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Dienstag, 5. November 2019

SPIEL '19

[Messe] SPIEL '19
24. bis 27. Oktober 2019
Grugahallen, Essen


In schöner Regelmäßigkeit plagen mich, pünktlich zur SPIEL Mitte/Ende Oktober gesundheitliche Probleme. Allerdings hält dies mich auch in diesem Jahr nicht davon ab, den langen Weg nach Essen anzutreten. Unterkunft und Pressekarte sind schnell organisiert, auch einige Termine bei Verlagen kann ich problemlos kurzfristig arrangieren. Die Hauptarbeit besteht jedoch darin, meine To-Do-Liste vorzubereiten. Schon Wochen vorher ziehe ich mir Informationen zu Spielen und Verlagen bei, durchstöbere Ankündigungen und gehe noch einige offene Punkte des letzten Jahres durch. Darüber vergeht die Zeit bis zur Messe erstaunlich - beinahe erschreckend - schnell.

Endlich ist es soweit! Die letzten Vorräte sind eingekauft, die Akkus frisch geladen und der Tank ist voll. Die Fahrt nach Essen gestaltet sich ungewöhnlich ereignislos, lediglich ein kurzer Stau bei Bonn hemmt mein Vorankommen. Glücklicherweise habe ich ausreichend zeitlichen Puffer eingeplant und erreiche die Halle pünktlich.


Mittwoch, 23. Oktober 2019
 

Um 11 Uhr eröffnet Dominique Metzler vom Friedhelm Merz Verlag, dem Veranstalter der Messe, die traditionelle Pressekonferenz zur 37. SPIEL. Im Zentrum stehen natürlich die abgeschlossenen Umbaumaßnahmen der Gruga-Hallen. Mittlerweile nimmt die Ausstellungsfläche einen Platz von 86.000 qm ein - eine Verdoppelung innerhalb der letzten sechs Jahre. Gut 1.200 Aussteller präsentieren über 1.5000 Neuheiten, auch eine Besucherzahl um die 200.000 wird erwartet. Damit setzt die Messe ihren jahrelangen Wachstumstrend auch 2019 in allen Bereichen fort.

Nachdem es in den letzten Jahren immer wieder zu starkem Gedränge an den Eingängen und chaotischen Zuständen in den Parkhäusern kam, haben die Veranstalter auch hier gegengesteuert. Die Einlassorganisation wurde angepasst, um die Stoßzeiten, besonders am Messebeginn abzufedern. Dabei hilft ein zusätzlicher Eingang, aber vor allem die wesentlich zahlreicheren Ordner.

Die Pressekonferenz

Doch nicht nur räumlich hat sich auf der diesjährigen SPIEL etwas getan. Die in den letzten Jahren eher spärlich vertretene Comic Action ist nicht mehr Teil der Messe. Ich vermute, dass dies hauptsächlich den zahlreichen Comic Conventions geschuldet ist, die bundesweit stattfinden. Dafür sind jedoch eine ganze Reihe anderer Aktionen hinzugekommen. So findet bereits am Mittwoch die Preview Night statt, bei der 65 Verlage ihre Neuheiten zur Verfügung stellen. Die 550 Plätze für die Spieler waren innerhalb weniger Minuten vergeben. Ebenfalls neu ist am Freitag der Educators Day. Diese Veranstaltungsreihe richtet besonders an Pädagogen und dreht sich um den Einsatz von Brettspielen, beispielsweise in Schulen und eine Reihe weiterer Themen. Dazu gibt es ergänzende Veranstaltungen und Vorträge mit unterschiedlichen Schwerpunkten.


Im Rahmen der Pressekonferenz wird auch der innoSPIEL für ein besonders originelles Spielkonzept verliehen. Nominiert waren das Kartenspiel KeyForge von Asmodee, das Deduktionsspiel Detective von Pegasus Spiele und schließlich Ab durch die Mauer von Zoch, das den Preis gewinnt. Die Auszeichnung Deutscher Spielepreis konnte Flügelschlag von Feuerland mit nach Hause nehmen, der Preis für das Kinderspiel gewinnt Concept Kids Tiere von Repos. Daran schließen sich einige allgemeine Informationen zur Entwicklung des Spielmarktes an, beispielsweise Umsatzzahlen, Verbreitung und aktuelle Trends.


Nach gut einer Stunde endet dieser offizielle Teil. Anschließend macht sich die ganze Horde auf den Weg in den Keller zur Neuheitenschau. Dort haben zahlreiche Verlage ihre Spiele aufgebaut und stehen für Fotos, Interviews und Erklärungen bereit. Ich nutze die Gelegenheit, verschaffe mir einen ersten Überblick und ergänze meine Liste entsprechend. Viele Verlage setzen hier ihre Spiele spektakulär in Szene, beispielsweise Last Bastion, das von einer Horde Monster präsentiert oder Detective, bei dem ein Tatort nachgestellt wird. Aber vor allem sind es hier die kleinen, ausländischen Verlage, die mich interessieren. Meist hat man nur hier Gelegenheit, in Ruhe einen Blick auf alle Veröffentlichungen zu werfen - im Trubel der Hallen ist dies nicht immer möglich.

Alle Neuheiten im Überblick
Am Hallenrand entdecke ich HeidelBÄR Games, die in diesem Jahr so etwas wie ein Comeback feiern. Mit Wordsmith, Letter Jam und weiteren Spielen hat der Verlag zudem gleich eine ganze Reihe von neuen Titeln am Start. Vor allem die Roboter-Prügelei Volt gefällt mir dabei ausgesprochen gut. Bei Kosmos richtet sich mein Hauptaugenmerk auf die Neuauflage des Catan-Ablegers Sternenfahrer. Aber auch die neuen Titel der EXIT-Reihe schaue ich mir genauer an. Pegasus Spiele haben wieder eine ganze Palette von Neuheiten am Start. Vor allem die Präsentation von Kitchen Rush und das bereits erwähnte Detective stechen dabei heraus. Aber auch viele kleinere Titel sind auf den Tischen ausgebreitet. Schließlich mache ich noch einen Abstecher zu Iello die mit Ishtar ein recht ungewöhnliches Gärtner-Spiel präsentieren. Dagegen sorgt Ninja Academy für eine eher lockere Spielatmosphäre - und kommt auf meine Einkaufsliste.

Anschließend laufe ich die Gänge ab, schaue mir immer wieder Spiele an, die mir ins Auge fallen und tausche mich mit den Kollegen aus.


Schließlich habe ich genug gesehen und schlendere in die eigentlichen Messehallen. Bevor am nächsten Tag der übliche Wahnsinn beginnt, will ich mir noch einen Überblick verschaffen. Im Rahmen der Neustrukturierung befinden sich zahlreiche Stände nicht mehr an ihrem gewohnten Ort. Bei der Gelegenheit besuche ich noch einige Bekannte, die grade dabei sind, ihre Stände aufzubauen.


Donnerstag, 24. Oktober 2019
 

Schon bei der Anreise am ersten richtigen Messetag macht sich das neue Konzept der Veranstalter bemerkbar. Die Verteilung des Verkehrs auf die verschiedenen Parkhäuser verläuft deutlich flüssiger als in den Jahren zuvor. Auch direkt vor den Hallen leiten zahlreiche Ordnungskräfte die Besucherströme in geordnete Bahnen. Hier ist es vor allem der zusätzliche Eingang, der sich positiv bemerkbar macht. So komme ich stressfrei und sehr pünktlich in den Messehallen an - eine spürbare Verbesserung.

Freundliches Standpersonal
Meinen ersten Termin habe ich erst gegen Mittag. So bleibt mir noch genug Zeit, zumindest einen Teil meiner Einkaufsliste abzuarbeiten. Glücklicherweise habe ich mir bereits am Vortag einen Überblick verschafft und so habe ich keine Schwierigkeiten, meine Ziele zu finden. Zuerst führt mich mein Weg in Halle 4 zu Lumberjacks Studio. Bereits im letzten Jahr wollte ich mir deren charmantes, sehr makabres und auf einem Comic basierendes Spiel La Petite Mort zulegen. Leider war damals nur eine französische Version erhältlich. Da am Stand noch nicht viel los ist, unterhalte ich mich noch ein wenig mit dem Autor des Spiels. Ich bin tatsächlich der Erste, der die englische Variante in der Hand hält. Schnell lasse ich mir noch eine kleine Signatur in die markante Verpackung stricheln und ziehe dann weiter. Auch bei den Schweizern von Kampfhummel Spiele gibt es etwas zwei Neuheiten, die in meine Tasche wandern. Die Trinkspiel-Erweiterung zu Kampf gegen das Spießertum ist ganz frisch, ebenso wie das schnelle Kartenspiel Arschlochkind. Eine schnelle Testrunde, die pädagogisch wertvolle Spielidee und die schicke Aufmachung machen zumindest neugierig. Das Spiel wandert in meinen Rucksack - den angebotenen Schnaps lehne ich allerdings dankend ab.

Langsam muss ich mich auf den Weg zurückmachen, allerdings bleibt mir noch Zeit für einen kurzen Abstecher zu iDventure. Schon am Vortag ist mir deren Cluebox ins Auge gefallen. Dabei handelt es sich um einen kleinen Quader aus Holz, den es zu öffnen gilt. Keine Anleitung, keine Lösungsvorgaben - nur einige kryptische Hinweise finden sich auf den sechs Seiten des Würfels. Sicherlich kein Spiel für mich, dazu bin ich viel zu ungeduldig, aber eine der originellsten Ideen der diesjährigen Messe. Stattdessen begnüge ich mich dem dritten Teil der Detective Stories, der ebenfalls neu im Verlagsprogramm ist.
Auf dem Rückweg fallen mir die ungewöhnlichen langen Schlangen auf, die sich um einige Stände gebildet haben. Beispielsweise bei Feuerland oder AEG stehen die Besucher in Dreierreihen um an die begehrten Spiele, Erweiterungen und Promos zu kommen.
 

Dann geht es jedoch für mich zu meinem ersten Termin in den Saal Brüssel. Hier haben sich Asmodee einquartiert, um ihre Neuheiten abseits des normalen Messetrubels vorzustellen. Viel Platz zum Spielen ist leider nicht, dafür kann das freundliche Personal aber umfangreiche Auskünfte erteilen. Besonders einige der dicken Brocken haben es mir angetan, beispielsweise die deutsche Version von Betrayal at the House on the Hill. Ich bin ein großer Fan des Spiels, das bereits vor einigen Jahren auf Deutsch angekündigt wurde. Die Spieler erforschen dabei gemeinsam ein Spukhaus, irgendwann wird jedoch einer zum Verräter. Alleine die Ausstattung von Cthulhu: Death May Die ist beeindruckend. Eine Handvoll halb wahnsinniger Investigatoren versuchen hier die Schrecken des Cthulhu-Mythos zu bannen. Während das Spiel sowohl auf Deutsch, wie auch auf Englisch bereits im Laden erhältlich ist, muss ich mich noch bei der Auslieferung des Crowdfundings etwas gedulden. Thematisch in eine ganz ähnliche Richtung geht Letzte Stunde, der neueste Zuwachs aus den Arkham Horror Files. Hier müssen die Spieler verhindern, dass der Campus der Miskatonic Universität von Monstern überrannt wird. Ebenfalls im Fokus steht die aktuelle Erweiterung des Deckbuilding-Kartenspiels KeyForge, zu der auch einiges Zubehör präsentiert wird. Mit Obscurio gibt es ein frisches Bilderrätsel des französischen Verlags Libellud zu sehen. Bei Black Angel durchstreifen die Spieler an Bord eines Raumschiffes die Galaxis und in Yggdrasil Chronicles müssen sie als nordische Gottheiten Ragnarök verhindern.

Superhelden-Prügelei
Bei der Vielzahl der Neuerscheinungen habe ich mich bei Asmodee doch länger aufgehalten als ursprünglich geplant. Glücklicherweise habe ich es nicht weit, bis zum Stand von moses., die wieder an gewohnter Stelle in Halle 3 zu finden sind. Während auf der einen Seite in großer Runde eine Partie black stories live gespielt wird, werfe ich in einer ruhigen Ecke einen Blick auf die aktuellen Veröffentlichungen. Gleich zwei Rennspiele hat der Verlag auf die Messe mitgebracht. Crash Test Bunnies ist ein Karten-Lege-Spiel mit putzigen Kuscheltieren und schnellen Entscheidungen. Dagegen ist das Würfelspiel Caracho deutlich strategischer und richtet sich an eine etwas ältere Zielgruppe. Einige hübsche Mechaniken werden hier mit verdeckten Rollen kombiniert - durchaus reizvoll und unterhaltsam. Ebenfalls um Würfel dreht sich Beam Me Up, im weitesten Sinne ein weiteres Rennspiel. Vor allem der Ärgerfaktor hat mir gut gefallen - sicherlich ein Würfelspiel, das bei mir auf den Tisch kommen wird. Mit Small Talk Bingo hat der Verlag schließlich auch ein Kommunikationsspiel im Programm. Dabei unterhalten sich zwei Mitspieler über ein vorgegebenes Thema und die anderen streichen Begriffe ab, die im Gespräch vorkommen. Nach diesem kurzen Überblick zieht es mich weiter durch die Hallen, wirklich viel habe ich ja noch nicht gesehen.

Es sind zwar noch gut zwei Stunden bis zum Ende des ersten Messetages, doch einige Besucher haben sich anscheinend bereits auf den Heimweg gemacht. Das gibt mir die Gelegenheit, tatsächlich noch eine Demorunde zu suchen. Meine Wahl fällt nach kurzer Überlegung auf Wolfenstein: The Boardgame. Beim Dungeon-Crawler von Archon Studios handelt es sich um einen recht weit fortgeschrittenen Prototypen, basierend auf den bekannten Computer- bzw. Konsolenspielen. Die Figuren machen, wie vom Hersteller gewohnt, einen sehr guten Eindruck. Das Spiel selbst ist dagegen eher einfach gehalten und nutzt Abläufe, die aus zahlreichen anderen Vertretern des Genres bekannt sind - nett, aber leider auch nicht mehr. Geplant ist eine Finanzierung über Crowdfunding. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob das eine gute Idee ist. Die Vorgängerfirma Prodos hatte in dieser Hinsicht nicht den besten Ruf.

Schnäpchenjäger unter sich

Und wenn ich schon in dieser Gegend bin, kann ich bei der Gelegenheit auch eine Vorbestellung abholen. Wie praktisch jedes Jahr haben Sphinx Spiele eine Neuveröffentlichung mit cthuloider Thematik dabei. Als Anführer eines okkulten Zirkels müssen die Spieler in Rituale des Wahnsinns ihre Kultisten an einem Ritualplatz versammeln, um eine Gottheit des Mythos zu beschwören. Trotz der finsteren Hintergrundgeschichte liefert der Verlag wieder ein lockeres, witziges Spiel mit charmanten Illustrationen ab.


Eigentlich hätte ich noch ein bisschen Zeit, aber da ich mich später noch mit Bekannten treffe (und vorher kurz die Füße hochlegen will) verlasse ich die Gruga-Halle bereits vor dem offiziellen Messeschluss. Der Feierabendverkehr ist weitgehend abgeklungen, so dass auch der obligatorische Stau sehr überschaubar ausfällt. Schnell verstaue ich die Errungenschaften des ersten Messetages und mache mich bereit für das Oberhausener Nachtleben.


Freitag, 25. Oktober 2019
 

Wie schon am Vortag komme ich praktisch ohne Stau zum Parkhaus. Da noch etwas Zeit bis zum Einlass ist, gehe ich noch einmal meine Liste durch und ergänze einige Dinge, die mir am Vortag aufgefallen sind. Vorsichtshalber organisiere ich mir im Pressezentrum ein Schließfach - es ist doch etwas mühsam, alle Einkäufe den ganzen Tag mit sich herum zu schleppen.

Ich beginne den Tag in der nahezu verwaisten Neuheitenschau - phasenweise schlendere ich alleine durch die Reihen. Hier kann ich mir nochmals in aller Ruhe die Spiele anschauen und auch die Materialien in die Hand nehmen und begutachten. Bei dieser Tour fallen mir die Artworks zu Barpig und seiner Erweiterung After Hours ins Auge und ich nehme mir vor, später eine Testrunde zu spielen. Bis ich noch einige Fotos geschossen habe, ist der erste Besucherandrang an den Eingängen bereits abgeebbt. Auf dem Weg zu Schmidt Spiele treffe ich noch eine Bekannte, bei der ich mich fest schwätze. Grade noch rechtzeitig zu meinem Termin kann ich mich losreißen. Traditionell richtet sich das Programm des Berliner Verlages an eine etwas jüngere Zielgruppe, so dass ich bei bayala oder Benjamin Blümchen dankend abwinke. Viel interessanter ist dagegen für mich die Vorstellung von Inseln im Nebel. Hier erkundet jeder Spieler mit seinem Ballon eine Insel und muss verschiedene Punkte ansteuern. Das Spiel macht sowohl optisch als auch spielerisch einen überzeugenden Eindruck und ich nehme mir die Zeit für eine kurze Einführungsrunde. Auch auf das Kartenspiel HiLo und das knallige Würfelspiel Noch mal so gut! werfe ich einen Blick - beide sind interessant, allerdings nicht unbedingt für meine Spielrunden geeignet. Dagegen spricht mich Kakerlaken Sushi viel eher an. Ganz in der Art seiner zahlreichen Vorgänger müssen die Spieler auch bei diesem Kommunikationsspiel ihre Hirnwindungen verknoten.

Klassiker in neuem Gewand

Wenn ich schon in Halle 3 bin, kann ich auch gleich einen Abstecher zu Abacusspiele machen. Einen Termin habe ich zwar nicht, trotzdem finde ich jemanden, der mir einen ausführlichen Überblick der Messeneuheiten gibt. Die beiden Krimi-/Rätsel-Serien Sherlock und Deckscape erhalten Zuwachs, den ich genauer unter die Lupe nehme. Am Spielprinzip (nachzulesen beispielsweise HIER) ändert sich dabei nichts, allerdings liefern die Autoren nun eine größere Bandbreite an Themen ab. Ähnlich gelagert ist eine weitere Serie, die auf der SPIEL Premiere hat. Bei Decktective - Rose Rosen wird die Spielschachtel zum Tatort. Diesen müssen die Spieler nun untersuchen, um den Fall zu lösen. Ein originelles Konzept, das wir demnächst sicherlich einmal ausprobieren werden. Eine weitere Neuheit ist, Dank ihrer knalligen Verpackung, kaum zu übersehen. Bei TEAM3 handelt es sich um ein kooperatives Kommunikations- und Bauspiel. Sehr einfache, ungewöhnliche Mechaniken, Verständigungsprobleme und die spaßige Grundidee sprechen mich direkt an.

Auf dem Weg zu meinem nächsten Ziel mache ich kurz beim riesigen Stand von Asmodee / Fantasy Flight Games halt, der beinahe die Hälfte der Halle 1 einnimmt. In den Vitrinen stehen die Neuheiten der verschiedenen Star Wars-Titel, aber auch ein Superhelden-Skirmish kann schon angetestet werden. Da jedoch sämtliche Spieltische besetzt sind und die Schlangen an den beiden Shops eine beeindruckende Länge haben, halte ich mich hier nicht übermäßig lange auf. Die meisten Sachen habe ich bereits beim Pressetermin genauer unter die Lupe nehmen können.

Für den Rest des Tages steht einzig die Halle 6 auf meinem Programm. Hier haben sich, wie bereits in den Jahren zuvor, die meisten Rollenspiel- und Tabletop-Verlage niedergelassen. Am Stand des britischen Tabletop-Herstellers Games Workshop gibt es neben den Vorstellungen der Spielsysteme, beispielsweise Warhammer Underworlds: Beastgrave und einem Ausblick auf kommende Miniaturen auch ein kleines Speedpainting. Für mich eine gute Gelegenheit, mich ein wenig zu setzen und seit langer Zeit wieder einmal den Pinsel zu schwingen. Ein Space Marine, begrenzte Zeit und eine eingeschränkte Farbpalette machen das Ergebnis nicht wirklich vorzeigbar. Doch ist dies immerhin die erste Figur, die ich in diesem Jahr bemalt habe. Nur wenige Schritte entfernt, beim Verlag Martin Ellermeier kann man nicht nur einen Blick in die Zeitschriften Mephisto und Tabletop Insider werfen, es gibt auch Gelegenheit Demorunden für das venezianische Skirmish-Tabletop Carnevale zu spielen. Das Spiel selbst hatte ich bereits vor einigen Monaten auf einer anderen Veranstaltung angetestet, aber die schicke Messefigur und eine Gondel wandern in meinen Rucksack.

Tentakel sind praktisch
Nebenan, bei Stronghold Terrain gibt es ebenfalls eine Sonderminiatur. Gedacht für das SAGA-Tabletop, hole ich mir die Fantasy-Interpretation von Lemmy Kilmister, bevor ich weiter zu Freebooter Miniatures gehe. Die Veröffentlichung des Mannschaftsbuches zu Freebooter's Fate liegt noch nicht allzu lange zurück. Daher erwarte ich auch keine spektakulären Neuheiten, als ich den Stand der Piraten-Crew besuche. Dafür gibt es allerdings den obligatorischen Rum und einen ersten Blick auf die Miniaturen der kommenden Schatten-Fraktion.

Ich schlendere weiter durch die Gänge und klappere die Stände von meiner Liste ab. So werfe ich bei der Redaktion Phantastik einen Blick in das neue Abenteuer zum viktorianischen Detektivrollenspiel Private Eye oder gönne mir ein paar Figuren aus dem Programm von Legends of Signum. Daneben finde ich noch einige Kleinigkeiten zur Miniaturenbemalung, beispielsweise ein Tutorial für Chibi-Figuren, neue Farbsets oder eine Nasse Palette.

Als Tagesabschluss steht noch eine kleine Testrunde an. Meine Wahl fällt dabei auf das kooperative cthuloide Brettspiel Cultistorm. Im letzten Jahr habe ich das Crowdfunding von Purple Meeple Games verpasst - jetzt ergibt sich vielleicht doch die Gelegenheit, mir das Spiel zuzulegen. Die spektakuläre Ausstattung und tolle Illustrationen machen einen sehr guten Eindruck. Allerdings stehen bei mir im Schrank bereits zahlreiche Spiele mit identischer Thematik und ähnlichen Abläufen. Daher, und in Anbetracht meines bereits geschrumpften Messebudgets, verzichte ich schließlich nach reiflicher Überlegung darauf.
Mittlerweile ist es spät geworden und ich muss mich beeilen, mein Schließfach zu leeren. Auf dem Weg zu meiner Unterkunft decke ich mich noch mit Vorräten für den nächsten Messetag ein. Auch etwas zu essen wäre nicht schlecht - immerhin verspüre ich ein leichtes Hüngerchen. Ausnahmsweise habe ich an diesem Abend kein Programm, sondern flätze mich gemütlich im Sessel und sichte meine Errungenschaften. Tatsächlich sind einige wirklich interessante Spiele dabei und ich freue mich auf den nächsten Spieleabend, um sie auszuprobieren.


Samstag, 26. Oktober 2019
 

Traditionell ist Samstag der Tag mit den meisten Messebesuchern - und auch dieses Jahr bildet dabei keine Ausnahme. Glücklicherweise bin ich vor dem großen Andrang bereits vor Ort und kann mir das Spektakel der Toröffnung aus sicherer Entfernung anschauen. Ich kann ja verstehen, dass die Besucher aufgeregt sind und ihr Geld loswerden wollen, allerdings ist das kein Grund, rücksichtslos durch die Gänge zu rennen und dabei alle und jeden aus dem Weg zu räumen.

Heroische Helden gegen fiese Monster
Nachdem das am Vortag so gut mit der Miniaturenmalerei funktioniert hat, versuche ich auch heute mein Glück - diesmal am Stand des spanischen Farbenherstellers Acrylicos Vallejo. Das Niveau liegt hier ein ganzes Stück höher als beim Space Marine - was in erster Linie an der fachkundigen Anleitung liegt. Nach einer guten Stunde habe ich einen ganz ansehnlichen Beholder zustande gebracht und ziehe weiter. Für heute habe ich mir eine Art Themenschwerpunkt gesetzt - Tower-Defence-Spiele. Bereits in der Neuheitenschau am Mittwoch ist mir Last Bastion von Repos ausgefallen und nun nehme ich mir die Zeit für eine Testrunde. Vier Spieler müssen in diesem kooperativen Spiel die letzte Zuflucht der Menschen (und Zwerge, Elfen, Halblinge) gegen finstere Monsterhorden verteidigen. Dabei helfen die Fähigkeiten der Zivilisten, der geschickte Einsatz von Ressourcen und natürlich Würfelglück. Umgekehrte Vorzeichen hat dagegen Village Attacks des britischen Herstellers Grimlord Games. Zwar ist auch dieses Spiel kooperativ, aber die Spieler übernehmen die Rolle von Monstern und Schurken, die sich gegen die aufgebrachte Dorfbevölkerung zur Wehr setzen müssen. Neben seiner wirklich großartigen Ausstattung kann das Spiel mit detaillierten Abläufen und Spieltiefe aufwarten - außerdem mag ich es, den Bösen zu spielen. Aktuell läuft eine Crowdfunding-Aktion für die erste große Erweiterung. Das letzte Spiel, dass ich mir zu diesem Thema anschaue, ist derzeit noch in der (fortgeschrittenen) Entwicklungsphase. Auch bei Knight Tales gilt es, mit tapferen Recken ein Dorf vor fiesen Monstern zu retten. Das Spiel von Voodoo Games setzt auf Synergieeffekte zwischen den Spielern und den bedachten Einsatz von Würfeln. Etwas mehr Tiefe bekommt das Spiel dabei durch das Ressourcenmanagement, das den Spielern mehr Optionen an die Hand gibt. Auch hier wird in absehbarer Zeit eine Crowdfunding-Kampagne folgen.

Die Galeria ist keine Abkürzung
Damit ist meine Aufnahmefähigkeit, was Regeln angeht, fürs Erste erschöpft. Daher trifft es sich ganz gut, dass noch ein weiterer Termin in meinem Kalender steht. Iello gehört für mich jedes Jahr zu den Highlights - sowohl in Nürnberg, als auch in hier Essen. Während man im opulent ausgestatteten regulären Ausstellungsbereich die aktuellen Neuheiten ausgiebig antesten kann, gibt es im Händler- und Pressebereich einen Ausblick auf die kommenden Veröffentlichungen. Nach dem üblichen Smalltalk und den Frotzeleien über deutsche und französische Gewohnheiten habe ich endlich Gelegenheit die Prototypen in Augenschein zu nehmen. Dabei ist es vor allem King of Tokyo - Dark Edition das meine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Leider darf mein Gesprächspartner noch nicht übermäßig viel zum Spiel verraten - auch die enthaltenen Monster sind noch unter Verschluss. Allerdings verfügt das Spiel über eine neue Mechanik, neue Ausrüstung und über eine sehr stimmige, finstere Aufmachung. Der Veröffentlichungstermin ist für das kommende Frühjahr angedacht - ich bin gespannt. Daneben steht mit The Vth Element eine Erweiterung für das knackig schwere Magierspiel The Big Book Of Madness. Keinen wirklichen Tiefgang, dafür einige lustige Runden verspricht Flyin' Goblin. Dabei müssen die namensgebenden Plagegeister mittels einer Wippe in die Räume einer Burg katapultiert werden. Mit Break The Code und Time Bomb Evolution sind auch zwei Deduktions- und Rätselspiele im Programm des französischen Verlages. Während das eine ungewöhnlich schlicht daherkommt, überzeugt das andere wieder mit tollen Illustrationen und liebevoller Aufmachung. Beide funktionieren jedoch als lockere "Zwischenmahlzeit" für kleinere Spielergruppen. Schließlich habe ich auch hier genug gesehen und setze meinen Weg fort.

Auf meiner Liste sind nur noch wenige Punkte übrig. Eigentlich wollte ich mir diese für den letzten Messetag aufheben, aber ich liege noch gut in der Zeit und bin leidlich fit. So bahne ich mir meinen Weg zurück in Halle 6 und hole ein weiteres vorbestelltes Spiel ab. Kraken Ataken ist eine lockere Schatzjagd des polnischen Verlags Titan Forge, eigentlich bekannt für ihre Miniaturen. Aber Grundidee und Aufmachung fand ich so gelungen, dass ich mir das Grundspiel nebst Erweiterung habe zurücklegen lassen. Nun können wir bei Gelegenheit als tentaklige Tiefseeungeheuer Schätze von Piratenschiffen stehlen. Direkt nebenan bei Warlord Games dreht sich alles um napoleonische Seeschlachten in Black Sails. Die Schiffe sehen großartig aus, auch das Spielprinzip macht einen soliden Eindruck - allerdings schreckt mich ein weiteres Tabletop-System doch ab. Oktoberfest von Fat Fox Games hat es dagegen leider nicht auf die Messe geschafft - darauf hatte ich mich eigentlich gefreut! Auch bei Modiphius schaue ich vorbei - auch wenn das Spiel, was ich haben wollte, noch nicht fertig ist. Stattdessen begutachte ich die Neuerscheinungen für das Fallout-Tabletop, die nächste Inkarnation von Vampire: The Masquerade und das Elder Scrolls-Spiel. In einem beinahe unmenschlichen Akt der Selbstbeherrschung beschränke ich meine Einkäufe nur auf zwei Miniaturen. 

Ausgelassene Stimmung
Mittlerweile neigt sich auch der dritte Messetag seinem Ende entgegen. Allerdings habe ich noch ein bisschen Zeit, die ich für einen schnellen Ausflug in Halle 5 nutze. Inmitten der allgemeinen Aufbruchsstimmung, bekomme ich eine rasche Einführung in das Partyspiel Barpigs. Sicherlich nicht für jede Spielerrunde geeignet, aber sehr spaßig - vor allem mit steigendem Alkoholpegel. Schnell packe ich das Spiel mitsamt der Erweiterung in meinen Rucksack und begebe mich zurück zu meinen Bekannten. Diese haben mittlerweile ihren Stand für die Nacht fertig gemacht und so können wir direkt zum Abendprogramm übergehen. Wie bereits im letzten Jahr geht die Fahrt zur Burger-Braterei des Vertrauens in Essen.

Obwohl es schon ziemlich spät ist, als ich meine Unterkunft erreiche, und ich schrecklich müde bin, packe ich dennoch meine Sachen zusammen. Während ich die letzten Spiele in den Taschen verstaue, frage ich mich, wann ich die ganzen Sachen gekauft habe. Eigentlich hatte ich mir dieses Jahr etwas mehr Zurückhaltung verordnet. Glücklicherweise ist es bis zur nächsten SPIEL ja noch ein bisschen hin!


Sonntag, 27. Oktober 2019
 

Der letzte Messetag bricht an!
Meine Termine sind alle erledigt, auch meine Einkaufsliste ist praktisch abgearbeitet. So bleibt mir eigentlich nur noch, ein wenig durch die Halle zu schlendern, auf der Suche nach etwas wirklich Außergewöhnlichem. Obwohl ich eigentlich in den vergangenen Tagen jeden Gang mehrfach durchlaufen habe, finde ich immer noch Spiele, die mir gänzlich unbekannt sind. So beispielsweise Wurst Case Scenario bei dem die Spieler als intelligente Wurst dem Fleischwolf entkommen wollen oder Soviet Kitchen, das mit ähnlichen Zutaten, aber einem völlig anderen Spielprinzip aufwarten kann. Für Proberunden fehlt mir mittlerweile allerdings der Nerv, das Ende meiner Aufnahmefähigkeit ist erreicht.


Die Ausbeute

Stattdessen wage ich mich an diesem Tag zum ersten Mal in einige der zahlreichen "Resterampen". Hier kann ich einige Spiele ergattern, die ich schon seit Jahren suche - und das zu einem geradezu lächerlichen Preis.


Es ist zwar noch relativ früh am Tag, aber ich habe ja noch die lange Heimfahrt vor mir. So mache ich mich schließlich schwer bepackt auf den Weg zu meinem Wagen und kehre den Messehallen den Rücken - bis zum nächsten Jahr.


Das Fazit

Wie jedes Jahr habe ich viel zu wenig geschlafen, zu viel Geld ausgegeben und bin unzählige Kilometer gelaufen. Auch brauchte ich einige Tage um die ganzen Eindrücke zu ordnen und zu verarbeiten - von der obligatorischen Messeerkältung einmal ganz abgesehen. Für mich sehr erfreulich war, dass es nicht das eine dominierende Thema gab. Einhörnern, Zombies, Steampunk oder Cthulhu waren zwar überreichlich vorhanden, aber eben in einer ausgewogenen Mischung. Praktisch für jeden Spielertyp, jedes Genre und jedes Budget gab es mehr als genug Auswahl. Natürlich kann ich im Rahmen dieser Nachlese nicht auf jedes Spiel eingehen, dass ich gesehen habe - daher habe ich mich auf einige ausgewählte Veröffentlichungen beschränkt. Vor allem bei solch einer Veranstaltung sind für mich Spiele der kleineren Verlage interessant. Daher liegt hier auch mein besonderer Fokus. Dabei habe ich einige spannende neue Spielkonzepte gesehen, tolle Ausstattungen und eindrucksvolle Präsentationen - aber vor allem viele Menschen, die Spaß am Spielen haben!

Seit einigen Jahren wächst die Anzahl der Aussteller, die Spielezubehör liefern. Waren es zu Beginn nur Würfel und Kartenhüllen, hat sich das Angebot beständig erweitert. Inlays für die unterschiedlichsten Brettspielboxen, Würfeltürme, Transporttaschen und Spielunterlagen sind hinzugekommen. Auch Anbieter von eigens gebauten, teils ausgesprochen luxuriösen, Spieltischen präsentieren ihre Produkte auf der SPIEL. So kann jeder Spieler, die nötigen Finanzmittel vorausgesetzt, das perfekte Spielzimmer für seine Bedürfnisse einrichten. Ebenfalls ungewohnt ist die verstärkte Präsenz von Produktionsfirmen, die das Spielmaterial für die eigentlichen Verlage herstellen. Druckereien und Logistiker waren dabei ebenso vertreten, wie die Hersteller von Spielfiguren. Da ich mich (beruflich bedingt) sehr für diesen Aspekt der Spieleentwicklung interessiere, war es für mich spannend, mir auch dort Informationen zu holen.

Eines der Highlights
Auffällig, ist die abnehmende Halbwertzeit vieler Spiele. Titel, die noch vor ein oder zwei Jahren hochgejubelt und teuer verkauft wurden, finden sich zuhauf in den Ramschkisten. Natürlich gibt es dagegen auch Spiele, die nach Jahren kaum im Preis sinken, beispielsweise Abalone. Auf der einen Seite finde ich diese Entwicklung schade, entwertet sie doch die Spiele an sich. Andererseits freue ich mich darüber - so kann ich für relativ kleines Geld die Lücken in meiner Sammlung schließen.

Sehr wahrscheinlich haben die zahlreichen Crowdfunding-Kampagnen ihren Teil dazu beigetragen, das viele Spiele auf den Markt drängen. Einige der Verlage nutzen die Messe, so zumindest mein Eindruck, einzig als Werbekampagne für den nächsten Kickstarter. Dabei wird häufig mehr Wert auf die Ausstattung gelegt; ein originelles Konzept oder funktionierende Spielmechaniken bleiben dabei gelegentlich leider auf der Strecke.


Eine der größten Neuerungen war das Einlasskonzept des Friedhelm Merz Verlag. Die Verantwortlichen haben sich die Kritik der letzten Jahre wirklich zu Herzen genommen und die Abläufe deutlich optimiert. Keine kilometerlangen Staus auf den Zufahrtsstraßen, wenig Gedränge vor den Hallen und ein flüssiger Einlass haben dafür gesorgt, dass der Stresspegel auf einem überschaubaren Niveau bleibt. Auch die Charity-Aktionen, der viertägige Live-Stream und das umfangreiche Nebenprogramm haben die diesjährige SPIEL aus meiner Sicht aufgewertet. Dafür nochmals vielen Dank an die Verantwortlichen!

Freitag, 21. Oktober 2016

SPIEL '16



[Messe] SPIEL '16
13.-16. Oktober 2016
Gruga, Essen

Nachdem in den letzten Jahren meine Besuche auf der SPIEL, der weltweit größten Messe für Gesellschaftsspiele aller Art, eher kurz und ein wenig planlos ausgefallen waren, sollte es in diesem Jahr wieder einmal das Hardcore-Programm mit Anreise schon am Mittwoch werden. Der nötige Urlaub (einschließlich ein paar Tage nach der Messe zur Erholung) wurde von meiner Chefin anstandslos durchgewunken, eine kostengünstige Unterkunft im nahe gelegenen Mülheim war ebenfalls schnell organisiert und auch die Akkreditierung mit Eintrittskarte und Parkticket ging problemlos über die Bühne. Da ich somit eine etwas stabilere Planungsgrundlage hatte konnte ich im Vorfeld schon einige Gesprächstermine machen, mir eine Liste der interessanten Spiele zusammenstellen und mir ein wenig Gedanken über das Abendprogramm machen.


Tatsächlich vergingen die Wochen bis zum Termin erschreckend schnell und beinahe hektisch musste ich dann meine Tasche und die benötigten Unterlagen für den Weg nach Essen packen. Ich hatte am Mittwoch zumindest einige der zahlreichen Verlagspräsentationen und die Neuheitenschau eingeplant, zudem wollte ich mir einen ersten Überblick über den Hallenaufbau verschaffen. Soweit verlief auch alles nach Plan und sowohl Fahrt, Parkplatzsuche und Termine funktionierten tadellos, selbst wenn ich die Hauptpressekonferenz an diesem Tag leider verpasste. Mit ersten Demospielen bei Amigo, einem kurzen Neuheitenüberblick bei Ulisses Spiele und netten Gesprächen am Stand von Freebooter Miniatures verging der inoffizielle erste Messetag recht schnell. Überall herrschte in den Hallen geschäftiges Treiben, Leute schleppten Kisten und Standdeko umher und die ersten Deals wurden bereits ausgehandelt. Ich konnte dabei schon auf meiner mentalen Karte einige Anlaufpunkte für den nächsten Tag markieren und den Blick auf manche vielversprechenden Spiele werfen.
Auf der Fahrt nach Mülheim zu meiner Unterkunft ergänzte ich noch die Vorräte für die kommenden Tage und wartete im Loft auf das Eintreffen meiner Mitreisenden. Diese trudelten nach und nach ein und während der gut eineinhalbstündigen Wartezeit auf die zwischenzeitlich bestellte Pizza ergaben sich dann auch Gelegenheiten für einen ersten Informationsaustausch.


War die Fahrt am Mittwoch, dem Aufbautag, noch sehr entspannt gewesen, so brach am frühen Donnerstag der Verkehr rund um die Messehallen komplett zusammen. Parkhäuser waren blockiert oder falsch zugewiesen, rücksichtslose Verkehrsteilnehmer versperrten zwei Fahrspuren oder gleich ganze Kreuzungen und auch der öffentliche Nahverkehr brach beinahe unter den spielewütigen Menschenmassen zusammen. Gegen 9 Uhr konnte ich vom Auto aus einen der Eingänge zu den Messehallen sehen, musste mich aber durch gewaltige Blechlawinen quälen und letztendlich einige obskure Schleichwege nutzen, damit ich deutlich nach 10 Uhr am Eingang war. Wie ich später erfuhr, lag ich damit gar nicht so schlecht in der Zeit, da andere Leute, auch das Personal vieler Stände, es teils erst gegen Mittag auf die Messe schaften.


Der erste Eindruck, den ich beim Betreten der Halle 1 hatte, war ein schier undurchdringlicher Menschenauflauf. Dies mag in erster Linie am „Schlauch“ gelegen haben, der Einkaufspassage des Heidelberger Spielerverlages. Die Tür zum Parkhaus öffnete sich genau auf die Ecke des Standes, an dem sich praktisch die ganzen vier Messetage über lange Schlangen bildeten und nur gruppenweise ins Innere gelassen wurden um Schnäppchen, aber auch Neuheiten, zu ergattern. Erst am Sonntag, kurz vor Ende der Messe, wagte ich ebenfalls einen Abstecher in das Areal, fand aber unter den, mittlerweile stark zusammengeschrumpften, Bergen von Spielen nichts, was mich wirklich angesprochen hätte. Deutlich stärkeres Interesse brachte ich dagegen der zweiten, offenen Seite des Verlagsstandes entgegen. Hier gab es an zahlreichen Demotischen die Möglichkeit aktuelle Messeneuheiten aber auch noch nicht veröffentlichte Spiele zu testen. Arkham Horror - The Card Game interessierte mich dabei naturgemäß besonders: Eine gelungene Mischung verschiedener Spielmechanismen, tolle Illustrationen und die gut umgesetzte Cthulhu-Thematik haben mich, zumindest in der kurzen Demorunde, sehr positiv überrascht und ich warte ungeduldig auf das Erscheinen der deutschen Version. Einen Ausflug in das Genre der Tabletop-Spiele wird es dann im nächsten Jahr mit RuneWars – Miniatures Game geben. Ob das Spiel tatsächlich etwas taugt war aber in der Kürze der Zeit nicht festzustellen, allerdings sehen die Figuren nicht übel aus.
Weiter ging mein Weg in Richtung des wirklich riesigen Standes von Asmodee, wo zahlreiche Demotische, eine Signierecke und mehrere Verkaufsflächen auf die Spieler warteten. Besonders die opulent ausgestatteten Spiel wie Zombicide mit seinen verschiedenen Ablegern oder der Wikinger-Epos Blood Rage zogen hier die Neugierigen an. Eher zufällig hatte ich die Gelegenheit eine Runde The Others: 7 Sins zu spielen, einen kooperativen Endzeit-Dungeon-Crawler, bei dem die Spieler verhindern müssen, dass eine Stadt von Dämonen überrannt wird. Die Backer, die das Spiel über Kickstarter finanziert haben (darunter auch ich) warten zwar immer noch auf ihre Boxen, aber die deutsche Version des Spiels ist offensichtlich vorrätig und verkaufte sich augenscheinlich recht gut. Einfache Spielmechanismen, sehr hübsche Figuren und Artworks sowie ein fast absurder Schwierigkeitsgrad haben einen etwas geteilten Eindruck bei mir hinterlassen. Sollte die Lieferung tatsächlich dann doch irgendwann einmal bei mir eintreffen, werde ich das Spiel aber sicherlich genauer unter die Lupe nehmen.
Der Rest der Halle bestand aus einer breit gefächerten Auswahl an größeren und kleineren Verlagen, mit durchaus interessanten Spielen, aber einen wirklichen Kracher konnte ich auf die Schnelle nicht entdecken. Einzig am Stand von Happy Game's Factory die das Endzeit-Skirmish-Tabletop Eden im Gepäck hatten hielt ich mich doch etwas länger auf und bekam vom Autor einen kurzen Einblick in das demnächst erscheinende dazugehörige Rollenspiel.


Die Halle 2 war für mich schon immer die wichtigste Halle, finden sich doch hier traditionell Rollenspiele, Brettspiele, Tabletops und Comics dichtgedrängt nebeneinander. Und so begann ich meinen eigentlich Streifzug über die diesjährige SPIEL wie gewohnt bei Freebooter Miniatures, die in den vergangenen zwölf Monaten besonders fleißig waren. Gleich mit zwei neue Erweiterungen für das Piraten-Skirmish-Tabletop Freebooter's Fate konnten Werner Klocke und seine Crew den Spielern eine Freude machen. Der Band Raging Rivers konzentriert sich dabei auf die Kämpfe und Entermanöver mit (kleinen) Booten und bringt einige neue Mechanismen sowie Figuren ins Spiel. Wie der Name vermuten lässt, erscheinen mit dem Regelwerk Big Trouble nun große Figuren auf den Spieltischen, beispielsweise der Piraten-Oger oder das spektakuläre Walross Franjo. Wie gewohnt wurde auch die Auswahl an normalen Figuren ausgeweitet und auch kleine Ruderboote mit den entsprechenden Accessoires finden sich mittlerweile im Programm des Miniaturenherstellers aus Oberhausen.
Nachdem Steamforged Games im letzten Jahr mit ihrem Fantasy-Football-Skirmish Guild Ball einen fulminanten Start hingelegt haben, wurde in diesem Jahr der nächste Kracher präsentiert: Die Umsetzung des Videospiels Dark Souls als Dungeon-Crawler war vor einigen Monaten als Crowdfunding-Projekt extrem erfolgreich. Interessierte Spieler konnten sich hier schon vorab einige Figuren anschauen und einen Kampf gegen den Endgegner wagen. Mich sprach das Design der Miniaturen allerdings nicht sonderlich an und auch die kleine Demorunde konnte mich nicht wirklich vom Spiel überzeugen. Ebenso erging es mir beim kleinen Kartenspiel Shadow Games, bei dem man sich ein Guild-Ball-Team zusammenkaufen muss. Den Spielablauf fand ich zu eintönig und vorhersehbar und auch die Aufmachung blieb hinter meinen, zugegeben recht hohen, Erwartungen zurück.
Nachdem es seit längerem vergriffen war, präsentierte die Redaktion Phantastik zur Messe das viktorianische Detektiv-Rollenspiel Private Eye in einer überarbeiteten und optisch ansprechenden neuen Auflage. Da ich das Spiel schon seit längerem meiner Sammlung einverleiben wollte, nutzte ich die Gelegenheit und packte es, einschließlich eines Abenteuers, in meinen merklich schwerer gewordenen Rucksack.
Recht prominent in der Halle 2 war der Stand des Tabletop-Herstellers Games Workshop aus Nottingham. Wirklich viel geboten wurde jedoch nicht, denn von einer einzigen kümmerlichen Vitrine, einer kleinen Business-Ecke und drei winzigen Demoflächen abgesehen war die riesige Standfläche leer. Die bekannten Spiele und Figuren des Herstellers, Warhammer – Age of Sigmar und Warhammer 40.000, kamen ebenso wenig vor wie das umfangreiche Sortiment an Romanen und die dazugehörigen Brettspiele. Einzig für die (noch nicht erhältliche) Neuauflage von Blood Bowl, einem Fantasy-Football-Spiel wurde hier Werbung gemacht. Da ich jahrelang in einer Liga gespielt hatte, nutzte ich das mangelnde Publikum an dem Stand für ein kleines Testspiel. Die Regeln sind im Prinzip immer noch die gleichen wie vor 20 Jahren, allerdings haben die Autoren einige zusätzliche Optionen eingebaut, die mich doch sehr deutlich an ein Konkurrenzprodukt erinnern. Nach wie vor macht das Spiel Spaß, ist spannend und durchaus für eine Turnierszene geeignet, auch wenn mich die Standpräsentation, das übermotivierte Personal und die nicht vorhandenen Informationen zu Preis und Veröffentlichungsdatum etwas irritiert, wenn nicht sogar abgeschreckt, haben. Auf der Rückseite hatte sich die Schwesterfirma Forge World mit Shirts, Resin-Miniaturen und Büchern niedergelassen, allerdings gab es für mich hier außer einigen Miniaturen nichts Spannendes zu entdecken.
Direkt nebenan und ebenfalls aus Nottingham angereist waren Warlord Games, die sich mittlerweile als feste Größe im Bereich der historischen Tabletops etabliert haben und immer wieder in andere Bereiche vorstoßen. War es im letzten Jahr das SciFi-Spiel Beyond the Gates of Antares gewesen, wurden in diesem Jahr gleich zwei neue Systeme vorgestellt. Project Z lässt kleine Truppe Überlebender gegen gewaltige Zombiehorden und auch gegeneinander antreten, während Konflikt '47 die (fiktive) Geschichte des Zweiten Weltkrieges mit Kampfläufern, Nazizombies und Exoskeletten weiterschreibt. Basierend auf dem sehr erfolgreichen Bolt Action-Regelwerk verbreitet sich grade letzteres System mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit. Auch die ersten Figuren für das kommende Doctor Who-Tabletop konnten schon in der Vitrine begutachtet werden. Allerdings war ich von diesen dann doch sehr enttäuscht, andere Miniaturenschmieden liefern da deutlich bessere Arbeit ab.
Sehr klein und etwas versteckt waren Code Orange Games untergebracht. Die junge niederländische Firma gab einen ersten Einblick in ihr Endzeit-Skirmish-Tabletop Collision. Ganz ohne Würfel, dafür mit einem Karten- und Bluff-Mechanismus treten hierbei kleine Trupps gegeneinander an. Dem Gelände kommt dabei eine ebenso große Bedeutung zu wie den Figuren selbst. Auf den ersten Blick ein interessantes, innovatives Spiel das derzeit, nicht wirklich überraschend, durch eine Kickstarter-Kampagne finanziert wird.
In einem der Durchgangsbereiche am Hallenrand hatten Monolith Board Games aus Frankreich ihren Platz gefunden und präsentierten mit Conan eine opulent ausgestattete Mischung aus Dungeon-Crawler, Strategiespiel und Ressourcenmanagement, der wahrscheinlich Ende des Jahres in den Handel kommt. Hier nahm ich mir tatsächlich die Zeit um eine kleine Einführung zu spielen, in der der Barbar und seine zwei Gefährten eine Prinzessin aus einem Dorf der Pikten befreien müssen. Sehr schön hat mir dabei das Ressourcen-Management gefallen, dass ich bei einem Spiel dieser Art eigentlich so nicht vermutet hätte. Ein sehr schön aufgemachtes, durchdachtes Spiel, dass auf den ersten Blick voll überzeugen kann und sicherlich in Kürze auf dem heimischen Spieltisch landen wird. Am gleichen Stand konnte ich schon einen ersten Blick auf Mythic Battles: Pantheon werfen, ein Skirmish-Tabletop, bei dem Götter und Sagengestalten ihre Schlachten gegeneinander austragen.
Der Uhrwerk Verlag hatte in diesem Jahr seine Standfläche mindestens verdoppelt um alle Neuerscheinungen für Splittermond und verschiedene anderen Rollenspiel-Systeme unterbringen zu können. Allerdings beließ ich es hier bei einer kurzen Unterhaltung mit dem Standpersonal. In drei Wochen auf der Dreieich Con, habe ich eine bessere Gelegenheit mir die Sachen in Ruhe anschauen zu können. Das Gleiche gilt auch für Ulisses Spiele, die nur wenige Meter weiter platziert waren. Das Schwarze Auge und Pathfinder standen in diesem Jahr wieder im Mittelpunkt, aber auch Tabletop-Spiele wie Warmachine/Hordes oder Brettspiele, beispielsweise Super Dungeon Explore und Ninja All-Stars konnten angetestet werden.


Auch die Comic Action war wieder in dieser Halle untergebracht, allerdings schrumpfte der Bereich mit den bunt bedruckten Heftchen im Vergleich zum letzten Jahr erneut. Ich kann nur vermuten, dass die Comic Con und die Buchmesse hier Ressourcen der Verlage binden. Einzig Panini Comics waren mit einem Verlagsstand vor Ort, boten Signierstunden und ihr umfangreiches Programm an. Ansonsten gab es noch die obligatorischen Stände einiger Händler zu sehen, bei denen Raritäten und Merchandise angeboten wurden. Die verschiedenen Zeichner und Illustratoren waren ungeschickterweise nicht an einer Stelle zu finden, sondern auf mehrere Standorte in der Halle verteilt und teilweise sehr versteckt. Neben einigen Postkarten und einem Poster für die Klotür hatten es mir die Zeichnungen von Ars Fantasio angetan und ich musste mir unbedingt zwei Kunstdrucke (natürlich mit cthuloider Thematik) mitnehmen.
Daneben gab es in der Halle zwar bei verschiedenen Händlern die Möglichkeit, kleine Skirmish-Tabletops anzuspielen, aber leider fehlte mir meist die Zeit. So konnte ich nur einen kurzen Blick auf die toll gestalteten Demotische für Wolsung, Dead Man's Draw (beide jetzt auch in deutscher Version), Batman Arkham City, Bushido und Infinity werfen, bevor ich weiter musste.
Allerdings konnte ich die Halle nicht verlassen ohne mir das Würfelangebot von Chessex und Qworkshop anzuschauen, die in diesem Jahr jedoch ausnahmsweise nichts für mich dabei hatten, von einem Satz Halloween-Würfel einmal abgesehen.




In der Halle 3 hatten sich einige der größten Verlage der Branche versammelt, um die Spieler mit einer regelrechten Flut an Neuheiten zu überwältigen. Das Gedränge in dieser Halle war die meiste Zeit über so dicht, dass ich kaum durch die Gänge kam, geschweige denn an einen Tisch zum Spielen. Glücklicherweise hatte ich Mittwoch schon bei Amigo einige Sachen anspielen können, so die beiden Neuheiten für die stetig wachsende Bohnen-Familien, Bohnedikt und Bohnanza – Das Duell, aber auch eher Spiele, die sich an den Nachwuchs richten, beispielsweise die kooperative Sammeltour Mino & Tauri.
Nicht nur, dass die Gänge in Halle 3 permanent verstopft waren, auch die Geräuschkulisse
schwoll, besonders am Samstag, bedrohlich an. Vor allem die Demogeber der Rollenspielrunden am Stand von Pegasus Spiele hatten dabei eine extrem undankbare Aufgabe zu erfüllen. Dennoch waren die Tische bei Shadowrun, H.P. Lovecrafts Cthulhu und der längst überfälligen Neuauflage des Piratenrollenspiels 7te See meistens gut besetzt. Da ich weder Zeit noch Nerven für eine Runde hatte, begnügte ich mich mit einem kurzen Schwatz und nahm mir die Kurzregelwerke mit, um in Ruhe ein bisschen über die Spiele nachlesen zu können. Die anderen, ausgesprochen zahlreichen, Neuveröffentlichungen des Verlags ignorierte ich allerdings weitgehend, da ich mir diese im Spieleladen meines Vertrauens oder in Kürze auf anderen Veranstaltungen in Ruhe anschauen kann.
Iello präsentierten in diesem Jahr zum ersten Mal die deutschsprachigen Versionen ihrer Spiele selbst, in den Jahren zuvor hatten sie dafür immer einheimische Partner gefunden. Die Unterwasser-Expedition Oceanos, wieder ein Spiel mit einem Draft-Mechanismus, richtete sich vor allem an jüngere Spieler und war schnell ausverkauft. Das Interesse an Sea of Clouds war ebenfalls groß und die Demotische für die Himmelspiraten waren alle vier Tage lang ausgebucht. Daneben gab es am Stand des französischen Verlages noch viele weitere Neuheiten, zahlreiche Signierstunden und ein Glücksrad mit kleinen Gewinnen.
Mittlerweile haben Portal Games aus Polen den Sprung auf den deutschen Markt gewagt und waren mit einem erstaunlichen großen Stand vor Ort. Die imposanten Brettspiele 51st State und Cry Havoc nahmen dabei einen zentralen Platz ein, waren aber auch permanent belegt. Daher begnügte ich mich mit einer Demorunde des kleinen Zwei-Personen-Kartenspiels Tides of Madness. Die Spieler versuchen hier über einen Draft-Mechanismus Karten zu sammeln und die aufgedruckten Symbolen entsprechend ihrer Aufgabe zu kombinieren. Die stimmigen, an den Cthulhu-Mythos angelehnten, Illustrationen werten das Spiel dabei zusätzlich auf. Gerne hätte ich mir noch bei Days of Wonder das Bauspiel Quadropolis oder die neueste Zug um Zug-Erweiterung angeschaut, aber auch hier schreckten mich die Menschenmassen eher ab.
Erst am Ende der Messetage, als sich die Hallen schon merklich geleert hatten, traute ich mich zu einem Abstecher an den Stand vom Sphinx Spieleverlag um dort meine beiden vorbestellten Exemplare von IÄÄ! Cthulhu! Fhtagn! abzuholen und auch gleich zu testen. Zwar kein Strategie-Kracher, aber dafür ein hübsches kleines, einfaches Würfelspiel bei dem es die Möglichkeit gibt seine Mitspieler zu ärgern.


In der Galerie, dem Übergang zwischen den großen und kleinen Hallen, waren traditionell viele Stände mit Speisen und Getränken untergebracht. Mit Gummibären, Schoko-Döner, asiatische Nudelgerichte oder einer schnöden Currywurst konnten sich ausgehungerte Spieler hier stärken, während der Nachwuchs mit Hüpfgestellen, Holzklötzen und einigen Zaubershows bespaßt wurde. Der Ravensburger Spieleverlag hatte einen Teil der Galerie dazu genutzt um einen Puzzleweltrekord (knapp über 40.000 Teile) aufzustellen, scheiterte aber wohl an wenigen hundert Teilen. Ein kleiner, abgetrennter Raum beherbergte eines der zahlreichen Escape-Spiele, in diesem Fall von Noris. Auch hier standen sich über vier Tage lang Besucher die Beine in den Bauch, die ihr Glück, Können oder Talent nutzen wollten um zu entkommen. Amigo hatten hier ebenfalls einen winzigen Stand aufgebaut, an dem die Spieler bei Ice Cool Pinguine auf der Jagd nach Fischen schnippen oder die beiden magnetischen Außerirdischen Mino & Tauri durch ein senkrecht stehendes Labyrinth führen konnten.


Mutete in den vorangegangenen Hallen die Platzierung der Aussteller schon recht willkürlich an, so bekamen die Besucher dies nochmals in der Halle 4 in komprimierter Form geboten. Händler mit Gebrauchtspielen standen hier neben Freßbuden, Vereinen und zumeist ausländischen Kleinstverlagen. Auch die Bandbreite der ausgestellten Spiele war erstaunlich: auf der einen Seite das traditionelle Go, im krassen Gegensatz dazu ein Fußball, der an einer Gummischnur durch die Gegend gekickt und geworfen wird und dessen genau Bezeichnung ich schon wieder verdrängt habe. Doch gab es in der schmalen, kleinen Halle durchaus einige Perlen zu entdecken, beispielsweise den heimlichen Publikumsliebling Topoum. Als Anführer eines Maulwurfsclans versuchen die Spieler ihr Territorium auszudehnen und die gegnerischen Maulwürfe zurückzudrängen. Dies, zusammen mit den niedlichen Illustrationen und vor dem Hintergrund des Ersten Weltkrieges, ergibt ein lustiges, manchmal boshaftes aber immer unterhaltsames Spielvergnügen. Das auch Fantasy-Figuren gelegentlich feiern wollen setzen die Macher vom Orctoberfest voraus. Bratwurst, Brezeln und Bier gilt es hier möglichst schnell an die eigenen Spielfiguren zu bringen, während die anderen in der Schlange warten müssen. Das Spiel von Meeples Inc. macht einen recht originellen Eindruck, die Kickstarter-Kampagne zur Realisierung startet dann wahrscheinlich aber erst im Laufe des nächsten Monats. Bei 2Geeks gab es dagegen Im Schatten des Throns tatsächlich auch zu kaufen. In dem schnellen Kartenspiel geht es um Macht, Einfluss und die Kontrolle über wichtige Karten an einem mittelalterlichen Königshof. Optisch auf jeden Fall sehr ansprechend gestaltet, landete das Spiel spontan in meinem Rucksack und kommt sicherlich in Kürze zu einem ausführlichen Test auf den heimischen Spieltisch.


In meiner To-Do-Liste fanden sich nur wenige Einträge für die Halle 6, die etwas abseits vom Trubel lag und nur zur Hälfte genutzt wurde. Mein erster Anlaufpunkt waren die Herrschaften von Voodoo Games, bei denen ich ein (pünktlich fertig gestelltes) Kickstarter-Projekt, abholen konnte. Xibalba und die dazugehörige Generäle-Erweiterung waren erst am Tag vor der Messe angeliefert worden, zwei kleine Karten-Erweiterungen hatten es dagegen nicht mehr rechtzeitig nach Essen geschafft. Beide Autoren signierten, nachdem sie ihre anfängliche Zurückhaltung aufgegeben hatten, mein Exemplar und ich ließ mir vom Standpersonal eine kurze Einführung in das Spiel geben. Der Ausbau der eigenen Basis, die Rekrutierung von Soldaten und Zivilisten sowie die Ausbeutung einer außerirdischen Ressource stehen bei dem Spiel im Mittelpunkt. Die Kombination aus Würfel- und Kartenmechaniken funktioniert recht gut und alleine die Diesel-Punk-Optik, was auch immer man jetzt darunter verstehen mag, rechtfertigen zumindest einen Blick auf das Spiel. Meine zweite Anlaufstelle war der, nur wenige Meter daneben liegende, Stand von Scale75, einem spanischer Miniaturenhersteller. Neben zahlreichen Farbsets und der Figurenserie Smog Riders, niedliche Steampunk-Miniaturen in Chibi-Optik, gab es noch das SciFi-Tabletop Fallen Frontiers zu sehen. Gerne hätte ich hier eine kleine Demo angespielt, doch leider war der Tisch entweder besetzt oder kein Personal vorhanden und so musste ich mich mit einigen Fotos und einem Flyer begnügen. Davon abgesehen schlenderte ich relativ planlos durch die Halle und versuchte einen Bogen um den Stand mit den sehr geruchsintensiven Knoblauchbroten zu machen. Spiele wie Drinkopoly, Schmuseduell oder Die Partykracher sprachen mich ebenfalls nicht sonderlich an, auch das Programm der anderen Aussteller konnte mich nicht wirklich überzeugen und so machte ich mich nach einigen kurzen Gesprächen auf den weiteren Weg.


Die Halle 7 hatte dagegen schon ein paar interessante Anlaufstellen mehr zu bieten. So beispielsweise den Stand von Osprey Games. Eigentlich ein Ableger des auf militärhistorische Bücher spezialisierten Verlags haben sie in den letzten zwei Jahren ihr Spielsortiment extrem ausgebaut. Neben dem Skirmish-Tabletop Frostgrave oder der Neuauflage des über 40 Jahre alten Klassikers Escape from Colditz konnten hier auch einige, deutlich weniger militärisch orientierte Spiele angetestet werden. So versetzt Let them eat Cake die Spieler in die Wirren der französischen Revolution wo sie versuchen ihren Kopf vor der Guillotine zu retten, die Mitspieler ans Messer zu liefern und nebenbei auch noch das größte Stück vom Kuchen abzugreifen. Mit der richtigen Spielergruppe sicherlich sehr vergnüglich und schon für den nächsten Spielabend bereitgelegt. Daneben gab es noch einige kleinere Spiele, beispielsweise Odin's Ravens oder Secret Santa zu sehen, doch leider reichte meine Zeit dafür nicht aus. Viel mehr zog es mich zum Stand von Titan Forge, wo ich am Samstag endlich das heiß ersehnte Lobotomy abholen konnte, dass ich via Crowdfunding unterstützt hatte. Die Auslieferung hatte sich um einige Wochen verzögert und nur wenige Exemplare waren nach Essen geliefert worden. Auf ein Testspiel verzichtete ich jedoch und warf lieber einen intensiven Blick auf Vengeance. Das Spiel setzt Filme wie Kill Bill, Dirty Harry oder Ein Mann sieht rot recht treffend als Brettspiel um und mischt dabei Dungeon-Crawler- und Tabletop-Elemente. Die Spielrunde lief flüssig, machte Spaß und brachte das Film-Feeling ziemlich gut rüber; sicherlich ein Spiel, dass ich weiter im Auge behalten werde. Direkt nebenan drängten sich die Spieler bei Gray Fox Games um die kooperative viktorianische Verbrecher-/Monsterjagd London Dread. Auch hier wurde sehr viel Wert auf eine stimmige Optik gelegt, die Spielabläufe sind dagegen etwas gewöhnungsbedürftig. Den zahlreichen Testspielern schien es jedoch zu gefallen, war das Spiel doch bereits nach zwei Tagen ausverkauft. Leider waren auch hier die beiden Demo-Tische permanent belegt, aber nach Gesprächen mit den Autoren (und natürlich auch einigen Testspielern) packte ich die schwere Kiste ebenfalls in meine Tasche. Natürlich bot auch diese Halle viel mehr, beispielsweise das kuriose Kacke: Das Spiel, das extrem taktische Zwei-Personen-Kartenspiel Styx 666, oder Schäferstündchen (in dem die Spieler tatsächlich Schäfer oder eben Schafsräuber spielen). Recht versteckt in Halle 7 war auch die Packstation untergebracht, ein neuer Service des Messeveranstalters. Hier konnte die Besucher, die sich mit ihren Einkäufen leicht übernommen hatten, die Spiele direkt von der Messe aus nach Hause schicken lassen. Im Prinzip ein großartiger Einfall und eine echte Hilfe für obsessive Spielekäufer, nach den Preisen für diese Dienstleistung habe ich allerdings nicht gefragt...


Natürlich ist es hier nicht möglich alles aufzulisten, was es in den Hallen zu sehen gab - zu viele obskure, spannende, lustige oder auch einfach überflüssige Dinge hatten die Aussteller mitgebracht. So beispielsweise einen handgefertigten Spieltisch für den anspruchsvollen Brettspieler zum Preis eines Kleinwagens, Würfel in jeder erdenklich Form, Farbe und Seitenanzahl, LARP-Zubehör für jedwedes Setting oder auch Schaumstoffeinlagen für den Schutz der wertvollen Tabletop-Miniaturen. Während manche Aussteller, auch die kleinen, mit aufwändigen Ständen, Gewinnspielen und kostümiertem Personal versuchten auf sich aufmerksam zu machen begnügten sich andere mit einer Flipchart sowie einigen Buntstiften. Vom chaotischen Donnerstag abgesehen war die Stimmung an allen Tagen, trotz des Gedränges, sehr entspannt und ausgelassen. Zwar gab es immer wieder rücksichtslose Zeitgenossen, die mit ihren vollgepackten Bollerwagen oder Trolleys durch die Gänge walzten, aber auch daran hat man sich mittlerweile (leider) gewöhnt. Wirklich unangenehm wurde es jedoch, wenn man in einer Schlange hinter jemandem festgeklemmt war, der es mit der Körperhygiene nicht so genau nahm. Mehr als einmal stockte mir der Atem und ich konnte mich durch nur mit Mühe in einen der Innenhöfe retten. Ansonsten gab es pelzige Yetis zu sehen, die Flyer verteilten, junge Damen mit Regenbogensöckchen und einem Horn auf der Stirn gaben Demos und „fürsorgliche“ Eltern packten ihren Nachwuchs auf den Arm um den Kinderwagen vollladen zu können. Auffällig war, im Gegensatz zu den vorangegangenen Jahren, der Mangel an Gewandeten und Cos-Playern. Nur vereinzelt waren aufwändige Kostüme zu bestaunen, und wenn, dann meist nur beim Standpersonal.


Wie in jedem Jahr, so waren auch diesmal wieder einige Trends zu beobachten, auf die sich die Spielehersteller anscheinend alle gleichzeitig stürzten. Obwohl die Zombie-Welle mittlerweile eigentlich abgeklungen ist, kommen immer noch zahlreiche Spiele mit dieser Thematik auf den Markt. Einige davon sind wenig mehr als ein lauwarmer Aufguss schon bekannter Veröffentlichungen, andere punkten tatsächlich mit innovativen Ansätzen oder außergewöhnlicher Aufmachung, wie beispielsweise Z War One: Damnation oder das Kartenspiel Totenstadt.
Ein weiteres beliebtes Thema waren Spiele, die irgend einen Bezug zu Wikingern oder der nordischen Mythologie herstellten. Gefühlt an jedem dritten Stand gab es irgend etwas mit „Vikings“, „Odin“ oder „Norse“ im Titel zu kaufen. Die Bandbreite reichte dabei von Deckbuilding-Spielen über Tabletops und Strategiespielen bis hin zu kindgerechten Würfelspielen. Nach kurzen Runden mit dem wirklich sehr guten Blood Rage und dem etwas schwächeren In the Name of Odin hatte ich allerdings von Drachenschiffen und Methörnern genug und widmete mich einem anderen Trend, den sogenannten Escape-Spielen.
Bei dieser Art von Spiel sind die Spieler in einem Raum eingeschlossen und müssen unter Zeitdruck Aufgaben lösen um wieder zu entkommen. Ursprünglich als Event- oder Party-Spaß in speziellen Räumlichkeiten gedacht, machten sich mehrere Firmen daran, dieses Konzept auch in die heimischen vier Wände zu übertragen. Die Bandbreite reichte dabei, je nach Verlag, von winzig kleinen Schachteln mit ein paar Blatt Papier, beispielsweise Exit – Das Spiel bei Kosmos, bis hin zu ausgeklügelten technischen Apparaturen in die die Spieler Kunststoffschlüssel in der richtigen Kombination stecken mussten, so gesehen bei Escape Room – Das Spiel von Noris. Gemein war aber allen Spielen, dass sich lange Schlangen vor den Demo-Tischen und -Räumen bildeten und ich keine Möglichkeit sah, ohne übermäßig lange Wartezeiten, eine Testrunde zu ergattern. Sind die Rätsel allerdings erst einmal geknackt, so kennen die Spieler die Lösung, was die Angelegenheit ziemlich reizlos macht und mich bisher auch von Spielen dieser Art abschreckt.
Der Cartoonist John Kovalic hat vor einigen Jahren gesagt, dass alles besser wird mit Cthulhu. Und tatsächlich haben die Spieleverlage die Schöpfung des Autors H.P. Lovecraft für sich entdeckt. Ob dies nun eine neue Version von Pandemie ist oder das Kartenspiel Tides of Madness, das schnelle Würfelspiel IÄÄ! Cthulhu! Fhtagn! oder das CoSim Shadows over Normandie, überall hat der Große Alte seine Tentakel im Spiel. Im Rollenspielbereich kümmerten sich Pegasus Press und Chaosium um diese Thematik und sogar die Deutsche Lovecraft Gesellschaft war mit einem kleinen Stand vor Ort um ihr Vereinsmagazin zu präsentieren. Einigen dieser Spiele gelingt es tatsächlich so etwas wie einen Bezug zum Cthulhu-Mythos herzustellen, sei es nun inhaltlich oder optisch, doch die meisten scheitern daran und versuchen wahrscheinlich nur mit dem Namen ein paar schnelle Euros zu machen.
Ein letzter Trend der mir in diesem Jahr verstärkt auffiel war die schon beinahe inflationäre Präsenz von Dungeon-Crawlern. Bei dieser Art von Spiel bewegt sich eine Handvoll Helden durch ein mittelalterliches Verlies, ein havariertes Raumschiff oder eine verlassen Stadt, besiegt Gegnerhorden und sammelt dabei Schätze ein. War vor einigen Jahren das altehrwürdige HeroQuest praktisch der einzige Vertreter dieser Spielegattung, so gibt es mittlerweile eine riesige Auswahl. Die Hersteller liefern sich regelrechte Materialschlachten um Figuren, Bretter, Marker und die Komplexität der Spielregeln und ich bin sicher, in den kommenden Jahren wird dieser Trend noch weiter eskalieren. Die Konsolenspielumsetzung Dark Souls, die Endzeitvision The Others, das bereits erwähnte Conan, das Kampagnenspiel Star Wars: Imperial Assault oder das wahnsinnige Lobotomy aus Polen waren dabei nur einige, wenn auch besonders auffällige, Vertreter.



Laut den offiziellen Angaben des Messeveranstalters, dem Friedhelm Merz Verlag, kamen in diesem Jahr rund 174.000 Besucher und über 1.000 Aussteller mit fast 1.200 Neuheiten auf die Messe, was wiederum einen deutlichen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Von den nackten Zahlen abgesehen war auch für mich, rein subjektiv, die Steigerung deutlich spürbar. Ich fahre nun seit über 20 Jahren auf die Messe und habe nie ein solches Gedränge erlebt. In den Hallen der „großen“ Verlage war es kaum möglich einen Platz an den Demotischen zu ergattern und selbst der Weg durch die Gänge war mühsam. Erst am späten Nachmittag gab es hier die Möglichkeit Spiele ohne längere Wartezeiten auszuprobieren und sich die Neuheiten in Ruhe anzuschauen.

Eine besondere Erwähnung verdient die chaotische Anreisesituation am Donnerstag. Die Messehalle in Sichtweite mussten viele Besucher, aber auch zahlreiche Aussteller, mitunter stundenlang warten bis sie sich zu einem Parkplatz vorgearbeitet hatten. Für wenige Kilometer Anreise wurden durchaus zwei Stunden oder mehr benötigt. Selbst der Öffentliche Nahverkehr war mit der Situation heillos überfordert. Erst als gegen Mittag die Polizei ordnend eingriff entspannte sich die Lage ein wenig. Dennoch war an diesem ersten Tag die Stimmung gedämpft, teilweise sogar aggressiv. Glücklicherweise waren die Verantwortlichen in der Lage, die Anreisesituation in den darauf folgenden Tagen ein wenig zu entschärfen und so kam es nicht mehr zu diesen massiven Behinderungen.
Dennoch kann ich mich langsam nicht des Eindrucks erwehren, dass die SPIEL in den Grugahallen langsam an ihre Kapazitätsgrenzen stößt, sowohl was die Besucher- aber auch die Ausstellerzahlen angeht.

Donnerstag, 15. Oktober 2015

SPIEL '15

[Messe] SPIEL '15
8.-11. Oktober 2015
Gruga, Essen

Waren meine Besuche der SPIEL in den letzten Jahren immer ein wenig chaotisch und planlos verlaufen, sollte diesmal alles besser werden: Geplant waren nur zwei Tage Messe, Donnerstag und Freitag, der Urlaub war genehmigt, das Zimmer im In Hostel Veritas in Oberhausen gebucht und die Messetickets hingen schon seit Wochen an meiner Pinwand. Im Laufe der Messevorbereitung wurde meine To-Do-Liste jedoch immer länger, außerdem gab es am Samstag spontan noch zwei private Termine, die ich unbedingt wahrnehmen wollte. Daher entschloss ich mich, meinen Aufenthalt in Essen um einen oder sogar zwei Tage zu verlängern. Also musste dringend noch ein Zimmer her, dass ich erstaunlicherweise zwei Tage vor offiziellem Messebeginn tatsächlich auch fand. Das Hotel befand sich in Laufweite zur Gruga, machte auf der Homepage einen sehr netten Eindruck und hatte zu allem Überfluss bezahlbare Preise. Fast zu gut um wahr zu sein! Ohne lange zu zögern buchte ich das Zimmer und freute mich wie ein Schnitzel über den gelungenen Coup. Allerdings folgte die Ernüchterung am nächsten Tag, als mir telefonisch mitgeteilt wurde, dass es wohl eine „Computerpanne“ gegeben hätte und meine Buchung nicht berücksichtigt werden könnte. Nun ohne Zimmer, dafür mit noch weniger Zeit durchforstete ich die Weiten der verschiedenen Buchungsportale und wurde bei einem Hotel im nicht ganz so weit entfernten Velbert fündig. Hier schien die Buchung zu funktionieren, was mir auch auf Nachfrage bestätigt wurde.


Nachdem diese Probleme beseitigt waren, machte ich mich am Donnerstag gut gelaunt bei strahlendem Sonnenschein, aber recht frischen Temperaturen, auf den Weg nach Essen. Allerdings währte die gute Laune nicht sonderlich lange, denn die zahlreichen Baustellen auf der A61 machten die Fahrt nicht wirklich zu einem Vergnügen. Dennoch kam ich relativ gut voran und sogar der Stau rund um Köln hielt sich in einem überschaubaren Rahmen. Dies änderte sich allerdings schlagartig, als mein Navi mir kurz vor Düsseldorf „schwere Verkehrsbehinderungen“ rund um Oberhausen meldete und mich auf diversen Nebenstrecken durch obskure bergische Ortschaften lotste. So gelang es mir den größten Stau zu umfahren - doch die letzten Kilometer vor Essen, brach der Verkehr dann völlig zusammen. Etliche Zubringer sowie Brücken waren marode und deswegen gesperrt, zu allem Überfluss war einige Tage zuvor ein Stellwerk der Bahn ausgebrannt, so dass der Schienenverkehr im Ruhrgebiet dadurch stark beeinträchtigt wurde und schließlich rechnete die Messe mit einem neuen Besucherrekord. Dies alles führte dazu, dass ich erst eine gute Stunde später als geplant in das Parkhaus unterhalb der Messe einfahren konnte.
Dabei hatte ich offensichtlich noch viel Glück gehabt, denn Bekannte aus meinem Nachbarort, die ich später traf und die erst am frühen Nachmittag in Essen eintrafen sprachen von Staus mit über 50 km Länge, völligem Verkehrschaos und überfüllten Parkplätzen.


Als ich die Halle 1 durch einen Seiteneingang endlich betrat brandete mir eine, im ersten Moment, ohrenbetäubende Geräuschkulisse entgegen. Der Eingang befand sich direkt bei der Schnäppchengasse des Heidelberger Spieleverlags und die Shopper standen in Zweierreihen über die ganze Länge des Standes. So dauerte es etwas, bis ich endlich einigermaßen freies Gelände erreichte und mich orientieren konnte. An diesem Tag wollte ich mir einen kleinen Überblick über die Stände verschaffen, mich mit Freunden und Bekannten treffen und vielleicht sogar das eine oder andere Schnäppchen ergattern. Termine oder gar Proberunden waren vorerst nicht eingeplant. Wie gewohnt führte mich der erste Weg in die Halle 2 zum Tabletop-Hersteller Freebooter Miniatures, bei denen ich die Messefigur und einige der zahlreichen Neuheiten mitnehmen musste. Vor allem auf die zweite Ausgabe der Tales of Longfall und die Option auf großangelegte Kämpfe bin ich gespannt und werde diese bei nächster Gelegenheit antesten. Meine nächste Station befand sich in Halle 7 wo ich ein Spiel einsammeln wollte, das ich über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter mitfinanziert hatte.
Bei den Herrschaften von Voodoo Games herrschte schon reger Betrieb und an den drei Spieltische wurde fleißig Karnivore Koala, das Debüt des kleinen Verlages, gespielt. Eigentlich war der Ausliefertermin für Dezember geplant gewesen, doch das Spiel war tatsächlich schon zur Messe fertig geworden. Zwischenzeitlich hatte ich einen Bekannten getroffen, der ebenfalls verschiedene Crowdfunding-Spiele abholen wollte. Konsequent arbeitete er seine Liste ab und hatte bereits zwei prall gefüllte Taschen, dabei war es erst kurz vor Mittag am ersten Messetag. Crowdfunding war dann auch ein Thema, dass sich durch die gesamte Messe zog, sogar mit einem eigenen Stand war Kickstarter hier vertreten um Kunden für ihr Geschäftsmodell zu werben. Bei kleinen, jungen Verlagen kann ich diese Form der Finanzierung ja durchaus nachvollziehen, aber ob etablierte Spieleverlage unbedingt darauf zurückgreifen müssen, bezweifele ich dann doch ernsthaft.
Als bekennender Doctor Who-Fan führt kein Weg am britischen Rollenspielverlag Cubicle 7 vorbei, die mehrere Erweiterungsbände zum Zeitreise-Rollenspiel im Gepäck hatten. Daneben gab es noch einige Cthulhu-Erweiterungen zu bestaunen, das obskure The Laundry-Rollenspiel über eine britische Behörde die sich mit übernatürlichen Ereignissen befasst und noch einige andere Dinge, von denen ich noch nie etwas gehört hatte. Nach diesem kurzen Intermezzo schlenderte ich eher planlos durch die Hallen und ließ mich von den Besucherströmen treiben. Irgendwann landete ich dann beim Uhrwerk Verlag, die mittlerweile eine ziemlich ordentliche Veröffentlichungsgeschwindigkeit an den Tag legen. Nicht nur die Neuheiten zum DSA-Ableger Myranor waren hier aufgebaut, vor allem für ihr eigenes Splittermond-Regelwerk gab es eine ganze Reihe von Quellenmaterial und Abenteuern, beispielsweise das Monsterkompendium Bestien und Ungeheuer. Wie schon in den vorangegangenen Jahren teilte sich der Verlag wieder den Stand mit den Briten von Modiphius, die vor allem Neuheiten zum Weird-War-Rollenspiel Achtung! Cthulhu dabei hatten. Chris Birch, Chef des Verlages, nahm sich dann auch die Zeit um mir einige Fragen zu den kommenden Rollenspielen des Verlages, beispielsweise Infinity und Conan zu beantworten. Leider blieb er mit Informationen zum schon lange angekündigten Tabletop-Skirmish zu Achtung! Cthulhu äußerst vage. Weiter ging es dann zum kleineren der beiden Pegasus-Stände, der sich hauptsächlich auf die beiden Rollenspiele Shadowrun und H.P. Lovecrafts Cthulhu konzentrierte. Von letzterem liegt mittlerweile die siebte Edition vor, die sich optisch doch erheblich von den vorherigen Ausgaben unterscheidet. Spielerisch hat sich wohl nicht übermäßig viel geändert, doch an manchen Stellen müssen die Spieler sich etwas umgewöhnen. Auch nebenan bei Ulisses Spiele drehte sich viel um das Thema Rollenspiel, natürlich in erster Linie um die beiden großen Systeme Das Schwarze Auge und Pathfinder. Mit Fragerunden der Autoren, einem Blick auf die Entstehung der Artworks und die Arbeit des Verlags konnten sich die Besucher die Zeit vertreiben, wenn sie nicht grade an einem der zahlreichen (und gut gefüllten) Demotische neue Spiele der Waldemser ausprobierten.
Ich warf nur einen kurzen Blick auf die Neuheiten und registrierte etwas verwundert die Kooperation mit Soda Pop Miniatures, die im letzten Jahr noch mit einem eigenen Stand auf der Messe vertreten waren. Da meine üblichen Ansprechpartner entweder alle beschäftigt oder nicht zu sehen waren, zog ich relativ schnell weiter um einen Blick in die Halle 3 zu werfen. Vor allem im hinteren Teil der Halle, wo sich Kosmos und Asmodee niedergelassen hatten, waren die Spieltische allesamt belagert und so blieb mir nur, aus der Ferne einen Blick auf Mysterium, Colt Express oder das Schnick-Spiel Flick 'em Up! zu werfen. Dafür blieb ich etwas länger bei Petersen Games (die im letzten Jahr noch unter Green Eye Games firmierten) hängen und konnte mich mit Mastermind Sandy Petersen ein wenig über die verzögerte Auslieferung von Cthulhu Wars und seine geplante Crowdfunding-Kampagne mit neuen Erweiterungen zu diesem Spiel unterhalten.

Generell schwang bei vielen Besuchern, mit denen ich mich unterhielt, leichter Frust mit wenn die Gespräche auf Spiele mit Crowdfunding-Basis zu sprechen kamen. Einige Firmen die im letzten Jahr mit vollmundigen Versprechungen und opulent ausgestatteten Ständen Backer geködert hatten, waren diesmal gar nicht erst zu sehen. So hatten es beispielsweise Marrow Productions aus „logistischen Gründen“ trotz Anmeldung nicht zur Messe geschafft. Ich vermute allerdings, dass sie den mittlerweile ziemlich zahlreichen, ungeduldigen und erbosten Kunden einfach aus dem Weg gehen wollten, die auf ihr Spiel warten. Auch das im letzten Jahr gefeierte Demigods Rising, dass eigentlich schon lange ausgeliefert sein sollte, war nirgendwo zu sehen.

Für mich war es Zeit noch einmal in Halle 1 vorbei zu schauen, die ich bisher fast völlig ignoriert hatte. Bei Battlefront Miniatures und ihren Unterfirmen gab es einige tolle D&D-Miniaturen zu bestaunen und auch das Tabletop Flames of War hatte seinen festen Platz am Stand der Neuseeländer. Auch einige Brettspiele zu Fernsehserien, wie beispielsweise Sons of Anarchy oder Firefly konnten die interessierten Spieler hier antesten. Ich dagegen war mehr an Informationen zum DUST Babylon-Crowdfunding interessiert, dass offensichtlich kolossal in die Hose gegangen war. Leider war niemand vom Standpersonal in der Lage, mir darüber irgendwelche Informationen zu geben, da angeblich keiner der Anwesenden in die ganze Angelegenheit involviert war. Nach diesem kurzen Gespräch zog ich, etwas frustriert, von dannen. Eine schnelle Demorunde des Würfel-Wrestling-Spiels Luchador! bei Backspindle Games hellte meine Stimmung deutlich auf, leider fehlte mir jedoch die Zeit die beiden Scheibenwelt-Brettspiele des Verlags Guards! Guards! und Clacks ebenfalls auszuprobieren.

Der Messetag war schon fast zu ende und ich musste zurück in Halle 7 um meine beiden Begleiterinnen für die Fahrt zum Hotel einzusammeln; die Frage des Abendessens war glücklicherweise schon im Vorfeld geklärt worden. Da sich anscheinend noch andere Besucher bis zur wirklichen allerletzten Minute in den Messehallen tummelten kam es erwartungsgemäß zu einigen Staus auf der Ausfallstrecke in Richtung Oberhausen/Mühlheim. Dies, zusammen mit dem Feierabendverkehr, sorgte dafür, dass es stellenweise keinen Meter mehr voran ging. Als dann noch einige besonders schlaue Autofahrer die Kreuzungen blockierten entstand schnell ein ziemlich langer Rückstau mitten durch Essen. So brauchte ich dann auch für eine Strecke von 15 km etwas über eine Stunde und traf erst nach 20 Uhr in meiner Unterkunft ein. Da wir uns eigentlich um 20 Uhr im CentrO zum Abendessen verabredet hatten blieb weder Zeit zum  frischmachen oder umziehen. Wie schon in den Jahren davor fielen wir mit einer größeren Gruppe in einem griechischen Restaurant auf der Promenade ein. Bei überbackenem Gyros, Ouzo und Bifteki wurden die Eindrücke des Tages ausgetauscht, Tipps für die kommende Schnäppchenjagd gegeben und einfach nur in angenehmer Atmosphäre entspannt.



Der Freitag startete so wie der Donnerstag geendet hatte, mit einem sehr entspannten Essen. Während die anderen Gäste des In Hostel Veritas schon aufgeregt mit den Hufen scharten und sich eilig in Richtung Gruga davon machten, genoss ich die Ruhe am Frühstückstisch und machte mich tatsächlich erst gegen 10 Uhr auf den Weg zur Messe. An diesem Tag hatte ich keinerlei Termine, so dass ich mich voll und ganz darauf konzentrieren konnte, einige Spiele anzutesten. Allerdings hatte ich es (wieder einmal) versäumt mich im Vorfeld bei den großen Herstellern für Proberunden anzumelden. Da ich keine Lust hatte lange auf einen freien Platz an einem der Spieltische bei Kosmos, Asmodee oder auch dem Heidelberger Spieleverlag zu warten, vertrieb ich mir die Zeit lieber mit den vielen kleinen Verlagen. Als Freund gepflegter Tabletop-Spiele gab es auf der diesjährigen Messe für mich viel Neues zu entdecken und so begann ich meine Test-Tour in Halle 2 bei den Briten von Steamforged Games. Diese haben mit Guild Ball eine Mischung aus Skirmish-Tabletop und Football veröffentlicht, bei dem vor mittelalterlich-fantastischem Hintergrund kleine Teams gegeneinander antreten und versuchen einen Ball ins gegnerische Tor zu befördern. Vor allem die Synergieen zwischen den Teammitgliedern und die Spieldynamik machten die Sache für mich interessant und so wanderten zwei Teams und diverser Kleinkram in meinen Rucksack. Direkt gegenüber hatten sich Prodos Games niedergelassen, die im letzten Jahr mit ihrer Neuauflage des Warzone-Tabletops für einiges Aufsehen gesorgt hatten. Dieses Jahr war es vor allem Aliens vs Predator: The Hunt Begins, das die Aufmerksamkeit der Messebesucher auf sich zog. Aliens, Predator und die obligatorischen Marines tummeln sich hier in den Eingeweiden eines Raumschiffes und müssen versuchen verschiedene Missionsziele zu erfüllen. Spielerisch nicht unbedingt originell, aber optisch sehr beeindruckend präsentiert sich das Spiel und entsprechend schnell gingen auch die wenigen Blister mit Figuren über die Theke. Definitiv ein Spiel, dass ich mir bei Gelegenheit genauer anschauen werde, auch wenn der Preis recht stattlich ist.
Gleich mit zwei Ständen waren Games Workshop, der wahrscheinlich weltweit immer noch größte Tabletop-Hersteller, auf der Messe vertreten. Der Stand ihres Ablegers Forge World mit seinen hochpreisigen Resin-Miniaturen war schon die letzten Jahre in Essen zu sehen gewesen. Allerdings hielten sich sowohl die interessanten Neuheiten als auch der Besucherandrang in einem sehr überschaubaren Rahmen. Neu war dagegen ein reiner Präsentationsstand, mit dem das neue Warhammer – Age of Sigmar beworben werden sollte. Zwei Vitrinen mit Miniaturen, ein Banner und ein Monitor mit Promovideo in Dauerschleife war alles, was von dem Spiel zu sehen war. Gerne hätte ich mir eine Demo geben lassen, war doch Warhammer vor vielen, vielen Jahren mein Einstieg in das Tabletop-Hobby - doch leider waren Testspiele nicht vorgesehen. Auch ein Gespräch mit dem Standpersonal brachte keine wirklichen Informationen, außer das es sich hier um die weltbesten Kunststoff-Miniaturen und das ausgeklügelste Spielprinzip überhaupt handele. Diese Behauptungen ließ ich unkommentiert so stehen und verliess etwas irritiert den Stand. Weiter ging es zu Warlord Games, einem anderen Tabletophersteller aus Nottingham. Neben den verschiedenen historischen Systemen, allen voran natürlich Bolt Action, war es das neue Science-Fiction-Spiel Beyond the Gates of Antares, dass mich interessierte. Hübsche, bezahlbare Figuren, ein sehr abwechslungsreicher Spielablauf und bewährte Regelmechanismen dürften dem Spiel bald eine größere Fangemeinde bescheren. Ebenfalls sehr spannend waren die ersten Infos bezüglich des Doctor Who-Tabletops, das die Firma Mitte/Ende nächsten Jahres veröffentlichen will. Als großer Fan der Fernsehserie werde ich sicherlich bei Gelegenheit nachhaken, da ich unbedingt gewaltige Armeen von Daleks und Cybermen gegeneinander hetzen will. Ebenfalls um kleine Püppchen die sich auf einem Spielbrett bewegen ging es bei Super Dungeon Explore mit seinen zahlreichen Erweiterungen, das mittlerweile auch in deutscher Sprache über Ulisses erhältlich ist. Da ich das grundlegende Spiel schon kannte, verzichtete ich auf eine Demo und hielt lieber ein kurzer Schwätzchen mit einigen der Verantwortlichen über die kommenden Entwicklungen, weitere Kooperationen und Ableger wie das kleine, lustige Würfelspiel Schwarzhand-Henrys Trankparty. Ansonsten gab es noch einen kleinen Überblick über das Verlagsprogramm mit den zahlreichen Rollen-, Tabletop- und mittlerweile auch Brettspielen. Nach nur einem guten Jahr Verspätung hatten Micro Art Studio endlich die neuen Wolsung-Figuren dabei, die, völlig überraschend, im Rahmen eines Crowdfunding-Projektes veröffentlicht wurden. Vor allem die Mafia-Halblinge mit ihren Tentakelmonstern hatten es mir angetan und ich konnte nicht umhin einige der Figuren mitzunehmen. Die deutschen Regelwerke, sowohl für das Tabletop als auch das Rollenspiel, zu diesem spannenden Mix aus Steampunk, Magie und Fantasy lassen leider noch auf sich warten. Immerhin hatte die Redaktion Phantastik mit der Urdapedia 1, neben ihren anderen Neuheiten, frisches Spielmaterial für Wolsung im Gepäck.
Nach einigen Demos, etlichen Neuerwerbungen und vielen Informationen stellten sich bei mir erste Ermüdungserscheinungen ein, so dass ich mir im Außenbereich zwischen LKWs und leeren Paletten ein ruhiges Fleckchen suchte. Hier konnte ich relativ ungestört einen Blick auf meine Beute werfen und das weitere Vorgehen planen. In Halle 7 mit ihren zahlreichen Klein- und Kleinstverlagen gab es noch einige Stände, die ich mir genauer anschauen wollte. Und auch hier waren es die Miniaturen und Tabletops, die mich in erster Linie interessierten.
Es war gar nicht so einfach sich seinen Weg durch die Galerie und weiter in die Halle 7 zu bahnen, doch mit gezieltem Einsatz von Ellenbogen, Knien und dem mittlerweile gut gefüllten Rucksack schaffte ich es den Stand von GCT Studios zu erreichen, deren asiatisch angehauchtes Skirmish-Tabletop Bushido mit seinen detaillierten Miniaturen ich sehr schätze. Mittlerweile hat der Verlag mit Rise of the Kage auch ein Brettspiel veröffentlicht, bei dem eine kleine Gruppe Ninjas einen Gebäudekomplex infiltrieren und verschiedene Ziele erledigen muss. Das kurze Testspiel machte durchaus Appetit auf mehr, so dass ich mich ein wenig ärgerte, dies nicht mehr in meinem Budget unterbringen zu können. Titan Forge hatten ihren Stand zweigeteilt: während ihre Resin-Miniaturen in der einen Halle präsentiert wurden, waren die Brettspiele in der anderen Halle zu sehen. Schon im letzten Jahr hatte ich lange vor dem Horror-Dungeon-Crawler Lobotomy gestanden, leider ergab sich aber damals keine Gelegenheit das Spiel gründlich anzutesten. Diesmal konnte ich eine entspannte Partie mit dem Autor spielen und diesen auch mit der einen oder anderen Frage zum Gameplay nerven. Eine gelungene optische Präsentation, die abseitige Thematik und ein sehr eingängiges Spielprinzip konnten mich dann doch rundum überzeugen. Nun muss das, ebenfalls über Crowdfunding finanzierte, Spiel nur noch im nächsten Jahr veröffentlicht werden.

Irgendwie waren mir offensichtlich einige Stunden abhanden gekommen, denn obwohl der Besucherandrang nur unmerklich abebbte, stand das Ende des Messetages unmittelbar bevor. Da ich keine Lust hatte, wie am Vortag, zusammen mit dem Gros der Besucher auf den verstopften Straßen von Essen festzustecken machte ich mich einige Minuten früher auf den Weg zum Hotel. Diesmal hatte ich den Abend ganz für mich alleine und freute mich darauf, endlich die Schuhe abstreifen und die Füße hochlegen zu können.



Den Samstag wollte ich etwas langsamer angehen lassen und machte zuerst einen Abstecher ins nahe gelegene Oberhausen. In der dortigen Ludwiggalerie läuft noch bis Januar die sehr empfehlenswerte Ausstellung Das ist doch keine Kunst, in der Arbeiten der bekannten Cartoonisten und Comic-Zeichner Ralph Ruthe, Flix und Joscha Sauer gezeigt werden. Die ruhige Atmosphäre innerhalb der Galerie war ein angenehmes Kontrastprogramm zum lauten und hektischen Treiben auf der SPIEL und ich nahm mir viel Zeit für die Exponate. Nachdem ich mir die verschiedenen Scribbles, Zeichnungen und Filme ausführlich angesehen hatte, ging es schließlich gegen Mittag ins benachbarte Essen zur dritten Messerunde.

Nachdem ich mich am Vormittag schon mental auf gezeichnete Bildchen eingerichtet hatte, wollte ich den Messetag mit einem Rundgang über die Comic Action beginnen. Diesen Teil der Halle 2 hatte ich bisher fast vollständig ignoriert und wollte zumindest einen kurzen Blick auf das Angebot geworfen haben. Wie auch schon in den Jahren davor bestimmte der Stand von Panini Comics das Bild, die hier neben ihren zahlreichen Neuheiten auch den einen oder anderen Zeichner am Start hatten. Die Superhelden-Comics, die einen Großteil des Verlagsprogramms ausmachen, interessieren mich allerdings herzlich wenig und so schlenderte ich bald zum Gemeinschaftsstand von Splitter, Tokyopop und Cross Cult, deren abwechslungsreiches Programm eher meinen Geschmack traf. Es war schon spannend durch die ganzen Neuerscheinungen zu schmökern, doch da ich meine Comics in der Regel beim örtlichen Dealer meines Vertrauens kaufe, stellte ich die Bände artig wieder ins Regal. Neben diesen beiden Verlagsständen hatten noch einige Händler ihren Platz in diesem Hallenbereich gefunden und auch hier schaute ich eher beiläufig durch die Auslagen. Tatsächlich wurde ich dann doch fündig und fand die rare Cover-Sammlung der Preacher-Comics zu einem erstaunlich günstigen Preis. Ansonsten gab es bei den Comic-Händlern und Ständen mit Merchandise für mich relativ wenig zu sehen.
Daher machte ich mich schon bald wieder auf den Weg, da auf meiner Liste noch einige Brettspiele standen, die ich mir unbedingt ansehen wollte. Zu diesem Zeitpunkt dürfte der Besucherandrang seinen Höchststand erreicht haben, denn in den Hallen selbst kam ich kaum voran; über die Außenflächen ging es etwas schneller, doch auch hier herrschte reger Betrieb. Nach einem kurzen Plausch mit einer Bekannten setzte ich meinen langen Marsch in Halle 3 fort und konnte diese dann auch, nach weiterem Drängen und Drücken, erreichen.
Wie schon an beiden vorangegangenen Tagen, so war auch heute der Stand von Iello dicht belagert und Plätze an den Demotischen nur schwer zu bekommen. Daher gab ich mich mit einer Rolle als Zaungast bei einer der zahlreichen Runden von The Big Book of Madness zufrieden die hier angeboten wurden. Dieses kooperative Deckbuilding-Kartenspiel machte zumindest optisch einen sehr ansprechenden Eindruck und den Spielern schien es durchweg Spaß zu machen. Sicherlich ein Spiel, mit dem ich mich in absehbarer Zeit näher befassen werde, auch wenn ich Deckbuilding-Spiele nicht übermäßig schätze. Gegenüber bei Pegasus herrschte, wie eigentlich jedes Jahr, dichtes Gedränge und da die Spiele des Friedberger Verlags sowieso bei unseren regelmäßigen Brettspielabenden auf dem Tisch stehen, begnügte ich mich mit einem flüchtigen Blick auf die Neuheiten. Hier war vor allem das mächtige Mega Civilization ein Blickfang, aber eine Demorunde hätte wahrscheinlich jeden Zeitplan gesprengt. So begnügte ich mich mit etwas Smalltalk und setzte meinen Weg zum moses. Verlag fort, der verschiedene neue Ableger seiner Black Stories-Reihe im Gepäck hatte. Dem bewährten Prinzip folgen die Bibel und Latein Edition des Deduktionsspiels. Einen gänzlichen anderen Weg geht der Verlag mit Das Verhör, bei dem die Spieler als Kriminaler einen Fall lösen müssen. Ein sehr kommunikatives Spiel das ein gutes Gedächtnis voraussetzt, aber unter dem hohen Geräuschpegel in der Halle stark litt.
Auch an diesem Tag schien ich in ein Loch im Raum-Zeit-Kontinuum gefallen zu sein, kamen doch schon die ersten Durchsagen, die das baldige Ende des Messetages verkündeten. Anscheinend hatte ich irgendwo auf meinem Weg mindestens zwei Stunden verloren.
So blieb mir lediglich Zeit für einen schnellen Blick in den Asmodee-Stand in Halle 1, wo einige Neuheiten in der Vitrine aufgebaut waren und wo es auch die Möglichkeit gab einen Blick auf T.I.M.E. Stories zu werfen. Das Konzept des Spiels wirkt auf mich etwas abstrakt und verwirrend, den Spielern hat es jedoch, zumindest was ich bisher gehört habe, sehr gut gefallen. Auch hätte ich gerne Die Blutige Herberge angetestet, las sich der Klappentext über eine mörderische Gastwirtsfamilie doch durchaus vielversprechend. Doch das Messepersonal achtete freundlich aber bestimmt darauf, dass auch wirklich alle Besucher sich auf den Weg zu den Ausgängen machten

Um den dritten Messetag angemessen bei lecker Essen und Getränken ausklingen zu lassen machte ich mich mit einigen Freunden auf den Weg ins Essener Cafe Nord. Meine Begleiter hatten im letzten Jahr hier schon Station gemacht und waren durchweg begeistert gewesen. Mir war die etwas angeschwiemelte Metal-Kneipe anfangs eher suspekt, allerdings konnten die gemütliche Atmosphäre und die erstaunlich umfangreiche Speisekarte meine Bedenken rasch zerstreuen. Eine vernünftige Unterhaltung war zwar, Dank der dröhnenden Musik, nur mit den unmittelbaren Sitznachbarn möglich, aber insgesamt doch ein schöner Ausklang für den Tag. Zu vorgerückter Stunde traf ich dann ziemlich zerstört wieder in meinem Hotel ein, wo eine Hochzeitsgesellschaft immer noch am Feiern war. Obwohl mein Zimmer relativ weit abseits lag, war an Schlaf nicht wirklich zu denken. Also nutzte ich die Zeit, um meine Errungenschaften des vergangenen Messetages zu begutachten und schon einen Blick in die verschiedenen Spielanleitungen zu werfen.

Eigentlich hatte ich vorgehabt die Messe auch noch am Sonntag zu besuchen, aber angesichts meiner zusammengeschmolzenen Barschaft, der vielen vollen Taschen und meinen schmerzenden Füßen entschloss ich mich, den Heimweg anzutreten. Nachdem ich einen Großteil meines Gepäcks im Kofferraum verstaut hatte, schlurfte ich in den Frühstückssaal, der mit den verkaterten und unausgeschlafenen Gästen der Hochzeitsgesellschaft eher wie ein Remake von Night of the Living Dead wirkte. Die roten Marmeladeflecken auf dem Kleid einer der anwesenden Damen verstärkten diesen Eindruck und so machte ich mich mit gesenktem Blick über mein Frühstück her. Die Heimfahrt verlief schließlich ohne größere Zwischenfälle, von einem kurzen Stau auf der A61 einmal abgesehen. Und, obwohl ich gelegentlich kurz davor war wegzudämmern, erreichte ich mein Zuhause noch wohlbehalten bei Tageslicht. Dort angekommen verteilte ich meine Schätze wie gewohnt im Wohnzimmer und musste mich allen Ernstes fragen, wann ich die ganzen Sachen gekauft hatte.

Nachdem ich über zwölf Stunden geschlafen hatte, konnte ich mich am nächsten Tag (ich hatte in weiser Voraussicht noch einige Urlaubstage dran gehängt) daran machen die vielen Bilder zu sichten die ich geschossen hatte und meine Eindrücke von den drei anstrengenden Messetagen zu ordnen. Natürlich waren diese Tage bei weitem nicht ausreichend gewesen um alles zu sehen und anzutesten was ich mir vorgenommen hatte, dennoch war ich nicht unzufrieden. Ein wirkliches Highlight gab es zwar auch in diesem Jahr für mich nicht, aber dafür viele kleine, spannenden und streckenweise auch originelle Spiele. Einige davon habe ich mir schon auf der Messe geholt, einige weitere werden im Laufe der nächsten Monate sicherlich folgen. Auf jeden Fall wird mir das Material für regelmäßige Spieletreffen nicht so schnell ausgehen.

Von den Zombies, welche die Messe die letzten zwei Jahre dominiert hatten, war bis auf einige wenige Ausnahmen nichts mehr zu sehen. Dafür setzte sich der Trend in Richtung des Steampunk-Genres weiter fort; Brettspiele, Tabletops, Romane, Comics, Rollenspiele und sogar die verschiedenen LARP-Stände hatten ein breit gefächertes Angebot zu dieser Thematik. Ob sich dieser Trend fortsetzen wird, wage ich zu bezweifeln, eher wird er noch ein oder zwei Jahre anhalten und dann langsam vom nächsten Hype abgelöst werden. Ähnlich verhält es sich mit der bekanntesten Lovecraft-Schöpfung, dem Großen Cthulhu. Oder, wie der großartige Cartoonist John Kovalic schon vor einigen Jahren gesagt hat „Everything is better with Cthulhu!“. Bei dem Rollenspiel H.P. Lovecrafts Cthulhu oder dem Strategiespiel Cthulhu Wars mag dies gerechtfertigt sein, aber bei unglaublich vielen anderen Spielen geht es einfach nur darum, die Fanbase anzusprechen und ihnen mit gierigen Tentakeln die Euros aus den Taschen zu ziehen.


Das sich traditionelle Gesellschaftsspiele immer noch sehr erfolgreich gegen die virtuelle Konkurrenz behaupten können, und dabei sogar einigen Boden gut machen, zeigen die offiziellen Zahlen des Veranstalters: 162.000 Besucher, über 900 Aussteller, rund 1.000 Neuheiten auf 63.000 qm sind durchweg beeindruckend. Auch nach meinem eigenen, zugegeben sehr subjektiven, Empfinden war die Messe noch nie so groß oder so voll wie in diesem Jahr. Das am Samstag dichtes Gedränge herrscht bin ich mittlerweile gewohnt, dass jedoch schon am Donnerstag die Hallen dermaßen vollgestopft sind war mir bisher neu. Als sehr angenehm empfand ich dabei die Atmosphäre in der, neu hinzugekommenen, Halle 7. Hier war es bei weitem nicht so laut, voll und hektisch wie in den anderen Hallen und bei den zahlreichen Klein- und Kleinstverlagen gab es durchaus einige spannende, originelle Dinge zu entdecken. Einige der Verlage konnten zwar nur ein wenig Standdeko oder ein paar Flyer vorweisen, entsprechend herrschte dort gähnende Leere. Andere dagegen wirkten ausgesprochen professionell und konnten sich dem Besucheransturm kaum erwehren. Zudem gab es hier die meisten Dinge, abseits der üblichen Trends, zu sehen und mehr als ein Spiel fand den Weg in meinen Rucksack.