Montag, 23. September 2013

[Konzert] The Eden House
Support: Jordan Reyne
Freitag, 20. September 2013
Das Bett, Frankfurt

Als ich mir vor einiger Zeit, auf die Empfehlung eines Freundes hin Smoke And Mirrors, das Debut-Album der Briten von The Eden House, zugelegt hatte, war ich angenehm überrascht. Druckvoll, gitarrenlastig und mit unterschiedlichsten Sängerinnen sowie Gastmusikern spielt die Band um Stephen Carey und Tony Pettitt soliden Goth-Rock, der seine Wurzeln in den frühen neunziger Jahren weder verleugnen kann, noch will. Diesem ersten Album folgten auch recht bald The Looking Glass und die EP Timeflows in meine Sammlung. Im Frühjahr veröffentlichte die Band schließlich ihr drittes Album Half-Life und Termine für einige Konzerte in Deutschland, zusammen mit den Dreadful Shadows, wurden angekündigt. Glücklicherweise war einer der Termine im Frankfurter Bett, einem der Clubs, die ich recht häufig besuche. Leider musste die Tour jedoch kurzfristig abgesagt werden und ich konnte mich nur mit der CD begnügen. Umso erfreuter war ich, als vor Kurzem zwei Deutschland-Konzerte der Band bestätigt wurden, einer davon sogar in Frankfurt.

So mache ich mich dann ein einem relativ sonnigen Freitagabend auf den Weg nach Frankfurt. Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit habe ich diesmal sogar schon die Karten im Vorverkauf geholt, sodass dem Konzertbesuch eigentlich nichts mehr im Weg stehen sollte. Abgesehen vom freitäglichen Feierabendverkehr verläuft die Anreise dann angenehm ereignislos und auch die Parkplatzsuche vor dem Bett ist eigentlich auch kein Problem. Schließlich betrete ich, voller Vorfreude, kurz nach 20 Uhr den kleinen Club. Wirklich viel ist allerdings noch nicht los, was mir die Gelegenheit gibt, mich mit den nötigen Getränken zu versorgen. Da der Merchandise-Stand noch verwaist ist, mache ich es mir auf einem Barhocker vor den Mischpulten gemütlich. Das Equipment ist schon auf der Bühne verteilt und eigentlich sollten um 21 Uhr die Herren von Reptyle das mittlerweile etwas zahlreichere Publikum auf den Hauptakt einstimmen. Nach 20 Minuten ist immer noch nichts passiert, als eine zierliche, rothaarige und reichlich tätowierte Dame die Bühne betritt und sich als Jordan Reyne vorstellt. Derzeit ist sie als Sängerin mit The Eden House unterwegs, doch da die Vorband an diesem Abend leider krankheitsbedingt nicht auftreten kann, übernimmt sie kurzerhand auch noch alleine das Vorprogramm mit ihrem eigenen Material. Nur ausgestattet mit zwei Loop-Maschinen, einer akustischen Gitarre und einer beeindruckenden Stimme legt die Neuseeländerin direkt los, indem sie dank der Loops mehrstimmig mit sich selbst singt. In der folgenden Stunde spielt Frau Reyne ein recht abwechslungsreiches Set, mit einer Mischung aus rein akustischen Nummern, mit alltäglichen Soundschnipseln versetzten Acapella-Stücken bis hin zu wüsten Industrial-Klängen. Zwischendurch macht sie in erstaunlich gutem Deutsch immer wieder ihre Späße mit dem Publikum, erzählt etwas zur Entwicklungsgeschichte ihrer Stücke oder hadert mit dem Tontechniker, der wiederum den Sound nicht immer richtig in den Griff bekommt.
Offensichtlich bin nicht nur ich von diesem Auftritt begeistert, auch der Rest des Publikums applaudiert am Ende des Sets nach Kräften. Entsprechend sind die CDs von Jordan Reyne am mittlerweile gut bestückten Merchandise-Stand rasch ausverkauft, wobei ich das Glück habe die letzten Exemplare von The Annihilation Sequence und Children Of A Factory Nation zu ergattern.

Wie schon zuvor von ihr angekündigt kehrt Jordan Reyne nach nur ein paar Minuten Verschnaufpause wieder auf die Bühne zurück. Diesmal ist sie jedoch nicht alleine, sondern hat ihre Mitmusiker von The Eden House mit im Schlepptau. Da es bei der Vielzahl der beteiligten Musiker und Sängerinnen nie so ganz sicher ist, wer gerade zum aktuellen Live-Line-Up gehört, bin ich gespannt, wer an diesem Abend das Konzert bestreitet. Diesmal stehen an den Gitarren Stephen Carey und Rob Leydon, am Schlagzeug Simon Rippin und am Bass natürlich Tony Pettitt auf der Bühne. Jordan Reyne bekommt zudem am Mikrofon Verstärkung durch Laura Bennett, die beide auch auf der neuen CD zu hören sind.
Der Opener „Gods Pride“ vom Debut-Album beginnt relativ langsam, wird aber immer weiteren Verlauf immer druckvoller. Auch hier setzen sich die Probleme mit der Technik fort. Den Zuhörern fällt dies zwar kaum auf, aber die Band, und vor allem die Sängerinnen haben sichtlich mit den übermächtigen Gitarren zu kämpfen. Mit „Butterflies“ folgt ein Stück vom neuen Album und so langsam kommt auch etwas Bewegung in die Zuschauer. Zwischen den Stücken fungiert Frau Reyne immer wieder als Dolmetscherin zwischen der Band und dem Publikum und trägt dabei ihren Teil zur lockeren Stimmung im Saal bei. Um den Auftritt der Band auch optisch aufzuwerten werden, neben der Lightshow, auch Bilder hinter die Band an die Wand geworfen. Neben geometrischen Mustern und den Plattenartworks gibt es auch kleine Filmschnipsel zu sehen, die sich thematisch auf die einzelnen Songs beziehen. Waren die ersten beiden Stücke noch etwas gemächlich so rockt das folgende „Neversea“ ordentlich und die Musiker legen sich mächtig ins Zeug um dem Publikum einzuheizen. Darauf folgt, nicht ganz so rockig, aber durch den dominanten Bass ebenso druckvoll, „All My Love“, welches live mit zwei Sängerinnen tatsächlich besser ist als die Studioversion. Mittlerweile wiegt sich ein Großteil der Besucher im Takt zur Musik, was der Band augenscheinlich gefällt und ihre Performance noch mehr. Wieder mit der Technik zu kämpfen hat die Band bei „Wasted On Me“, bei dem die Gitarren den Gesang fast vollständig übertönen, was dem Stück viel von seiner Stimmung nimmt und offensichtlich auch für die Musiker nicht wirklich angenehm ist. 

Diese Probleme setzten sich auch bei „Remember“ fort, wobei es hier auch noch die eine oder andere störende Rückkopplung gibt. Glücklicherweise funktioniert die Technik bei „The Dark Half“ wieder etwas besser und die beiden Damen können die sinistren Lyrics in angemessenen Rahmen vortragen. Musikalisch geben hier vor allem das Schlagzeug und der Bass die Richtung vor, während die beiden Gitarristen eher zuarbeiten und sich auf eine unterstützende Funktion beschränken. Für mich der Höhepunkt des Sets und mein unbestrittenes Lieblingsstück ist das folgende „Timeflows“. In den knapp 10 Minuten ist es in erster Linie der treibende Bass, der das Lied trotz der Tempowechsel zusammenhält und dafür sorgt, dass es bis zum letzten Ton spannend bleibt. Gegen Ende schleichen sich jedoch auch hier wieder einige Rückkopplungen ein, von denen ich mir den Spaß an dem Stück jedoch nicht vermiesen lasse. Eher ruhig lässt die Band den regulären Teil des Konzertes mit „City of Goodbyes“ ausklingen, bei dem zum ersten Mal an diesem Abend die Vocals wirklich im Vordergrund stehen und die Musiker sich weitgehend zurück halten und erst zum Finale des Stückes etwas mehr aufdrehen.

Danach verlässt die Band die Bühne und verschwindet im Backstage-Bereich um sich ein bisschen vom Publikum feiern zu lassen. Wieder ist es Jordan Reyne die alleine zurück ins Rampenlicht kommt, um die Zuschauer noch ein bisschen anzufeuern. Schließlich hat auch der Rest der Band ein Einsehen und kommt für eine Zugabe zurück auf die Bühne. Im Vergleich zu den vorangegangenen Stücken ist „Sin“ geradezu langsam, kann aber trotzdem mit einer kraftvollen Instrumentierung aufwarten. Für das letzte Stück, das ausgesprochen eingängige „To Believe In Something“, legt sich die Band noch einmal richtig ins Zeug und auch die Technik spielt zur Abwechslung mit, sodass der Auftritt damit kurz vor Mitternacht einen würdigen Abschluss bekommt.
Die Band verabschiedet sich dann erneut von der Bühne, nur um wenige Minuten später wieder am Merchandise-Stand aufzutauchen. Hier haben die Besucher Gelegenheit ein bisschen mit den Musikern zu schwätzen, sich mit CDs und Shirts einzudecken und sich diese natürlich auch signieren zu lassen. Wer noch nicht müde ist, hat nun direkt im Anschluss bei der „Desperate Society Party“ im Bett die Möglichkeit zu Gothik- und Wave-Klängen noch ein paar Stündchen weiter zu feiern. Für mich ist das leider nichts, da ich am nächsten morgen früh raus muss und noch 70 km zu fahren habe.

Wirklich überrascht hat mich der Auftritt von Jordan Reyne. Ich kannte sie lediglich von Half-Life, wo sie schon bei einigen Tracks für die Vocals verantwortlich war. Die Musik, die sie in ihrem Solo-Programm spielt, unterscheidet sich zwar grundsätzlich davon, ist aber nichtsdestotrotz ausgesprochen beeindruckend. Vor allem die Arbeit mit den Loops und alltäglichen Geräuschen, die sie in ihre Stücke einfließen lässt, ist einfach großartig. Auch ist es erstaunlich, wo diese eigentlich recht zierliche Person die Kraft für ihre Stimme hernimmt. In jedem Fall ein toller Auftritt, der wohl nicht nur mich nachhaltig beeindruckt hat.
Dies war jedoch lediglich ein unerwarteter Bonus, denn ich war ja in erster Linie wegen The Eden House nach Frankfurt gekommen. Und auch hier wurden meine Erwartungen durchaus erfüllt. Die Musiker, allesamt Leute mit langjähriger Erfahrung in den verschiedensten Bands, beherrschen natürlich ihre Instrumente hervorragend. Allerdings ergibt sich daraus manchmal das Problem, das sie einfach ihr Set runterspielen und dann einfach im Backstage verschwinden. Nicht so hier: Die Band hatte augenscheinlich Spaß an dem Auftritt und auch am Zusammenspiel miteinander. Immer wieder wurden kleine Scherze (auch auf Kosten der Bandkollegen) gemacht, das Publikum mit einbezogen und auch die technischen Schwierigkeiten mit Humor genommen. Nach dem eigentlichen Auftritt tummelten sich die einzelnen Bandmitglieder entweder an der Theke oder am Stand und waren bester Laune und einem kleinen Plausch durchaus nicht abgeneigt.
Normalerweise haben die Verantwortlichen des Bett die Tontechnik eigentlich ganz gut im Griff, daher fand ich es merkwürdig, dass es sowohl bei Jordan Reyne als auch bei The Eden House öfter zu Problemen kam. Vor allem die Sängerinnen hatten im Verlauf des Konzertes sichtlich Probleme damit gegen die Gitarren anzukommen, die fast alles andere in den Hintergrund drückten. Die Projektionen im Hintergrund waren nett anzusehen, haben aber für meinen Geschmack zu viel vom Geschehen auf der Bühne selbst abgelenkt. Davon einmal abgesehen hat es das Team vom Bett wieder einmal geschafft eine tolle Band nach Frankfurt zu holen und den Besuchern damit einen gelungenen Abend zu bescheren.



Donnerstag, 12. September 2013

[Konzert] Emilie Autumn
Dienstag, 11. September 2013
Schlachthof, Wiesbaden

Emilie Autumn macht unbestreitbar recht gewöhnungsbedürftige Musik, teils klassisch, teils elektronisch, dabei immer etwas schräg mit einer Vorliebe für morbide Texte. Was ich bisher von der Dame gehört habe, ist zwar interessant, trifft aber eigentlich so gar nicht meinen Musikgeschmack. Allerdings wurde mir von einer Bekannten wärmstens ein Besuch der Live-Show angeraten, sollte sich diese Gelegenheit einmal bieten. Und da Frau Autumn im Rahmen ihrer aktuellen Fight Like A Girl-Tour einen kurzen Zwischenstopp in Wiesbaden einlegt, wollte ich mir dies nicht entgehen lassen.

Um 19 Uhr öffnen sich die Tore des Schlachthofs und mir wird beim Anblick der langen Schlange etwas mulmig, da ich es (wieder einmal) versäumt habe, mir die Karten für das Konzert im Vorverkauf zu sichern. Doch meine anfänglichen Bedenken sind unbegründet. So ist die große Halle zwar gut besucht, aber noch ein ganzes Stück davon entfernt wirklich voll zu sein. Nachdem ich mir meine Karte gesichert habe, ist noch fast eine Stunde Zeit und so gehe ich wieder zurück ins 60/40, das Bistro des Schlachthofs. Zum Glück kann ich einen der Fensterplätze ergattern und habe so einen guten Ausblick auf die Besucher, die sich ihren Weg durch die großen Pfützen in Richtung der Halle bahnen: Herren im Anzug sind dabei genauso vertreten wie Damen in viktorianischer Abendgarderobe, Punks mit lustig hochtoupierten Haaren, einige Grufties in Lack und Leder und Menschen in normaler Straßenkleidung. Allein vom Publikum her dürfte es also zumindest ein interessanter Abend werden.

Kurz vor 20 Uhr gehe ich dann auch in Richtung der Halle, um mir noch einen ordentlichen Platz zu sichern. Das Gedränge am Merchandise-Stand hält sich im Rahmen, doch außer einigen Shirts und etwas Schmuck gibt es dort nichts Interessantes zu entdecken. Große Erwartungen weckt dagegen die Bühnendekoration: Ein Gestell mit einem schmiedeeisernen Tor dominiert die Bühne, rechts davon befindet sich ein kleiner Beistelltisch mit einer stilvollen Teekanne und einem Korb mit Muffins (wobei hier natürlich Scones passender gewesen wären). Auch links steht ein kleiner Tisch, dieser allerdings ohne größere Dekorationen. Pünktlich um 20 Uhr verlöschen dann die Lichter im Saal, lediglich die Beleuchtung der Notausgänge und die Laternen auf der Bühne sorgen dafür, dass die Halle nicht in völliger Finsternis versinkt. Als musikalische Untermalung läuft derweil eine Auswahl verschiedener Music Hall- und Vaudeville-Stücke aus den 20er und 30er Jahren und sorgt bei den Zuschauern für eine entspannte Atmosphäre. Im Nachhinein könnte man auch sagen, dass wir in Sicherheit gewiegt werden sollten, denn unvermittelt weicht die Dunkelheit grellen Stroboblitzen und die Musik wird durch heftiges Geschepper abgelöst. Nachdem sich so die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf die Bühne konzentriert, entert Emilie Autumn zu den Klängen von „Fight Like A Girl“, dem Titelstück des letzten Albums die Bühne. Verstärkung bekommt sie dabei von Captain Maggot und Veronica Varlow, beides Mitglieder ihrer Begleitband „The Bloody Crumpets“. Gekleidet sind die drei in eine wilde Mischung aus Pippi-Langstrumpf-Look, viktorianische Unterwäsche und Piratenkostüme und in jedem Fall ein Blickfang. Die Damen nehmen den Zuschauer an diesem Abend mit auf einen Besuch in das „Asylum for Wayward Victorian Girls“. Um diese Irrenanstalt und deren Insassen dreht sich alles in den folgenden beinahe zwei Stunden. Hat Frau Autumn zu Beginn des Auftritts noch einen imposanten Kopfschmuck, so wird sie dessen von ihren beiden Mitstreiterinnen im Laufe des bitterbösen und musikalisch heftigen „Time for Tea“ beraubt. Einen Ruhepunkt in dem bisher wilden Treiben setzt das beschauliche und fast ausschließlich mit Klavier und Violine instrumentierte „What Will I Remember?“.
Hier haben sowohl die Künstler als auch das Publikum Zeit, einen kurzen Moment zu verschnaufen. Ebenso ruhig ist „Take The Pill“ ausgefallen, bekommt aber durch das Geschehen auf der Bühne und den Text eine recht beklemmende Wirkung. So wird die Sängerin doch in eine Zwangsjacke eingeschnürt und der Song steigert sich zu einem irren Finale. Ebenfalls nicht unbedingt vor Lebensfreude sprüht das folgende „The Art Of Suicide“. An diesen doch eher düsteren Teil des Auftritts schließt sich ein etwas lockerer Part an. Dabei macht Captain Maggot ihre Späße mit dem Publikum und stellt ihre Mitstreiterinnen vor, während Veronica Varlow unter Zuhilfenahme von zwei Fächern mit Straußenfedern eine gelungene Tanzeinlage abliefert. Danach machen sich die drei Damen etwas über anzügliche Fan-Fiction lustig, was dann in dem „Ratty Game“ mündet, bei dem Veronica über eine der Zuschauerinnen herfallen darf. Damit wird das Publikum schließlich in die wohlverdiente Pause entlassen, bei der die Möglichkeit besteht, den Flüssigkeitspegel wieder aufzufüllen oder draußen ein paar Lungenzüge voll frischer Abendluft zu schnappen.

Wie angekündigt ist die Pause tatsächlich recht kurz und „Girls! Girls! Girls“, eine reinrassige Revue-Nummer, leitet den zweiten Teil der Show ein. Emilie Autumn ist mittlerweile in burschikose Kleidung geschlüpft und hat so erneut die Rollen gewechselt. Anstatt selbst den Part der Irren zu übernehmen, gibt sie den Zuhälter, der die Mädchen der Anstalt an gutsituierte Herren vermietet. Damit ist dann auch wieder Zeit für eine kleine Showeinlage, diesmal lässt Captain Maggot zu den Klängen von „We Want Them Young“ einen brennenden Reifen um Bauch und Hals kreisen, was den anderen die Gelegenheit zu einem neuerlichen Kostümwechsel gibt. Eines der Highlights für mich ist das bedrohlich aus den Boxen dringende „Scavenger“, das die lockere Atmosphäre in der Halle wieder durch Beklemmung ablöst. Verstärkt wird dieses Gefühl noch durch die finstere Gestalt, die auf Stelzen hinter der Sängerin herstakst und sie zum Finale des Stücks konfrontiert. Etwas versöhnlicher ist dagegen wieder „Gaslight“ angelegt, das klassisch instrumentiert, wieder mit Violinen und einen (wenn auch elektronischen) Spinett aufwarten kann. Langsam neigt sich der Abend seinem Ende und auch das Stück auf der Bühne steuert seinem Höhepunkt entgegen. In „The Key“ gelingt es den Insassen endlich aus den Zellen zu entkommen und sich gegen ihre Peiniger, die Ärzte und Pfleger zu erheben. Und in „One Foot In Front Of The Other“ marschieren sie letztendlich in die lang ersehnte Freiheit und damit dem letzten Stück des Auftritts entgegen.

Ich weiß nicht genau, wie ich den Auftritt beschreiben soll: Musical, Revue, Cabaret, Performance, Konzert oder alles zusammen. Eigentlich ist es nicht möglich, diesen Abend in Worte zu fassen und auch die Musik von Emilie Autumn auf CD kann nicht die Stimmung vermitteln, die in der Halle herrscht. Die Zuschauer hatten Spaß und auch die drei Damen auf der Bühne haben sich mächtig ins Zeug gelegt. Häufige Kostümwechsel, akrobatische Einlagen am Gerüst, das Spiel mit dem Publikum und auch die Muffinwürfe in den Zuschauerraum (Schokolade, sehr lecker!) zählten sicherlich zu den Highlights
 Das dabei die musikalische Untermalung dabei komplett aus dem Rechner kam, war zwar anfangs etwas befremdlich, hat aber letzten Endes gut zu diesem Auftritt gepasst. Ich hatte zwar zumindest das eine oder andere Violinensolo erwartet, doch von der Vorstellung eines „normalen“ Konzertes konnten sich die Zuschauer eigentlich schon nach der ersten Viertelstunde verabschieden. Stattdessen haben Frau Autumn und die „Bloody Crumpets“ eine, im wahrsten Sinne des Wortes, Show abgezogen, die ich und wahrscheinlich auch keiner der sonst Anwesenden so schnell vergessen wird.