[Messe] SALUTE '17
Samstag, 22. April 2017
ExCeL,London
Die letzten beiden Jahre hatte ich leider aus beruflichen Gründen
auf den Besuch der SALUTE, eine der größten Miniaturen- und
Tabletop-Messen überhaupt, in London verzichten müssen. Diesmal
begann ich schon Ende 2016 mit den Reisevorbereitungen: Buchungen für
Flug, Hotel und Veranstaltung waren schnell erledigt - Dank schwachen
Pfundkurses auch einigermaßen erschwinglich. Sogar der Urlaub wurde
problemlos genehmigt und ich konnte einige Tage dran hängen um mich
von den Strapazen der Messe zu erholen. Einzig der Umtausch des
Geldes schien eine größere Sache zu sein. Konnte ich in früheren
Jahren einfach zu meiner Hausbank gehen und mir das gewechselte Geld
mitnehmen, so musste ich nun eine Woche im Voraus bestellen, die
gewünschte Stückelung angeben und noch einige andere Formalitäten
abwickeln. Nachdem ich diese Hürde gemeistert hatte, war es
lediglich eine Geduldsfrage bis zu den Osterfeiertagen zu warten und
dann den Flieger in Richtung des Vereinigten Königreichs zu
besteigen.
Da ich praktisch komplett durch die ganze Stadt muss um die
ExCeL-Messehallen zu erreichen, mache ich mich an einem
erstaunlich sonnigen Samstag Morgen kurz nach 7 Uhr auf den Weg in
die Docklands. Die U-Bahn ist erfreulich leer, was das Umsteigen und
den Stationswechsel deutlich vereinfacht. Ausnahmsweise sind in
diesem Jahr auch keine wichtigen Haltestellen wegen Bauarbeiten
gesperrt und ich kann dankenswerterweise auf die Bus- und
Taxi-Odysseen der letzten Jahre verzichten. Als ich die ExCeL
nach gut einer Stunde erreiche sind schon deutlich mehr Menschen auf
den Beinen – in erster Linie liegt das wohl an der parallel
stattfinden Anmeldung für den London Marathon in einer der
benachbarten Hallen. Ich kann mir grade einen kurzen Überblick
verschaffen, da werden auch schon die Tore für die Wartehalle
geöffnet, damit die zu erwartenden Horden nicht die Durchgänge
blockieren.
Während sich die Halle langsam aber stetig füllt, nutze ich die
Zeit um einen Blick in meine Goodie Bag zu werfen. Leider finde ich
hier keines der „Golden Tickets“ mit Einkaufsgutscheinen, sondern
nur die üblichen Sachen. Die traditionelle Messefigur mit einer
Fahnenträgerin zur Zeit der Russischen Revolution (dem Thema der
diesjährigen SALUTE), eine Miniatur zu Wild West Exodus,
einem Steampunk-Western-SciFi-Tabletop sowie einen Gutschein für
eine dritte Figur, einen schnöden Zombie. Natürlich liegt auch der
obligatorische Würfel in der Tüte, zusammen mit den Flyern und
Rabattscheinen für verschiedene Stände. Mich interessiert aber
aktuell eher das Begleitheft zur Veranstaltung. Hier finden sich
nicht nur Artikel über das diesjährige Thema und die Vorstellung
einzelner, besonderer Projekte, sondern auch die Übersicht über
Händler und Spieltische – natürlich lag mein Plan, den ich mir in
den Wochen zuvor ausgearbeitet hatte, zu Hause.
Schließlich haben die Organisatoren ein Einsehen, die eigentliche
Messehalle wird kurz nach 10 Uhr geöffnet und die Massen setzen sich
langsam und überaus gesittet in Bewegung. Kein Vergleich zu den
traumatischen Erlebnissen auf der SPIEL in den letzten beiden
Jahren.
Wie eigentlich immer, führt mein Weg zu den Herren, die Damen
blieben diesmal zu Hause, von Freebooter Miniatures. Die Crew
von Werner Klocke hat ein paar schicke Neuheiten im Gepäck, deren
Kauf ich allerdings auf einen späteren Zeitpunkt verschiebe. Nach
einem kurzen Schwatz mache ich mich daran meine eigentliche
Shopping-Liste abzuarbeiten. Diese ist in erstaunlich übersichtlich
ausgefallen, obwohl ich noch für Freunde einige Kleinigkeiten
mitbringen soll.
Los geht es bei Warlord Games, die in den letzten Jahren
rasant gewachsen sind und mittlerweile auch jenseits des historischen
Tabletops ihre Anhänger finden. Schnell habe ich die beiden
gesuchten Boxen gefunden und lasse mir noch ein wenig Zeit, um die
Neuheiten zu betrachten. Das Fantasy-Skirmish-Kampagnenspiel
Frostgrave hat sich mittlerweile auch hierzulande eine recht
große Spielerschaft erarbeitet und hier konnte ich einen Blick auf
kommende Erscheinungen und die mittlerweile erstaunlich umfangreiche
Miniaturenauswahl werfen. Ganz frisch hinzu gekommen ist Test of
Honour, bei dem sich kleine Samurai-Trupps gegenüberstehen. Die
Figuren verkaufen sich augenscheinlich gut und auch das MDF-gelaserte
Gelände macht auf dem Spieltisch eine sehr gute Figur. Besonders
gespannt war ich allerdings auf das Doctor Who-Tabletop Into
the Time Vortex, dass bereits seit zwei Jahren angekündigt ist.
Einen ersten Vorgeschmack gibt es nun mit Exterminate!. Wie
der Name vermuten lässt stehen sich in diesem, wie ich finde sehr
einfach gehaltenen Skirmish-Spiel, Daleks und Cybermen gegenüber.
Ich werde es sicherlich im Auge behalten, aber die große Starter-Box
muss ich nicht den restlichen Tag mit mir herum schleppen – von der
Heimreise ganz abgesehen.
Meine nächste Anlaufstelle ist etwas versteckt gelegen und ich
finde den Stand erst beim dritten Anlauf. Studio Miniatures
haben eine reichhaltige Auswahl an modernen Zombie-Miniaturen und für
ein kleines Spiele-Projekt brauche ich noch einige Nazi-Zombies.
Daneben gibt es an diesem Tag zum ersten Mal die neuen, an Horror-
und Splatterfilme angelehnten, Figuren zu kaufen. Hier muss ich mich
tatsächlich zusammenreißen, um nicht das komplette Sortiment
einzupacken. Für den Anfang reichen mir aber drei Blister - zur Not
kann ich immer noch später nachordern.
Mittlerweile stehen schon die ersten Exponate für den
Malwettbewerb in den Vitrinen und ich nehme mir ein paar Minuten Zeit
um einzelne Stücke gründlich zu betrachten. Das Niveau hat in den
letzten Jahren doch merklich angezogen und meine Figuren, mit denen
ich 2008 noch eine Kategorie gewinnen konnte würden höchstens noch
als gehobenes Mittelmaß durchgehen. Nichtsdestotrotz werde ich
weiter an meinem Diorama basteln (das eigentlich schon dieses Jahr
eingeplant war) und hoffen, dass ich es für den Wettbewerb im
nächsten Jahr fertig stelle. Dieser kleine Abstecher hat mich zwar
ein wenig deprimiert aber auch motiviert und nach einer kurzen
Mittagspause mit Sandwich, Scotch Egg und Gebäck geht es schließlich
weiter zur Runde 2.
Auf meinem Plan habe ich als nächstes Modiphius stehen,
die es in Rekordzeit geschafft haben, sich auf dem Rollenspielmarkt
einen Namen zu machen. Damit nicht genug, dehnen sie ihre Aktivitäten
mittlerweile auch auf den Brettspiel- und neuerdings auf den
Tabletop-Bereich aus. Lange angekündigt, nun endlich fertig, packe
ich die Regeln für Achtung Cthulhu! ein, das
Skirmish-Tabletop zum gleichnamigen Rollenspiel. Hier stehen die
tapferen, in okkulten Künsten bewanderten, Alliierten den fiesen
Nazi-Schergen gegenüber, die sich mit allerlei Mythos-Kreaturen
verbündet haben. Die Kernstruktur des Spielsystems ist eine Variante
des schon länger bekannten Dystopian Legions und funktioniert
eigentlich recht solide, ohne dabei das Rad neu zu erfinden. Über
das, mit einem Banner angekündigte, Fallout – Wasteland Warfare
kann mir allerdings auf Nachfrage niemand wirklich greifbare
Informationen liefern. Auf jeden Fall wird es ein Tabletop,
angesiedelt im Setting des gleichnamigen Computerspiels und zumindest
die ersten Render der Figuren sehen vielversprechend aus. Über einen
konkreten Erscheinungstermin, Kosten oder gar Fragen zur Art des
Systems konnte/wollte/durfte mir keiner der Anwesenden beantworten.
So bleibt mir nur gespannt zu warten, wie die Umsetzung aus der
virtuellen Welt auf den heimischen Spieltisch funktionieren wird.
[Edit: Der Veröffentlichungstermin wurde mittlerweile in einer
Pressemeldung für November 2017 bestätigt; weitere Details folgen.]
Nachdem ich auch noch die letzten Einkäufe, zumeist nur
Kleinkram, erledigt habe, kann ich mich endlich auf die Spieltische
konzentrieren. Zum einen handelt es sich dabei um Demotische von
Herstellern oder Händler, bei denen die Besucher neue, kommerziell
erhältliche Systeme antesten können. Ein Höhepunkt der
Veranstaltung für mich sind jedoch die Tische der zahlreichen
„Wargaming Clubs“, die ihre selbst entwickelten Spiele
vorstellen. Leider kann ich in der kurzen Zeit nur eines davon
antesten und zwei weiteren zumindest zuschauen. Sehr lustig ist das
Hexenrennen um die Unsichtbare Universität, angesiedelt auf der
Scheibenwelt von Terry Pratchett. Präsentiert vom Grantham
Strategy and Gaming Club entwickelt sich der Flug auf den Besen
ziemlich schnell zu einer wüsten Schlägerei, bei der meine Hexe
gegen einen unglücklich platzierten Gargoyle knallt und auf den
letzten Metern ausscheidet. Auch die spielerische Umsetzung von
Jurassic Park des Bexley Reapers Wargaming Club mit
riesigen Plastiksauriern die in einem urzeitlichen Wald Jagd auf
Menschen machen, macht einen sehr spaßigen Eindruck. Einige
Spieltische, eher mit konventionellen Systemen bestückt,
beschäftigen sich auch mit dem Thema der diesjährigen SALUTE,
der Russischen Revolution. Eine Fortsetzung findet die gewaltige
Schlacht The Brotherhood of Mars aus dem letzten Jahr:
Gespielt nach Warhammer 40.000-Regeln treffen hier normale
Infanterie-Soldaten, Kriegsmaschinen und ein gutes Dutzend gewaltiger
Titanen aufeinander um sich gegenseitig in den Staub des Roten
Planeten zu treten. Soweit ich mitbekommen haben es die acht Spieler
in sechs Stunden immerhin bis zur dritten Runde geschafft.
Mir fallen in diesem Jahr gleich mehrere Spiele ins Auge, die mit
Western-Thematik in der Spielergunst punkten wollen. Da ist das mit
großem Aufwand präsentierte Wild West Exodus von Warcradle
Studios mit seinem extrem wilden Mix aus Western, Steampunk und
Science Fiction. Weder das Spielsystem noch die Figuren (von einigen
Ausnahmen abgesehen) sprechen mich dabei aber wirklich an. Viel
besser gefällt mir das relativ einfach gehaltene System von Dead
Man's Hand, das bereits in einer deutschen Übersetzung vorliegt.
Mit der Erweiterung The Curse of Dead Man's Hand verabschiedet
sich Great Escape Games
vom rein historischen Tabletop und integriert fantastische Aspekte in
den Spielablauf. Das macht auf den ersten Blick einen durchaus
praktikablen Eindruck – allerdings finde ich einen Großteil der
hierfür erscheinenden Figuren schlicht scheußlich. Einer meiner
aktuellen Lieblinge ist dagegen das Western-Steampunk-Crossover-Spiel
Malifaux, für das es zwar keine spektakulären Neuheiten auf
der Messe gibt, aber dafür einige hübsche Demotische und
Schnäppchen, die in kurzer Folge in meinen Rucksack wandern.
Zwischendurch nehme ich mir immer mal wieder die Zeit für ein
Schwätzchen mit Bekannten denen ich zufällig über den Weg laufe
oder hole mir Shopping-Tipps ab.
Da ich es die letzten beiden Jahre leider nicht auf die SALUTE
geschafft habe, muss ich auch unbedingt am Stand der South London
Warlords, den Organisatoren der Veranstaltung, vorbei um mir die
letzten Messefiguren zu holen. Für den lächerlichen Preis von einem
Pfund pro Miniatur wandern auch diese in meinen Rucksack, zusammen
mit noch einigen Würfeln, einem Shirt, mehreren Buttons und anderem
Kleinkram. Der Erlös aus dem Verkauf dieser Sachen kommt wie immer
einigen Charity-Projekten zu Gute, entsprechend großzügig zeigen
sich auch die Käufer, die den Stand im Laufe des Tages fast
vollständig leer räumen.
Ein Blick auf die Uhr lässt mich leicht panisch zusammenzucken –
nur noch zwei Stunden bis die Messe schließt und ich habe nicht mal
annähernd alles gesehen, von meinem noch nicht befriedigten
Konsumbedürfnis ganz zu schweigen.
Nachdem am Stand von Steamforged Games praktisch den ganzen
Tag über reger Andrang herrschte haben sich die Reihen mittlerweile
deutlich gelichtet und ich kann riskieren, mich ein wenig umzusehen.
Ein Teil der Aufregung ist sicherlich der Season III ihres
Fantasy-Football-Spiels Guild Ball geschuldet, das mit den
Farmern auch ein neues Team vorweisen kann. Ebenso großes Interesse
herrscht bei der Umsetzung des Computerspiels Dark Souls, dass
in Kürze auf den Markt kommen sollte. Mich spricht allerdings weder
das Gameplay noch die Optik an – wobei mir auch die Computerversion
seinerzeit nicht sonderlich zugesagt hat.
Ich kann nicht über die SALUTE gehen, ohne bei einigen
Figurenherstellern vorbei zu schauen. Grade Kevin White von
Hasslefree schafft es immer
wieder, neue, schicke Miniaturen zu veröffentlichen, die ich
unbedingt haben will – und wahrscheinlich nie anmalen werde. Vor
eine größere Entscheidung werde ich nebenan bei Heresy
gestellt. Mit der „Madame“ steht hier ein wirklich großartiges
(wenn man auf Tentakel steht) Modell in der Vitrine. Finanziell wäre
der Brocken für mich eben noch so im Rahmen, aber das Gewicht
spricht schließlich doch gegen eine Kaufentscheidung. Dennoch eine
der Figuren, die in absehbarer Zeit in meine Sammlung wandern wird.
Auch bei Fenris finde
ich einige Kleinigkeiten, vor allem Geländestücke, für die ich bei
meinen kommenden Projekten Verwendung finde. Figone
aus Frankreich sind ebenfalls mit einer Auswahl ihrer hochpreisigen,
aber sehr schönen Figuren vor Ort. Leider habe ich den Stand zu spät
entdeckt und die Büste, für die ich mich interessiere ist schon
seit geraumer Zeit ausverkauft. Bei Knight Models
interessierte mich das momentan schwer im Trend liegende Batman
Miniature Game. Tolle
(aber leider auch sehr teure) Figuren der bekannten Charaktere aus
dem DC-Universum, ein
neuer Kampagnenband und eindrucksvolles Gelände machen den Stand zu
einem Anziehungspunkt. Nebenbei entdecke ich in einer der Vitrinen
auch die ersten Figuren für das demnächst erscheinende Harry
Potter-Tabletop. Die
Filmcharaktere sind ziemlich gut getroffen, leider stehen sie noch
nicht zum Verkauf. Nachdem in den letzten Jahren der Schwerpunkt auf
massiven Spielplatten lag, scheint dies sich nun gewandelt zu haben
und Spielmatten sind aktuell schwer im Trend. Vor allem Deep-Cut
Studio haben praktisch für
jedes System eine oder mehrere Varianten im Angebot. Die
Druckqualität ist ausgesprochen hoch, es stehen mehrere Materialien
zur Auswahl und auch die Preise sind durchaus akzeptabel. Allerdings
spricht das Gewicht und die Größe gegen einen Kauf auf der Messe.
In diesem Fall bevorzuge ich dann doch den Versandweg. Neben viel
neuem Material für ihre bestehenden Miniaturenlinien stellt Perry
Miniatures in diesem Jahr auch
ihr erstes eigenes Spielsystem vor. Mit TravelBattle
kann der Tabletop-Junkie napoleonische Schlachten im Kleinstformat
schlagen. Eine nette Idee, allerdings nicht meine bevorzugte
Thematik.
Eine letzte Anlaufstation sind
für mich GCT Studios,
die erst vor kurzem mit The
Pioneers Program ihr
Spektrum in den Brettspielbereich ausgedehnt haben. Allerdings bin
ich in erster Linie wegen Figuren für das fantastisch-asiatische
Skirmish-Tabletop Bushido
hier. Die Neuerscheinungen für meine beiden Fraktionen halten sich
in einem sehr überschaubaren Rahmen, aber es gibt einige sehr
schicke Modelle, die ich mir nur zum Malen hole – leider ist der
Panda-Kampfmönch allerdings schon ausverkauft.
Während ich langsam in Richtung
Ausgang schlendere schaue ich immer wieder in die deutlich
gelichteten Auslagen der verschiedenen Stände um vielleicht doch
noch ein letztes Schnäppchen zu machen. Auch sonst macht sich in der
Halle langsam Aufbruchstimmung breit; die Spieltische werden
abgeräumt, die Figuren aus den Vitrinen geholt und die Einnahmen
gezählt. Ich sehe zwar noch einige durchaus interessante Dinge, die
aber zu sperrig oder zu zerbrechlich sind, als dass ich sie auf der
Heimreise mitnehmen könnte. So begnüge ich mich damit Flyer,
Prospekte und Visitenkarten einzusammeln und mir die Sachen später
zu bestellen.
Nach einer weiteren Stunde in der
Bahn komme ich schließlich ziemlich kaputt im Hotel an, wo ich meine
(erstaunlich magere) Ausbeute sichte. Die Zeiten der exzessiven,
wahllosen Miniatureneinkäufe sind bei mir anscheinend vorbei –
dafür liegen nun einige ausgewählte, teils rare Stücke vor mir.
Glücklicherweise ist der Konsum aber nur ein Teilaspekt der SALUTE:
Mindestens ebenso wichtig ist mir mittlerweile das ganze Drumherum –
die Testspiele, das Fachsimpeln mit Gleichgesinnten oder der
Malwettbewerb.
Für mich zählt diese
Veranstaltungen nach wie vor zu den schönsten und angenehmsten ihrer
Art. Die Besucher sind, unabhängig von Alter, Herkunft oder
bevorzugtem Spielsystem, ausgesprochen entspannt, man kommt schnell
ins Gespräch und tauscht sich über die verschiedensten Aspekte des
Hobbys aus. Natürlich kann ich in diesem kurzen Text nicht jeden
Stand und jedes Spielsystem, das ich an diesem Tag gesehen habe
erwähnen, davon abgesehen, dass ich nicht gar nicht die Zeit hatte,
mir alles so genau anzuschauen, wie ich es gewollt hätte. Auf jeden
Fall habe ich auch in diesem Jahr wieder viele spannende Dinge
gesehen, mir Inspirationen für eigene Projekte geholt und neue
Kontakte geknüpft. Vor allem die Präsentationen der zahlreichen
Wargame-Clubs sind immer wieder faszinierend, selbst wenn die
wirklich spektakulären Sachen in diesem Jahr ein wenig fehlten.
Ein paar mehr Bilder gibt es HIER.
Donnerstag, 27. April 2017
Montag, 6. Februar 2017
Spielwarenmesse Nürnberg 2017
Donnerstag, 2. Februar 2017
Nürnberg
Alle Jahre wieder versammelt sich auf der Spielwarenmesse in Nürnberg alles, was in der Branche Rang und Namen hat zum großen Schaulaufen. Hier werden nicht nur die kommenden Neuerscheinungen präsentiert, es gibt auch die Gelegenheit sich im besten Licht zu zeigen. Daneben ist die Messe ein guter Zeitpunkt um Geschäfte abzuwickeln, neue Trends zu begutachten, zu sehen, was die Mitbewerber auf dem hart umkämpften Spielemarkt zu bieten haben, oder einige Fachvorträge zu besuchen. Im Gegensatz zur SPIEL in Essen steht dabei allerdings nicht das Spielen selbst im Vordergrund, sondern eher der wirtschaftliche Aspekt, was auch sehr schön am Publikum zu sehen ist. Grade auf dem deutschen Spielemarkt tut sich aktuell einiges - der französische Verlag Iello hat seine Kooperation mit dem Heidelberger Spieleverlag beendet und agiert nun zusammen mit Hutter Trade - Heidelberger hat dagegen mit Asmodee fusioniert, die ihr Firmengeflecht damit um ein weiteres Schwergewicht erweitern. Auch der britische Tabletopgigant Games Workshop scheint wieder etwas aktiver zu werden und drängt verstärkt in den Brettspiel-, aber auch in den Modellbaubereich, was aktuell in einer Zusammenarbeit mit Revell mündet.
Wie in den Jahren zuvor blieb mir auch 2017 wieder nur Zeit für einen eintägigen Abstecher nach Nürnberg, der dann entsprechend straff organisiert sein musste. Nach einigen Mails blieb mir zwischen den Terminen (theoretisch) noch genug Zeit mir auch den Rest der Messe anzuschauen. Fahr- und Eintrittskarte waren ebenfalls schnell beschafft und sogar der nötige Urlaub wurde, trotz grassierenden Grippewelle im Büro, anstandslos genehmigt. Und so machte ich mich dann, müde und verschlafen, früh morgens auf den Weg zum Bahnhof von wo aus mich ein Zug nach Frankfurt und anschließend nach Nürnberg bringen sollte. Tatsächlich war meine Bahn pünktlich und in Frankfurt wartete schon der ICE auf mich. Auch dieser Streckenabschnitt verlief ruhig und ereignislos, da hatte ich schon deutlich schlimmere Erfahrungen gemacht – sogar das W-LAN funktionierte, zumindest die meiste Zeit über. Einzig der Mitreisende gegenüber trübte mit seinem sehr ausdauernden und enthusiastischen Schniefen ein wenig die ansonsten entspannte Reise.
Wie in jedem Jahr führt mich mein erster Gang direkt vom Bahnhof zum Pressezentrum der Messe und dieses Mal bekomme ich sogar noch ein Schließfach – etwas woran ich in den vorherigen Jahren regelmäßig gescheitert bin. Nach einer kurzen Sichtung der ausliegenden Flyer und Presseinformationen mache ich mich auf zur ersten Runde durch die Messehallen. Mein Fokus liegt zwar eindeutig im Bereich der Brett- und Gesellschaftsspiele, aber natürlich lasse ich mir, als passionierter Tabletop-Spieler und Miniaturenmaler, nicht die Gelegenheit entgehen, bei einigen Firmen aus diesem Bereich vorbeizuschauen.
Sehr zentral gelegen und damit eine meiner ersten Anlaufstellen ist wie immer der Stand des spanischen Farbenherstellers Acrylicos Vallejo. Neben einigen neuen Hilfsmitteln zur Geländegestaltung fällt vor allem die neue Airbrush-Farbserie Mecha Color auf, die auf die Bemalung der gleichnamigen japanischen Kampfroboter abzielt. Daneben gibt es eine Vorführung zum Weathering, zum Altern von Modellen, zu sehen und ich kann mich nur mühsam losreißen und meinen Weg zum britischen Tabletop-Hersteller Games Workshop fortsetzen. Gerne hätte ich gewusst, wie es mit den Brett-, Karten- und Rollenspielen weitergeht, nachdem die Zusammenarbeit mit Fantasy Flight Games im letzten Jahr beendet wurde. Auch künftige Neuerscheinungen für die Tabletop-Spiele der Briten wollte ich mir anschauen. Allerdings findet sich am Stand nur eine (sehr kleine) Vitrine mit alten Miniaturen und ein Display in dem einige, ebenfalls schon recht betagte, Boxen präsentiert werden. Meine Fragen werden vom Standpersonal freundlich aber doch recht eindeutig abgewiegelt - sinngemäß in etwa „Leider können wir Dir darüber nichts sagen, wir sind nur zum Verkaufen hier!“. Hier habe ich doch tatsächlich etwas mehr erwartet, wirklich überrascht bin ich, nach der schwachen Vorstellung in Essen, aber auch nicht. Bei einem kurzen Abstecher zum Pinselhersteller Leonhardy lasse ich mir die Adressen einiger regionaler Händler geben, da der Hersteller leider keine Direktkunden beliefert und ich unbedingt einige Pinsel aus der Kappel-Serie haben möchte.
Als ich die Halle 10 erreiche läuft bei Kosmos grade die Vorführung einiger Zaubertricks, und trotz angestrengtem Beobachten kann ich nicht erkennen, wie die Kugeln unter den drei Bechern ausgetauscht werden. Passend dazu präsentiert der Verlag drei neue Sets mit verschiedenen Zaubertricks. Auch einen Barbie-Experimentierkasten gibt es neu im Sortiment, wobei da Farbwahl und Thematik immer noch den gängigen Klischees entsprechen. Die schon obligatorische Neuerscheinung für Catan liefert mit Die Legende der Seeräuber einige zusammenhängende Szenarien, die sich um die Ankunft der Freibeuter auf der einstmals so friedlichen Insel drehen. Sehr schick ist die Präsentation der drei demnächst erscheinenden Spiele aus der EXIT-Serie ausgefallen. Ein Teil des Messestandes ist zu einem plüschigen Salon umgebaut und die Besucher können hier selbst eine kurze Runde spielen. Mit Die verbotene Burg, Die Station im ewigen Eis und Die vergessene Insel wird wieder thematisch ein breites Spektrum abgedeckt. 5 Minute Dungeon ist ein kooperatives Kartenspiel, bei dem die Spieler unter Zeitdruck den Endgegner im Verlies besiegen müssen. Der erste Eindruck ist vielversprechend und die Illustrationen sind witzig – sicherlich ein Spiel, das ich mir genauer anschauen werde, wenn es im Mai auf den Markt kommt. Das Deduktionsspiel Sherlock sieht ebenfalls sehr nett aus, über den Spielmechanismus habe ich aber noch keine weitergehenden Informationen. In diesem Jahr wahrscheinlich unvermeidlich ist Luther – Das Spiel. Hier bereisen die Spieler Deutschland auf den Spuren des Reformators, sammeln Erfahrungspunkte und versuchen das berühmte Portrait Cranachs zu vervollständigen. Daneben gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Neuerscheinungen zu sehen, allerdings reicht meine Zeit leider nur für einen Schnelldurchlauf.
Weiter führt mich mein Weg in die entgegengesetzte Ecke der Halle. Am Stand von Q Workshop informiere ich mich über die neuesten Würfelkreationen des polnischen Herstellers. Vor allem bin ich neugierig auf die angekündigten Cthulhu-Metall-Würfel, die im nächsten Monat über eine Crowdfunding-Kampagne finanziert werden sollen. Die nette Dame am Stand kann mir sogar die Prototypen dieser Würfel zeigen und lässt mich einige Probewürfe machen - leider darf ich aber nicht fotografieren oder gar mitnehmen. Einen Gang weiter, wo sich die letzten Jahre der Stand des Heidelberger Spieleverlag befand stehen nur noch einige Vitrinen mit Neuheiten. Für Fragen und das komplette Verlagsprogramm werde ich in den ersten Stock zum Stand von Asmodee verwiesen.
Doch bevor ich mich auf den Weg dorthin mache gehe ich noch weiter zu Pegasus, die sich wieder im Spiele-Café niedergelassen haben. In Mein Traumhaus können die Spieler ihre wildesten Inneneinrichtungsfantasien ausleben. Optisch sehr hübsch, spricht mich allerdings weder die Thematik noch der Spielablauf sonderlich an – eher ein klassisches Familienspiel. In eine ähnliche Richtung geht Cottage Garden, bei dem die Spieler ihre Gartenparzelle mit ansprechenden Gewächsen ausstatten müssen. Viel spannender finde ich dagegen Axio von Reiner Knizia, hier werden Symbole aneinander gereiht um Punkte zu bekommen. Mit den geometrischen Formen vielleicht kein besonderer Blickfang, aber durchaus anspruchsvoll und spannend. Ansonsten sind schon wieder zahlreiche große und kleine Erweiterungen für die unendliche Munchkin-Serie in Arbeit. So konzentrieren sich die Booster Wilde Welpen, Krasse Kätzchen und Hipster auf einen bestimmten Themenschwerpunkt, während Grimme Mären sich mit der Märchenwelt auseinander setzt. Zum Munchkin-Sammelkartenspiel konnte ich aber leider keine Informationen finden. Dennoch ist es immer wieder erstaunlich, dass es den Autoren gelingt, aus dem Thema so viel heraus zu holen.
Da ich schon wieder hinter meinem Zeitplan hinterherhinke, verzichte auf eine ausführliche Tour durch die Neuheiten und kehre zurück in Halle 10 um mir nun den ersten Stock vorzunehmen.
Amigo haben, wie gewohnt, eine ganze Palette kleiner, schneller Würfel- und Kartenspiele dabei, die sich in erster Linie an jüngere Spieler richten. Schon obligatorisch ist ein Vertreter der Bohnanza-Serie, diesmal zum 20jährigen Jubiläum; auch das hinterhältige Zwergenspiel Saboteur bekommt mit Das Duell neues Material für einen oder zwei Spieler. Bei den Neuheiten sorgen Lecker Mammut!, Schwarz Rot Gelb Extreme und Deja-Vu für eine gewisse Hektik am Spieltisch. Bei allen drei Spielen geht es im Prinzip darum, zeitgleich mit den anderen Spielern, möglichst schnell Karten in seinen Besitz zu bringen. Vom Grundprinzip ähnlich, spielen sich alle drei Neuerscheinungen recht unterschiedlich und bieten bei der Sammlung von prähistorischen Tieren, abstrakten Formen oder alltägliche Gegenstände kurzweilige Unterhaltung. Die Spiele sind zwar nett anzuschauen, eignen sich auch für eine schnelle Runde zwischendurch, aber mir fehlt dann doch ein wenig der Tiefgang. Andererseits bin ich nicht unbedingt die Zielgruppe für diese drei Spiele und jüngere Spieler dürften daran sicherlich Spaß haben.
Nebenan bei Schmidt Spiele liegt der Fokus ebenfalls auf dem Spielernachwuchs. Vor allem das unkomplizierte Würfelspiel Raffzahn dürfte Freunde finden, die sich um die Zähne/Punkte streiten. Auch Mistkäfer! ist ein eher lockeres Würfelspiel dass sich an spielebegeisterte Familien richtet. Etwas mehr Anspruch bringt Valletta auf den Tisch, bei dem die Spieler Rohstoffe sammeln müssen um mit diesen eine prächtige Stadt zu errichten. Das Spiel sieht sehr hübsch aus und auch die Umsetzung der Thematik scheint gut gelungen zu sein. Für Zocker die Aufbauspiele mögen ist es sicherlich einen Blick wert. Ganz besonders freue ich mich auf ein anderes Städtebauspiel - Citadels. Ursprünglich unter dem Namen Ohne Furcht und Adel veröffentlicht, wurde das Spiel überarbeitet und mit neuen Illustrationen ausgestattet. Auch die beiden Erweiterungen, eine davon nie in Deutschland erschienen, haben den Weg in die Box gefunden. Für mich schon beinahe ein Pflichtkauf!
War Asmodee vor gut zehn Jahren nur eingefleischten Spiele-Fanatikern ein Begriff, so kommt mittlerweile niemand mehr an dem französischen Verlag vorbei. Unter seinem Dach tummeln sich eine ganze Legion von Herstellern - das jüngste Mitglied in diesem Konglomerat ist der Heidelberger Spieleverlag, mit dem Anfang des Jahres fusioniert wurde. Entsprechend wächst auch die Standfläche von Jahr zu Jahr - allerdings ist die Aufteilung am Hauptstand diesmal etwas unglücklich. Die Neuheiten werden in einem langen, schmalen Schlauch präsentiert, in dem es regelmäßig zu Staus, Engpässen und kleineren Unfällen kommt. Dennoch drücke ich mich (mehrfach) durch den Gang um einen Blick auf die Spiele zu werfen. Besonders gespannt bin ich auf Arkham Horror – Das Kartenspiel, bei dem jeder Spieler ein Kartendeck zusammenstellt und sie gemeinsam versuchen die Großen Alten zu bekämpfen. Inhaltlich zwar nichts Neues in dieser Spielserie, aber spielerisch unterscheidet sich das Kartenspiel doch merklich von den anderen Teilen. Andere Ableger aus diesem Spieleuniversum sind ebenso ausgestellt, so die zweite Edition von Villen des Wahnsinns die sinnvoll Brettspiel und App verknüpft oder die neuen Erweiterungen zu Eldritch Horror und Das Ältere Zeichen. Auch zahlreiche, verschwenderisch ausgestattete, Brettspiele sind hier zu bewundern. Einige davon wurden im letzten Jahr über Crowdfunding-Kampagnen finanziert und werden nun für den regulären Markt veröffentlicht. So beispielsweise das apokalyptische The Others, bei dem sich eine kleine Gruppe von Helden gegen eine ganze Flut von Dämonen und korrumpierten Menschen stellen muss. Ein sehr dynamischer Spielablauf, sehr ansehnliche Figuren, ein höllischer Schwierigkeitsgrad und das Potential für unzählige Erweiterungen dürften dem Spiel viele Fans einbringen. Auch Zombicide mit seinen Seasons und dem Ableger Black Plague nimmt erstaunlich viel Raum ein – allerdings dürfte das Thema mittlerweile ziemlich durch sein. Mit Figuren in niedlicher Chibi-Optik präsentiert sich Arcadia Quest, bei dem ebenfalls schon einige Erweiterungen erschienen sind. Hier stellen die Spieler kleine Trupps aus Helden zusammen, bekämpfen die vom Spiel gesteuerten Monster und natürlich auch die Mitspieler. Über mehrere ineinander übergehende Szenarien sammeln die Spieler so Gold, Erfahrung und Gegenstände um ihre Helden kontinuierlich aufzuwerten. Das letzte „große“ Spiel, das ich mir anschaue ist Fireteam Zero, bei dem eine kleine Eliteeinheit Soldaten den okkulten Machenschaften der Nazis im Zweiten Weltkrieg Einhalt gebieten soll. Optisch und von der Ausstattung recht eindrucksvoll, thematisch nicht unbedingt originell bietet das Spiel für den Genrefreund dennoch eine willkommene Abwechslung.
Daneben hat der Verlag noch Dutzende Spiele aufgebaut, doch der Messetag neigt sich langsam dem Ende entgegen und ich habe praktisch nur vier der zwölf Hallen gesehen.
Auch bei Verlagen wie Hutter Trade, Queen Games oder Abacusspiele reichte meine Zeit leider nur für ein kurzes Sichten der ausgestellten Neuheiten und einige kurze Notizen.
Einen Abstecher in die Halle 12 kann ich mir dennoch nicht verkneifen, haben sich doch hier Branchengrößen wie Lego, Revell oder Hasbro niedergelassen. Bei Lego liegt der Fokus natürlich auf den beiden Kinofilmen die in diesem Jahr anlaufen. Neben Batman- und Ninjago-Figuren erscheinen zudem noch zahlreiche andere Sets, so beispielsweise das Yellow Submarine der Beatles, Produkte aus dem Star Wars-Universum oder Gebäude aus der City-Serie. Entsprechend herrscht hier dichtes Gedränge und ich beschränke mich auf einen kurzen Blick in die Vitrinen. Eine etwas schräge Kombination liefert Hasbro mit den Geschützen aus der Nerf Nitro-Serie. Diese Kanonen nutzen nicht mehr die bekannten Pfeile, sondern feuern kleine, weiche Autos ab, die durch einen Parcours mit Hindernissen und Sprungschanzen fliegen. Ebenfalls sehr skurril ist Pipi Party, bei dem die Spieler vermeiden müssen, vom Wasserstrahl aus der kleinen Toilette getroffen zu werden.
Schließlich setze ich meinen Weg zum Modellbauer Revell fort und bekomme dort tatsächlich etwas Neues zum Thema Warhammer 40.000 zu sehen. Die Kooperation mit dem Tabletophersteller Games Workshop trägt erste Früchte – Ork- und Space Marine-Bausätze zu günstigen Preisen werden zusammen mit Farben und Pinsel für den Einstieg ins Tabletop-Hobby angeboten. Ansonsten wächst das Sortiment der Star Wars-Raumschiffe beständig an, auch allerlei Fahrbares, von der winzigen Drohne bis zum massiven Tieflader ist zu sehen. Auf extra eingerichteten Probestrecken können die Besucher erste Fingerübungen mit der Fernsteuerung machen.
Für den Rückweg muss ich mich mittlerweile sputen, aber ich will die Messe nicht verlassen, ohne wenigstens kurz bei den Modelleisenbahnen vorbei zu schauen. Für ein Miniaturenprojekt benötige ich Material für einen Wasserfall und werde sowohl bei NOCH als auch bei Woodland Scenics fündig. Das freundliche Standpersonal bei letztgenanntem Aussteller gibt mir sogar eine kurze Anleitung um einen realistischen Wasserfall in kleinem Maßstab zu bauen
Die Messehalle hat sich merklich geleert als ich meine Sachen im Pressezentrum zusammensuche und mich Weg zum Pressetreffen zu machen. Dieser letzte Programmpunkt des Tages ist für mich eines der heimlichen Highlights der Messe. Hier hat man die Gelegenheit an leckeren Cocktails zu nippen, sich mit den Kollegen auszutauschen und schließlich noch eine Kleinigkeit zu essen.
Der Weg zum Bahnhof führt mich dann durch praktisch leere Hallen, nur an einigen wenigen Ständen wird mehr oder minder wild gefeiert. Ich nutze die relative Ruhe um noch einige letzte Eindrücke der diesjährigen Spielwarenmesse in mich aufzunehmen, bevor es auf die Heimfahrt geht.
Wie schon die Hinfahrt so verläuft auch die Heimreise schon beinahe erschreckend pünktlich und ohne größere Zwischenfälle. Auf die volltrunkene Dame, die sich zwei Reihen hinter mir unter ihren Sitz übergibt, hätte ich zwar ebenso verzichten können, wie auf die fünf lautstarken Jugendlichen, die mich an einem kurzen Schläfchen hindern.
Die Merchandise-Spirale dreht sich auch in diesem Jahr wieder kräftig. Die Vorreiterrolle übernimmt in dieser Hinsicht, wenig überraschend, die Star Wars-Serie. Praktisch kein Produkt, auf das nicht der markante Schriftzug oder das Konterfei eines Charakters aufgedruckt ist. Andere Filme aus dem Disney-Imperium stehen diesem allerdings kaum nach und aus jedem noch so obskuren Film wird ein Maximum an Lizenzgebühren herausgeholt. Die großen Comicverlage Marvel und DC nutzen diese Gelddruckmaschine ebenfalls um den Fans auch den letzten Cent aus der Tasche zu ziehen. Dabei empfinde ich manche Sachen zwar als nervig, aber durchaus nachvollziehbar, beispielsweise Action- oder Sammel-Figuren zu den Charakteren. In den letzten Jahren treibt diese Industrie aber vermehrt seltsame Blüten, wie den Fellhocker im Chewbacca-Design, den Strickpullunder für Iron Man oder einen aufblasbaren Deadpool, der eher Ähnlichkeit mit einer Sex-Puppe hat. Zahlreiche Fachvorträge zur Lizenzverwertung gehören folgerichtig zum normalen Messeprogramm und viele der ausliegenden Fachzeitschriften beschäftigen sich mit diesem Thema.
Vor allem interessant war für mich der plötzliche Umschwung, was die Schwerpunkte angeht: Waren letztes und vorletztes Jahr Zombies in allen möglichen Varianten unglaublich dominant vertreten, so gab es diesmal mit Zomlings nur einen Hersteller, der auf die Untoten gesetzt hatte. Stattdessen galoppierten an gefühlt jedem zweiten Stand Einhörner in den unterschiedlichsten Varianten durch die Deko. Ganz gleich ob als Kunststoff-Variante von Schleich, als korpulente Plüsch-Figur von Nici oder als Spielmais-Skulptur bei fischer. Natürlich beschwere ich mich nicht wirklich darüber, konnte ich doch zum Schluss keine Zombies mehr sehen, aber nach einem Tag Messe hat sich ein schreiendes Pink in meine Netzhaut gebrannt. Sogar vor meinem geliebten King of Tokyo machen die gehörnten Pferde nicht halt.
Von diesen kleinen Dämpfern abgesehen war die diesjährige Spielwarenmesse für mich eine durchaus gelungene Veranstaltung. Ich hatte die Gelegenheit eine ganze Menge Neuerscheinungen zu begutachten, mich teilweise sogar intensiver mit ihnen auseinander zu setzen. Zeit für das eine oder andere Schwätzchen blieb auch noch und schließlich konnte ich sogar einige wertvolle Mal- und Modellbautipps mit nach Hause nehmen. Nur ein Tag war (wie eigentlich jedes Jahr) deutlich zu wenig um sich auch nur einen groben Überblick über die ganzen Neuheiten zu verschaffen - manche Hallen durchquerte ich erst nach dem eigentlichen Messeschluss auf dem Heimweg zum ersten Mal. Vielleicht schaffe ich es ja doch irgendwann einmal zwei oder gar drei Tage in Nürnberg zu verbringen, allerdings müsste ich dafür jetzt schon Zimmer buchen, wie mir ein Bekannter sagte.
Die Organisatoren haben, soweit ich das beurteilen kann, in diesem Jahr wieder hervorragende Arbeit geleistet. Alle Abläufe gingen reibungslos vonstatten, weder gab es Gedränge an den Eingängen noch lange Warteschlangen vor den U-Bahn-Stationen; Hallenpläne, Ausstellerverzeichnisse und Neuheitenlisten waren nicht nur auf der Homepage vorhanden, sie lagen auch in den Messehallen selbst aus. Wer den rein elektronischen Weg bevorzugt, konnte mit der dazugehörigen App zusätzlich noch seine Termine koordinieren und entsprechende Anmerkungen eintragen.
Laut der Messe selbst wurde die guten Zahlen von Vorjahr nochmals übertroffen: gut 73.000 Besucher und beinahe 2.900 Aussteller haben die sechs Tage genutzt sich und ihre Produkte dem interessierten Fachpublikum zu präsentieren.
Sonntag, 29. Januar 2017
[Live-Hörspiel] The Call of Cthulhu
Freitag, 27. Januar 2017
Alfons-Jung-Saal, Wiesbaden
Mit kurzer Verspätung stattet der frisch gewählte US-Präsident Donald Trump (Christopher Buhr) dem Saal einen kurzen Besuch ab, freut sich über die zahlreichen Besucher, die nur seinetwegen hier sind und äußert sich abfällig über das völlig überbewertete Kryptonite Radio Theater. Als musikalische Einleitung erzählt Diana Schupp noch über ihre kurze, tragische (aber durchaus komische) Liebesgeschichte mit einem Spanier, bevor es dann wirklich losgeht.
Die Rahmenhandlung beginnt in Boston mit den beiden Polizisten, Detective Jack Mallory (David Mark) und Sergeant Nick Hale (Andrew Graham), die zu einem Tatort gerufen werden. Bei dem bedauernswerten Mordopfer handelt es sich um Francis Weyland Thurston, den Erzähler aus H.P. Lovecrafts Call of Cthulhu. Während Hale den Fall als eher alltägliches Verbrechen ansieht, vertieft sich Mallory immer weiter in die gefundenen Unterlagen und erfährt auf diesem Weg von den Forschungen die Thurstons Onkel, der kürzlich verstorbene Anthropologe Professor George Gammel Angell, angestellt hat.
Freitag, 27. Januar 2017
Alfons-Jung-Saal, Wiesbaden
Vor einigen
Wochen landete ein kleiner Flyer in meinem digitalen Postfach, auf
dem sehr prominent der Titel The Call of Cthulhu prangte.
Neugierig wie ich bin, folgte ich dem Link und fand heraus, dass es
sich dabei um Werbung für ein Live-Hörspiel handelte. Stattfinden
sollte das Ganze im Alfons-Jung-Saal, der Wiesbadener St.
Bonifazius-Gemeinde zugehörig.
Obwohl ich mich relativ viel mit der
Kulturlandschaft der hessischen Landeshauptstadt befasse, hatte ich
bisher weder von diesem Saal, noch von der Existenz des
Veranstalters, dem Kryptonite Radio Theater, etwas gehört.
Bei dieser Gruppe handelt es sich, wie eine kurze Recherche ergab, um
zumeist US-amerikanischen Schauspieler, die schon seit 2010 immer
wieder Hörspiele auf die Bühne bringen. Ihr Repertoire umfasst
dabei so unterschiedliche Stücke wie den Klassiker Casablanca,
das Fantasy-Epos Dungeons & Demons oder King Kong.
Die
Veranstaltung ist praktisch ausverkauft und ich bin froh, dass ich so
früh vor Ort bin. Ein Platz in der zweiten Reihe erlaubt mir einen
ungehinderten Blick auf die Bühne und ich kann mir mit ein wenig
unauffälligem Geschiebe noch etwas mehr Beinfreiheit erarbeiten.
Schnell besorge ich mir noch ein Getränk an der Bar, während sich
der Saal immer weiter füllt. Ein kurzer Blick in die Runde zeigt ein
ungewöhnlich gut durchmischtes Publikum – ich hatte dagegen mit
deutlich mehr schwarz Gekleideten gerechnet.
Mit kurzer Verspätung stattet der frisch gewählte US-Präsident Donald Trump (Christopher Buhr) dem Saal einen kurzen Besuch ab, freut sich über die zahlreichen Besucher, die nur seinetwegen hier sind und äußert sich abfällig über das völlig überbewertete Kryptonite Radio Theater. Als musikalische Einleitung erzählt Diana Schupp noch über ihre kurze, tragische (aber durchaus komische) Liebesgeschichte mit einem Spanier, bevor es dann wirklich losgeht.
Die Rahmenhandlung beginnt in Boston mit den beiden Polizisten, Detective Jack Mallory (David Mark) und Sergeant Nick Hale (Andrew Graham), die zu einem Tatort gerufen werden. Bei dem bedauernswerten Mordopfer handelt es sich um Francis Weyland Thurston, den Erzähler aus H.P. Lovecrafts Call of Cthulhu. Während Hale den Fall als eher alltägliches Verbrechen ansieht, vertieft sich Mallory immer weiter in die gefundenen Unterlagen und erfährt auf diesem Weg von den Forschungen die Thurstons Onkel, der kürzlich verstorbene Anthropologe Professor George Gammel Angell, angestellt hat.
Zu diesem
Zeitpunkt tritt die Rahmenhandlung mit den beiden Polizisten weit in
den Hintergrund und die eigentliche Geschichte startet mit dem ersten
Teil "The Horror in Clay". Dabei übernimmt Laura
Helmke-Long die Rolle der Erzählerin, während der Rest des
Ensembles in wechselnde Rollen schlüpft.
Eben jener
Professor Angell bekommt im Jahr 1925 Besuch von dem jungen Bildhauer
Henry Wilcox, der in einem Traum die Skulptur eines monströsen
Wesens geschaffen hat, das er Cthulhu nennt. Der Wissenschaftler hat
schon früher von einem Kult gehört, der sich um diese Kreatur
gebildet hat. Die Träume des Künstlers intensivieren sich und der
Professor protokolliert die Inhalte akribisch. Daneben sammelt er
Zeitungsberichte und befragt Freunde und Bekannte und erkennt, dass
auch andere Menschen auf der ganzen Welt ähnliche Träume haben.
Der zweite
Abschnitt der Geschichte, "The Tale of Inspector Legrasse",
macht einen Sprung zurück ins Jahr 1908. Hier erfährt Professor
Angell zum ersten Mal vom Kult des Cthulhu durch Inspector Legrasse
(Michael Lee). Dieser erzählt von mörderischen Ritualen in den
Sümpfen von New Orleans und zeigt den versammelten Wissenschaftlern
eine merkwürdige Statue. Diese Mischung aus Drache, Tintenfisch und
Mensch ähnelt sehr der Skulptur des Bildhauers und stellt die
Gelehrten vor ein Rätsel. Einzig Professor Webb, eine Autorität auf
dem Gebiet der Anthropologie, hat eine ähnliche Abbildung vor 50
Jahren auf Grönland bei einem degenerierten Eskimo-Stamm schon
einmal gesehen. Polizist und Wissenschaftler vergleichen ihre
Erkenntnisse und kommen zu dem Schluss, dass es sich um einen
weltweiten Kult handelt, der den Großen Alten Cthulhu anbetet.
Daran
schließt sich ein weiterer Werbeblock an, gefolgt von einer kurzen
Pause. Wie schon am Anfang gibt es einen Kommentar des Präsidenten
und eine Episode aus dem Leben von Diana Schupp. Diesmal singt sie
den Zuhörern aus ihren bewegten Karriere auf den Bühnen der Welt
vor.
Die
eigentliche Geschichte wird mit dem dritten und letzten Kapitel "The
Madness from the Sea" abgeschlossen. Nach dem Tod seines Onkels
geht Francis Thurston weiter den Berichten über den Kult nach und
reist dabei nach Neuseeland und Australien. Dort soll der Seemann
Johansen (Mike Riepl) leben, der auf seinen Reisen ein merkwürdiges
Erlebnis hatte. Thurston folgt Johansens Spur nach Oslo, muss aber
feststellen, dass der Mann mittlerweile unter merkwürdigen Umständen
verstorben ist. Jedoch hinterließ er seiner Witwe (Anna Gardner) ein
Tagebuch, mit den Ereignissen seiner letzten Reise.
Auf dem Weg nach Kalau wurde sein Schiff von degenerierten Kultisten angegriffen, jedoch konnten sie diese besiegen. An Bord des feindlichen Schiffes fand Johansen eine Statue, die eine frappierende Ähnlichkeit mit den Abbildungen aus Grönland und New Orleans hatte. Auf der Weiterreise landete das Schiff, die Alert, auf einer Insel, die offensichtlich durch ein Erdbeben an die Oberfläche gehoben wurde. Die überlebenden Seeleute erkundeten die Bauwerke auf der Insel und es gelang ihnen die Tür zu einem der Gebäude zu öffnen. Aus dieser Gruft kroch schließlich jene gewaltige Kreatur, die als Vorbild für die Statuen diente. Nur Johansen und einem weiteren Matrosen gelang die Flucht von der Insel, die anderen starben vor Schreck, wurden von dem Großen Alten getötet oder von den abstrakten Winkeln der Gebäude verschlungen. Der Eintrag endet mit der Beschreibung, dass Johansen sein Boot direkt in das Monster hinein steuert und es damit zerstört. Während sich Cthulhu wieder zusammensetzt gelingt den beiden Seeleuten die Flucht, doch sie verlieren über den Schrecken den Verstand. Während der Matrose Briden stirbt, überlebt Johansen und kehrt, getrieben von schrecklichen Alpträumen, in seine Heimat zurück. Doch schon nach kurzer Zeit kommt er bei einem Unfall ums Leben und alles was Thurston bleibt, sind die Einträge in dem Tagebuch.
Auf dem Weg nach Kalau wurde sein Schiff von degenerierten Kultisten angegriffen, jedoch konnten sie diese besiegen. An Bord des feindlichen Schiffes fand Johansen eine Statue, die eine frappierende Ähnlichkeit mit den Abbildungen aus Grönland und New Orleans hatte. Auf der Weiterreise landete das Schiff, die Alert, auf einer Insel, die offensichtlich durch ein Erdbeben an die Oberfläche gehoben wurde. Die überlebenden Seeleute erkundeten die Bauwerke auf der Insel und es gelang ihnen die Tür zu einem der Gebäude zu öffnen. Aus dieser Gruft kroch schließlich jene gewaltige Kreatur, die als Vorbild für die Statuen diente. Nur Johansen und einem weiteren Matrosen gelang die Flucht von der Insel, die anderen starben vor Schreck, wurden von dem Großen Alten getötet oder von den abstrakten Winkeln der Gebäude verschlungen. Der Eintrag endet mit der Beschreibung, dass Johansen sein Boot direkt in das Monster hinein steuert und es damit zerstört. Während sich Cthulhu wieder zusammensetzt gelingt den beiden Seeleuten die Flucht, doch sie verlieren über den Schrecken den Verstand. Während der Matrose Briden stirbt, überlebt Johansen und kehrt, getrieben von schrecklichen Alpträumen, in seine Heimat zurück. Doch schon nach kurzer Zeit kommt er bei einem Unfall ums Leben und alles was Thurston bleibt, sind die Einträge in dem Tagebuch.
Damit endet
die ursprüngliche Geschichte Lovecrafts und die Rahmenhandlung mit
den beiden Bostoner Polizisten tritt wieder in den Vordergrund.
Während Mallory sich ganz in die Aufzeichungen des Verstorbenen
vertieft hat, gelingt es Hale tatsächlich einen Verdächtigen im
Hafen zu lokalisieren und die Gesetzeshüter machen sich auf den Weg,
um den Kultisten zu verhaften...
Diese
Vorstellung des Kryptonite Radio Theater basiert auf der
Adaption der H.P. Lovecraft Historical Society, die schon
mehrere Geschichten des Autors im Stil alter Radio-Hörspiele
aufbereitet haben.
Die sechs
Schauspieler schlüpfen in die unterschiedlichsten Rollen - in einem
Moment ein tapferer Polizeibeamter, wenige Sekunden später ein
degenierter Kultist, eine Krankenschwester, ein Gelehrter, ein
Seemann oder ein Hillbilly. Aussprache und Akzente wechseln dabei
ebenso schnell wie Kopfbedeckungen und Accessoires, die den
Rollenwechsel weiter verdeutlichen. Auch Mimik und Körpersprache
wechseln beständig und demonstrieren eindrucksvoll die
Vielseitigkeit der Beteiligten. Während meist nur zwei oder drei
Charaktere direkt eingebunden sind, gibt es mehrere Szenen, in denen
das komplette Ensemble gefordert ist, beispielsweise bei der
Erkundung der mysteriösen Insel oder beim Kampf gegen die
degenerierten Kultisten in den Sümpfen.
Die
dezente, aber sehr effektive, musikalische Untermalung kommt aus der
Konverse, die Soundeffekte werden dagegen live von Anna Gardner
erzeugt. Mit ihren Utensilien nimmt sie den kompletten rechten
Bühnenrand ein und plantscht fast zwei Stunden lang in Wasser,
raschelt mit Bändern, stößt Messer in Salatköpfe, schlägt Türen
zu oder klopft auf unterschiedlichste Oberflächen.
Unterbrochen
wird die Geschichte auch immer wieder durch kleine (und sehr lustige)
Werbejingles, beispielsweise für die neue, noch schleimigere
Frühstücks-Cerealie "Cthuloops" oder Schinken-Aroma aus
der Sprühdose - zur Abwehr von Veganern und Vegetariern. Auch die
Gesangseinlagen von Diana Schupp, wenn auch ohne cthuloiden Bezug,
sind sehr gelungen und lockern das eigentlich finstere Stück auf.
Bisher
hatte ich keine Vorstellung, wie ein Live-Hörspiel funktioniert. The
Call of Cthulhu hat sich als wirklich großartige Mischung aus
Theater und szenischer Lesung erwiesen, die sehr gut zu unterhalten
weiß. Einerseits wurde die Horror-Geschichte stimmig und sehr
atmosphärisch umgesetzt, andererseits nahmen sich die Beteiligten
nicht zu ernst und sorgten zwischendurch immer wieder für Lacher.
Dabei agierten die Schauspieler mit sichtlich Spaß an der Sache und
bescherten so den Zuschauern einen wirklich gelungenen,
unterhaltsamen Abend mit einer ungewöhnlichen Veranstaltung. Es wird
sicherlich nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich dem Kryptonite
Radio Theater einen Besuch abgestattet habe.
Montag, 12. Dezember 2016
VNV Nation; Das Rind; Rüsselsheim
[Konzert] VNV NationDonnerstag, 8. Dezember 2016
Das Rind, Rüsselsheim
Ende der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts stolperte ich zum ersten Mal über die Musik des (ursprünglich) britischen Elektronik-Duos VNV Nation. "Honour" vom zweiten Album Praise the Fallen rotierte grade in den einschlägigen Clubs - die Mischung aus trocken, harten Beats, epischen Klangteppichen und eingängigen Melodien traf nicht nur bei mir einen Nerv. Schon nach kurzer Zeit entwickelte sich daraus mit Futurepop sogar ein eigenes Genre und die beiden Musiker wurden mit dem folgenden Album Empires auch außerhalb der Szene bekannt. Für die Band folgte eine beeindruckende Erfolgsgeschichte mit zahlreichen Alben, Chartplatzierungen und ausgedehnten Touren sowie Festivalauftritten, beispielsweise im letzten Jahr als Headliner des Amphi Festivals vor geschätzten 20.000 Besuchern.
Daher war es für mich ausgesprochen überraschend, dass die Band auf eine kleine Clubtour gehen würde, die unter dem Titel Automatic Empires lief. Direkt nachdem die sieben Termine bestätigt wurden, hatte ich das Glück noch Karten für das Konzert im Rüsselsheimer Das Rind zu bekommen, das nach gefühlt fünf Minuten ausverkauft war. Für diejenigen, die nicht so viel Erfolg hatten, gab es dann allerdings noch einen Zusatztermin...
Nachdem ich in den Wochen davor mit einem Hörsturz und einer Grippe zu kämpfen hatte, war ich Anfang Dezember dann doch wieder soweit hergestellt, dass ich es verantworten konnte auf das Konzert zu gehen. Die Zeit bis zum Öffnen der Tür verbrachte ich mit einem kleinen Bummel durch die Rüsselsheimer Innenstadt, die allerdings außer zahlreichen Baustellen für den Hessentag im kommenden Jahr nur wenige Sehenswürdigkeiten zu bieten hat. Nachdem ich mich noch mit einem Döner gestärkt hatte, machte ich mich auf den Weg ans Mainufer um mich in der Kneipe des Rind noch ein wenig aufzuwärmen.
Vor der Tür steht ein breit grinsender Ronan Harris, Sänger und Frontmann der Band, in Anzug und Mantel, nuckelt genüsslich an einer Zigarre und begrüßt mich mit einem freundlichen "Guten Abend!". Das ist mal ein Service für die Konzertbesucher!
Im Innern der Kneipe sind die Plätze rar, daher suche ich mir ein Fleckchen an der Theke und trinke noch eine Kleinigkeit, während ich den Gesprächen an den Nachbartischen lausche. Anscheinend waren einige der Besucher schon gestern beim Zusatztermin vor Ort und so bekomme ich schon einen groben Eindruck, von dem was mich gleich erwartet.
Kurz nach 19 Uhr öffnen sich dann auch die Türen zum kleinen Konzertsaal und die (noch gar nicht so zahlreichen) Besucher schlendern gelassen hinein. Da ich relativ weit vorne in der Schlange stehe, sichere ich mir im Innern einen Platz beinahe direkt an der Bühne, und traue mich auch nicht mehr diesen in den kommenden Stunden zu verlassen. Nach und nach trudelt immer mehr Publikum ein und nach einer guten halben Stunde ist Das Rind mit geschätzten 350 Besuchern auch ziemlich voll.
Die restliche Wartezeit vergeht erstaunlich schnell und während schließlich das Intro zu "Arclight" vom Band läuft, kommt langsam Bewegung auf die Bühne. Mark Jackson platziert sich hinter seinem Schlagzeug, gefolgt von zwei Keyboardern (deren Namen mir leider entfallen sind) und schließlich kommt auch Mr. Harris auf die Bühne. Die eher ruhige und von vielen Instrumentalparts getragene Nummer lässt dem Publikum Zeit sich ein wenig zu akklimatisieren und einzugrooven. Nach einer freundlichen Begrüßung, während der der Sänger zwischen Deutsch und Englisch wechselt, geht es deutlich treibender mit "Kingdom", ebenfalls vom 1999er Album Empires weiter. Ich riskiere einen kurzen Blick hinter mich und bis auf einige wenige Ausnahmen an der Bar wippt der komplette Saal im Takt mit. Danach folgt wieder ein wenig Smalltalk, die eigentliche Erklärung zum Konzept der Clubkonzerte (small, intimate) und einige Worte zu den beiden Alben Empires und Automatic, sowie der freundliche Hinweis "...to turn the fucking flash off...", nachdem der Sänger mehrfach aus unmittelbarer Nähe geblitzt wurde. Mit "Space & Time" gibt es eine schon fast poppige, eingängige Nummer, bei der lauthals mitgesungen und -geklatscht wird. Das Publikum erweist sich allerdings nicht bei allen Stücken als so textsicher, was auch den einen oder anderen Kommentar nach sich zieht. In die gleiche Kerbe schlägt "Darkangel", bei dem ebenfalls der ganze Saal feiert. Der Beat ist hier treibender und dominanter, die Melodien nicht ganz so ausgefeilt, aber dafür extrem tanzbar. Wirklich Bewegungsfreiheit gibt es zwar, vor allem im Bereich direkt vor der Bühne, nicht mehr, aber ich kann mich mit meinen Nebenleuten arrangieren, so dass zu keinen größeren Unfällen kommt.
"Fragments" präsentiert sich dagegen fast ausschließlich mit harten, trockenen EBM-Beats und einigen kurzen Samples, was von einem Teil des Publikum frenetisch gefeiert wird, während der andere, kleinere Teil mit dieser Art der Musik augenscheinlich wenig anfangen kann. Mit einem deutlich verringerten Tempo geht es mit "Further" von der Burning Empires-EP weiter. Die reinrassige Synthiepop-Nummer liefert den Zuschauern eine dringend benötigte Gelegenheit zur Erholung. Mr. Harris nutzt die Gelegenheit ebenfalls, um für einige kurze Minuten ruhig hinter dem Mikrofon zu stehen, anstatt die Bühne unentwegt auf und ab zu marschieren. "Legion", "Streamline" und "Gratitude" liefern die schon bewährte Mischung aus tanzbarem Rhythmus, gefälliger Melodie und einem eingängigem Text. Die Band hängt sich richtig rein, auch die Keyboarder an den Rändern der Bühne geben alles und auch die Zuschauer tanzen, singen und klatschen wild und ausgelassen.
Nach gut einer Stunde markiert "Distant" den emotionalen Ruhepunkt des Konzertes. Orchestrale Klangteppiche untermalen die melancholischen Vocals, während das Schlagzeug zum ersten Mal an diesem Abend komplett schweigt. Lediglich die Blitze und Sucherleuchten einiger Kameras stören die ansonsten großartigen Atmosphäre dieses Stückes. Nahtlos reihen sich "Rubicon" und, das seinerzeit als Single ausgekoppelte, "Standing" an. Zwei meiner persönlichen Lieblinge, die wieder Bewegung in den Saal bringen - der explizite Aufruf zum Tanzen ist dabei eigentlich gar nicht mehr nötig. Leichte technische Probleme gibt es zum ersten (und glücklicherweise einzigen Mal an diesem Abend) bei "Saviour": während die Musik immer lauter wird verschwinden die Vocals fast vollständig hinter den harten, treibenden Beats. Erst gegen Ende des Stückes wird es merklich besser, und der Klang wird wieder ausgewogener, um schließlich beim eigentlichen Höhepunkt des Konzertes wieder in gewohnt guter Qualität aus den Boxen zu dringen. Das Schlagwerk nimmt bei "Control" eine herausragende Rolle ein und prügelt Band und Zuschauer rücksichtslos nach vorne, lediglich unterbrochen von einigen kurzen Keyboardpassagen. Mittlerweile bewegen sich sogar die Leute an der Bar, und wirklich der ganze Saal tanzt ausgelassen und singt (oder eher, schreit) mit. Nach diesen gut sechs Minuten bin ich komplett durchgeschwitzt und merke, dass sich meine Stimme langsam verabschiedet. Da kommt es gelegen, dass sich VNV Nation für eine kurze Pause in den Backstagebereich zurückziehen.
Der zweite Teil des Konzertes beginnt mit "Nova" deutlich ruhiger und konzentriert sich wieder auf gefällige Melodien und eingängige Soundstrukturen. Dies liefert eine beinahe optimale Basis für die Vocals, die ebenfalls lautstark mitgesungen werden (zumindest von den Besuchern, die noch Stimme haben). Gegen Ende werden schließlich die Lichter der Halle komplett herunter gedimmt und die Handy-Taschenlampen im Saal sorgen für beinahe taghelle Beleuchtung. Mit der Club-Version von "Standing" vollzieht die Band einen erneuten Tempowechsel und liefert wieder einen Grund zum hemmungslosen Feiern. Länger, tanzbarer und etwas härter als die ursprüngliche Version wird das Stück gebührend bejubelt – leitet aber auch wieder eine kurze Pause ein, in der Musiker und Publikum kurz durchschnaufen können, bevor es zum Finale geht. Nach einem kleinen Plausch und der erneuten, nachdrücklichen Ermahnung den Blitz an der Kamera abzuschalten folgt "Radio", eine weitere durchaus mainstreamtaugliche, poppige Nummer. Den Abschluss bildet "Resolution", vom 2011er Album Automatic, das alle für die Band typischen Elemente verbindet und einen gelungenen Schlusspunkt unter dieses großartige Konzert setzt. Die vier Musiker lassen sich bejubeln und verabschieden sich artig von der Bühne - mit dem Versprechen in 20 Minuten am Merchandise-Stand wieder aufzutauchen. Leider habe ich am nächsten Tag keinen Urlaub und der Heimweg zieht sich erfahrungsgemäß ziemlich in die Länge. Daher mache ich mich, taub, blind, heiser und mit schmerzenden Füßen langsam auf den Heimweg.
Ich habe, glaube ich zumindest, schon lange keine Band mehr gesehen, die so offensichtlichen Spaß bei ihrer Arbeit hatte. Obwohl VNV Nation am Vorabend praktisch das gleiche Set in der gleichen Location (und sogar teilweise vor den gleichen Leuten) gespielt haben, grinste der Sänger praktisch die gesamte Zeit glücklich vor sich hin. Aber auch über das Gesicht des sonst so stoischen Mark Jackson hinter dem Schlagzeug huschte öfters ein seliges Lächeln. Die Interaktion mit dem Publikum war Ronan Harris augenscheinlich extrem wichtig - er lief permanent die Bühne auf und ab, sprach beinahe jeden in der ersten, zweiten und gar dritten Reihe irgendwann im Laufe des Konzertes persönlich an und schüttelte die hingestreckten Hände. Von den vielen Sängerinnen und Sängern, die ich in den letzten Jahren gesehen habe, können es tatsächlich nur sehr wenige mit dieser Bühnenpräsenz und dem Charisma aufnehmen. Für mich das eindeutig beste Konzert des Jahres, auch wenn die Konkurrenz in dieser Hinsicht recht stark war.
Die Setlist umfasste bis auf einen Titel das komplette Album Empires und noch einige mehr aus der dazugehörigen EP Burning Empires, während von Automatic, wenn ich richtig mitgezählt habe, drei Stücke fehlten. Diese Werkschau ist ein interessantes Konzept, dass mittlerweile häufiger von Bands genutzt wird um den Zuhörern nicht nur eine "Best-Of"-Show, sondern einen Einblick auf eine bestimmte Schaffensperiode zu bieten. Für mich ist es dabei extrem spannend zu hören, ob manche Stücke auch nach 16 Jahre noch funktionieren – für die Band ist es dagegen eine gute Möglichkeit, den spät hinzugekommenen Fans die alten Sachen live zu präsentieren.
Die kurzfristig auftretenden Probleme mit der Technik hatte die Crew hinter dem Mischpult schnell im Griff – dagegen erwiesen sich die beratungsresistenten Fotografen als wesentlich größerer Störfaktor. Es sollte doch eigentlich jedem klar sein, wie unangenehm es ist, aus wenigen Metern geblitzt oder angestrahlt zu werden – und doch haben es einige Besucher auch nach mehrfacher Aufforderung nicht hinbekommen ihre Blitze auszuschalten. Vor allem in so einem kleinen Rahmen wie dem Rind ist dies für die Künstler, aber auch für die danebenstehenden Besucher extrem lästig.
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