Donnerstag, 28. Januar 2016
Nürnberg
Ist die SPIEL in Essen das Mekka aller Spielbegeisterten und Konsumwütigen, so stellt die Spielwarenmesse in Nürnberg quasi den Gegenentwurf hierzu dar. In den Messehallen herrschen weitgehend Ruhe und Zurückhaltung, die meisten (Fach-)Besucher gehen zielstrebig und konzentriert ihren Geschäften nach und praktisch nie kommt es zu Drängeleien oder Geschubse. Zwar gibt es hier kaum Spielmöglichkeiten, dafür steht in der Regel jedoch qualifiziertes Fachpersonal bereit, das in der Lage ist, Fragen zu den meisten Spielen zu beantworten. In den letzten Jahren habe ich die entspannte Atmosphäre in den Nürnberger Messehallen doch sehr zu schätzen gelernt und freue mich jedes Jahr darauf, mir die Neuheiten der Aussteller ansehen zu können.
Ich hatte in diesem Jahr eine relativ genaue Vorstellung, was ich mir bei den verschiedenen Verlagen anschauen wollte, ließ mir aber auch ein ausreichend großes Zeitfenster, um einfach so ein wenig die Produkte der verschiedensten Hersteller zu betrachten. Akkreditierung, Bahnfahrkarten und der notwendige Urlaub waren schnell organisiert, und so stand einem kleinen Ausflug zur Messe eigentlich nichts mehr im Weg.
Wie auch schon im letzten Jahr verlief die Anreise mit der Bahn, abgesehen von der obligatorischen Verspätung auf dem Weg zum Frankfurter Hauptbahnhof, schon ungewöhnlich problemlos. Ich hatte grade noch Zeit, mir ein wenig Reiseproviant zu besorgen, als mein Zug auch schon in den Bahnhof einfuhr und mir einen (vermeintlich) ruhigen Platz zu suchen. Eigentlich wollte ich nach einer sehr kurzen Nacht die drei Stunden Fahrt für ein kurzes Schläfchen nutzen, allerdings machte die wilde und lautstarke Knutscherei des Paares im Sitz vor mir jegliche Hoffnungen auf etwas Ruhe zunichte.
So kam ich dann etwas zerknittert, aber immerhin pünktlich, kurz nach 9 Uhr an der Messehalle an und ging fast auf dem direktem Weg zum Pressezentrum, um dort meine Jacke zu verstauen und mir den aktuellen Messekatalog zu holen. Dermaßen präpariert konnte ich mich nun daran machen, meine To-Do-Liste abzuarbeiten.
Auf dem Weg
zu meinem ersten Ziel musste ich die Halle 7A passieren, in denen die
Hersteller der verschiedensten fernsteuerbaren Fahrzeuge ihren Platz
gefunden haben. Nachdem einer meiner Kollegen mich ein wenig mit
seinen Quadkoptern angefixt hat, nutzte ich die Gelegenheit auf der
Messe auch einen kurzen Blick auf die angebotenen Modelle zu werfen.
Die schier unüberschaubare Auswahl überforderte mich jedoch
komplett und daher packte ich lediglich einige Kataloge ein um diese
zu einem späteren Zeitpunkt und vielleicht mit sachkundiger Hilfe
durchzugehen.
Mein eigentliches Ziel lag jedoch bei den Modellbauern in Halle 7, hier war ich vor allem neugierig, was den britischen Tabletop-Marktführer Games Workshop nach Nürnberg verschlagen hatte. Normalerweise machen die Mannen aus Nottingham um solche Veranstaltungen einen weiten Bogen. Der überraschend kleine Stand lag ziemlich zentral in der Halle und außer einem großen Diorama mit Figuren des Fantasy-Systems Warhammer – Age of Sigmar und einer Vitrine mit einigen weiteren Figuren gab es eigentlich nichts wirklich Spannendes zu sehen. Wirklich interessante Neuigkeiten ergaben sich dann auch erst nach dem Gespräch mit dem Standpersonal. Vor allem die Rückkehr des großartigen Fantasy-Football-Spiels Blood Bowl mit neuen Figuren und überarbeiteten Regeln im nächsten Jahr sorgte bei mir für sichtbare Vorfreude, da dieses Spiel seit über 20 Jahren zu meinen Lieblingen zählt. Auch nicht unspannend war die Ankündigung, alte, relativ einfache Bausätze der Space Marine- und Ork-Fraktionen aus dem Warhammer 40.000-Universum neu zu verpacken und mit einigen Farben, Pinsel und Kleber als Einstiegsmodelle an eine jüngere Zielgruppe zu vermarkten. Angesichts der angekündigten Preise dürften die Modelle aber auch für altgediente Spieler interessant sein, die ihre Armeen aufstocken wollen. Im Vergleich zu den letzten Jahren tummelten sich in dieser Halle auch erstaunlich viele Hersteller von Lack- und Acrylfarben, von denen ich Acrylicos Vallejo auf jeden Fall einen Besuch abstatten wollte. Neben einigen neu zusammengestellten Farbsets und Airbrush-Farben mit neuer Rezeptur war es vor allem das Buch The Rise of Fantasy, das ich gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Autor Juan Barrena beschreibt hier dezidiert die Entstehung einiger großartiger Dioramen von den ersten Skizzen bis hin zum fertigen Werk. Nebenan bei MIG Productions konzentrierte man sich in erster Linie auf den Einsatz von Pigmenten um Modellen den letzten Schliff zu geben. Auch hier standen Produkte im Vordergrund, die dem Anwender die Erzielung spektakulärer Effekte erleichtern sollen. Während einer kurzen Vorführung hatte ich schließlich die Gelegenheit einige Erklärungen einzuholen, die mir hoffentlich bei künftigen Projekten helfen werden.
Ich konnte diesen Hallenbereich nicht verlassen ohne vorher noch einen Blick auf den Stand des Airbrush-Pistolen-Herstellers Badger zu werfen, wo ein Künstler den ganzen Tag damit beschäftigt war die Tankverkleidung eines Motorrads zu verschönern. Auch bei einigen anderen Modellbauherstellern wie beispielsweise Italeri, Heller oder Zvezda warf ich noch einen schnellen Blick auf die Neuheiten, fand aber nichts wirklich Spektakuläres, so dass ich mich schon bald weiter auf den Weg zu meinen eigentlichen Ziel, der Halle 10, machte.
Zwischendurch schaute ich noch kurz bei Folat vorbei, einer
niederländischen Firma, die allerlei Partyzubehör im Angebot hat.
Zwar gab es hier auch einige recht interessante Dinge zu sehen,
Luftballons in allen Farben und Formen oder wirklich lustige
Scherzartikel, doch ich interessierte mich eher für das großartige
Give-Away, das am Messestand abgeholt werden konnte. Mit dem stabilen
Trolley fiel das Gewicht der zahlreichen Prospekte, Kataloge und
Flyer die sich schon nach kurzer Zeit in meiner Tasche angesammelten
gar nicht mehr auf und ich konnte, spürbar erleichtert, meinen Weg zu meinen weiteren Zielen
fortsetzten.
In
Halle 10 war die erste Anlaufstelle natürlich der mächtige Stand
von Kosmos, deren
Experimentierkasten KosmoBits
am Tag zuvor mit dem Toy
Award 2016 ausgezeichnet
worden war. Wie schon frühere Experimentierkästen, so ist auch hier
das Ziel Kinder spielerisch an Themen mit technischem Hintergrund
heranzuführen, in diesem Fall die Programmierung eines
Bewegungssensors. Mit diesem lassen sich dann nicht nur kleine Spiele
auf dem Pad steuern sondern auch praktische Anwendung entwickeln. Ein
interessantes Konzept, ganz in der Tradition des Kästen, mit denen
ich seinerzeit herumgewerkelt habe. Natürlich gab es daneben auch
mit der Big Box
die unvermeidliche Erweiterung für die Siedler
von Catan und eine
Neuauflage des dazugehörigen Kartenspiels. Leider macht der Star
Wars-Hype auch bei diesem
Hersteller keine Ausnahme und mir stellte sich die Frage, ob die Welt
unbedingt ein Star Wars
Ubongo gebraucht hätte.
Glücklicherweise gab es aber auch noch einige originelle Konzepte zu
sehen, so beispielsweise Schmuggler,
bei dem die Spieler Gegenstände in Knete verstecken und diese durch
die Kontrolle schmuggeln müssen, oder das Bauspiel Imhotep,
das die Pyramidenkonstrukteure und Taktiker fordert. Natürlich
bekommt das Detektivzubehör der Die drei ???-Reihe
ebenfalls einigen Zuwachs und verschiedene kleinere Spiele erweitern
das Portfolio des Verlags. Meine nächstes Ziel befand sich am
entgegengesetzten Ende der Halle und ich unterbrach meinen Weg nur
kurz, um die neuesten Würfel zu bestaunen, die Q-Workshop
aus Polen mitgebracht hatten. Hier war man anscheinend der Meinung,
das jede Kampagne des Pathfinder-Rollenspiels
einen eigenen Würfelsatz braucht, ebenso wie verschiedene
Cthulhu-Settings.
Daneben gab es natürlich noch einige universelle Würfelsets, edel
aufgemachte Würfelbecher und stylische, auf das jeweilige
Spielsystem abgestimmte, Würfeltürme zu bestaunen. Nach diesem
kurzen Intermezzo erreichte ich schließlich mein eigentliches Ziel,
den Stand des Heidelberger Spieleverlag.
Natürlich waren auch hier die Star
Wars-Spiele prominent
vertreten. Neben dem kleinen, schnellen Raumkampfspiel X
Wing, dessen kommende
Neuerscheinungen ich schon in der Vitrine betrachten konnte, die strategische Raumschlacht Armada
und der Dungeon Crawler Imperial
Assault. Um die Konflikte
aus den Filmen schließlich auf ein galaktische Maß zu bringen wird
in Kürze Rebellion
erscheinen, bei dem die Spieler entweder als Rebellen oder Imperiale
um die Kontrolle über ganze Planetensysteme ringen und dabei das
komplette aus den Filmen bekannte Arsenal, einschließlich der
Todessterne, einsetzen können. In eine ganz ähnliche Richtung geht
das im Warhammer
40.000-Universum
angesiedelte Strategiespiel Verbotene
Welten, bei dem ebenfalls
verschiedene Fraktionen um die Kontrolle über Planeten und Ressourcen
ringen. Natürlich gab es auch noch einige andere Spiele, darunter
weitere Lizenzprodukte, zu sehen, beispielsweise den Dungeon-Crawler
Dungeon Saga,
der zumindest optisch eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit dem
Klassiker HeroQuest
aufweist, Spiele zu den Fernsehserien Homeland
und Game of Thrones
oder Twin Tin Bots,
bei dem die Spieler Bewegungsabläufe für ihre Roboter planen und
diese in einen Parcours schicken. Danach ging es hinüber zu Pegasus
Spiele, die wie schon im letzten Jahr, mit einem recht
großen Stand im Übergangsbereich der Hallen 10 und 11 anzutreffen
waren und hier ihr komplettes Produktsortiment aufgebaut hatten. Viel
interessanter als die schon erhältlichen Spiele waren für mich
jedoch die kommenden Neuheiten, auf die man schon einen ersten Blick
werfen konnte. Hier waren es vor allem Fortsetzungen und Ableger
schon bekannter Titel, beispielsweise der Kartenspielversion des
großartigen Intrigen-Spiels Junta, die eigenständige
Munchkin Steampunk-Erweiterung oder Schattenland, der
vereinfachte Einsteig ins Cyberpunk-Rollenspiel Shadowrun, die
mich interessierten. Aber auch einige originelle Neuheiten gab es zu
bestaunen, so die abenteuerliche Suche nach dem Yeti oder das
putzig anzuschauende Gierige gierige Goblins, die sich beide
an eine etwas jüngere Zielgruppe richten. Viele der hier
ausgestellten Neuheiten befanden sich noch in einer mehr oder minder
frühen Entstehungsphase, aber zumindest konnte sich der
interessierte Spieler ein Bild davon machen, was in den nächsten
Monaten von den Friedbergern veröffentlicht wird. Nachdem ich mir
damit auf der unteren Ebene einen ersten Überblick verschafft hatte,
ging es weiter in der ersten Stock der Halle 10, in der die meisten
traditionellen Brettspielverlage untergebracht waren.Direkt von der Rolltreppe aus stolperte ich in den Stand von Schmidt Spiele, bei denen es wieder einige hübsche Spielideen zu sehen gab. Hier bekam der Spielernachwuchs etwas geboten, zum Beispiel mit Burg Flatterstein, bei dem die Spieler Fledermäuse mittels eines Katapultes in eine Schlossruine befördern müssen. Aber auch für ältere Semester gab es das eine oder andere interessante Stück: so müssen die Spieler bei Skull King – Das Würfelspiel die Anzahl der Stiche ansagen, die sie erwürfeln; ein interessantes Konzept, für mich mit meiner Würfelphobie aber eher ungeeignet. Viel besser, sowohl optisch als auch vom Spielkonzept her, gefiel mir dagegen das Kartenstichspiel Vampire Queen das sich durchaus auch für größere Spielergruppen eignet. War ich beim Erscheinen von Star Wars Carcassonne Ende letzten Jahres schon etwas irritiert gewesen, überraschte mich die Ankündigung einer Erweiterung nun nicht mehr ganz so sehr. Ob es dann aber tatsächlich ein Star Wars Qwirkle braucht, dessen Prototyp schon hier ausgestellt war, möchte ich doch bezweifeln. Amigo entwickeln sich dagegen immer mehr zum Spezialisten für kleine, feine Kartenspiele mit denen sich Spieler aller Altersgruppen anfreunden können. Optisch machten Dao, Unter Spannung oder auch Schnapp den Sack nicht unbedingt viel her, zeigten aber, dass es immer noch möglich ist, altehrwürdigen Spielprinzipien neue Aspekte abzugewinnen. Die kurzen Testspiele machten zumindest Appetit auf mehr und die Spiele werden wohl in absehbarer Zeit meiner Sammlung hinzugefügt werden. Ganz besonders bin ich jedoch auf die Wizard Jubiläumsedition gespannt, die dem Spiel nicht nur neue Artworks sondern auch noch sechs neue Karten spendiert um das Spielgeschehen durcheinander zu bringen.
Ich bin, zugegebenermaßen, ein großer Freund der Spiele des Verlags Iello und war entsprechend neugierig was die Franzosen in diesem Jahr vorstellen würden. Neben einer, noch namenlosen, Erweiterung für die Monsterkeilerei King of New York gab es Prototypen des strategischen Worker Placement Spiels Bunny Kingdom zu sehen, bei Oceanos machen sich die Spieler in U-Booten auf eine unterseeische Schatzsuche um sich anschließend bei Sea of Clouds als Luftschiffpirat in luftigen Höhen auf Kaperfahrt zu gehen. Neben diesen schon weit fortgeschrittenen Spielentwicklungen gab es dann noch eine ganze Reihe kleinerer Spiele in verschiedenen Entstehungsstadien zu sehen. Gerne hätte ich zu dem einen oder anderen Spiel einige Fragen gestellt, doch das Standpersonal zog sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit entweder in das improvisiertes Büro oder vor den Computer zurück und war dann nicht ansprechbar. Schade eigentlich!
Viel entgegenkommender war man dagegen bei
Asmodee, die mittlerweile eine beeindruckende Anzahl an
Verlagen, beispielsweise Days of Wonder, Treefrog Games,
Ludically oder auch Lookout Games, unter ihrem Dach
versammelt haben. Hier waren es vor allem die, ursprünglich über
Kickstarter finanzierten, Brettspiele mit ihrer opulenten Ausstattung
welche die Aufmerksamkeit auf sich zogen. So wie beispielsweise Blood
Rage, in dem die Spieler mit ihrem Wikinger-Clan plündern,
Questen erfüllen und Länder erobern um vor dem drohenden Ragnarök
Ruhm und Ehre anzuhäufen, um schließlich an der Tafel der Götter
in Walhalla zu sitzen. Auch der neueste Zombicide-Ableger
Black Plague fällt in diese Kategorie und verlegt die
Bedrohung durch die Untoten Horden ins finstere Mittelalter. Neben
dem sehr umfangreichen Spielmaterial haben die Autoren dem Spiel
sogar noch einige Neuerungen verpasst. In eine etwas andere Richtung
geht dagegen das cthuloide Weird War-Strategiespiel Shadows over
Normandie: hier müssen die Spieler kurz nach dem D-Day entweder
verhindern, dass die bösen Nazis den großen Cthulhu beschwören
oder als Achsenmächte die Invasoren zurück ins Meer drängen.
Ebenfalls an regem Besucherinteresse konnten sich die grafisch
wirklich überragende Mörderhatz Mysterium und das
Zeitreise-Epos T.I.M.E. Stories erfreuen, zu dem die beiden
Erweiterungen Der Marcy-Fall und Die Drachenprophezeiung
präsentiert wurden. Trotz der zahlreichen Besucher nahm sich das
Standpersonal tatsächlich die Zeit und beantwortete Detailfragen zu
den Spielen ausführlich und erstaunlich fachkundig; auf einer Messe
nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit. Auch bei Queen Games
hatte man sich wieder angestrengt, um mit einigen
Neuheiten aufzuwarten. Risky Adventures, eine Schatzjagd rund
um den Erdball in bester Indiana-Jones-Manier, das Architektenspiel
World Monuments und auch das im viktorianischen England
angesiedelte Handelsspiel London Markets machten sowohl
optisch, als auch von der Spielidee her einen ziemlich guten
Eindruck. Ob dieser erste Eindruck auch bei einer eingehenderen
Prüfung Bestand hat werden dann wahrscheinlich die nächsten
Spieleabende zeigen.
Nachdem ich im letzten Jahr mein erstes Krimi-Dinner hinter mich gebracht habe, war ich von diesem Konzept doch sehr angetan und wollte die Messe nutzen, um mich nach eventuellen Fortsetzungen umzuschauen. Fündig wurde ich hier bei Krimi Total, einem Dresdner Verlag, der sich auf solche Publikationen spezialisiert hat. Dem netten Herrn am Stand gelang sogar das Kunststück, mir relativ viel über die Produkte zu erzählen ohne dabei zu spoilern. Zumindest das neu erschienene Intrigen-Epos Die Yacht der Macht, über eien Mord im Umfeld der korrupten Führung einer Bananenrepublik und das schon etwas ältere Im Schatten der Premiere, angesiedelt im Prag der 1920er Jahre, sind bestellt und werden in nicht allzu ferner Zukunft für hoffentlich spannende Abende sorgen. Schließlich stand noch der moses. Verlag auf meiner Liste, die immer wieder interessante Quiz- und Rätselspiele im Programm haben. Den meisten Spielern dürfte die Black Stories-Serie ein Begriff sein, die in Kürze mit der Scary Music Edition eine weitere Fortsetzung erhält, aber auch die Produktpalette zum Fernsehkrimi tatort wächst kontinuierlich. Daneben haben mir besonders gut das Geographie-Ratespiel Wo ist bitte Umtata? und Mr. Lister's Quiz Shooutout gefallen, beides Spiele, bei denen die Spieler endlich eine sinnvolle Anwendung für ihr mühevoll angesammeltes und normalerweise nutzloses Detailwissen haben. Obwohl es nicht unbedingt in mein Ressort fällt musste ich schließlich noch einen Blick auf die Collection Art-thérapie werfen, eine Serie mit Malbüchern der etwas anderen Art und wirklich sehenswert.
Nachdem ich damit praktisch meine komplette To-Do-Liste abgearbeitet hatte, machte ich mich wieder auf den langen Marsch ins Pressezentrum, um dort die zahlreichen Kataloge zu überfliegen, noch einige interessante Ziele herauszupicken und, ganz wichtig, ein paar Minuten die geschundenen Füße hochzulegen. Im Nachhinein stellte sich dies jedoch als kapitaler Fehler heraus, denn bei der zweiten Runde schmerzte jeder Schritt umso mehr. Immerhin konnte ich mein Gepäck hier ablegen und mich einigermaßen unbeschwert auf den Weg in die Hallen 3 und 4 machen.
Ich würde mir zwar selbst nie eine Modelleisenbahnanlage ins Wohnzimmer stellen, aber es ist doch schon beeindruckend, was Firmen wie Märklin, Faller oder Brawa aufstellen: Bei den, mit viel Liebe zum Detail gestalteten, Anlagen kann man wahrscheinlich stundenlang davor stehen und entdeckt immer noch neue, winzige Einzelheiten, die die Szenerie zum Leben erwecken. Einen etwas praktischeren Nutzwert für mich hatten die Produkte des Geländeherstellers Noch, die ich immer wieder gerne für die Gestaltung meiner Tabletop-Miniaturen und der dazugehörigen Szenerie nutze. Vor allem die realistisch aussehenden Gewächse hatten es mir angetan, aber auch für die verschiedene Effekte für Wasser, Eis und Schnee habe ich künftig sicherlich die eine oder andere Anwendung.
Der Weg zu meinen letzten Ziel führte mich durch Hallen vollgestopft mit Puppen, Schulutensilien, Kinderwagen und Feuerwerksartikeln, die ich alle weitgehend ignorierte, da ich wieder einmal viel zu viel Zeit vertrödelt hatte.
Schließlich kam ich bei meinem letzten Ziel, der Halle 12 an, die traditionell von den wirklich großen Spielzeughersteller wie Mattel, Playmobil, Revell oder Lego unter sich aufgeteilt wird. Wie in jedem Jahr stand ich vor den beinahe mannshohen Bauklötzchenfiguren des dänischen Herstellers im Eingangsbereich und staunte über die Details. Neben dem virtuellen Dimensions-Spielsystem stand die neue Figurenserie der Nexo Knights im Mittelpunkt, deren Figuren mich teilweise extrem an das Tabletop Warmachine erinnerten. Nachdem ich mich satt gesehen hatte schlenderte ich relativ gemütlich an den anderen Ständen vorbei, betrachtete die dort präsentierten Produkte und hielt noch das eine oder andere Schwätzchen mit Besuchern und Ausstellern. Einzig bei Revell verbrachte ich ein wenig mehr Zeit als eigentlich geplant. Auch dieser Hersteller kann sich über einen Toy Award für die Junior Kits freuen. Diese Auto-Bausätze machen optisch wirklich einen sehr guten Eindruck und sind solide genug, die Aufmerksamkeit der Zielgruppe längere Zeit zu überstehen. Ansonsten gab es auch hier zahlreiche Star Wars-Modelle zu sehen und auch der Trend zu ferngesteuerten Fahrzeugen am Boden, zu Wasser und in der Luft ist ungebrochen. In den, mit Fangnetzen abgesicherten, Bereichen konnten die Besucher sogar selbst Hand an die Fernbedienungen legen und einige Proberunden absolvieren.
Für die
Rückkehr ins Pressezentrum und das dort stattfindende gemeinsame
Essen blieb mir nicht mehr sonderlich viel Zeit und so wählte ich
den Weg über die Außenflächen um schneller voran zu kommen. Und
tatsächlich gelang es mir auch rechtzeitig um 17.30 Uhr am
Restaurant zu sein und den traditionellen Messecocktail zu
verkosten. Für meinen Geschmack war der Tolls
Toyce mit seiner Mischung
aus Cidre, Williams, Applie Pie Syrup und Rhabarbernektar jedoch
deutlich zu süß und ich beließ es beim Anstandsglas. Das
anschließende Essen fand dann wieder in ausgesprochen gelöster
Atmosphäre statt und es wurden fröhlich Meinungen und Gerüchte
ausgetauscht, wobei die wirklichen Spieler unter den anwesenden
Pressevertretern deutlich in der Unterzahl waren. Die Tipps für den
weiteren Messebesuch konnte ich mir dagegen sparen, da ich mich am
gleichen Abend wieder auf den Heimweg machen musste. Diesmal hatte
ich einen früheren Zug gebucht, daher verließ ich das Restaurant
recht zeitig und bahnte mir meinen Rückweg durch die nahezu
ausgestorbenen Messehallen. Nur gelegentlich kam mir ein Besucher
entgegen, der entweder auf der Suche nach einem Ausgang vom Weg abgekommen war
oder eine der zahlreichen After-Show-Partys besuchen wollte.Die Heimreise verlief dann, ebenso wie schon die Hinfahrt, angenehm ereignislos und ich hatte sogar die Gelegenheit immer wieder ein bisschen zu dösen. So kam ich nicht ganz so zerstört wie in den Vorjahren gegen Mitternacht in Ingelheim an und machte mich, nun im Auto, auf die letzte Etappe meines Weges um dann am nächsten Morgen mit der Sichtung des Materials zu beginnen.
Neben schmerzenden Füßen, einer leichten Erkältung und einer gewaltigen Menge an Katalogen konnte ich von der diesjährigen Spielwarenmesse noch einige wichtige Erkenntnisse mitnehmen: Der Zombie-Hype hat offensichtlich seinen Zenit überschritten und nur noch ganz vereinzelt müssen die Untoten für mehr oder minder gelungene Spielkonzepte und andere Produkte herhalten. Auch von den augenfeindlichen quietschgelben Minions war im Vergleich zum letzten Jahr kaum noch etwas zu sehen. Dafür gab es praktisch kein Produkt, vom Kugelschreiber über Luftballons, Kindersessel und Plüschfiguren bis hin zur ausgewachsenen Hüpfburg, das nicht mit jeglicher Art von Star Wars-Motiven zugepflastert wäre. Während man durch die Hallen schlenderte war förmlich zu hören, wie sich die Geldströme auf die Konten des Disney-Konzerns und George Lucas ergossen. Auch sonst war die Lizenzabteilung des Filmstudios nicht faul gewesen und hatte praktisch alle Charaktere die im Laufe der Jahre auf der Leinwand zu sehen waren in irgend einer Form auf Spielzeug, Taschen oder anderem Merchandise verewigt.
Von diesen Exzessen einmal abgesehen gab es auf der Messe einige recht interessante und originelle Spiele und Spielzeuge zu sehen; grade die Zusammenführung analoger und digitaler Spielwelten schreitet langsam aber stetig voran. Kosmos haben dafür mit ihren Produkten ein sehr schönes Beispiel vorgelegt, aber auch andere Verlage arbeiten erfolgreich in diese Richtung und langsam entstehen funktionierende Konzepte, die wohl in den kommenden Jahren in einer völligen Verschmelzung münden könnten. Aber auch in den Kinderzimmern hält die Elektronik immer mehr Einzug, von Puppenhäusern, die sich über das Smartphone steuern lassen bis hin zu Plüschtieren, die mit diversen Sensoren ausgestattet sind. Und schließlich gibt es immer noch tolle, überraschende Ideen für traditionelle Brett-, Karten- oder Würfelspiele, so dass auch für die Messen der nächsten Jahre genug Stoff vorhanden sein dürfte.






Sehr interessant! Hab schon viele Bannerdisplays zur Spielwarenmesse gesehen, wann wird sie wieder stattfinden?
AntwortenLöschenDie Spielwarenmesse findet jedes Jahr Ende Januar/Anfang Februar statt. Allerdings ist das eine reine Fachbesuchermesse für Händler, Verlage, Entwickler und die Presse.
AntwortenLöschenDie SPIEL Mitte Oktober in Essen richtet sich dagegen auch an Normalsterbliche! ;-)