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Sonntag, 8. Februar 2026

Spielwarenmesse 2026


[Messe] Spielwarenmesse 2026

29. Januar 2026 
NürnbergMesse, Nürnberg

 


Wie jedes Jahr nutzen zahlreiche Verlage die Spielwarenmesse in Nürnberg, um kommende Veröffentlichungen zu präsentieren, den einen oder anderen Prototyp anzuteasern und natürlich für die Kontaktpflege. Hinzu kommt außerdem noch, dass die Messe 2026 ihr 75jähriges Bestehen feiert. Diese Gelegenheit kann und möchte ich mir nicht entgehen lassen und so führt auch in diesem Jahr mein Weg wieder in die Frankenmetropole. Der organisatorische Teil ist relativ schnell erledigt, so dass ich dem Termin entspannt entgegensehen kann.

Einzig die Anreise bereitet mir ein wenig Kopfzerbrechen. Der öffentliche Nahverkehr im Rhein-Main-Gebiet gleicht derzeit einem Glücksspiel - die aktuelle Wetterlage macht die Situation nicht besser. So muss ich meine ursprünglichen Pläne revidieren und fahre an einem verregneten Donnerstagmorgen mit dem Auto direkt nach Frankfurt. Die anschließende Fahrt mit der S-Bahn vom Parkplatz an den Hauptbahnhof verläuft genau so, wie es sein sollte - entspannt und pünktlich. Ich habe sogar ausreichend Zeit für ein kleines Frühstück.

Das Schaukelpferd
Während ich mein belegtes Brötchen vertilge, schiele zwischendurch immer wieder auf die Anzeigentafel. Zuerst verspätet sich die Abfahrtszeit des Zuges um acht Minuten, dann sind es bereits 20 Minuten und schließlich fällt er komplett aus - ohne Angabe von Gründen. Das Schalterpersonal kann mir auch nicht weiterhelfen und vertröstet mich. Also muss ich auf den nächsten ICE Richtung Bayern warten. Fahrplanmäßig soll dieser eine Stunde später starten, ich würde meine Termine alle schaffen. Leider ist diese Hoffnung nur von kurzer Dauer, denn auch hier kommen die Fahrtzeitkorrekturen im Minutentakt. Zuerst spricht die Durchsage von Streckenschäden, dann Schäden am Zug und am Ende sind es "Technische Probleme" welche die Einfahrt verzögern. Als der Zug mit gut 70minütiger Verspätung den Frankfurter Hauptbahnhof erreicht, habe ich meinen ersten Termin schon absagen müssen.

Am Ende komme ich fast 90 Minuten später als geplant in Nürnberg an - und bin bereits minimal genervt. Immerhin verläuft die Weiterreise zu den Messehallen mit der hiesigen U-Bahn vorbildlich. Nachdem der erste Zug direkt vor meiner Nase den Bahnhof verlassen hat, kommt nur wenige Augenblicke später die nächste ans Gleis. Und nach nicht einmal 20 Minuten stehe ich schon im Eingangsbereich Mitte. Von hier sind es nur einige Schritte bis zu meinem Termin.

HeidelBÄR Games

Noch mit Jacke und Reisegepäck erreiche ich den Stand in Halle 10.1 - und habe immerhin ganze zwei Minuten Puffer bis zu meinem Termin. Nach einer kurzen Verschnaufpause folgt ein ausführlicher Überblick der aktuellen und kommenden Neuheiten des Verlags aus dem Odenwald. Für das mehrfach preisgekrönte und mit zahlreichen Ablegern ausgestattete Codenames stehen eine Art Mini-Erweiterungen in den Startlöchern. Dabei handelt es sich um thematisch eng definierte Karten-Packs zu Märchen, SciFi und possierlichen Tieren. Neben den 25 Begriffskarten gibt es zudem neu illustrierte Agenten. Noch im Entstehen ist die deutsche Version von Spyworld, das bisher nur im französischen Original vorliegt. Im ersten Teil des Spiels baut man sein geheimes Hauptquartier mit Fallen, Technik und Handlangern auf, um im zweiten Part, eine gegnerische Basis zu infiltrieren. Comichafte Aufmachung, ein originelles Spielprinzip und die Möglichkeit, die Mitspieler zu ärgern bringen das Spiel auf meine To-Do-Liste. Einen kurzen Abriss über die beiden bereits erschienenen Legespiele Railroad Tiles und Wispwood gibt es der Vollständigkeit halber obendrauf. Besonders interessiert mich jedoch The Queen's Dilemma, dessen Veröffentlichung gegen Ende des Jahres geplant ist. Wie schon beim Vorgänger handelt es sich hier um ein anspruchsvolles Legacy-Strategiespiel mit eindrucksvollem Umfang und opulenter Ausstattung. Der erste Eindruck ist sehr, sehr gut, bis ich das Spiel genauer unter die Lupe nehmen kann, wird aber sicher noch einige Zeit vergehen.

Viele, viele SteinchenNach diesem ausführlichen Überblick auf die Produktpalette mache ich mich endlich auf den Weg ins Pressezentrum. Hier gibt es, trotz der fortgeschrittenen Stunde, einen freien Spind, in dem ich meine Habseligkeiten verstauen kann. Bei einer kurzen Pause (und einem zweiten Frühstück) sichte ich das ausliegende Informationsmaterial. Der absehbare Trend aus den vorangegangenen Jahren hat sich hier weiter fortgesetzt. Kaum noch gedruckte Pressemappen liegen in den Regalen, sondern hauptsächlich QR-Codes, die auf entsprechende Internetpräsenzen verweisen. Auf der einen Seite ist es natürlich verständlich, dass so Kosten und Abfall vermieden werden. Andererseits komme ich ursprünglich aus der Druckindustrie und es tut mir immer ein Stückchen weh, wenn ich deren Niedergang sehen muss. Frisch gestärkt und mit den neuesten Informationen versorgt mache ich mich schon bald wieder auf den Weg.

Durch die fehlende Zeit muss ich meinen Messebesuch deutlich straffen. Dies stellt diesmal allerdings kein größeres Problem dar, da sich die Anzahl der Aussteller außerhalb des Bereichs der Gesellschaftsspiele, die mich interessieren, weiter reduziert hat. Daher passiere ich die Hallen 7A, 7 und 9 im Schnelldurchlauf und werfe nur einen gelegentlichen Blick in die Auslagen der verschiedenen Hersteller. Und so beginnt mein eigentliches Programm mit dem Betreten der Halle 10.

Kosmos

Wie gewohnt hat der Stuttgarter Verlag einen großen, ausladenden Eckstand im Eingangsbereich der Halle. Die zahlreichen Experimentierkästen gehören nicht wirklich zu meinem Interessengebiet, daher gehe ich zügig in den hinteren Teil des Standes, da sich hier die Brettspiele befinden. Die Exit-Serie feiert in mittlerweile ihr zehnjähriges Jubiläum. Entsprechend ausführlich werden die bekannten, aber auch die neuen Spiele des Franchise präsentiert. An weiteren Krimi- und Exitspielen besteht in diesem Jahr ebenfalls kein Mangel. Bei den zahlreichen Veröffentlichungen fällt es schwer, den Überblick zu behalten.

10jähriges JubiläumNatürlich wird auch Catan mit zwei Neuerungen bedacht. Mit Catan - Das Kartenspiel und Catan - Das Würfelspiel übernehmen, zumindest soweit ich das sehen konnte, einige Elemente des Originals und kombinieren diese mit anderen bekannten Mechanismen. Sehr hübsch aufgemacht ist das Zwei-Personen-Spiel Fantasy Ink, bei dem es darum mythische Figuren für seine Geschichte zu sammeln. Die Mechanik, bei der mittels Würfeln Wesen angelockt und gesammelt werden müssen, klingt originell. Sicherlich ein weiteres Spiel, dass ich im Auge behalten werde. Ebenfalls auffällig ist Koi, bei dem es darum geht, einen japanischen Garten mit Teich und Fischen anzulegen. Rein optisch hat mir das Legespiel gut gefallen, zum Spielablauf und den Mechaniken kann ich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nichts sagen.

moses.

Obwohl der Verlag eine breit gefächerte Produktpalette auf der Messe ausstellt, interessieren mich natürlich in erster Linie die Spiele. Meist handelt es sich dabei um kommunikative Quiz- oder Partyspiele - und auch dieses Jahr macht da keine Ausnahme. Neue Titel aus der black stories-Serie (beispielsweise Holy Shit!, Cold Cases und Serienkiller) sind für mich grundsätzlich interessant. Das Prinzip ist zwar immer das Gleiche, aber die Geschichten, die sich die Autoren ausdenken (oder aus dem wahren Leben übernehmen), haben auch nach über 20 Jahren nichts von ihrem Unterhaltungswert eingebüßt. Alleine vom Titel her erregt Was passiert, wenn ich dran lecke?
Schicke Verpackung
Aufmerksamkeit. Dahinter verbirgt sich ein originelles Rate- und Assoziationsspiel, das, zumindest vom ersten Eindruck, für einige lustige Runden auf der nächsten Party sorgt. Ein Rennspiel mit Anspruch und taktischen Entscheidungen ist 3 x Universum, bei dem die Spieler von Planet zu Planet reisen, dort Vorräte aufnehmen und versuchen, vor den Mitspielern das Ziel zu erreichen. Relativ locker und nicht von zu starkem Konkurrenzdenken geprägt handelt es sich hier um ein hübsches, kleines Familienspiel.

Piatnik

Hier gibt es gleich zwei Aufbau-Spiele, die mich interessieren. Bei Die Hängenden Gärten geht es um die Zusammenstellung eben jener botanischen Wunderwerke. Hier steht die harmonische (und gewinnbringende) Kombination von verschiedenen Pflanzen und Tieren zu einem stimmigen Gesamtkonzept im Vordergrund. Projekt Skyline ist dagegen in der Moderne angesiedelt. Hochhäuser müssen ins Stadtbild integriert werden und wie bei Immobilien üblich geht es um "Lage! Lage! Lage!". Spiele dieses Genres funktionieren nicht immer für mich, aber ich werde mir einen oder gar beide Titel bei Gelegenheit genauer vornehmen.

Game Factory / Carletto

Der Fokus liegt hier diesmal eher im Bereich der Kinderspiele, dennoch sind zumindest zwei Neuveröffentlichungen für mich nicht uninteressant. In Chroma müssen farbige Karten in einem vorgegebenen Farbsystem anordnen. Dabei sorgen verschiedene Sonderkarten für Abwechslung und Interaktion zwischen den Mitspielern. Eine alternative Variante mit PANTONE- oder HKS-Farben hätte mir sicherlich während meiner Tätigkeit als Ausbilder gute Dienste geleistet. Dagegen handelt es sich bei Dito! um ein Assoziationsspiel - je mehr Spieler auf den gleichen Begriff kommen, desto höher ist die Punktausbeute. Unkompliziert, schnell und schön, um zu sehen, wie die Mitspieler ticken.


Nicht tot zu kriegenNach dieser Tour ist eine kurze Pause angesagt. Allerdings wähle ich diesmal einen anderen Weg in Richtung Pressezentrum. Dabei fällt auf, dass doch einige Sparten beinahe vollständig verschwunden sind. Bei meinen ersten Besuchen auf der Messe haben Modellbau und Modelleisenbahnen jeweils eine ganze Halle in Beschlag genommen. Mittlerweile gibt es nur noch gefühlt eine Handvoll Aussteller, die diesen Bereich bedienen. Dies betrifft mich weniger, aber ich habe dennoch immer gerne an den Ständen gestöbert, und mir Ideen und Anregungen für eigene Projekte im Tabletop-Hobby geholt.
Als ich an meinem Ziel ankomme haben die meisten der Kollegen sich schon wieder auf den Weg gemacht. So habe ich keine Probleme einen Platz zu finden und kann sogar noch einen Teller der Lauchcremesuppe ergattern, die es zum Mittag gab. An dieser Stelle ein dickes Danke an das aufmerksame und freundliche Catering-Personal im Pressezentrum, die wieder einmal einen tollen Job abgeliefert haben.

So gestärkt bereite ich den nächsten Durchgang vor. Dank der messeeigenen App lassen sich Termine, Neuheiten und Hallenpläne recht gut verwalten. Nach einem Blick in die Ausstellerliste - und angesichts der fortgeschrittenen Stunde - beschließe ich, mich relativ wenige Verlage zu beschränken, und setze meinen Weg fort.

Chessex

Der Würfelhersteller ist eine der traditionellen Anlaufstation für mich, sowohl in Nürnberg, als auch in Essen. Insgeheim hoffe ich ja immer noch auf eine Neuauflage des grandiosen Plague & Perstilence - doch wird meine Hoffnung wieder einmal zunichtegemacht. Dafür gibt es einige neue Würfel zu sehen. Besonders angetan haben mir es die "Rentner-Würfel", dabei handelt es sich um extra große Polyeder mit kontrastreicher, gut lesbarer Beschriftung. Auch personalisierte Würfelbecher sind neu und eine hübsche Idee für Spieler, die sonst schon alles haben. Nach einem kurzen Plausch bekomme ich dankenswerterweise noch einen der neuen Messewürfel (mit UV-reaktiven Farben) in die Hand gedrückt und gehe wieder meiner Wege.

Ausgezeichnet!iDventure

Nur wenige Schritte daneben hat der Verlag aus Meerbusch seinen Stand. Hier steht natürlich die frisch mit dem ToyAward ausgezeichnete Cluebox - The Wonderbox of Alice im Fokus - der neueste Zugang im Sortiment. Mir fehlt für diese Puzzleboxen die nötige Geduld, aber ich bin immer wieder fasziniert vom vielschichtigen Aufbau dieser kleinen Holzkästchen. Das Standpersonal hat alle Hände voll zu tun - so beschränke ich mich auf einige neugierige Blicke und ein kurzes "Hallo!".

Pegasus Spiele

Wie üblich hat sich der Friedberger Verlag im SpieleCafé ausgebreitet. Auch diesmal sind die Neuheiten wieder zahlreich und es gibt von (fast) fertigen Spielen bis hin zu Prototypen in der Planungsphase alles zu sehen. So hat beispielsweise nach der Pleite von HCM Kinzel die Next Station-Serie hier ihre Heimat gefunden und ich konnte schon einen Blick auf das neue Berliner Verkehrsnetz werfen. Ebenfalls noch nicht veröffentlicht ist der nächste Vertreter der Munchkin-Reihe. Dieser beschäftigt sich mit dem Vox Machina-Setting und wird wohl im zweiten Quartal seinen Weg in die Läden finden. Auch für den Shadowrun-Ableger des Kartenspiels steckt eine Erweiterung in der Pipeline. Schon älter ist 12 Rivers, doch erst jetzt kommt das Spiel in seiner deutschen Übersetzung auf den heimischen Markt. Das Konzept ist etwas schwierig zu beschreiben - im Prinzip dreht sich alles darum, Kugeln (Perlen) einen der zwölf Flüsse hinunterrollen zu lassen. Dabei muss der Flusslauf so manipuliert werden, dass die wertvollsten Perlen natürlich bei einem selbst landen. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie das Spiel funktioniert, aber es macht zumindest einen außergewöhnlichen Eindruck.

Der Eisenbahnmodellbau lebt (noch)Mit Dorfromantik - Leichtes Gepäck bekommt das beliebte Geländebauspiel eine Einsteigervariante spendiert. Nicht auf einer bestehenden Reihe basiert Compile, bei dem die Spieler die Rollen von Künstlichen Intelligenzen übernehmen und versuchen, die gegnerischen Programmabläufe zu stören. Sowohl Grundidee wie auch Ausführung gefallen mir sehr gut und erinnern ein wenig an das selige NetRunner. Um Reichtum, Einfluss und sozialen Stand dreht sich das Kartenspiel Tax the Rich. Vielleicht zu nah an der Realität, aber ein, soweit ich das beurteilen kann, spannendes Stichspiel, mit variablen Sonderregeln und einigen Twists. Deutlich weniger sozialkritisch präsentiert sich dagegen Wine & Cheese, bei dem zwei Spieler ihre Weinberge bestellen, Produkte produzieren und versuchen, den Konkurrenten auszustechen. Auf mich macht das Spiel einen strategischen, aber dennoch entspannten Eindruck und kommt anscheinend ohne die kleinen Gemeinheiten aus, die Zwei-Personen-Spiele ansonsten ausmachen. Es gibt hier am Stand zwar noch mehr zu entdecken, doch die Zeit drängt und ich muss weiterziehen...

Amigo Spiele

Der hessische Verlag konzentriert sich bei seinen Neuheiten auf schnelle Kartenspiele. Den Anfang macht hier Greedy Goose. Dabei sammeln die Spieler die verdeckten Karten aus der Tischmitte und bedienen sich an den Stapeln der Mitspieler - wobei zu viel Gier mit Abzügen bestraft wird. Hübsch aufgemacht, zügig spielbar und einfach zu lernen - so zumindest mein erster Eindruck. Etwas anspruchsvoller ist matter Matters, ein Stichspiel, bei dem die Punktwerte zweier Farben im Gleichgewicht gehalten werden müssen. Hier war mir leider kein Anspielen möglich. Zum 30jährigen Jubiläum kommt (natürlich) eine adäquate Wizard-Edition heraus. Das altbekannte und bewährte Spielprinzip wird durch verschiedene Sonderkarten vergangener Ausgaben plus zwei neue Karten ergänzt. Neben frischen Illustrationen ist die augenfälligste Besonderheit jedoch, dass der "Block der Wahrheit" nun durch Punktechips ersetzt wird. Bis zur Veröffentlichung müssen wir uns allerdings noch bis zur SPIEL gedulden.

Archon Studio

Der polnische Verlag hat sich auf die Umsetzung von Computerspielen spezialisiert - gerne aufwändig produziert und mit viel Material ausgestattet. Vor allem Heroes of Might & Magic III mit seinen unzählige Erweiterungen und Master of Orion gibt es hier zu sehen. Außerdem stehen zahlreiche Figuren und Gelände für verschiedene Rollenspielsysteme und Tabletops in den Vitrinen. Ich finde die Auswahl und vor allem die Qualität immer wieder eindrucksvoll. Irgendwann werde ich mich sicherlich auch an eines der Spiele des Herstellers wagen - aber nicht heute.

KENDi

Wenn ich schon in der Gegend bin, schaue ich gleich bei diesem relativ jungen Verlag vorbei. Hier wird weiter am Sortiment der kleinen, unkomplizierten Kartenspiele gefeilt. Dazu haben sie zwei Neuheiten auf die Messe mitgebracht, bei denen ich jeweils die Gelegenheit habe, eine kurze Einführung zu spielen. Bei Sneaky handelt es sich um ein Würfelspiel, bei dem man durch Farbkombinationen Karten gewinnt. Allerdings haben die Mitspieler die Möglichkeit, diese wieder an sich zu bringen. Als klassisches Kartenablagespiel präsentiert sich dagegen Keine Ahnung?! kombiniert dies jedoch mit einem Memory-Element, da man zu Beginn nicht weiß, welche Karten überhaupt vor einem liegen. Beide Spiele sind eher etwas für "Zwischendurch", aber vor allem das letztere macht einen sehr vielversprechenden Eindruck.

Asmodee

Jedes Jahr stellt sich mir am Stand des Verlags die gleiche Frage: Wo fange ich an?!? Die Produktpalette ist mittlerweile so umfangreich, dass es schwerfällt, den Überblick zu behalten. Klassische Gesellschaftsspiele, Trading Card Games, Tabletops, Partyspiele und nun auch noch ein Rollenspiel liegen auf den Präsentationsflächen. Die zahlreichen Produkte aus dem Star Wars-Universum ignoriere ich dabei komplett - dazu bin ich zu wenig in der Materie, um die verschiedenen Systeme und Genres auseinanderhalten zu können. Die vielen Spiele vor dem Herr der Ringe-Hintergrund lasse ich ebenfalls links liegen. Hier hat sich im Laufe der letzten Jahre bei mir wohl eine gewisse Übersättigung eingestellt.

Daneben gibt es aber noch einige weitere Franchise-Spiele, die der Verlag zumindest ankündigt. Die Spiele zur Roman- und Fernsehserie Witcher erhalten mit Pfad des Schicksals: Ronin neuen Zuwachs. Hier bekommt das bekannte Fantasy-Setting einen asiatischen Anstrich. Bei Cyberpunk 2077 steht ein Computer-/Konsolenspiel Pate für die Umsetzung auf den heimischen Spieltisch. Viel zu sehen gibt es noch nicht, aber ausgehend von der abgeschlossenen Crowdfunding-Kampagne erwartet uns hier in absehbarer Zeit ein futuristischer Dungeon-Crawler mit umfangreicher Ausstattung und einigen ungewöhnlichen Abwandlungen des Genres. Nachdem die Arkham Horror Files bereits als verschiedene Brett-, Karten- und Würfelspiele den Weg auf die Spieltische gefunden haben, folgt in Kürze Arkham Horror - The Roleplaying Game. Zum einen ist diese Entwicklung nur folgerichtig, zum anderen ist der Hintergrund nach wie vor ausgesprochen beliebt. Was ich an Komponenten sehen konnte, handelt es sich hier um eine recht einsteigerfreundliche Rollenspiel-Variante, die sich zudem an Elementen aus den anderen Spielen der Reihe bedient. Wieder ein Spiel, dessen Veröffentlichung ich gespannt erwarte.

Cthuloide TentakelspieleIn eine ähnliche Kerbe schlägt Das Schwarze Auge - Adventure in a Box. Auch hier soll den Abenteurern der Einstieg so einfach wie möglich gemacht und die Arbeit des Spielleiters erleichtert werden. Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass auch so einem alten, etablierten und ausgearbeiteten System noch neue Aspekte abgewonnen werden können. Originell präsentiert sich dagegen Heroes of Barcadia - obwohl die ursprüngliche Veröffentlichung bereits einige Jahre zurückliegt. In diesem (nicht ganz) klassischen Fantasy-Dungeon-Crawler durchstöbern die Helden finstere Verliese auf der Suche nach geraubten Spirituosen. Das augenfälligste Merkmal ist dabei die Anzeige der Lebensenergie durch ein Getränk in einem Glas. Dem ersten Eindruck zu urteilen taugt das Spiel für entspannte Familienabende, feucht-fröhliche Partys und die engagierte Spielrunde. Aufmachung, Konzept und die Abläufe sehen vielversprechend aus. Ich werde sicherlich noch darauf zurückkommen.
 

Natürlich gibt es am Stand sehr viel mehr zu entdecken, aber meine Zeit ist leider begrenzt - und ich habe noch immer nicht alles gesehen, was ich mir vorgenommen hatte. So begnüge ich mich bei den restlichen Neuheiten nur mit einem kurzen Blick und einigen Notizen und ziehe weiter.

Vallejo

Beim spanischen Farbenhersteller gab es wenig zu sehen, was ich auf der SPIEL nicht bereits in den Händen hatte. Aber es ist schön, sich das komplette Farbprogramm in Ruhe und ohne Gedränge anschauen zu können. Nachhaltig beeindruckt haben mich dabei die Farben der True Metallic Metal-Serie. Die hier bereitgestellte Palette deckt ein breites Spektrum ab und kann sowohl mit ihrer Verarbeitung als auch mit der Deckkraft überzeugen - wie ich derzeit selbst bei einigen Miniaturen, die ich in Arbeit habe, feststellen kann.

Games Workshop

Traditionell präsentiert sich der britische Miniaturenhersteller mit gepflegtem Understatement in Nürnberg - zwei Vitrinen mit Figuren, ein Display mit aktuellen Produkten und das war es auch schon. Dazu einige emsige Handelsvertreter, die geschäftig am Stand herumwuseln und sich bereitwillig mit jedem unterhalten, der in die Nähe kommt. Wenn man sich jedoch als Pressevertreter outet, lässt das Interesse der Gesprächspartner schlagartig nach. Was mir ganz recht ist, da ich so in aller Ruhe die sehr, sehr gut bemalten und toll gestalteten Miniaturen in Augenschein nehmen kann.

Ares

Auch der italienische Verlag ist für seine opulent ausgestatteten Spiele bekannt, vor allem durch die umfangreiche War of the Ring-Serie mit ihren zahlreichen Erweiterungen und Ablegern. Die neuesten Veröffentlichungen konzentrieren sich dabei auf Belagerungen und einen Ausbau des Kartenspiels. Zwei weitere Spiele, Quartermaster General: West Front und Wunderwaffen sind thematisch im Zweiten Weltkrieg angesiedelt und gehen eher in Richtung der klassischen CoSim. Ich lasse mir von der netten Dame am Stand Viking Route erklären, ein Abenteuer- und Forschungsspiel, das erst vor kurzem via Crowdfunding realisiert wurde. Die Umsetzung der nordischen Mythologie und des Seefahrer-Hintergrunds finde ich recht gelungen. Vor allem haben es mir hier die Magnete angetan, die den Kompass und damit den Kurs des Schiffes beeinflussen.

Iello

Hier liegt mein Augenmerk natürlich bei King of Tokyo und seinen Ablegern. Wirklich viel Neues gibt es hier aber nicht zu entdecken. Eine Erweiterung für die Duell-Variante der Monsterprügelei ist als Prototyp zu bestaunen. Hier kommt ein komplett anderes Spielbrett zum Einsatz, auch die Mechaniken variieren sich ein wenig. Außerdem gibt es den, bereits in Essen vorgestellten, Hybrid mit Mindbug bei den Neuheiten. Ebenfalls im letzten Jahr erschienen (zumindest auf Englisch und Französisch) ist Popcorn, ein knallbuntes Spiel über Kinobetreiber und die Gunst der Kundschaft. Sowohl Thematik wie auch die Aufmachung gefallen mir sehr gut und ich werde das Spiel bei Gelegenheit genauer unter die Lupe nehmen.

Ravensburger

Der Spielehersteller hat sich, wie gewohnt, etwas abseits des Gros der anderen Verlage in Halle 12 niedergelassen. Durch meinen arg gestrafften Zeitplan, reicht es leider nur für einen Schnelldurchlauf der Neuheiten. Hier gibt es einen Ausbau der echoes-Reihe, Nachschub für das Trading-Card-Spiel Locarna und eine Neuauflage von Las Vegas zu sehen. Mein Augenmerk liegt jedoch auf zwei Vorabversionen: Carcassonne Labyrinth wurde bereits vor einigen Monaten angekündigt, aber bisher gab es wenig Informationen. Hier hatte ich nun die Gelegenheit, mich eingehender damit zu beschäftigen. Letzten Endes werden hier die Grundprinzipien beider Spiele kombiniert, was bei den ersten Zügen schon gut funktioniert. Direkt nebenan, ebenfalls noch nicht ganz fertig, habe ich die Möglichkeit bei Scotland Yard Duell Jagd auf Mr. X zu machen. Nach einer (gescheiterten) Verfolgung hinterlässt auch diese Variante des Klassikers bei mir einen recht guten Eindruck.
Ein abschließender Rundgang durch den Stand zeigt neue Puzzle, zahlreiche Spiele mit Fokus auf Kindern (beispielsweise Die Sandburgen von Burgund) und Familien vervollständigen das umfangreiche Neuheitensortiment des Verlags.

Der Nachmittag ist schon weit fortgeschritten, als ich erneut das Pressezentrum erreiche. Nach einer kurzen Pause sammele ich Jacke, Rucksack und die Tasche mit dem gesammelten Infomaterial ein und verabschiede mich vom immer freundlichen und hilfsbereiten Team. Als ich zu meinem letzten Termin gehe, haben sich die Hallen schon merklich geleert und ich komme zügig voran. Dies lässt mir sogar die Gelegenheit, den einen oder anderen Gang zu durchstreifen, den ich bisher nicht betreten habe. An allen Ecken gibt es hier Dinge zu entdecken, die für mich zwar nicht wirklich relevant, aber dennoch eindrucksvoll anzuschauen sind.

Schmidt Spiele

Ich beende die Messe fast genau dort, wo sie heute morgen begonnen hat - in Halle 10.1. Ich habe noch kurz Zeit bis zu meinem Termin und so schaue ich mir die zahlreichen Neuveröffentlichungen an, um die ich bisher einen Bogen gemacht habe. Besonders augenfällig ist natürlich der Maler, der für My ArtNOBLE Farbe auf die Leinwand bringt. Kein Spiel sondern ein Mal-Set für alle, die sich künstlerisch betätigen wollen. Dabei müssen fast fertige Gemälde ergänzt werden. Eine ausführliche Anleitung mit Farbtheorie und verschiedenen Techniken gibt es obendrauf.

Regale auffüllenDie Vorstellung der Neuheiten findet in einem kleinen, abgetrennten Bereich statt und ich genieße die Möglichkeit, in relativer Ruhe auf einem bequemen Stuhl die Beine auszustrecken. Beim ersten und umfangreichsten Titel handelt es sich um Morty Sorty Magic Shop. Hier ist es die wenig glamouröse Aufgabe der Spieler, Laden-Regale einzuräumen. Allerdings geht es dabei um magische Komponenten, was wiederum einen kleinen Twist in die Angelegenheit bringt. Der erste Eindruck ist ein hübsch aufgemachtes, nicht ganz einfaches Puzzle- und Legespiel, das für alle Altersgruppen geeignet ist und dessen Anspruch sich nach oben schrauben lässt.

Nicht wirklich kategorisieren kann ich dagegen Time to Schein. Ein wildes Partyspiel mit unterschiedlichsten Aufgaben, bei denen Würfel, Stifte, Gegenstände und Worte zum Einsatz kommen. Was das Ganze von ähnlichen Spielen abhebt, ist der Timer und die Möglichkeit für sein Team zusätzliche Zeit zu "kaufen", die man bei vorangegangenen Runden erspielt hat. Alleine diese Mechanik ist es wert, das Spiel ausführlich unter die Lupe zu nehmen. Dagegen kommt One Mind als eher klassisches Assoziationsspiel daher, bei dem die Spieler Zusammenhänge zwischen Worten mit vorgegebenen Anfangsbuchstaben finden müssen. Runde für Runde kommen allerdings neue Begriffe hinzu, so dass sich bestimmte Kombinationen geradezu aufdrängen. Ich mag solche Spiele prinzipiell sehr und die kurze Testrunde weckt die Vorfreude auf mehr. Eigentlich bin ich nicht die Zielgruppen, aber angespielt wird Matsch Party trotzdem. In dem Rennspiel geht es darum, sein Schwein möglichst dreckig zu machen. Das funktioniert am besten, wenn man die Figur von erhöhter Position in die Matschgrube fallen lässt. Auch ein originelles Konzept, dass sich dann aber doch an eher jüngere Spieler richtet.

Red Night

Das Timing ist fast perfekt, als ich den abgetrennten Bereich verlasse, ist grade das Catering am Stand fertig aufgebaut und das Buffet eröffnet. Während ich mir eine Auswahl des (sehr leckeren) Fingerfoods genehmige, ergibt sich die Gelegenheit den Messetag mit anderen Besuchern ein wenig Revue passieren zu lassen. Diese Gespräche sind für mich immer wieder ein Highlight, bekomme ich doch hier Eindrücke und Meinungen von Pressevertretern, Ausstellern oder Organisatoren. Nach einer längeren Pause schaue ich noch an zwei weiteren Ständen vorbei, bevor ich der Messe für dieses Jahr den Rücken kehre.
>Die Fahrt zum Bahnhof verläuft schnell und streßfrei - von dem US-amerikanischen Vertriebler abgesehen, der mir sein Bier über Jacke und Hose schüttet. Das Ganze ist ihm sichtlich peinlich, aber nicht mehr zu ändern.

Am Bahnhof angekommen bietet sich ein ähnliches Bild wie am Morgen in Frankfurt. Der Zug hat erst eine kleine, dann eine längere Verspätung und schließlich ist der nachfolgenden Zug vor meinem gebuchten ICE am Gleis. Wie zu erwarten herrscht in den Abteilen ziemliches Gedränge - dabei hilft es auch nicht, dass zahlreiche Fahrgäste offensichtlich aus dem Wintersport kommen und ihre Snowboards und Ski mit sich führen. Trotzdem gelingt es mir ein relativ ruhiges Plätzchen zu finden und ein wenig zu dösen. Der Zug zuckelt mit gemächlichen 100 km/h in Richtung Heimat - da wohl auf der Strecke viel Verkehr herrscht. Das muss ich nicht wirklich verstehen, aber mittlerweile wundert mich bei der Bahn eigentlich nichts mehr.
>Bis ich schließlich mein Ziel erreiche ist es beinahe Mitternacht, wenn es nach dem Fahrplan gegangen wäre, würde ich jetzt schon im Bett liegen. So aber mache ich mich erst mit S-Bahn und anschließend mit dem Auto auf den Weg zurück. Immerhin hat sich die Wetterlage beruhigt und die Straßen sind weitgehend frei.

Fazit

Jedes Jahr stellt die Spielwarenmesse für mich das Ende der Winterpause dar. Eine Gelegenheit, die ich mir nicht entgehen lassen möchte - zumal die Atmosphäre deutlich entspannter ist, als auf der SPIEL. Die Verlage haben sich vom Weihnachtsgeschäft erholt, geben einen Ausblick auf einen Teil ihrer Neuveröffentlichungen und knüpfen neue Kontakte. Hier gibt es tatsächlich die Möglichkeit, sich die kommenden Neuheiten in Ruhe anzuschauen und mit den Verantwortlichen zu reden. Obwohl der sich für mich interessante Teil der Messe im Prinzip nur auf zweieinhalb Hallen konzentriert, reicht ein einziger Tag nicht aus, um alles in sich aufzunehmen. Diesmal hat auch nicht geholfen, dass die Verspätung der Bahn gut 90 Minuten gekostet hat - dieser Verlust war spürbar. Ich habe jedoch die Hoffnung nicht aufgegeben, dass ich irgendwann zwei Tage in Nürnberg verbringe. Gesehen habe ich trotzdem genug - sogar viele Neuheiten angetestet oder erklärt bekommen. Natürlich kann ich nicht alle Verlage und Spiele erwähnen, die ich neben den genannten entdeckt habe. Ein kompletter Rundgang würde den Rahmen dieses Textes sprengen. Glücklicherweise gibt es für den interessierten Leser aber noch ähnlich gelagerte Messe-Nachlesen und Video-Berichte, so dass sich damit ein vollständiges Bild der Spielwarenmesse ergibt. Auch der Veranstalter selbst liefert ausführliches Informationsmaterial zu Neuheiten, Entwicklungen auf dem Spielemarkt, Auszeichnungen und einigen anderen relevanten Punkten.

Bis zum nächsten Jahr...

 

Während die Zahl der Aussteller (2.313) auf hohem Niveau stagniert, hat sich die Anzahl der Besucher (58.900) ein wenig gesteigert. Dass sich der Markt selbst und damit auch das Publikum langsam wandeln, ist mittlerweile offensichtlich. Meine gesammelten Messebilder der letzten 15 Jahre bestätigen diesen ersten, subjektiven Eindruck. Natürlich vermisse ich manche Aussteller, dafür kommt jedoch Neues hinzu. Manchmal kehren aber auch vergessene Trends wieder zurück. So hatte ich beispielsweise einen ganzen Stand mit Monchichis gesehen, die ich noch aus meiner lange zurückliegenden Schulzeit kenne. Bei anderen Dingen lässt es sich schwer vorstellen, dass sie vom Markt verschwinden. Das klassische Beispiel ist dafür LEGO, die zwar seit Mitte des letzten Jahrhunderts das gleiche Produkt haben, sich aber ständig wandeln. Ein Blick in die Neuheitenschau zeigt daneben viele Innovationen - es ist also davon auszugehen, dass Spiel- und Spielzeugerfindern die Ideen nicht so schnell ausgehen werden.

Wie gewohnt kann ich die Organisation und das Personal der Messe nur in den höchsten Tönen loben. Durchweg freundlich, kompetent und hilfsbereit zeigt die Spielwarenmesse, wie man solch eine Veranstaltung erfolgreich über die Bühne bringt - bereits im 75. Jahr.

Einige weitere Bilder von meinem (leider deutlich verkürzten) Streifzug über die Nürnberger Spielwarenmesse kann man sich HIER anschauen.

Sonntag, 12. Februar 2023

Spielwarenmesse Nürnberg 2023


[Messe] Spielwarenmesse 2023

Donnerstag, 2. Februar 2023
Nürnberg

Nachdem 2021 und 2022 die Messe ausfiel, freue ich mich, endlich wieder nach Nürnberg zu fahren. Die Spielwarenmesse im Januar 2020 war die letzte Großveranstaltung, die ich besucht habe, bevor die Seuche zugeschlagen hat. Daher mischt sich in die Vorfreude auch ein klitzekleines bisschen Unsicherheit. Zum einen erwartet mich eine längere Zugreise – was derzeit schon abenteuerlich genug ist. Zum anderen meide ich nach Möglichkeit größere Menschenansammlung. Hinzu kommt, dass mein Gesundheitszustand sich in den letzten Jahren kontinuierlich verschlechtert hat. Dennoch werfe ich die Bedenken über Bord, leiere meiner Chefin zwei freie Tage aus den Rippen und kümmere mich um Buchung und Akkreditierung.

Die Fahrt von Mainz nach Frankfurt im Regionalexpress verläuft ausnahmsweise unkompliziert und der Zug kommt sogar fast pünktlich im Hauptbahnhof von Mainhattan an. Da die Strecke derzeit aus verschiedensten Gründen sehr problematisch ist, habe ich einen großzügigen Zeitpuffer einkalkuliert. Womit ich allerdings nicht gerechnet habe, ist die Verspätung des ICE nach Nürnberg. Es gibt Probleme mit der "Bereitstellung der Wagons" - was auch immer dies jetzt konkret heißen mag. Also drücke ich mich eine zusätzlich halbe Stunde auf dem zugigen Bahnsteig herum, bis der Zug schließlich einfährt. Das Abteil ist nur halb voll, so dass ich auch ohne Sitzplatzreservierung ein gemütliches Plätzchen finde. Kurz darauf lassen sich einige Sitze hinter mir zwei Fußballfans nieder, die den Sieg ihrer Mannschaft am Vorabend in Mainz immer noch ausgiebig feiern. In der Sitzgruppe vor mir haben dagegen vier japanische Touristen ihren Platz gefunden, die fleißig eine Runde Dosenbier nach der nächsten durchziehen - und das um 7 Uhr morgens.
Entsprechend laut ist die Geräuschkulisse und an Schlaf nicht zu denken. Also döse ich ein wenig vor mich hin und gehe in Gedanken den Ablauf des Tages durch. Da ich immer noch bzw. schon wieder gesundheitlich angeschlagen bin, habe ich mir ein eher lockeres Programm für den Tag verordnet.


Als ich den Nürnberger Hauptbahnhof erreiche herrscht dort dichtes Gedränge und ich behalte meine Maske lieber an. Die ersten beiden S-Bahnen Richtung Messe sind so voll, dass ich sie ziehen lasse, als mich noch hinein zu quetschen. Glücklicherweise gibt es einen angepassten Fahrplan und es liegen nur wenige Minuten zwischen den einzelnen Bahnen. An solch einer Regelung könnten sich andere Messe-Städte durchaus ein Beispiel nehmen...

Direkt beim Betreten der Messehallen fallen mir einige Änderungen auf. So gibt es beispielsweise keine Kunststoffhüllen mehr für die Eintrittskarten und das Ausstellerverzeichnis ist nur noch in digitaler Form verfügbar. Auch sind die ausgelegten Kataloge im Pressezentrum lange nicht mehr so üppig wie in den Vorjahren. Viele Hersteller verzichten sogar ganz auf die Neuheitenpräsentation in Papierform, andere beschränken sich dagegen auf ein einzelnes Blatt mit einem QR-Code, der zur entsprechenden Internet-Präsenz führt. Schaut man sich die Entwicklung der Papierkosten an, handelt es sich hier um eine naheliegende Maßnahme - allerdings tut es mir doch sehr um die Druck-Branche leid, die mir immer noch am Herzen liegt. Das sind wieder Aufträge, die irgendwo fehlen.

Halle 7A

Mein erster Gang führt mich in die Halle 7A. Mittlerweile sind hier der Fahrzeugmodellbau und Modelleisenbahnen nebst Zubehör zusammen untergebracht. Die Anzahl der Aussteller in diesen Bereichen ist merklich zurückgegangen, so dass sie alle in einer Halle Platz finden. Auch sind viele der Stände kleiner und bescheidener als noch vor drei oder vier Jahren.

Meine erste Anlaufstelle ist NOCH, die mit ihrem riesigen Angebot für Dioramen- und Modelleisenbahnbau vor Ort sind. Vor allem deren Messeneuheit hat es mir angetan: Fertig bemalte Figuren für die Spuren N und Z - direkt aus dem 3D-Drucker. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie diese Technik funktioniert, aber das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Es wird zwar noch bis zum Sommer dauern, bis die Figuren im Handel erhältlich sind, aber der erste Eindruck war schon sehr, sehr gut.

Erst nach einiger Suche finde ich den Farbenhersteller Ammo. Der Stand ist komplett in weiß gehalten und bis auf zwei Displays mit Prospekten deutet nichts darauf hin, was hier vorgestellt wird. Keine Miniaturen oder Modellbausätze, keine Farben oder die anderen Hilfsmittel aus der Produktpalette - einfach gar nichts. Die Dame hinter dem Stand kann mir dann auch leider nichts zu den Neuheiten sagen, sondern eher etwas zu Verkaufszahlen und Marktsegmenten. So ziehe ich schnell und ernüchtert von dannen.

Glücklicherweise ist man bei Vallejo etwas anders aufgestellt. Der freundliche Herr mit der Airbrush-Pistole beantwortet ausführlich alle Fragen, während er Modelle besprüht. Ein besonderes Augenmerk liegt natürlich auf den zwei neuen Produktlinien. Bei den Colorshift Sets handelt es sich um je acht irisierende Farben. Je nach Lichteinfall ändern sich dabei Farbton und -wirkung. Die zweite Neuerung sind die XPress Colors. Mit dieser Serie ist es möglich Schatten, Mitteltöne und Lichter in einem Durchgang zu malen. Damit schließt der spanische Hersteller die Lücke zu anderen Farbmischern, die bereits seit einiger Zeit solche Farben im Programm haben. Der erste Eindruck hat mich zumindest soweit überzeugt, dass ich beim Dealer meines Vertrauens, dem Mainzer Orcish Outpost, das Grundset geordert habe.


Der letzte Punkt auf meiner To-Do-Liste, zumindest in dieser Halle, sind Scale 75. Auch hier stehen wieder die Farben im Vordergrund - in erster Linie die unterschiedlichen Themensets. Die Pigmente aus der Tube und die Ölfarben richten sich eher an den professionellen Miniaturenbemaler. Mein eigentliches Highlight sind jedoch die Resin-Figuren, die durch verschiedene Crowdfunding-Aktionen realisiert wurden - besonders die Zodiac Mystic Signs. Eine spannende Neuheit gibt es außerdem vorab zu sehen: Drop and Paint - gebrauchsfertige Airbrush-Farben, die sich grade in der Entwicklungsphase befinden.

Damit wäre mein Programm hier erledigt und ich mache mich auf den Weg zu meinen nächsten Zielen. Während ich die Halle 7 durchquere, fallen mir die große Anzahl an Dienstleistern auf. Beispielsweise sind sowohl TÜV Süd als auch TÜV Rheinland mit Ständen vertreten. Prüfungen, Zertifizierungen, logistische Abwicklung, aber auch die komplette Produktion von Spielen und Drucksachen: Für jedes einzelne Gebiet sind gleich mehrere Anbieter vor Ort.
Mein weiterer Weg führt mich durch die Halle 9, die auch in diesem Jahr ein Tummelplatz für die Feierwütigen ist. Zahlreiche Anbieter stellen ihre Feuerwerksartikel vor, Masken und Kostüme sind ebenfalls vorhanden. Dazu kommt alles, was für eine gelungene Party notwendig ist: von Luftballons über Konfetti bis hinzu den unterschiedlichsten Deko-Artikeln. Auch hier habe ich den Eindruck, dass es generell kleinere Stände sind, die sich präsentieren.

Halle 10


Schließlich erreiche ich die Halle 10 - und damit den Schwerpunkt meines Messebesuches. Kosmos haben wieder ihren gewohnten Standort am Halleneingang und so stürze ich mich gleich auf die Neuheiten. Das erste, was mir ins Auge fällt, ist Gecko Run, eine Kugelbahn, die an einer senkrechten Fläche gebaut wird. Das System ist modular und lässt sich mit Loopings, Hüpfbändern oder flexiblen Strecken beliebig erweitern. Beim Betrachten muss man jedoch aufpassen, dass man nicht über Messebesucher stolpert, die die Kugeln auf dem Boden suchen. Ich bin, zugegebenermaßen, ein Fan von solchen Bahnen, daher werde ich es wohl verstärkt im Auge behalten. Die Mischung aus Experimentierkästen, Kreativ-Sets und Astronomie-Zubehör finde ich dagegen weniger spannend. Eher interessiert mich die Exit-Reihe. Diese Escape-Room-Spiele erhalten auch in diesmal wieder massiven Zuwachs. Neben der "klassischen" Variante gibt es auch neue Puzzle und Comics. Dazu kommen mehr Krimi-Spiele, hier fällt mir besonders die Suspects-Reihe auf, die ihre Inspiration aus den Romanen von Agatha Christie zieht. Das Fantasy-Spiel Die Legenden von Andor, immerhin auch schon zehn Jahre alt, bekommt eine Big Box spendiert und mit Die Ewige Kälte einen eigenständigen Ableger. Auch für den Spielernachwuchs und Comic-Liebhaber gibt es passenden Neuheiten zum Spiel. Für Der Herr der Ringe gibt es ein weiteres Reisespiel - wobei der Verlag da schon einige im Programm hat. Hinzu kommen kleinere Neuheiten - Spiele ohne Franchise oder Serie dahinter.

Nach diesem, doch sehr umfangreichen, Angebot ist mein nächstes Ziel der wesentlich überschaubarere Stand von EMF. Nachdem sich der Verlag im Bereich der Koch- und Bastelbücher eine herausragende Rolle erarbeitet hat, fasst er nun auch auf dem Spielemarkt langsam Fuß. Der Schwerpunkt liegt hier im Bereich der Escape-Room- und Krimi-Spiele, einschließlich einigen Krimi-Dinnern. Besonders interessieren mich dabei die Lizenzen zu Babylon Berlin und Peaky Blinders. Die nette Dame vom Marketing gibt mir einen umfassenden Überblick und regt dabei mein Interesse nur noch mehr an. Das eine oder andere der Spiele kommt daher gleich auf meine Wunschliste. So beispielsweise Mörderischer Mittsommer - ein Krimi-Dinner angesiedelt in einem Wikinger-Themenpark.

Ein paar Meter weiter wartet gleich der nächste Stand auf mich. Die Schweizer vom Kampfhummel Verlag sind auch in diesem Jahr wieder vor Ort. Wirkliche Neuheiten haben sie leider nicht im Gepäck, dafür aber italienische und skandinavische Versionen von Kampf gegen das Spießertum, sowie die Reiseversion dieses Spiels.


Natürlich lasse ich mir einen Abstecher zu Archon Studio nicht nehmen. Die Polen sind für ihre hervorragenden Kunststoff-Miniaturen bekannt, beispielsweise Lizenzprodukte zu Dungeons & Dragon oder generisches Gelände. Mittlerweile veröffentlichen sie aber auch eigene Spiele im Tabletop- und Strategiebereich, so ein Skirmish basierend auf Masters of the Universe. Mir hat es vor allem der Dungeon-Crawler zum Computerspiel Wolfenstein angetan - der jedoch leider nicht auf dem heimischen Markt erhältlich ist.

Bei HCM Kinzel richten sich die Neuheiten eher an den Spielernachwuchs. Die Mischung ist hier recht vielfältig, von den Bau- und Geschicklichkeitsspielen By the Book und Crazy Cubes über das Familienratespiel Tension bis zum Deduktionsspiel Find Finley. Ich interessiere mich jedoch vor allem für das Flip & Write Next Station Tokyo - hat mir der erste Teil in London doch recht gut gefallen. Auch die beiden kommunikativen Partyspiele Mind Reader und Clueless schaue ich mir genauer an. Beide verfolgen unterschiedliche Konzepte, sind aber vom ersten Eindruck her für fast jede Spielergruppe geeignet.

Carletto bzw. Game Factory sind gleich mit zwei Ständen auf der Messe vertreten. Da Puppen und andere Kinderspielsachen eher nichts für mich sind, beschränke ich mich auf den Stand in dieser Halle. Obwohl ich keinen Termin habe, bekomme ich eine kurze Erklärung zu Wanderlust - einer der größeren Veröffentlichungen. Bei der Mischung aus Deckbuilding- und Renn-Spiel muss ein Wald durchquert werden. Ein modularer Aufbau und wechselnde Kartendecks dürften dabei für Abwechslung sorgen. Mir hat vor allem die stimmige Aufmachung gefallen. Das Rate- und Partyspiel Stadt Land Flip - Late Night, setzt die Reihe fort. Hier wird auf die Schreiberei verzichtet - es gilt, als erster den passenden Begriff zu nennen. Ein einfaches Konzept, ebensolche Regeln und ein schneller Ablauf machen das Spiel zu einem vielversprechenden Absacker. Über Splito, ein semi-kooperatives Draft-Spiel und District Noir, ein Zwei-Personen-Spiel vor Gangster-Hintergrund, war leider bis auf die Verpackung und den groben Inhalt noch nichts in Erfahrung zu bringen.

Die letzte Anlaufstelle in dieser Halle ist mit The Army Painter ein weiterer Farbhersteller. Die Dänen sind zum ersten Mal vor Ort und ich nutze die Gelegenheit ausgiebig über die Produktpalette zu reden. Im Fokus steht die neueste Generation der Speedpaints, die dem Miniaturenbemaler das Leben erleichtern sollen. Ich nutze diese Farben selbst intensiv, daher sind die geänderte Formel und vor allem die dazugehörigen Metallfarben von großem Interesse. Ich habe sogar die Gelegenheit, eine der Farben live auszuprobieren, und bin vom Ergebnis sehr angetan.

Halle 10.1

Als ich die Rolltreppe verlasse, laufe ich praktisch in den Stand von Schmidt Spiele hinein. Hier zieht es mich direkt zu New Eden, einem anspruchsvollen Aufbauspiel. Bei diesem versucht jeder Spieler, eine funktionsfähige Unterwasserstadt zu konstruieren, da das Leben auf der Erdoberfläche praktisch nicht mehr möglich ist. Eine kurze Demo lässt in interessante Thematik und einen ebensolche Spielmechanismus blicken. Sicher ein Titel, den ich mir näher anschauen werden. Etwas leichter verdaulich ist dagegen das Barista-Spiel Café del Gatto. Hier erstellt man verschiedene Kaffee-Kreationen, um diese gewinnbringend zu veräußern. Hübsch aufgemacht und nicht übermäßig komplex dürfte das Spiel Familienrunden, aber auch Nicht-Spieler ansprechen. Ungewöhnlich für den Verlag gibt es mit Chaos in Gotham City ein DC-Lizenzspiel. In dem Stichspiel versuchen die Spieler als Schurken (!) die Kontrolle über die Stadt zu erlangen. Die Superhelden-Thematik spricht mich jetzt weniger an, aber das Spiel macht einen soliden Eindruck. Bei den restlichen Neuheiten handelt es sich zumeist um Erweiterungen und Ableger bereits bekannter Titel, die in diesem Fall für mich weniger interessant sind.

Direkt nebenan geht es mit Amigo Spiele weiter. Hier ist die Anzahl der präsentierten Neuheiten zwar überschaubar - aber durchaus sehenswert. So bekommen die Partyspiele der Privacy-Reihe mit Privacy Duo einen Ableger für zwei Personen. Ich bin mir zwar noch nicht ganz sicher wie und ob das Spiel über geheime, intime Details funktioniert, aber angetestet wird es bei nächster Gelegenheit. Um eine Mischung aus Sammel- und Deckbuilding-Kartenspiel handelt es sich bei Sauscharf. Chilis haben bereits öfters eine Rolle in den Spielen des Dietzenbacher Verlages gespielt - entsprechend wird das Thema hier erneut aufgegriffen. Hier sind es die Grafiken und der Spielmechanismus, die mich neugierig machen. Nicht ganz so spannend finde ich dagegen das neue Halli Galli Twist und das Superhelden-Sammelkartenspiel Miraculous Secrets.


Am Stand von Iello gibt es ebenfalls einige Neuheiten zu sehen, beispielsweise die Erweiterungen zu Unmatched oder einen Ableger von Bunny Kingdoms. Leider ist mein Presse-Kontakt nicht mehr bei der Firma und so entfällt eine ausführliche Vorstellung der kommenden Veröffentlichungen. Mein besonderes Augenmerk liegt auf der grandiosen Monsterprügelei King of Tokyo. Für diese gibt es eine ganze Reihe von Mikro-Erweiterungen - die eine neue Spielmechanik mit sich bringen. Ganz neu, aber vor dem gleichen Hintergrund angesiedelt ist King of Monster Island. Hier müssen die Spieler kooperativ gegen das Spiel selbst antreten. Das dürfte sich zwar ungewohnt spielen - sieht aber auf jeden Fall sehr vielversprechend aus.

Als Fan der Computerspiele ist natürlich die Brettspiel-Variante von Assassins Creed bei HeidelBÄR Games für mich interessant. Leider gibt es das Spiel nicht live zu sehen - so muss ich mich mit einigen Infos aus erster Hand begnügen. Ebenfalls sehr ansprechend ist das schon im Dezember erschienene Deal with the Devil. Hier wird um Seelen geschachert, um Schätze gewuchert und alles getan, um das eigene Reich zur Blüte zu führen. Sowohl optisch als auch spielerisch sehr hübsch und thematisch auf meiner Wellenlänge! An jüngere Spieler und/oder Katzen-Liebhaber richtet sich das Reaktionsspiel Fish & Katz, bei dem mit (gestrickten) Katzenpfoten nach Fisch-Karten geangelt wird. Um Würfelmanagement und heroische Heldentaten geht es bei Hercules. Hier werden Würfelergebnisse mittels gesammelter Karten manipuliert. Ebenfalls ein Spiel, dass mich von seiner Art durchaus anspricht. Auch in der Antike sind die beiden Bau-Spiele Evora (Tempel) und Pyramido (Pyramiden) angesiedelt. Hier müssen die Spieler die entsprechenden Bauwerke errichten und dabei Punkte sammeln. Diese kommen jedoch derzeit auf meine "Vielleicht"-Liste - da ich bereits mehr als genug Spiele aus dem Genre in meiner Sammlung habe.

Neben den deutschen Versionen der meisten Iello-Spiele haben Huch! mittlerweile auch ein recht umfangreiches eigenes Verlagsprogramm. Hier hat es mir vor allem Full Moon angetan - eine Erweiterung, die das Hexen-Gebräu-Spiel Witchstone optisch und spielerisch nochmals aufwertet. Der erste Eindruck ist auf jeden Fall vielversprechend - ein entsprechender Test wird in absehbarer Zeit folgen. Daneben fallen mir das Bau- und Ressourcenmanagement von Moesteiro und das Handelsspiel East India Companies auf. Beide sind vor historischem Hintergrund angesiedelt und sehen sehr stimmig aus. Konzept und Ablauf für das Zwei-Personen-Spiel Marsch der Krabben klingen ungewöhnlich und machen auf jeden Fall neugierig. Bis zur Veröffentlichung werden aber wohl noch einige Monate ins Land ziehen.

Erst vor kurzem bin ich auf die Quizspiele von Denkriesen gestoßen. Und da der Verlag hier einen kleinen Stand hat, schaue ich auch hier kurz vorbei. Zu sehen gibt es das Erzählspiel Humbug, das in diesem Jahr für den Toy Award nominiert wurde. Bei dem kommunikativen Partyspiel, müssen Kartenillustrationen beschrieben und erraten werden. Für Bluffer und kreative Denker sicher eine gute Wahl - zumal mit vier unterschiedlichen Ausgaben für ausreichend Abwechslung gesorgt ist. Neben neuen Themen-Editionen gibt es den Verlagsklassiker Stadt Land Vollpfosten nun auch in einer Brettspielvariante. Hier wird in Teams unter Zeitdruck zusammengespielt. Und als besonderes Schmankerl kommt für die Bestimmung der Buchstaben ein 30seitiger Würfel zum Einsatz - der auch separat erhältlich ist.

Enttäuscht bin ich am Stand das britischen Tabletop-Riesen Games Workshop. Grade hier gäbe es doch einige Ankündigungen, aus denen man etwas hätte machen können, beispielsweise die neuen Grundboxen für Warcry: Bloodhunt oder Kill Team. Auch Neuigkeiten über zur kommenden Warhammer 40.000-Verfilmung hätte ich mich gefreut. Stattdessen gibt es zwei Vitrinen mit Miniaturen und ein Display mit älteren Einsteigerboxen. Als ich erwähne, dass ich kein Händler bin, sondern nur an Informationen interessiert bin, lässt mich mein Gesprächspartner abrupt stehen und muss dringend etwas hinter dem Tresen sortieren.

Der Empfang bei moses. ist dagegen deutlich freundlicher. Auf meine Frage nach den Neuerscheinungen im Spiele-Bereich, werde ich an einen enthusiastischen jungen Mann verwiesen, der mir im Detail Rede und Antwort steht. So bekommt das Krimi-Spiel Killer Cruise von Sebastian Fitzek einen kleinen Ableger. Bei diesem erwürfeln sich die Spieler den Weg durch das Kreuzfahrtschiff und versuchen die Passagiere vor einem Psychopathen zu retten. Wem das zu blutig ist, kann auf das Ratespiel Von Äh bis Z oder Wigald Bonings großes Quiz der Absurditäten zurückgreifen. Dazu kommen neue Erweiterungen für die black stories-Serie sowie einige kleinere Würfel- und Knobel-Spiele. Ich bin zwar nicht mehr die passende Zielgruppe für Das geheimnisvolle Haus, dennoch muss ich einen Blick darauf werfen. In einem dreidimensionalen Haus müssen Rätsel gelöst und drei Gegenstände gefunden werden. Hübsch aufgemacht, auf jüngere Spieler zugeschnitten und mit einer UV-Lampe als Gimmick ausgestattet - auf den ersten Blick macht es einen sehr guten Eindruck.

NSV haben in diesem Jahr nur wenig Neues im Programm. The Mind - Soulmates ist eine neue Variante des grandiosen kooperativen Karten-Ablage-Spiels. Diesmal werden die Koordinierungs-Bemühungen von einem "Seher" geleitet, der seinen Mitspielern Hinweise auf die richtigen Karten gibt. Zum zehnjährigen Jubiläum kommt außerdem eine Qwixx Edition auf den Markt. Neben dem Grundspiel kommen drei weitere Varianten der Würfelei hinzu. Außerdem werden die Abreißblocks nun durch wiederbeschreibbare Karten ersetzt.


Für den Abschluss in dieser Halle habe ich mir den Stand von Asmodee aufgehoben. Hier gibt es Ableger oder Erweiterungen verschiedener Serien zu sehen, beispielsweise Zombicide, The Witcher oder Star Wars. Mein Augenmerk liegt allerdings diesmal eher auf Spielen mit einem originelleren Hintergrund. So kombiniert Für eine Handvoll Meeple, Worker Placement, Western-Thematik und Duelle in der Mittagssonne zu einer sehr ansehnlichen Mischung. Dagegen geht es bei Hamlet nicht um den dänischen Königssohn, sondern um den Ausbau einer kleinen Siedlung. Gebaut wird kooperativ, gewinnen kann jedoch nur ein Spieler. Das Aufbau- und Handelsspiel sieht hübsch aus - über die Spielmechaniken habe ich bisher noch nichts herausgefunden. Mit einer ungewöhnlichen Thematik macht Encyclopedia auf sich aufmerksam. Hier geht es darum, eine Tiersammlung aufzubauen. Auf den ersten Blick wirkt das Spiel recht vielschichtig und anspruchsvoll. Die wirklich gelungene (und opulente) Ausstattung tut ihr Übriges, um meine Neugier zu wecken. Dazu kommen noch eine Vielzahl größerer und kleinerer Spiele. Aber da meine Zeit begrenzt ist, mache ich mich wieder auf den Weg.

Spiele-Café


Wie schon in den letzten Jahren, haben Pegasus Spiele wieder ihren Platz etwas außerhalb des Messetrubels gefunden. Auch die Friedberger haben eine gewaltige Menge an Neuerscheinungen im Gepäck - so dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. So starte ich meine Erkundungstour mit einem Thema, das mir sehr am Herzen liegt - den tentakligen Scheußlichkeiten des Mythos. Mit der Cthulhu Einstiegsbox wird es Rollenspiel-Anfängern sehr leicht gemacht, in die Abgründe des Wahnsinns einzutauchen. Charakterbögen, Würfel, ein Spielleiterschirm und drei Hefte mit Regeln und Abenteuern decken für den Anfang alles ab. Ich bin immer wieder angenehm überrascht, dass der Verlag seine Rollenspiel-Reihen nicht vernachlässigt. Das Gros der Exponate dreht sich allerdings um Brettspiele, so beispielsweise das massive Frostpunk. Die Spieler müssen hier eine Siedlung in einer menschenfeindlichen Umwelt ausbauen. Neben Forschung, Aufbau und Ressourcen-Management sind es vor allem die gemeinsamen Entscheidungen der Spieler, die die Entwicklung vorantreiben. Das Spiel liegt schon für einen der nächsten Spieleabende bereit und ich werde sicher bei Gelegenheit ausführlicher darüber schreiben. Bei Vampire: Die Maskerade - Chapters handelt es sich laut Klappentext um eine Mischung aus Rollen- und Brettspiel vor dem Hintergrund des gleichnamigen Rollenspiels. Neben tollen Figuren, einem modular erweiterbaren Spielplan und der finsteren Atmosphäre sind es vor allem die Unmengen an Karten, die hier ins Auge fallen. Für Fans der Welt der Dunkelheit sicher eine lohnende Anschaffung - zumal eine ganze Reihe Erweiterungen bereits angekündigt sind. Mich hat das Thema jedoch noch nie so wirklich begeistern können; außerdem schreckt mich der Preis ein wenig ab. Auf einem Videospiel basiert The Binding of Issac, bei dem es darum Schätze, Beute und Seelen zu sammeln. Das Kartenspiel kommt in einer normalen Edition und in der Super-Luxus-Ausgabe mit zahlreichen Extras aus der Crowdfunding-Kampagne. Die Mischung aus Humor, ungewöhnlicher Thematik und dem hinterhältigen Charakter des Spiels spricht mich doch schon sehr an. Sehr viel konventioneller präsentiert sich dagegen das Entdecker- und Aufbauspiel Orichalkum. Soweit ich sehen konnte ist das Spiel durchaus taktisch und anspruchsvoll und verfügt über eine ganze Reihe von verschiedenen Stellschrauben, die zum Sieg führen. Sicher ein Titel, den ich mir bei Gelegenheit näher anschauen werde. Die anderen Spiele, beispielsweise Munchkin 10: Zeitsprung, Black Hole Buccaneers oder Revive überfliege ich nur kurz, da es schon spät ist und mir immer noch einige Punkte auf meiner To-Do-Liste fehlen.

Halle 12


Diese Halle hat zwar auch einige interessante Aussteller, aber die Zeit drängt und so beschränke ich mich nur auf den zentral gelegenen Stand von Ravensburger. Mein Fokus liegt vor allem auf den Krimi- und Escape-Room-Spielen. Die echoes-Serie ist mittlerweile auf sechs Teile angewachsen. Das innovative, ausgezeichnete Konzept verbindet Karten und Töne/Geräusche und ist anscheinend noch lange nicht ausgereizt. Im aktuellen Teil Mord auf Ex müssen die Spieler einen realen Mordfall aus dem 19. Jahrhundert aufklären. Time Guardian Adventures kombiniert dagegen Puzzle und Logikaufgabe mit einer Krimi-Geschichte. Das Ganze sieht auf jeden Fall sehr hübsch aus, ist mir aber zu frickelig. Daneben gibt es eine Neuauflage von Burgundy zu sehen, einen Villainous-Ausflug ins Star Wars-Universum und ein Laufspiel vor dem Der Herr der Ringe-Hintergrund. Die Kugelbahn GraviTrax bekommt eine ganze Reihe Erweiterungen und zudem einen Ableger, der sich an deutlich jüngere Spieler richtet. Im Zentrum der Präsentation steht allerdings das Sammelkartenspiel Disney Locarna. Wie das Spiel selbst funktioniert, konnte ich mir leider nicht anschauen. Als Magier beschwört der Spieler Charaktere aus dem kompletten Disney-Fundus und tritt damit gegen die Figuren der Gegner an. Klingt jetzt nicht so schrecklich originell - daher wäre die Spielmechanik schon sehr interessant.

Halle 12.1


Obwohl ich es versäumt habe, mir einen Termin zu machen, bekomme ich bei Revell dennoch einen ausführlichen Rundgang - vielen Dank dafür! Der Modellbauer hat wieder eine Vielzahl spektakulärer neuer Bausätze im Programm. Neben den gängigen, realen Fahrzeugen sind es vor allem die Modelle aus den Star Wars-Filmen, die in diesem Jahr im Fokus stehen. Die Produktpalette reicht hier von relativ einfachen Steckbausätzen im Set mit Farben und Kleber bis zu wirklich anspruchsvollen Modellen wie dem preisgekrönten Razor Crest aus Star Wars: The Mandalorian. An den Nachwuchs richten sich Bausätze zu aktuellen Zeichentrick-Serien und Comic-Figuren, während die älteren sich mit charakteristischen Fahrzeugen aus verschiedenen James-Bond-Filmen austoben können.

Natürlich schaue ich noch bei einer ganzen Reihe anderer Hersteller, beispielsweise Queen Games, Cartamundi, Cool Mini or Not oder Hasbro vorbei, doch halte ich mich dort nicht lange auf. Ein kurzer Blick auf die Neuheiten, vielleicht ein schneller Plausch mit dem Standpersonal und noch ein Flyer - das muss meist reichen. Trotz diesem gestrafften Programm, schaffe ich es nicht, meine Liste vollständig abzuarbeiten.

Pünktlich um 18 Uhr endet der Messetag und die meisten Besucher strömen in Richtung der Straßenbahn. In den vergangenen Jahren folgte am Donnerstag nach dem eigentlichen Ende der Messe noch ein Presse-Meeting. In diesem Jahr entfällt die liebgewonnene Veranstaltung und wird durch die Red Night ersetzt. Dabei gibt es bei zahlreichen Ständen After-Show-Parties und gemütliches Beisammensein. Da es auf meinem Weg liegt, schaue ich noch kurz bei Schmidt Spiele und Ravensburger vorbei. Bei beiden Ständen wird die Veranstaltung augenscheinlich gut angenommen und es herrscht reges Gedränge. Nach diesen Zwischenstopps treffe ich mich mit einigen Bekannten und lasse die Messe etwas abseits ruhig ausklingen.

Fazit


Es war ein gutes Gefühl, nach solch einer langen Durststrecke wieder über die Spielwarenmesse zu streifen! Das die Corona-Situation noch nachwirkt, konnte man jedoch allenthalben sehen. Kleinere Stände, weniger Besucher und Aussteller (so zumindest mein subjektiver Eindruck) standen einer entspannten Atmosphäre und einigen neuen Konzepten gegenüber. Die Resonanz auf die Red Night war gemischt - mir hat das Ganze jedoch recht gut gefallen. Auch die begleitenden Veranstaltungen, so der Spiel-Erfinder-Tag oder die zahlreichen Vorträge und Workshops wurden von den Besuchern angenommen - zumindest war das mein Eindruck. Zum ersten Mal hatten am Samstag auch "normale" Spielinteressierte Zugang zur Messe. Ob sich diese Neuerungen durchsetzen werden, muss die Zeit zeigen.
Für mich war es auf jeden Fall wieder eine sehr gelungene, informative, spannende, abwechslungsreiche und auch sehr anstrengende Messe!

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