Posts mit dem Label Nürnberg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Nürnberg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 11. Februar 2018

Spielwarenmesse Nürnberg 2018

[Messe] Spielwarenmesse 2018
Donnerstag, 1. Februar 2018
Nürnberg


Da die SPIEL im letzten Jahr für mich leider krankheitsbedingt SEHR kurz ausgefallen war, hatte ich mir vorgenommen, in Nürnberg möglichst viel mitzunehmen. Gesundheitlich zwar immer noch nicht ganz auf der Höhe, aber hochmotiviert, organisierte ich Ende letzten Jahres bereits reibungslos Urlaub, Eintrittskarte und die Bahnfahrt. Dann stellte mich jedoch die Terminabsprache bei verschiedenen Verlagen vor unerwartete Probleme. Obwohl ich (für meine Verhältnisse) relativ früh anfragte, waren die meisten Slots am Donnerstag leider schon vergeben. So blieben mir drei wirklich feste Termine und die Hoffnung auf lockere Gespräche zwischendurch. Theoretisch würde mir das umso mehr Zeit lassen, um mich auf eigene Faust den Neuheiten zu widmen...
In den letzten Jahren habe ich mir den Weg ins Pressezentrum immer direkt durch die Hallen gebahnt. In diesem Jahr versuche ich die Wegstrecke abzukürzen und umrunde die Messehallen von außen. Aber schon nach wenigen Metern bereue ich diese Entscheidung, treibt mir doch der eisige Wind, der um die Gebäude pfeift, die Tränen in die Augen. Völlig durchgefroren erreiche ich den Eingang Ost und beeile mich ins angenehm beheizte Pressezentrum zu kommen. Nachdem die Formalitäten wie Messekatalog abholen und Schließfach anmieten erledigt sind, gönne ich mir noch schnell ein koffeinhaltiges Heißgetränk, bevor ich mich ins Getümmel stürze.

Nachdem ich in den letzten Jahren relativ planlos kreuz und quer über die Messe gelaufen bin, versuche ich es in diesem Jahr mit einer anderen Taktik. Diesmal will ich mich von hinten nach vorne durcharbeiten und beginne am anderen Ende der Messe, in Halle 12, meinen Streifzug.
 
Trotz der frühen Stunde sind die Warteschlangen bei LEGO, Playmobil oder Mattel lang und verstopfen praktisch komplett die Durchgänge. Und wie in jedem Jahr nehme ich mir vor, das nächste Mal zumindest beim dänischen Klötzchenhersteller einen Termin zu machen um mir die kommenden Veröffentlichungen anzuschauen. Das traditionelle Diorama am Halleneingang widmet sich in diesem Jahr wieder der (erstaunlich langlebigen) Serie Ninjago und kann mit Ninjas, Monstern und Gebäuden in beinahe Lebensgröße aufwarten. Nachdem ich einige Minuten ehrfürchtig davor gestanden habe, geht es zum Modellbauer Revell – dem eigentlichen Grund warum ich in der Halle bin. Quasi als Einstiegsdroge oder für den eiligen Modellbauer präsentiert der Hersteller das Easy-Click System. Dabei handelt es sich um neue, teils vereinfachte Bausätze, die zusammengesteckt werden und bei denen die Verwendung von Kleber optional ist. Die ausgestellten Modelle sind erstaunlich detailliert und lassen sich, einmal gebaut, von ihren regulären Gegenstücken praktisch nicht unterscheiden. Ebenfalls ein Thema ist natürlich der kommende Star Wars-Film Solo. Doch bis auf einige nichtssagende Verpackungen und alte Modelle des Millenium Falcon gibt es leider noch nichts aussagekräftiges zu sehen. Daneben steht die übliche Mischung aus anspruchsvollen Bausätzen, fernsteuerbaren Modellen und verschiedenen Merchandise-Modellen, beispielsweise für das Computerspiel Halo oder das Star Trek-Universum, in den Regalen.
Im Erdgeschoss der Halle tummeln sich vor allem zahlreiche kleine ausländische Aussteller, die ihre Produkte hier einem größeren Publikum präsentieren wollen. Die beiden eindrucksvollen Ausnahmen davon sind Hasbro und Ravensburger, die zusammen gefühlt die Hälfte der Ausstellungsfläche einnehmen. Da meine Zeit, eigentlich wie immer, viel zu knapp bemessen ist, muss ich mich für einen der beiden entscheiden. Schließlich fällt die Wahl auf den Puzzlehersteller, der allerdings auch das eine oder andere Brettspiel in seinem Portfolio hat. Dabei fällt mir Kakerlacula auf, ein aufwändiges Schnippspiel um blutsaugende Insekten. Bei Break Free müssen sich die Spieler dagegen aus Handschellen befreien – wechselnde Schwierigkeitsgrade und Zeitdruck erschweren die Angelegenheit zusätzlich. Beide Spiele sehen durchaus nett und unterhaltsam aus, allerdings bin ich nicht wirklich die Zielgruppe.
Dafür bleibe ich dann ein paar Meter weiter bei GraviTrax hängen, einer Kugelbahn. Die Anordnungen, die auf der Messe aufgebaut sind, sehen recht spektakulär aus und es ist ziemlich faszinierend, dem Weg der Kugel über Bahnen, Trampoline, Weichen, Wippen und andere Spielereien zu folgen. Schließlich werfe ich noch einen kurzen Blick in den Bereich mit den Puzzlen. Die Auswahl ist hier beeindruckend, vom klassischen Puzzle mit Landschaftsmotiv, über optische Effekte bis hin zu richtigen dreidimensionalen Puzzles.

Die Halle 11 durchquere ich relativ zügig und blicke mich nur flüchtig um. Hier haben sich fast ausschließlich die asiatische Spielehersteller nieder gelassen und preisen ihre Produkte an. Für mich gibt es hier nicht viel Interessantes zu sehen, und so lasse ich die Halle bereits nach wenigen Minuten hinter mir und schlage im Spiele-Café auf. Wie schon in den letzten Jahren haben sich Pegasus Spiele hier ziemlich breit gemacht und präsentieren einen eindrucksvollen Stand. Das Ganze ist entsprechend der letztjährigen Veröffentlichung Mein Traumhaus gestaltet. In jedem Raum werden einige Spiele präsentiert, teilweise gibt es Sitzmöglichkeiten, es werden Häppchen und Nachos gereicht - sehr eindrucksvoll und leider auch sehr voll. Daher begnüge ich mich mit einigen kurzen Gesprächen am Stand und schnappe einige Informationen zu den Neuheiten auf. Recht prominent wird Film ab! vorgestellt, ein Familienspiel über einen Kinobesuch. Optisch macht das Spiel schon einen sehr guten Eindruck und das Thema hat ebenfalls Potential - leider reicht meine Zeit nicht, für eine Testrunde. Ebenfalls in den Fokus der Besucher drängt sich das Pummeleinhorn. Hier zeigen die Friedberger eine ganze Reihe schon bekannter Spielideen, beispielsweise Mau Mau, Werwölfe oder Love Letter, die nun einhorngerecht neu aufgelegt werden. Cat Lady richtet sich dagegen, wie der Titel schon vermuten lässt, eher an die Katzenliebhaber unter den Spielern. Bei diesem Kartenspiel wetteifern die Beteiligten, wer seine Fellnasen am luxuriösesten verwöhnt – also ganz wie im richtigen Leben. Schließlich werfe ich noch einen Blick auf Dragon Master, in dem es darum geht, Drachen in möglichst gewinnbringenden Kombination auszulegen. Die restlichen Neuheiten und Prototypen kann ich leider nur flüchtig überfliegen, da mich eine Verabredung in Halle 10 erwartet.


Zu meinem Termin bei Iello schaffe ich es grade noch so - werde aber von meinem Gesprächspartner gerügt, weil ich zwei Minuten zu früh bin. Nach einer kleinen, sehr unterhaltsamen Diskussion über typisch deutsche und französische Charaktereigenschaften geht es schließlich an die Spiele. Sehr angetan, und sei es auch nur wegen des Retro-Feelings, bin ich von 8BitBox. Das Grundspiel lässt sich als eine Art Betriebssystem beschreiben, mit dem mehrere klassische Konsolenspiele umgesetzt werden. Eine sehr charmante Idee und eine kurze Runde Nicht-PacMan macht Lust auf mehr. Optisch deutlich hübscher ist dagegen Fairy Tile ausgefallen, bei dem Spieler aus unterschiedlichen Plättchen Landschaften aufbauen und mit Ritter, Prinzessin oder Drache darüber ziehen. Dabei müssen sie unterschiedliche Aufgaben erledigen, aus denen sich eine fortlaufende Geschichte ergibt. Beim Spielprinzip bin ich mir noch nicht ganz sicher – werde es wohl aber bei Gelegenheit sicherlich ausprobieren. Rennspiele sind eigentlich so gar nicht meine Sache, dennoch finde ich Downforce nicht uninteressant.

Das Spiel kombiniert das eigentliche Formel 1-Rennen, mit Management-, Versteigerungs- und Wett-Elementen. Das Ganze wird über einen einfachen Kartenmechanismus geregelt und dürfte sicherlich den einen oder anderen Anhänger finden. Der eigentlich Blickfang auf dem Stand ist jedoch Raids. Spiele mit Wikingerthematik gibt es zwar eigentlich genug, aber dieses folgt einem, zumindest für mich, neuen Ansatz. Die Spieler ziehen ihre Schiffe von Hafen zu Hafen, sammeln dort Waren, Männer oder Trophäen ein und erhalten dafür Punkte. Auf den ersten Blick liegen die Stärken des Spiel dabei im originellen Zugmechanismus und der flexiblen Verteilung der Aufgaben – auch die Grafik kann überzeugen. Ganz neu ist ebenfalls ein eigenes Spielelabel, das sich ausschließlich an Kinder richtet. Loki startet mit Farmini, einem Legespiel, bei dem die Spieler Tiere sammeln und hinter Zäunen vor dem Wolf in Sicherheit bringen müssen, sowie Troll & Dragon, einem Risiko-Würfelspiel um die Erkundung eines Verlieses. Etwas opulenter und (ein klein wenig) komplexer präsentiert sich SOS Dino – hier geht es darum, kooperativ die letzten Dinosaurier vor Lavaströmen und Meteoriteneinschlägen zu retten.
 
Natürlich habe ich wieder mehr Zeit vertrödelt, als ursprünglich eingeplant. Dennoch bleibt mir – hoffe ich zumindest – noch genug Luft bis zu meinem nächsten Treffen. So kann ich in Ruhe die anderen Stände auf dieser Ebene abklappern. Auf meiner Runde komme ich zuerst am Stand von Ankama Products vorbei – hierzulande wahrscheinlich durch Krosmaster Arena bekannt. Mit Monster Slaughter wird ein Spiel vorgestellt, bei dem jeder Spieler eine Monsterfamilie anführt und Teenager meucheln muss. Eine mir sehr sympathische Thematik, mit hübschen Figuren und einem netten Spielprinzip. Daneben stehen das Rennspiel Kingdom Run, das etwas abstrakte Stellium und Dino Party, bei dem es darum geht, die Dinosaurier vor dem Aussterben zu bewahren – kommt mir jetzt bekannt vor... Allerdings fehlt mir die Zeit, mich intensiver mit den Spielen zu beschäftigen, zudem ist der kleine Stand grade ziemlich überlaufen. So folge ich weiter dem Gang zu Abacusspiele, die an gewohnter Stelle ihre Neuheiten aufgebaut haben. Mit Armed & Dangerous gibt es einen neuen Ableger für das Wild-West-Partyspiel BANG!. Die Deckscape-Reihe bekommt gleich zwei Fortsetzungen: Das Schicksal von London und Raub in Venedig greifen das Grundprinzip der derzeit beliebten Escape-Spiele auf und setzen es als Kartenspiel um. Die Spiele sehen zumindest recht hübsch aus und bieten hoffentlich den gleichen Spielspaß wie der erste Teil der Serie. Mit Pizza Monsters und Alles an Bord?! Gibt es dann auch noch Futter für den Spielernachwuchs – allerdings kann ich diese nicht richtig in Augenschein zu nehmen.
Wenn ich schon in der Gegend bin, kann ich auch gleich noch bei Queen Games vorbei schauen.
Den Charme der 1960er Jahre versprüht Franchise, in dem die Spieler versuchen, ihre Unternehmskette über die ganzen USA auszudehnen. Mal ein anderes, originelles Thema und relativ weit oben auf meiner Liste der zu spielenden Neuheiten. Etwas überfordert hat mich auf den ersten Blick Luxor. Die Suche nach der Grabkammer des Pharaos gestaltet sich recht bunt und mit vielen Komponenten. Hier muss ich irgendwann mit mehr Ruhe einen Blick darauf werfen. Mit Kobold darf auch ein nettes, kleines Kinderspiel nicht fehlen. Als namensgebende Wichte versuchen die Spieler allerlei Dinge aus dem Kinderzimmer zu stehlen, ohne dabei vom Schein der Taschenlampe ertappt zu werden. Auch dieses Spiel ist mir ein klein wenig zu bunt und zu voll, aber ich gehöre ja auch nicht zur Zielgruppe. Interessiert hätte mich auch noch Merlin, aber leider konnte mir niemand ein paar Sätze zum Spiel zu sagen.
Die Neuheiten bei Amigo Spiele kenne ich größtenteils bereits – einige Rezensionen finden sich bereits auf www.roterdorn.de. Eine liebgewonnene Institution ist die jährliche Erweiterung des Bohnanza-Universums; in diesem Jahr durch Marco Bohno. Mit diesen Karten wird das Grundspiel um bestimmte Aufgaben erweitert, die die Spieler neben der Bohnenernte erledigen müssen. Eine schöne Idee, die mich tatsächlich dazu bringt, mein altes Grundspiel wieder aus der Schublade hervor zu kramen. Auch das Kartenspiel All You Can Eat finde ich, jetzt wo ich es in natura sehe und kurz angespiele recht reizvoll. Eine Beschreibung fällt mir dagegen schwer, verbindet es doch Elemente aus Stich- und Bluffspielen zu einem funktionierenden Ganzen.

Langsam muss ich mir wieder Gedanken über meine Terminplanung machen und entschließe mich, dass Tempo ein wenig anzuziehen. Obwohl die Füße mittlerweile schmerzen geht es dann auch ohne Pause direkt weiter zu Schmidt Spiele (und natürlich deren Partnerverlagen). Hier fällt mir Race To The New Found Land ins Auge. Hinter dem etwas sperrigen Titel verbirgt sich eine gefällige Mischung aus Entdecker-, Handels- und Wirtschaftsspiel und ich lasse mir – entgegen meiner guten Vorsätze – das Spiel ausführlich erklären. Eher ein Spiel für den „ernsthaften“ Brettspieler und ein weiterer Kandidat für meine künftige Einkaufsliste. Am Tisch nebenan werfe ich einen Blick auf Agentenjagd, ein Deduktionsspiel, bei dem es gilt einen feindlichen Agenten aufzuspüren. Gesteuert wird das Ganze über eine App, die den Spielern Hinweise auf den Aufenthaltsort des Gesuchten gibt. Ohne mich jetzt näher damit auseinander zu setzen würde ich es als eine Mischung aus Scotland Yard und Where In The World Is Carmen Sandiego? einordnen. Schließlich passt Die Quacksalber von Quedlinburg dann auch sehr gut in die Serie der Spiele mit etwas umständlichen Titeln. Aus zufällig gezogenen Zutaten brauen die Spieler Tränke, ohne dass diese ihnen um die Ohren fliegen. Die Mischung aus Risikobereitschaft, Improvisationstalent und Taktik, zusammen mit den hübschen Illustrationen sprechen mich durchaus an. Den Rest des Standes muss ich mir leider sparen – es liegen immer noch einige große Brocken vor mir.
Einige Dinge, die bei HUCH & Friends in der Auslage liegen, hatte ich schon bei Iello gesehen.Doch es gibt noch eine oder zwei Sachen, die ich mir näher anschauen will. Dam It! sieht nach einem netten kleinen Legespiel aus, bei dem Biber darum wetteifern den höchsten Damm zu errichten. Nicht wirklich außergewöhnlich, macht aber einen ansprechenden, durchdachten Eindruck. Obwohl ich eigentlich ein großer Freund von Deduktionsspielen bin, kann ich dagegen mit Gangster City nicht übermäßig viel anfangen. Der Ermittlungsmechanismus kommt mir in diesem Falle doch sehr zufällig vor und auch die Wahlmöglichkeiten sind nicht soooo spannend – zumindest auf den ersten Blick. Viel besser gefällt mir dagegen Seikatsu, ein Spiel, bei dem ein Garten vor einer Pagode angelegt werden muss. Strategisch, ein wenig abstrakt und mit recht dezenten, asiatisch angehauchten Illustrationen gefällt mir das Spiel sehr gut; nicht nur wegen der Koi-Teiche. Von Spielidee und Aufmachung springt mir schließlich noch Greif zu! ins Auge. Hier geht es darum, einer Polizeirazzia zu entgehen und möglichst viel Beute zusammen zu raffen, die aus der Brieftasche des Paten gezogen wird. Ich denke, das dürfte ein recht spaßiges Spiel für eine größere Runde sein.
Schließlich liegt noch der Stand von Asmodee vor mir. Die Gänge sind verstopft, die eigentlichen Informationen bekommt man nur mit Termin (den ich natürlich, wieder einmal, nicht ausgemacht habe) und so begnüge ich mich, die wirklich zahllosen Neuerscheinungen zu überfliegen. Mehrere Spiele zu Star Wars sind dort ebenso vertreten wie das Brettspiel zu Fallout; die Arkham Horror-Serie wächst ebenfalls beständig. Hier am Stand fühle ich mich tatsächlich von der Masse der Veröffentlichungen komplett überfordert. Allerdings treffe ich hier im Gedränge einen Bekannten, der mir rät, es im Erdgeschoss der Halle am zweiten Stand zu versuchen – dort ist deutlich weniger los.

So drücke ich mich aus dem Gewühl heraus und schaue noch kurz bei Cool Mini Or Not vorbei, die gegenüber liegen. An dem kleinen Stand ist dagegen so gar nichts los und ein gelangweilter Eric M. Lang sitzt hinter dem Tresen. Ich nutze die Gelegenheit und lasse mir ein paar Details zu seinem A Song Of Ice & Fire geben, einem Tabletop-Spiel, dass in der Welt von Game of Thrones angesiedelt ist. Die Figuren sehen recht nett aus, und auch das Spielkonzept scheint durchdacht zu sein. Auch Council of 4 interessiert mich – ich habe eine Schwäche für Spiele mit höfischen Intrigen. Im Prinzip dreht sich alles um Lobbyarbeit, Korruption und lukrative Auftragsvergabe; allerdings in einem mittelalterlichen Königreich. Ich könnte mir vorstellen, dass sich das Spiel problemlos auch auf die eine oder andere aktuelle Regierung umsetzen lässt.
Den anderen Ständen kann ich leider nicht ganz so viel Aufmerksamkeit widmen, doch für einen kurzen Rundgang und ein paar Blicke in die Auslagen reicht meine Zeit dann doch noch. Schließlich kapituliere ich und gönne mir eine kurze, dringend notwendige Pause, bevor es ins Erdgeschoss geht.

Hier wartet eine wilde Mischung aus traditionellen (Holz-)Brettspielen, Buch- und Comicverlagen und auch kleinere Spielhersteller auf mich. Beim Moses Verlag gibt es nicht wirklich viel Neues zu sehen. Die black stories-Reihe werden nun um red stories erweitert, bei Yu-Ca-Tan müssen bestimmte Aufgaben erwürfelt werden und Schicht im Schacht lässt die Spieler Tunnel buddeln (Karten ablegen) um Punkte zu sammeln. Daneben gibt es wieder Mal- und Kinderbücher und viele hübsche Kleinigkeiten, die allerdings für mich weitgehend uninteressant sind. Bei Q-workshop stehe ich, wie eigentlich jedes Jahr, sabbernd vor der Auslage. Der polnische Hersteller bietet mittlerweile eine dermaßen breit gefächerte Auswahl an Würfel, dass es einem Angst und Bange wird. Es gibt Würfel für einzelne Pathfinder-Kampagnen, für obskure Brettspiele und Tabletops, exklusive Metall-Würfel und individuelle Sonderanfertigungen. Dazu kommen wirklich schicke Würfelbecher und -beutel, Unterlagen und Würfeltürme. Nicht, dass ich nicht schon Schränke voller Würfel zu Hause hätte, aber immer, wenn ich den Stand besuche, habe ich das dringende Bedürfnis neue Polyeder zu kaufen.

Wie vorausgesagt ist am zweiten Stand von Asmodee praktisch gar nichts los. Drei Mitarbeiter stehen bereit, um Auskunft über die Neuheiten zu geben; allerdings ist die Auswahl an präsentierten Spielen etwas eingeschränkt. Hier steuere ich zielstrebig auf Watson & Holmes zu, ein – wer hätte es gedacht – Deduktionsspiel im viktorianischen London. Die Aufmachung mit Schuber und Buch ist fantastisch, das (nicht kooperative) Spielprinzip überzeugt nach einem kurzen Blick in die Regeln. Jetzt muss ich nur noch auf die Veröffentlichung im Sommer warten. Die charmante Dame am Stand nötigt mich anschließend auch einen Blick auf Photosynthese zu werfen. Bäumen beim Wachsen zuzusehen hört sich jetzt nicht wirklich nach einem spannenden Spielprinzip an, aber das Spiel hat durchaus Anspruch und hat mich, auch Dank der sehr engagierten Überzeugungsarbeit, nun doch neugierig gemacht. Bei Gelegenheit werde ich sicherlich eine Testrunde wagen. Mein liebstes Zombiespiel Winter der Toten bekommt mit Kampf der Kolonien eine zusätzliche Erweiterung. Endlich ist Schluss mit diesem lästigen kooperativen Spiel und ganze elf Spieler können sich nun den Zombies und natürlich ihren Mitspielern widmen. Auch auf diese Veröffentlichung freue ich mich. Bevor ich den Stand verlasse, bleibe ich an Stuffed Fables hängen - der heroischen Queste einiger Stofftiere, ihren Besitzer zu retten. Ein Buch dient dabei gleichzeitig als Regelwerk, Szenarienheft, Hintergrundgeschichte und Spielbrett. Ressourcenmanagement in Form von Würfel, die Zusammenarbeit der Spieler und die wirklich putzigen Figuren runden meinen ersten, sehr guten, Gesamteindruck ab.

Nachdem ich nun auf dem neuesten Stand, was Asmodee angeht, bin, klappere ich noch die anderen Gänge der Halle ab und schaue, ob irgend etwas meine Aufmerksamkeit erregt. Ich bin nicht wirklich weit gekommen, als ich auf den kleinen Stand von Dragon Dawn Productions aus dem fernen Lappland stoße. Hier ist es Perdition's Mouth, ein Fantasy-Dungeon-Crawler, der mich vom Weg abbringt. Es ist nicht so, dass ich nicht genug Spiele dieses Genres hätte, aber mein Jagd- und Sammelinstinkt wird direkt angesprochen. Die Grafik ist angenehm finster, die Figuren sind recht ansehnlich, wenn auch nicht herausragend, allerdings finde ich die Spielmechanik ein wenig umständlich, woran auch eine kurze Erklärung nichts ändert. Das zweite Spiel des Verlages, dass aktuell über eine Crowdfunding-Plattform finanziert wird, geht in eine völlig andere Richtung. In Darwinning! übernimmt jeder Spieler eine andere Tiergattung und versucht sich zu vermehren, weiterzuentwickeln und schließlich zur dominanten Rasse auf dem Planeten zu werden. Hier dreht sich vieles um Ressourcenmanagement und die Möglichkeit, den Mitspielern gehörig eins auszuwischen. Die Thematik spricht mich nicht wirklich an, aber mutierte fliegende Fische mit Schildkrötenpanzer haben einen gewissen Reiz. Zudem macht das Spielprinzip einen soliden, unterhaltsamen Eindruck.
Mittlerweile bin ich nicht mehr so ganz aufnahmefähig – zu viele Spiele, zu wenig Schlaf und nicht genug Koffein sind eine unschöne Mischung. Aber es hilft ja alles nichts, ich muss weiter. Am Hallenausgang wartet schließlich noch der Stand von Kosmos auf mich, an dem ich nicht vorbei komme. Die Catan-Serie bekommt, wie eigentlich jedes Jahr, einen neuen Ableger. Diesmal geht es mit Der Aufstieg der Inka nach Mittel-/Südamerika; neben dem neuen Setting gibt es aber auch tatsächlich im Spielverlauf Neuerungen, die frischen Wind auf den Spieltisch bringen. Neben neuen Waren ist es auch die Möglichkeit Städte wieder zu verlieren, die bei den Spielern zu einem Umdenken führen dürfte. Vielleicht bringt mich das Spiel ja dazu, nach langen Jahre der Abstinenz wieder ein bisschen zu siedeln. Hemmungslos shoppen können die Spieler dagegen bei Mercado – das nötige Kleingeld vorausgesetzt. Zumindest die Erklärung zum Spiel ist angenehm unaufgeregt und verspricht ein kurzweiliges und nicht übermäßig komplexes Spielvergnügen.

Die Exit-Serie wird um zwei Abenteuer erweitert, die das erfolgreiche Spielprinzip fortsetzen. Die Spieler müssen bei Die unheimliche Villa und Das mysteriöse Museum unter Zeitdruck ihren Weg aus dem jeweiligen Gemäuer finden und dürfen dabei auch gerne das Spielmaterial zerlegen. Leider habe ich es bisher noch nicht geschafft, auch nur einen Teil der Serie in Angriff zu nehmen – werde ich aber bei Gelegenheit ändern. Daneben veröffentlichen Kosmos wieder eine breit gestreute Auswahl an Experimentier- und Magiekästen, neues Zubehör für Die drei ??? und viele, viele kleine Spiele.

Mir bleiben nur noch knapp zwei Stunden um die Punkte auf meiner Liste abzuarbeiten. Natürlich begegnet mir auf meinem Weg nach Halle 7 noch ein Bekannter, den ich schon länger nicht mehr gesehen habe. Nach einem extrem kurzen Plausch verabreden wir uns später zum Essen – mich zieht es weiter. Die Hallen 9 und 8 durchquere ich zügig und versuche nicht vom Weg abzukommen. Dies gelingt mir leider nur so mittelgut und ich vertrödele ein paar Minuten damit, mir bei Mask World und anderen Kostümherstellern die Auslagen anzuschauen. Doch schließlich bin ich am Ziel angelangt und kann die letzten Punkte auf meiner To-Do-Liste abhaken.

In diesem Jahr haben sich erstaunlich viele (also insgesamt fünf) Hersteller hier niedergelassen, die für mich als Tabletop-Spieler und Miniaturenbemaler interessant sind. Den Anfang macht, wie gewohnt, der spanische Farbenhersteller Acrylicos Vallejo. Doch viel Neues bekomme ich hier nicht geboten – die Farbreihen werden punktuell um einzelne Töne ergänzt und das eine oder andere Hilfsmittel erweitert die Produktpalette. Komplett neue Farbreihen oder gar Bücher mit Anleitungen wie im letzten Jahr suche ich leider vergeblich. Dafür kann der Mitbewerber Mig Jimenez zwei Stände weiter mit einem recht innovativen Produkt aufwarten. Auch hier werden die Farbpaletten und Hilfsmittel sukzessive erweitert – aber wirklich fasziniert bin ich vom Oilbrusher. Dabei handelt es sich um eine kleine Kartusche mit Ölfarbe und integriertem Pinsel. Für Modellbauer und Miniaturenmaler eine enorme Erleichterung und ganz oben auf meiner Wunschliste. Wenn ich schon bei Farben bin, kann ich auch gleich weiter zu Green Stuff World. Die Spanier haben ihr komplettes Sortiment an Modelliermasse dabei, ebenso wie die "Teigrollen", mit denen sich die unterschiedlichsten Muster prägen lassen. Die wirkliche Messeneuheit ist allerdings die neue Farbreihe Chameleon, die aus irisierenden Acrylfarben für Pinsel und Airbrush besteht. Da ansonsten am Stand nicht viel los ist, nutze ich die Gelegenheit und lasse mir den Einsatz von Teigrollen und Farbe ausführlich erklären und an einigen Mustern zeigen. Auch ein Abstecher zum Tabletop-Produzenten Games Wokshop ist eingeplant – der Fokus des Standpersonals liegt jedoch eindeutig im Gewinnen von Händlern. Glücklicherweise ist auch ein Mitarbeiter vor Ort der froh ist, zumindest habe ich den Eindruck, auch über die Spiele und Figuren und nicht nur über Gewinnmargen und Absatzmöglichkeiten zu reden. Die Auswahl an Modellen in den Vitrinen ist leider eingeschränkt, aber immerhin kann ich mir in Ruhe die Figuren zu Necromunda: Underhive und Warhammer Underworlds: Shadespire. Fast bin ich wieder versucht, in beide Systeme einzusteigen – aber eben nur fast. Auch bei Para Bellum Wargames schaue ich kurz vorbei. Ich hatte die zypriotische Firma bereits auf der SPIEL gesehen und war angenehm überrascht von der Qualität der Figuren und der Artworks zu ihrem Tabletop Conquest. Auch an diesem Stand herrschte weitgehend Leere, so dass ich Zeit für ein kurzes Gespräch mit den Machern hinter dem Spiel habe. Obwohl Massenkampfsysteme mittlerweile vom Aussterben bedroht sind, wird hier versucht mit einem schlüssigen Konzept, einem recht eleganten Regelwerk und einem (so die Zahlen stimmen) absolut fantastischen Preis in einen eigentlich gesättigten Markt zu kommen. Ich bin auf den Erscheinungstermin im Sommer gespannt und werde das Spiel auf jeden Fall im Auge behalten. Mein restlicher Aufenthalt in der Halle muss sich leider auf einen Schnelldurchlauf verschiedener Stände beschränken: Pinsel von Leonhardy und Springer, Airbrush von Badger, Modellbau von Italeri, Heller und Zvezda.

Ein Blick auf die Uhr verrät, dass mir noch eine gute dreiviertel Stunde für sechs Hallen bleibt – eine durchaus sportliche Herausforderung. Letzten Endes beschränke ich mich auf die Halle 4 mit Modelleisenbahnen und dem passenden Zubehör. Die Bahnen sind zwar so gar nicht mein Bereich, dennoch schaue ich mir gerne die ausgestellten Anlagen an um daraus Inspirationen für eigene Projekte im Miniaturbereich zu ziehen. Auch in diesem Jahr werde ich fündig, sowohl bei den großen Herstellern wie Faller, aber auch bei den kleineren wie Woodland Scenics. Vor allem Noch hat dieses Jahr eine interessante Neuerung im Angebot: komplette Modelleisenbahnanlagen im handlichen Koffer. Außerdem sind bei dem Zubehörhersteller mittlerweile auch die Zombies (und Vampire) angekommen. Dazu passend gibt es ein Geisterhaus mit Friedhof, dazugehörige Licht- und Soundeffekte und einen ganzen Satz stimmiger Figuren. Wenn der recht stattliche Preis nicht wäre, hätte ich das Gelände wahrscheinlich sofort eingepackt. Das Merchandise-Geschäft macht auch vor dem Traditionshersteller Märklin nicht halt. So präsentiert dieser, recht aufwändig und eindrucksvoll mit der (lebensgroßen) Lok Emma eine Insel mit zwei Bergen, passend zum kommenden Film Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer. Die Anlage sieht richtig gut aus und kommt dem Original ziemlich nahe – ob sich damit aber Modelleisenbahnen neue Käuferschichten erschließen wage ich allerdings zu bezweifeln.

Mittlerweile bin ich komplett durch – der Kopf schmerzt ebenso wie die Füße. Der Rucksack mit Prospekten zieht mich immer weiter nach hinten, die Zunge klebt am Gaumen und zur Toilette müsste ich eigentlich auch schon seit Stunden. Mit buchstäblich letzter Kraft schleppe ich mich zurück ins Pressezentrum und führe mir gesundheitsgefährdende Mengen Koffein zu. Zum Abschluss des langen Messetages fehlt noch das traditionelle Essen, für das ich mich mit meinem Bekannten verabredet habe. Allerdings haben die Veranstalter vor das Essen den Cocktail gesetzt. Dieser ist sehr fruchtig, sehr lecker und schmeckt ein wenig wie ein bekanntes Fruchtbonbon mit flüssiger Füllung. Nachdem ich die Wirkung des zweiten Glases bereits deutlich spüre, beeile ich mich, ans Buffet zu kommen.
Offensichtlich habe ich beim Essen (und der sich daran anschließenden Unterhaltung) doch mehr Zeit vertrödelt, als ich erwartet habe. Und so muss ich etwas überhastet meine Habseligkeiten zusammen suchen und mich verabschieden. Der Weg durch die Hallen in Richtung Bahnhof zieht sich, mit vollem Magen und schweren Beinen, endlos hin. Die Stände sind mittlerweile zum größten Teil mit Planen abgehangen und die Beleuchtung ist weit herunter gedimmt. In den Gängen kommen mir nur noch wenige Menschen entgegen und die Stimmung in den, vor kurzem noch vollen, Hallen hat etwas gespenstisches. Draußen vor den Toren der Messe ist dann doch deutlich mehr los und ich quetsche mich in die völlig überfüllte Straßenbahn. Am Bahnhof angekommen wird es etwas hektisch und mir bleibt grade noch genug Zeit, dass richtige Gleis zu erreichen – mein Zug ist wider Erwarten pünktlich.
Die Abteile sind fast komplett gefüllt; leider hatte ich, optimistisch wie ich bin, auf eine Sitzplatzreservierung verzichtet. Ich lasse mich gegenüber zweier Damen nieder, die offensichtlich auch zu den Messebesuchern zählen. Die beiden sind alle fünf Tage auf der Messe - fahren abends allerdings wieder zurück nach Aschaffenburg und morgens nach Nürnberg. Eine sportliche Leistung, wie ich finde, allerdings ziehen die Nürnberger Hoteliers zu Messezeiten die Preise auch weit über die Schmerzgrenze hinaus an. Die restliche Fahrt verbringe ich damit, ein wenig zu dösen und die Eindrücke zu verarbeiten, die den ganze Tag auf mich eingeprasselt sind. Letzten Endes war es wieder eine sehr schön, interessante Veranstaltung, bei der ich leider nicht halb so viel gesehen habe, wie ich wollte.


In den letzten Jahren waren es immer alles überragende Themen wie Zombies, Einhörner, Comichelden oder der neueste Star Wars-Film, die sich dem Besucher geradezu aufdrängten. Doch in diesem Jahr hatte ich den Eindruck, dass diese einseitige Dominanz fehlte. Natürlich gab es noch genug Merchandise und Lizenzprodukte, aber es war deutlich dezenter als in den vorangegangenen Jahren. Woran das liegt kann ich nicht sagen, auf jeden Fall fand ich es sehr angenehm nicht überall das Gleiche in unterschiedlicher Verpackung zu sehen.
Der Brettspiel-Sektor ist sehr stark, wächst weiter und bringt die Menschen dazu, sich zusammen an einen Tisch zu setzen, zu spielen und miteinander zu reden. Nach wie vor gibt es zaghafte Versuche traditionelle Brettspiele mit elektronischen Medien zu kombinieren, aber meist bleibt es bei Randerscheinungen und halbherzigen Konzepten. Dass dieses Vorgehen ein Spiel deutlich aufwerten kann, hatte der Heidelberger Spieleverlag seinerzeit mit Villen des Wahnsinns eindrucksvoll gezeigt. Allerdings ist mir seitdem nichts mehr begegnet, dass von dieser Verschmelzung ähnlich profitiert hätte. Auf jeden Fall gibt es auch in diesem Jahr wieder genug tolle, spannende, lustige und komplexe Spiele um die stetig wachsende Schar der Spieler zu beschäftigen.
Neben den eigentlichen Ausstellungsflächen haben es die Organisatoren wieder geschafft ein recht abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit vielen Vorträgen und Diskussionen auf die Beine zu stellen – irgendwann schaffe ich es auch bestimmt einmal dorthin.
Der eigentliche Ablauf der Messe war, zumindest für mich als Besucher, angenehm entspannt: kein Gedränge am Einlass, hilfsbereites Personal an jeder Ecke, eine professionelle Organisation und viele Freiräume um kurz zu entspannen.

Während die Anzahl der Aussteller in diesem Jahr leicht angestiegen ist, war die Besucherzahl ein klein wenig rückläufig; so zumindest die offiziellen Zahlen des Veranstalters. Allerdings sind gut 71.000 Fachbesucher immer noch eine ziemlich solide Hausnummer.

Samstag, 6. Februar 2016

Spielwarenmesse Nürnberg 2016

[Messe] Spielwarenmesse 2016
Donnerstag, 28. Januar 2016
Nürnberg


Ist die SPIEL in Essen das Mekka aller Spielbegeisterten und Konsumwütigen, so stellt die Spielwarenmesse in Nürnberg quasi den Gegenentwurf hierzu dar. In den Messehallen herrschen weitgehend Ruhe und Zurückhaltung, die meisten (Fach-)Besucher gehen zielstrebig und konzentriert ihren Geschäften nach und praktisch nie kommt es zu Drängeleien oder Geschubse. Zwar gibt es hier kaum Spielmöglichkeiten, dafür steht in der Regel jedoch qualifiziertes Fachpersonal bereit, das in der Lage ist, Fragen zu den meisten Spielen zu beantworten. In den letzten Jahren habe ich die entspannte Atmosphäre in den Nürnberger Messehallen doch sehr zu schätzen gelernt und freue mich jedes Jahr darauf, mir die Neuheiten der Aussteller ansehen zu können.
Ich hatte in diesem Jahr eine relativ genaue Vorstellung, was ich mir bei den verschiedenen Verlagen anschauen wollte, ließ mir aber auch ein ausreichend großes Zeitfenster, um einfach so ein wenig die Produkte der verschiedensten Hersteller zu betrachten.  Akkreditierung, Bahnfahrkarten und der notwendige Urlaub waren schnell organisiert, und so stand einem kleinen Ausflug zur Messe eigentlich nichts mehr im Weg.
Wie auch schon im letzten Jahr verlief die Anreise mit der Bahn, abgesehen von der obligatorischen Verspätung auf dem Weg zum Frankfurter Hauptbahnhof, schon ungewöhnlich problemlos. Ich hatte grade noch Zeit, mir ein wenig Reiseproviant zu besorgen, als mein Zug auch schon in den Bahnhof einfuhr und mir einen (vermeintlich) ruhigen Platz zu suchen. Eigentlich wollte ich nach einer sehr kurzen Nacht die drei Stunden Fahrt für ein kurzes Schläfchen nutzen, allerdings machte die wilde und lautstarke Knutscherei des Paares im Sitz vor mir jegliche Hoffnungen auf etwas Ruhe zunichte.


So kam ich dann etwas zerknittert, aber immerhin pünktlich, kurz nach 9 Uhr an der Messehalle an und ging fast auf dem direktem Weg zum Pressezentrum, um dort meine Jacke zu verstauen und mir den aktuellen Messekatalog zu holen. Dermaßen präpariert konnte ich mich nun daran machen, meine To-Do-Liste abzuarbeiten.


Auf dem Weg zu meinem ersten Ziel musste ich die Halle 7A passieren, in denen die Hersteller der verschiedensten fernsteuerbaren Fahrzeuge ihren Platz gefunden haben. Nachdem einer meiner Kollegen mich ein wenig mit seinen Quadkoptern angefixt hat, nutzte ich die Gelegenheit auf der Messe auch einen kurzen Blick auf die angebotenen Modelle zu werfen. Die schier unüberschaubare Auswahl überforderte mich jedoch komplett und daher packte ich lediglich einige Kataloge ein um diese zu einem späteren Zeitpunkt und vielleicht mit sachkundiger Hilfe durchzugehen.


Mein eigentliches Ziel lag jedoch bei den Modellbauern in Halle 7, hier war ich vor allem neugierig, was den britischen Tabletop-Marktführer Games Workshop nach Nürnberg verschlagen hatte. Normalerweise machen die Mannen aus Nottingham um solche Veranstaltungen einen weiten Bogen. Der überraschend kleine Stand lag ziemlich zentral in der Halle und außer einem großen Diorama mit Figuren des Fantasy-Systems Warhammer – Age of Sigmar und einer Vitrine mit einigen weiteren Figuren gab es eigentlich nichts wirklich Spannendes zu sehen. Wirklich interessante Neuigkeiten ergaben sich dann auch erst nach dem Gespräch mit dem Standpersonal. Vor allem die Rückkehr des großartigen Fantasy-Football-Spiels Blood Bowl mit neuen Figuren und überarbeiteten Regeln im nächsten Jahr sorgte bei mir für sichtbare Vorfreude, da dieses Spiel seit über 20 Jahren zu meinen Lieblingen zählt. Auch nicht unspannend war die Ankündigung, alte, relativ einfache Bausätze der Space Marine- und Ork-Fraktionen aus dem Warhammer 40.000-Universum neu zu verpacken und mit einigen Farben, Pinsel und Kleber als Einstiegsmodelle an eine jüngere Zielgruppe zu vermarkten. Angesichts der angekündigten Preise dürften die Modelle aber auch für altgediente Spieler interessant sein, die ihre Armeen aufstocken wollen. Im Vergleich zu den letzten Jahren tummelten sich in dieser Halle auch erstaunlich viele Hersteller von Lack- und Acrylfarben, von denen ich Acrylicos Vallejo auf jeden Fall einen Besuch abstatten wollte. Neben einigen neu zusammengestellten Farbsets und Airbrush-Farben mit neuer Rezeptur war es vor allem das Buch The Rise of Fantasy, das ich gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Autor Juan Barrena beschreibt hier dezidiert die Entstehung einiger großartiger Dioramen von den ersten Skizzen bis hin zum fertigen Werk. Nebenan bei MIG Productions konzentrierte man sich in erster Linie auf den Einsatz von Pigmenten um Modellen den letzten Schliff zu geben. Auch hier standen Produkte im Vordergrund, die dem Anwender die Erzielung spektakulärer Effekte erleichtern sollen. Während einer kurzen Vorführung hatte ich schließlich die Gelegenheit einige Erklärungen einzuholen, die mir hoffentlich bei künftigen Projekten helfen werden.
Ich konnte diesen Hallenbereich nicht verlassen ohne vorher noch einen Blick auf den Stand des Airbrush-Pistolen-Herstellers Badger zu werfen, wo ein Künstler den ganzen Tag damit beschäftigt war die Tankverkleidung eines Motorrads zu verschönern. Auch bei einigen anderen Modellbauherstellern wie beispielsweise Italeri, Heller oder Zvezda warf ich noch einen schnellen Blick auf die Neuheiten, fand aber nichts wirklich Spektakuläres, so dass ich mich schon bald weiter auf den Weg zu meinen eigentlichen Ziel, der Halle 10, machte.

Zwischendurch schaute ich noch kurz bei Folat vorbei, einer niederländischen Firma, die allerlei Partyzubehör im Angebot hat. Zwar gab es hier auch einige recht interessante Dinge zu sehen, Luftballons in allen Farben und Formen oder wirklich lustige Scherzartikel, doch ich interessierte mich eher für das großartige Give-Away, das am Messestand abgeholt werden konnte. Mit dem stabilen Trolley fiel das Gewicht der zahlreichen Prospekte, Kataloge und Flyer die sich schon nach kurzer Zeit in meiner Tasche angesammelten gar nicht mehr auf und ich konnte, spürbar erleichtert, meinen Weg zu meinen weiteren Zielen fortsetzten.

In Halle 10 war die erste Anlaufstelle natürlich der mächtige Stand von Kosmos, deren Experimentierkasten KosmoBits am Tag zuvor mit dem Toy Award 2016 ausgezeichnet worden war. Wie schon frühere Experimentierkästen, so ist auch hier das Ziel Kinder spielerisch an Themen mit technischem Hintergrund heranzuführen, in diesem Fall die Programmierung eines Bewegungssensors. Mit diesem lassen sich dann nicht nur kleine Spiele auf dem Pad steuern sondern auch praktische Anwendung entwickeln. Ein interessantes Konzept, ganz in der Tradition des Kästen, mit denen ich seinerzeit herumgewerkelt habe. Natürlich gab es daneben auch mit der Big Box die unvermeidliche Erweiterung für die Siedler von Catan und eine Neuauflage des dazugehörigen Kartenspiels. Leider macht der Star Wars-Hype auch bei diesem Hersteller keine Ausnahme und mir stellte sich die Frage, ob die Welt unbedingt ein Star Wars Ubongo gebraucht hätte. Glücklicherweise gab es aber auch noch einige originelle Konzepte zu sehen, so beispielsweise Schmuggler, bei dem die Spieler Gegenstände in Knete verstecken und diese durch die Kontrolle schmuggeln müssen, oder das Bauspiel Imhotep, das die Pyramidenkonstrukteure und Taktiker fordert. Natürlich bekommt das Detektivzubehör der Die drei ???-Reihe ebenfalls einigen Zuwachs und verschiedene kleinere Spiele erweitern das Portfolio des Verlags. Meine nächstes Ziel befand sich am entgegengesetzten Ende der Halle und ich unterbrach meinen Weg nur kurz, um die neuesten Würfel zu bestaunen, die Q-Workshop aus Polen mitgebracht hatten. Hier war man anscheinend der Meinung, das jede Kampagne des Pathfinder-Rollenspiels einen eigenen Würfelsatz braucht, ebenso wie verschiedene Cthulhu-Settings. Daneben gab es natürlich noch einige universelle Würfelsets, edel aufgemachte Würfelbecher und stylische, auf das jeweilige Spielsystem abgestimmte, Würfeltürme zu bestaunen. Nach diesem kurzen Intermezzo erreichte ich schließlich mein eigentliches Ziel, den Stand des Heidelberger Spieleverlag. Natürlich waren auch hier die Star Wars-Spiele prominent vertreten. Neben dem kleinen, schnellen Raumkampfspiel X Wing, dessen kommende Neuerscheinungen ich schon in der Vitrine betrachten konnte, die strategische Raumschlacht Armada und der Dungeon Crawler Imperial Assault. Um die Konflikte aus den Filmen schließlich auf ein galaktische Maß zu bringen wird in Kürze Rebellion erscheinen, bei dem die Spieler entweder als Rebellen oder Imperiale um die Kontrolle über ganze Planetensysteme ringen und dabei das komplette aus den Filmen bekannte Arsenal, einschließlich der Todessterne, einsetzen können. In eine ganz ähnliche Richtung geht das im Warhammer 40.000-Universum angesiedelte Strategiespiel Verbotene Welten, bei dem ebenfalls verschiedene Fraktionen um die Kontrolle über Planeten und Ressourcen ringen. Natürlich gab es auch noch einige andere Spiele, darunter weitere Lizenzprodukte, zu sehen, beispielsweise den Dungeon-Crawler Dungeon Saga, der zumindest optisch eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit dem Klassiker HeroQuest aufweist, Spiele zu den Fernsehserien Homeland und Game of Thrones oder Twin Tin Bots, bei dem die Spieler Bewegungsabläufe für ihre Roboter planen und diese in einen Parcours schicken. Danach ging es hinüber zu Pegasus Spiele, die wie schon im letzten Jahr, mit einem recht großen Stand im Übergangsbereich der Hallen 10 und 11 anzutreffen waren und hier ihr komplettes Produktsortiment aufgebaut hatten. Viel interessanter als die schon erhältlichen Spiele waren für mich jedoch die kommenden Neuheiten, auf die man schon einen ersten Blick werfen konnte. Hier waren es vor allem Fortsetzungen und Ableger schon bekannter Titel, beispielsweise der Kartenspielversion des großartigen Intrigen-Spiels Junta, die eigenständige Munchkin Steampunk-Erweiterung oder Schattenland, der vereinfachte Einsteig ins Cyberpunk-Rollenspiel Shadowrun, die mich interessierten. Aber auch einige originelle Neuheiten gab es zu bestaunen, so die abenteuerliche Suche nach dem Yeti oder das putzig anzuschauende Gierige gierige Goblins, die sich beide an eine etwas jüngere Zielgruppe richten. Viele der hier ausgestellten Neuheiten befanden sich noch in einer mehr oder minder frühen Entstehungsphase, aber zumindest konnte sich der interessierte Spieler ein Bild davon machen, was in den nächsten Monaten von den Friedbergern veröffentlicht wird. Nachdem ich mir damit auf der unteren Ebene einen ersten Überblick verschafft hatte, ging es weiter in der ersten Stock der Halle 10, in der die meisten traditionellen Brettspielverlage untergebracht waren.


Direkt von der Rolltreppe aus stolperte ich in den Stand von Schmidt Spiele, bei denen es wieder einige hübsche Spielideen zu sehen gab. Hier bekam der Spielernachwuchs etwas geboten, zum Beispiel mit Burg Flatterstein, bei dem die Spieler Fledermäuse mittels eines Katapultes in eine Schlossruine befördern müssen. Aber auch für ältere Semester gab es das eine oder andere interessante Stück: so müssen die Spieler bei Skull King – Das Würfelspiel die Anzahl der Stiche ansagen, die sie erwürfeln; ein interessantes Konzept, für mich mit meiner Würfelphobie aber eher ungeeignet. Viel besser, sowohl optisch als auch vom Spielkonzept her, gefiel mir dagegen das Kartenstichspiel Vampire Queen das sich durchaus auch für größere Spielergruppen eignet. War ich beim Erscheinen von Star Wars Carcassonne Ende letzten Jahres schon etwas irritiert gewesen, überraschte mich die Ankündigung einer Erweiterung nun nicht mehr ganz so sehr. Ob es dann aber tatsächlich ein Star Wars Qwirkle braucht, dessen Prototyp schon hier ausgestellt war, möchte ich doch bezweifeln. Amigo entwickeln sich dagegen immer mehr zum Spezialisten für kleine, feine Kartenspiele mit denen sich Spieler aller Altersgruppen anfreunden können. Optisch machten Dao, Unter Spannung oder auch Schnapp den Sack nicht unbedingt viel her, zeigten aber, dass es immer noch möglich ist, altehrwürdigen Spielprinzipien neue Aspekte abzugewinnen. Die kurzen Testspiele machten zumindest Appetit auf mehr und die Spiele werden wohl in absehbarer Zeit meiner Sammlung hinzugefügt werden. Ganz besonders bin ich jedoch auf die Wizard Jubiläumsedition gespannt, die dem Spiel nicht nur neue Artworks sondern auch noch sechs neue Karten spendiert um das Spielgeschehen durcheinander zu bringen.


Ich bin, zugegebenermaßen, ein großer Freund der Spiele des Verlags Iello und war entsprechend neugierig was die Franzosen in diesem Jahr vorstellen würden. Neben einer, noch namenlosen, Erweiterung für die Monsterkeilerei King of New York gab es Prototypen des strategischen Worker Placement Spiels Bunny Kingdom zu sehen, bei Oceanos machen sich die Spieler in U-Booten auf eine unterseeische Schatzsuche um sich anschließend bei Sea of Clouds als Luftschiffpirat in luftigen Höhen auf Kaperfahrt zu gehen. Neben diesen schon weit fortgeschrittenen Spielentwicklungen gab es dann noch eine ganze Reihe kleinerer Spiele in verschiedenen Entstehungsstadien zu sehen. Gerne hätte ich zu dem einen oder anderen Spiel einige Fragen gestellt, doch das Standpersonal zog sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit entweder in das improvisiertes Büro oder vor den Computer zurück und war dann nicht ansprechbar. Schade eigentlich!
Viel entgegenkommender war man dagegen bei Asmodee, die mittlerweile eine beeindruckende Anzahl an Verlagen, beispielsweise Days of Wonder, Treefrog Games, Ludically oder auch Lookout Games, unter ihrem Dach versammelt haben. Hier waren es vor allem die, ursprünglich über Kickstarter finanzierten, Brettspiele mit ihrer opulenten Ausstattung welche die Aufmerksamkeit auf sich zogen. So wie beispielsweise Blood Rage, in dem die Spieler mit ihrem Wikinger-Clan plündern, Questen erfüllen und Länder erobern um vor dem drohenden Ragnarök Ruhm und Ehre anzuhäufen, um schließlich an der Tafel der Götter in Walhalla zu sitzen. Auch der neueste Zombicide-Ableger Black Plague fällt in diese Kategorie und verlegt die Bedrohung durch die Untoten Horden ins finstere Mittelalter. Neben dem sehr umfangreichen Spielmaterial haben die Autoren dem Spiel sogar noch einige Neuerungen verpasst. In eine etwas andere Richtung geht dagegen das cthuloide Weird War-Strategiespiel Shadows over Normandie: hier müssen die Spieler kurz nach dem D-Day entweder verhindern, dass die bösen Nazis den großen Cthulhu beschwören oder als Achsenmächte die Invasoren zurück ins Meer drängen. Ebenfalls an regem Besucherinteresse konnten sich die grafisch wirklich überragende Mörderhatz Mysterium und das Zeitreise-Epos T.I.M.E. Stories erfreuen, zu dem die beiden Erweiterungen Der Marcy-Fall und Die Drachenprophezeiung präsentiert wurden. Trotz der zahlreichen Besucher nahm sich das Standpersonal tatsächlich die Zeit und beantwortete Detailfragen zu den Spielen ausführlich und erstaunlich fachkundig; auf einer Messe nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit. Auch bei Queen Games hatte man sich wieder angestrengt, um mit einigen Neuheiten aufzuwarten. Risky Adventures, eine Schatzjagd rund um den Erdball in bester Indiana-Jones-Manier, das Architektenspiel World Monuments und auch das im viktorianischen England angesiedelte Handelsspiel London Markets machten sowohl optisch, als auch von der Spielidee her einen ziemlich guten Eindruck. Ob dieser erste Eindruck auch bei einer eingehenderen Prüfung Bestand hat werden dann wahrscheinlich die nächsten Spieleabende zeigen.
Nachdem ich im letzten Jahr mein erstes Krimi-Dinner hinter mich gebracht habe, war ich von diesem Konzept doch sehr angetan und wollte die Messe nutzen, um mich nach eventuellen Fortsetzungen umzuschauen. Fündig wurde ich hier bei Krimi Total, einem Dresdner Verlag, der sich auf solche Publikationen spezialisiert hat. Dem netten Herrn am Stand gelang sogar das Kunststück, mir relativ viel über die Produkte zu erzählen ohne dabei zu spoilern. Zumindest das neu erschienene Intrigen-Epos Die Yacht der Macht, über eien Mord im Umfeld der korrupten Führung einer Bananenrepublik und das schon etwas ältere Im Schatten der Premiere, angesiedelt im Prag der 1920er Jahre, sind bestellt und werden in nicht allzu ferner Zukunft für hoffentlich spannende Abende sorgen. Schließlich stand noch der moses. Verlag auf meiner Liste, die immer wieder interessante Quiz- und Rätselspiele im Programm haben. Den meisten Spielern dürfte die Black Stories-Serie ein Begriff sein, die in Kürze mit der Scary Music Edition eine weitere Fortsetzung erhält, aber auch die Produktpalette zum Fernsehkrimi tatort wächst kontinuierlich. Daneben haben mir besonders gut das Geographie-Ratespiel Wo ist bitte Umtata? und Mr. Lister's Quiz Shooutout gefallen, beides Spiele, bei denen die Spieler endlich eine sinnvolle Anwendung für ihr mühevoll angesammeltes und normalerweise nutzloses Detailwissen haben. Obwohl es nicht unbedingt in mein Ressort fällt musste ich schließlich noch einen Blick auf die Collection Art-thérapie werfen, eine Serie mit Malbüchern der etwas anderen Art und wirklich sehenswert.


Nachdem ich damit praktisch meine komplette To-Do-Liste abgearbeitet hatte, machte ich mich wieder auf den langen Marsch ins Pressezentrum, um dort die zahlreichen Kataloge zu überfliegen, noch einige interessante Ziele herauszupicken und, ganz wichtig, ein paar Minuten die geschundenen Füße hochzulegen. Im Nachhinein stellte sich dies jedoch als kapitaler Fehler heraus, denn bei der zweiten Runde schmerzte jeder Schritt umso mehr. Immerhin konnte ich mein Gepäck hier ablegen und mich einigermaßen unbeschwert auf den Weg in die Hallen 3 und 4 machen.


Ich würde mir zwar selbst nie eine Modelleisenbahnanlage ins Wohnzimmer stellen, aber es ist doch schon beeindruckend, was Firmen wie Märklin, Faller oder Brawa aufstellen: Bei den, mit viel Liebe zum Detail gestalteten, Anlagen kann man wahrscheinlich stundenlang davor stehen und entdeckt immer noch neue, winzige Einzelheiten, die die Szenerie zum Leben erwecken. Einen etwas praktischeren Nutzwert für mich hatten die Produkte des Geländeherstellers Noch, die ich immer wieder gerne für die Gestaltung meiner Tabletop-Miniaturen und der dazugehörigen Szenerie nutze. Vor allem die realistisch aussehenden Gewächse hatten es mir angetan, aber auch für die verschiedene Effekte für Wasser, Eis und Schnee habe ich künftig sicherlich die eine oder andere Anwendung.
Der Weg zu meinen letzten Ziel führte mich durch Hallen vollgestopft mit Puppen, Schulutensilien, Kinderwagen und Feuerwerksartikeln, die ich alle weitgehend ignorierte, da ich wieder einmal viel zu viel Zeit vertrödelt hatte.
Schließlich kam ich bei meinem letzten Ziel, der Halle 12 an, die traditionell von den wirklich großen Spielzeughersteller wie Mattel, Playmobil, Revell oder Lego unter sich aufgeteilt wird. Wie in jedem Jahr stand ich vor den beinahe mannshohen Bauklötzchenfiguren des dänischen Herstellers im Eingangsbereich und staunte über die Details. Neben dem virtuellen Dimensions-Spielsystem stand die neue Figurenserie der Nexo Knights im Mittelpunkt, deren Figuren mich teilweise extrem an das Tabletop Warmachine erinnerten. Nachdem ich mich satt gesehen hatte schlenderte ich relativ gemütlich an den anderen Ständen vorbei, betrachtete die dort präsentierten Produkte und hielt noch das eine oder andere Schwätzchen mit Besuchern und Ausstellern. Einzig bei Revell verbrachte ich ein wenig mehr Zeit als eigentlich geplant. Auch dieser Hersteller kann sich über einen Toy Award für die Junior Kits freuen. Diese Auto-Bausätze machen optisch wirklich einen sehr guten Eindruck und sind solide genug, die Aufmerksamkeit der Zielgruppe längere Zeit zu überstehen. Ansonsten gab es auch hier zahlreiche Star Wars-Modelle zu sehen und auch der Trend zu ferngesteuerten Fahrzeugen am Boden, zu Wasser und in der Luft ist ungebrochen. In den, mit Fangnetzen abgesicherten, Bereichen konnten die Besucher sogar selbst Hand an die Fernbedienungen legen und einige Proberunden absolvieren.


Für die Rückkehr ins Pressezentrum und das dort stattfindende gemeinsame Essen blieb mir nicht mehr sonderlich viel Zeit und so wählte ich den Weg über die Außenflächen um schneller voran zu kommen. Und tatsächlich gelang es mir auch rechtzeitig um 17.30 Uhr am Restaurant zu sein und den traditionellen Messecocktail zu verkosten. Für meinen Geschmack war der Tolls Toyce mit seiner Mischung aus Cidre, Williams, Applie Pie Syrup und Rhabarbernektar jedoch deutlich zu süß und ich beließ es beim Anstandsglas. Das anschließende Essen fand dann wieder in ausgesprochen gelöster Atmosphäre statt und es wurden fröhlich Meinungen und Gerüchte ausgetauscht, wobei die wirklichen Spieler unter den anwesenden Pressevertretern deutlich in der Unterzahl waren. Die Tipps für den weiteren Messebesuch konnte ich mir dagegen sparen, da ich mich am gleichen Abend wieder auf den Heimweg machen musste. Diesmal hatte ich einen früheren Zug gebucht, daher verließ ich das Restaurant recht zeitig und bahnte mir meinen Rückweg durch die nahezu ausgestorbenen Messehallen. Nur gelegentlich kam mir ein Besucher entgegen, der entweder auf der Suche nach einem Ausgang vom Weg abgekommen war oder eine der zahlreichen After-Show-Partys besuchen wollte.
Die Heimreise verlief dann, ebenso wie schon die Hinfahrt, angenehm ereignislos und ich hatte sogar die Gelegenheit immer wieder ein bisschen zu dösen. So kam ich nicht ganz so zerstört wie in den Vorjahren gegen Mitternacht in Ingelheim an und machte mich, nun im Auto, auf die letzte Etappe meines Weges um dann am nächsten Morgen mit der Sichtung des Materials zu beginnen.


Neben schmerzenden Füßen, einer leichten Erkältung und einer gewaltigen Menge an Katalogen konnte ich von der diesjährigen Spielwarenmesse noch einige wichtige Erkenntnisse mitnehmen: Der Zombie-Hype hat offensichtlich seinen Zenit überschritten und nur noch ganz vereinzelt müssen die Untoten für mehr oder minder gelungene Spielkonzepte und andere Produkte herhalten. Auch von den augenfeindlichen quietschgelben Minions war im Vergleich zum letzten Jahr kaum noch etwas zu sehen. Dafür gab es praktisch kein Produkt, vom Kugelschreiber über Luftballons, Kindersessel und Plüschfiguren bis hin zur ausgewachsenen Hüpfburg, das nicht mit jeglicher Art von Star Wars-Motiven zugepflastert wäre. Während man durch die Hallen schlenderte war förmlich zu hören, wie sich die Geldströme auf die Konten des Disney-Konzerns und George Lucas ergossen. Auch sonst war die Lizenzabteilung des Filmstudios nicht faul gewesen und hatte praktisch alle Charaktere die im Laufe der Jahre auf der Leinwand zu sehen waren in irgend einer Form auf Spielzeug, Taschen oder anderem Merchandise verewigt.
Von diesen Exzessen einmal abgesehen gab es auf der Messe einige recht interessante und originelle Spiele und Spielzeuge zu sehen; grade die Zusammenführung analoger und digitaler Spielwelten schreitet langsam aber stetig voran. Kosmos haben dafür mit ihren Produkten ein sehr schönes Beispiel vorgelegt, aber auch andere Verlage arbeiten erfolgreich in diese Richtung und langsam entstehen funktionierende Konzepte, die wohl in den kommenden Jahren in einer völligen Verschmelzung münden könnten. Aber auch in den Kinderzimmern hält die Elektronik immer mehr Einzug, von Puppenhäusern, die sich über das Smartphone steuern lassen bis hin zu Plüschtieren, die mit diversen Sensoren ausgestattet sind. Und schließlich gibt es immer noch tolle, überraschende Ideen für traditionelle Brett-, Karten- oder Würfelspiele, so dass auch für die Messen der nächsten Jahre genug Stoff vorhanden sein dürfte.