Sonntag, 8. Februar 2026

Spielwarenmesse 2026


[Messe] Spielwarenmesse 2026

29. Januar 2026 
NürnbergMesse, Nürnberg

 


Wie jedes Jahr nutzen zahlreiche Verlage die Spielwarenmesse in Nürnberg, um kommende Veröffentlichungen zu präsentieren, den einen oder anderen Prototyp anzuteasern und natürlich für die Kontaktpflege. Hinzu kommt außerdem noch, dass die Messe 2026 ihr 75jähriges Bestehen feiert. Diese Gelegenheit kann und möchte ich mir nicht entgehen lassen und so führt auch in diesem Jahr mein Weg wieder in die Frankenmetropole. Der organisatorische Teil ist relativ schnell erledigt, so dass ich dem Termin entspannt entgegensehen kann.

Einzig die Anreise bereitet mir ein wenig Kopfzerbrechen. Der öffentliche Nahverkehr im Rhein-Main-Gebiet gleicht derzeit einem Glücksspiel - die aktuelle Wetterlage macht die Situation nicht besser. So muss ich meine ursprünglichen Pläne revidieren und fahre an einem verregneten Donnerstagmorgen mit dem Auto direkt nach Frankfurt. Die anschließende Fahrt mit der S-Bahn vom Parkplatz an den Hauptbahnhof verläuft genau so, wie es sein sollte - entspannt und pünktlich. Ich habe sogar ausreichend Zeit für ein kleines Frühstück.

Das Schaukelpferd
Während ich mein belegtes Brötchen vertilge, schiele zwischendurch immer wieder auf die Anzeigentafel. Zuerst verspätet sich die Abfahrtszeit des Zuges um acht Minuten, dann sind es bereits 20 Minuten und schließlich fällt er komplett aus - ohne Angabe von Gründen. Das Schalterpersonal kann mir auch nicht weiterhelfen und vertröstet mich. Also muss ich auf den nächsten ICE Richtung Bayern warten. Fahrplanmäßig soll dieser eine Stunde später starten, ich würde meine Termine alle schaffen. Leider ist diese Hoffnung nur von kurzer Dauer, denn auch hier kommen die Fahrtzeitkorrekturen im Minutentakt. Zuerst spricht die Durchsage von Streckenschäden, dann Schäden am Zug und am Ende sind es "Technische Probleme" welche die Einfahrt verzögern. Als der Zug mit gut 70minütiger Verspätung den Frankfurter Hauptbahnhof erreicht, habe ich meinen ersten Termin schon absagen müssen.

Am Ende komme ich fast 90 Minuten später als geplant in Nürnberg an - und bin bereits minimal genervt. Immerhin verläuft die Weiterreise zu den Messehallen mit der hiesigen U-Bahn vorbildlich. Nachdem der erste Zug direkt vor meiner Nase den Bahnhof verlassen hat, kommt nur wenige Augenblicke später die nächste ans Gleis. Und nach nicht einmal 20 Minuten stehe ich schon im Eingangsbereich Mitte. Von hier sind es nur einige Schritte bis zu meinem Termin.

HeidelBÄR Games

Noch mit Jacke und Reisegepäck erreiche ich den Stand in Halle 10.1 - und habe immerhin ganze zwei Minuten Puffer bis zu meinem Termin. Nach einer kurzen Verschnaufpause folgt ein ausführlicher Überblick der aktuellen und kommenden Neuheiten des Verlags aus dem Odenwald. Für das mehrfach preisgekrönte und mit zahlreichen Ablegern ausgestattete Codenames stehen eine Art Mini-Erweiterungen in den Startlöchern. Dabei handelt es sich um thematisch eng definierte Karten-Packs zu Märchen, SciFi und possierlichen Tieren. Neben den 25 Begriffskarten gibt es zudem neu illustrierte Agenten. Noch im Entstehen ist die deutsche Version von Spyworld, das bisher nur im französischen Original vorliegt. Im ersten Teil des Spiels baut man sein geheimes Hauptquartier mit Fallen, Technik und Handlangern auf, um im zweiten Part, eine gegnerische Basis zu infiltrieren. Comichafte Aufmachung, ein originelles Spielprinzip und die Möglichkeit, die Mitspieler zu ärgern bringen das Spiel auf meine To-Do-Liste. Einen kurzen Abriss über die beiden bereits erschienenen Legespiele Railroad Tiles und Wispwood gibt es der Vollständigkeit halber obendrauf. Besonders interessiert mich jedoch The Queen's Dilemma, dessen Veröffentlichung gegen Ende des Jahres geplant ist. Wie schon beim Vorgänger handelt es sich hier um ein anspruchsvolles Legacy-Strategiespiel mit eindrucksvollem Umfang und opulenter Ausstattung. Der erste Eindruck ist sehr, sehr gut, bis ich das Spiel genauer unter die Lupe nehmen kann, wird aber sicher noch einige Zeit vergehen.

Viele, viele SteinchenNach diesem ausführlichen Überblick auf die Produktpalette mache ich mich endlich auf den Weg ins Pressezentrum. Hier gibt es, trotz der fortgeschrittenen Stunde, einen freien Spind, in dem ich meine Habseligkeiten verstauen kann. Bei einer kurzen Pause (und einem zweiten Frühstück) sichte ich das ausliegende Informationsmaterial. Der absehbare Trend aus den vorangegangenen Jahren hat sich hier weiter fortgesetzt. Kaum noch gedruckte Pressemappen liegen in den Regalen, sondern hauptsächlich QR-Codes, die auf entsprechende Internetpräsenzen verweisen. Auf der einen Seite ist es natürlich verständlich, dass so Kosten und Abfall vermieden werden. Andererseits komme ich ursprünglich aus der Druckindustrie und es tut mir immer ein Stückchen weh, wenn ich deren Niedergang sehen muss. Frisch gestärkt und mit den neuesten Informationen versorgt mache ich mich schon bald wieder auf den Weg.

Durch die fehlende Zeit muss ich meinen Messebesuch deutlich straffen. Dies stellt diesmal allerdings kein größeres Problem dar, da sich die Anzahl der Aussteller außerhalb des Bereichs der Gesellschaftsspiele, die mich interessieren, weiter reduziert hat. Daher passiere ich die Hallen 7A, 7 und 9 im Schnelldurchlauf und werfe nur einen gelegentlichen Blick in die Auslagen der verschiedenen Hersteller. Und so beginnt mein eigentliches Programm mit dem Betreten der Halle 10.

Kosmos

Wie gewohnt hat der Stuttgarter Verlag einen großen, ausladenden Eckstand im Eingangsbereich der Halle. Die zahlreichen Experimentierkästen gehören nicht wirklich zu meinem Interessengebiet, daher gehe ich zügig in den hinteren Teil des Standes, da sich hier die Brettspiele befinden. Die Exit-Serie feiert in mittlerweile ihr zehnjähriges Jubiläum. Entsprechend ausführlich werden die bekannten, aber auch die neuen Spiele des Franchise präsentiert. An weiteren Krimi- und Exitspielen besteht in diesem Jahr ebenfalls kein Mangel. Bei den zahlreichen Veröffentlichungen fällt es schwer, den Überblick zu behalten.

10jähriges JubiläumNatürlich wird auch Catan mit zwei Neuerungen bedacht. Mit Catan - Das Kartenspiel und Catan - Das Würfelspiel übernehmen, zumindest soweit ich das sehen konnte, einige Elemente des Originals und kombinieren diese mit anderen bekannten Mechanismen. Sehr hübsch aufgemacht ist das Zwei-Personen-Spiel Fantasy Ink, bei dem es darum mythische Figuren für seine Geschichte zu sammeln. Die Mechanik, bei der mittels Würfeln Wesen angelockt und gesammelt werden müssen, klingt originell. Sicherlich ein weiteres Spiel, dass ich im Auge behalten werde. Ebenfalls auffällig ist Koi, bei dem es darum geht, einen japanischen Garten mit Teich und Fischen anzulegen. Rein optisch hat mir das Legespiel gut gefallen, zum Spielablauf und den Mechaniken kann ich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nichts sagen.

moses.

Obwohl der Verlag eine breit gefächerte Produktpalette auf der Messe ausstellt, interessieren mich natürlich in erster Linie die Spiele. Meist handelt es sich dabei um kommunikative Quiz- oder Partyspiele - und auch dieses Jahr macht da keine Ausnahme. Neue Titel aus der black stories-Serie (beispielsweise Holy Shit!, Cold Cases und Serienkiller) sind für mich grundsätzlich interessant. Das Prinzip ist zwar immer das Gleiche, aber die Geschichten, die sich die Autoren ausdenken (oder aus dem wahren Leben übernehmen), haben auch nach über 20 Jahren nichts von ihrem Unterhaltungswert eingebüßt. Alleine vom Titel her erregt Was passiert, wenn ich dran lecke?
Schicke Verpackung
Aufmerksamkeit. Dahinter verbirgt sich ein originelles Rate- und Assoziationsspiel, das, zumindest vom ersten Eindruck, für einige lustige Runden auf der nächsten Party sorgt. Ein Rennspiel mit Anspruch und taktischen Entscheidungen ist 3 x Universum, bei dem die Spieler von Planet zu Planet reisen, dort Vorräte aufnehmen und versuchen, vor den Mitspielern das Ziel zu erreichen. Relativ locker und nicht von zu starkem Konkurrenzdenken geprägt handelt es sich hier um ein hübsches, kleines Familienspiel.

Piatnik

Hier gibt es gleich zwei Aufbau-Spiele, die mich interessieren. Bei Die Hängenden Gärten geht es um die Zusammenstellung eben jener botanischen Wunderwerke. Hier steht die harmonische (und gewinnbringende) Kombination von verschiedenen Pflanzen und Tieren zu einem stimmigen Gesamtkonzept im Vordergrund. Projekt Skyline ist dagegen in der Moderne angesiedelt. Hochhäuser müssen ins Stadtbild integriert werden und wie bei Immobilien üblich geht es um "Lage! Lage! Lage!". Spiele dieses Genres funktionieren nicht immer für mich, aber ich werde mir einen oder gar beide Titel bei Gelegenheit genauer vornehmen.

Game Factory / Carletto

Der Fokus liegt hier diesmal eher im Bereich der Kinderspiele, dennoch sind zumindest zwei Neuveröffentlichungen für mich nicht uninteressant. In Chroma müssen farbige Karten in einem vorgegebenen Farbsystem anordnen. Dabei sorgen verschiedene Sonderkarten für Abwechslung und Interaktion zwischen den Mitspielern. Eine alternative Variante mit PANTONE- oder HKS-Farben hätte mir sicherlich während meiner Tätigkeit als Ausbilder gute Dienste geleistet. Dagegen handelt es sich bei Dito! um ein Assoziationsspiel - je mehr Spieler auf den gleichen Begriff kommen, desto höher ist die Punktausbeute. Unkompliziert, schnell und schön, um zu sehen, wie die Mitspieler ticken.


Nicht tot zu kriegenNach dieser Tour ist eine kurze Pause angesagt. Allerdings wähle ich diesmal einen anderen Weg in Richtung Pressezentrum. Dabei fällt auf, dass doch einige Sparten beinahe vollständig verschwunden sind. Bei meinen ersten Besuchen auf der Messe haben Modellbau und Modelleisenbahnen jeweils eine ganze Halle in Beschlag genommen. Mittlerweile gibt es nur noch gefühlt eine Handvoll Aussteller, die diesen Bereich bedienen. Dies betrifft mich weniger, aber ich habe dennoch immer gerne an den Ständen gestöbert, und mir Ideen und Anregungen für eigene Projekte im Tabletop-Hobby geholt.
Als ich an meinem Ziel ankomme haben die meisten der Kollegen sich schon wieder auf den Weg gemacht. So habe ich keine Probleme einen Platz zu finden und kann sogar noch einen Teller der Lauchcremesuppe ergattern, die es zum Mittag gab. An dieser Stelle ein dickes Danke an das aufmerksame und freundliche Catering-Personal im Pressezentrum, die wieder einmal einen tollen Job abgeliefert haben.

So gestärkt bereite ich den nächsten Durchgang vor. Dank der messeeigenen App lassen sich Termine, Neuheiten und Hallenpläne recht gut verwalten. Nach einem Blick in die Ausstellerliste - und angesichts der fortgeschrittenen Stunde - beschließe ich, mich relativ wenige Verlage zu beschränken, und setze meinen Weg fort.

Chessex

Der Würfelhersteller ist eine der traditionellen Anlaufstation für mich, sowohl in Nürnberg, als auch in Essen. Insgeheim hoffe ich ja immer noch auf eine Neuauflage des grandiosen Plague & Perstilence - doch wird meine Hoffnung wieder einmal zunichtegemacht. Dafür gibt es einige neue Würfel zu sehen. Besonders angetan haben mir es die "Rentner-Würfel", dabei handelt es sich um extra große Polyeder mit kontrastreicher, gut lesbarer Beschriftung. Auch personalisierte Würfelbecher sind neu und eine hübsche Idee für Spieler, die sonst schon alles haben. Nach einem kurzen Plausch bekomme ich dankenswerterweise noch einen der neuen Messewürfel (mit UV-reaktiven Farben) in die Hand gedrückt und gehe wieder meiner Wege.

Ausgezeichnet!iDventure

Nur wenige Schritte daneben hat der Verlag aus Meerbusch seinen Stand. Hier steht natürlich die frisch mit dem ToyAward ausgezeichnete Cluebox - The Wonderbox of Alice im Fokus - der neueste Zugang im Sortiment. Mir fehlt für diese Puzzleboxen die nötige Geduld, aber ich bin immer wieder fasziniert vom vielschichtigen Aufbau dieser kleinen Holzkästchen. Das Standpersonal hat alle Hände voll zu tun - so beschränke ich mich auf einige neugierige Blicke und ein kurzes "Hallo!".

Pegasus Spiele

Wie üblich hat sich der Friedberger Verlag im SpieleCafé ausgebreitet. Auch diesmal sind die Neuheiten wieder zahlreich und es gibt von (fast) fertigen Spielen bis hin zu Prototypen in der Planungsphase alles zu sehen. So hat beispielsweise nach der Pleite von HCM Kinzel die Next Station-Serie hier ihre Heimat gefunden und ich konnte schon einen Blick auf das neue Berliner Verkehrsnetz werfen. Ebenfalls noch nicht veröffentlicht ist der nächste Vertreter der Munchkin-Reihe. Dieser beschäftigt sich mit dem Vox Machina-Setting und wird wohl im zweiten Quartal seinen Weg in die Läden finden. Auch für den Shadowrun-Ableger des Kartenspiels steckt eine Erweiterung in der Pipeline. Schon älter ist 12 Rivers, doch erst jetzt kommt das Spiel in seiner deutschen Übersetzung auf den heimischen Markt. Das Konzept ist etwas schwierig zu beschreiben - im Prinzip dreht sich alles darum, Kugeln (Perlen) einen der zwölf Flüsse hinunterrollen zu lassen. Dabei muss der Flusslauf so manipuliert werden, dass die wertvollsten Perlen natürlich bei einem selbst landen. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie das Spiel funktioniert, aber es macht zumindest einen außergewöhnlichen Eindruck.

Der Eisenbahnmodellbau lebt (noch)Mit Dorfromantik - Leichtes Gepäck bekommt das beliebte Geländebauspiel eine Einsteigervariante spendiert. Nicht auf einer bestehenden Reihe basiert Compile, bei dem die Spieler die Rollen von Künstlichen Intelligenzen übernehmen und versuchen, die gegnerischen Programmabläufe zu stören. Sowohl Grundidee wie auch Ausführung gefallen mir sehr gut und erinnern ein wenig an das selige NetRunner. Um Reichtum, Einfluss und sozialen Stand dreht sich das Kartenspiel Tax the Rich. Vielleicht zu nah an der Realität, aber ein, soweit ich das beurteilen kann, spannendes Stichspiel, mit variablen Sonderregeln und einigen Twists. Deutlich weniger sozialkritisch präsentiert sich dagegen Wine & Cheese, bei dem zwei Spieler ihre Weinberge bestellen, Produkte produzieren und versuchen, den Konkurrenten auszustechen. Auf mich macht das Spiel einen strategischen, aber dennoch entspannten Eindruck und kommt anscheinend ohne die kleinen Gemeinheiten aus, die Zwei-Personen-Spiele ansonsten ausmachen. Es gibt hier am Stand zwar noch mehr zu entdecken, doch die Zeit drängt und ich muss weiterziehen...

Amigo Spiele

Der hessische Verlag konzentriert sich bei seinen Neuheiten auf schnelle Kartenspiele. Den Anfang macht hier Greedy Goose. Dabei sammeln die Spieler die verdeckten Karten aus der Tischmitte und bedienen sich an den Stapeln der Mitspieler - wobei zu viel Gier mit Abzügen bestraft wird. Hübsch aufgemacht, zügig spielbar und einfach zu lernen - so zumindest mein erster Eindruck. Etwas anspruchsvoller ist matter Matters, ein Stichspiel, bei dem die Punktwerte zweier Farben im Gleichgewicht gehalten werden müssen. Hier war mir leider kein Anspielen möglich. Zum 30jährigen Jubiläum kommt (natürlich) eine adäquate Wizard-Edition heraus. Das altbekannte und bewährte Spielprinzip wird durch verschiedene Sonderkarten vergangener Ausgaben plus zwei neue Karten ergänzt. Neben frischen Illustrationen ist die augenfälligste Besonderheit jedoch, dass der "Block der Wahrheit" nun durch Punktechips ersetzt wird. Bis zur Veröffentlichung müssen wir uns allerdings noch bis zur SPIEL gedulden.

Archon Studio

Der polnische Verlag hat sich auf die Umsetzung von Computerspielen spezialisiert - gerne aufwändig produziert und mit viel Material ausgestattet. Vor allem Heroes of Might & Magic III mit seinen unzählige Erweiterungen und Master of Orion gibt es hier zu sehen. Außerdem stehen zahlreiche Figuren und Gelände für verschiedene Rollenspielsysteme und Tabletops in den Vitrinen. Ich finde die Auswahl und vor allem die Qualität immer wieder eindrucksvoll. Irgendwann werde ich mich sicherlich auch an eines der Spiele des Herstellers wagen - aber nicht heute.

KENDi

Wenn ich schon in der Gegend bin, schaue ich gleich bei diesem relativ jungen Verlag vorbei. Hier wird weiter am Sortiment der kleinen, unkomplizierten Kartenspiele gefeilt. Dazu haben sie zwei Neuheiten auf die Messe mitgebracht, bei denen ich jeweils die Gelegenheit habe, eine kurze Einführung zu spielen. Bei Sneaky handelt es sich um ein Würfelspiel, bei dem man durch Farbkombinationen Karten gewinnt. Allerdings haben die Mitspieler die Möglichkeit, diese wieder an sich zu bringen. Als klassisches Kartenablagespiel präsentiert sich dagegen Keine Ahnung?! kombiniert dies jedoch mit einem Memory-Element, da man zu Beginn nicht weiß, welche Karten überhaupt vor einem liegen. Beide Spiele sind eher etwas für "Zwischendurch", aber vor allem das letztere macht einen sehr vielversprechenden Eindruck.

Asmodee

Jedes Jahr stellt sich mir am Stand des Verlags die gleiche Frage: Wo fange ich an?!? Die Produktpalette ist mittlerweile so umfangreich, dass es schwerfällt, den Überblick zu behalten. Klassische Gesellschaftsspiele, Trading Card Games, Tabletops, Partyspiele und nun auch noch ein Rollenspiel liegen auf den Präsentationsflächen. Die zahlreichen Produkte aus dem Star Wars-Universum ignoriere ich dabei komplett - dazu bin ich zu wenig in der Materie, um die verschiedenen Systeme und Genres auseinanderhalten zu können. Die vielen Spiele vor dem Herr der Ringe-Hintergrund lasse ich ebenfalls links liegen. Hier hat sich im Laufe der letzten Jahre bei mir wohl eine gewisse Übersättigung eingestellt.

Daneben gibt es aber noch einige weitere Franchise-Spiele, die der Verlag zumindest ankündigt. Die Spiele zur Roman- und Fernsehserie Witcher erhalten mit Pfad des Schicksals: Ronin neuen Zuwachs. Hier bekommt das bekannte Fantasy-Setting einen asiatischen Anstrich. Bei Cyberpunk 2077 steht ein Computer-/Konsolenspiel Pate für die Umsetzung auf den heimischen Spieltisch. Viel zu sehen gibt es noch nicht, aber ausgehend von der abgeschlossenen Crowdfunding-Kampagne erwartet uns hier in absehbarer Zeit ein futuristischer Dungeon-Crawler mit umfangreicher Ausstattung und einigen ungewöhnlichen Abwandlungen des Genres. Nachdem die Arkham Horror Files bereits als verschiedene Brett-, Karten- und Würfelspiele den Weg auf die Spieltische gefunden haben, folgt in Kürze Arkham Horror - The Roleplaying Game. Zum einen ist diese Entwicklung nur folgerichtig, zum anderen ist der Hintergrund nach wie vor ausgesprochen beliebt. Was ich an Komponenten sehen konnte, handelt es sich hier um eine recht einsteigerfreundliche Rollenspiel-Variante, die sich zudem an Elementen aus den anderen Spielen der Reihe bedient. Wieder ein Spiel, dessen Veröffentlichung ich gespannt erwarte.

Cthuloide TentakelspieleIn eine ähnliche Kerbe schlägt Das Schwarze Auge - Adventure in a Box. Auch hier soll den Abenteurern der Einstieg so einfach wie möglich gemacht und die Arbeit des Spielleiters erleichtert werden. Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass auch so einem alten, etablierten und ausgearbeiteten System noch neue Aspekte abgewonnen werden können. Originell präsentiert sich dagegen Heroes of Barcadia - obwohl die ursprüngliche Veröffentlichung bereits einige Jahre zurückliegt. In diesem (nicht ganz) klassischen Fantasy-Dungeon-Crawler durchstöbern die Helden finstere Verliese auf der Suche nach geraubten Spirituosen. Das augenfälligste Merkmal ist dabei die Anzeige der Lebensenergie durch ein Getränk in einem Glas. Dem ersten Eindruck zu urteilen taugt das Spiel für entspannte Familienabende, feucht-fröhliche Partys und die engagierte Spielrunde. Aufmachung, Konzept und die Abläufe sehen vielversprechend aus. Ich werde sicherlich noch darauf zurückkommen.
 

Natürlich gibt es am Stand sehr viel mehr zu entdecken, aber meine Zeit ist leider begrenzt - und ich habe noch immer nicht alles gesehen, was ich mir vorgenommen hatte. So begnüge ich mich bei den restlichen Neuheiten nur mit einem kurzen Blick und einigen Notizen und ziehe weiter.

Vallejo

Beim spanischen Farbenhersteller gab es wenig zu sehen, was ich auf der SPIEL nicht bereits in den Händen hatte. Aber es ist schön, sich das komplette Farbprogramm in Ruhe und ohne Gedränge anschauen zu können. Nachhaltig beeindruckt haben mich dabei die Farben der True Metallic Metal-Serie. Die hier bereitgestellte Palette deckt ein breites Spektrum ab und kann sowohl mit ihrer Verarbeitung als auch mit der Deckkraft überzeugen - wie ich derzeit selbst bei einigen Miniaturen, die ich in Arbeit habe, feststellen kann.

Games Workshop

Traditionell präsentiert sich der britische Miniaturenhersteller mit gepflegtem Understatement in Nürnberg - zwei Vitrinen mit Figuren, ein Display mit aktuellen Produkten und das war es auch schon. Dazu einige emsige Handelsvertreter, die geschäftig am Stand herumwuseln und sich bereitwillig mit jedem unterhalten, der in die Nähe kommt. Wenn man sich jedoch als Pressevertreter outet, lässt das Interesse der Gesprächspartner schlagartig nach. Was mir ganz recht ist, da ich so in aller Ruhe die sehr, sehr gut bemalten und toll gestalteten Miniaturen in Augenschein nehmen kann.

Ares

Auch der italienische Verlag ist für seine opulent ausgestatteten Spiele bekannt, vor allem durch die umfangreiche War of the Ring-Serie mit ihren zahlreichen Erweiterungen und Ablegern. Die neuesten Veröffentlichungen konzentrieren sich dabei auf Belagerungen und einen Ausbau des Kartenspiels. Zwei weitere Spiele, Quartermaster General: West Front und Wunderwaffen sind thematisch im Zweiten Weltkrieg angesiedelt und gehen eher in Richtung der klassischen CoSim. Ich lasse mir von der netten Dame am Stand Viking Route erklären, ein Abenteuer- und Forschungsspiel, das erst vor kurzem via Crowdfunding realisiert wurde. Die Umsetzung der nordischen Mythologie und des Seefahrer-Hintergrunds finde ich recht gelungen. Vor allem haben es mir hier die Magnete angetan, die den Kompass und damit den Kurs des Schiffes beeinflussen.

Iello

Hier liegt mein Augenmerk natürlich bei King of Tokyo und seinen Ablegern. Wirklich viel Neues gibt es hier aber nicht zu entdecken. Eine Erweiterung für die Duell-Variante der Monsterprügelei ist als Prototyp zu bestaunen. Hier kommt ein komplett anderes Spielbrett zum Einsatz, auch die Mechaniken variieren sich ein wenig. Außerdem gibt es den, bereits in Essen vorgestellten, Hybrid mit Mindbug bei den Neuheiten. Ebenfalls im letzten Jahr erschienen (zumindest auf Englisch und Französisch) ist Popcorn, ein knallbuntes Spiel über Kinobetreiber und die Gunst der Kundschaft. Sowohl Thematik wie auch die Aufmachung gefallen mir sehr gut und ich werde das Spiel bei Gelegenheit genauer unter die Lupe nehmen.

Ravensburger

Der Spielehersteller hat sich, wie gewohnt, etwas abseits des Gros der anderen Verlage in Halle 12 niedergelassen. Durch meinen arg gestrafften Zeitplan, reicht es leider nur für einen Schnelldurchlauf der Neuheiten. Hier gibt es einen Ausbau der echoes-Reihe, Nachschub für das Trading-Card-Spiel Locarna und eine Neuauflage von Las Vegas zu sehen. Mein Augenmerk liegt jedoch auf zwei Vorabversionen: Carcassonne Labyrinth wurde bereits vor einigen Monaten angekündigt, aber bisher gab es wenig Informationen. Hier hatte ich nun die Gelegenheit, mich eingehender damit zu beschäftigen. Letzten Endes werden hier die Grundprinzipien beider Spiele kombiniert, was bei den ersten Zügen schon gut funktioniert. Direkt nebenan, ebenfalls noch nicht ganz fertig, habe ich die Möglichkeit bei Scotland Yard Duell Jagd auf Mr. X zu machen. Nach einer (gescheiterten) Verfolgung hinterlässt auch diese Variante des Klassikers bei mir einen recht guten Eindruck.
Ein abschließender Rundgang durch den Stand zeigt neue Puzzle, zahlreiche Spiele mit Fokus auf Kindern (beispielsweise Die Sandburgen von Burgund) und Familien vervollständigen das umfangreiche Neuheitensortiment des Verlags.

Der Nachmittag ist schon weit fortgeschritten, als ich erneut das Pressezentrum erreiche. Nach einer kurzen Pause sammele ich Jacke, Rucksack und die Tasche mit dem gesammelten Infomaterial ein und verabschiede mich vom immer freundlichen und hilfsbereiten Team. Als ich zu meinem letzten Termin gehe, haben sich die Hallen schon merklich geleert und ich komme zügig voran. Dies lässt mir sogar die Gelegenheit, den einen oder anderen Gang zu durchstreifen, den ich bisher nicht betreten habe. An allen Ecken gibt es hier Dinge zu entdecken, die für mich zwar nicht wirklich relevant, aber dennoch eindrucksvoll anzuschauen sind.

Schmidt Spiele

Ich beende die Messe fast genau dort, wo sie heute morgen begonnen hat - in Halle 10.1. Ich habe noch kurz Zeit bis zu meinem Termin und so schaue ich mir die zahlreichen Neuveröffentlichungen an, um die ich bisher einen Bogen gemacht habe. Besonders augenfällig ist natürlich der Maler, der für My ArtNOBLE Farbe auf die Leinwand bringt. Kein Spiel sondern ein Mal-Set für alle, die sich künstlerisch betätigen wollen. Dabei müssen fast fertige Gemälde ergänzt werden. Eine ausführliche Anleitung mit Farbtheorie und verschiedenen Techniken gibt es obendrauf.

Regale auffüllenDie Vorstellung der Neuheiten findet in einem kleinen, abgetrennten Bereich statt und ich genieße die Möglichkeit, in relativer Ruhe auf einem bequemen Stuhl die Beine auszustrecken. Beim ersten und umfangreichsten Titel handelt es sich um Morty Sorty Magic Shop. Hier ist es die wenig glamouröse Aufgabe der Spieler, Laden-Regale einzuräumen. Allerdings geht es dabei um magische Komponenten, was wiederum einen kleinen Twist in die Angelegenheit bringt. Der erste Eindruck ist ein hübsch aufgemachtes, nicht ganz einfaches Puzzle- und Legespiel, das für alle Altersgruppen geeignet ist und dessen Anspruch sich nach oben schrauben lässt.

Nicht wirklich kategorisieren kann ich dagegen Time to Schein. Ein wildes Partyspiel mit unterschiedlichsten Aufgaben, bei denen Würfel, Stifte, Gegenstände und Worte zum Einsatz kommen. Was das Ganze von ähnlichen Spielen abhebt, ist der Timer und die Möglichkeit für sein Team zusätzliche Zeit zu "kaufen", die man bei vorangegangenen Runden erspielt hat. Alleine diese Mechanik ist es wert, das Spiel ausführlich unter die Lupe zu nehmen. Dagegen kommt One Mind als eher klassisches Assoziationsspiel daher, bei dem die Spieler Zusammenhänge zwischen Worten mit vorgegebenen Anfangsbuchstaben finden müssen. Runde für Runde kommen allerdings neue Begriffe hinzu, so dass sich bestimmte Kombinationen geradezu aufdrängen. Ich mag solche Spiele prinzipiell sehr und die kurze Testrunde weckt die Vorfreude auf mehr. Eigentlich bin ich nicht die Zielgruppen, aber angespielt wird Matsch Party trotzdem. In dem Rennspiel geht es darum, sein Schwein möglichst dreckig zu machen. Das funktioniert am besten, wenn man die Figur von erhöhter Position in die Matschgrube fallen lässt. Auch ein originelles Konzept, dass sich dann aber doch an eher jüngere Spieler richtet.

Red Night

Das Timing ist fast perfekt, als ich den abgetrennten Bereich verlasse, ist grade das Catering am Stand fertig aufgebaut und das Buffet eröffnet. Während ich mir eine Auswahl des (sehr leckeren) Fingerfoods genehmige, ergibt sich die Gelegenheit den Messetag mit anderen Besuchern ein wenig Revue passieren zu lassen. Diese Gespräche sind für mich immer wieder ein Highlight, bekomme ich doch hier Eindrücke und Meinungen von Pressevertretern, Ausstellern oder Organisatoren. Nach einer längeren Pause schaue ich noch an zwei weiteren Ständen vorbei, bevor ich der Messe für dieses Jahr den Rücken kehre.
>Die Fahrt zum Bahnhof verläuft schnell und streßfrei - von dem US-amerikanischen Vertriebler abgesehen, der mir sein Bier über Jacke und Hose schüttet. Das Ganze ist ihm sichtlich peinlich, aber nicht mehr zu ändern.

Am Bahnhof angekommen bietet sich ein ähnliches Bild wie am Morgen in Frankfurt. Der Zug hat erst eine kleine, dann eine längere Verspätung und schließlich ist der nachfolgenden Zug vor meinem gebuchten ICE am Gleis. Wie zu erwarten herrscht in den Abteilen ziemliches Gedränge - dabei hilft es auch nicht, dass zahlreiche Fahrgäste offensichtlich aus dem Wintersport kommen und ihre Snowboards und Ski mit sich führen. Trotzdem gelingt es mir ein relativ ruhiges Plätzchen zu finden und ein wenig zu dösen. Der Zug zuckelt mit gemächlichen 100 km/h in Richtung Heimat - da wohl auf der Strecke viel Verkehr herrscht. Das muss ich nicht wirklich verstehen, aber mittlerweile wundert mich bei der Bahn eigentlich nichts mehr.
>Bis ich schließlich mein Ziel erreiche ist es beinahe Mitternacht, wenn es nach dem Fahrplan gegangen wäre, würde ich jetzt schon im Bett liegen. So aber mache ich mich erst mit S-Bahn und anschließend mit dem Auto auf den Weg zurück. Immerhin hat sich die Wetterlage beruhigt und die Straßen sind weitgehend frei.

Fazit

Jedes Jahr stellt die Spielwarenmesse für mich das Ende der Winterpause dar. Eine Gelegenheit, die ich mir nicht entgehen lassen möchte - zumal die Atmosphäre deutlich entspannter ist, als auf der SPIEL. Die Verlage haben sich vom Weihnachtsgeschäft erholt, geben einen Ausblick auf einen Teil ihrer Neuveröffentlichungen und knüpfen neue Kontakte. Hier gibt es tatsächlich die Möglichkeit, sich die kommenden Neuheiten in Ruhe anzuschauen und mit den Verantwortlichen zu reden. Obwohl der sich für mich interessante Teil der Messe im Prinzip nur auf zweieinhalb Hallen konzentriert, reicht ein einziger Tag nicht aus, um alles in sich aufzunehmen. Diesmal hat auch nicht geholfen, dass die Verspätung der Bahn gut 90 Minuten gekostet hat - dieser Verlust war spürbar. Ich habe jedoch die Hoffnung nicht aufgegeben, dass ich irgendwann zwei Tage in Nürnberg verbringe. Gesehen habe ich trotzdem genug - sogar viele Neuheiten angetestet oder erklärt bekommen. Natürlich kann ich nicht alle Verlage und Spiele erwähnen, die ich neben den genannten entdeckt habe. Ein kompletter Rundgang würde den Rahmen dieses Textes sprengen. Glücklicherweise gibt es für den interessierten Leser aber noch ähnlich gelagerte Messe-Nachlesen und Video-Berichte, so dass sich damit ein vollständiges Bild der Spielwarenmesse ergibt. Auch der Veranstalter selbst liefert ausführliches Informationsmaterial zu Neuheiten, Entwicklungen auf dem Spielemarkt, Auszeichnungen und einigen anderen relevanten Punkten.

Bis zum nächsten Jahr...

 

Während die Zahl der Aussteller (2.313) auf hohem Niveau stagniert, hat sich die Anzahl der Besucher (58.900) ein wenig gesteigert. Dass sich der Markt selbst und damit auch das Publikum langsam wandeln, ist mittlerweile offensichtlich. Meine gesammelten Messebilder der letzten 15 Jahre bestätigen diesen ersten, subjektiven Eindruck. Natürlich vermisse ich manche Aussteller, dafür kommt jedoch Neues hinzu. Manchmal kehren aber auch vergessene Trends wieder zurück. So hatte ich beispielsweise einen ganzen Stand mit Monchichis gesehen, die ich noch aus meiner lange zurückliegenden Schulzeit kenne. Bei anderen Dingen lässt es sich schwer vorstellen, dass sie vom Markt verschwinden. Das klassische Beispiel ist dafür LEGO, die zwar seit Mitte des letzten Jahrhunderts das gleiche Produkt haben, sich aber ständig wandeln. Ein Blick in die Neuheitenschau zeigt daneben viele Innovationen - es ist also davon auszugehen, dass Spiel- und Spielzeugerfindern die Ideen nicht so schnell ausgehen werden.

Wie gewohnt kann ich die Organisation und das Personal der Messe nur in den höchsten Tönen loben. Durchweg freundlich, kompetent und hilfsbereit zeigt die Spielwarenmesse, wie man solch eine Veranstaltung erfolgreich über die Bühne bringt - bereits im 75. Jahr.

Einige weitere Bilder von meinem (leider deutlich verkürzten) Streifzug über die Nürnberger Spielwarenmesse kann man sich HIER anschauen.

Montag, 10. November 2025

SPIEL '25


[Messe] SPIEL '25
 

22. bis 26. Oktober 2025 
Grugahallen, Essen

 

Die Vorbereitungen

In meinem regulären Beruf bin ich derzeit so stark eingespannt, dass ich mich nicht so intensiv auf die SPIEL vorbereiten, wie ich das eigentlich gewollt hätte. Akkreditierung (wieder einmal vielen Dank an das Team des Merz Verlag) und die Hotel-Buchung verliefen zwar wie gewohnt problemlos, doch schon beim geplanten Urlaub gab es einige Unstimmigkeiten. Glücklicherweise konnte ich mich durchsetzen und mir für die gesamte Messe frei nehmen. Da dies jedoch lange auf der Kippe stand, verzichtete ich auf meine sonst obligatorischen Termine.
Immerhin gelang es mir, mich über einige der Neuerscheinungen zu informieren und eine lange Liste mit Spielen zu machen, die ich unbedingt sehen wollte. Zeit für eine ausgedehnte Shopping-Tour und für Treffen mit Freunden wurde ebenfalls mit einkalkuliert. So machte ich mich also (gefühlt) mitten in der Nacht an einem regnerischen, stürmischen Mittwoch auf den Weg ins Ruhrgebiet.

Die ersten gut 25 Kilometer der Reise verlaufen dann auch reibungslos - bis mich ein Warnlämpchen im Armaturenbrett darauf hinweist, dass mein Auto einen Schluck Öl vertragen könnte. Als erfahrener Skoda-Fahrer habe ich selbstverständlich immer einen Liter auf Reserve im Kofferraum. Nach einem kurzen Zwischenstopp auf dem nahegelegenen Rastplatz will ich meine Fahrt fortsetzen, bemerke jedoch, dass Ticket und Parkausweis für die Messe nicht auf dem Beifahrersitz, sondern wahrscheinlich noch auf dem heimischen Schreibtisch befinden. Kurzerhand an der nächsten Ausfahrt umgedreht, die fehlenden Papiere eingesammelt und wieder zurück auf die A61.

Trotz dieser völlig unnötigen und selbstverschuldeten Verzögerung erreiche ich Essen und die Gruga-Hallen dennoch pünktlich zur Öffnung der Türen. Hier suche ich mir ein gemütliches Plätzchen, begrüße den einen oder anderen Bekannten und warte auf den offiziellen Start des Tagesprogramms.

Mittwoch, 22. Oktober 2025

 

Die Preisverleihung
Das Foyer ist gut gefüllt, nur wenige Plätze bleiben leer bei der traditionellen Pressekonferenz, die der Eröffnung der SPIEL vorangeht. Wie bereits im Vorjahr präsentieren Carol Rapp und Robin de Cleur einige harte Zahlen und Fakten zur Messe, aber auch zu Spielen generell. So kann sich die Branche 2025 erneut über einen recht ordentlichen Zuwachs freuen - interessanterweise zu einem guten Teil aus dem Genre der Tradings Cards gespeist. Auch Veränderungen, die die Messe direkt betreffen werden angesprochen. So ist mit der Halle 7 nochmals mehr Ausstellungsraum hinzugekommen, in der hintersten Ecke der Halle 4 ist für Diskussionen und Vorträge eigens ein weiter Bereich mit entsprechender Technik und zahlreichen Sitzplätzen eingerichtet worden. Ein größerer Diskussionspunkt war der Wegfall der Dauerkarten und die damit einhergehende komplette Umstellung auf Tages-Tickets. Die Begründung klang für mich durchaus nachvollziehbar, ob diese Regelung Bestand hat, wird das kommende Jahr zeigen.

Nach diesem recht kurzen Überblick folgt die Verleihung des Deutschen Spielepreises. Wie bereits im Vorjahr haben sich die Veranstalter als "Gesicht" der Messe jemand Bekanntes herausgepickt. War es 2024 der Sänger Alea, so darf diesmal Mháire Stritter in vollem LARP-Outfit auf die Bühne. Frau Stritter ist seit vielen Jahren eine feste Größe im Rollenspielbereich und vor allem durch den Orkenspalter-Kanal etabliert. Nach einer kurzen Einführung und etwas Smalltalk folgt schließlich die Preisverleihung. Hier können sich HeidelBÄR Games gleich zwei Mal freuen. Zum einen gewinnt Die kleinen Alchimisten die Auszeichnung für das Kinderspiel und SETI bekommt noch vor Bomb Busters und Endeavor - Die Tiefsee den Hauptpreis.

Damit endet der offizielle Teil der Eröffnungs-Veranstaltung und die Türen in die Halle 8 öffnen sich. Hier präsentieren die Verlage bei der Neuheitenschau ihre Messe-Highlights. Für mich ist das einer der angenehmsten Momente der SPIEL, kann man doch in Ruhe und in entspannter Atmosphäre die zahlreichen Veröffentlichungen in Augenschein nehmen.

So gehe ich von Stand zu Stand und lasse mir viel Zeit, die Eindrücke aufzunehmen. Gelegentlich ergibt sich ein Gespräch mit einem der Verlagsverantwortlichen, beispielsweise bei Warlord Games, die die neue Edition ihres Weird War-Tabletops Konflikt '47 vorstellen. Die Denkriesen haben mit Velmohra ausnahmsweise mal kein Partyspiel am Start. Hier gibt mir der Autor netterweise einen Überblick über Ziel und Abläufe. Die Illustratorin Maxine Metzger legt mit Nocturnis ihr neues Spiel vor und Friedemann Friese plaudert über Fair Enough - das offizielle Spiel zur SPIEL. An separaten Ständen kann man sich sogar die frisch prämierten Spiele anschauen. Und auch hier ergibt sich die Gelegenheit zu einem Gespräch mit den Machern.

Das Spiel zur SPIEL
Insgesamt kann ich mir hier einen wunderbaren Überblick über Veröffentlichungen verschaffen, die ich in den kommenden Tagen noch genauer betrachten will. Ich verbringe erstaunlich viel Zeit mit den Neuheiten und versuche, so viele Eindrücke wie möglich aufzunehmen. Doch irgendwann ist es auch genug und ich streiche die Segel.

Ich schaffe es grade so vor Beginn des Berufsverkehrs meine Unterkunft in Oberhausen zu erreichen. Hier nutze ich das verbliebene Tageslicht, um ein wenig durch die Stadt zu schlendern und noch einige Vorräte einzuholen. Nachdem dies erledigt ist, stellt sich die Frage des Abendessens. Da ich im letzten Jahr SEHR gute Erfahrungen mit den Burger Nerds gemacht habe und deren Restaurant nur wenige Meter vom Hotel entfernt ist, mache ich einen Abstecher dorthin. Am ersten Abend genügt mir ein (relativ) leichtes Essen - eine Pulled Pork Poutine.

Donnerstag, 23. Oktober 2025

Ich wache erstaunlich früh in meinem Hotelzimmer auf und fühle mich fürchterlich gerädert. Allerdings weiß ich nicht wieso - der vorherige Abend war eigentlich recht entspannt. Doch anstatt weiter im Bett herumzuliegen, mache ich mich schon bald auf den Weg nach Essen. Dies erweist sich als sehr, sehr gute Entscheidung, denn die Strecke von Oberhausen über Mülheim hin zur Messe wird nicht nur durch zahlreiche Baustellen und eine Straßensperrung erschwert, sondern auch durch den regulären Berufsverkehr. Mein Plan hatte eigentlich vorgesehen, im Umfeld der Gruga-Hallen noch ein kurzes Frühstück einzunehmen, doch fahre ich erst wenige Minuten nach 9 Uhr auf den Parkplatz. Die Hallentüren sind bereits geöffnet und so schließe ich mich kurzerhand der Menge an und lasse mich in die Halle 8, den Wartebereich, mittreiben. Durch den Wegfall der Halle 7 herrscht hier schon recht früh ein ziemliches Gedränge - auch der separate Eingang für Aussteller und Fachbesucher wurde dem Messeausbau geopfert. Glücklicherweise behält das Personal am Einlass den Überblick und bewältigt die Situation professionell.

Im Gegensatz zu vergangenen Besuchen auf der SPIEL habe ich mir für den heutigen Tag kein Programm vorgenommen. Der Donnerstag soll ganz im Zeichen des Konsums stehen!

Die Horde wartet
Mit der Akkreditierung komme ich bereits kurz vor 10 Uhr durch die Tür. Diese relativ ruhige Phase nutze ich, um mir einen ersten Überblick in der neuen Halle 7 zu verschaffen. Bei der Gelegenheit mache ich mich direkt daran, die Einkaufsliste (und die meiner Mitspieler und Freunde) abzuarbeiten. Hinter dem Tor sehe ich dann auch schon den Stand mit offiziellem Merchandise. Taschen, T-Shirts und Plüschfiguren sind jetzt eher nicht meins. Dafür ergattere ich jedoch eines der wenigen Restexemplare von Fair Enough. Dabei geht es darum, möglichst viele (und zusammen passende) Dinge auf der Messe zu ergattern. Allerdings steht dafür nur eingeschränkte Zeit, dargestellt durch Kartenwerte, zur Verfügung. Also müssen die Spieler ihre Chancen abwägen, etwas taktieren und dürfen nicht zu gierig werden, sonst gehen sie leer aus.

Ebenfalls bei der Neuheitenschau konnte ich einen Blick auf Agile Unicorn vom gleichnamigen Verlag werfen. Das schnelle, relativ einfache Kartenspiel um den Aufbau eines IT-Start-Ups konnte mich durch seine hübsche Aufmachung und die Thematik überzeugen. Hier ist es an den Spielern, Programmierer-Teams zu rekrutieren, um Aufgaben zu erfüllen und damit Punkte einzuheimsen. Jedes Teammitglied generiert Würfel - am Ende zählt das höchste Wurfergebnis. Der besondere Reiz kommt dabei durch die Möglichkeit, das eigene Team durch Bonuskarten zu unterstützen oder der Konkurrenz das Leben schwer zu machen. Dieser Kauf war zwar nicht eingeplant, aber mit so etwas muss man bei der Messe ja bekanntlich rechnen.

Mittlerweile ist eine gut halbe Stunde vergangen und die Spielewütigen stürmen in die Halle. Das Gros der Besucher benimmt sich einigermaßen gesittet, doch gibt es einige, die regelrecht durch die Gänge pflügen und dabei weder Rücksicht auf ihre Mitmenschen, noch die Stände nehmen.

Eine der ersten Anlaufstellen ist traditionell der Stand von Freebooter Miniatures, einem meiner liebsten Tabletop-Spiele. Neben den obligatorischen Messe-Miniaturen habe ich in diesem Jahr eine größere Wunschliste, die ich dem freundlichen Standpersonal in die Hand drücke. Aktuell kommt Freebooters Fate in meiner monatlichen Püppchenschubser-Runde auf den Tisch. Ich (und natürlich auch die potentiellen Mitspieler) brauchen daher entsprechende Verstärkung. Wir verbleiben so, dass ich Figuren und Bücher am Abend abhole. So bleibt den Freibeutern viel Zeit, die Sachen heraus zu suchen, und ich muss sie nicht mit mir herum schleppen.

Auch einige Ergänzungen zu Spielen aus dem letzten Jahr stehen relativ weit oben auf der Wunschliste. So wandert schon bald erste Erweiterung zu Dark Humor - Jetzt geht's übers Limit in meinen Rucksack. Das moralisch grenzwertige Kartenspiel vom Schnerring Verlag hat am heimischen Spieltisch bereits für den einen oder anderen Lacher gesorgt. Da kommt frisches Material grade recht.
Auch für mein heimliches Messehighlight 2024 gibt es reichlich neuen Stoff. Die Auswahl an "Seasons" beim Solo-Spiel Final Girl überfordert mich ein klein wenig, sind die Leute von Van Ryder Games anscheinend in den letzten Monaten recht produktiv gewesen. Die Horror-Thematik ist offensichtlich noch lange nicht ausgereizt: Razorface ist an Hellraiser angelehnt - einem meiner allerliebsten Filme. Daher kann ich an dem Set nicht vorbeigehen. Die filmische Referenz zu Mort ist mir dagegen grade nicht präsent. Aber passend zur SPIEL macht ein Serienkiller die "Mega Boardgame Convention" zu seinem Jagdgebiet und als Protagonistin steht man weit oben auf der Liste.

Ebenfalls eine meiner (angenehmen) Überraschungen 2024 war das asymetrische Zwei-Personen-Spiel Pagan. Wyrmgold haben dem Titel in diesem Jahr mit Aufbruch ins Unbekannte eine große Erweiterung spendiert, die das relativ sichere Roanoke hinter sich lässt. Und da ich schon mal vor Ort bin, kommen gleich noch zwei kleine Kartensets hinzu. So bleibt der Wettkampf zwischen Hexe und Hexenjäger spannend und abwechslungsreich.

Frau Stritter ganz privat
Bei den Damen und Herren vom Kampfhummel Verlag aus der Schweiz halte ich mich dann tatsächlich etwas länger auf. Zum einen nutze ich die Gelegenheit, ein wenig mit der Autorin des grandiosen Ultraviolett zu plaudern. Zum anderen gibt es außerdem noch drei kleine, schnelle Partyspiele zu sehen. Da ich recht gut in meinem Zeitplan liege, nehme ich das Angebot für eine kurze Erklärung gerne an. Die Regeln zu Zwanzig Zentimeter, Analphabet Blödmann Currywurst und Lass es raus! sind, wie gewohnt, einfach gehalten, für größere Gruppen geeignet und sorgen wahlweise für hämisches Lachen oder peinlich berührtes Schweigen. Da ich immer auf der Suche nach dieser Art von Partyspiel bin, kommen die drei Spiele ebenfalls in die Tasche.

Mittlerweile wird es Zeit für eine erste Pause. Wie bereits im letzten Jahr ist das Angebot was Speisen und Getränke angeht ausgesprochen vielfältig. Von klassischem Junk-Food und Soft-Drinks bis hin zu veganen Salat-Bowls und Unmengen Kaffee wird eigentlich alles abgedeckt. Als erfahrener Messe-Gänger spare ich mir allerdings die Wartezeiten in den Schlangen und die teils ordentlichen Preise. Stattdessen treffe ich mich in der ruhigen Ecke in einem der Außengelände (ausnahmsweise regnet und stürmt es grade nicht) und teile mit Freunden das mitgebrachte "Pausenbrot". Obst, Käse, Mini-Salamis und Müsliriegeln reichen, um den gröbsten Hunger zu stillen. Für den Abend ist dann noch ein richtiges gemeinsames Essen geplant.

Nach dieser dringend nötigen Auszeit stürze ich mich wieder voll Schwung und Elan ins Getümmel. Mittlerweile haben es anscheinend auch die letzten Besucher in die Hallen geschafft, denn das Vorankommen wird zunehmend schwieriger.

Meine Einkaufsliste sieht gar nicht mehr so beängstigend aus, wie heute morgen. Die Kleinigkeiten kaufe ich quasi im Vorbeigehen: Würfel, T-Shirt, zwei Art Prints und eine Handvoll Postkarten in der Artists Alley. Nachdem das Konzept einige Jahre von der SPIEL verschwunden war, lebt es nun wieder auf und wird, zumindest nach meinem Eindruck, von den Besuchern dankbar angenommen. Hier haben in drei, vier Gängen eine ganze Reihe von (hauptsächlich) Illustratorinnen ihre Stände aufgebaut und präsentieren ihre Werke. Die Bandbreite reicht dabei von knallbunten Yaoi- und Yuri-Zeichnungen, über klassische Fantasy-Motive, Postkarten, Kühlschrank-Magnete und Aufkleber mit jeglicher Thematik bis hin zu finsteren, cthuloiden Werken - von denen ich mir zwei sichere.

Messe-Merch
Nachdem ich im letzten Jahr gute Erfahrungen mit den Krimi-Dinnern von Samhain gemacht habe, schaue ich wieder am Stand des bayerischen Verlags vorbei. Am Vortag hatte mir Verlagschef (und Autor) Roger Krykon schon einen kurzen Abriss über die Neuheiten gegeben. Und tatsächlich kommen beide Titel für meine reguläre Spielrunde in Frage. Diesmal bekomme ich eine ausführlichere Beschreibung, an deren Ende mehrere der Spiele in meinen Besitz übergehen. Bei Gertrude lebt! Müssen die Spieler das Verschwinden der Weihnachtsgans beim örtlichen Feuerwehrverein aufklären. Klingt lustig und weicht von der üblichen finsteren Thematik dieses Genres ab. Das zweite Spiel, Horror Dinner - Haunted Hotel, ist dann wieder etwas typischer für mich. Hier gilt es Licht hinter das gewaltsame Ableben der Hotelbesitzerin zu bringen. Dass die Spieler dabei als "Verfluchte" bezeichnet werden, lässt auf einen interessanten Plot schließen. Mit Der Messerstecher von Whitechapel und Im Irrenhaus nehme ich schließlich noch zwei schmale, eher für Einsteiger oder eine kurze Spielrunde, geeignete spielbare Krimis mit.

Nun fehlt mir eigentlich nur noch ein Abstecher in Halle 3, um dort den einen oder anderen Verlag heimzusuchen. Ich schaffe es auch tatsächlich, mich durch einen der Eingänge zu drängen, aber in den Gängen selbst ist kein durchkommen. Nach wenigen Minuten gebe ich entnervt auf und flüchte wieder zurück in die Halle 1, die kleinen Figuren und bunten Farben vorbehalten ist.

 

Ein Blick auf die Uhr verrät mir dann, dass es langsam Zeit wird, sich auf den Heimweg zu machen, will ich nicht auch dort im Stau stehen. So sammele ich meine bestellten Figuren ein, halte an dem einen oder anderen Stand noch ein Schwätzchen und bewege mich gemächlich Richtung Ausgang. All dies, und die Rückfahrt im auslaufenden Feierabendverkehr, nimmt jedoch so viel Zeit in Anspruch, dass ich nicht zurück ins Hotel, sondern direkt ins Centro zum Abendessen fahre. Doch auch hier setzt sich der Stau fort. Aufgrund einer Veranstaltung sind einige der Parkhäuser gesperrt und die eingesetzten Ordner kommen nicht wirklich gut mit der Situation zurecht. Dennoch gelingt es mir relativ pünktlich im Neon aufzuschlagen, wo meine Freunde bereits warten. Das griechische Restaurant ist schon seit vielen Jahren eine meiner Anlaufstellen, wenn es um gutes Essen geht und auch diesmal enttäuscht das überbackene Gyros nicht. Als wir uns schließlich verabschieden hat die Mall schon geschlossen und ich muss außen um den Gebäudekomplex gehen - was sich als netter Verdauungsspaziergang erweist.

Immer wieder gut!
Eigentlich wollte ich im Hotel meine Beute begutachten, doch ist es schon spät und drei Tage SPIEL liegen noch vor mir. So lasse ich mich schließlich vom Fernseher berieseln, bevor ich langsam wegdämmere.

Freitag, 24. Oktober 2025

Diese Nacht verlief ähnlich unruhig wie die vorangegangene. Praktisch bei jedem Geräusch schrecke ich auf, nur um kurz darauf wieder einzunicken. Und erneut gebe ich kurz vor 6 Uhr auf, schäle mich aus dem Bett und verbringe die nächste halbe Stunde unter der Dusche. Einigermaßen wach verlasse ich das Hotel frühzeitig - verproviantiere mich aber auf dem Weg in einem örtlichen Supermarkt. Meine Navigationssoftware lotst mich allerdings zum falschen Parkplatz - und so verliere ich unnötig Zeit. Aber es reicht noch für einen Eiskaffee und ein Sandwich, bevor es erneut ins Getümmel geht.
Das Orga-Team hat aus der etwas unglücklichen Einlass-Regelung am Vortag Konsequenzen gezogen. Während die regulären Messebesucher wieder in den Eingang Ost strömen, bei dem jetzt die Ticket-Kontrolle vorgelagert ist, werden Aussteller und die Presse zum Eingang Nord umgeleitet. Ich glaube, in meinen 30 Jahren SPIEL habe ich die Hallen nie durch diese Türen betreten oder verlassen. Allerdings darf ich erst gegen 9.30 Uhr in den Eingangsbereich selbst und stehe noch gut 20 Minuten bei Wind und Regen nur unzureichend geschützt vor der Tür.

Schließlich lässt das Sicherheitspersonal uns doch passieren und ich beeile mich, in die Halle 6 zu kommen und mich ein wenig aufzuwärmen. Nachdem ich Vortag fast alle Einkäufe erledigt habe, steht mir der Freitag praktisch vollständig zur freien Verfügung.

 

Für den Imperator!
Für den heutigen Tag habe ich in erster Linie die Halle 1 eingeplant, mit ihrem Schwerpunkt auf Tabletop. Aber auch einige Farbhersteller und Brett- sowie Rollenspielverlage hat es hierhin verschlagen. Den Anfang macht dabei natürlich der riesige Stand von Games Workshop. Wie im letzten Jahr richten die Briten wieder ihren prestigeträchtigen Mal-Wettbewerb Golden Demon auf der Messe aus. Noch gibt es allerdings in den Vitrinen nicht allzu viel zu sehen. Die wenigen bereits ausgestellten Miniaturen und Dioramen machen jedoch einen recht guten Eindruck - deutlich über dem Niveau, dass ich selbst zu meinen besten Mal-Zeiten erreichen konnte. Etwas ernüchtert nehme ich dennoch die Einladung des freundlichen Mitarbeiters an, innerhalb von 30 Minuten eine Figur mit sehr eingeschränkter Farbpalette zu bemalen. Ich bekomme also einen Space Marine in die Hand gedrückt, sowie eine Handvoll Contrast Paints und drei Pinsel und mache mich daran, Farbe auf die Miniatur zu bringen. Nach einer halben Stunde ist das Ergebnis zwar nicht wirklich überragend, aber auch gar nicht sooo schlecht.

Da ich grade in Stimmung bin, mache ich mich am Stand von AK Interactive direkt über die nächste Figur her. Hier geht es mir allerdings darum, eine der Messeneuheiten auszuprobieren: Stifte anstatt Pinsel, um Figuren zu bemalen. Nachdem ich die Palette der ungewöhnlichen Utensilien ausprobiert habe, fällt mein Urteil doch eher ernüchternd aus. Weder die Deckung, noch die Kontrolle über die Farbe kann mich überzeugen. Wenn diese Stifte ihre Berechtigung haben, so hat sich mir diese bisher nicht erschlossen.
Weiter geht es zu Vallejo, die ihre neue Farbserie True Metallic Metal vorstellen. Wie man sich denken kann, handelt es sich dabei um reine Metallfarben. Allerdings unterscheiden sich diese doch in ihrem Verhalten und vor allem dem Aussehen deutlich von den bisher bekannten Farbtönen. Hier tobe ich mich an einer weiteren Figur aus und das Ergebnis kann sich tatsächlich sehen lassen. Entsprechend füge ich eine kleine Farbauswahl der langsam und stetig wachsenden Sammlung in meinem Rucksack hinzu.


Nach diesem kreativen Testlauf will ich jetzt Figuren über den Tisch schieben. Dafür bietet sich der Stand von Trench Crusade an. Das Skirmish kann nicht nur mit einem sehr speziellen Setting aufwarten, auch die Miniaturen (und die Deko) hinterlassen einen teils verstörenden Eindruck. Nach einem sehr schnellen und unterhaltsamen Demo-Spiel, habe ich noch die Gelegenheit, mich kurz mit dem Autor Tuomas Pirinen zu unterhalten. Neben einem Blick in den Prototyp des gedruckten Regelwerks kann ich auch die neuen Figuren im Kunststoff-Gußrahmen bewundern.

Die ersten Gußrahmen... 

Da der Verlag anderen Herstellern erlaubt, Figuren vor diesem Hintergrund zu produzieren, ist es nicht wirklich überraschend, dass ich direkt nebenan bei Titan Forge schon zwei Kampftrupps und das dazugehörige Gelände entdecke. Aber eigentlich bin ich hier wegen des grandiosen Brettspiels Lobotomy und seinen Ablegern. Doch leider werde ich enttäuscht - es gibt nichts Neues zu sehen. Und auch die Fertigstellung der nächsten Erweiterung lässt auf sich warten.

Die Zeit vergeht erstaunlich schnell und als ich das erste Mal eine Pause einlege, ist bereits mehr als der halbe Messetag vergangen. Trotzdem habe ich immer noch nicht alles an neuen Figuren gesehen, dass ich sehen möchte. So geht es also nach einer kurzen Verschnaufpause zurück in die Halle 1.

Direkt am Eingang haben wieder Remarkable Miniatures ihren Stand aufgebaut. Leider gibt es hier nur wenige neue Figuren als 3D-Drucke zu sehen. Da mir die sehr spezielle Interpretation von Märchen- und Sagengestalten recht gut gefällt, füge ich auch diese meiner Sammlung hinzu.
Gegenüber wird mit Shroudfall vom Verlag Gamebreakers (bzw. deren Vertreibspartnern) ein neues Skirmish-Tabletop-System vorgestellt. Ungewöhnlich gestaltete Figuren und sehr ansehnliches Gelände, verleiten mich zu einem kurzen Testspiel. Neben recht bekannten Abläufen bietet das Regelwerk zusätzlich eine Art Ressourcenmanagement, mit dem sich Sonderfähigkeiten der Charaktere aktivieren lassen. Sicherlich eine nette Idee und ein Grund, das Spiel im Auge zu behalten.

Ebenfalls durch beeindruckendes Gelände macht Butcher & Bolt auf sich aufmerksam. Auch dieses System zählt zu den Skirmish-Spielen, ist aber vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges angesiedelt. Das dazugehörige Regelbuch und die verschiedenen Szenarien werden (hoffentlich) durch eine Crowdfunding-Kampagne finanziert, die in Kürze starten soll. Mich erinnert das Ganze ein wenig an das altehrwürdige Computerspiel Commandos, mit dem ich seinerzeit viele Stunden verbracht habe. Auch daher für mich nicht ganz uninteressant - andererseits habe ich ein halbes Dutzend Spiele im Regal stehen, mit denen man ebendies darstellen kann.

Um die Ecke des Ganges herum haben Mantic etwas abseits ihren Platz gefunden. Hier gibt es einiges zu sehen, beispielsweise Epic Warpath, mit dem man gewaltige SciFi-Schlachten in kleinem Maßstab spielen kann. Was ich recht originell finde, ist die Idee, Tabletop-Adventskalender auf den Markt zu bringen. Hier stehen ganze vier Stück zur Auswahl unter anderem auch für die Umsetzung des Computerspiels Worms. Hinter jedem Türchen verbergen sich dabei Figuren, Würfel oder Geländeteile.

Die Galerie
Mittlerweile hat sich die Halle merklich geleert und auch ich mache mich langsam, aber unaufhaltsam, auf den Weg Richtung Parkplatz. Als Abendprogramm ist ein gemeinsames Essen mit Freunden im benachbarten Mülheim geplant. So verstaue ich meine, diesmal relativ geringe, Ausbeute im Kofferraum und quäle mich durch den Feierabendverkehr. Allerdings hätte ich mir durchaus mehr Zeit lassen können, da meine "Mitesser" mit der Deutschen Bahn unterwegs sind. Diese hat verlässlich Verspätung - immerhin ganz 90 Minuten. Dafür warten dann am Ende im Mediterran leckere Tortelloni Giganti mit Steinpilzfüllung auf mich. Das Restaurant ist gemütlich, die Getränke reichlich und so schreitet der Abend unmerklich voran. Erst gegen Mitternacht schaffe ich es auf mein Zimmer und falle beinahe sofort auf das Bett.

Samstag, 25. Oktober 2025

Der Samstag beginnt wie die beiden Tage zuvor auch - mit kurzem und nicht wirklich erholsamen Schlaf. So bin ich wieder frühzeitig am Eingang der Gruga-Halle und stärke mich mit den mitgebrachten Sandwiches und einer Thermoskanne Pfefferminz-Tee.

Diesmal habe ich mir eine Expedition in die Halle 3 vorgenommen - bisher war hier kein durchkommen. Auch das eine oder andere Testspiel steht noch auf meiner Agenda. Als ich mich langsam durch die Gänge vorarbeite, fällt mir der gelangweilte Mitarbeiter am Stand von Asmodee auf, der nur darauf wartet, mir eine Demo zu Arkham Horror - Das Kartenspiel zu geben. Obwohl ich alle anderen Spiele aus der Themenreihe habe und regelmäßig spiele, ist das Living Card Game bisher an mir weitgehend vorbeigegangen. Dies mag an meiner Abneigung gegen Sammelkartenspiele jeglicher Art liegen, oder aber an der schier unüberschaubaren Masse von Erweiterungen, Ergänzungen und Szenario-Packs, die es mittlerweile dafür gibt. Das kooperative Deckbuilding-Spiel stellt sich dann doch eher als Rollenspiel Light heraus. Stimmige Illustrationen, ein klassischer cthuloider Plot und der relativ kurzweilige Ablauf machen mich zumindest neugierig auf mehr. Vielleicht sollte ich dem Spiel doch bei Gelegenheit eine Chance geben.

Wenn ich schon in der Gegend bin, ist ein erneuter Blick auf die Exponate beim Golden Demon fällig. Mittlerweile sind die Vitrinen gut gefüllt und die Schlange der Maler, die ihre Stücke abgeben wollen, zieht sich um den halben Stand herum. Hier sind einige wirklich tolle Werke zu sehen - was mich fast wieder in Versuchung führt, zu Hause einen neuen Anlauf mit Pinsel und Farben zu wagen.

Deadpool-CosplayNach diesem kurzen Intermezzo erreiche ich aber dann tatsächlich die Halle 3 - in der im Vergleich zu den vergangenen Tagen deutlich weniger los ist. Und um bei Tentakelmonstern zu bleiben, bahne ich mir einen Weg zum Stand von Chaosium. Dort wartet mit Miskatonic Tales - Journey to Innsmouth das letzte Spiel meiner Einkaufsliste auf mich. Das opulent ausgestattete Brettspiel bietet klassische Abenteuer vor dem Hintergrund des Cthulhu-Mythos, wobei auch hier der Rollenspiel-Aspekt viel Raum einnimmt. Eine kurze Erklärung des Spielprinzips und der Mechaniken lassen mich die Kaufentscheidung nicht bereuen.

Um Horror geht es auch einige Meter weiter bei till5am Games - allerdings um die trashige 1980er-Video-Variante. Bei Badflix Scareville muss man als garstiges TV-Monster, die Seelen der Fernsehzuschauer verschlingen. Beim Anspielen mit dem Autor entpuppt sich das Ganze als kurzweiliges Push-Your-Luck-Würfelspiel mit hübschen Illustrationen und originellem Setting. Leider ist das Spiel nicht zur Messe fertig geworden - aber es gibt eine Vorbesteller-Aktion, die ich in Anspruch nehme.

Nicht zu übersehen ist, wie immer, der Stand von Pegasus. Zahlreiche Neuheiten werden hier von dem emsigen Demo-Team präsentiert. Allerdings beschränke ich mich auf ein wenig Kontaktpflege und einen kurzen Überblick über die aktuellen Veröffentlichungen. Die (wirklich tollen) Bücher zum Cthulhu-Rollenspiel hatte ich mir ein paar Tage zuvor schon beim Dealer meines Vertrauen (dem Orcish Outpost in Mainz) zugelegt. Ansonsten gibt es hier noch einige Dinge, die Eindruck hinterlassen Vor allem der kooperative Deckbuilder Boss Fighters QR, bei dem der Endgegner durch eine App gesteuert wird. Generell stehe ich dem Einsatz von Elektronik bei "klassischen" Brettspielen eher skeptisch gegenüber, doch hier ist einer der Fälle, in denen es sinnvoll ist und auch funktioniert.

Fthagn!Nachdem es doch langsam voll wird, schlendere ich noch ein wenig durch die Gänge, bewundere die teils wirklich toll aufgemachten und exzessiv ausgestatteten Spiele. So bleibe ich länger bei Meeple Pug mit ihrem dämonischen Dark Blood stehen, lasse mir Beast von Studio Midhall zeigen und bin beeindruckt von Syncanite Foundation. Für eine Demo von Hell: Legends am Stand von Hodari Spiele ist dann tatsächlich doch noch Zeit. Der Fantasy-Dungeon-Crawler erinnert von Ablauf und Fähigkeiten-Mechanik frappierend einem klassischen Computer-Spiel; auch die Optik kann ihre Herkunft nicht verleugnen. Insgesamt hinterlässt es einen sehr positiven Eindruck - ob ich allerdings ein weiteres Spiel aus diesem Genre in meiner Sammlung brauche, wage ich zu bezweifeln.

Zwischenzeitlich mache ich immer wieder Abstecher in andere Hallen. Dabei habe ich insgesamt den Eindruck, dass sich die Besucher heute deutlich besser verteilen. Und das, obwohl die Freiflächen auf Grund des wirklich miserablen Wetters nahezu ausgestorben sind.

So komme ich grade rechtzeitig in Halle 4 an, in der auf der Bühne die Vorbereitung zu einer Rollenspielrunde laufen. Mháire Stritter leitet eine Runde Myranor, zusammen mit ausgewählten Größen der heimischen Rollenspielszene. Als besonderes Schmankerl für die zahlreichen Schaulustigen wird das Geschehen auf dem Spieltisch in bester LARP-Manier auf der Bühne umgesetzt. Sehr lustig und sehr schön anzuschauen - so wird dieses (immer noch) Nischen-Hobby ein Stückchen weiter massenkompatibel.

Das etwas andere LARPDa ich schon einmal in der Halle bin, schaue ich auch gleich noch bei Greenstuffworld vorbei. Neben zahlreichen Farben und Dioramenbau-Zubehör, greifen die Spanier die Idee anderer Farbhersteller mit den "Mal-Stiften" auf. Allerdings werden diese hier nicht fertig angeboten, sondern leer, so dass man sie mit den Farben der Wahl befüllen kann. Ich finde diese recht gelungen und probiere die Stifte aus. Am Ende nehme ich mir doch noch ein Set mit.

Nach einigen weiteren, relativ ziellosen Runden durch die Gänge, wird es wieder Zeit, mich in Richtung Ausgang zu begeben. Mittlerweile sind die Hallen recht leer, was mir die Möglichkeit gibt, mich endlich in einen der zahlreichen Grabbelstände zu stürzen, die ich bis dahin gemieden habe. Völlig überraschend werde ich (leider) fündig. Es sind ganze vier Erweiterungs-Sets für verschiedene Ableger des Zombicide-Brettspiels, die den Weg in den Rucksack finden, bevor ich mich schließlich auf den Weg zum Parkplatz mache.

Angekommen im Hotel gönne ich mir eine kurze Verschnaufpause und sichte meine Schätze. Fit bin ich zwar nicht mehr, aber ein weiteres gemeinsames Essen, diesmal wieder bei den Burger Nerds, lasse ich mir nicht entgehen. Der Philly Chili Cheese Burger ist eine Obszönität aus Fleisch, Käse, Sauce und einem Berg Pommes Frites. Aber eben auch sehr lecker und nach einem harten Messetag genau das Richtige.
Eigentlich hatte ich überlegt, als Abendprogramm den Kulttempel mit der dortigen Gruftie-Party heimzusuchen. Allerdings sprechen die einsetzende Freßnarkose, das wirklich miserable Wetter und meine allmählich aufkommende Erschöpfung dagegen. So bleiben wir noch ein wenig im Diner sitzen, lassen das Gesehene Revue passieren und tauschen Tipps für den Sonntag aus. Als ich mein Hotelzimmer erreiche, ist es schon fast Mitternacht - daher sehe ich zu, wenigstens ein paar Stunden Schlaf zu ergattern.

Sonntag, 26. Oktober 2025

Ich habe völlig verdrängt, dass in der Nacht die Uhr umgestellt wurde. Das erklärt wahrscheinlich mein Jet-Lag als ich morgens deutlich vor dem Wecker aufwache. Immerhin bleibt mir so ausreichend Zeit, die Habseligkeiten zusammenzusuchen und in mehreren Gängen ins Auto zu verfrachten. Offensichtlich laufe ich noch immer neben der Spur, als ich die Key-Card im Zimmer vergesse. So muss ich die Dame an der Rezeption bemühen, dass sie mir aufschließt, bevor ich Jacke und Rucksack einsammeln und auschecken kann. Kein gutes Vorzeichen für den letzten Messetag!

Noch auf der Fahrt zur Messe erreichen mich mehrere Nachrichten von Bekannten, die Bilder in meinem Social Media-Status gesehen haben und nach Spielen fragen. So kommt es, dass ich unverhofft doch noch eine Handvoll Spiele mitbringen muss. Glücklicherweise geben die Barschaft und der Lagerraum im Auto das her.

Was ist wohl in der Box?!?Entsprechend führt der erster Weg zu iDventure, die sich mit ihren tollen Puzzleboxen einen Namen gemacht haben. Ein Besuch hier steht sowieso auf dem Programm, da ich den Chef schon seit vielen Jahren aus meiner Zeit in Düsseldorf kenne. Neben etwas Smalltalk und einem Ausblick auf die Neuheiten habe ich auch Gelegenheit mit dem Designer der Boxen zu sprechen. Für mich eine spannende Angelegenheit, da ich überhaupt nicht wüsste, wie ich bei der Entwicklung solcher Puzzle vorgehen sollte. Schließlich erledige ich meinen Auftrag und packe die Cluebox - Cambridge Labyrinth ein.

Bevor ich die nächsten Punkte auf meiner To-Do-Liste abhandele, schaue ich noch kurz bei Ravensburger vorbei. Hier kann man schon eine Vorab-Version von Labyrinth Chronicles bestaunen - eine Generalüberholung des allseits beliebten Klassikers. Auch den Ableger Horrified: Dungeons & Dragons gibt es zu sehen. Als alter Rollenspieler finde ich die Umsetzung natürlich nicht uninteressant - andererseits unterscheidet sich das Spiel nicht gravierend von seinem Vorgänger.
Weiter geht es in Halle 3 - doch anscheinend habe ich diesmal zu lange gezögert: das letzte Exemplar von Dark Blood ist verkauft! Das verpasst meiner Stimmung einen leichten Dämpfer und so beeile ich mich, die anderen Sachen möglichst schnell zu jagen. In kurzer Folge wandern eine weitere Erweiterung zu Dark Humor, limitierte Messe-Würfel, einige 3D-gedruckte Untersetzer, zwei Zeichnungen, noch mehr Figuren und ein Farb-Set in meinen Rucksack.

Nach diesem letzten Exzess wird es langsam Zeit, der Messe den Rücken zu kehren. Allerdings muss ich mich noch von verschiedenen Leuten verabschieden, so dass sich mein Rückweg zum Auto deutlich länger hinzieht, als ich geplant hatte. Doch kurz nach 15 Uhr habe ich es tatsächlich geschafft und den Rucksack im Kofferraum verstaut. Der Heimweg verläuft angenehm unaufgeregt - von mehreren Baustellen und gelegentlich stockendem Verkehr abgesehen. Zu Hause angekommen, halte ich mich nicht großartig damit auf, die Errungenschaften wegzuräumen. Stattdessen bilde ich verschiedene Stapel mit den Einkäufen, die ich in Laufe der nächsten Tage an ihre künftigen Besitzer weitergebe.

Das Fazit

Mein Plan, an verschiedenen Tagen unterschiedliche Schwerpunkte zu setzen, hat für mich sehr gut funktioniert. Ich musste nicht von einem Termin zum nächsten hetzen, sondern konnte mir Zeit lassen, die ausgestellten Spiele und Figuren ausführlich zu betrachten - sogar das eine oder andere Testspiel war möglich. Insgesamt war ich deutlich weniger gestresst als in den Jahren davor - auch eine Erkältung/Grippe/Corona-Infektion blieb mir diesmal erspart. Trotz dem relativ entspannten Programm bin ich mir sicher, nicht alles gesehen zu haben, was es zu sehen gab. Besonders um die großen Verlage wie Amigo, Kosmos, Iello, Asmodee oder Hutter habe ich weitgehend einen Bogen gemacht. Deren Neuheiten kann ich mir auch bei anderen Gelegenheiten anschauen - beispielsweise Ende November bei Darmstadt spielt.

EndspurtIn diesem Jahr sind mir gleich mehrere Dinge ins Auge gestochen. Zum einen war dies die schier unübersehbare Menge an Krimi-Dinnern und Exit-Spielen. Bestimmt ein gutes Dutzend Verlage haben sich alleine auf das Genre konzentriert. Aufmachung, Thematik und Mechaniken sind dabei sehr unterschiedlich - zumindest von dem, was ich in Erfahrung bringen konnte. Einige Spiele habe ich zum Antesten mitgenommen, andere kommen vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt.
Auch Würfel nebst Zubehör gab es allen denkbaren Varianten. Von billiger, knallbunter Kunststoff-Massenware über Polyeder aus Halbedelsteinen oder Metall war für jeden Geschmack und Geldbeutel das passende Angebot vorhanden. Dazu edle Holzkisten zur Aufbewahrung sowie Würfelunterlagen und -türme in jeglicher Ausführung. Anderes Zubehör, das nicht direkt zum Spielen gedacht ist, war ebenfalls reichlich vor Ort. Spieltische, Spielmatten, Einleger für Spieleschachteln, limitierte Goodies und allerlei Schnickschnack, um den Besuchern das Geld aus der Tasche zu locken.
Bemerkenswert war für mich auch die Tatsache, dass tatsächlich eine Handvoll neuer Hersteller ihr Glück auf dem Tabletop-Markt versuchen. Gleich drei oder vier mir unbekannte Systeme wurden auf der Messe vorgestellt - zusammen mit den bereits etablierten. Damit einher geht auch die verstärkte Präsenz von 3D gedruckten Modellen und Spielzubehör. Sogar ein Dienstleister, der Auftragsdrucke anbietet, war vor Ort. Eine spannende Entwicklung, bei der ich allerdings nicht sicher bin, ob viele dieser Spiele im nächsten Jahr noch zu sehen sind. Aber da lasse ich mich überraschen.

Das Orga-Team hat in diesem Jahr auf der SPIEL einen großartigen Job gemacht. Zwar gab es am Donnerstag noch leichte Anlaufschwierigkeiten auf Grund der veränderten Hallensituation, doch lief an den anderen Tagen alles reibungslos. Auch das Personal am Einlass hatte die Lage souverän im Griff, selbst wenn einige Spielwütige sich wirklich unter aller Sau verhalten haben.
Die Idee mit der Bühne in Halle 4 und den dort stattfindenden Vorträgen, Panels und Veranstaltungen wurde, soweit ich das gesehen habe, von den Besuchern gut angenommen. Die Menschenmassen (an allen vier Tagen war die Messe ausverkauft) haben sich die meiste Zeit recht gut verteilt, so dass es nur vereinzelt zu Staus und Menschenansammlungen kam. Mit Mháire Stritter hat die Veranstaltung jemand gefunden, der seit vielen Jahren einen Bezug zur (Rollenspiel-)Szene hat und diese Sparte würdig repräsentiert. Vor allem die Idee mit der "Live"-Rollenspiel-Runde hat mir dabei sehr gut gefallen.
Verschiedene Turniere, beispielsweise King of Tokyo oder Magic - The Gathering, Events wie Catan - Connect oder der Golden Demon-Wettbewerb haben die Messe zusätzlich aufgewertet
Organisatorisch hat die SPIEL eigene App noch ein bisschen zugelegt. Zahlreiche Filter ermöglichten es, gezielt nach Spielen oder Verlagen Ausschau zu halten und sich den Weg zum jeweiligen Stand weisen zu lassen. Natürlich vermisse ich den gedruckten Messe-Katalog immer noch. Aber dieser kleine digitale Helfer hat durchaus seine Berechtigung und sich bewährt.

Die BeuteWas mir ein wenig die Freude an der Messe vergällt hat, waren unglaublich viele rücksichtslose Besucher. Zahlreiche Trolleys, als Lastkarren umfunktionierte Kinderwagen oder vollgestopfte Bollerwagen sorgten für den einen oder anderen Stau. Obwohl es im Vorraum einen großzügigen Abstellbereich dafür gab, musste man ständig diesen Stolperfallen ausweichen. Auch mit den überdimensionierten Spiele-Rucksäcken gab es gelegentlich Schwierigkeiten, da deren Träger beim Drehen regelmäßig andere Messebesucher oder Stände abräumten. Vielleicht etwas, bei dem man im nächsten Jahr nachbessern könnte. Auf die Vernunft der Menschen zu hoffen, ist in manchen Fällen wohl eher vergeblich.

Die offiziellen Zahlen des Veranstalter lesen sich wieder beeindruckend. Die SPIEL war an allen vier Tagen mit 220.000 Besuchern ausverkauft. Mehr Aussteller als im Vorjahr (948) zeigten deutlich mehr (1.719) Neuheiten. Hinzu kommt, dass sich durch die Nutzung der Halle 7 die Ausstellungsfläche mit 77.500 qm ordentlich vergrößert hat.

Sonntag, 21. September 2025

 


[Konzert] 
Fïx8:Sëd8
Sonntag, 14. September 2025
Das Rind; Rüsselsheim

Ganze vier Jahre ist es bereits her, dass Fïx8:Sëd8 mit The Inevitable Relapse ihr letztes Album veröffentlicht haben. Die dazugehörigen Auftritte waren sowohl musikalisch als auch optisch recht eindrucksvoll – daher fand ich die lange „Durststrecke“ ohne frisches Material sehr schade. Doch seit Anfang des Jahres mehrten sich die Lebenszeichen auf den Social-Media-Kanälen des finsteren Electro-Projektes. Hier mal ein neuer Soundschnipsel, dort einige Schnappschüsse von Dekos oder Kostümen. Schließlich machten erste Gerüchte über ein geheimes Konzert die Runde, bei dem sowohl Teile des Albums Octagram als auch die dazugehörige Bühnenshow vorgestellt werden sollten.

Mitte Juli gab es auch die offizielle Ankündigung des Longplayers mit der Option auf Vorbestellungen und neues Merchandise. Wer mochte (und kein Ticket hatte), konnte sich dort eine Karte für die „Generalprobe“ der im Oktober beginnenden Tour zulegen. Da ich bis zu diesem Zeitpunkt noch unentschlossen war, ergriff ich nun die Gelegenheit beim Schopf und buchte Album, Shirt und den Konzertbesuch.

Die Location

Was hat Teddy angestellt?

Als ich an dem spätsommerlichen Sonntagnachmittag in Rüsselsheim ankomme, hat sich vor dem Das Rind schon eine veritable Schlange an schwarz gekleideten Gestalten gebildet. Die Stimmung ist ausgelassen, man scherzt über altersgerechte Konzerte bei Kaffee und Kuchen und die (nicht ganz Ernst gemeinte) Frage stellt sich, ob der Gig bestuhlt ist. Dabei stört es auch nicht, dass die Spaziergänger, die das sonnige Wetter für einen Familienausflug an den Main nutzen, dem Treiben eher skeptische Blicke zuwerfen. Kurz vor Einlass läuft eine nette Dame (zu dieser später mehr) die Schlange entlang, entwertet die Karten und verpasst jedem einen Stempel. Dies, so sagt sie, diene um den Ablauf gleich zu beschleunigen. Als dann schließlich die Türen des Rind öffnen, strömt die Menge ungehindert in den kleinen Saal. Der unterbeschäftigte Türsteher hält sich nicht weiter mit Taschenkontrollen oder kritischen Blicken auf die Gäste auf, sondern winkt alle freundlich herein. Bisher hat die ganze Veranstaltung eher den Charakter eines Familientreffens. Das am Rand aufgebaute Kuchenbuffet unterstützt diesen Eindruck weiter. Hinzu kommt, dass sich im Innenraum zahlreiche Freunde und Bekannte versammeln, die ich erst vor wenigen Stunden bei der Zweiten Dunklen Jugend, einer EBM-Party im benachbarten Mainz, gesehen habe.

Willkommen im Rind

Bevor ich mich jedoch unters Volk mische, stehe ich brav in der Schlange, um meine Vorbestellungen abzuholen. An der Ausgabe steht Martin Sane selbst, begrüßt jeden Abholer per Handschlag und drückt den ersten Besuchern noch ein Andenken in die Hand. Später, im Tageslicht, kann ich mir den kleinen Glasbehälter genauer anschauen. Der Korken ist mit metallischen Nadeln durchzogen, im Innern klimpert fröhlich ein Zahn. Etwas speziell – aber konsequent.

Nachdem ich Album und Shirt bei Freunden zwischengelagert hatte (die einen der wenigen Sitzplätze ergattert haben), begebe ich mich in Richtung der spärlich beleuchteten Bühne. Dort gibt es ein freies Fleckchen in der zweiten Reihe, von dem ich einen guten Blick auf das Geschehen vor mir habe. Schon beim Betreten hatte ich Assoziationen mit einschlägigen Horrorfilmen – allen voran natürlich Hellraiser. Jetzt, wo ich die Gegenstände von nahem betrachte, erwecken diese eher den Anschein von künstlerischen Installationen anstatt einfacher Deko. Es gibt unzählige Details zu entdecken und die Bühne ist eigentlich zu klein, um alles richtig in Szene zu setzen. Der bleibende Eindruck ist aber den zahllosen Nägeln, Sägeblättern und Körperteilen vorbehalten, die großzügig verteilt sind.

Hier hat sich hier jemand sehr viel Mühe gegeben, makabre, verstörende und beängstigende Objekte zu erschaffen. Dagegen wirken die Puppen und Kabel der letzten Tour beinahe langweilig.

Fïx8:Sëd8

Nach etwas mehr als einer Stunde hat sich jeder mit Merchandise, Kuchen und Getränken eingedeckt und die ohnehin schon spärliche Beleuchtung verlischt – nur noch die Bühne ist in rotes Licht gehüllt.

Nach einem kurzen Intro nimmt eine Gestalt in schwarzer Kutte (die freundliche Dame, die zuvor die Tickets entwertet hat) den Platz hinter der Elektronik am linken Bühnenrand ein. Bald darauf schiebt ein verschleierter Martin Sane einen, ebenfalls schwarzen und mit zahlreichen Nägeln dekorierten, altertümlichen Kinderwagen an die gegenüberliegende Seite der Bühne.

Kostümwechsel
Die Optik ist schon sehr vielversprechend, aber auch der Opener „New Eden“ vom neuen Album kann musikalisch überzeugen. Nicht übermäßig druckvoll, teils sogar melodisch und eingängig, garniert mit Sprachsamples und abgerundet mit verzerrtem Sprechgesang. Damit setzt die Band konsequent ihren Weg fort und liefert einen gelungenen Vorgeschmack auf den kommenden Tonträger. Schon sehr früh kommt dabei auch Bewegung in den Zuschauerraum – der recht gut gefüllt ist.

Es folgen verschiedene Stücke wild durch die immerhin sechs Alben umfassende Diskografie – und auch Octagram, das Anfang Oktober veröffentlicht wird, kommt nicht zu kurz. Jeder der Tracks setzt einen leicht anderen Schwerpunkt. Mal sind es verstörende Klanglandschaften, mal beatlastige, tanzbare Passagen und hin und wieder klingen gefällige Melodien durch. Gelegentlich kommt gar der Gesang (fast) ohne Verzerrung aus, auch die zweite Stimme, beigesteuert von Victoria Sane, trägt zur Vielseitigkeit bei. Dabei fällt es mir schwer, einen Favoriten auszumachen. Wenn ich wählen müsste, wären dies aber wahrscheinlich „pROGNOSIs“ vom letzten Album und „Parasite Paradise“.

Quasi nackt

Martin Sane verzichtet während des gut zweistündigen Auftritts komplett auf Interaktion mit dem Publikum, dafür liefert er eine beeindruckende, sehr intensive Performance. Die Kostümwechsel, die verschiedene Phasen voneinander trennen, die Einbeziehung der Props, beispielsweise der großen Sanduhr oder der „Organe“ aus dem Kinderwagen, die thematisch passenden Projektionen im Hintergrund heben den Gig deutlich von einem normalen Konzert ab.

Nachdem die Sanduhr bereits durchgelaufen ist, geht es langsam dem Ende des Auftritts entgegen. Dabei verzichten die beiden Musiker schließlich auf Kutten, Regenmäntel, Krallen und Masken und präsentieren sich dem Publikum ausnahmsweise von Angesicht zu Angesicht.

Wie war’s?

Die Neugier auf neues Material von Fïx8:Sëd8 war groß – und Martin Sane hat nicht enttäuscht. Musikalisch setzen die Tracks von Octagram den eingeschlagenen Weg fort – düsterer, atmosphärischer Electro, dennoch eingängig und stellenweise sogar tanzbar. Was die Band deutlich abhebt, ist die wirklich eindrucksvolle visuelle Komponente, die sich konsequent durch Darbietung, Deko und Merchandise zieht und die Stimmung der Musik perfekt ergänzt. Während sich die meisten anderen Künstler des Genres damit begnügen, sich an ihrem Mikrofonständer festzuhalten oder wild über die Bühne zu toben, bekommen die Zuschauer hier eine regelrechte Performance geboten.

Sowas will ich auch...

Obwohl es sich „nur“ um eine Generalprobe handelte, gab es keine größeren Pannen. Zumindest wäre mir nichts aufgefallen – mal von einer abgebrochenen Kralle beim Handschuh abgesehen. Der ganze Auftritt wirkte in sich geschlossen und durchdacht. Unterstützt wurde das Ganze durch die lockere, familiäre Atmosphäre, entspannte Unterhaltungen und zwei glänzend aufgelegte Künstler, die hier etwas Beeindruckendes auf die Beine gestellt haben. Dabei hat mich doch das Einzugsgebiet verwundert. Neben mir an der Bühne standen Fans aus Augsburg, draußen hatte ich mich mit Ruhrgebietlern unterhalten.

Wer mehr Bilder von diesem grandiosen Konzert sehen möchte, wird HIER fündig.

Und wer sich lieber selbst von der Qualität des Auftritts überzeugen will (was ich sehr empfehle), kann Fïx8:Sëd8 auf der kommenden Lessons in Humility-Tour ab Mitte Oktober einen Besuch abstatten.