Montag, 5. Oktober 2026

Neuroticfish

 

[Konzert] Neuroticfish 

Freitag, 25. September 2026
Das Bett; Frankfurt

 

Erst sehe ich Neuroticfish ein gutes Jahrzehnt lang gar nicht – dann zwei Mal in einem Jahr. Zuerst im Frühjahr im Rahmen des E-Tropolis-Festivals in Oberhausen – entsprechend kurz war die Setlist. Daher bin ich froh, dass Sascha Klein und Henning Verlage es auf ihrer aktuellen Tour auch ins Rhein-Main-Gebiet, genauer gesagt nach Frankfurt, geschafft haben. Da ich aus vergangenen Fehlern gelernt habe, besorgte ich mir schon sehr früh die Karte und harre voller Vorfreude dem Termin.

Eigentlich war der Plan, dass ich den Konzertbesuch mit einem Abstecher ins Archäologische Museum zur dortigen Mithras-Ausstellung verbinde. Doch eine ungünstige Kombination aus Überstunden und dem obligatorischen Feierabendstau sorgt dafür, dass ich erst gegen 18 Uhr in der Main-Metropole aufschlage. Daher reicht die Zeit lediglich für ein schnelles Abendessen und einen Abstecher in den nächsten Supermarkt.

 

Die Location

Als ich schließlich Das Bett, seit kurzem unter neuer Leitung, erreiche, stehen bereits vereinzelte Grüppchen vor der Tür, darunter auch einige bekannte Gesichter. So bietet sich die Gelegenheit zu einem kleinen Plausch in entspannter Atmosphäre bei wirklich angenehmem Spätsommerwetter. Pünktlich gegen 19 Uhr öffnet sich die Tür und die Besucher beeilen sich in den dunklen Raum und vor allem an die Theke zu kommen. Nachdem auch ich mich mit einem Getränk versorgt habe, suche ich – leider vergeblich – nach dem Stand mit dem Merchandise. So bleibt mir nur, einen gemütlichen Platz am Bühnenrand zu okkupieren und die Wartezeit zu überbrücken.

 

Das Warm-Up

Licht wird überbewertet

Eigentlich war zur Einstimmung auf das Konzert ein DJ-Set von Vasi Vallis angekündigt, der aber krankheitsbedingt kurzfristig absagen musste. Stattdessen betritt gegen 19.45 Uhr Krischan Wesenberg, dem einen oder anderen vielleicht durch seine Arbeit bei Rotersand bekannt, die Bühne. Der trifft mit seinem Streifzug durch die zumeist elektronischen Bereiche der Musik recht gut den Geschmack der Zuschauer. So ist schließlich auch in der folgenden Stunde ständig Bewegung im Publikum, während sich Das Bett zusehends füllt.

 

Neuroticfish

Die Umbaupause nimmt nur wenige Minuten in Anspruch und so betreten die beiden Musiker pünktlich um 21 Uhr die Bühne. Nach einem knappen „Guten Abend!“ klingen auch schon die ersten Töne von „Imposter Syndrome“ aus den Lautsprechern. War die Stimmung nach dem Warm-Up und dem kurzen Intermezzo aus der Konserve beschwingt ausgelassen bekommt sie mit dem extrem entschleunigten Stück vom 2023er Album The Demystification of the Human Heart einen herben Dämpfer. Ruhig und melancholisch eröffnet die Band das Konzert – wobei eindeutig der Gesang von Herrn Klein im Vordergrund steht.
Etwas druckvoller wird es dann schon mit „Bring the Noise“ aus dem gleichen Jahr.

Charismatischer Frontmann


Nach der sehr nachdenklichen Einleitung bewegt sich das gesamte Publikum im eingängigen Beat. „Silence“ setzt die vorgegebene Marschrichtung fort, und präsentiert sich schneller und härter, bevor es mit „Walk Alone“ wieder etwas gemächlicher zur Sache geht. Die folgenden Lieder sind ein bunt gemischter Streifzug durch die immerhin über 25jährige Bandgeschichte – angefangen beim Debüt No Instruments aus dem Jahr 1999. Unterbrochen werden die Stücke immer wieder durch launige Ansagen von Herr Klein. So liefert er beispielsweise eine schlüssige Begründung, warum noch kein Material vom kommenden neuen Album gespielt wird. Immerhin gibt es einen Hinweis, was die Hörer stilistisch zu erwarten haben. Dazu ein wenig Werbung für das Release-Konzert am 19. Dezember in Oberhausen. Das sorgt für eine sehr entspannte Atmosphäre und den einen oder anderen Lacher. Derweil bleibt Henning Verlage im Hintergrund und kümmert sich geräuschlos um die Technik.

Mit „Echokammer“ gibt es dann (zumindest für mich) nach einer guten halben Stunde das erste wirkliche Highlight. Ein stampfender Beat, ruhige, melodische Parts und der sehr charakteristische Gesang werten es gegenüber der Album-Version noch mal zusätzlich auf. Ruhiger, aber nicht weniger eingängig geht es dann mit „How to Suffer“ und „Suffocating Right“ weiter. Das Publikum nutzt die kurze Verschnaufpause aus und wiegt sich gemächlich im Takt. Es folgen immer wieder (bittere) Scherze über das Alter und die mangelnde Sehkraft und leichte Probleme mit dem Monitor.

Die Hände zum Himmel...

„Bomb“ heizt dann die Stimmung etwas mehr auf, bevor bei „Wake Me Up“ wirklich niemand still steht. Mit „Skin“ bekommt das älteste Stück von Neuroticfish eine Generalüberholung. Der typische Sound bleibt dabei unverkennbar erhalten, wirkt aber insgesamt tanzbarer und etwas melodischer – so aus dem Gedächtnis. „Music for a Paranormal Life“ ist mein unangefochtener Liebling im Set. Das Stück hat alles, was die Band für mich ausmacht und läuft schon seit Jahren in der heimischen Playlist – daher bin ich froh, dass es heute Abend auf dem Programm steht. Dies leitet auch so etwas wie die „Best Of“-Zusammenstellung der Band ein. „Fluchtreflex“, „Velocity“ und „Need“ bilden den offiziellen Abschluss des Sets.

Voller Einsatz

Nach einer winzigkleinen Unterbrechung folgt die Zugabe, beginnend mit „A Greater Good“. Im Vergleich zu den vorangegangenen Stücken wird hier das Tempo herausgenommen, was eine weitere Gelegenheit zum Durchschnaufen gibt. Nur um nach diesem kurzen Intermezzo mit „Former Me“ wieder den Druck zu erhöhen – damit sich auch der letzte Besucher im Zuschauerraum verausgaben kann. Zum Runterkommen und tatsächlichen Ende des gut anderthalbstündigen Auftritts gibt es „Invisible“ zu hören – nach dem Opener das wohl langsamste Stück. Jetzt endlich kommt auch Henning Verlage hinter seinen Maschinen hervor und zeigt sich dem Publikum. Nachdem sich die beiden Musiker kurz haben feiern lassen verschwinden sie im Backstage – mit dem Versprechen später wieder aufzutauchen.

Ich drehe derweil eine kurze Verabschiede-Runde und mache mich bald auf den Heimweg. Die Woche war anstrengend und auch das kommende Wochenende ist bereits durchgeplant.

Wie war’s?

Leider lässt das neue Material von Neuroticfish noch drei Monate auf sich warten. Allerdings ist die Begründung, die Sascha Klein liefert, in der heutigen Zeit und mit den gegebenen KI-Möglichkeiten leider nur zu gut nachvollziehbar. Dies ist jedoch keine Entschuldigung für das fehlende Merchandise – tatsächlich der einzige (sehr, sehr milde) Kritikpunkt an dem rundum gelungenen Konzert.

Kurz Durchatmen

Die Stimmung war durchweg gut und die Atmosphäre familiär, wie eigentlich immer im Das Bett. Das Vasi Vallis nicht vor Ort war, war zwar schade, aber mit Krischan Wesenberg haben die Veranstalter einen durchaus adäquaten Ersatz organisiert. So waren die Zuschauer dann auch auf „Betriebstemperatur“ als die Band auf die Bühne kam. Die beiden Musiker haben einen tollen Auftritt abgeliefert, und dies in jeglicher Hinsicht. Während Sascha Klein für die wirkliche gelungene Interaktion mit dem Publikum zuständig war, hat Henning Verlage seinen Job hinter der Elektronik weitgehend unauffällig im Schatten erledigt. Man merkt den beiden an, dass sie ein eingespieltes Team sind und mit Spaß an die Arbeit gehen – der sich auch auf die Besucher übertragen hat.

Einen Überblick über das Schaffen von Neuroticfish findet sich auf der bandeigenen Homepage. Dort kann man auch das vermisste Merchandise sehen. Wer das kommen Album direkt live erleben möchte, für den gibt es Mitte Dezember in Oberhausen das Heimspiel der Band.

Danke für den Abend!