Mittwoch, 31. Oktober 2018


[Messe] SPIEL '18
25. bis 28. Oktober 2018
Grugahallen, Essen


Im letzten Jahr musste ich meinen Besuch auf der SPIEL aus gesundheitlichen Gründen leider bereits nach nur zwei Tagen abbrechen. Auch in diesem Jahr war es bis Anfang Oktober noch nicht abzusehen, ob ich es wirklich nach Essen schaffen würde. Um für alle Fälle gewappnet zu sein, beantragte ich zumindest ein paar Tage Urlaub bei meiner Chefin, organisierte eine Unterkunft und fragte eine Akkreditierung beim Friedhelm Merz Verlag, den Ausrichtern der Messe, an. Wenige Tage später hatte ich nicht nur meine Pressekarte und den Parkausweis im Briefkasten, sondern auch eine Einladung zur Verleihung des Deutschen Spielepreis 2018! Obwohl ich nun seit ziemlich genau 25 Jahren auf die Messe gehe, beinahe die Hälfte der Zeit als Aussteller oder Pressevertreter, war dies für mich etwas Außergewöhnliches – und der ausschlaggebende Grund doch nach Essen zu fahren.
Obwohl mir nicht übermäßig viel Zeit für die Vorbereitungen blieb, gelang es mir doch, überraschend viele Gesprächstermine bei Verlagen zu organisieren. Dazu kamen noch weitere teils geschäftliche, teils private Verabredungen, so dass ich für die komplette Messe (und die dazugehörigen Abende) ein volles Programm hatte.

Mittwoch, 24. Oktober 2018
Die Reise nach Essen beginnt, so denke ich zumindest, mit genug zeitlichem Puffer um für alle Unwägbarkeiten gewappnet zu sein. Ich komme auch gut voran – zumindest bis ich den Großraum Köln erreiche. Dort geht, wie schon so häufig, nichts mehr und ich schaffe in einer halben Stunden einen gefühlten Kilometer...
Irgendwann habe ich jedoch das Nadelöhr passiert und der Verkehr rollt weiter. Glücklicherweise ist dies auch die einzige nennenswerte Behinderung auf der Strecke – die zahlreichen Baustellen fallen da kaum noch ins Gewicht. Als ich die Grugahallen schließlich erreiche, sind die Türen zur Pressekonferenz schon geöffnet und ich beeile mich, mir einen Platz zu suchen. Neben den harten Zahlen und Fakten rund um die Messe (Ausstellungsfläche: 80.000 qm; Aussteller: 1.150; Neuheiten: ca. 1.4000; erwartete Besucher: ca. 190.000) wird verstärkt auf die wachsende Bedeutung des Spielens für die Gesellschaft eingegangen. Die beständig steigenden Umsatz- und Wachstumszahlen der Branche und die allgemeine Entwicklung der Messe bestätigen dies. Der eigentliche Höhepunkt der Pressekonferenz ist (zumindest für mich) die Verleihung des innoSPIEL, eines Preises, der Autoren und Verlage für innovative Spielkonzepte auszeichnet. Gegen die Mitbewerber hat sich dabei Cool Runnings (Olivier Mahy; Ravensburger) durchgesetzt. In dem Spiel muss der Spieler versuchen seinen Eiswürfel ins Ziel zu bringen bevor er geschmolzen ist, während die Mitspieler wirklich alles daran setzen, dies zu verhindern.
Nach dem Ende der Konferenz setzt sich der ganze Tross in Bewegung, um die Neuheitenschau in Halle 1A in Augenschein zu nehmen. Hier steht überall Verlagspersonal bereit, um die neugierigen Fragen der Besucher zu beantworten. Außerdem ist dies für mich die beste Gelegenheit in Ruhe Fotos zu schießen, ohne das ständig jemand im Weg steht. Vor allem an den Tischen von Pegasus Spiele türmen sich die Neuerscheinungen gradezu – was es schwierig macht, alle Spiele ausreichend zu berücksichtigen. Da am Messestand in der Halle erfahrungsgemäß riesiges Gedränge herrscht, nutze ich die Gunst der Stunde um mich hier über einige der zahlreichen Neuerscheinungen zu informieren. Die Rollenspielprodukte zu 7te See, Shadowrun und Cthulhu schaue ich mir allerdings lieber im Laden meines Vertrauens an. Die schon obligatorischen Erweiterungen der Munchkin-Reihe ignoriere ich für den Moment ebenfalls. Viel interessanter ist dagegen das Tower-Defense-Spiel Castle Rampage, bei dem zwei Spieler versuchen, die gegnerische Burg zu erobern. Sieht hübsch aus, spielt sich schnell und auch die Anschaffungskosten halten sich einem überschaubaren Rahmen. Thematisch bietet Adventure Island nichts Neues, allerdings ist der Spielablauf dieses kooperativen Survival-Spiels recht originell. Das Spielziel (und die Hintergrundgeschichte) entwickeln sich erst im Spielverlauf und sollten für einige spannende Runden sorgen – in denen sich die Spieler zudem verbessern können. Zusammen mit der gelungenen Standdeko sicherlich eines der auffälligsten Spiele in der Neuheitenschau.
Besonders neugierig bin ich auf Talisman – Legendäre Abenteuer, eine Einsteigerversion des Klassikers für jüngere Spieler. Das Original war mein erstes Fantasy-Spiel und dürfte für meine spielerische Entwicklung prägend gewesen sein. Diese Version folgt dagegen einem kooperativen Ansatz und lässt das Spielbrett erst nach und nach entstehen. Auf den ersten Blick nicht uninteressant – aber nicht vergleichbar mit dem Original. Dennoch werde ich es bei Gelegenheit genauer in Augenschein nehmen.
Asmodee (und die zahlreichen Verlage unter ihrem Dach) haben zwar auch kleine, unscheinbare Spiele im Programm, doch sind es die großen Brocken, die die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich ziehen. Unter der Last des aufgebauten Materials biegen sich die Tische geradezu: Zombicide, Massive Darkness, Rising Sun oder die verschiedenen Star Wars-Titel mit ihren jeweiligen Erweiterungen nehmen viel Platz ein und zeichnen sich vor allem durch ihren exzessiven Figureneinsatz aus.

Ich notiere mir das eine oder andere Spiel für später, verlasse dann aber bald die Neuheitenschau. Bis zu meinem ersten Termin ist noch ein wenig Zeit und ich möchte mich vor dem eigentlichen Messestart noch ein wenig orientieren. Während sich in den Hallen 1, 2 und 3 im Vergleich zum letzten Jahr relativ wenig getan hat, sind die Hallen 4 und 5 komplett neu strukturiert, die Halle 6 ist gar ganz neu hinzu gekommen ist. Die meisten Aussteller sind noch schwer mit dem Aufbau beschäftigt, daher fasse ich mich kurz und beschränke mich meist nur auf eine kurze Begrüßung.
Bald geht es wieder zurück in Halle 3, wo Amigo Spiele zum Antesten ihrer Neuheiten geladen haben. Ein paar der Spiele habe ich bereits rezensiert, andere wiederum sehe ich hier zum ersten Mal live vor mir. Eine Runde des Schnick-Spiels ICECOOL 2 endet in einem Debakel – die Pinguine fliegen in alle Richtungen, nur nicht dahin, wo ich sie hin haben will. Damit qualifiziere ich mich sicherlich nicht für den Trip in die Antarktis, der für den besten Trick-Shot ausgelobt ist, aber immerhin haben die Umstehenden etwas zu lachen. Auch das Legespiel 3x8 schaue ich mir etwas genauer an – allerdings verbringe ich die meiste Zeit damit mich zu unterhalten.
Bei einer weiteren Runde durch die Hallen mache ich mir fleißig Notizen und entdecke einige vielversprechende Neuheiten, die ich mir später genauer anschauen will. Doch schließlich muss ich mich auf den Weg in meine Unterkunft nach Oberhausen machen und mich auf das eigentliche Highlight des Tages vorbereiten.

Zwei Stunden später stehe ich, frisch geduscht und im Anzug, erneut in der Grugahalle, wieder vor dem Saal Europa. Dort hat sich alles versammelt, was in der Brettspielszene Rang und Namen hat: Autoren, Lektoren, Redakteure und Verlagsleute. Auch einige Schreiberlinge wie ich sind zu diesem Ereignis eingeladen. Nach den einleitenden Worten beginnt die eigentliche Ehrung der nominierten und ausgezeichneten Spiele: Azul (SpielePreis von Michael Kiesling; Next Move/Pegasus Spiele) und Memoarrr! (KinderspielePreis von Carlo Bortolini; Edition Spielwiese/Pegasus Spiele) können sich über die diesjährigen Preise freuen. Eine vollständige Übersicht aller nominierten Spiele findet sich auf der Homepage des Friedhelm Merz Verlages. Der Abschluss (und auch emotionalen Höhepunkt) der Ehrungen war jedoch der Verabschiedung des langjährigen Amigo-Redakteurs Uwe Mölter in den Ruhestand vorbehalten – an dessen Tisch ich eher zufällig landete. Nach dem Ende der Preisverleihung beginnt der „gemütliche“ Teil des Abends mit einem gemeinsamen Essen. Schon bald löst sich die recht starre Sitzordnung auf und es ergeben sich einige sehr interessante Gespräche auf dem Weg zum Buffet oder einfach zwischen den Tischen.
Meine Kondition lässt jedoch nach kurzer Zeit spürbar nach und obwohl ich gerne noch ein wenig geblieben wäre, mache ich auf den Rückweg nach Oberhausen. Hier sortiere ich meine Unterlagen, gehe die Notizen durch und lege noch einige Dinge für den ersten Messetag bereit, bevor ich zügig wegdämmere.

Donnerstag 25. Oktober 2018
Die offizielle Eröffnung der Messe steht kurz bevor und der Trend der letzten Jahre setzt sich auch diesmal ungebremst fort: Donnerstag ist der Tag der Schnäppchenjäger! Schon seit einer guten Stunde drängen sich die Besucher vor den vier Eingängen – ausgestattet mit Unmengen leerer Taschen, Trolleys oder gar Bollerwagen. Ich kann glücklicherweise durch einen Seiteneingang ein paar Minuten früher in die Halle und mir das Spektakel in aller Ruhe von der anderen Seite anschauen. Mit dem Öffnen der Türen wälzt sich die Masse in die Halle und bei einigen der Spielwütigen habe ich den Eindruck, dass sie ums nackte Überleben rennen! Da werden langsamere Besucher rücksichtslos zur Seite gedrückt oder ungünstig platzierte Standdeko rüde mit dem Rucksack abgeräumt. Ich bringe mich in einem der Stände in Sicherheit und warte den ersten Ansturm ab.
Schließlich reihe ich mich auch irgendwann mit in den Besucherstrom ein und lasse mich in Richtung der Galleria treiben. Bis zu meinem ersten Termin bleibt mir noch ein wenig Zeit, so dass ich zuerst meine alljährliche Begrüßungsrunde drehe. Die meisten meiner Bekannten sind mit ihren Verlagen in der neu eröffneten Halle 6 untergekommen. Hier sind in diesem Jahr (fast) alle Aussteller versammelt, die irgendwie mit Tabletops, Rollenspielen, LARP oder Comics zu tun haben. Nachdem ich erfolgreich einige Hände geschüttelt und die obligatorischen Gummibären (in diesem Jahr in Totenkopf-Form mit Chili) verteilt habe, arbeite ich mich langsam wieder zurück in Halle 3. Dort erwartet mich bei Schmidt Spiele der erste offizielle Termin des Tages. Neben ein wenig Smalltalk bekomme ich einen ausführlichen Überblick über die Herbst-Neuheiten. Kinderspiele wie König Grummelbart, Der blubbernde Hexenkessel oder Pfannkuchenparty sind für mich dabei naturgemäß nicht ganz so spannend. Dafür interessiert mich Forbidden Sky umso mehr! Bei dem kooperativen Spiel gilt es mit einer Rakete eine, dem Untergang geweihte, fliegende Stadt zu verlassen. Dazu müssen die Spieler jedoch erst die Rakete startbereit machen, Schaltkreise legen und schließlich das Raumschiff zu erreichen – ohne dabei vom Blitz getroffen oder vom Wind aus der Stadt geweht zu werden. Unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und Charaktere mit verschiedenen Fähigkeiten dürften die Flucht nicht langweilig werden lassen. In eine völlig andere Richtung geht dagegen Top Secret - ein nonverbales Kommunikationsspiel, bei dem sich Teams von Agenten zu konspirativen Treffen verabreden. Das Testspiel zu zweit war relativ reizlos – in großer Runde mit acht Spieler sollte es allerdings gut funktionieren. Wie in jedem Jahr, so gibt es auch 2018 wieder Zuwachs für die Carcassone-Reihe. In Safari sind die Spieler auf der Such nach seltenen Tieren (um diese zu fotografieren). Das grundlegende Spielprinzip wird dabei ein wenig abgewandelt und mit einer neuen Thematik versehen, ist aber eindeutig zu identifizieren. Ein Würfelspiel darf, mit Knapp daneben!, auch in diesem Jahr nicht fehlen. Hier müssen aufeinander folgende Zahlen erwürfelt werden – wobei ich mich dabei als gänzlich unfähig erwiesen habe.

Nach diesem, doch recht ausführlichen, Termin muss ich mich beeilen rechtzeitig in den Saal Europa zu kommen, wo Asmodee zur Spielepräsentation geladen haben. Ein Blick auf die Tische lässt mich schnell eine Entscheidung treffen – zuerst muss es eine Runde Discover sein - „das erste Unique Game der Welt!“, wie es im Begleittext steht. Im Endeffekte bedeutet dies, dass sich jede Packung in ihrem Inhalt unterscheidet, sei es durch Missionen, Bodenplättchen oder Charaktere. Das Spiel selbst dreht sich um eine Gruppe von Charakteren, die auf einer einsamen Insel gelandet sind und diese erforschen müssen. Das Spiel- oder Szenarienziel ist anfangs unbekannt und die Spieler müssen sich darauf konzentrieren, Holz und Nahrung zu finden um zu überleben. Dem ersten Eindruck nach ein ausgesprochen interessantes Spiel mit einigen neuen Einfällen. Ebenfalls auf meiner Must-See-Liste steht Nyctophobia, das ich zwei Tische weiter antesten kann. Bis zu vier Spieler tappen hier im finsteren Wald (simuliert durch undurchsichtige Brillen) herum und müssen sich durch Tasten und Absprachen einen Weg in Sicherheit bahnen. Erschwert wird die Angelegenheit durch einen weiteren Spieler, der die Rolle des irren Axtmörders übernimmt – und der sieht, was die Mitspieler tun. Thematisch und optisch ein weiteres Highlight für mich, auch der erste Test macht Lust auf mehr. KeyForge, das neue Kartenspiel von Richard Garfield, hätte ich mir gerne angeschaut, doch leider war der Andrang hier recht groß und ich hatte keine Zeit mehr.
Also verabschiedete ich mich nach einem weiteren kurzen Rundgang und machte mich auf den Weg zum moses.-Verlag. Neben der schon obligatorischen Fortsetzung der black stories-Serie, diesmal mit einer Sebastian Fitzek-Edition, gibt es mit black stories – Das mörderische Drehbuch auch ein etwas verändertes Konzept. Ausgehend von einer bestimmten Szene müssen die Spieler nach und nach die Entwicklung des Krimi-Drehbuches erraten. Außerdem legt mir meine Gesprächspartnerin Schaben jagen ans Herz. In diesem Solo-Spiel stehen dem Spieler eine gewisse Anzahl an Bewegungskarten zur Verfügung, mit denen er alle Schaben auf dem Spielbrett entweder einsaugen oder zertreten muss. Kniffelige Gehirnakrobatik mit einem erheblichen Suchtpotential bei minimalem Regelaufwand – ein wirklich gelungenes, kleines Spiel! Dazu kommen wieder einige sehr vielversprechende Quiz- und Ratespiele, allerdings beschränke ich mich hier auf ein wenig Prospektmaterial.
Damit endet für mich der offizielle Teil des ersten richtigen Messetages und ich versuche noch einige Dinge von meiner Einkaufsliste zu erledigen. Ein Freund von mir ist großer Terraforming Mars-Fan und der Schwerkraft Verlag hat für die Messe eine neue Erweiterung und drei Promokarten im Gepäck. Außerdem möchte ich ein Auge auf das Bücher-Sammel-Spiel Ex Libris werfen – daher reihe ich mich geduldig in die lange Schlange ein. Als ich endlich an der Reihe bin erfahre ich, dass die Promokarten erst im Laufe des späteren Nachmittag geliefert werden und Ex Libris noch irgendwo im Container im Bauch eines Schiffes liegt. Ärgerlich, aber immerhin kann ich die Spielerweiterung mitnehmen.
Es ist zwar schon relativ spät, aber ein paar Stände stehen noch auf meinem Programm, beispielsweise Voodoo Games. Isles of Terror befindet sich noch in Produktion, immerhin hat der Verlag mit Flautz! eine Neuheit im Gepäck. Für eine Demo-Runde reicht meine Zeit leider nicht, dennoch lasse ich mir das kleine, schnelle Kartenspiel in Grundzügen erklären. Vor allem die putzigen Grafiken haben es mir dabei angetan. Die Tabletop-Schmiede Freebooter Miniatures haben ihrem Piraten-Skirmish nach über acht Jahren und ebenso vielen Ergänzungsbänden eine Generalüberholung verpasst. Freebooter's Fate #2 bringt ein wenig Ordnung in die Regeln, räumt Unstimmigkeiten aus und macht das Spielgeschehen ein wenig flüssiger. Nach wie vor eines meiner liebsten Tabletops – wobei ich es leider viel zu selten spiele! Erst vor kurzem habe ich Warhammer Underworlds von Games Workshop für mich entdeckt. Da trifft es sich gut, dass der britische Tabletop-Riese vor Ort ist und, unter anderem, Nightvault vorstellt. Die Box bringt neben zwei neuen Truppen auch Magieregeln und ein leicht verändertes Setting mit, spielt sich aber noch genau so flüssig wie der Vorgänger.
Die Messe hat zwar noch bis 19 Uhr geöffnet, doch für mich drängt mittlerweile die Zeit, da ich noch ein Treffen in Oberhausen habe. Die Fahrt gestaltet sich zäher als erwartet, und für die 15 km benötige ich beinahe ein Stunde. So bleibt mir nur wenig Zeit, meine Beute zu verstauen und mich ins CentrO zu begeben – wo ich den Tag bei Schnitzel und Pfannkuchen ausklingen lasse.

Freitag, 26. Oktober 2018
Nach einer viel zu kurzen, unruhigen Nacht mache ich noch einen kurzen Abstecher in den örtlichen Supermarkt um meine Vorräte aufzufüllen. Sowohl der Verkehr als auch die Besucherschlangen halten sich heute aber glücklicherweise in einem unüberschaubaren Rahmen. Zudem läuft das Betreten der Halle deutlich gesitteter ab – die Besucher sind an diesem Tag viel entspannter und das Hallenpersonal eingespielt.

Bevor mir irgend etwas anderes dazwischen kommt, besorge ich die Promokarten beim Schwerkraft Verlag; auch bei Fat Fox Games schaue ich kurz vorbei und hole mir die Erweiterung zum, nicht ganz geschmackssicheren, Kartenspiel Don't Drop the Soap. Und ein letzter Kartenpack steht noch auf meiner Liste – die kostenlose Erweiterung zu Kampf gegen das Spießertum von Kampfhummel Spiele. Den angebotenen Schnaps lehne ich dankend ab – ich habe vom Rum-Tasting des vergangenen Tages noch genug. Ein bisschen Zeit bleibt mir noch, daher schaue ich mir die Neuveröffentlichungen der Redaktion Phantastik kurz an. Vor allem das neue Abenteuer Dreadnought für das viktorianische Detektivrollenspiel Private Eye hat es mir angetan. Nachdem ich mir noch die eine oder Kleinigkeit gekauft habe, wird es Zeit für meinen Termin bei Asmodee, die sich in wenigen Jahren von einer winzigen Klitsche zu einem internationalen Branchen-Schwergewicht entwickelt haben. Beinahe die Hälfte der Halle 1 wird von den Verkaufs- und Demoständen des Verlages eingenommen, hinzu kommen weitere Tochter-Verlage, beispielsweise Repos oder Days of Wonder, die traditionell in Halle 3 untergebracht sind. Da ich die Neuheiten schon am Donnerstag in Augenschein nehmen konnte, dreht es sich bei diesem Gespräch eher um Kontaktpflege, das Feedback zu den Neuerscheinungen und den Ausblick auf die kommenden Entwicklungen. Ich mag solche Unterhaltungen sehr, ermöglichen sie mir doch einen tieferen Einblick hinter die Kulissen der Spieleindustrie.
Zum Glück sind es nur ein paar Schritte, bis ich bei Abacusspiele am Stand stehe und bei meinem nächsten Termin bin. Wichtig sind mir hier vor allem drei der Neuheiten, die ich etwas ausführlicher in Augenschein nehmen kann. Die Anno Domini-Reihe erhält mit den Kuriositäten einen neuen Ableger – bei denen die Spieler allerlei obskure historische Ereignisse in die richtige Reihenfolge bringen müssen. Die Serie gehört eindeutig zu meinen Lieblingen und ich freue mich über jede Neuerscheinung – leider teilen meine Mitspieler diesen Enthusiasmus in der Regel nicht. Mit Deckscape – Das Geheimnis von Eldorado liegt bereits der vierte Teil dieses Escape-Room-Kartenspiels vor. Hier gilt es wieder eine ganze Reihe von Aufgaben zu lösen - diesmal fernab der Zivilisation im südamerikanischen Dschungel. Die dritte Neuerscheinung auf meinem Zettel ist deutlich umfangreicher als die beiden anderen Spiele. Als Bauherren müssen die Spieler die City of Rome wieder aufbauen und dabei gleichzeitig auf Ruhm, Geld und politischen Einfluss achten. Ein hübsches, taktisches Spiel, das den Spielern viele Optionen bietet.
Bei Amigo habe ich schon am Mittwoch einige neue Spiele ausprobiert, daher steht auch bei diesem Treffen eher der persönliche Austausch im Vordergrund. Ich finde es wichtig, den Personen, mit denen ich das ganze Jahr über per Mail kommuniziere, ganz normal am Tisch gegenüber zu sitzen und zwanglos zu reden. Allerdings kommen dann doch noch zwei Spiele auf den Tisch, die ich gar nicht richtig auf dem Schirm hatte. Lighthouse Run ist dabei ein klassisches Rennspiel, bei dem es darum geht, mit den eigenen Schiffen den sicheren Hafen zu erreichen, bevor der Sturm losbricht. Was ich im ersten Moment als reines Kinderspiel abgetan habe, entpuppt sich als durchaus taktisch anspruchsvoll. In Lifestyle, einer Mischung aus Karten- und Würfelspiel, geht es dagegen darum, möglichst lohnende Prestigeobjekte zu sammeln. Ein recht nettes Spiel für zwischendurch, mit ein wenig Anspruch und nicht so glücksabhängig, wie es der erste Eindruck vermuten lässt.
Schon auf der Neuheitenschau hat mich die Standdeko von Game Factory angesprochen. Und da ich grade ein wenig Zeit habe und in der Nähe bin, lasse ich mir Frantic erklären – eine Art Mau-Mau mit extrem verschärften Regeln. Sicherlich nicht für jede Spielrunde geeignet, aber sehr böse und schnell! Bereits im letzten Jahr fand ich 13 Indizien, seinerzeit noch in der englischen Version, recht spannend. Nun legt der Verlag zur Messe die deutsche Version des Deduktionsspiels vor, bei dem jeder Spieler ein Verbrechen aufklären muss. Thematisch und optisch sehr schön umgesetzt, auch spielerisch wirkt die Mödersuche recht vielversprechend. Ein kurzer Plausch mit Autor Andrés J. Voicu, der zufällig ebenfalls grade vor Ort ist, rundet den guten Gesamteindruck ab.

Es bleibt mir noch ein wenig Zeit, mich meinen eigentlichen Vorlieben, Tabletop- und Rollenspielen, zu widmen. Dazu geht es wieder zurück in Halle 6 und beinahe ohne Umweg zum geteilten Stand von Uhrwerk und Modiphius, die mittlerweile über ein sehr umfangreiches Sortiment verfügen. Skirmish-Spiele wie Achtung! Cthulhu, Fallout (basierend auf der Computerspiel-Serie) und Wild West Exodus lassen meine Hand kurz zum Geldbeutel zucken – aber eigentlich habe ich genug unbemaltes Zinn und Plastik in den Schränken stehen. Ein paar Blister müssen es dann doch sein – ebenso wie der neue Abenteuerband für das Weird-War-Rollenspiel. Gegenüber an einem eigenen Stand wird das verlagseigene Rollenspiel Splittermond mit seinen zahlreichen Neuerscheinungen präsentiert. Obwohl ich das System durchaus reizvoll finde mangelt es mir jedoch an Spielern und nach einem kurzen Schwatz mit dem Standpersonal ziehe ich weiter.
Auch ein Besuch bei LuPri gehört für mich zum Pflichprogramm. Nach längerer Durststrecke hat Lutz Stepponat mit Zockende Zauberer endlich wieder ein kleines Spiel veröffentlicht. Passend dazu erscheint auch sein Kabale und Hiebe in einer überarbeiteten Version mit einigen neuen Karten. Nach einer schnellen Einführungsrunde lasse ich mir mein Exemplar signieren und mache mich wieder auf den Weg.
Nach einem desaströsen Crowdfunding war das Weird-War-Tabletop DUST eigentlich so gut wie tot – daher überraschte es mich im letzten Jahr einen entsprechenden Stand zu sehen. In diesem Jahr wurden hier sogar neue Produkte präsentiert, einschließlich einer komplett neuen Fraktion mit Cthulhu-Kultisten. Die Arbeiten an einem neuen Regelwerk (auch in deutscher Sprache) schreiten langsam voran und sollen Anfang 2019 abgeschlossen sein. Zumindest die Figuren und das wirklich sehr stimmige Gelände machen einen guten Eindruck und lassen auf einen gelungenen Neustart hoffen. Sicherlich eines der Spiele, die ich künftig wieder mehr im Auge behalten muss.
Die Comic Action hat in diesem Jahr mit dem großen Verlagsstand von Panini wieder einen Fixpunkt, um den sich einige Händler und Illustratoren sammeln können. Dennoch stellt sich mir natürlich die Frage, ob die Integration von Comics in die SPIEL noch ihre Berechtigung hat. Zahlreiche ComicCons, verteilt über die ganze Republik, richten sich gezielt an Freunde der bunten Bildergeschichten und ziehen entsprechend Verlage und Künstler an. Zumal mit der CCXP Cologne im nächsten Jahr noch eine weitere groß angelegte Convention um die Gunst des Publikums buhlen wird. Das hindert mich allerdings nicht daran, noch einige Lücken in meiner Sammlung zu schließen.

Nach weiteren kurzen Zwischenstopps arbeite ich mich langsam in Richtung Parkhaus vor – auch heute Abend habe ich noch Programm. Der Feierabendverkehr auf dem Weg nach Oberhausen fließt zäh und kommt stellenweise ganz zum Erliegen. So bleibt mir wenig Zeit, meine Errungenschaften zu sichern, auch das Abendessen muss ausfallen. Glücklicherweise ist mir noch ein Müsli-Riegel geblieben, den ich auf dem Weg zum Kulttempel mümmele. Die Kammer machen dort auf ihrer Release-Tour zum aktuellen Album Station und Auftritte der achtköpfigen Band sind immer ein Erlebnis!

Samstag, 27. Oktober 2018
Ich bin müde, ein wenig verkatert, Füße und Rücken schmerzen – optimale Voraussetzungen für den härtesten Messetag! Das ganze große Gedränge bleibt diesmal jedoch überraschend aus; sowohl die Verkehrsplanung als auch der zusätzliche Eingang sorgen dafür, dass sich die zahlreichen Besucher etwas besser verteilen.

In den letzten drei Tagen konnte ich mir einen, zumindest groben, Überblick über die Spiele verschaffen, den ich nun etwas vertiefen will – einige vielversprechende Kandidaten habe ich noch auf der Liste. Recht prominent in Halle 6, direkt am Eingang, liegt der Stand für das Trading-Card-Game Warhammer: Champions. Während der kurzen Einführungsrunde wird jedoch schnell klar, dass auch dieses Sammelkartenspiel nichts für mich ist. Direkt dahinter haben Knight Models ihren Stand und stellen ihre drei Skirmish-Tabletops vor. Sowohl das DC Universe Miniature Game als auch das Batman Miniature Game konzentrieren sich auf das Zusammentreffen kleiner Gruppen von Superhelden und -schurken. Ganz neu hinzu gekommen ist das Harry Potter Miniatures Adventure Game, bei dem die Romanfiguren aufeinander treffen. Zumindest das letztere wollte ich mir eigentlich genauer anschauen, doch sowohl die Präsentation als auch die Erklärungen des Standpersonals lassen deutlich zu wünschen übrig. Erschwerend kommt hinzu, dass an dem Stand nichts verkauft wird, lediglich einen Gutschein für den Online-Shop des Herstellers gibt es. Grade bei solch dicken Lizenz-Brocken habe ich doch wesentlich größere Erwartungen!
Besser machen es dagegen Games Workshop aus Nottingham, die in diesem Jahr ihre Präsenz deutlich verstärkt haben. Neben Demotischen für alle ihre Spielsysteme gibt es eine umfangreiche Produktauswahl, vieles davon nicht in Läden erhältlich, und die Möglichkeit unter fachkundiger Anleitung Space Marines zu bemalen. Offensichtlich hat die Firma aus den Fehlern vergangener Jahre gelernt und macht nun vieles richtig.
Ebenfalls aus Nottingham kommen Warlord Games, deren Stand in diesem Jahr etwas kleiner ausgefallen ist. Das Seeschlacht-System Cruel Seas ist nicht mehr rechtzeitig zur Messe fertig geworden, aber mit Blood Red Skies, Konflikt '47 und der neuen Auflage von Black Powder gibt es hier auch genug zu sehen. Dazu gesellen sich Figuren für das Doctor Who-Tabletop und eine umfangreiche Auswahl an Kunststoff-Miniaturen für zahlreichen Epochen und Genres.
War der mächtige Stand von Ulisses Spiele über viele Jahre hinweg einer der Fixpunkte in Halle 2, so ist davon nach der Umstrukturierung des Verlages nicht mehr viel geblieben. In erster Linie konzentrieren sich die Waldemser auf ihr Rollenspiel-Flaggschiff Das Schwarze Auge und verschiedene kleinere Rollenspiel-Crowdfundings, daneben gibt es noch einige Grabbelkisten mit Resten aus dem Lager.
Neben ihrem Fantasy-Football-Skirmish-Tabletop Guildball bauen Steamforged Games ihr Brettspiel-Portfolio weiter aus. Die Brettspiel-Umsetzung des Computerspiels zu Dark Souls ist fertig und im Handel, auf Resident Evil 2 müssen die Spieler noch ein wenig warten, obwohl es auf der Messe die Möglichkeit gab, die fertige Version ausgiebig zu testen. Zudem wurden „Late Pledges“ für die Kickstarter-Kampagnen für Godtear und Horizon eifrig beworben. Beide Spiele sahen für mich jetzt allerdings nicht übermäßig spannend aus – wahrscheinlich habe ich einfach schon zu viele Spiele dieser Art gesehen.
Zwischendurch habe ich noch einen längeren Termin bei Iello, die wie gewohnt mit ihren Neuveröffentlichungen klotzen und nicht kleckern. Ins Auge fällt dabei vor allem das Wikinger-Spiel Raids, bei dem ein Drachenboot am Stand steht und die Spieleerklärer Helme mit leuchtenden Hörnern tragen. Die Spieler ziehen ihre Schiffe zu verschiedenen Orten, plündern, handeln oder vollbringen Heldentaten um Punkte zu kassieren. Vor allem der Zugmechanismus hat mir hier recht gut gefallen – dagegen kann ich mit der Wikingerthematik wenig anfangen.
Downforce erkennt man dagegen sofort an dem Berg Reifen, der in der Demofläche liegt. In dieser Mischung aus Renn-, Strategie- und Wettspiel müssen die Spieler ihre Formel-1-Bolliden durch einen Parcours bringen, aber auch die anderen Aspekte eines erfolgreichen Rennstalls nicht vernachlässigen – ein hübsches Strategiespiel! Mein Favorit am Stand ist allerdings 8Bit Box – ein liebevoll gestaltetes Brettspiel, dass die großen Computer- und Konsolenspiele der 1980er auf den heimischen Spieltisch bringt, einschließlich pixeliger Grafik. Die drei bisher erschienenen „Spiel-Module“ ermöglichen es den Spielern, eine Figur durch ein Labyrinth zu hetzen, an Olympischen Spielen teilzunehmen oder sich mit Raumgleitern Rennen zu liefern. Weitere Module sollen in den nächsten Monaten folgen. Außerdem habe ich noch die Möglichkeit einen kurzen Blick auf demnächst erscheinende Neuheiten, beispielsweise Erweiterungen für King of Tokyo oder Bunny Kingdom, zu werfen.
Mittlerweile ist es spät geworden und das Messeende wurde eingeläutet. Zumindest an diesem Tag halte ich jedoch (gezwungenermaßen) bis zum Toresschluss um 19 Uhr durch, da ich anschließend noch auf die Release-Party eines kleinen Tabletop-Verlags eingeladen bin.
Die Fahrt in einen Vorort von Essen ist erstaunlich stressfrei - die Parkplatzsuche rund um das Diner dagegen eine Katastrophe. Dafür entschädigt jedoch der wirklich sehr gute Burger und die lockere, urige Atmosphäre. Die Runde ist ausgelassen, laut und die Themen drehen sich um alle möglichen Dinge – außer um Spiele. Eine sehr angenehme Art, den vorletzten Messetag abzuschließen.

Sonntag, 28. Oktober 2018
Den letzten Messetag habe ich (beinahe) zur freien Verfügung; lediglich ein Gespräch steht noch auf dem Programm. So bleibt mir genug Zeit, mich in aller Ruhe umzuschauen und noch ein bisschen Geld unters Volk zu bringen. Manche Händler haben am Sonntag tatsächlich die Preise noch einmal reduziert und diesen Umstand nutze ich entsprechend aus. Um das eine oder andere Spiel schleiche ich schon seit Tagen herum, nun wandert es schließlich doch in meine Tasche. Mittlerweile haben mich noch einige Bestellungen aus meinem Bekanntenkreis erreicht. So besorge ich beispielsweise einen Berg Würfel, eine Flasche Sekundenkleber und einige Miniaturen. Bei zwei uralten Spielen scheitere ich dagegen kläglich – der umfangreiche Spieleflohmarkt der vergangenen Jahre ist bis auf wenige Stände mit Raritäten verschwunden. Immerhin bleibt mir so die Zeit, mich ausführlich mit den Hallen 4 und 5 zu beschäftigen, die ich bislang nur im Schnelldurchlauf erkundet hatte. Tatsächlich finden sich hier erstaunlich viele kleine Verlage mit opulent ausgestatteten Brettspiele, die auch nach kurzen Testspielen einen soliden Eindruck machen. Jedoch höre ich mehr als einmal den Satz „Soon on Kickstarter!“, was meine Laune nicht unbedingt hebt.
Bei Osprey Games dagegen ist alles, was auf den Tischen steht, erhältlich, oder war es zumindest – einige Sachen sind bereits ausverkauft. Schon in der Neuheitenschau habe ich vor Wildlands gestanden, einem Mischung aus Tabletop und Dungeon-Crawler, in dem jeder Spieler fünf Figuren durch ein Verlies steuert, dabei Siegpunkte sammelt und im Idealfall die Miniaturen seiner Mitspieler abräumt. Grafisch nicht wirklich anspruchsvoll, aber dafür mit spannendem Gameplay zeigt sich Cryptid, bei dem die Spieler als Cryptozoologen auf der Suche nach einer legendären Kreatur sind. Ein sehr strategisches, komplexes (nicht kompliziertes) Deduktionsspiel, das sicherlich in absehbarer Zeit in meiner Sammlung landen wird.
Um den Stand von Kosmos habe ich in den letzten Tagen nach Möglichkeit einen großen Bogen gemacht, hat sich der Besucherstrom hier doch regelmäßig gestaut. Mittlerweile ist die Lage etwas entspannter und ich werfe einen Blick auf die Neuerscheinungen. Mit Exit Kids – Code Breaker, Exit – Die Katakomben des Grauens und Exit – Das Buch wird die Serie der Escape-Room-Spiele deutlich aufgestockt. Auch Catan bekommt mit Der Aufstieg der Inka neuen Zuwachs. Das Spiel nutzt die klassischen Merkmale der Serie, bringt aber mit dem Untergang der eigenen Zivilisation ein neues Element hinzu – zumindest auf den ersten Blick nicht uninteressant. Das kooperative Würfelspiel Roll for Adventure und eine Erweiterung für Die Legenden von Andor sorgen dafür, dass der Fantasy-Bezug im Verlagsprogramm nicht zu kurz kommt.
Mehrfach habe ich schon am Stand von Monolith Editions gestanden um mir die Spiele genauer anzuschauen, doch herrschte auch hier immer großer Andrang. Nun ist die Situation übersichtlicher und ich nehme auf einem der freien Stühle Platz um mir Solomon Kane erklären zu lassen – ein Brettspiel um meinen liebsten puritanischen Fanatiker. Die Figur wird dabei nicht direkt von den Spielern gesteuert, stattdessen übernehmen diese die Rolle von Tugenden und lenken die Geschicke des Helden. Eine interessante Mechanik, tolle Figuren, finsteres Artwork und eine ausgesprochen umfangreiche Ausstattung – ich kann tatsächlich noch bei der Crowdfunding-Kampagne mitmachen. Auch das zweite Spiel, dass hier präsentiert wird spricht mich optisch und thematisch direkt an. Reich Busters schickt eine kleine, tapfere Truppe alliierter Spezialisten auf Missionen gegen finstere Nazischergen – mit Zombies, Mutantenmonstern und außerirdischer Technologie. Dabei werden die Konzepte mehrerer, von mir sehr geschätzter Computerspiele genutzt. Auf meine Frage nach einem Veröffentlichungstermin werde ich auf den Kickstarter verwiesen, der Ende November starten soll. Eigentlich würde ich jetzt gerne in eine Tischplatte beißen, aber ich kann mich beherrschen.
Mittlerweile ist es früher Nachmittag und ich bin nicht mehr wirklich aufnahmefähig! Dennoch begebe ich mich auf eine letzte Runde durch die Hallen, in erster Linie um mich bei meinen Freunden und Bekannten zu verabschieden. Dass ich dabei noch den einen oder anderen Impulskauf tätige versteht sich beinahe von selbst. Letzten Endes ist aber gegen 15 Uhr für mich Schluss und ich ziehe in Richtung Parkhaus und mache mich auf die lange Heimfahrt.

Und wie wars?!?
Wie in jedem Jahr war die SPIEL anstrengend, lang, teuer, stressig aber auch lustig, spannend und inspirierend. Ich habe viel gesehen, ungewöhnlich viele Spiele angetestet, mit Leuten geredet, die ähnlich spieleverrückt sind wie und eingekauft, als wären meine Schränke nicht schon voller Brett- und Kartenspiele. Dennoch finden sich immer wieder kleine und auch große Spiele, die ich zuvor nicht auf dem Schirm habe, die mich dann aber doch rasch überzeugen können. Daneben gibt es auch Spiele, die einfach nur auf Grund ihrer Thematik, Ausstattung oder weil sie einfach fürchterlich obskur sind in meine Sammlung wandern – zu entdecken gab es in dieser Hinsicht jedenfalls genug! Ärgerlich, vor allem für die Verlage, waren fehlende Spiele, die noch nicht fertig oder im Transit waren – beispielsweise konnte ein kleiner spanischer Verlag außer ein bisschen Deko und einigen Flyern nichts für die Messe vorweisen. Weniger für die Hersteller, sondern eher für die Besucher war es dagegen schade, wenn bestimmte Produkte bereits am ersten oder zweiten Messetag ausverkauft waren. Obwohl ich es eigentlich besser wissen müsste habe ich auch zu lange gezögert und kein Regelwerk für das Warhammer Fantasy Roleplay mehr bekommen.

Selbst an vier Messetagen war es nicht möglich, auch nur einen Bruchteil der gut 1.400 Neuerscheinungen in Augenschein zu nehmen – daher musste ich mich auf einige ausgewählte Spiele beschränken und mich für den großen Rest mit Flyern und Prospektmaterial eindecken. Auch drei Tage nach der Messe habe ich noch nicht alle Eindrücke verarbeitet und alles gesichtet, was ich aus Essen mitgebracht habe.
Die Organisation der Messe lief, von einem kleinen Schluckauf am Donnerstag morgen abgesehen, sehr reibungslos, auch das Verkehrs- und Parkplatzchaos der letzten Jahre scheint nun endlich im Griff zu sein. Die neue Halle 6 kam bei den Ausstellern vor Ort, zumindest was ich gehört habe, recht gut an. Abschließend möchte ich mich an dieser Stelle nochmals für die Akkreditierung und vor allem für die Einladung zur Preisverleihung beim Friedhelm Merz Verlag bedanken!

Waren in den Vorjahren bestimmte Themen, beispielsweise Einhörner oder Zombies, beherrschend, so gab es in diesem Jahr nicht den EINEN Schwerpunkt. Einzig der Große Alte Cthulhu streckt seine Tentakel verstärkt nach den Besuchern aus. John Kovalic sagte zwar einmal, dass mit Cthulhu alles besser wird, jedoch möchte ich das bei einigen der angebotenen Spiele stark bezweifeln. Es reicht eben doch nicht, ein Tentakelmonster auf das Cover zu drucken um ein gutes Horror-Spiel abzuliefern. Glücklicherweise gibt es jedoch genug Verlage, die mit frischen Ideen und Regelmechanismen aufwarten können, so dass es wohl auch die nächsten Jahre im Bereich der Gesellschaftsspiele nicht langweilig wird. Beinahe völlig in den Hintergrund getreten ist mittlerweile die Kombination von traditionellem Brettspiel und elektronischen Hilfsmitteln via App. Zwar versuchen sich manche Hersteller immer noch daran, doch meist fühlt sich das Zusammenspiel der beiden unterschiedlichen Medien einfach falsch an. Sehr häufig bin ich dagegen auf die Brettspielumsetzung von Computerspielen gestoßen – seien es nun Strategie-Schwergewichte wie Civilization, taktische Spiele wie Jagged Alliance oder Action wie Dark Souls.

Ebenfalls auffällig war, das sich zu den Spielen eine unglaubliche Menge von Sekundärprodukten gesellt hat. Dies fängt bei einfachen Kartenhüllen und Würfelbeuteln an, geht über Spielunterlagen aus Stoff oder Neopren und passgenaue Schachteleinlagen für die unterschiedlichsten Spiele und endet schließlich bei, nach Kundenwünschen, handgefertigten Spieltischen. Diese dürfen dann auch gerne einen höheren vierstelligen Betrag kosten. Wenn ich mich nicht verzählt habe, widmeten sich alleine fünf Aussteller diesen luxuriösen Möbelstücken.

Neben vielen wirklich großartigen Dingen gab es natürlich auch einige Aufreger – im Prinzip die gleichen wie in jedem Jahr. Die Preise der Essens- und Getränkestände waren recht sportlich, aber erfahrene Messebesucher hatten sich daher bereits im Vorfeld in einem der nahegelegenen Supermärkte verproviantiert. Viel schwieriger, da nicht einfach auszublenden, war die Geräuschkulisse in manchen Hallen. Besonders in Halle 2 fielen mir zwei Stände auf, die ihre Umgebung zusätzlich zu dem normalen „Grundrauschen“ der Unterhaltungen und Spielgeräusche noch mit Musik und Karaoke-Einlagen beschallten. Dies erschwerte die Kommunikation an den umliegenden Demotischen zusätzlich und sorgte bei manchem Aussteller für gereizte Stimmung. Sehr schön waren auch diesmal wieder die jungen Mütter (selten Väter) anzusehen, die mit ihren Kinderwagen Rammgeschwindigkeit aufnahmen und rücksichtslos durch die Gänge pflügten. Das der Wagen dabei meist mit Spielen vollgestopft war, vergrößerte lediglich die Durchschlagskraft. Besonders hat mich jedoch das Verhalten einiger Kollegen der schreibenden Zunft geärgert – war dies einfach nur zum Fremdschämen. Die Arroganz und Erwartungshaltung mit denen dem Messepersonal und teils auch den Verlagen gegenübergetreten wurde, war schon bemerkenswert und für mich völlig unverständlich. Glücklicherweise handelt es sich dabei um unrühmliche Ausnahmen und die meisten Aussteller und Besucher gingen rücksichtsvoll miteinander um – zumindest soweit ich das sehen konnte.

Noch ein paar Worte zum Thema „Crowdfunding“
Eigentlich zählt diese Thematik mittlerweile eindeutig zu meinen Aufregern, würde aber den obigen Rahmen sprengen, daher möchte ich mich an dieser Stelle kurz separat dazu äußern.
Viele Verlage, auch solche, die vermutlich nicht mehr darauf angewiesen wären, haben in diesem Jahr die SPIEL lediglich als Plattform genutzt, um für ihre Crowdfunding-Projekte zu werben. Ich persönlich habe den Eindruck, dass viele dieser Spiele mittlerweile darauf setzen potentielle Spieler einfach mit tollen Artworks, einem riesigen Berg Figuren und aggressivem Marketing regelrecht zu erschlagen. Dagegen bleiben Spielprinzip, Hintergrundstory und funktionierende Mechaniken immer häufiger auf der Strecke. Natürlich kann mich dieser Eindruck täuschen, doch nach einigen nahezu unspielbaren Spielen in meiner Sammlung (die aber gut aussehen) bin ich in dieser Hinsicht wesentlich skeptischer geworden. Außerdem möchte ich, wenn ich ein Spiel auf der Messe anteste und es mir gefällt, es auch gerne direkt kaufen. Wenn ich dann zu hören bekomme, dass die Kampagne im nächsten Jahr startet und das Spiel (vielleicht) im übernächsten Jahr ausgeliefert wird, verliere ich sehr schnell den Spaß an der Sache.

Natürlich ist es für eine kleine Verlage eine tolle Sache auf diese Weise ein Projekt finanziert zu bekommen, wenn aber große, etablierte Spielehersteller diesen Weg gehen, kommen mir durchaus Zweifel am Sinn des Ganzen. Nichtsdestotrotz hier eine kleine (und sehr unvollständige) Übersicht über Spiele, die mich interessieren, die aber erst über Kickstarter gefundet werden müssen: Solomon Kane (Late Pledge; Mythic Games), Reich Busters (Mythic Games), The Everrain (Grimlord Games), Extraordinary Adventures: Pirates! (Forbidden Games), Project: ELITE (Cool Mini Or Not), Dark Rituals (Dark Gate Games), Assassin's Creed: Brotherhood of Venice (Triton Noir), Magnate: The First City (Naylor Games), Hard City (Hexy Studio), Jagged Alliance (Underground Games), Monumental (Funforge), Krosmaster Blast (Ankama), Cultiststorm oder auch Machina Arcana.

Montag, 12. März 2018


[Interview] Die Kammer


Die Kammer ist wohl eine der ungewöhnlicheren Bands der heimischen Musiklandschaft. Acht Musiker, bei denen unter anderem Cello, Violine und Tuba ihren festen Platz haben und wo auch schon mal eine Harmonika eingesetzt wird. Die beiden musikalischen Köpfe, Marcus „Max“ Testory und Matthias „Matze“ Ambré, sind zwar mit der aktuellen EP-Veröffentlichung und den sich daran anschließenden Tourvorbereitungen schwer eingespannt, waren aber dennoch so nett, uns einige Fragen zu beantworten.

Hallo Max! Hallo Matze! Erstmal vielen Dank, dass ihr euch die Zeit für dieses Interview genommen habt!
Es fällt mir auch nach drei Alben (und einer EP) immer noch recht schwer
Die Kammer musikalisch einzuordnen. Wie würdet ihr eure Musik einem Hörer beschreiben, ohne diesem etwas vorzuspielen?Matze: Der Soundtrack zu einem Leben voller Höhen und Tiefen, voller Leidenschaft, Freude und manchmal Trauer; handgemacht und musiziert von echten Menschen auf akustischen Instrumenten.Max: Akustischer Alternative-Rock für Erwachsene mit einer speziellen Besetzung mit einer Bandbreite von bizarr bis poppig.


Ihr seid personell mit acht Musikern ungewöhnlich breit aufgestellt. Dazu kommt eine recht große räumliche Entfernung zwischen den Bandmitgliedern sowie das Engagement in anderen Bands und Projekten. Wie kompliziert ist es für euch Proben, Aufnahmesessions und Konzerte zu organisieren?Max: Es ist die Hölle und kostet viel Zeit und Nerven alles unter einen Hut zu bekommen. Aber offensichtlich haben alle an Der Kammer beteiligten Musiker ihre ganz besondere Stelle in unseren Herzen, sonst würden wir uns das nicht antun… (lacht)Matze: Wir proben in der Tat fast nie, das spart eine Menge Zeit. Konzerte planen wir schon mindestens ein Jahr im Voraus, und selbst das ist schon knapp. Bei den Aufnahmen haben wir den Vorteil, dass nicht immer alle gleichzeitig anwesend sein müssen, so ist es noch einigermaßen realisierbar. Aber in der Tat – es ist kompliziert …

Wie entsteht bei euch ein Album? Werkelt ihr im stillen Kämmerlein zu zweit an euren Stücken und stellt eure Mitmusiker vor vollendete Tatsachen oder bringen diese sich auch mit in den Entstehungsprozess ein?Max: Unsere Songs entstehen tatsächlich in der Kammer, in der Matze und ich unsere Ideen zusammentragen und gemeinsam ausarbeiten. Im Anschluss werden sie den Mitmusikern vorgestellt, die ihren Instrumenten entsprechend mit der einen oder anderen Würze einbringen. Je nach Zeitplan wird dann entweder direkt aufgenommen, oder es bleibt noch Zeit die Songs gemeinsam zu proben…. aber das ist eher die optimistische Wunschvorstellung…Matze: Wobei das Songwriting wirklich von Song zu Song unterschiedlich ist. Manche passieren einfach so, ganz schnell, und auch die Instrumentierung ergibt sich fast wie von alleine. Andere sind da zähe Kandidaten, die nur rumzicken und einfach nicht so werden wollen, wie das innere Ohr sie gerne hätte. Bei denen bedarf es dann meist einer zeitaufwändigen Sonderbehandlung, zum Beispiel durch einen alten Whisky oder einen tiefroten Shiraz.

Immer wieder taucht in euren Seasons (den einzelnen Alben) Sophie auf. Was hat es mit der Dame auf sich? Wisst ihr schon, wohin Sophies Reise letzten Endes gehen wird oder lasst ihr euch selbst ein wenig von der Entwicklung überraschen?Matze: Wir hatten Sophie ganz am Anfang der Kammer erschaffen als Begleiterin auf unserem Weg, als Metapher für Status und Entwicklung der Band, als Spiegelbild von Gemütsstimmung und Laune. So wenig wir den Weg der Kammer selbst kennen, so wenig wissen wir also, wo Ihre Reise hinführen wird.Max: Sie ist vermutlich der „Gute Geist“ der Kammer und sie wächst und verändert sich mit uns. Insofern wissen wir noch nicht genau wie es mit ihr weiter geht. Wir werden es aber bald erfahren.

Die bisherigen Seasons habt durch Crowdfunding bzw. eure „Patron of the Arts“-Kampagne finanziert und über euer eigenes Label Delicious Release veröffentlicht. Wo seht ihr die Vor- und Nachteile dieser unabhängigen Vorgehensweise?Max: Unabhängigkeit ist ein anderes Wort für Eigenverantwortung. Es gibt niemand der die Arbeit macht, wenn du sie nicht selber machst, es gibt niemanden, den du dafür verantwortlich machen kannst, wenn etwas nicht funktioniert. Du bist von der Idee bis zum Endprodukt und der Tour in jeden Schritt voll involviert und für alles selbst verantwortlich. Das ist großartig. Crowdfunding ist mittlerweile absolut notwendig um die horrenden Produktionskosten im Vorfeld ein wenig abzufedern, bzw. das Risiko zu verringern. Denn diese Unabhängigkeit erkaufen wir auch mit dem vollen Risiko unserer Existenzen.


Ihr legt viel Wert auf die Interaktion mit euren Fans, beispielsweise in sozialen Netzwerken oder auf Konzerten. Wie wichtig ist euch dieser direkte Kontakt? Habt ihr weitere Aktionen wie das gemeinsame Grillen im letzten Jahr geplant?Matze: Ich weiß gar nicht ob es wirklich so viel ist. Gerade in den sozialen Netzwerken ist es heutzutage ja üblich, dass man täglich irgendwelchen Zinnober raushaut, um die Fanbase bei Laune zu halten. Dazu haben wir eigentlich weder Zeit noch Lust. Aber ich denke, dass grundsätzlich ein natürlicher und freundschaftlicher Umgang miteinander schon verdammt wichtig ist. Also Qualität statt Quantität denke ich mal (lacht). Und das mit dem Grillen, das hatten wir ja schon von Anfang an vor. Sehr klasse, dass es jetzt zu einer regelmäßigen Veranstaltung werden und auch 2018 stattfinden wird.Max: Ja, unsere Fans sind uns wichtig, denn sie sind es, die es uns ermöglichen die Musik zu machen die wir lieben, Aufnahmen zu machen und Konzerte zu spielen. Manche von ihnen machen dieses Abenteuer schon von Anfang an mit. Ist das nicht großartig? Irgendwie sind sie alle ein Teil der Kammer und dafür sind wir dankbar.


Eure Konzerte, zumindest die, auf denen ich bisher war, sind immer recht volle, spaßige und familiäre Angelegenheiten mit vielen musikalischen Gästen oder auch einer Lesung. Habt ihr für eure Auftritte ein übergreifendes Konzept oder schaut ihr spontan, wer in eurem Kollegen- und Bekanntenkreis grade Zeit für einen Gastauftritt hat?Max: Ich schätze das ergibt sich eher im Laufe der Arbeit an den verschiedenen „Seasons“. Die Zusammenarbeit mit befreundeten Künstlern ist immer sehr spannend und inspirierend. D.h. manchmal entstehen Konzepte auch erst durch die Kooperation.Matze: Das Konzeptionelle der Kammer, ohne dass es jemals schriftlich manifestiert wurde, ist sicherlich das Echte, das Handgemachte, das Kunstfertige. Das Arbeiten mit anderen Künstlern ist dabei ein essentieller Teil, der menschlich wie musikalisch einfach hochgradig inspirierend ist. Es gibt in Musikerkreisen die häufig geäußerte Floskel „Wir müssen unbedingt mal etwas zusammen machen“ was in der Realität aber dann doch nie stattfindet. Wir versuchen es eben doch. Und es klappt und es macht einen Heidenspaß.

Sucht man auf Youtube „Hither and Tither“, so bekommt man eine ganze Reihe von Videos – das erste aus dem Frühjahr 2013. Beinahe alle drei Monate trefft ihr euch vor dem gleichen Baum und legt eine neue Interpretation dieses Stückes vor. Die musikalischen Stile wechseln dabei ebenso wie die Gäste. Hat sich das einfach so ergeben oder war diese Aktion schon langfristig geplant? Bleiben euch überhaupt noch genug Variationsmöglichkeiten für die nächsten Jahre?Matze: Die Idee – und auch das heilige Gelübde – zum Song „Hither und Thither“ ist es, zu jeder Jahreszeit eine neue Version aufzunehmen. An gleicher Stelle, als Video, ungeschnitten, live. Ideen dazu gibt es noch für mehrere Generationen, allerdings ist es wirklich nicht immer ganz leicht, das auch so umzusetzen. Allein die Sache mit dem Wetter …Max: Jaaaaaaa, manchmal ist es ein wenig schwierig, manchmal kommt eine spontane Idee zum Zug. Wie auch immer, wir sehen die Serie als Gesamtkunstwerk und hoffen sie noch lange am Leben erhalten zu können…

Die Kammer lässt sich nicht einer bestimmten Szene zuordnen – radiotauglich ist eure Musik auch nur bedingt. Wie schwer ist es für euch als Musiker jenseits des Mainstream von seiner Kunst zu leben?Matze: Nicht möglich. Man zahlt auf jeden Fall ordentlich drauf. Wie kommerziell erfolgreich ein Projekt ist, hat in der Tat natürlich auch etwas mit der Massenkompatibilität und Ausrichtung der Musik zu tun. Keine Ahnung warum wir es uns da so vermeintlich schwer machen. Das liegt vielleicht an unserem Alter oder an mangelndem Narzissmus (lacht). Wenn es nur darum ginge, ein paar abgedroschene Beats in den Tanzsaal zu bringen oder weitere Litaneien von Gruftieschlagerlyrik unters schwarze Volk, dann ginge da sicherlich noch der ein oder andere Euro. Aber muss ja auch nicht.Max: Davon zu leben ist unmöglich. Mittlerweile ist es aber sogar auch für deutlich bekanntere Bands kaum mehr möglich von ihrer Musik zu leben. Das ist das Rad der Zeit.


Ab März gibt es eure EP #01 mit akustisch eingespielten Stücken aus Vorgängerbands, altem Material von Die Kammer und einem Ausblick auf künftige Veröffentlichungen. Kann man daraus schließen, dass die Season 4 noch ein wenig auf sich warten lässt? Werkelt ihr aktuell noch an anderen Projekten?Max: So viel sei verraten: nach Abschluss der minimized-Tour mit der Letzten Instanz, werden wir verschärft an Season IV arbeiten.Matze: Interessanterweise war die Arbeit an der EP nicht minder intensiv und beinahe so aufwändig, wie ein reguläres Album. Je reduzierter eine Besetzung, desto zerbrechlicher werden Songs und Arrangements und auch spieltechnisch lässt sich nichts hinter riesigen Wänden aus Hall kaschieren. Was später so bestechend einfach klingt, hat oft einen langen Entwicklungsprozess durchgemacht, die zig Versionen und Ideen, die ausprobiert und verworfen wurden hört man ja am Ende nicht. Aber wir haben mit drei neuen Songs in der Tat hier bereits die ersten Grundsteine für Season IV gesetzt.

Eure EP und die dazugehörige Tour stehen ganz im Zeichen eurer »minimized«-Besetzung – was natürlich auch sehr nett anzuhören ist! Aber gibt es denn schon geplante Auftritte für die komplette Die Kammer?Max: Jaaaaaaaaa, gibt es! Sommerfestivals wie z.B das Free and Easy Festival, M’era Luna, Autumn Moon und ganz bald auch wieder auf Tournee. Es wird ein bewegtes Jahr!
Habt ihr noch letzte Worte an unsere Leser?Max: Bleibt uns hold, und wenn ihr es noch nicht seid… dann werdet es!
Nochmals vielen Dank für die ausführlichen Antworten!
Dann bleibt mir eigentlich nur zu hoffen, dass EP und Tour erfolgreich sein und wir uns dann im nächsten Monat auf einem eurer Konzerte sehen!



Die Band
Gegründet wurde
Die Kammer Ende 2011 von Marcus Testory und Matthias Ambré. Neben den beiden gehören zur Besetzung Aline Deinert (Cello, Bratsche), Benni Cellini (Cello), Oliver Himmighoffen (Schlagzeug), Prof. Matthias Raue (Violine), Ingo Römling (Bass) und Harold Nardelli (Tuba). Mittlerweile hat die Band drei Alben, eingeteilt in Seasons, und eine EP in reduzierter Besetzung veröffentlicht.
Mehr über
Die Kammer erfahren Freunde handgemachter Musik auf der Homepage der Band.



Sonntag, 11. Februar 2018

[Messe] Spielwarenmesse 2018
Donnerstag, 1. Februar 2018
Nürnberg


Da die SPIEL im letzten Jahr für mich leider krankheitsbedingt SEHR kurz ausgefallen war, hatte ich mir vorgenommen, in Nürnberg möglichst viel mitzunehmen. Gesundheitlich zwar immer noch nicht ganz auf der Höhe, aber hochmotiviert, organisierte ich Ende letzten Jahres bereits reibungslos Urlaub, Eintrittskarte und die Bahnfahrt. Dann stellte mich jedoch die Terminabsprache bei verschiedenen Verlagen vor unerwartete Probleme. Obwohl ich (für meine Verhältnisse) relativ früh anfragte, waren die meisten Slots am Donnerstag leider schon vergeben. So blieben mir drei wirklich feste Termine und die Hoffnung auf lockere Gespräche zwischendurch. Theoretisch würde mir das umso mehr Zeit lassen, um mich auf eigene Faust den Neuheiten zu widmen...
In den letzten Jahren habe ich mir den Weg ins Pressezentrum immer direkt durch die Hallen gebahnt. In diesem Jahr versuche ich die Wegstrecke abzukürzen und umrunde die Messehallen von außen. Aber schon nach wenigen Metern bereue ich diese Entscheidung, treibt mir doch der eisige Wind, der um die Gebäude pfeift, die Tränen in die Augen. Völlig durchgefroren erreiche ich den Eingang Ost und beeile mich ins angenehm beheizte Pressezentrum zu kommen. Nachdem die Formalitäten wie Messekatalog abholen und Schließfach anmieten erledigt sind, gönne ich mir noch schnell ein koffeinhaltiges Heißgetränk, bevor ich mich ins Getümmel stürze.

Nachdem ich in den letzten Jahren relativ planlos kreuz und quer über die Messe gelaufen bin, versuche ich es in diesem Jahr mit einer anderen Taktik. Diesmal will ich mich von hinten nach vorne durcharbeiten und beginne am anderen Ende der Messe, in Halle 12, meinen Streifzug.
 
Trotz der frühen Stunde sind die Warteschlangen bei LEGO, Playmobil oder Mattel lang und verstopfen praktisch komplett die Durchgänge. Und wie in jedem Jahr nehme ich mir vor, das nächste Mal zumindest beim dänischen Klötzchenhersteller einen Termin zu machen um mir die kommenden Veröffentlichungen anzuschauen. Das traditionelle Diorama am Halleneingang widmet sich in diesem Jahr wieder der (erstaunlich langlebigen) Serie Ninjago und kann mit Ninjas, Monstern und Gebäuden in beinahe Lebensgröße aufwarten. Nachdem ich einige Minuten ehrfürchtig davor gestanden habe, geht es zum Modellbauer Revell – dem eigentlichen Grund warum ich in der Halle bin. Quasi als Einstiegsdroge oder für den eiligen Modellbauer präsentiert der Hersteller das Easy-Click System. Dabei handelt es sich um neue, teils vereinfachte Bausätze, die zusammengesteckt werden und bei denen die Verwendung von Kleber optional ist. Die ausgestellten Modelle sind erstaunlich detailliert und lassen sich, einmal gebaut, von ihren regulären Gegenstücken praktisch nicht unterscheiden. Ebenfalls ein Thema ist natürlich der kommende Star Wars-Film Solo. Doch bis auf einige nichtssagende Verpackungen und alte Modelle des Millenium Falcon gibt es leider noch nichts aussagekräftiges zu sehen. Daneben steht die übliche Mischung aus anspruchsvollen Bausätzen, fernsteuerbaren Modellen und verschiedenen Merchandise-Modellen, beispielsweise für das Computerspiel Halo oder das Star Trek-Universum, in den Regalen.
Im Erdgeschoss der Halle tummeln sich vor allem zahlreiche kleine ausländische Aussteller, die ihre Produkte hier einem größeren Publikum präsentieren wollen. Die beiden eindrucksvollen Ausnahmen davon sind Hasbro und Ravensburger, die zusammen gefühlt die Hälfte der Ausstellungsfläche einnehmen. Da meine Zeit, eigentlich wie immer, viel zu knapp bemessen ist, muss ich mich für einen der beiden entscheiden. Schließlich fällt die Wahl auf den Puzzlehersteller, der allerdings auch das eine oder andere Brettspiel in seinem Portfolio hat. Dabei fällt mir Kakerlacula auf, ein aufwändiges Schnippspiel um blutsaugende Insekten. Bei Break Free müssen sich die Spieler dagegen aus Handschellen befreien – wechselnde Schwierigkeitsgrade und Zeitdruck erschweren die Angelegenheit zusätzlich. Beide Spiele sehen durchaus nett und unterhaltsam aus, allerdings bin ich nicht wirklich die Zielgruppe.
Dafür bleibe ich dann ein paar Meter weiter bei GraviTrax hängen, einer Kugelbahn. Die Anordnungen, die auf der Messe aufgebaut sind, sehen recht spektakulär aus und es ist ziemlich faszinierend, dem Weg der Kugel über Bahnen, Trampoline, Weichen, Wippen und andere Spielereien zu folgen. Schließlich werfe ich noch einen kurzen Blick in den Bereich mit den Puzzlen. Die Auswahl ist hier beeindruckend, vom klassischen Puzzle mit Landschaftsmotiv, über optische Effekte bis hin zu richtigen dreidimensionalen Puzzles.

Die Halle 11 durchquere ich relativ zügig und blicke mich nur flüchtig um. Hier haben sich fast ausschließlich die asiatische Spielehersteller nieder gelassen und preisen ihre Produkte an. Für mich gibt es hier nicht viel Interessantes zu sehen, und so lasse ich die Halle bereits nach wenigen Minuten hinter mir und schlage im Spiele-Café auf. Wie schon in den letzten Jahren haben sich Pegasus Spiele hier ziemlich breit gemacht und präsentieren einen eindrucksvollen Stand. Das Ganze ist entsprechend der letztjährigen Veröffentlichung Mein Traumhaus gestaltet. In jedem Raum werden einige Spiele präsentiert, teilweise gibt es Sitzmöglichkeiten, es werden Häppchen und Nachos gereicht - sehr eindrucksvoll und leider auch sehr voll. Daher begnüge ich mich mit einigen kurzen Gesprächen am Stand und schnappe einige Informationen zu den Neuheiten auf. Recht prominent wird Film ab! vorgestellt, ein Familienspiel über einen Kinobesuch. Optisch macht das Spiel schon einen sehr guten Eindruck und das Thema hat ebenfalls Potential - leider reicht meine Zeit nicht, für eine Testrunde. Ebenfalls in den Fokus der Besucher drängt sich das Pummeleinhorn. Hier zeigen die Friedberger eine ganze Reihe schon bekannter Spielideen, beispielsweise Mau Mau, Werwölfe oder Love Letter, die nun einhorngerecht neu aufgelegt werden. Cat Lady richtet sich dagegen, wie der Titel schon vermuten lässt, eher an die Katzenliebhaber unter den Spielern. Bei diesem Kartenspiel wetteifern die Beteiligten, wer seine Fellnasen am luxuriösesten verwöhnt – also ganz wie im richtigen Leben. Schließlich werfe ich noch einen Blick auf Dragon Master, in dem es darum geht, Drachen in möglichst gewinnbringenden Kombination auszulegen. Die restlichen Neuheiten und Prototypen kann ich leider nur flüchtig überfliegen, da mich eine Verabredung in Halle 10 erwartet.


Zu meinem Termin bei Iello schaffe ich es grade noch so - werde aber von meinem Gesprächspartner gerügt, weil ich zwei Minuten zu früh bin. Nach einer kleinen, sehr unterhaltsamen Diskussion über typisch deutsche und französische Charaktereigenschaften geht es schließlich an die Spiele. Sehr angetan, und sei es auch nur wegen des Retro-Feelings, bin ich von 8BitBox. Das Grundspiel lässt sich als eine Art Betriebssystem beschreiben, mit dem mehrere klassische Konsolenspiele umgesetzt werden. Eine sehr charmante Idee und eine kurze Runde Nicht-PacMan macht Lust auf mehr. Optisch deutlich hübscher ist dagegen Fairy Tile ausgefallen, bei dem Spieler aus unterschiedlichen Plättchen Landschaften aufbauen und mit Ritter, Prinzessin oder Drache darüber ziehen. Dabei müssen sie unterschiedliche Aufgaben erledigen, aus denen sich eine fortlaufende Geschichte ergibt. Beim Spielprinzip bin ich mir noch nicht ganz sicher – werde es wohl aber bei Gelegenheit sicherlich ausprobieren. Rennspiele sind eigentlich so gar nicht meine Sache, dennoch finde ich Downforce nicht uninteressant.

Das Spiel kombiniert das eigentliche Formel 1-Rennen, mit Management-, Versteigerungs- und Wett-Elementen. Das Ganze wird über einen einfachen Kartenmechanismus geregelt und dürfte sicherlich den einen oder anderen Anhänger finden. Der eigentlich Blickfang auf dem Stand ist jedoch Raids. Spiele mit Wikingerthematik gibt es zwar eigentlich genug, aber dieses folgt einem, zumindest für mich, neuen Ansatz. Die Spieler ziehen ihre Schiffe von Hafen zu Hafen, sammeln dort Waren, Männer oder Trophäen ein und erhalten dafür Punkte. Auf den ersten Blick liegen die Stärken des Spiel dabei im originellen Zugmechanismus und der flexiblen Verteilung der Aufgaben – auch die Grafik kann überzeugen. Ganz neu ist ebenfalls ein eigenes Spielelabel, das sich ausschließlich an Kinder richtet. Loki startet mit Farmini, einem Legespiel, bei dem die Spieler Tiere sammeln und hinter Zäunen vor dem Wolf in Sicherheit bringen müssen, sowie Troll & Dragon, einem Risiko-Würfelspiel um die Erkundung eines Verlieses. Etwas opulenter und (ein klein wenig) komplexer präsentiert sich SOS Dino – hier geht es darum, kooperativ die letzten Dinosaurier vor Lavaströmen und Meteoriteneinschlägen zu retten.
 
Natürlich habe ich wieder mehr Zeit vertrödelt, als ursprünglich eingeplant. Dennoch bleibt mir – hoffe ich zumindest – noch genug Luft bis zu meinem nächsten Treffen. So kann ich in Ruhe die anderen Stände auf dieser Ebene abklappern. Auf meiner Runde komme ich zuerst am Stand von Ankama Products vorbei – hierzulande wahrscheinlich durch Krosmaster Arena bekannt. Mit Monster Slaughter wird ein Spiel vorgestellt, bei dem jeder Spieler eine Monsterfamilie anführt und Teenager meucheln muss. Eine mir sehr sympathische Thematik, mit hübschen Figuren und einem netten Spielprinzip. Daneben stehen das Rennspiel Kingdom Run, das etwas abstrakte Stellium und Dino Party, bei dem es darum geht, die Dinosaurier vor dem Aussterben zu bewahren – kommt mir jetzt bekannt vor... Allerdings fehlt mir die Zeit, mich intensiver mit den Spielen zu beschäftigen, zudem ist der kleine Stand grade ziemlich überlaufen. So folge ich weiter dem Gang zu Abacusspiele, die an gewohnter Stelle ihre Neuheiten aufgebaut haben. Mit Armed & Dangerous gibt es einen neuen Ableger für das Wild-West-Partyspiel BANG!. Die Deckscape-Reihe bekommt gleich zwei Fortsetzungen: Das Schicksal von London und Raub in Venedig greifen das Grundprinzip der derzeit beliebten Escape-Spiele auf und setzen es als Kartenspiel um. Die Spiele sehen zumindest recht hübsch aus und bieten hoffentlich den gleichen Spielspaß wie der erste Teil der Serie. Mit Pizza Monsters und Alles an Bord?! Gibt es dann auch noch Futter für den Spielernachwuchs – allerdings kann ich diese nicht richtig in Augenschein zu nehmen.
Wenn ich schon in der Gegend bin, kann ich auch gleich noch bei Queen Games vorbei schauen.
Den Charme der 1960er Jahre versprüht Franchise, in dem die Spieler versuchen, ihre Unternehmskette über die ganzen USA auszudehnen. Mal ein anderes, originelles Thema und relativ weit oben auf meiner Liste der zu spielenden Neuheiten. Etwas überfordert hat mich auf den ersten Blick Luxor. Die Suche nach der Grabkammer des Pharaos gestaltet sich recht bunt und mit vielen Komponenten. Hier muss ich irgendwann mit mehr Ruhe einen Blick darauf werfen. Mit Kobold darf auch ein nettes, kleines Kinderspiel nicht fehlen. Als namensgebende Wichte versuchen die Spieler allerlei Dinge aus dem Kinderzimmer zu stehlen, ohne dabei vom Schein der Taschenlampe ertappt zu werden. Auch dieses Spiel ist mir ein klein wenig zu bunt und zu voll, aber ich gehöre ja auch nicht zur Zielgruppe. Interessiert hätte mich auch noch Merlin, aber leider konnte mir niemand ein paar Sätze zum Spiel zu sagen.
Die Neuheiten bei Amigo Spiele kenne ich größtenteils bereits – einige Rezensionen finden sich bereits auf www.roterdorn.de. Eine liebgewonnene Institution ist die jährliche Erweiterung des Bohnanza-Universums; in diesem Jahr durch Marco Bohno. Mit diesen Karten wird das Grundspiel um bestimmte Aufgaben erweitert, die die Spieler neben der Bohnenernte erledigen müssen. Eine schöne Idee, die mich tatsächlich dazu bringt, mein altes Grundspiel wieder aus der Schublade hervor zu kramen. Auch das Kartenspiel All You Can Eat finde ich, jetzt wo ich es in natura sehe und kurz angespiele recht reizvoll. Eine Beschreibung fällt mir dagegen schwer, verbindet es doch Elemente aus Stich- und Bluffspielen zu einem funktionierenden Ganzen.

Langsam muss ich mir wieder Gedanken über meine Terminplanung machen und entschließe mich, dass Tempo ein wenig anzuziehen. Obwohl die Füße mittlerweile schmerzen geht es dann auch ohne Pause direkt weiter zu Schmidt Spiele (und natürlich deren Partnerverlagen). Hier fällt mir Race To The New Found Land ins Auge. Hinter dem etwas sperrigen Titel verbirgt sich eine gefällige Mischung aus Entdecker-, Handels- und Wirtschaftsspiel und ich lasse mir – entgegen meiner guten Vorsätze – das Spiel ausführlich erklären. Eher ein Spiel für den „ernsthaften“ Brettspieler und ein weiterer Kandidat für meine künftige Einkaufsliste. Am Tisch nebenan werfe ich einen Blick auf Agentenjagd, ein Deduktionsspiel, bei dem es gilt einen feindlichen Agenten aufzuspüren. Gesteuert wird das Ganze über eine App, die den Spielern Hinweise auf den Aufenthaltsort des Gesuchten gibt. Ohne mich jetzt näher damit auseinander zu setzen würde ich es als eine Mischung aus Scotland Yard und Where In The World Is Carmen Sandiego? einordnen. Schließlich passt Die Quacksalber von Quedlinburg dann auch sehr gut in die Serie der Spiele mit etwas umständlichen Titeln. Aus zufällig gezogenen Zutaten brauen die Spieler Tränke, ohne dass diese ihnen um die Ohren fliegen. Die Mischung aus Risikobereitschaft, Improvisationstalent und Taktik, zusammen mit den hübschen Illustrationen sprechen mich durchaus an. Den Rest des Standes muss ich mir leider sparen – es liegen immer noch einige große Brocken vor mir.
Einige Dinge, die bei HUCH & Friends in der Auslage liegen, hatte ich schon bei Iello gesehen.Doch es gibt noch eine oder zwei Sachen, die ich mir näher anschauen will. Dam It! sieht nach einem netten kleinen Legespiel aus, bei dem Biber darum wetteifern den höchsten Damm zu errichten. Nicht wirklich außergewöhnlich, macht aber einen ansprechenden, durchdachten Eindruck. Obwohl ich eigentlich ein großer Freund von Deduktionsspielen bin, kann ich dagegen mit Gangster City nicht übermäßig viel anfangen. Der Ermittlungsmechanismus kommt mir in diesem Falle doch sehr zufällig vor und auch die Wahlmöglichkeiten sind nicht soooo spannend – zumindest auf den ersten Blick. Viel besser gefällt mir dagegen Seikatsu, ein Spiel, bei dem ein Garten vor einer Pagode angelegt werden muss. Strategisch, ein wenig abstrakt und mit recht dezenten, asiatisch angehauchten Illustrationen gefällt mir das Spiel sehr gut; nicht nur wegen der Koi-Teiche. Von Spielidee und Aufmachung springt mir schließlich noch Greif zu! ins Auge. Hier geht es darum, einer Polizeirazzia zu entgehen und möglichst viel Beute zusammen zu raffen, die aus der Brieftasche des Paten gezogen wird. Ich denke, das dürfte ein recht spaßiges Spiel für eine größere Runde sein.
Schließlich liegt noch der Stand von Asmodee vor mir. Die Gänge sind verstopft, die eigentlichen Informationen bekommt man nur mit Termin (den ich natürlich, wieder einmal, nicht ausgemacht habe) und so begnüge ich mich, die wirklich zahllosen Neuerscheinungen zu überfliegen. Mehrere Spiele zu Star Wars sind dort ebenso vertreten wie das Brettspiel zu Fallout; die Arkham Horror-Serie wächst ebenfalls beständig. Hier am Stand fühle ich mich tatsächlich von der Masse der Veröffentlichungen komplett überfordert. Allerdings treffe ich hier im Gedränge einen Bekannten, der mir rät, es im Erdgeschoss der Halle am zweiten Stand zu versuchen – dort ist deutlich weniger los.

So drücke ich mich aus dem Gewühl heraus und schaue noch kurz bei Cool Mini Or Not vorbei, die gegenüber liegen. An dem kleinen Stand ist dagegen so gar nichts los und ein gelangweilter Eric M. Lang sitzt hinter dem Tresen. Ich nutze die Gelegenheit und lasse mir ein paar Details zu seinem A Song Of Ice & Fire geben, einem Tabletop-Spiel, dass in der Welt von Game of Thrones angesiedelt ist. Die Figuren sehen recht nett aus, und auch das Spielkonzept scheint durchdacht zu sein. Auch Council of 4 interessiert mich – ich habe eine Schwäche für Spiele mit höfischen Intrigen. Im Prinzip dreht sich alles um Lobbyarbeit, Korruption und lukrative Auftragsvergabe; allerdings in einem mittelalterlichen Königreich. Ich könnte mir vorstellen, dass sich das Spiel problemlos auch auf die eine oder andere aktuelle Regierung umsetzen lässt.
Den anderen Ständen kann ich leider nicht ganz so viel Aufmerksamkeit widmen, doch für einen kurzen Rundgang und ein paar Blicke in die Auslagen reicht meine Zeit dann doch noch. Schließlich kapituliere ich und gönne mir eine kurze, dringend notwendige Pause, bevor es ins Erdgeschoss geht.

Hier wartet eine wilde Mischung aus traditionellen (Holz-)Brettspielen, Buch- und Comicverlagen und auch kleinere Spielhersteller auf mich. Beim Moses Verlag gibt es nicht wirklich viel Neues zu sehen. Die black stories-Reihe werden nun um red stories erweitert, bei Yu-Ca-Tan müssen bestimmte Aufgaben erwürfelt werden und Schicht im Schacht lässt die Spieler Tunnel buddeln (Karten ablegen) um Punkte zu sammeln. Daneben gibt es wieder Mal- und Kinderbücher und viele hübsche Kleinigkeiten, die allerdings für mich weitgehend uninteressant sind. Bei Q-workshop stehe ich, wie eigentlich jedes Jahr, sabbernd vor der Auslage. Der polnische Hersteller bietet mittlerweile eine dermaßen breit gefächerte Auswahl an Würfel, dass es einem Angst und Bange wird. Es gibt Würfel für einzelne Pathfinder-Kampagnen, für obskure Brettspiele und Tabletops, exklusive Metall-Würfel und individuelle Sonderanfertigungen. Dazu kommen wirklich schicke Würfelbecher und -beutel, Unterlagen und Würfeltürme. Nicht, dass ich nicht schon Schränke voller Würfel zu Hause hätte, aber immer, wenn ich den Stand besuche, habe ich das dringende Bedürfnis neue Polyeder zu kaufen.

Wie vorausgesagt ist am zweiten Stand von Asmodee praktisch gar nichts los. Drei Mitarbeiter stehen bereit, um Auskunft über die Neuheiten zu geben; allerdings ist die Auswahl an präsentierten Spielen etwas eingeschränkt. Hier steuere ich zielstrebig auf Watson & Holmes zu, ein – wer hätte es gedacht – Deduktionsspiel im viktorianischen London. Die Aufmachung mit Schuber und Buch ist fantastisch, das (nicht kooperative) Spielprinzip überzeugt nach einem kurzen Blick in die Regeln. Jetzt muss ich nur noch auf die Veröffentlichung im Sommer warten. Die charmante Dame am Stand nötigt mich anschließend auch einen Blick auf Photosynthese zu werfen. Bäumen beim Wachsen zuzusehen hört sich jetzt nicht wirklich nach einem spannenden Spielprinzip an, aber das Spiel hat durchaus Anspruch und hat mich, auch Dank der sehr engagierten Überzeugungsarbeit, nun doch neugierig gemacht. Bei Gelegenheit werde ich sicherlich eine Testrunde wagen. Mein liebstes Zombiespiel Winter der Toten bekommt mit Kampf der Kolonien eine zusätzliche Erweiterung. Endlich ist Schluss mit diesem lästigen kooperativen Spiel und ganze elf Spieler können sich nun den Zombies und natürlich ihren Mitspielern widmen. Auch auf diese Veröffentlichung freue ich mich. Bevor ich den Stand verlasse, bleibe ich an Stuffed Fables hängen - der heroischen Queste einiger Stofftiere, ihren Besitzer zu retten. Ein Buch dient dabei gleichzeitig als Regelwerk, Szenarienheft, Hintergrundgeschichte und Spielbrett. Ressourcenmanagement in Form von Würfel, die Zusammenarbeit der Spieler und die wirklich putzigen Figuren runden meinen ersten, sehr guten, Gesamteindruck ab.

Nachdem ich nun auf dem neuesten Stand, was Asmodee angeht, bin, klappere ich noch die anderen Gänge der Halle ab und schaue, ob irgend etwas meine Aufmerksamkeit erregt. Ich bin nicht wirklich weit gekommen, als ich auf den kleinen Stand von Dragon Dawn Productions aus dem fernen Lappland stoße. Hier ist es Perdition's Mouth, ein Fantasy-Dungeon-Crawler, der mich vom Weg abbringt. Es ist nicht so, dass ich nicht genug Spiele dieses Genres hätte, aber mein Jagd- und Sammelinstinkt wird direkt angesprochen. Die Grafik ist angenehm finster, die Figuren sind recht ansehnlich, wenn auch nicht herausragend, allerdings finde ich die Spielmechanik ein wenig umständlich, woran auch eine kurze Erklärung nichts ändert. Das zweite Spiel des Verlages, dass aktuell über eine Crowdfunding-Plattform finanziert wird, geht in eine völlig andere Richtung. In Darwinning! übernimmt jeder Spieler eine andere Tiergattung und versucht sich zu vermehren, weiterzuentwickeln und schließlich zur dominanten Rasse auf dem Planeten zu werden. Hier dreht sich vieles um Ressourcenmanagement und die Möglichkeit, den Mitspielern gehörig eins auszuwischen. Die Thematik spricht mich nicht wirklich an, aber mutierte fliegende Fische mit Schildkrötenpanzer haben einen gewissen Reiz. Zudem macht das Spielprinzip einen soliden, unterhaltsamen Eindruck.
Mittlerweile bin ich nicht mehr so ganz aufnahmefähig – zu viele Spiele, zu wenig Schlaf und nicht genug Koffein sind eine unschöne Mischung. Aber es hilft ja alles nichts, ich muss weiter. Am Hallenausgang wartet schließlich noch der Stand von Kosmos auf mich, an dem ich nicht vorbei komme. Die Catan-Serie bekommt, wie eigentlich jedes Jahr, einen neuen Ableger. Diesmal geht es mit Der Aufstieg der Inka nach Mittel-/Südamerika; neben dem neuen Setting gibt es aber auch tatsächlich im Spielverlauf Neuerungen, die frischen Wind auf den Spieltisch bringen. Neben neuen Waren ist es auch die Möglichkeit Städte wieder zu verlieren, die bei den Spielern zu einem Umdenken führen dürfte. Vielleicht bringt mich das Spiel ja dazu, nach langen Jahre der Abstinenz wieder ein bisschen zu siedeln. Hemmungslos shoppen können die Spieler dagegen bei Mercado – das nötige Kleingeld vorausgesetzt. Zumindest die Erklärung zum Spiel ist angenehm unaufgeregt und verspricht ein kurzweiliges und nicht übermäßig komplexes Spielvergnügen.

Die Exit-Serie wird um zwei Abenteuer erweitert, die das erfolgreiche Spielprinzip fortsetzen. Die Spieler müssen bei Die unheimliche Villa und Das mysteriöse Museum unter Zeitdruck ihren Weg aus dem jeweiligen Gemäuer finden und dürfen dabei auch gerne das Spielmaterial zerlegen. Leider habe ich es bisher noch nicht geschafft, auch nur einen Teil der Serie in Angriff zu nehmen – werde ich aber bei Gelegenheit ändern. Daneben veröffentlichen Kosmos wieder eine breit gestreute Auswahl an Experimentier- und Magiekästen, neues Zubehör für Die drei ??? und viele, viele kleine Spiele.

Mir bleiben nur noch knapp zwei Stunden um die Punkte auf meiner Liste abzuarbeiten. Natürlich begegnet mir auf meinem Weg nach Halle 7 noch ein Bekannter, den ich schon länger nicht mehr gesehen habe. Nach einem extrem kurzen Plausch verabreden wir uns später zum Essen – mich zieht es weiter. Die Hallen 9 und 8 durchquere ich zügig und versuche nicht vom Weg abzukommen. Dies gelingt mir leider nur so mittelgut und ich vertrödele ein paar Minuten damit, mir bei Mask World und anderen Kostümherstellern die Auslagen anzuschauen. Doch schließlich bin ich am Ziel angelangt und kann die letzten Punkte auf meiner To-Do-Liste abhaken.

In diesem Jahr haben sich erstaunlich viele (also insgesamt fünf) Hersteller hier niedergelassen, die für mich als Tabletop-Spieler und Miniaturenbemaler interessant sind. Den Anfang macht, wie gewohnt, der spanische Farbenhersteller Acrylicos Vallejo. Doch viel Neues bekomme ich hier nicht geboten – die Farbreihen werden punktuell um einzelne Töne ergänzt und das eine oder andere Hilfsmittel erweitert die Produktpalette. Komplett neue Farbreihen oder gar Bücher mit Anleitungen wie im letzten Jahr suche ich leider vergeblich. Dafür kann der Mitbewerber Mig Jimenez zwei Stände weiter mit einem recht innovativen Produkt aufwarten. Auch hier werden die Farbpaletten und Hilfsmittel sukzessive erweitert – aber wirklich fasziniert bin ich vom Oilbrusher. Dabei handelt es sich um eine kleine Kartusche mit Ölfarbe und integriertem Pinsel. Für Modellbauer und Miniaturenmaler eine enorme Erleichterung und ganz oben auf meiner Wunschliste. Wenn ich schon bei Farben bin, kann ich auch gleich weiter zu Green Stuff World. Die Spanier haben ihr komplettes Sortiment an Modelliermasse dabei, ebenso wie die "Teigrollen", mit denen sich die unterschiedlichsten Muster prägen lassen. Die wirkliche Messeneuheit ist allerdings die neue Farbreihe Chameleon, die aus irisierenden Acrylfarben für Pinsel und Airbrush besteht. Da ansonsten am Stand nicht viel los ist, nutze ich die Gelegenheit und lasse mir den Einsatz von Teigrollen und Farbe ausführlich erklären und an einigen Mustern zeigen. Auch ein Abstecher zum Tabletop-Produzenten Games Wokshop ist eingeplant – der Fokus des Standpersonals liegt jedoch eindeutig im Gewinnen von Händlern. Glücklicherweise ist auch ein Mitarbeiter vor Ort der froh ist, zumindest habe ich den Eindruck, auch über die Spiele und Figuren und nicht nur über Gewinnmargen und Absatzmöglichkeiten zu reden. Die Auswahl an Modellen in den Vitrinen ist leider eingeschränkt, aber immerhin kann ich mir in Ruhe die Figuren zu Necromunda: Underhive und Warhammer Underworlds: Shadespire. Fast bin ich wieder versucht, in beide Systeme einzusteigen – aber eben nur fast. Auch bei Para Bellum Wargames schaue ich kurz vorbei. Ich hatte die zypriotische Firma bereits auf der SPIEL gesehen und war angenehm überrascht von der Qualität der Figuren und der Artworks zu ihrem Tabletop Conquest. Auch an diesem Stand herrschte weitgehend Leere, so dass ich Zeit für ein kurzes Gespräch mit den Machern hinter dem Spiel habe. Obwohl Massenkampfsysteme mittlerweile vom Aussterben bedroht sind, wird hier versucht mit einem schlüssigen Konzept, einem recht eleganten Regelwerk und einem (so die Zahlen stimmen) absolut fantastischen Preis in einen eigentlich gesättigten Markt zu kommen. Ich bin auf den Erscheinungstermin im Sommer gespannt und werde das Spiel auf jeden Fall im Auge behalten. Mein restlicher Aufenthalt in der Halle muss sich leider auf einen Schnelldurchlauf verschiedener Stände beschränken: Pinsel von Leonhardy und Springer, Airbrush von Badger, Modellbau von Italeri, Heller und Zvezda.

Ein Blick auf die Uhr verrät, dass mir noch eine gute dreiviertel Stunde für sechs Hallen bleibt – eine durchaus sportliche Herausforderung. Letzten Endes beschränke ich mich auf die Halle 4 mit Modelleisenbahnen und dem passenden Zubehör. Die Bahnen sind zwar so gar nicht mein Bereich, dennoch schaue ich mir gerne die ausgestellten Anlagen an um daraus Inspirationen für eigene Projekte im Miniaturbereich zu ziehen. Auch in diesem Jahr werde ich fündig, sowohl bei den großen Herstellern wie Faller, aber auch bei den kleineren wie Woodland Scenics. Vor allem Noch hat dieses Jahr eine interessante Neuerung im Angebot: komplette Modelleisenbahnanlagen im handlichen Koffer. Außerdem sind bei dem Zubehörhersteller mittlerweile auch die Zombies (und Vampire) angekommen. Dazu passend gibt es ein Geisterhaus mit Friedhof, dazugehörige Licht- und Soundeffekte und einen ganzen Satz stimmiger Figuren. Wenn der recht stattliche Preis nicht wäre, hätte ich das Gelände wahrscheinlich sofort eingepackt. Das Merchandise-Geschäft macht auch vor dem Traditionshersteller Märklin nicht halt. So präsentiert dieser, recht aufwändig und eindrucksvoll mit der (lebensgroßen) Lok Emma eine Insel mit zwei Bergen, passend zum kommenden Film Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer. Die Anlage sieht richtig gut aus und kommt dem Original ziemlich nahe – ob sich damit aber Modelleisenbahnen neue Käuferschichten erschließen wage ich allerdings zu bezweifeln.

Mittlerweile bin ich komplett durch – der Kopf schmerzt ebenso wie die Füße. Der Rucksack mit Prospekten zieht mich immer weiter nach hinten, die Zunge klebt am Gaumen und zur Toilette müsste ich eigentlich auch schon seit Stunden. Mit buchstäblich letzter Kraft schleppe ich mich zurück ins Pressezentrum und führe mir gesundheitsgefährdende Mengen Koffein zu. Zum Abschluss des langen Messetages fehlt noch das traditionelle Essen, für das ich mich mit meinem Bekannten verabredet habe. Allerdings haben die Veranstalter vor das Essen den Cocktail gesetzt. Dieser ist sehr fruchtig, sehr lecker und schmeckt ein wenig wie ein bekanntes Fruchtbonbon mit flüssiger Füllung. Nachdem ich die Wirkung des zweiten Glases bereits deutlich spüre, beeile ich mich, ans Buffet zu kommen.
Offensichtlich habe ich beim Essen (und der sich daran anschließenden Unterhaltung) doch mehr Zeit vertrödelt, als ich erwartet habe. Und so muss ich etwas überhastet meine Habseligkeiten zusammen suchen und mich verabschieden. Der Weg durch die Hallen in Richtung Bahnhof zieht sich, mit vollem Magen und schweren Beinen, endlos hin. Die Stände sind mittlerweile zum größten Teil mit Planen abgehangen und die Beleuchtung ist weit herunter gedimmt. In den Gängen kommen mir nur noch wenige Menschen entgegen und die Stimmung in den, vor kurzem noch vollen, Hallen hat etwas gespenstisches. Draußen vor den Toren der Messe ist dann doch deutlich mehr los und ich quetsche mich in die völlig überfüllte Straßenbahn. Am Bahnhof angekommen wird es etwas hektisch und mir bleibt grade noch genug Zeit, dass richtige Gleis zu erreichen – mein Zug ist wider Erwarten pünktlich.
Die Abteile sind fast komplett gefüllt; leider hatte ich, optimistisch wie ich bin, auf eine Sitzplatzreservierung verzichtet. Ich lasse mich gegenüber zweier Damen nieder, die offensichtlich auch zu den Messebesuchern zählen. Die beiden sind alle fünf Tage auf der Messe - fahren abends allerdings wieder zurück nach Aschaffenburg und morgens nach Nürnberg. Eine sportliche Leistung, wie ich finde, allerdings ziehen die Nürnberger Hoteliers zu Messezeiten die Preise auch weit über die Schmerzgrenze hinaus an. Die restliche Fahrt verbringe ich damit, ein wenig zu dösen und die Eindrücke zu verarbeiten, die den ganze Tag auf mich eingeprasselt sind. Letzten Endes war es wieder eine sehr schön, interessante Veranstaltung, bei der ich leider nicht halb so viel gesehen habe, wie ich wollte.


In den letzten Jahren waren es immer alles überragende Themen wie Zombies, Einhörner, Comichelden oder der neueste Star Wars-Film, die sich dem Besucher geradezu aufdrängten. Doch in diesem Jahr hatte ich den Eindruck, dass diese einseitige Dominanz fehlte. Natürlich gab es noch genug Merchandise und Lizenzprodukte, aber es war deutlich dezenter als in den vorangegangenen Jahren. Woran das liegt kann ich nicht sagen, auf jeden Fall fand ich es sehr angenehm nicht überall das Gleiche in unterschiedlicher Verpackung zu sehen.
Der Brettspiel-Sektor ist sehr stark, wächst weiter und bringt die Menschen dazu, sich zusammen an einen Tisch zu setzen, zu spielen und miteinander zu reden. Nach wie vor gibt es zaghafte Versuche traditionelle Brettspiele mit elektronischen Medien zu kombinieren, aber meist bleibt es bei Randerscheinungen und halbherzigen Konzepten. Dass dieses Vorgehen ein Spiel deutlich aufwerten kann, hatte der Heidelberger Spieleverlag seinerzeit mit Villen des Wahnsinns eindrucksvoll gezeigt. Allerdings ist mir seitdem nichts mehr begegnet, dass von dieser Verschmelzung ähnlich profitiert hätte. Auf jeden Fall gibt es auch in diesem Jahr wieder genug tolle, spannende, lustige und komplexe Spiele um die stetig wachsende Schar der Spieler zu beschäftigen.
Neben den eigentlichen Ausstellungsflächen haben es die Organisatoren wieder geschafft ein recht abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit vielen Vorträgen und Diskussionen auf die Beine zu stellen – irgendwann schaffe ich es auch bestimmt einmal dorthin.
Der eigentliche Ablauf der Messe war, zumindest für mich als Besucher, angenehm entspannt: kein Gedränge am Einlass, hilfsbereites Personal an jeder Ecke, eine professionelle Organisation und viele Freiräume um kurz zu entspannen.

Während die Anzahl der Aussteller in diesem Jahr leicht angestiegen ist, war die Besucherzahl ein klein wenig rückläufig; so zumindest die offiziellen Zahlen des Veranstalters. Allerdings sind gut 71.000 Fachbesucher immer noch eine ziemlich solide Hausnummer.