Nightvault vorstellt. Die Box bringt neben zwei neuen Truppen auch Magieregeln und ein leicht verändertes Setting mit, spielt sich aber noch genau so flüssig wie der Vorgänger.
Die Messe hat zwar noch bis 19 Uhr geöffnet, doch für mich drängt mittlerweile die Zeit, da ich noch ein Treffen in Oberhausen habe. Die Fahrt gestaltet sich zäher als erwartet, und für die 15 km benötige ich beinahe ein Stunde. So bleibt mir nur wenig Zeit, meine Beute zu verstauen und mich ins CentrO zu begeben – wo ich den Tag bei Schnitzel und Pfannkuchen ausklingen lasse.

Freitag, 26. Oktober 2018
Nach einer viel zu kurzen, unruhigen Nacht mache ich noch einen kurzen Abstecher in den örtlichen Supermarkt um meine Vorräte aufzufüllen. Sowohl der Verkehr als auch die Besucherschlangen halten sich heute aber glücklicherweise in einem unüberschaubaren Rahmen. Zudem läuft das Betreten der Halle deutlich gesitteter ab – die Besucher sind an diesem Tag viel entspannter und das Hallenpersonal eingespielt.

Bevor mir irgend etwas anderes dazwischen kommt, besorge ich die Promokarten beim Schwerkraft Verlag; auch bei Fat Fox Games schaue ich kurz vorbei und hole mir die Erweiterung zum, nicht ganz geschmackssicheren, Kartenspiel Don't Drop the Soap. Und ein letzter Kartenpack steht noch auf meiner Liste – die kostenlose Erweiterung zu Kampf gegen das Spießertum von Kampfhummel Spiele. Den angebotenen Schnaps lehne ich dankend ab – ich habe vom Rum-Tasting des vergangenen Tages noch genug. Ein bisschen Zeit bleibt mir noch, daher schaue ich mir die Neuveröffentlichungen der Redaktion Phantastik kurz an. Vor allem das neue Abenteuer Dreadnought für das viktorianische Detektivrollenspiel Private Eye hat es mir angetan. Nachdem ich mir noch die eine oder Kleinigkeit gekauft habe, wird es Zeit für meinen Termin bei Asmodee, die sich in wenigen Jahren von einer winzigen Klitsche zu einem internationalen Branchen-Schwergewicht entwickelt haben. Beinahe die Hälfte der Halle 1 wird von den Verkaufs- und Demoständen des Verlages eingenommen, hinzu kommen weitere Tochter-Verlage, beispielsweise Repos oder Days of Wonder, die traditionell in Halle 3 untergebracht sind. Da ich die Neuheiten schon am Donnerstag in Augenschein nehmen konnte, dreht es sich bei diesem Gespräch eher um Kontaktpflege, das Feedback zu den Neuerscheinungen und den Ausblick auf die kommenden Entwicklungen. Ich mag solche Unterhaltungen sehr, ermöglichen sie mir doch einen tieferen Einblick hinter die Kulissen der Spieleindustrie.
Zum Glück sind es nur ein paar Schritte, bis ich bei Abacusspiele am Stand stehe und bei meinem nächsten Termin bin. Wichtig sind mir hier vor allem drei der Neuheiten, die ich etwas ausführlicher in Augenschein nehmen kann. Die Anno Domini-Reihe erhält mit den Kuriositäten einen neuen Ableger – bei denen die Spieler allerlei obskure historische Ereignisse in die richtige Reihenfolge bringen müssen. Die Serie gehört eindeutig zu meinen Lieblingen und ich freue mich über jede Neuerscheinung – leider teilen meine Mitspieler diesen Enthusiasmus in der Regel nicht. Mit Deckscape – Das Geheimnis von Eldorado liegt bereits der vierte Teil dieses Escape-Room-Kartenspiels vor. Hier gilt es wieder eine ganze Reihe von Aufgaben zu lösen - diesmal fernab der Zivilisation im südamerikanischen Dschungel. Die dritte Neuerscheinung auf meinem Zettel ist deutlich umfangreicher als die beiden anderen Spiele. Als Bauherren müssen die Spieler die City of Rome wieder aufbauen und dabei gleichzeitig auf Ruhm, Geld und politischen Einfluss achten. Ein hübsches, taktisches Spiel, das den Spielern viele Optionen bietet.
Bei Amigo habe ich schon am Mittwoch einige neue Spiele ausprobiert, daher steht auch bei diesem Treffen eher der persönliche Austausch im Vordergrund. Ich finde es wichtig, den Personen, mit denen ich das ganze Jahr über per Mail kommuniziere, ganz normal am Tisch gegenüber zu sitzen und zwanglos zu reden. Allerdings kommen dann doch noch zwei Spiele auf den Tisch, die ich gar nicht richtig auf dem Schirm hatte. Lighthouse Run ist dabei ein klassisches Rennspiel, bei dem es darum geht, mit den eigenen Schiffen den sicheren Hafen zu erreichen, bevor der Sturm losbricht. Was ich im ersten Moment als reines Kinderspiel abgetan habe, entpuppt sich als durchaus taktisch anspruchsvoll. In Lifestyle, einer Mischung aus Karten- und Würfelspiel, geht es dagegen darum, möglichst lohnende Prestigeobjekte zu sammeln. Ein recht nettes Spiel für zwischendurch, mit ein wenig Anspruch und nicht so glücksabhängig, wie es der erste Eindruck vermuten lässt.
Schon auf der Neuheitenschau hat mich die Standdeko von Game Factory angesprochen. Und da ich grade ein wenig Zeit habe und in der Nähe bin, lasse ich mir Frantic erklären – eine Art Mau-Mau mit extrem verschärften Regeln. Sicherlich nicht für jede Spielrunde geeignet, aber sehr böse und schnell! Bereits im letzten Jahr fand ich 13 Indizien, seinerzeit noch in der englischen Version, recht spannend. Nun legt der Verlag zur Messe die deutsche Version des Deduktionsspiels vor, bei dem jeder Spieler ein Verbrechen aufklären muss. Thematisch und optisch sehr schön umgesetzt, auch spielerisch wirkt die Mödersuche recht vielversprechend. Ein kurzer Plausch mit Autor Andrés J. Voicu, der zufällig ebenfalls grade vor Ort ist, rundet den guten Gesamteindruck ab.

Es bleibt mir noch ein wenig Zeit, mich meinen eigentlichen Vorlieben, Tabletop- und Rollenspielen, zu widmen. Dazu geht es wieder zurück in Halle 6 und beinahe ohne Umweg zum geteilten Stand von Uhrwerk und Modiphius, die mittlerweile über ein sehr umfangreiches Sortiment verfügen. Skirmish-Spiele wie Achtung! Cthulhu, Fallout (basierend auf der Computerspiel-Serie) und Wild West Exodus lassen meine Hand kurz zum Geldbeutel zucken – aber eigentlich habe ich genug unbemaltes Zinn und Plastik in den Schränken stehen. Ein paar Blister müssen es dann doch sein – ebenso wie der neue Abenteuerband für das Weird-War-Rollenspiel. Gegenüber an einem eigenen Stand wird das verlagseigene Rollenspiel Splittermond mit seinen zahlreichen Neuerscheinungen präsentiert. Obwohl ich das System durchaus reizvoll finde mangelt es mir jedoch an Spielern und nach einem kurzen Schwatz mit dem Standpersonal ziehe ich weiter.
Auch ein Besuch bei LuPri gehört für mich zum Pflichprogramm. Nach längerer Durststrecke hat Lutz Stepponat mit Zockende Zauberer endlich wieder ein kleines Spiel veröffentlicht. Passend dazu erscheint auch sein Kabale und Hiebe in einer überarbeiteten Version mit einigen neuen Karten. Nach einer schnellen Einführungsrunde lasse ich mir mein Exemplar signieren und mache mich wieder auf den Weg.
Nach einem desaströsen Crowdfunding war das Weird-War-Tabletop DUST eigentlich so gut wie tot – daher überraschte es mich im letzten Jahr einen entsprechenden Stand zu sehen. In diesem Jahr wurden hier sogar neue Produkte präsentiert, einschließlich einer komplett neuen Fraktion mit Cthulhu-Kultisten. Die Arbeiten an einem neuen Regelwerk (auch in deutscher Sprache) schreiten langsam voran und sollen Anfang 2019 abgeschlossen sein. Zumindest die Figuren und das wirklich sehr stimmige Gelände machen einen guten Eindruck und lassen auf einen gelungenen Neustart hoffen. Sicherlich eines der Spiele, die ich künftig wieder mehr im Auge behalten muss.
Die Comic Action hat in diesem Jahr mit dem großen Verlagsstand von Panini wieder einen Fixpunkt, um den sich einige Händler und Illustratoren sammeln können. Dennoch stellt sich mir natürlich die Frage, ob die Integration von Comics in die SPIEL noch ihre Berechtigung hat. Zahlreiche ComicCons, verteilt über die ganze Republik, richten sich gezielt an Freunde der bunten Bildergeschichten und ziehen entsprechend Verlage und Künstler an. Zumal mit der CCXP Cologne im nächsten Jahr noch eine weitere groß angelegte Convention um die Gunst des Publikums buhlen wird. Das hindert mich allerdings nicht daran, noch einige Lücken in meiner Sammlung zu schließen.

Nach weiteren kurzen Zwischenstopps arbeite ich mich langsam in Richtung Parkhaus vor – auch heute Abend habe ich noch Programm. Der Feierabendverkehr auf dem Weg nach Oberhausen fließt zäh und kommt stellenweise ganz zum Erliegen. So bleibt mir wenig Zeit, meine Errungenschaften zu sichern, auch das Abendessen muss ausfallen. Glücklicherweise ist mir noch ein Müsli-Riegel geblieben, den ich auf dem Weg zum Kulttempel mümmele. Die Kammer machen dort auf ihrer Release-Tour zum aktuellen Album Station und Auftritte der achtköpfigen Band sind immer ein Erlebnis!

Samstag, 27. Oktober 2018
Ich bin müde, ein wenig verkatert, Füße und Rücken schmerzen – optimale Voraussetzungen für den härtesten Messetag! Das ganze große Gedränge bleibt diesmal jedoch überraschend aus; sowohl die Verkehrsplanung als auch der zusätzliche Eingang sorgen dafür, dass sich die zahlreichen Besucher etwas besser verteilen.

In den letzten drei Tagen konnte ich mir einen, zumindest groben, Überblick über die Spiele verschaffen, den ich nun etwas vertiefen will – einige vielversprechende Kandidaten habe ich noch auf der Liste. Recht prominent in Halle 6, direkt am Eingang, liegt der Stand für das Trading-Card-Game Warhammer: Champions. Während der kurzen Einführungsrunde wird jedoch schnell klar, dass auch dieses Sammelkartenspiel nichts für mich ist. Direkt dahinter haben Knight Models ihren Stand und stellen ihre drei Skirmish-Tabletops vor. Sowohl das DC Universe Miniature Game als auch das Batman Miniature Game konzentrieren sich auf das Zusammentreffen kleiner Gruppen von Superhelden und -schurken. Ganz neu hinzu gekommen ist das Harry Potter Miniatures Adventure Game, bei dem die Romanfiguren aufeinander treffen. Zumindest das letztere wollte ich mir eigentlich genauer anschauen, doch sowohl die Präsentation als auch die Erklärungen des Standpersonals lassen deutlich zu wünschen übrig. Erschwerend kommt hinzu, dass an dem Stand nichts verkauft wird, lediglich einen Gutschein für den Online-Shop des Herstellers gibt es. Grade bei solch dicken Lizenz-Brocken habe ich doch wesentlich größere Erwartungen!
Besser machen es dagegen Games Workshop aus Nottingham, die in diesem Jahr ihre Präsenz deutlich verstärkt haben. Neben Demotischen für alle ihre Spielsysteme gibt es eine umfangreiche Produktauswahl, vieles davon nicht in Läden erhältlich, und die Möglichkeit unter fachkundiger Anleitung Space Marines zu bemalen. Offensichtlich hat die Firma aus den Fehlern vergangener Jahre gelernt und macht nun vieles richtig.
Ebenfalls aus Nottingham kommen Warlord Games, deren Stand in diesem Jahr etwas kleiner ausgefallen ist. Das Seeschlacht-System Cruel Seas ist nicht mehr rechtzeitig zur Messe fertig geworden, aber mit Blood Red Skies, Konflikt '47 und der neuen Auflage von Black Powder gibt es hier auch genug zu sehen. Dazu gesellen sich Figuren für das Doctor Who-Tabletop und eine umfangreiche Auswahl an Kunststoff-Miniaturen für zahlreichen Epochen und Genres.
War der mächtige Stand von Ulisses Spiele über viele Jahre hinweg einer der Fixpunkte in Halle 2, so ist davon nach der Umstrukturierung des Verlages nicht mehr viel geblieben. In erster Linie konzentrieren sich die Waldemser auf ihr Rollenspiel-Flaggschiff Das Schwarze Auge und verschiedene kleinere Rollenspiel-Crowdfundings, daneben gibt es noch einige Grabbelkisten mit Resten aus dem Lager.
Neben ihrem Fantasy-Football-Skirmish-Tabletop Guildball bauen Steamforged Games ihr Brettspiel-Portfolio weiter aus. Die Brettspiel-Umsetzung des Computerspiels zu Dark Souls ist fertig und im Handel, auf Resident Evil 2 müssen die Spieler noch ein wenig warten, obwohl es auf der Messe die Möglichkeit gab, die fertige Version ausgiebig zu testen. Zudem wurden „Late Pledges“ für die Kickstarter-Kampagnen für Godtear und Horizon eifrig beworben. Beide Spiele sahen für mich jetzt allerdings nicht übermäßig spannend aus – wahrscheinlich habe ich einfach schon zu viele Spiele dieser Art gesehen.
Zwischendurch habe ich noch einen längeren Termin bei Iello, die wie gewohnt mit ihren Neuveröffentlichungen klotzen und nicht kleckern. Ins Auge fällt dabei vor allem das Wikinger-Spiel Raids, bei dem ein Drachenboot am Stand steht und die Spieleerklärer Helme mit leuchtenden Hörnern tragen. Die Spieler ziehen ihre Schiffe zu verschiedenen Orten, plündern, handeln oder vollbringen Heldentaten um Punkte zu kassieren. Vor allem der Zugmechanismus hat mir hier recht gut gefallen – dagegen kann ich mit der Wikingerthematik wenig anfangen.
Downforce erkennt man dagegen sofort an dem Berg Reifen, der in der Demofläche liegt. In dieser Mischung aus Renn-, Strategie- und Wettspiel müssen die Spieler ihre Formel-1-Bolliden durch einen Parcours bringen, aber auch die anderen Aspekte eines erfolgreichen Rennstalls nicht vernachlässigen – ein hübsches Strategiespiel! Mein Favorit am Stand ist allerdings 8Bit Box – ein liebevoll gestaltetes Brettspiel, dass die großen Computer- und Konsolenspiele der 1980er auf den heimischen Spieltisch bringt, einschließlich pixeliger Grafik. Die drei bisher erschienenen „Spiel-Module“ ermöglichen es den Spielern, eine Figur durch ein Labyrinth zu hetzen, an Olympischen Spielen teilzunehmen oder sich mit Raumgleitern Rennen zu liefern. Weitere Module sollen in den nächsten Monaten folgen. Außerdem habe ich noch die Möglichkeit einen kurzen Blick auf demnächst erscheinende Neuheiten, beispielsweise Erweiterungen für King of Tokyo oder Bunny Kingdom, zu werfen.
Mittlerweile ist es spät geworden und das Messeende wurde eingeläutet. Zumindest an diesem Tag halte ich jedoch (gezwungenermaßen) bis zum Toresschluss um 19 Uhr durch, da ich anschließend noch auf die Release-Party eines kleinen Tabletop-Verlags eingeladen bin.
Die Fahrt in einen Vorort von Essen ist erstaunlich stressfrei - die Parkplatzsuche rund um das Diner dagegen eine Katastrophe. Dafür entschädigt jedoch der wirklich sehr gute Burger und die lockere, urige Atmosphäre. Die Runde ist ausgelassen, laut und die Themen drehen sich um alle möglichen Dinge – außer um Spiele. Eine sehr angenehme Art, den vorletzten Messetag abzuschließen.

Sonntag, 28. Oktober 2018
Den letzten Messetag habe ich (beinahe) zur freien Verfügung; lediglich ein Gespräch steht noch auf dem Programm. So bleibt mir genug Zeit, mich in aller Ruhe umzuschauen und noch ein bisschen Geld unters Volk zu bringen. Manche Händler haben am Sonntag tatsächlich die Preise noch einmal reduziert und diesen Umstand nutze ich entsprechend aus. Um das eine oder andere Spiel schleiche ich schon seit Tagen herum, nun wandert es schließlich doch in meine Tasche. Mittlerweile haben mich noch einige Bestellungen aus meinem Bekanntenkreis erreicht. So besorge ich beispielsweise einen Berg Würfel, eine Flasche Sekundenkleber und einige Miniaturen. Bei zwei uralten Spielen scheitere ich dagegen kläglich – der umfangreiche Spieleflohmarkt der vergangenen Jahre ist bis auf wenige Stände mit Raritäten verschwunden. Immerhin bleibt mir so die Zeit, mich ausführlich mit den Hallen 4 und 5 zu beschäftigen, die ich bislang nur im Schnelldurchlauf erkundet hatte. Tatsächlich finden sich hier erstaunlich viele kleine Verlage mit opulent ausgestatteten Brettspiele, die auch nach kurzen Testspielen einen soliden Eindruck machen. Jedoch höre ich mehr als einmal den Satz „Soon on Kickstarter!“, was meine Laune nicht unbedingt hebt.
Bei Osprey Games dagegen ist alles, was auf den Tischen steht, erhältlich, oder war es zumindest – einige Sachen sind bereits ausverkauft. Schon in der Neuheitenschau habe ich vor Wildlands gestanden, einem Mischung aus Tabletop und Dungeon-Crawler, in dem jeder Spieler fünf Figuren durch ein Verlies steuert, dabei Siegpunkte sammelt und im Idealfall die Miniaturen seiner Mitspieler abräumt. Grafisch nicht wirklich anspruchsvoll, aber dafür mit spannendem Gameplay zeigt sich Cryptid, bei dem die Spieler als Cryptozoologen auf der Suche nach einer legendären Kreatur sind. Ein sehr strategisches, komplexes (nicht kompliziertes) Deduktionsspiel, das sicherlich in absehbarer Zeit in meiner Sammlung landen wird.
Um den Stand von Kosmos habe ich in den letzten Tagen nach Möglichkeit einen großen Bogen gemacht, hat sich der Besucherstrom hier doch regelmäßig gestaut. Mittlerweile ist die Lage etwas entspannter und ich werfe einen Blick auf die Neuerscheinungen. Mit Exit Kids – Code Breaker, Exit – Die Katakomben des Grauens und Exit – Das Buch wird die Serie der Escape-Room-Spiele deutlich aufgestockt. Auch Catan bekommt mit Der Aufstieg der Inka neuen Zuwachs. Das Spiel nutzt die klassischen Merkmale der Serie, bringt aber mit dem Untergang der eigenen Zivilisation ein neues Element hinzu – zumindest auf den ersten Blick nicht uninteressant. Das kooperative Würfelspiel Roll for Adventure und eine Erweiterung für Die Legenden von Andor sorgen dafür, dass der Fantasy-Bezug im Verlagsprogramm nicht zu kurz kommt.
Mehrfach habe ich schon am Stand von Monolith Editions gestanden um mir die Spiele genauer anzuschauen, doch herrschte auch hier immer großer Andrang. Nun ist die Situation übersichtlicher und ich nehme auf einem der freien Stühle Platz um mir Solomon Kane erklären zu lassen – ein Brettspiel um meinen liebsten puritanischen Fanatiker. Die Figur wird dabei nicht direkt von den Spielern gesteuert, stattdessen übernehmen diese die Rolle von Tugenden und lenken die Geschicke des Helden. Eine interessante Mechanik, tolle Figuren, finsteres Artwork und eine ausgesprochen umfangreiche Ausstattung – ich kann tatsächlich noch bei der Crowdfunding-Kampagne mitmachen. Auch das zweite Spiel, dass hier präsentiert wird spricht mich optisch und thematisch direkt an. Reich Busters schickt eine kleine, tapfere Truppe alliierter Spezialisten auf Missionen gegen finstere Nazischergen – mit Zombies, Mutantenmonstern und außerirdischer Technologie. Dabei werden die Konzepte mehrerer, von mir sehr geschätzter Computerspiele genutzt. Auf meine Frage nach einem Veröffentlichungstermin werde ich auf den Kickstarter verwiesen, der Ende November starten soll. Eigentlich würde ich jetzt gerne in eine Tischplatte beißen, aber ich kann mich beherrschen.
Mittlerweile ist es früher Nachmittag und ich bin nicht mehr wirklich aufnahmefähig! Dennoch begebe ich mich auf eine letzte Runde durch die Hallen, in erster Linie um mich bei meinen Freunden und Bekannten zu verabschieden. Dass ich dabei noch den einen oder anderen Impulskauf tätige versteht sich beinahe von selbst. Letzten Endes ist aber gegen 15 Uhr für mich Schluss und ich ziehe in Richtung Parkhaus und mache mich auf die lange Heimfahrt.

Und wie wars?!?
Wie in jedem Jahr war die SPIEL anstrengend, lang, teuer, stressig aber auch lustig, spannend und inspirierend. Ich habe viel gesehen, ungewöhnlich viele Spiele angetestet, mit Leuten geredet, die ähnlich spieleverrückt sind wie und eingekauft, als wären meine Schränke nicht schon voller Brett- und Kartenspiele. Dennoch finden sich immer wieder kleine und auch große Spiele, die ich zuvor nicht auf dem Schirm habe, die mich dann aber doch rasch überzeugen können. Daneben gibt es auch Spiele, die einfach nur auf Grund ihrer Thematik, Ausstattung oder weil sie einfach fürchterlich obskur sind in meine Sammlung wandern – zu entdecken gab es in dieser Hinsicht jedenfalls genug! Ärgerlich, vor allem für die Verlage, waren fehlende Spiele, die noch nicht fertig oder im Transit waren – beispielsweise konnte ein kleiner spanischer Verlag außer ein bisschen Deko und einigen Flyern nichts für die Messe vorweisen. Weniger für die Hersteller, sondern eher für die Besucher war es dagegen schade, wenn bestimmte Produkte bereits am ersten oder zweiten Messetag ausverkauft waren. Obwohl ich es eigentlich besser wissen müsste habe ich auch zu lange gezögert und kein Regelwerk für das Warhammer Fantasy Roleplay mehr bekommen.

Selbst an vier Messetagen war es nicht möglich, auch nur einen Bruchteil der gut 1.400 Neuerscheinungen in Augenschein zu nehmen – daher musste ich mich auf einige ausgewählte Spiele beschränken und mich für den großen Rest mit Flyern und Prospektmaterial eindecken. Auch drei Tage nach der Messe habe ich noch nicht alle Eindrücke verarbeitet und alles gesichtet, was ich aus Essen mitgebracht habe.
Die Organisation der Messe lief, von einem kleinen Schluckauf am Donnerstag morgen abgesehen, sehr reibungslos, auch das Verkehrs- und Parkplatzchaos der letzten Jahre scheint nun endlich im Griff zu sein. Die neue Halle 6 kam bei den Ausstellern vor Ort, zumindest was ich gehört habe, recht gut an. Abschließend möchte ich mich an dieser Stelle nochmals für die Akkreditierung und vor allem für die Einladung zur Preisverleihung beim Friedhelm Merz Verlag bedanken!

Waren in den Vorjahren bestimmte Themen, beispielsweise Einhörner oder Zombies, beherrschend, so gab es in diesem Jahr nicht den EINEN Schwerpunkt. Einzig der Große Alte Cthulhu streckt seine Tentakel verstärkt nach den Besuchern aus. John Kovalic sagte zwar einmal, dass mit Cthulhu alles besser wird, jedoch möchte ich das bei einigen der angebotenen Spiele stark bezweifeln. Es reicht eben doch nicht, ein Tentakelmonster auf das Cover zu drucken um ein gutes Horror-Spiel abzuliefern. Glücklicherweise gibt es jedoch genug Verlage, die mit frischen Ideen und Regelmechanismen aufwarten können, so dass es wohl auch die nächsten Jahre im Bereich der Gesellschaftsspiele nicht langweilig wird. Beinahe völlig in den Hintergrund getreten ist mittlerweile die Kombination von traditionellem Brettspiel und elektronischen Hilfsmitteln via App. Zwar versuchen sich manche Hersteller immer noch daran, doch meist fühlt sich das Zusammenspiel der beiden unterschiedlichen Medien einfach falsch an. Sehr häufig bin ich dagegen auf die Brettspielumsetzung von Computerspielen gestoßen – seien es nun Strategie-Schwergewichte wie Civilization, taktische Spiele wie Jagged Alliance oder Action wie Dark Souls.

Ebenfalls auffällig war, das sich zu den Spielen eine unglaubliche Menge von Sekundärprodukten gesellt hat. Dies fängt bei einfachen Kartenhüllen und Würfelbeuteln an, geht über Spielunterlagen aus Stoff oder Neopren und passgenaue Schachteleinlagen für die unterschiedlichsten Spiele und endet schließlich bei, nach Kundenwünschen, handgefertigten Spieltischen. Diese dürfen dann auch gerne einen höheren vierstelligen Betrag kosten. Wenn ich mich nicht verzählt habe, widmeten sich alleine fünf Aussteller diesen luxuriösen Möbelstücken.

Neben vielen wirklich großartigen Dingen gab es natürlich auch einige Aufreger – im Prinzip die gleichen wie in jedem Jahr. Die Preise der Essens- und Getränkestände waren recht sportlich, aber erfahrene Messebesucher hatten sich daher bereits im Vorfeld in einem der nahegelegenen Supermärkte verproviantiert. Viel schwieriger, da nicht einfach auszublenden, war die Geräuschkulisse in manchen Hallen. Besonders in Halle 2 fielen mir zwei Stände auf, die ihre Umgebung zusätzlich zu dem normalen „Grundrauschen“ der Unterhaltungen und Spielgeräusche noch mit Musik und Karaoke-Einlagen beschallten. Dies erschwerte die Kommunikation an den umliegenden Demotischen zusätzlich und sorgte bei manchem Aussteller für gereizte Stimmung. Sehr schön waren auch diesmal wieder die jungen Mütter (selten Väter) anzusehen, die mit ihren Kinderwagen Rammgeschwindigkeit aufnahmen und rücksichtslos durch die Gänge pflügten. Das der Wagen dabei meist mit Spielen vollgestopft war, vergrößerte lediglich die Durchschlagskraft. Besonders hat mich jedoch das Verhalten einiger Kollegen der schreibenden Zunft geärgert – war dies einfach nur zum Fremdschämen. Die Arroganz und Erwartungshaltung mit denen dem Messepersonal und teils auch den Verlagen gegenübergetreten wurde, war schon bemerkenswert und für mich völlig unverständlich. Glücklicherweise handelt es sich dabei um unrühmliche Ausnahmen und die meisten Aussteller und Besucher gingen rücksichtsvoll miteinander um – zumindest soweit ich das sehen konnte.

Noch ein paar Worte zum Thema „Crowdfunding“
Eigentlich zählt diese Thematik mittlerweile eindeutig zu meinen Aufregern, würde aber den obigen Rahmen sprengen, daher möchte ich mich an dieser Stelle kurz separat dazu äußern.
Viele Verlage, auch solche, die vermutlich nicht mehr darauf angewiesen wären, haben in diesem Jahr die SPIEL lediglich als Plattform genutzt, um für ihre Crowdfunding-Projekte zu werben. Ich persönlich habe den Eindruck, dass viele dieser Spiele mittlerweile darauf setzen potentielle Spieler einfach mit tollen Artworks, einem riesigen Berg Figuren und aggressivem Marketing regelrecht zu erschlagen. Dagegen bleiben Spielprinzip, Hintergrundstory und funktionierende Mechaniken immer häufiger auf der Strecke. Natürlich kann mich dieser Eindruck täuschen, doch nach einigen nahezu unspielbaren Spielen in meiner Sammlung (die aber gut aussehen) bin ich in dieser Hinsicht wesentlich skeptischer geworden. Außerdem möchte ich, wenn ich ein Spiel auf der Messe anteste und es mir gefällt, es auch gerne direkt kaufen. Wenn ich dann zu hören bekomme, dass die Kampagne im nächsten Jahr startet und das Spiel (vielleicht) im übernächsten Jahr ausgeliefert wird, verliere ich sehr schnell den Spaß an der Sache.

Natürlich ist es für eine kleine Verlage eine tolle Sache auf diese Weise ein Projekt finanziert zu bekommen, wenn aber große, etablierte Spielehersteller diesen Weg gehen, kommen mir durchaus Zweifel am Sinn des Ganzen. Nichtsdestotrotz hier eine kleine (und sehr unvollständige) Übersicht über Spiele, die mich interessieren, die aber erst über Kickstarter gefundet werden müssen: Solomon Kane (Late Pledge; Mythic Games), Reich Busters (Mythic Games), The Everrain (Grimlord Games), Extraordinary Adventures: Pirates! (Forbidden Games), Project: ELITE (Cool Mini Or Not), Dark Rituals (Dark Gate Games), Assassin's Creed: Brotherhood of Venice (Triton Noir), Magnate: The First City (Naylor Games), Hard City (Hexy Studio), Jagged Alliance (Underground Games), Monumental (Funforge), Krosmaster Blast (Ankama), Cultiststorm oder auch Machina Arcana.