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Montag, 6. Februar 2017

Spielwarenmesse Nürnberg 2017

 
[Messe] Spielwarenmesse 2017
Donnerstag, 2. Februar 2017
Nürnberg

Alle Jahre wieder versammelt sich auf der Spielwarenmesse in Nürnberg alles, was in der Branche Rang und Namen hat zum großen Schaulaufen. Hier werden nicht nur die kommenden Neuerscheinungen präsentiert, es gibt auch die Gelegenheit sich im besten Licht zu zeigen. Daneben ist die Messe ein guter Zeitpunkt um Geschäfte abzuwickeln, neue Trends zu begutachten, zu sehen, was die Mitbewerber auf dem hart umkämpften Spielemarkt zu bieten haben, oder einige Fachvorträge zu besuchen. Im Gegensatz zur SPIEL in Essen steht dabei allerdings nicht das Spielen selbst im Vordergrund, sondern eher der wirtschaftliche Aspekt, was auch sehr schön am Publikum zu sehen ist. Grade auf dem deutschen Spielemarkt tut sich aktuell einiges - der französische Verlag Iello hat seine Kooperation mit dem Heidelberger Spieleverlag beendet und agiert nun zusammen mit Hutter Trade - Heidelberger hat dagegen mit Asmodee fusioniert, die ihr Firmengeflecht damit um ein weiteres Schwergewicht erweitern. Auch der britische Tabletopgigant Games Workshop scheint wieder etwas aktiver zu werden und drängt verstärkt in den Brettspiel-, aber auch in den Modellbaubereich, was aktuell in einer Zusammenarbeit mit Revell mündet.


Wie in den Jahren zuvor blieb mir auch 2017 wieder nur Zeit für einen eintägigen Abstecher nach Nürnberg, der dann entsprechend straff organisiert sein musste. Nach einigen Mails blieb mir zwischen den Terminen (theoretisch) noch genug Zeit mir auch den Rest der Messe anzuschauen. Fahr- und Eintrittskarte waren ebenfalls schnell beschafft und sogar der nötige Urlaub wurde, trotz grassierenden Grippewelle im Büro, anstandslos genehmigt. Und so machte ich mich dann, müde und verschlafen, früh morgens auf den Weg zum Bahnhof von wo aus mich ein Zug nach Frankfurt und anschließend nach Nürnberg bringen sollte. Tatsächlich war meine Bahn pünktlich und in Frankfurt wartete schon der ICE auf mich. Auch dieser Streckenabschnitt verlief ruhig und ereignislos, da hatte ich schon deutlich schlimmere Erfahrungen gemacht – sogar das W-LAN funktionierte, zumindest die meiste Zeit über. Einzig der Mitreisende gegenüber trübte mit seinem sehr ausdauernden und enthusiastischen Schniefen ein wenig die ansonsten entspannte Reise.


Wie in jedem Jahr führt mich mein erster Gang direkt vom Bahnhof zum Pressezentrum der Messe und dieses Mal bekomme ich sogar noch ein Schließfach – etwas woran ich in den vorherigen Jahren regelmäßig gescheitert bin. Nach einer kurzen Sichtung der ausliegenden Flyer und Presseinformationen mache ich mich auf zur ersten Runde durch die Messehallen. Mein Fokus liegt zwar eindeutig im Bereich der Brett- und Gesellschaftsspiele, aber natürlich lasse ich mir, als passionierter Tabletop-Spieler und Miniaturenmaler, nicht die Gelegenheit entgehen, bei einigen Firmen aus diesem Bereich vorbeizuschauen.


Sehr zentral gelegen und damit eine meiner ersten Anlaufstellen ist wie immer der Stand des spanischen Farbenherstellers Acrylicos Vallejo. Neben einigen neuen Hilfsmitteln zur Geländegestaltung fällt vor allem die neue Airbrush-Farbserie Mecha Color auf, die auf die Bemalung der gleichnamigen japanischen Kampfroboter abzielt. Daneben gibt es eine Vorführung zum Weathering, zum Altern von Modellen, zu sehen und ich kann mich nur mühsam losreißen und meinen Weg zum britischen Tabletop-Hersteller Games Workshop fortsetzen. Gerne hätte ich gewusst, wie es mit den Brett-, Karten- und Rollenspielen weitergeht, nachdem die Zusammenarbeit mit Fantasy Flight Games im letzten Jahr beendet wurde. Auch künftige Neuerscheinungen für die Tabletop-Spiele der Briten wollte ich mir anschauen. Allerdings findet sich am Stand nur eine (sehr kleine) Vitrine mit alten Miniaturen und ein Display in dem einige, ebenfalls schon recht betagte, Boxen präsentiert werden. Meine Fragen werden vom Standpersonal freundlich aber doch recht eindeutig abgewiegelt - sinngemäß in etwa „Leider können wir Dir darüber nichts sagen, wir sind nur zum Verkaufen hier!“. Hier habe ich doch tatsächlich etwas mehr erwartet, wirklich überrascht bin ich, nach der schwachen Vorstellung in Essen, aber auch nicht. Bei einem kurzen Abstecher zum Pinselhersteller Leonhardy lasse ich mir die Adressen einiger regionaler Händler geben, da der Hersteller leider keine Direktkunden beliefert und ich unbedingt einige Pinsel aus der Kappel-Serie haben möchte.
Als ich die Halle 10 erreiche läuft bei Kosmos grade die Vorführung einiger Zaubertricks, und trotz angestrengtem Beobachten kann ich nicht erkennen, wie die Kugeln unter den drei Bechern ausgetauscht werden. Passend dazu präsentiert der Verlag drei neue Sets mit verschiedenen Zaubertricks. Auch einen Barbie-Experimentierkasten gibt es neu im Sortiment, wobei da Farbwahl und Thematik immer noch den gängigen Klischees entsprechen. Die schon obligatorische Neuerscheinung für Catan liefert mit Die Legende der Seeräuber einige zusammenhängende Szenarien, die sich um die Ankunft der Freibeuter auf der einstmals so friedlichen Insel drehen. Sehr schick ist die Präsentation der drei demnächst erscheinenden Spiele aus der EXIT-Serie ausgefallen. Ein Teil des Messestandes ist zu einem plüschigen Salon umgebaut und die Besucher können hier selbst eine kurze Runde spielen. Mit Die verbotene Burg, Die Station im ewigen Eis und Die vergessene Insel wird wieder thematisch ein breites Spektrum abgedeckt. 5 Minute Dungeon ist ein kooperatives Kartenspiel, bei dem die Spieler unter Zeitdruck den Endgegner im Verlies besiegen müssen. Der erste Eindruck ist vielversprechend und die Illustrationen sind witzig – sicherlich ein Spiel, das ich mir genauer anschauen werde, wenn es im Mai auf den Markt kommt. Das Deduktionsspiel Sherlock sieht ebenfalls sehr nett aus, über den Spielmechanismus habe ich aber noch keine weitergehenden Informationen. In diesem Jahr wahrscheinlich unvermeidlich ist Luther – Das Spiel. Hier bereisen die Spieler Deutschland auf den Spuren des Reformators, sammeln Erfahrungspunkte und versuchen das berühmte Portrait Cranachs zu vervollständigen. Daneben gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Neuerscheinungen zu sehen, allerdings reicht meine Zeit leider nur für einen Schnelldurchlauf.
Weiter führt mich mein Weg in die entgegengesetzte Ecke der Halle. Am Stand von Q Workshop informiere ich mich über die neuesten Würfelkreationen des polnischen Herstellers. Vor allem bin ich neugierig auf die angekündigten Cthulhu-Metall-Würfel, die im nächsten Monat über eine Crowdfunding-Kampagne finanziert werden sollen. Die nette Dame am Stand kann mir sogar die Prototypen dieser Würfel zeigen und lässt mich einige Probewürfe machen - leider darf ich aber nicht fotografieren oder gar mitnehmen. Einen Gang weiter, wo sich die letzten Jahre der Stand des Heidelberger Spieleverlag befand stehen nur noch einige Vitrinen mit Neuheiten. Für Fragen und das komplette Verlagsprogramm werde ich in den ersten Stock zum Stand von Asmodee verwiesen.
Doch bevor ich mich auf den Weg dorthin mache gehe ich noch weiter zu Pegasus, die sich wieder im Spiele-Café niedergelassen haben. In Mein Traumhaus können die Spieler ihre wildesten Inneneinrichtungsfantasien ausleben. Optisch sehr hübsch, spricht mich allerdings weder die Thematik noch der Spielablauf sonderlich an – eher ein klassisches Familienspiel. In eine ähnliche Richtung geht Cottage Garden, bei dem die Spieler ihre Gartenparzelle mit ansprechenden Gewächsen ausstatten müssen. Viel spannender finde ich dagegen Axio von Reiner Knizia, hier werden Symbole aneinander gereiht um Punkte zu bekommen. Mit den geometrischen Formen vielleicht kein besonderer Blickfang, aber durchaus anspruchsvoll und spannend. Ansonsten sind schon wieder zahlreiche große und kleine Erweiterungen für die unendliche Munchkin-Serie in Arbeit. So konzentrieren sich die Booster Wilde Welpen, Krasse Kätzchen und Hipster auf einen bestimmten Themenschwerpunkt, während Grimme Mären sich mit der Märchenwelt auseinander setzt. Zum Munchkin-Sammelkartenspiel konnte ich aber leider keine Informationen finden. Dennoch ist es immer wieder erstaunlich, dass es den Autoren gelingt, aus dem Thema so viel heraus zu holen.
Da ich schon wieder hinter meinem Zeitplan hinterherhinke, verzichte auf eine ausführliche Tour durch die Neuheiten und kehre zurück in Halle 10 um mir nun den ersten Stock vorzunehmen.

Bei Iello gibt es mehrere Spiele zu entdecken, die in der Endphase ihrer Produktion sind und im Laufe des Jahres veröffentlicht werden. Neben neuen Erweiterungen zur King of Tokyo-Serie ist für mich vor allem Mountains of Madness interessant. In diesem, auf der Geschichte von H.P. Lovecraft basierendem, kooperativen Brettspiel müssen sich die Spieler unter Zeitdruck einen Weg durch die Antarktis bahnen. Zumindest optisch macht das Spiel schon einen sehr guten Eindruck und auch aus spielerischer Sicht scheint es interessant, wenn auch ein wenig chaotisch, zu werden. Ebenfalls sehr hübsch, aber thematisch für mich nicht ganz so spannend, ist Bunny Kingdom von Richard Garfield, bei dem die Spieler mit ihren Nagern eine Landkarte besiedeln, Dörfer, Städte und Burgen errichten und dem Land seine Bodenschätze entreißen. Das Spiel bietet eine Mischung aus Draftmechanismus, Worker Placement, niedlichen Illustrationen und sehr opulenter Ausstattung und sollte gegen Ende des Jahres erscheinen. Im letzten großen Spiel, Arena: For the Gods, stehen sich bis zu vier Spieler mit ihren mythischen Helden gegenüber und versuchen die Gegner in den Staub der titelgebenden Arena zu schicken. Die Mechaniken sind eher aus dem Tabletop-Bereich bekannt und so dürfte das Spiel ein weiteres Bindeglied zwischen den Genres werden.
Amigo haben, wie gewohnt, eine ganze Palette kleiner, schneller Würfel- und Kartenspiele dabei, die sich in erster Linie an jüngere Spieler richten. Schon obligatorisch ist ein Vertreter der Bohnanza-Serie, diesmal zum 20jährigen Jubiläum; auch das hinterhältige Zwergenspiel Saboteur bekommt mit Das Duell neues Material für einen oder zwei Spieler. Bei den Neuheiten sorgen Lecker Mammut!, Schwarz Rot Gelb Extreme und Deja-Vu für eine gewisse Hektik am Spieltisch. Bei allen drei Spielen geht es im Prinzip darum, zeitgleich mit den anderen Spielern, möglichst schnell Karten in seinen Besitz zu bringen. Vom Grundprinzip ähnlich, spielen sich alle drei Neuerscheinungen recht unterschiedlich und bieten bei der Sammlung von prähistorischen Tieren, abstrakten Formen oder alltägliche Gegenstände kurzweilige Unterhaltung. Die Spiele sind zwar nett anzuschauen, eignen sich auch für eine schnelle Runde zwischendurch, aber mir fehlt dann doch ein wenig der Tiefgang. Andererseits bin ich nicht unbedingt die Zielgruppe für diese drei Spiele und jüngere Spieler dürften daran sicherlich Spaß haben.
Nebenan bei Schmidt Spiele liegt der Fokus ebenfalls auf dem Spielernachwuchs. Vor allem das unkomplizierte Würfelspiel Raffzahn dürfte Freunde finden, die sich um die Zähne/Punkte streiten. Auch Mistkäfer! ist ein eher lockeres Würfelspiel dass sich an spielebegeisterte Familien richtet. Etwas mehr Anspruch bringt Valletta auf den Tisch, bei dem die Spieler Rohstoffe sammeln müssen um mit diesen eine prächtige Stadt zu errichten. Das Spiel sieht sehr hübsch aus und auch die Umsetzung der Thematik scheint gut gelungen zu sein. Für Zocker die Aufbauspiele mögen ist es sicherlich einen Blick wert. Ganz besonders freue ich mich auf ein anderes Städtebauspiel - Citadels. Ursprünglich unter dem Namen Ohne Furcht und Adel veröffentlicht, wurde das Spiel überarbeitet und mit neuen Illustrationen ausgestattet. Auch die beiden Erweiterungen, eine davon nie in Deutschland erschienen, haben den Weg in die Box gefunden. Für mich schon beinahe ein Pflichtkauf!
War Asmodee vor gut zehn Jahren nur eingefleischten Spiele-Fanatikern ein Begriff, so kommt mittlerweile niemand mehr an dem französischen Verlag vorbei. Unter seinem Dach tummeln sich eine ganze Legion von Herstellern - das jüngste Mitglied in diesem Konglomerat ist der Heidelberger Spieleverlag, mit dem Anfang des Jahres fusioniert wurde. Entsprechend wächst auch die Standfläche von Jahr zu Jahr - allerdings ist die Aufteilung am Hauptstand diesmal etwas unglücklich. Die Neuheiten werden in einem langen, schmalen Schlauch präsentiert, in dem es regelmäßig zu Staus, Engpässen und kleineren Unfällen kommt. Dennoch drücke ich mich (mehrfach) durch den Gang um einen Blick auf die Spiele zu werfen. Besonders gespannt bin ich auf Arkham Horror – Das Kartenspiel, bei dem jeder Spieler ein Kartendeck zusammenstellt und sie gemeinsam versuchen die Großen Alten zu bekämpfen. Inhaltlich zwar nichts Neues in dieser Spielserie, aber spielerisch unterscheidet sich das Kartenspiel doch merklich von den anderen Teilen. Andere Ableger aus diesem Spieleuniversum sind ebenso ausgestellt, so die zweite Edition von Villen des Wahnsinns die sinnvoll Brettspiel und App verknüpft oder die neuen Erweiterungen zu Eldritch Horror und Das Ältere Zeichen. Auch zahlreiche, verschwenderisch ausgestattete, Brettspiele sind hier zu bewundern. Einige davon wurden im letzten Jahr über Crowdfunding-Kampagnen finanziert und werden nun für den regulären Markt veröffentlicht. So beispielsweise das apokalyptische The Others, bei dem sich eine kleine Gruppe von Helden gegen eine ganze Flut von Dämonen und korrumpierten Menschen stellen muss. Ein sehr dynamischer Spielablauf, sehr ansehnliche Figuren, ein höllischer Schwierigkeitsgrad und das Potential für unzählige Erweiterungen dürften dem Spiel viele Fans einbringen. Auch Zombicide mit seinen Seasons und dem Ableger Black Plague nimmt erstaunlich viel Raum ein – allerdings dürfte das Thema mittlerweile ziemlich durch sein. Mit Figuren in niedlicher Chibi-Optik präsentiert sich Arcadia Quest, bei dem ebenfalls schon einige Erweiterungen erschienen sind. Hier stellen die Spieler kleine Trupps aus Helden zusammen, bekämpfen die vom Spiel gesteuerten Monster und natürlich auch die Mitspieler. Über mehrere ineinander übergehende Szenarien sammeln die Spieler so Gold, Erfahrung und Gegenstände um ihre Helden kontinuierlich aufzuwerten. Das letzte „große“ Spiel, das ich mir anschaue ist Fireteam Zero, bei dem eine kleine Eliteeinheit Soldaten den okkulten Machenschaften der Nazis im Zweiten Weltkrieg Einhalt gebieten soll. Optisch und von der Ausstattung recht eindrucksvoll, thematisch nicht unbedingt originell bietet das Spiel für den Genrefreund dennoch eine willkommene Abwechslung.
Daneben hat der Verlag noch Dutzende Spiele aufgebaut, doch der Messetag neigt sich langsam dem Ende entgegen und ich habe praktisch nur vier der zwölf Hallen gesehen. 
Auch bei Verlagen wie Hutter Trade, Queen Games oder Abacusspiele reichte meine Zeit leider nur für ein kurzes Sichten der ausgestellten Neuheiten und einige kurze Notizen.


Einen Abstecher in die Halle 12 kann ich mir dennoch nicht verkneifen, haben sich doch hier Branchengrößen wie Lego, Revell oder Hasbro niedergelassen. Bei Lego liegt der Fokus natürlich auf den beiden Kinofilmen die in diesem Jahr anlaufen. Neben Batman- und Ninjago-Figuren erscheinen zudem noch zahlreiche andere Sets, so beispielsweise das Yellow Submarine der Beatles, Produkte aus dem Star Wars-Universum oder Gebäude aus der City-Serie. Entsprechend herrscht hier dichtes Gedränge und ich beschränke mich auf einen kurzen Blick in die Vitrinen. Eine etwas schräge Kombination liefert Hasbro mit den Geschützen aus der Nerf Nitro-Serie. Diese Kanonen nutzen nicht mehr die bekannten Pfeile, sondern feuern kleine, weiche Autos ab, die durch einen Parcours mit Hindernissen und Sprungschanzen fliegen. Ebenfalls sehr skurril ist Pipi Party, bei dem die Spieler vermeiden müssen, vom Wasserstrahl aus der kleinen Toilette getroffen zu werden. 
Schließlich setze ich meinen Weg zum Modellbauer Revell fort und bekomme dort tatsächlich etwas Neues zum Thema Warhammer 40.000 zu sehen. Die Kooperation mit dem Tabletophersteller Games Workshop trägt erste Früchte – Ork- und Space Marine-Bausätze zu günstigen Preisen werden zusammen mit Farben und Pinsel für den Einstieg ins Tabletop-Hobby angeboten. Ansonsten wächst das Sortiment der Star Wars-Raumschiffe beständig an, auch allerlei Fahrbares, von der winzigen Drohne bis zum massiven Tieflader ist zu sehen. Auf extra eingerichteten Probestrecken können die Besucher erste Fingerübungen mit der Fernsteuerung machen.
Für den Rückweg muss ich mich mittlerweile sputen, aber ich will die Messe nicht verlassen, ohne wenigstens kurz bei den Modelleisenbahnen vorbei zu schauen. Für ein Miniaturenprojekt benötige ich Material für einen Wasserfall und werde sowohl bei NOCH als auch bei Woodland Scenics fündig. Das freundliche Standpersonal bei letztgenanntem Aussteller gibt mir sogar eine kurze Anleitung um einen realistischen Wasserfall in kleinem Maßstab zu bauen
Die Messehalle hat sich merklich geleert als ich meine Sachen im Pressezentrum zusammensuche und mich Weg zum Pressetreffen zu machen. Dieser letzte Programmpunkt des Tages ist für mich eines der heimlichen Highlights der Messe. Hier hat man die Gelegenheit an leckeren Cocktails zu nippen, sich mit den Kollegen auszutauschen und schließlich noch eine Kleinigkeit zu essen.


Der Weg zum Bahnhof führt mich dann durch praktisch leere Hallen, nur an einigen wenigen Ständen wird mehr oder minder wild gefeiert. Ich nutze die relative Ruhe um noch einige letzte Eindrücke der diesjährigen Spielwarenmesse in mich aufzunehmen, bevor es auf die Heimfahrt geht.


Wie schon die Hinfahrt so verläuft auch die Heimreise schon beinahe erschreckend pünktlich und ohne größere Zwischenfälle. Auf die volltrunkene Dame, die sich zwei Reihen hinter mir unter ihren Sitz übergibt, hätte ich zwar ebenso verzichten können, wie auf die fünf lautstarken Jugendlichen, die mich an einem kurzen Schläfchen hindern.




Die Merchandise-Spirale dreht sich auch in diesem Jahr wieder kräftig. Die Vorreiterrolle übernimmt in dieser Hinsicht, wenig überraschend, die Star Wars-Serie. Praktisch kein Produkt, auf das nicht der markante Schriftzug oder das Konterfei eines Charakters aufgedruckt ist. Andere Filme aus dem Disney-Imperium stehen diesem allerdings kaum nach und aus jedem noch so obskuren Film wird ein Maximum an Lizenzgebühren herausgeholt. Die großen Comicverlage Marvel und DC nutzen diese Gelddruckmaschine ebenfalls um den Fans auch den letzten Cent aus der Tasche zu ziehen. Dabei empfinde ich manche Sachen zwar als nervig, aber durchaus nachvollziehbar, beispielsweise Action- oder Sammel-Figuren zu den Charakteren. In den letzten Jahren treibt diese Industrie aber vermehrt seltsame Blüten, wie den Fellhocker im Chewbacca-Design, den Strickpullunder für Iron Man oder einen aufblasbaren Deadpool, der eher Ähnlichkeit mit einer Sex-Puppe hat. Zahlreiche Fachvorträge zur Lizenzverwertung gehören folgerichtig zum normalen Messeprogramm und viele der ausliegenden Fachzeitschriften beschäftigen sich mit diesem Thema.


Vor allem interessant war für mich der plötzliche Umschwung, was die Schwerpunkte angeht: Waren letztes und vorletztes Jahr Zombies in allen möglichen Varianten unglaublich dominant vertreten, so gab es diesmal mit Zomlings nur einen Hersteller, der auf die Untoten gesetzt hatte. Stattdessen galoppierten an gefühlt jedem zweiten Stand Einhörner in den unterschiedlichsten Varianten durch die Deko. Ganz gleich ob als Kunststoff-Variante von Schleich, als korpulente Plüsch-Figur von Nici oder als Spielmais-Skulptur bei fischer. Natürlich beschwere ich mich nicht wirklich darüber, konnte ich doch zum Schluss keine Zombies mehr sehen, aber nach einem Tag Messe hat sich ein schreiendes Pink in meine Netzhaut gebrannt. Sogar vor meinem geliebten King of Tokyo machen die gehörnten Pferde nicht halt.
Von diesen kleinen Dämpfern abgesehen war die diesjährige Spielwarenmesse für mich eine durchaus gelungene Veranstaltung. Ich hatte die Gelegenheit eine ganze Menge Neuerscheinungen zu begutachten, mich teilweise sogar intensiver mit ihnen auseinander zu setzen. Zeit für das eine oder andere Schwätzchen blieb auch noch und schließlich konnte ich sogar einige wertvolle Mal- und Modellbautipps mit nach Hause nehmen. Nur ein Tag war (wie eigentlich jedes Jahr) deutlich zu wenig um sich auch nur einen groben Überblick über die ganzen Neuheiten zu verschaffen - manche Hallen durchquerte ich erst nach dem eigentlichen Messeschluss auf dem Heimweg zum ersten Mal. Vielleicht schaffe ich es ja doch irgendwann einmal zwei oder gar drei Tage in Nürnberg zu verbringen, allerdings müsste ich dafür jetzt schon Zimmer buchen, wie mir ein Bekannter sagte.


Die Organisatoren haben, soweit ich das beurteilen kann, in diesem Jahr wieder hervorragende Arbeit geleistet. Alle Abläufe gingen reibungslos vonstatten, weder gab es Gedränge an den Eingängen noch lange Warteschlangen vor den U-Bahn-Stationen; Hallenpläne, Ausstellerverzeichnisse und Neuheitenlisten waren nicht nur auf der Homepage vorhanden, sie lagen auch in den Messehallen selbst aus. Wer den rein elektronischen Weg bevorzugt, konnte mit der dazugehörigen App zusätzlich noch seine Termine koordinieren und entsprechende Anmerkungen eintragen.
Laut der Messe selbst wurde die guten Zahlen von Vorjahr nochmals übertroffen: gut 73.000 Besucher und beinahe 2.900 Aussteller haben die sechs Tage genutzt sich und ihre Produkte dem interessierten Fachpublikum zu präsentieren.

Freitag, 21. Oktober 2016

SPIEL '16



[Messe] SPIEL '16
13.-16. Oktober 2016
Gruga, Essen

Nachdem in den letzten Jahren meine Besuche auf der SPIEL, der weltweit größten Messe für Gesellschaftsspiele aller Art, eher kurz und ein wenig planlos ausgefallen waren, sollte es in diesem Jahr wieder einmal das Hardcore-Programm mit Anreise schon am Mittwoch werden. Der nötige Urlaub (einschließlich ein paar Tage nach der Messe zur Erholung) wurde von meiner Chefin anstandslos durchgewunken, eine kostengünstige Unterkunft im nahe gelegenen Mülheim war ebenfalls schnell organisiert und auch die Akkreditierung mit Eintrittskarte und Parkticket ging problemlos über die Bühne. Da ich somit eine etwas stabilere Planungsgrundlage hatte konnte ich im Vorfeld schon einige Gesprächstermine machen, mir eine Liste der interessanten Spiele zusammenstellen und mir ein wenig Gedanken über das Abendprogramm machen.


Tatsächlich vergingen die Wochen bis zum Termin erschreckend schnell und beinahe hektisch musste ich dann meine Tasche und die benötigten Unterlagen für den Weg nach Essen packen. Ich hatte am Mittwoch zumindest einige der zahlreichen Verlagspräsentationen und die Neuheitenschau eingeplant, zudem wollte ich mir einen ersten Überblick über den Hallenaufbau verschaffen. Soweit verlief auch alles nach Plan und sowohl Fahrt, Parkplatzsuche und Termine funktionierten tadellos, selbst wenn ich die Hauptpressekonferenz an diesem Tag leider verpasste. Mit ersten Demospielen bei Amigo, einem kurzen Neuheitenüberblick bei Ulisses Spiele und netten Gesprächen am Stand von Freebooter Miniatures verging der inoffizielle erste Messetag recht schnell. Überall herrschte in den Hallen geschäftiges Treiben, Leute schleppten Kisten und Standdeko umher und die ersten Deals wurden bereits ausgehandelt. Ich konnte dabei schon auf meiner mentalen Karte einige Anlaufpunkte für den nächsten Tag markieren und den Blick auf manche vielversprechenden Spiele werfen.
Auf der Fahrt nach Mülheim zu meiner Unterkunft ergänzte ich noch die Vorräte für die kommenden Tage und wartete im Loft auf das Eintreffen meiner Mitreisenden. Diese trudelten nach und nach ein und während der gut eineinhalbstündigen Wartezeit auf die zwischenzeitlich bestellte Pizza ergaben sich dann auch Gelegenheiten für einen ersten Informationsaustausch.


War die Fahrt am Mittwoch, dem Aufbautag, noch sehr entspannt gewesen, so brach am frühen Donnerstag der Verkehr rund um die Messehallen komplett zusammen. Parkhäuser waren blockiert oder falsch zugewiesen, rücksichtslose Verkehrsteilnehmer versperrten zwei Fahrspuren oder gleich ganze Kreuzungen und auch der öffentliche Nahverkehr brach beinahe unter den spielewütigen Menschenmassen zusammen. Gegen 9 Uhr konnte ich vom Auto aus einen der Eingänge zu den Messehallen sehen, musste mich aber durch gewaltige Blechlawinen quälen und letztendlich einige obskure Schleichwege nutzen, damit ich deutlich nach 10 Uhr am Eingang war. Wie ich später erfuhr, lag ich damit gar nicht so schlecht in der Zeit, da andere Leute, auch das Personal vieler Stände, es teils erst gegen Mittag auf die Messe schaften.


Der erste Eindruck, den ich beim Betreten der Halle 1 hatte, war ein schier undurchdringlicher Menschenauflauf. Dies mag in erster Linie am „Schlauch“ gelegen haben, der Einkaufspassage des Heidelberger Spielerverlages. Die Tür zum Parkhaus öffnete sich genau auf die Ecke des Standes, an dem sich praktisch die ganzen vier Messetage über lange Schlangen bildeten und nur gruppenweise ins Innere gelassen wurden um Schnäppchen, aber auch Neuheiten, zu ergattern. Erst am Sonntag, kurz vor Ende der Messe, wagte ich ebenfalls einen Abstecher in das Areal, fand aber unter den, mittlerweile stark zusammengeschrumpften, Bergen von Spielen nichts, was mich wirklich angesprochen hätte. Deutlich stärkeres Interesse brachte ich dagegen der zweiten, offenen Seite des Verlagsstandes entgegen. Hier gab es an zahlreichen Demotischen die Möglichkeit aktuelle Messeneuheiten aber auch noch nicht veröffentlichte Spiele zu testen. Arkham Horror - The Card Game interessierte mich dabei naturgemäß besonders: Eine gelungene Mischung verschiedener Spielmechanismen, tolle Illustrationen und die gut umgesetzte Cthulhu-Thematik haben mich, zumindest in der kurzen Demorunde, sehr positiv überrascht und ich warte ungeduldig auf das Erscheinen der deutschen Version. Einen Ausflug in das Genre der Tabletop-Spiele wird es dann im nächsten Jahr mit RuneWars – Miniatures Game geben. Ob das Spiel tatsächlich etwas taugt war aber in der Kürze der Zeit nicht festzustellen, allerdings sehen die Figuren nicht übel aus.
Weiter ging mein Weg in Richtung des wirklich riesigen Standes von Asmodee, wo zahlreiche Demotische, eine Signierecke und mehrere Verkaufsflächen auf die Spieler warteten. Besonders die opulent ausgestatteten Spiel wie Zombicide mit seinen verschiedenen Ablegern oder der Wikinger-Epos Blood Rage zogen hier die Neugierigen an. Eher zufällig hatte ich die Gelegenheit eine Runde The Others: 7 Sins zu spielen, einen kooperativen Endzeit-Dungeon-Crawler, bei dem die Spieler verhindern müssen, dass eine Stadt von Dämonen überrannt wird. Die Backer, die das Spiel über Kickstarter finanziert haben (darunter auch ich) warten zwar immer noch auf ihre Boxen, aber die deutsche Version des Spiels ist offensichtlich vorrätig und verkaufte sich augenscheinlich recht gut. Einfache Spielmechanismen, sehr hübsche Figuren und Artworks sowie ein fast absurder Schwierigkeitsgrad haben einen etwas geteilten Eindruck bei mir hinterlassen. Sollte die Lieferung tatsächlich dann doch irgendwann einmal bei mir eintreffen, werde ich das Spiel aber sicherlich genauer unter die Lupe nehmen.
Der Rest der Halle bestand aus einer breit gefächerten Auswahl an größeren und kleineren Verlagen, mit durchaus interessanten Spielen, aber einen wirklichen Kracher konnte ich auf die Schnelle nicht entdecken. Einzig am Stand von Happy Game's Factory die das Endzeit-Skirmish-Tabletop Eden im Gepäck hatten hielt ich mich doch etwas länger auf und bekam vom Autor einen kurzen Einblick in das demnächst erscheinende dazugehörige Rollenspiel.


Die Halle 2 war für mich schon immer die wichtigste Halle, finden sich doch hier traditionell Rollenspiele, Brettspiele, Tabletops und Comics dichtgedrängt nebeneinander. Und so begann ich meinen eigentlich Streifzug über die diesjährige SPIEL wie gewohnt bei Freebooter Miniatures, die in den vergangenen zwölf Monaten besonders fleißig waren. Gleich mit zwei neue Erweiterungen für das Piraten-Skirmish-Tabletop Freebooter's Fate konnten Werner Klocke und seine Crew den Spielern eine Freude machen. Der Band Raging Rivers konzentriert sich dabei auf die Kämpfe und Entermanöver mit (kleinen) Booten und bringt einige neue Mechanismen sowie Figuren ins Spiel. Wie der Name vermuten lässt, erscheinen mit dem Regelwerk Big Trouble nun große Figuren auf den Spieltischen, beispielsweise der Piraten-Oger oder das spektakuläre Walross Franjo. Wie gewohnt wurde auch die Auswahl an normalen Figuren ausgeweitet und auch kleine Ruderboote mit den entsprechenden Accessoires finden sich mittlerweile im Programm des Miniaturenherstellers aus Oberhausen.
Nachdem Steamforged Games im letzten Jahr mit ihrem Fantasy-Football-Skirmish Guild Ball einen fulminanten Start hingelegt haben, wurde in diesem Jahr der nächste Kracher präsentiert: Die Umsetzung des Videospiels Dark Souls als Dungeon-Crawler war vor einigen Monaten als Crowdfunding-Projekt extrem erfolgreich. Interessierte Spieler konnten sich hier schon vorab einige Figuren anschauen und einen Kampf gegen den Endgegner wagen. Mich sprach das Design der Miniaturen allerdings nicht sonderlich an und auch die kleine Demorunde konnte mich nicht wirklich vom Spiel überzeugen. Ebenso erging es mir beim kleinen Kartenspiel Shadow Games, bei dem man sich ein Guild-Ball-Team zusammenkaufen muss. Den Spielablauf fand ich zu eintönig und vorhersehbar und auch die Aufmachung blieb hinter meinen, zugegeben recht hohen, Erwartungen zurück.
Nachdem es seit längerem vergriffen war, präsentierte die Redaktion Phantastik zur Messe das viktorianische Detektiv-Rollenspiel Private Eye in einer überarbeiteten und optisch ansprechenden neuen Auflage. Da ich das Spiel schon seit längerem meiner Sammlung einverleiben wollte, nutzte ich die Gelegenheit und packte es, einschließlich eines Abenteuers, in meinen merklich schwerer gewordenen Rucksack.
Recht prominent in der Halle 2 war der Stand des Tabletop-Herstellers Games Workshop aus Nottingham. Wirklich viel geboten wurde jedoch nicht, denn von einer einzigen kümmerlichen Vitrine, einer kleinen Business-Ecke und drei winzigen Demoflächen abgesehen war die riesige Standfläche leer. Die bekannten Spiele und Figuren des Herstellers, Warhammer – Age of Sigmar und Warhammer 40.000, kamen ebenso wenig vor wie das umfangreiche Sortiment an Romanen und die dazugehörigen Brettspiele. Einzig für die (noch nicht erhältliche) Neuauflage von Blood Bowl, einem Fantasy-Football-Spiel wurde hier Werbung gemacht. Da ich jahrelang in einer Liga gespielt hatte, nutzte ich das mangelnde Publikum an dem Stand für ein kleines Testspiel. Die Regeln sind im Prinzip immer noch die gleichen wie vor 20 Jahren, allerdings haben die Autoren einige zusätzliche Optionen eingebaut, die mich doch sehr deutlich an ein Konkurrenzprodukt erinnern. Nach wie vor macht das Spiel Spaß, ist spannend und durchaus für eine Turnierszene geeignet, auch wenn mich die Standpräsentation, das übermotivierte Personal und die nicht vorhandenen Informationen zu Preis und Veröffentlichungsdatum etwas irritiert, wenn nicht sogar abgeschreckt, haben. Auf der Rückseite hatte sich die Schwesterfirma Forge World mit Shirts, Resin-Miniaturen und Büchern niedergelassen, allerdings gab es für mich hier außer einigen Miniaturen nichts Spannendes zu entdecken.
Direkt nebenan und ebenfalls aus Nottingham angereist waren Warlord Games, die sich mittlerweile als feste Größe im Bereich der historischen Tabletops etabliert haben und immer wieder in andere Bereiche vorstoßen. War es im letzten Jahr das SciFi-Spiel Beyond the Gates of Antares gewesen, wurden in diesem Jahr gleich zwei neue Systeme vorgestellt. Project Z lässt kleine Truppe Überlebender gegen gewaltige Zombiehorden und auch gegeneinander antreten, während Konflikt '47 die (fiktive) Geschichte des Zweiten Weltkrieges mit Kampfläufern, Nazizombies und Exoskeletten weiterschreibt. Basierend auf dem sehr erfolgreichen Bolt Action-Regelwerk verbreitet sich grade letzteres System mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit. Auch die ersten Figuren für das kommende Doctor Who-Tabletop konnten schon in der Vitrine begutachtet werden. Allerdings war ich von diesen dann doch sehr enttäuscht, andere Miniaturenschmieden liefern da deutlich bessere Arbeit ab.
Sehr klein und etwas versteckt waren Code Orange Games untergebracht. Die junge niederländische Firma gab einen ersten Einblick in ihr Endzeit-Skirmish-Tabletop Collision. Ganz ohne Würfel, dafür mit einem Karten- und Bluff-Mechanismus treten hierbei kleine Trupps gegeneinander an. Dem Gelände kommt dabei eine ebenso große Bedeutung zu wie den Figuren selbst. Auf den ersten Blick ein interessantes, innovatives Spiel das derzeit, nicht wirklich überraschend, durch eine Kickstarter-Kampagne finanziert wird.
In einem der Durchgangsbereiche am Hallenrand hatten Monolith Board Games aus Frankreich ihren Platz gefunden und präsentierten mit Conan eine opulent ausgestattete Mischung aus Dungeon-Crawler, Strategiespiel und Ressourcenmanagement, der wahrscheinlich Ende des Jahres in den Handel kommt. Hier nahm ich mir tatsächlich die Zeit um eine kleine Einführung zu spielen, in der der Barbar und seine zwei Gefährten eine Prinzessin aus einem Dorf der Pikten befreien müssen. Sehr schön hat mir dabei das Ressourcen-Management gefallen, dass ich bei einem Spiel dieser Art eigentlich so nicht vermutet hätte. Ein sehr schön aufgemachtes, durchdachtes Spiel, dass auf den ersten Blick voll überzeugen kann und sicherlich in Kürze auf dem heimischen Spieltisch landen wird. Am gleichen Stand konnte ich schon einen ersten Blick auf Mythic Battles: Pantheon werfen, ein Skirmish-Tabletop, bei dem Götter und Sagengestalten ihre Schlachten gegeneinander austragen.
Der Uhrwerk Verlag hatte in diesem Jahr seine Standfläche mindestens verdoppelt um alle Neuerscheinungen für Splittermond und verschiedene anderen Rollenspiel-Systeme unterbringen zu können. Allerdings beließ ich es hier bei einer kurzen Unterhaltung mit dem Standpersonal. In drei Wochen auf der Dreieich Con, habe ich eine bessere Gelegenheit mir die Sachen in Ruhe anschauen zu können. Das Gleiche gilt auch für Ulisses Spiele, die nur wenige Meter weiter platziert waren. Das Schwarze Auge und Pathfinder standen in diesem Jahr wieder im Mittelpunkt, aber auch Tabletop-Spiele wie Warmachine/Hordes oder Brettspiele, beispielsweise Super Dungeon Explore und Ninja All-Stars konnten angetestet werden.


Auch die Comic Action war wieder in dieser Halle untergebracht, allerdings schrumpfte der Bereich mit den bunt bedruckten Heftchen im Vergleich zum letzten Jahr erneut. Ich kann nur vermuten, dass die Comic Con und die Buchmesse hier Ressourcen der Verlage binden. Einzig Panini Comics waren mit einem Verlagsstand vor Ort, boten Signierstunden und ihr umfangreiches Programm an. Ansonsten gab es noch die obligatorischen Stände einiger Händler zu sehen, bei denen Raritäten und Merchandise angeboten wurden. Die verschiedenen Zeichner und Illustratoren waren ungeschickterweise nicht an einer Stelle zu finden, sondern auf mehrere Standorte in der Halle verteilt und teilweise sehr versteckt. Neben einigen Postkarten und einem Poster für die Klotür hatten es mir die Zeichnungen von Ars Fantasio angetan und ich musste mir unbedingt zwei Kunstdrucke (natürlich mit cthuloider Thematik) mitnehmen.
Daneben gab es in der Halle zwar bei verschiedenen Händlern die Möglichkeit, kleine Skirmish-Tabletops anzuspielen, aber leider fehlte mir meist die Zeit. So konnte ich nur einen kurzen Blick auf die toll gestalteten Demotische für Wolsung, Dead Man's Draw (beide jetzt auch in deutscher Version), Batman Arkham City, Bushido und Infinity werfen, bevor ich weiter musste.
Allerdings konnte ich die Halle nicht verlassen ohne mir das Würfelangebot von Chessex und Qworkshop anzuschauen, die in diesem Jahr jedoch ausnahmsweise nichts für mich dabei hatten, von einem Satz Halloween-Würfel einmal abgesehen.




In der Halle 3 hatten sich einige der größten Verlage der Branche versammelt, um die Spieler mit einer regelrechten Flut an Neuheiten zu überwältigen. Das Gedränge in dieser Halle war die meiste Zeit über so dicht, dass ich kaum durch die Gänge kam, geschweige denn an einen Tisch zum Spielen. Glücklicherweise hatte ich Mittwoch schon bei Amigo einige Sachen anspielen können, so die beiden Neuheiten für die stetig wachsende Bohnen-Familien, Bohnedikt und Bohnanza – Das Duell, aber auch eher Spiele, die sich an den Nachwuchs richten, beispielsweise die kooperative Sammeltour Mino & Tauri.
Nicht nur, dass die Gänge in Halle 3 permanent verstopft waren, auch die Geräuschkulisse
schwoll, besonders am Samstag, bedrohlich an. Vor allem die Demogeber der Rollenspielrunden am Stand von Pegasus Spiele hatten dabei eine extrem undankbare Aufgabe zu erfüllen. Dennoch waren die Tische bei Shadowrun, H.P. Lovecrafts Cthulhu und der längst überfälligen Neuauflage des Piratenrollenspiels 7te See meistens gut besetzt. Da ich weder Zeit noch Nerven für eine Runde hatte, begnügte ich mich mit einem kurzen Schwatz und nahm mir die Kurzregelwerke mit, um in Ruhe ein bisschen über die Spiele nachlesen zu können. Die anderen, ausgesprochen zahlreichen, Neuveröffentlichungen des Verlags ignorierte ich allerdings weitgehend, da ich mir diese im Spieleladen meines Vertrauens oder in Kürze auf anderen Veranstaltungen in Ruhe anschauen kann.
Iello präsentierten in diesem Jahr zum ersten Mal die deutschsprachigen Versionen ihrer Spiele selbst, in den Jahren zuvor hatten sie dafür immer einheimische Partner gefunden. Die Unterwasser-Expedition Oceanos, wieder ein Spiel mit einem Draft-Mechanismus, richtete sich vor allem an jüngere Spieler und war schnell ausverkauft. Das Interesse an Sea of Clouds war ebenfalls groß und die Demotische für die Himmelspiraten waren alle vier Tage lang ausgebucht. Daneben gab es am Stand des französischen Verlages noch viele weitere Neuheiten, zahlreiche Signierstunden und ein Glücksrad mit kleinen Gewinnen.
Mittlerweile haben Portal Games aus Polen den Sprung auf den deutschen Markt gewagt und waren mit einem erstaunlichen großen Stand vor Ort. Die imposanten Brettspiele 51st State und Cry Havoc nahmen dabei einen zentralen Platz ein, waren aber auch permanent belegt. Daher begnügte ich mich mit einer Demorunde des kleinen Zwei-Personen-Kartenspiels Tides of Madness. Die Spieler versuchen hier über einen Draft-Mechanismus Karten zu sammeln und die aufgedruckten Symbolen entsprechend ihrer Aufgabe zu kombinieren. Die stimmigen, an den Cthulhu-Mythos angelehnten, Illustrationen werten das Spiel dabei zusätzlich auf. Gerne hätte ich mir noch bei Days of Wonder das Bauspiel Quadropolis oder die neueste Zug um Zug-Erweiterung angeschaut, aber auch hier schreckten mich die Menschenmassen eher ab.
Erst am Ende der Messetage, als sich die Hallen schon merklich geleert hatten, traute ich mich zu einem Abstecher an den Stand vom Sphinx Spieleverlag um dort meine beiden vorbestellten Exemplare von IÄÄ! Cthulhu! Fhtagn! abzuholen und auch gleich zu testen. Zwar kein Strategie-Kracher, aber dafür ein hübsches kleines, einfaches Würfelspiel bei dem es die Möglichkeit gibt seine Mitspieler zu ärgern.


In der Galerie, dem Übergang zwischen den großen und kleinen Hallen, waren traditionell viele Stände mit Speisen und Getränken untergebracht. Mit Gummibären, Schoko-Döner, asiatische Nudelgerichte oder einer schnöden Currywurst konnten sich ausgehungerte Spieler hier stärken, während der Nachwuchs mit Hüpfgestellen, Holzklötzen und einigen Zaubershows bespaßt wurde. Der Ravensburger Spieleverlag hatte einen Teil der Galerie dazu genutzt um einen Puzzleweltrekord (knapp über 40.000 Teile) aufzustellen, scheiterte aber wohl an wenigen hundert Teilen. Ein kleiner, abgetrennter Raum beherbergte eines der zahlreichen Escape-Spiele, in diesem Fall von Noris. Auch hier standen sich über vier Tage lang Besucher die Beine in den Bauch, die ihr Glück, Können oder Talent nutzen wollten um zu entkommen. Amigo hatten hier ebenfalls einen winzigen Stand aufgebaut, an dem die Spieler bei Ice Cool Pinguine auf der Jagd nach Fischen schnippen oder die beiden magnetischen Außerirdischen Mino & Tauri durch ein senkrecht stehendes Labyrinth führen konnten.


Mutete in den vorangegangenen Hallen die Platzierung der Aussteller schon recht willkürlich an, so bekamen die Besucher dies nochmals in der Halle 4 in komprimierter Form geboten. Händler mit Gebrauchtspielen standen hier neben Freßbuden, Vereinen und zumeist ausländischen Kleinstverlagen. Auch die Bandbreite der ausgestellten Spiele war erstaunlich: auf der einen Seite das traditionelle Go, im krassen Gegensatz dazu ein Fußball, der an einer Gummischnur durch die Gegend gekickt und geworfen wird und dessen genau Bezeichnung ich schon wieder verdrängt habe. Doch gab es in der schmalen, kleinen Halle durchaus einige Perlen zu entdecken, beispielsweise den heimlichen Publikumsliebling Topoum. Als Anführer eines Maulwurfsclans versuchen die Spieler ihr Territorium auszudehnen und die gegnerischen Maulwürfe zurückzudrängen. Dies, zusammen mit den niedlichen Illustrationen und vor dem Hintergrund des Ersten Weltkrieges, ergibt ein lustiges, manchmal boshaftes aber immer unterhaltsames Spielvergnügen. Das auch Fantasy-Figuren gelegentlich feiern wollen setzen die Macher vom Orctoberfest voraus. Bratwurst, Brezeln und Bier gilt es hier möglichst schnell an die eigenen Spielfiguren zu bringen, während die anderen in der Schlange warten müssen. Das Spiel von Meeples Inc. macht einen recht originellen Eindruck, die Kickstarter-Kampagne zur Realisierung startet dann wahrscheinlich aber erst im Laufe des nächsten Monats. Bei 2Geeks gab es dagegen Im Schatten des Throns tatsächlich auch zu kaufen. In dem schnellen Kartenspiel geht es um Macht, Einfluss und die Kontrolle über wichtige Karten an einem mittelalterlichen Königshof. Optisch auf jeden Fall sehr ansprechend gestaltet, landete das Spiel spontan in meinem Rucksack und kommt sicherlich in Kürze zu einem ausführlichen Test auf den heimischen Spieltisch.


In meiner To-Do-Liste fanden sich nur wenige Einträge für die Halle 6, die etwas abseits vom Trubel lag und nur zur Hälfte genutzt wurde. Mein erster Anlaufpunkt waren die Herrschaften von Voodoo Games, bei denen ich ein (pünktlich fertig gestelltes) Kickstarter-Projekt, abholen konnte. Xibalba und die dazugehörige Generäle-Erweiterung waren erst am Tag vor der Messe angeliefert worden, zwei kleine Karten-Erweiterungen hatten es dagegen nicht mehr rechtzeitig nach Essen geschafft. Beide Autoren signierten, nachdem sie ihre anfängliche Zurückhaltung aufgegeben hatten, mein Exemplar und ich ließ mir vom Standpersonal eine kurze Einführung in das Spiel geben. Der Ausbau der eigenen Basis, die Rekrutierung von Soldaten und Zivilisten sowie die Ausbeutung einer außerirdischen Ressource stehen bei dem Spiel im Mittelpunkt. Die Kombination aus Würfel- und Kartenmechaniken funktioniert recht gut und alleine die Diesel-Punk-Optik, was auch immer man jetzt darunter verstehen mag, rechtfertigen zumindest einen Blick auf das Spiel. Meine zweite Anlaufstelle war der, nur wenige Meter daneben liegende, Stand von Scale75, einem spanischer Miniaturenhersteller. Neben zahlreichen Farbsets und der Figurenserie Smog Riders, niedliche Steampunk-Miniaturen in Chibi-Optik, gab es noch das SciFi-Tabletop Fallen Frontiers zu sehen. Gerne hätte ich hier eine kleine Demo angespielt, doch leider war der Tisch entweder besetzt oder kein Personal vorhanden und so musste ich mich mit einigen Fotos und einem Flyer begnügen. Davon abgesehen schlenderte ich relativ planlos durch die Halle und versuchte einen Bogen um den Stand mit den sehr geruchsintensiven Knoblauchbroten zu machen. Spiele wie Drinkopoly, Schmuseduell oder Die Partykracher sprachen mich ebenfalls nicht sonderlich an, auch das Programm der anderen Aussteller konnte mich nicht wirklich überzeugen und so machte ich mich nach einigen kurzen Gesprächen auf den weiteren Weg.


Die Halle 7 hatte dagegen schon ein paar interessante Anlaufstellen mehr zu bieten. So beispielsweise den Stand von Osprey Games. Eigentlich ein Ableger des auf militärhistorische Bücher spezialisierten Verlags haben sie in den letzten zwei Jahren ihr Spielsortiment extrem ausgebaut. Neben dem Skirmish-Tabletop Frostgrave oder der Neuauflage des über 40 Jahre alten Klassikers Escape from Colditz konnten hier auch einige, deutlich weniger militärisch orientierte Spiele angetestet werden. So versetzt Let them eat Cake die Spieler in die Wirren der französischen Revolution wo sie versuchen ihren Kopf vor der Guillotine zu retten, die Mitspieler ans Messer zu liefern und nebenbei auch noch das größte Stück vom Kuchen abzugreifen. Mit der richtigen Spielergruppe sicherlich sehr vergnüglich und schon für den nächsten Spielabend bereitgelegt. Daneben gab es noch einige kleinere Spiele, beispielsweise Odin's Ravens oder Secret Santa zu sehen, doch leider reichte meine Zeit dafür nicht aus. Viel mehr zog es mich zum Stand von Titan Forge, wo ich am Samstag endlich das heiß ersehnte Lobotomy abholen konnte, dass ich via Crowdfunding unterstützt hatte. Die Auslieferung hatte sich um einige Wochen verzögert und nur wenige Exemplare waren nach Essen geliefert worden. Auf ein Testspiel verzichtete ich jedoch und warf lieber einen intensiven Blick auf Vengeance. Das Spiel setzt Filme wie Kill Bill, Dirty Harry oder Ein Mann sieht rot recht treffend als Brettspiel um und mischt dabei Dungeon-Crawler- und Tabletop-Elemente. Die Spielrunde lief flüssig, machte Spaß und brachte das Film-Feeling ziemlich gut rüber; sicherlich ein Spiel, dass ich weiter im Auge behalten werde. Direkt nebenan drängten sich die Spieler bei Gray Fox Games um die kooperative viktorianische Verbrecher-/Monsterjagd London Dread. Auch hier wurde sehr viel Wert auf eine stimmige Optik gelegt, die Spielabläufe sind dagegen etwas gewöhnungsbedürftig. Den zahlreichen Testspielern schien es jedoch zu gefallen, war das Spiel doch bereits nach zwei Tagen ausverkauft. Leider waren auch hier die beiden Demo-Tische permanent belegt, aber nach Gesprächen mit den Autoren (und natürlich auch einigen Testspielern) packte ich die schwere Kiste ebenfalls in meine Tasche. Natürlich bot auch diese Halle viel mehr, beispielsweise das kuriose Kacke: Das Spiel, das extrem taktische Zwei-Personen-Kartenspiel Styx 666, oder Schäferstündchen (in dem die Spieler tatsächlich Schäfer oder eben Schafsräuber spielen). Recht versteckt in Halle 7 war auch die Packstation untergebracht, ein neuer Service des Messeveranstalters. Hier konnte die Besucher, die sich mit ihren Einkäufen leicht übernommen hatten, die Spiele direkt von der Messe aus nach Hause schicken lassen. Im Prinzip ein großartiger Einfall und eine echte Hilfe für obsessive Spielekäufer, nach den Preisen für diese Dienstleistung habe ich allerdings nicht gefragt...


Natürlich ist es hier nicht möglich alles aufzulisten, was es in den Hallen zu sehen gab - zu viele obskure, spannende, lustige oder auch einfach überflüssige Dinge hatten die Aussteller mitgebracht. So beispielsweise einen handgefertigten Spieltisch für den anspruchsvollen Brettspieler zum Preis eines Kleinwagens, Würfel in jeder erdenklich Form, Farbe und Seitenanzahl, LARP-Zubehör für jedwedes Setting oder auch Schaumstoffeinlagen für den Schutz der wertvollen Tabletop-Miniaturen. Während manche Aussteller, auch die kleinen, mit aufwändigen Ständen, Gewinnspielen und kostümiertem Personal versuchten auf sich aufmerksam zu machen begnügten sich andere mit einer Flipchart sowie einigen Buntstiften. Vom chaotischen Donnerstag abgesehen war die Stimmung an allen Tagen, trotz des Gedränges, sehr entspannt und ausgelassen. Zwar gab es immer wieder rücksichtslose Zeitgenossen, die mit ihren vollgepackten Bollerwagen oder Trolleys durch die Gänge walzten, aber auch daran hat man sich mittlerweile (leider) gewöhnt. Wirklich unangenehm wurde es jedoch, wenn man in einer Schlange hinter jemandem festgeklemmt war, der es mit der Körperhygiene nicht so genau nahm. Mehr als einmal stockte mir der Atem und ich konnte mich durch nur mit Mühe in einen der Innenhöfe retten. Ansonsten gab es pelzige Yetis zu sehen, die Flyer verteilten, junge Damen mit Regenbogensöckchen und einem Horn auf der Stirn gaben Demos und „fürsorgliche“ Eltern packten ihren Nachwuchs auf den Arm um den Kinderwagen vollladen zu können. Auffällig war, im Gegensatz zu den vorangegangenen Jahren, der Mangel an Gewandeten und Cos-Playern. Nur vereinzelt waren aufwändige Kostüme zu bestaunen, und wenn, dann meist nur beim Standpersonal.


Wie in jedem Jahr, so waren auch diesmal wieder einige Trends zu beobachten, auf die sich die Spielehersteller anscheinend alle gleichzeitig stürzten. Obwohl die Zombie-Welle mittlerweile eigentlich abgeklungen ist, kommen immer noch zahlreiche Spiele mit dieser Thematik auf den Markt. Einige davon sind wenig mehr als ein lauwarmer Aufguss schon bekannter Veröffentlichungen, andere punkten tatsächlich mit innovativen Ansätzen oder außergewöhnlicher Aufmachung, wie beispielsweise Z War One: Damnation oder das Kartenspiel Totenstadt.
Ein weiteres beliebtes Thema waren Spiele, die irgend einen Bezug zu Wikingern oder der nordischen Mythologie herstellten. Gefühlt an jedem dritten Stand gab es irgend etwas mit „Vikings“, „Odin“ oder „Norse“ im Titel zu kaufen. Die Bandbreite reichte dabei von Deckbuilding-Spielen über Tabletops und Strategiespielen bis hin zu kindgerechten Würfelspielen. Nach kurzen Runden mit dem wirklich sehr guten Blood Rage und dem etwas schwächeren In the Name of Odin hatte ich allerdings von Drachenschiffen und Methörnern genug und widmete mich einem anderen Trend, den sogenannten Escape-Spielen.
Bei dieser Art von Spiel sind die Spieler in einem Raum eingeschlossen und müssen unter Zeitdruck Aufgaben lösen um wieder zu entkommen. Ursprünglich als Event- oder Party-Spaß in speziellen Räumlichkeiten gedacht, machten sich mehrere Firmen daran, dieses Konzept auch in die heimischen vier Wände zu übertragen. Die Bandbreite reichte dabei, je nach Verlag, von winzig kleinen Schachteln mit ein paar Blatt Papier, beispielsweise Exit – Das Spiel bei Kosmos, bis hin zu ausgeklügelten technischen Apparaturen in die die Spieler Kunststoffschlüssel in der richtigen Kombination stecken mussten, so gesehen bei Escape Room – Das Spiel von Noris. Gemein war aber allen Spielen, dass sich lange Schlangen vor den Demo-Tischen und -Räumen bildeten und ich keine Möglichkeit sah, ohne übermäßig lange Wartezeiten, eine Testrunde zu ergattern. Sind die Rätsel allerdings erst einmal geknackt, so kennen die Spieler die Lösung, was die Angelegenheit ziemlich reizlos macht und mich bisher auch von Spielen dieser Art abschreckt.
Der Cartoonist John Kovalic hat vor einigen Jahren gesagt, dass alles besser wird mit Cthulhu. Und tatsächlich haben die Spieleverlage die Schöpfung des Autors H.P. Lovecraft für sich entdeckt. Ob dies nun eine neue Version von Pandemie ist oder das Kartenspiel Tides of Madness, das schnelle Würfelspiel IÄÄ! Cthulhu! Fhtagn! oder das CoSim Shadows over Normandie, überall hat der Große Alte seine Tentakel im Spiel. Im Rollenspielbereich kümmerten sich Pegasus Press und Chaosium um diese Thematik und sogar die Deutsche Lovecraft Gesellschaft war mit einem kleinen Stand vor Ort um ihr Vereinsmagazin zu präsentieren. Einigen dieser Spiele gelingt es tatsächlich so etwas wie einen Bezug zum Cthulhu-Mythos herzustellen, sei es nun inhaltlich oder optisch, doch die meisten scheitern daran und versuchen wahrscheinlich nur mit dem Namen ein paar schnelle Euros zu machen.
Ein letzter Trend der mir in diesem Jahr verstärkt auffiel war die schon beinahe inflationäre Präsenz von Dungeon-Crawlern. Bei dieser Art von Spiel bewegt sich eine Handvoll Helden durch ein mittelalterliches Verlies, ein havariertes Raumschiff oder eine verlassen Stadt, besiegt Gegnerhorden und sammelt dabei Schätze ein. War vor einigen Jahren das altehrwürdige HeroQuest praktisch der einzige Vertreter dieser Spielegattung, so gibt es mittlerweile eine riesige Auswahl. Die Hersteller liefern sich regelrechte Materialschlachten um Figuren, Bretter, Marker und die Komplexität der Spielregeln und ich bin sicher, in den kommenden Jahren wird dieser Trend noch weiter eskalieren. Die Konsolenspielumsetzung Dark Souls, die Endzeitvision The Others, das bereits erwähnte Conan, das Kampagnenspiel Star Wars: Imperial Assault oder das wahnsinnige Lobotomy aus Polen waren dabei nur einige, wenn auch besonders auffällige, Vertreter.



Laut den offiziellen Angaben des Messeveranstalters, dem Friedhelm Merz Verlag, kamen in diesem Jahr rund 174.000 Besucher und über 1.000 Aussteller mit fast 1.200 Neuheiten auf die Messe, was wiederum einen deutlichen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Von den nackten Zahlen abgesehen war auch für mich, rein subjektiv, die Steigerung deutlich spürbar. Ich fahre nun seit über 20 Jahren auf die Messe und habe nie ein solches Gedränge erlebt. In den Hallen der „großen“ Verlage war es kaum möglich einen Platz an den Demotischen zu ergattern und selbst der Weg durch die Gänge war mühsam. Erst am späten Nachmittag gab es hier die Möglichkeit Spiele ohne längere Wartezeiten auszuprobieren und sich die Neuheiten in Ruhe anzuschauen.

Eine besondere Erwähnung verdient die chaotische Anreisesituation am Donnerstag. Die Messehalle in Sichtweite mussten viele Besucher, aber auch zahlreiche Aussteller, mitunter stundenlang warten bis sie sich zu einem Parkplatz vorgearbeitet hatten. Für wenige Kilometer Anreise wurden durchaus zwei Stunden oder mehr benötigt. Selbst der Öffentliche Nahverkehr war mit der Situation heillos überfordert. Erst als gegen Mittag die Polizei ordnend eingriff entspannte sich die Lage ein wenig. Dennoch war an diesem ersten Tag die Stimmung gedämpft, teilweise sogar aggressiv. Glücklicherweise waren die Verantwortlichen in der Lage, die Anreisesituation in den darauf folgenden Tagen ein wenig zu entschärfen und so kam es nicht mehr zu diesen massiven Behinderungen.
Dennoch kann ich mich langsam nicht des Eindrucks erwehren, dass die SPIEL in den Grugahallen langsam an ihre Kapazitätsgrenzen stößt, sowohl was die Besucher- aber auch die Ausstellerzahlen angeht.

Samstag, 6. Februar 2016

Spielwarenmesse Nürnberg 2016

[Messe] Spielwarenmesse 2016
Donnerstag, 28. Januar 2016
Nürnberg


Ist die SPIEL in Essen das Mekka aller Spielbegeisterten und Konsumwütigen, so stellt die Spielwarenmesse in Nürnberg quasi den Gegenentwurf hierzu dar. In den Messehallen herrschen weitgehend Ruhe und Zurückhaltung, die meisten (Fach-)Besucher gehen zielstrebig und konzentriert ihren Geschäften nach und praktisch nie kommt es zu Drängeleien oder Geschubse. Zwar gibt es hier kaum Spielmöglichkeiten, dafür steht in der Regel jedoch qualifiziertes Fachpersonal bereit, das in der Lage ist, Fragen zu den meisten Spielen zu beantworten. In den letzten Jahren habe ich die entspannte Atmosphäre in den Nürnberger Messehallen doch sehr zu schätzen gelernt und freue mich jedes Jahr darauf, mir die Neuheiten der Aussteller ansehen zu können.
Ich hatte in diesem Jahr eine relativ genaue Vorstellung, was ich mir bei den verschiedenen Verlagen anschauen wollte, ließ mir aber auch ein ausreichend großes Zeitfenster, um einfach so ein wenig die Produkte der verschiedensten Hersteller zu betrachten.  Akkreditierung, Bahnfahrkarten und der notwendige Urlaub waren schnell organisiert, und so stand einem kleinen Ausflug zur Messe eigentlich nichts mehr im Weg.
Wie auch schon im letzten Jahr verlief die Anreise mit der Bahn, abgesehen von der obligatorischen Verspätung auf dem Weg zum Frankfurter Hauptbahnhof, schon ungewöhnlich problemlos. Ich hatte grade noch Zeit, mir ein wenig Reiseproviant zu besorgen, als mein Zug auch schon in den Bahnhof einfuhr und mir einen (vermeintlich) ruhigen Platz zu suchen. Eigentlich wollte ich nach einer sehr kurzen Nacht die drei Stunden Fahrt für ein kurzes Schläfchen nutzen, allerdings machte die wilde und lautstarke Knutscherei des Paares im Sitz vor mir jegliche Hoffnungen auf etwas Ruhe zunichte.


So kam ich dann etwas zerknittert, aber immerhin pünktlich, kurz nach 9 Uhr an der Messehalle an und ging fast auf dem direktem Weg zum Pressezentrum, um dort meine Jacke zu verstauen und mir den aktuellen Messekatalog zu holen. Dermaßen präpariert konnte ich mich nun daran machen, meine To-Do-Liste abzuarbeiten.


Auf dem Weg zu meinem ersten Ziel musste ich die Halle 7A passieren, in denen die Hersteller der verschiedensten fernsteuerbaren Fahrzeuge ihren Platz gefunden haben. Nachdem einer meiner Kollegen mich ein wenig mit seinen Quadkoptern angefixt hat, nutzte ich die Gelegenheit auf der Messe auch einen kurzen Blick auf die angebotenen Modelle zu werfen. Die schier unüberschaubare Auswahl überforderte mich jedoch komplett und daher packte ich lediglich einige Kataloge ein um diese zu einem späteren Zeitpunkt und vielleicht mit sachkundiger Hilfe durchzugehen.


Mein eigentliches Ziel lag jedoch bei den Modellbauern in Halle 7, hier war ich vor allem neugierig, was den britischen Tabletop-Marktführer Games Workshop nach Nürnberg verschlagen hatte. Normalerweise machen die Mannen aus Nottingham um solche Veranstaltungen einen weiten Bogen. Der überraschend kleine Stand lag ziemlich zentral in der Halle und außer einem großen Diorama mit Figuren des Fantasy-Systems Warhammer – Age of Sigmar und einer Vitrine mit einigen weiteren Figuren gab es eigentlich nichts wirklich Spannendes zu sehen. Wirklich interessante Neuigkeiten ergaben sich dann auch erst nach dem Gespräch mit dem Standpersonal. Vor allem die Rückkehr des großartigen Fantasy-Football-Spiels Blood Bowl mit neuen Figuren und überarbeiteten Regeln im nächsten Jahr sorgte bei mir für sichtbare Vorfreude, da dieses Spiel seit über 20 Jahren zu meinen Lieblingen zählt. Auch nicht unspannend war die Ankündigung, alte, relativ einfache Bausätze der Space Marine- und Ork-Fraktionen aus dem Warhammer 40.000-Universum neu zu verpacken und mit einigen Farben, Pinsel und Kleber als Einstiegsmodelle an eine jüngere Zielgruppe zu vermarkten. Angesichts der angekündigten Preise dürften die Modelle aber auch für altgediente Spieler interessant sein, die ihre Armeen aufstocken wollen. Im Vergleich zu den letzten Jahren tummelten sich in dieser Halle auch erstaunlich viele Hersteller von Lack- und Acrylfarben, von denen ich Acrylicos Vallejo auf jeden Fall einen Besuch abstatten wollte. Neben einigen neu zusammengestellten Farbsets und Airbrush-Farben mit neuer Rezeptur war es vor allem das Buch The Rise of Fantasy, das ich gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Autor Juan Barrena beschreibt hier dezidiert die Entstehung einiger großartiger Dioramen von den ersten Skizzen bis hin zum fertigen Werk. Nebenan bei MIG Productions konzentrierte man sich in erster Linie auf den Einsatz von Pigmenten um Modellen den letzten Schliff zu geben. Auch hier standen Produkte im Vordergrund, die dem Anwender die Erzielung spektakulärer Effekte erleichtern sollen. Während einer kurzen Vorführung hatte ich schließlich die Gelegenheit einige Erklärungen einzuholen, die mir hoffentlich bei künftigen Projekten helfen werden.
Ich konnte diesen Hallenbereich nicht verlassen ohne vorher noch einen Blick auf den Stand des Airbrush-Pistolen-Herstellers Badger zu werfen, wo ein Künstler den ganzen Tag damit beschäftigt war die Tankverkleidung eines Motorrads zu verschönern. Auch bei einigen anderen Modellbauherstellern wie beispielsweise Italeri, Heller oder Zvezda warf ich noch einen schnellen Blick auf die Neuheiten, fand aber nichts wirklich Spektakuläres, so dass ich mich schon bald weiter auf den Weg zu meinen eigentlichen Ziel, der Halle 10, machte.

Zwischendurch schaute ich noch kurz bei Folat vorbei, einer niederländischen Firma, die allerlei Partyzubehör im Angebot hat. Zwar gab es hier auch einige recht interessante Dinge zu sehen, Luftballons in allen Farben und Formen oder wirklich lustige Scherzartikel, doch ich interessierte mich eher für das großartige Give-Away, das am Messestand abgeholt werden konnte. Mit dem stabilen Trolley fiel das Gewicht der zahlreichen Prospekte, Kataloge und Flyer die sich schon nach kurzer Zeit in meiner Tasche angesammelten gar nicht mehr auf und ich konnte, spürbar erleichtert, meinen Weg zu meinen weiteren Zielen fortsetzten.

In Halle 10 war die erste Anlaufstelle natürlich der mächtige Stand von Kosmos, deren Experimentierkasten KosmoBits am Tag zuvor mit dem Toy Award 2016 ausgezeichnet worden war. Wie schon frühere Experimentierkästen, so ist auch hier das Ziel Kinder spielerisch an Themen mit technischem Hintergrund heranzuführen, in diesem Fall die Programmierung eines Bewegungssensors. Mit diesem lassen sich dann nicht nur kleine Spiele auf dem Pad steuern sondern auch praktische Anwendung entwickeln. Ein interessantes Konzept, ganz in der Tradition des Kästen, mit denen ich seinerzeit herumgewerkelt habe. Natürlich gab es daneben auch mit der Big Box die unvermeidliche Erweiterung für die Siedler von Catan und eine Neuauflage des dazugehörigen Kartenspiels. Leider macht der Star Wars-Hype auch bei diesem Hersteller keine Ausnahme und mir stellte sich die Frage, ob die Welt unbedingt ein Star Wars Ubongo gebraucht hätte. Glücklicherweise gab es aber auch noch einige originelle Konzepte zu sehen, so beispielsweise Schmuggler, bei dem die Spieler Gegenstände in Knete verstecken und diese durch die Kontrolle schmuggeln müssen, oder das Bauspiel Imhotep, das die Pyramidenkonstrukteure und Taktiker fordert. Natürlich bekommt das Detektivzubehör der Die drei ???-Reihe ebenfalls einigen Zuwachs und verschiedene kleinere Spiele erweitern das Portfolio des Verlags. Meine nächstes Ziel befand sich am entgegengesetzten Ende der Halle und ich unterbrach meinen Weg nur kurz, um die neuesten Würfel zu bestaunen, die Q-Workshop aus Polen mitgebracht hatten. Hier war man anscheinend der Meinung, das jede Kampagne des Pathfinder-Rollenspiels einen eigenen Würfelsatz braucht, ebenso wie verschiedene Cthulhu-Settings. Daneben gab es natürlich noch einige universelle Würfelsets, edel aufgemachte Würfelbecher und stylische, auf das jeweilige Spielsystem abgestimmte, Würfeltürme zu bestaunen. Nach diesem kurzen Intermezzo erreichte ich schließlich mein eigentliches Ziel, den Stand des Heidelberger Spieleverlag. Natürlich waren auch hier die Star Wars-Spiele prominent vertreten. Neben dem kleinen, schnellen Raumkampfspiel X Wing, dessen kommende Neuerscheinungen ich schon in der Vitrine betrachten konnte, die strategische Raumschlacht Armada und der Dungeon Crawler Imperial Assault. Um die Konflikte aus den Filmen schließlich auf ein galaktische Maß zu bringen wird in Kürze Rebellion erscheinen, bei dem die Spieler entweder als Rebellen oder Imperiale um die Kontrolle über ganze Planetensysteme ringen und dabei das komplette aus den Filmen bekannte Arsenal, einschließlich der Todessterne, einsetzen können. In eine ganz ähnliche Richtung geht das im Warhammer 40.000-Universum angesiedelte Strategiespiel Verbotene Welten, bei dem ebenfalls verschiedene Fraktionen um die Kontrolle über Planeten und Ressourcen ringen. Natürlich gab es auch noch einige andere Spiele, darunter weitere Lizenzprodukte, zu sehen, beispielsweise den Dungeon-Crawler Dungeon Saga, der zumindest optisch eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit dem Klassiker HeroQuest aufweist, Spiele zu den Fernsehserien Homeland und Game of Thrones oder Twin Tin Bots, bei dem die Spieler Bewegungsabläufe für ihre Roboter planen und diese in einen Parcours schicken. Danach ging es hinüber zu Pegasus Spiele, die wie schon im letzten Jahr, mit einem recht großen Stand im Übergangsbereich der Hallen 10 und 11 anzutreffen waren und hier ihr komplettes Produktsortiment aufgebaut hatten. Viel interessanter als die schon erhältlichen Spiele waren für mich jedoch die kommenden Neuheiten, auf die man schon einen ersten Blick werfen konnte. Hier waren es vor allem Fortsetzungen und Ableger schon bekannter Titel, beispielsweise der Kartenspielversion des großartigen Intrigen-Spiels Junta, die eigenständige Munchkin Steampunk-Erweiterung oder Schattenland, der vereinfachte Einsteig ins Cyberpunk-Rollenspiel Shadowrun, die mich interessierten. Aber auch einige originelle Neuheiten gab es zu bestaunen, so die abenteuerliche Suche nach dem Yeti oder das putzig anzuschauende Gierige gierige Goblins, die sich beide an eine etwas jüngere Zielgruppe richten. Viele der hier ausgestellten Neuheiten befanden sich noch in einer mehr oder minder frühen Entstehungsphase, aber zumindest konnte sich der interessierte Spieler ein Bild davon machen, was in den nächsten Monaten von den Friedbergern veröffentlicht wird. Nachdem ich mir damit auf der unteren Ebene einen ersten Überblick verschafft hatte, ging es weiter in der ersten Stock der Halle 10, in der die meisten traditionellen Brettspielverlage untergebracht waren.


Direkt von der Rolltreppe aus stolperte ich in den Stand von Schmidt Spiele, bei denen es wieder einige hübsche Spielideen zu sehen gab. Hier bekam der Spielernachwuchs etwas geboten, zum Beispiel mit Burg Flatterstein, bei dem die Spieler Fledermäuse mittels eines Katapultes in eine Schlossruine befördern müssen. Aber auch für ältere Semester gab es das eine oder andere interessante Stück: so müssen die Spieler bei Skull King – Das Würfelspiel die Anzahl der Stiche ansagen, die sie erwürfeln; ein interessantes Konzept, für mich mit meiner Würfelphobie aber eher ungeeignet. Viel besser, sowohl optisch als auch vom Spielkonzept her, gefiel mir dagegen das Kartenstichspiel Vampire Queen das sich durchaus auch für größere Spielergruppen eignet. War ich beim Erscheinen von Star Wars Carcassonne Ende letzten Jahres schon etwas irritiert gewesen, überraschte mich die Ankündigung einer Erweiterung nun nicht mehr ganz so sehr. Ob es dann aber tatsächlich ein Star Wars Qwirkle braucht, dessen Prototyp schon hier ausgestellt war, möchte ich doch bezweifeln. Amigo entwickeln sich dagegen immer mehr zum Spezialisten für kleine, feine Kartenspiele mit denen sich Spieler aller Altersgruppen anfreunden können. Optisch machten Dao, Unter Spannung oder auch Schnapp den Sack nicht unbedingt viel her, zeigten aber, dass es immer noch möglich ist, altehrwürdigen Spielprinzipien neue Aspekte abzugewinnen. Die kurzen Testspiele machten zumindest Appetit auf mehr und die Spiele werden wohl in absehbarer Zeit meiner Sammlung hinzugefügt werden. Ganz besonders bin ich jedoch auf die Wizard Jubiläumsedition gespannt, die dem Spiel nicht nur neue Artworks sondern auch noch sechs neue Karten spendiert um das Spielgeschehen durcheinander zu bringen.


Ich bin, zugegebenermaßen, ein großer Freund der Spiele des Verlags Iello und war entsprechend neugierig was die Franzosen in diesem Jahr vorstellen würden. Neben einer, noch namenlosen, Erweiterung für die Monsterkeilerei King of New York gab es Prototypen des strategischen Worker Placement Spiels Bunny Kingdom zu sehen, bei Oceanos machen sich die Spieler in U-Booten auf eine unterseeische Schatzsuche um sich anschließend bei Sea of Clouds als Luftschiffpirat in luftigen Höhen auf Kaperfahrt zu gehen. Neben diesen schon weit fortgeschrittenen Spielentwicklungen gab es dann noch eine ganze Reihe kleinerer Spiele in verschiedenen Entstehungsstadien zu sehen. Gerne hätte ich zu dem einen oder anderen Spiel einige Fragen gestellt, doch das Standpersonal zog sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit entweder in das improvisiertes Büro oder vor den Computer zurück und war dann nicht ansprechbar. Schade eigentlich!
Viel entgegenkommender war man dagegen bei Asmodee, die mittlerweile eine beeindruckende Anzahl an Verlagen, beispielsweise Days of Wonder, Treefrog Games, Ludically oder auch Lookout Games, unter ihrem Dach versammelt haben. Hier waren es vor allem die, ursprünglich über Kickstarter finanzierten, Brettspiele mit ihrer opulenten Ausstattung welche die Aufmerksamkeit auf sich zogen. So wie beispielsweise Blood Rage, in dem die Spieler mit ihrem Wikinger-Clan plündern, Questen erfüllen und Länder erobern um vor dem drohenden Ragnarök Ruhm und Ehre anzuhäufen, um schließlich an der Tafel der Götter in Walhalla zu sitzen. Auch der neueste Zombicide-Ableger Black Plague fällt in diese Kategorie und verlegt die Bedrohung durch die Untoten Horden ins finstere Mittelalter. Neben dem sehr umfangreichen Spielmaterial haben die Autoren dem Spiel sogar noch einige Neuerungen verpasst. In eine etwas andere Richtung geht dagegen das cthuloide Weird War-Strategiespiel Shadows over Normandie: hier müssen die Spieler kurz nach dem D-Day entweder verhindern, dass die bösen Nazis den großen Cthulhu beschwören oder als Achsenmächte die Invasoren zurück ins Meer drängen. Ebenfalls an regem Besucherinteresse konnten sich die grafisch wirklich überragende Mörderhatz Mysterium und das Zeitreise-Epos T.I.M.E. Stories erfreuen, zu dem die beiden Erweiterungen Der Marcy-Fall und Die Drachenprophezeiung präsentiert wurden. Trotz der zahlreichen Besucher nahm sich das Standpersonal tatsächlich die Zeit und beantwortete Detailfragen zu den Spielen ausführlich und erstaunlich fachkundig; auf einer Messe nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit. Auch bei Queen Games hatte man sich wieder angestrengt, um mit einigen Neuheiten aufzuwarten. Risky Adventures, eine Schatzjagd rund um den Erdball in bester Indiana-Jones-Manier, das Architektenspiel World Monuments und auch das im viktorianischen England angesiedelte Handelsspiel London Markets machten sowohl optisch, als auch von der Spielidee her einen ziemlich guten Eindruck. Ob dieser erste Eindruck auch bei einer eingehenderen Prüfung Bestand hat werden dann wahrscheinlich die nächsten Spieleabende zeigen.
Nachdem ich im letzten Jahr mein erstes Krimi-Dinner hinter mich gebracht habe, war ich von diesem Konzept doch sehr angetan und wollte die Messe nutzen, um mich nach eventuellen Fortsetzungen umzuschauen. Fündig wurde ich hier bei Krimi Total, einem Dresdner Verlag, der sich auf solche Publikationen spezialisiert hat. Dem netten Herrn am Stand gelang sogar das Kunststück, mir relativ viel über die Produkte zu erzählen ohne dabei zu spoilern. Zumindest das neu erschienene Intrigen-Epos Die Yacht der Macht, über eien Mord im Umfeld der korrupten Führung einer Bananenrepublik und das schon etwas ältere Im Schatten der Premiere, angesiedelt im Prag der 1920er Jahre, sind bestellt und werden in nicht allzu ferner Zukunft für hoffentlich spannende Abende sorgen. Schließlich stand noch der moses. Verlag auf meiner Liste, die immer wieder interessante Quiz- und Rätselspiele im Programm haben. Den meisten Spielern dürfte die Black Stories-Serie ein Begriff sein, die in Kürze mit der Scary Music Edition eine weitere Fortsetzung erhält, aber auch die Produktpalette zum Fernsehkrimi tatort wächst kontinuierlich. Daneben haben mir besonders gut das Geographie-Ratespiel Wo ist bitte Umtata? und Mr. Lister's Quiz Shooutout gefallen, beides Spiele, bei denen die Spieler endlich eine sinnvolle Anwendung für ihr mühevoll angesammeltes und normalerweise nutzloses Detailwissen haben. Obwohl es nicht unbedingt in mein Ressort fällt musste ich schließlich noch einen Blick auf die Collection Art-thérapie werfen, eine Serie mit Malbüchern der etwas anderen Art und wirklich sehenswert.


Nachdem ich damit praktisch meine komplette To-Do-Liste abgearbeitet hatte, machte ich mich wieder auf den langen Marsch ins Pressezentrum, um dort die zahlreichen Kataloge zu überfliegen, noch einige interessante Ziele herauszupicken und, ganz wichtig, ein paar Minuten die geschundenen Füße hochzulegen. Im Nachhinein stellte sich dies jedoch als kapitaler Fehler heraus, denn bei der zweiten Runde schmerzte jeder Schritt umso mehr. Immerhin konnte ich mein Gepäck hier ablegen und mich einigermaßen unbeschwert auf den Weg in die Hallen 3 und 4 machen.


Ich würde mir zwar selbst nie eine Modelleisenbahnanlage ins Wohnzimmer stellen, aber es ist doch schon beeindruckend, was Firmen wie Märklin, Faller oder Brawa aufstellen: Bei den, mit viel Liebe zum Detail gestalteten, Anlagen kann man wahrscheinlich stundenlang davor stehen und entdeckt immer noch neue, winzige Einzelheiten, die die Szenerie zum Leben erwecken. Einen etwas praktischeren Nutzwert für mich hatten die Produkte des Geländeherstellers Noch, die ich immer wieder gerne für die Gestaltung meiner Tabletop-Miniaturen und der dazugehörigen Szenerie nutze. Vor allem die realistisch aussehenden Gewächse hatten es mir angetan, aber auch für die verschiedene Effekte für Wasser, Eis und Schnee habe ich künftig sicherlich die eine oder andere Anwendung.
Der Weg zu meinen letzten Ziel führte mich durch Hallen vollgestopft mit Puppen, Schulutensilien, Kinderwagen und Feuerwerksartikeln, die ich alle weitgehend ignorierte, da ich wieder einmal viel zu viel Zeit vertrödelt hatte.
Schließlich kam ich bei meinem letzten Ziel, der Halle 12 an, die traditionell von den wirklich großen Spielzeughersteller wie Mattel, Playmobil, Revell oder Lego unter sich aufgeteilt wird. Wie in jedem Jahr stand ich vor den beinahe mannshohen Bauklötzchenfiguren des dänischen Herstellers im Eingangsbereich und staunte über die Details. Neben dem virtuellen Dimensions-Spielsystem stand die neue Figurenserie der Nexo Knights im Mittelpunkt, deren Figuren mich teilweise extrem an das Tabletop Warmachine erinnerten. Nachdem ich mich satt gesehen hatte schlenderte ich relativ gemütlich an den anderen Ständen vorbei, betrachtete die dort präsentierten Produkte und hielt noch das eine oder andere Schwätzchen mit Besuchern und Ausstellern. Einzig bei Revell verbrachte ich ein wenig mehr Zeit als eigentlich geplant. Auch dieser Hersteller kann sich über einen Toy Award für die Junior Kits freuen. Diese Auto-Bausätze machen optisch wirklich einen sehr guten Eindruck und sind solide genug, die Aufmerksamkeit der Zielgruppe längere Zeit zu überstehen. Ansonsten gab es auch hier zahlreiche Star Wars-Modelle zu sehen und auch der Trend zu ferngesteuerten Fahrzeugen am Boden, zu Wasser und in der Luft ist ungebrochen. In den, mit Fangnetzen abgesicherten, Bereichen konnten die Besucher sogar selbst Hand an die Fernbedienungen legen und einige Proberunden absolvieren.


Für die Rückkehr ins Pressezentrum und das dort stattfindende gemeinsame Essen blieb mir nicht mehr sonderlich viel Zeit und so wählte ich den Weg über die Außenflächen um schneller voran zu kommen. Und tatsächlich gelang es mir auch rechtzeitig um 17.30 Uhr am Restaurant zu sein und den traditionellen Messecocktail zu verkosten. Für meinen Geschmack war der Tolls Toyce mit seiner Mischung aus Cidre, Williams, Applie Pie Syrup und Rhabarbernektar jedoch deutlich zu süß und ich beließ es beim Anstandsglas. Das anschließende Essen fand dann wieder in ausgesprochen gelöster Atmosphäre statt und es wurden fröhlich Meinungen und Gerüchte ausgetauscht, wobei die wirklichen Spieler unter den anwesenden Pressevertretern deutlich in der Unterzahl waren. Die Tipps für den weiteren Messebesuch konnte ich mir dagegen sparen, da ich mich am gleichen Abend wieder auf den Heimweg machen musste. Diesmal hatte ich einen früheren Zug gebucht, daher verließ ich das Restaurant recht zeitig und bahnte mir meinen Rückweg durch die nahezu ausgestorbenen Messehallen. Nur gelegentlich kam mir ein Besucher entgegen, der entweder auf der Suche nach einem Ausgang vom Weg abgekommen war oder eine der zahlreichen After-Show-Partys besuchen wollte.
Die Heimreise verlief dann, ebenso wie schon die Hinfahrt, angenehm ereignislos und ich hatte sogar die Gelegenheit immer wieder ein bisschen zu dösen. So kam ich nicht ganz so zerstört wie in den Vorjahren gegen Mitternacht in Ingelheim an und machte mich, nun im Auto, auf die letzte Etappe meines Weges um dann am nächsten Morgen mit der Sichtung des Materials zu beginnen.


Neben schmerzenden Füßen, einer leichten Erkältung und einer gewaltigen Menge an Katalogen konnte ich von der diesjährigen Spielwarenmesse noch einige wichtige Erkenntnisse mitnehmen: Der Zombie-Hype hat offensichtlich seinen Zenit überschritten und nur noch ganz vereinzelt müssen die Untoten für mehr oder minder gelungene Spielkonzepte und andere Produkte herhalten. Auch von den augenfeindlichen quietschgelben Minions war im Vergleich zum letzten Jahr kaum noch etwas zu sehen. Dafür gab es praktisch kein Produkt, vom Kugelschreiber über Luftballons, Kindersessel und Plüschfiguren bis hin zur ausgewachsenen Hüpfburg, das nicht mit jeglicher Art von Star Wars-Motiven zugepflastert wäre. Während man durch die Hallen schlenderte war förmlich zu hören, wie sich die Geldströme auf die Konten des Disney-Konzerns und George Lucas ergossen. Auch sonst war die Lizenzabteilung des Filmstudios nicht faul gewesen und hatte praktisch alle Charaktere die im Laufe der Jahre auf der Leinwand zu sehen waren in irgend einer Form auf Spielzeug, Taschen oder anderem Merchandise verewigt.
Von diesen Exzessen einmal abgesehen gab es auf der Messe einige recht interessante und originelle Spiele und Spielzeuge zu sehen; grade die Zusammenführung analoger und digitaler Spielwelten schreitet langsam aber stetig voran. Kosmos haben dafür mit ihren Produkten ein sehr schönes Beispiel vorgelegt, aber auch andere Verlage arbeiten erfolgreich in diese Richtung und langsam entstehen funktionierende Konzepte, die wohl in den kommenden Jahren in einer völligen Verschmelzung münden könnten. Aber auch in den Kinderzimmern hält die Elektronik immer mehr Einzug, von Puppenhäusern, die sich über das Smartphone steuern lassen bis hin zu Plüschtieren, die mit diversen Sensoren ausgestattet sind. Und schließlich gibt es immer noch tolle, überraschende Ideen für traditionelle Brett-, Karten- oder Würfelspiele, so dass auch für die Messen der nächsten Jahre genug Stoff vorhanden sein dürfte.