Sonntag, 8. Februar 2026

Spielwarenmesse 2026


[Messe] Spielwarenmesse 2026

29. Januar 2026 
NürnbergMesse, Nürnberg

 


Wie jedes Jahr nutzen zahlreiche Verlage die Spielwarenmesse in Nürnberg, um kommende Veröffentlichungen zu präsentieren, den einen oder anderen Prototyp anzuteasern und natürlich für die Kontaktpflege. Hinzu kommt außerdem noch, dass die Messe 2026 ihr 75jähriges Bestehen feiert. Diese Gelegenheit kann und möchte ich mir nicht entgehen lassen und so führt auch in diesem Jahr mein Weg wieder in die Frankenmetropole. Der organisatorische Teil ist relativ schnell erledigt, so dass ich dem Termin entspannt entgegensehen kann.

Einzig die Anreise bereitet mir ein wenig Kopfzerbrechen. Der öffentliche Nahverkehr im Rhein-Main-Gebiet gleicht derzeit einem Glücksspiel - die aktuelle Wetterlage macht die Situation nicht besser. So muss ich meine ursprünglichen Pläne revidieren und fahre an einem verregneten Donnerstagmorgen mit dem Auto direkt nach Frankfurt. Die anschließende Fahrt mit der S-Bahn vom Parkplatz an den Hauptbahnhof verläuft genau so, wie es sein sollte - entspannt und pünktlich. Ich habe sogar ausreichend Zeit für ein kleines Frühstück.

Das Schaukelpferd
Während ich mein belegtes Brötchen vertilge, schiele zwischendurch immer wieder auf die Anzeigentafel. Zuerst verspätet sich die Abfahrtszeit des Zuges um acht Minuten, dann sind es bereits 20 Minuten und schließlich fällt er komplett aus - ohne Angabe von Gründen. Das Schalterpersonal kann mir auch nicht weiterhelfen und vertröstet mich. Also muss ich auf den nächsten ICE Richtung Bayern warten. Fahrplanmäßig soll dieser eine Stunde später starten, ich würde meine Termine alle schaffen. Leider ist diese Hoffnung nur von kurzer Dauer, denn auch hier kommen die Fahrtzeitkorrekturen im Minutentakt. Zuerst spricht die Durchsage von Streckenschäden, dann Schäden am Zug und am Ende sind es "Technische Probleme" welche die Einfahrt verzögern. Als der Zug mit gut 70minütiger Verspätung den Frankfurter Hauptbahnhof erreicht, habe ich meinen ersten Termin schon absagen müssen.

Am Ende komme ich fast 90 Minuten später als geplant in Nürnberg an - und bin bereits minimal genervt. Immerhin verläuft die Weiterreise zu den Messehallen mit der hiesigen U-Bahn vorbildlich. Nachdem der erste Zug direkt vor meiner Nase den Bahnhof verlassen hat, kommt nur wenige Augenblicke später die nächste ans Gleis. Und nach nicht einmal 20 Minuten stehe ich schon im Eingangsbereich Mitte. Von hier sind es nur einige Schritte bis zu meinem Termin.

HeidelBÄR Games

Noch mit Jacke und Reisegepäck erreiche ich den Stand in Halle 10.1 - und habe immerhin ganze zwei Minuten Puffer bis zu meinem Termin. Nach einer kurzen Verschnaufpause folgt ein ausführlicher Überblick der aktuellen und kommenden Neuheiten des Verlags aus dem Odenwald. Für das mehrfach preisgekrönte und mit zahlreichen Ablegern ausgestattete Codenames stehen eine Art Mini-Erweiterungen in den Startlöchern. Dabei handelt es sich um thematisch eng definierte Karten-Packs zu Märchen, SciFi und possierlichen Tieren. Neben den 25 Begriffskarten gibt es zudem neu illustrierte Agenten. Noch im Entstehen ist die deutsche Version von Spyworld, das bisher nur im französischen Original vorliegt. Im ersten Teil des Spiels baut man sein geheimes Hauptquartier mit Fallen, Technik und Handlangern auf, um im zweiten Part, eine gegnerische Basis zu infiltrieren. Comichafte Aufmachung, ein originelles Spielprinzip und die Möglichkeit, die Mitspieler zu ärgern bringen das Spiel auf meine To-Do-Liste. Einen kurzen Abriss über die beiden bereits erschienenen Legespiele Railroad Tiles und Wispwood gibt es der Vollständigkeit halber obendrauf. Besonders interessiert mich jedoch The Queen's Dilemma, dessen Veröffentlichung gegen Ende des Jahres geplant ist. Wie schon beim Vorgänger handelt es sich hier um ein anspruchsvolles Legacy-Strategiespiel mit eindrucksvollem Umfang und opulenter Ausstattung. Der erste Eindruck ist sehr, sehr gut, bis ich das Spiel genauer unter die Lupe nehmen kann, wird aber sicher noch einige Zeit vergehen.

Viele, viele SteinchenNach diesem ausführlichen Überblick auf die Produktpalette mache ich mich endlich auf den Weg ins Pressezentrum. Hier gibt es, trotz der fortgeschrittenen Stunde, einen freien Spind, in dem ich meine Habseligkeiten verstauen kann. Bei einer kurzen Pause (und einem zweiten Frühstück) sichte ich das ausliegende Informationsmaterial. Der absehbare Trend aus den vorangegangenen Jahren hat sich hier weiter fortgesetzt. Kaum noch gedruckte Pressemappen liegen in den Regalen, sondern hauptsächlich QR-Codes, die auf entsprechende Internetpräsenzen verweisen. Auf der einen Seite ist es natürlich verständlich, dass so Kosten und Abfall vermieden werden. Andererseits komme ich ursprünglich aus der Druckindustrie und es tut mir immer ein Stückchen weh, wenn ich deren Niedergang sehen muss. Frisch gestärkt und mit den neuesten Informationen versorgt mache ich mich schon bald wieder auf den Weg.

Durch die fehlende Zeit muss ich meinen Messebesuch deutlich straffen. Dies stellt diesmal allerdings kein größeres Problem dar, da sich die Anzahl der Aussteller außerhalb des Bereichs der Gesellschaftsspiele, die mich interessieren, weiter reduziert hat. Daher passiere ich die Hallen 7A, 7 und 9 im Schnelldurchlauf und werfe nur einen gelegentlichen Blick in die Auslagen der verschiedenen Hersteller. Und so beginnt mein eigentliches Programm mit dem Betreten der Halle 10.

Kosmos

Wie gewohnt hat der Stuttgarter Verlag einen großen, ausladenden Eckstand im Eingangsbereich der Halle. Die zahlreichen Experimentierkästen gehören nicht wirklich zu meinem Interessengebiet, daher gehe ich zügig in den hinteren Teil des Standes, da sich hier die Brettspiele befinden. Die Exit-Serie feiert in mittlerweile ihr zehnjähriges Jubiläum. Entsprechend ausführlich werden die bekannten, aber auch die neuen Spiele des Franchise präsentiert. An weiteren Krimi- und Exitspielen besteht in diesem Jahr ebenfalls kein Mangel. Bei den zahlreichen Veröffentlichungen fällt es schwer, den Überblick zu behalten.

10jähriges JubiläumNatürlich wird auch Catan mit zwei Neuerungen bedacht. Mit Catan - Das Kartenspiel und Catan - Das Würfelspiel übernehmen, zumindest soweit ich das sehen konnte, einige Elemente des Originals und kombinieren diese mit anderen bekannten Mechanismen. Sehr hübsch aufgemacht ist das Zwei-Personen-Spiel Fantasy Ink, bei dem es darum mythische Figuren für seine Geschichte zu sammeln. Die Mechanik, bei der mittels Würfeln Wesen angelockt und gesammelt werden müssen, klingt originell. Sicherlich ein weiteres Spiel, dass ich im Auge behalten werde. Ebenfalls auffällig ist Koi, bei dem es darum geht, einen japanischen Garten mit Teich und Fischen anzulegen. Rein optisch hat mir das Legespiel gut gefallen, zum Spielablauf und den Mechaniken kann ich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nichts sagen.

moses.

Obwohl der Verlag eine breit gefächerte Produktpalette auf der Messe ausstellt, interessieren mich natürlich in erster Linie die Spiele. Meist handelt es sich dabei um kommunikative Quiz- oder Partyspiele - und auch dieses Jahr macht da keine Ausnahme. Neue Titel aus der black stories-Serie (beispielsweise Holy Shit!, Cold Cases und Serienkiller) sind für mich grundsätzlich interessant. Das Prinzip ist zwar immer das Gleiche, aber die Geschichten, die sich die Autoren ausdenken (oder aus dem wahren Leben übernehmen), haben auch nach über 20 Jahren nichts von ihrem Unterhaltungswert eingebüßt. Alleine vom Titel her erregt Was passiert, wenn ich dran lecke?
Schicke Verpackung
Aufmerksamkeit. Dahinter verbirgt sich ein originelles Rate- und Assoziationsspiel, das, zumindest vom ersten Eindruck, für einige lustige Runden auf der nächsten Party sorgt. Ein Rennspiel mit Anspruch und taktischen Entscheidungen ist 3 x Universum, bei dem die Spieler von Planet zu Planet reisen, dort Vorräte aufnehmen und versuchen, vor den Mitspielern das Ziel zu erreichen. Relativ locker und nicht von zu starkem Konkurrenzdenken geprägt handelt es sich hier um ein hübsches, kleines Familienspiel.

Piatnik

Hier gibt es gleich zwei Aufbau-Spiele, die mich interessieren. Bei Die Hängenden Gärten geht es um die Zusammenstellung eben jener botanischen Wunderwerke. Hier steht die harmonische (und gewinnbringende) Kombination von verschiedenen Pflanzen und Tieren zu einem stimmigen Gesamtkonzept im Vordergrund. Projekt Skyline ist dagegen in der Moderne angesiedelt. Hochhäuser müssen ins Stadtbild integriert werden und wie bei Immobilien üblich geht es um "Lage! Lage! Lage!". Spiele dieses Genres funktionieren nicht immer für mich, aber ich werde mir einen oder gar beide Titel bei Gelegenheit genauer vornehmen.

Game Factory / Carletto

Der Fokus liegt hier diesmal eher im Bereich der Kinderspiele, dennoch sind zumindest zwei Neuveröffentlichungen für mich nicht uninteressant. In Chroma müssen farbige Karten in einem vorgegebenen Farbsystem anordnen. Dabei sorgen verschiedene Sonderkarten für Abwechslung und Interaktion zwischen den Mitspielern. Eine alternative Variante mit PANTONE- oder HKS-Farben hätte mir sicherlich während meiner Tätigkeit als Ausbilder gute Dienste geleistet. Dagegen handelt es sich bei Dito! um ein Assoziationsspiel - je mehr Spieler auf den gleichen Begriff kommen, desto höher ist die Punktausbeute. Unkompliziert, schnell und schön, um zu sehen, wie die Mitspieler ticken.


Nicht tot zu kriegenNach dieser Tour ist eine kurze Pause angesagt. Allerdings wähle ich diesmal einen anderen Weg in Richtung Pressezentrum. Dabei fällt auf, dass doch einige Sparten beinahe vollständig verschwunden sind. Bei meinen ersten Besuchen auf der Messe haben Modellbau und Modelleisenbahnen jeweils eine ganze Halle in Beschlag genommen. Mittlerweile gibt es nur noch gefühlt eine Handvoll Aussteller, die diesen Bereich bedienen. Dies betrifft mich weniger, aber ich habe dennoch immer gerne an den Ständen gestöbert, und mir Ideen und Anregungen für eigene Projekte im Tabletop-Hobby geholt.
Als ich an meinem Ziel ankomme haben die meisten der Kollegen sich schon wieder auf den Weg gemacht. So habe ich keine Probleme einen Platz zu finden und kann sogar noch einen Teller der Lauchcremesuppe ergattern, die es zum Mittag gab. An dieser Stelle ein dickes Danke an das aufmerksame und freundliche Catering-Personal im Pressezentrum, die wieder einmal einen tollen Job abgeliefert haben.

So gestärkt bereite ich den nächsten Durchgang vor. Dank der messeeigenen App lassen sich Termine, Neuheiten und Hallenpläne recht gut verwalten. Nach einem Blick in die Ausstellerliste - und angesichts der fortgeschrittenen Stunde - beschließe ich, mich relativ wenige Verlage zu beschränken, und setze meinen Weg fort.

Chessex

Der Würfelhersteller ist eine der traditionellen Anlaufstation für mich, sowohl in Nürnberg, als auch in Essen. Insgeheim hoffe ich ja immer noch auf eine Neuauflage des grandiosen Plague & Perstilence - doch wird meine Hoffnung wieder einmal zunichtegemacht. Dafür gibt es einige neue Würfel zu sehen. Besonders angetan haben mir es die "Rentner-Würfel", dabei handelt es sich um extra große Polyeder mit kontrastreicher, gut lesbarer Beschriftung. Auch personalisierte Würfelbecher sind neu und eine hübsche Idee für Spieler, die sonst schon alles haben. Nach einem kurzen Plausch bekomme ich dankenswerterweise noch einen der neuen Messewürfel (mit UV-reaktiven Farben) in die Hand gedrückt und gehe wieder meiner Wege.

Ausgezeichnet!iDventure

Nur wenige Schritte daneben hat der Verlag aus Meerbusch seinen Stand. Hier steht natürlich die frisch mit dem ToyAward ausgezeichnete Cluebox - The Wonderbox of Alice im Fokus - der neueste Zugang im Sortiment. Mir fehlt für diese Puzzleboxen die nötige Geduld, aber ich bin immer wieder fasziniert vom vielschichtigen Aufbau dieser kleinen Holzkästchen. Das Standpersonal hat alle Hände voll zu tun - so beschränke ich mich auf einige neugierige Blicke und ein kurzes "Hallo!".

Pegasus Spiele

Wie üblich hat sich der Friedberger Verlag im SpieleCafé ausgebreitet. Auch diesmal sind die Neuheiten wieder zahlreich und es gibt von (fast) fertigen Spielen bis hin zu Prototypen in der Planungsphase alles zu sehen. So hat beispielsweise nach der Pleite von HCM Kinzel die Next Station-Serie hier ihre Heimat gefunden und ich konnte schon einen Blick auf das neue Berliner Verkehrsnetz werfen. Ebenfalls noch nicht veröffentlicht ist der nächste Vertreter der Munchkin-Reihe. Dieser beschäftigt sich mit dem Vox Machina-Setting und wird wohl im zweiten Quartal seinen Weg in die Läden finden. Auch für den Shadowrun-Ableger des Kartenspiels steckt eine Erweiterung in der Pipeline. Schon älter ist 12 Rivers, doch erst jetzt kommt das Spiel in seiner deutschen Übersetzung auf den heimischen Markt. Das Konzept ist etwas schwierig zu beschreiben - im Prinzip dreht sich alles darum, Kugeln (Perlen) einen der zwölf Flüsse hinunterrollen zu lassen. Dabei muss der Flusslauf so manipuliert werden, dass die wertvollsten Perlen natürlich bei einem selbst landen. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie das Spiel funktioniert, aber es macht zumindest einen außergewöhnlichen Eindruck.

Der Eisenbahnmodellbau lebt (noch)Mit Dorfromantik - Leichtes Gepäck bekommt das beliebte Geländebauspiel eine Einsteigervariante spendiert. Nicht auf einer bestehenden Reihe basiert Compile, bei dem die Spieler die Rollen von Künstlichen Intelligenzen übernehmen und versuchen, die gegnerischen Programmabläufe zu stören. Sowohl Grundidee wie auch Ausführung gefallen mir sehr gut und erinnern ein wenig an das selige NetRunner. Um Reichtum, Einfluss und sozialen Stand dreht sich das Kartenspiel Tax the Rich. Vielleicht zu nah an der Realität, aber ein, soweit ich das beurteilen kann, spannendes Stichspiel, mit variablen Sonderregeln und einigen Twists. Deutlich weniger sozialkritisch präsentiert sich dagegen Wine & Cheese, bei dem zwei Spieler ihre Weinberge bestellen, Produkte produzieren und versuchen, den Konkurrenten auszustechen. Auf mich macht das Spiel einen strategischen, aber dennoch entspannten Eindruck und kommt anscheinend ohne die kleinen Gemeinheiten aus, die Zwei-Personen-Spiele ansonsten ausmachen. Es gibt hier am Stand zwar noch mehr zu entdecken, doch die Zeit drängt und ich muss weiterziehen...

Amigo Spiele

Der hessische Verlag konzentriert sich bei seinen Neuheiten auf schnelle Kartenspiele. Den Anfang macht hier Greedy Goose. Dabei sammeln die Spieler die verdeckten Karten aus der Tischmitte und bedienen sich an den Stapeln der Mitspieler - wobei zu viel Gier mit Abzügen bestraft wird. Hübsch aufgemacht, zügig spielbar und einfach zu lernen - so zumindest mein erster Eindruck. Etwas anspruchsvoller ist matter Matters, ein Stichspiel, bei dem die Punktwerte zweier Farben im Gleichgewicht gehalten werden müssen. Hier war mir leider kein Anspielen möglich. Zum 30jährigen Jubiläum kommt (natürlich) eine adäquate Wizard-Edition heraus. Das altbekannte und bewährte Spielprinzip wird durch verschiedene Sonderkarten vergangener Ausgaben plus zwei neue Karten ergänzt. Neben frischen Illustrationen ist die augenfälligste Besonderheit jedoch, dass der "Block der Wahrheit" nun durch Punktechips ersetzt wird. Bis zur Veröffentlichung müssen wir uns allerdings noch bis zur SPIEL gedulden.

Archon Studio

Der polnische Verlag hat sich auf die Umsetzung von Computerspielen spezialisiert - gerne aufwändig produziert und mit viel Material ausgestattet. Vor allem Heroes of Might & Magic III mit seinen unzählige Erweiterungen und Master of Orion gibt es hier zu sehen. Außerdem stehen zahlreiche Figuren und Gelände für verschiedene Rollenspielsysteme und Tabletops in den Vitrinen. Ich finde die Auswahl und vor allem die Qualität immer wieder eindrucksvoll. Irgendwann werde ich mich sicherlich auch an eines der Spiele des Herstellers wagen - aber nicht heute.

KENDi

Wenn ich schon in der Gegend bin, schaue ich gleich bei diesem relativ jungen Verlag vorbei. Hier wird weiter am Sortiment der kleinen, unkomplizierten Kartenspiele gefeilt. Dazu haben sie zwei Neuheiten auf die Messe mitgebracht, bei denen ich jeweils die Gelegenheit habe, eine kurze Einführung zu spielen. Bei Sneaky handelt es sich um ein Würfelspiel, bei dem man durch Farbkombinationen Karten gewinnt. Allerdings haben die Mitspieler die Möglichkeit, diese wieder an sich zu bringen. Als klassisches Kartenablagespiel präsentiert sich dagegen Keine Ahnung?! kombiniert dies jedoch mit einem Memory-Element, da man zu Beginn nicht weiß, welche Karten überhaupt vor einem liegen. Beide Spiele sind eher etwas für "Zwischendurch", aber vor allem das letztere macht einen sehr vielversprechenden Eindruck.

Asmodee

Jedes Jahr stellt sich mir am Stand des Verlags die gleiche Frage: Wo fange ich an?!? Die Produktpalette ist mittlerweile so umfangreich, dass es schwerfällt, den Überblick zu behalten. Klassische Gesellschaftsspiele, Trading Card Games, Tabletops, Partyspiele und nun auch noch ein Rollenspiel liegen auf den Präsentationsflächen. Die zahlreichen Produkte aus dem Star Wars-Universum ignoriere ich dabei komplett - dazu bin ich zu wenig in der Materie, um die verschiedenen Systeme und Genres auseinanderhalten zu können. Die vielen Spiele vor dem Herr der Ringe-Hintergrund lasse ich ebenfalls links liegen. Hier hat sich im Laufe der letzten Jahre bei mir wohl eine gewisse Übersättigung eingestellt.

Daneben gibt es aber noch einige weitere Franchise-Spiele, die der Verlag zumindest ankündigt. Die Spiele zur Roman- und Fernsehserie Witcher erhalten mit Pfad des Schicksals: Ronin neuen Zuwachs. Hier bekommt das bekannte Fantasy-Setting einen asiatischen Anstrich. Bei Cyberpunk 2077 steht ein Computer-/Konsolenspiel Pate für die Umsetzung auf den heimischen Spieltisch. Viel zu sehen gibt es noch nicht, aber ausgehend von der abgeschlossenen Crowdfunding-Kampagne erwartet uns hier in absehbarer Zeit ein futuristischer Dungeon-Crawler mit umfangreicher Ausstattung und einigen ungewöhnlichen Abwandlungen des Genres. Nachdem die Arkham Horror Files bereits als verschiedene Brett-, Karten- und Würfelspiele den Weg auf die Spieltische gefunden haben, folgt in Kürze Arkham Horror - The Roleplaying Game. Zum einen ist diese Entwicklung nur folgerichtig, zum anderen ist der Hintergrund nach wie vor ausgesprochen beliebt. Was ich an Komponenten sehen konnte, handelt es sich hier um eine recht einsteigerfreundliche Rollenspiel-Variante, die sich zudem an Elementen aus den anderen Spielen der Reihe bedient. Wieder ein Spiel, dessen Veröffentlichung ich gespannt erwarte.

Cthuloide TentakelspieleIn eine ähnliche Kerbe schlägt Das Schwarze Auge - Adventure in a Box. Auch hier soll den Abenteurern der Einstieg so einfach wie möglich gemacht und die Arbeit des Spielleiters erleichtert werden. Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass auch so einem alten, etablierten und ausgearbeiteten System noch neue Aspekte abgewonnen werden können. Originell präsentiert sich dagegen Heroes of Barcadia - obwohl die ursprüngliche Veröffentlichung bereits einige Jahre zurückliegt. In diesem (nicht ganz) klassischen Fantasy-Dungeon-Crawler durchstöbern die Helden finstere Verliese auf der Suche nach geraubten Spirituosen. Das augenfälligste Merkmal ist dabei die Anzeige der Lebensenergie durch ein Getränk in einem Glas. Dem ersten Eindruck zu urteilen taugt das Spiel für entspannte Familienabende, feucht-fröhliche Partys und die engagierte Spielrunde. Aufmachung, Konzept und die Abläufe sehen vielversprechend aus. Ich werde sicherlich noch darauf zurückkommen.
 

Natürlich gibt es am Stand sehr viel mehr zu entdecken, aber meine Zeit ist leider begrenzt - und ich habe noch immer nicht alles gesehen, was ich mir vorgenommen hatte. So begnüge ich mich bei den restlichen Neuheiten nur mit einem kurzen Blick und einigen Notizen und ziehe weiter.

Vallejo

Beim spanischen Farbenhersteller gab es wenig zu sehen, was ich auf der SPIEL nicht bereits in den Händen hatte. Aber es ist schön, sich das komplette Farbprogramm in Ruhe und ohne Gedränge anschauen zu können. Nachhaltig beeindruckt haben mich dabei die Farben der True Metallic Metal-Serie. Die hier bereitgestellte Palette deckt ein breites Spektrum ab und kann sowohl mit ihrer Verarbeitung als auch mit der Deckkraft überzeugen - wie ich derzeit selbst bei einigen Miniaturen, die ich in Arbeit habe, feststellen kann.

Games Workshop

Traditionell präsentiert sich der britische Miniaturenhersteller mit gepflegtem Understatement in Nürnberg - zwei Vitrinen mit Figuren, ein Display mit aktuellen Produkten und das war es auch schon. Dazu einige emsige Handelsvertreter, die geschäftig am Stand herumwuseln und sich bereitwillig mit jedem unterhalten, der in die Nähe kommt. Wenn man sich jedoch als Pressevertreter outet, lässt das Interesse der Gesprächspartner schlagartig nach. Was mir ganz recht ist, da ich so in aller Ruhe die sehr, sehr gut bemalten und toll gestalteten Miniaturen in Augenschein nehmen kann.

Ares

Auch der italienische Verlag ist für seine opulent ausgestatteten Spiele bekannt, vor allem durch die umfangreiche War of the Ring-Serie mit ihren zahlreichen Erweiterungen und Ablegern. Die neuesten Veröffentlichungen konzentrieren sich dabei auf Belagerungen und einen Ausbau des Kartenspiels. Zwei weitere Spiele, Quartermaster General: West Front und Wunderwaffen sind thematisch im Zweiten Weltkrieg angesiedelt und gehen eher in Richtung der klassischen CoSim. Ich lasse mir von der netten Dame am Stand Viking Route erklären, ein Abenteuer- und Forschungsspiel, das erst vor kurzem via Crowdfunding realisiert wurde. Die Umsetzung der nordischen Mythologie und des Seefahrer-Hintergrunds finde ich recht gelungen. Vor allem haben es mir hier die Magnete angetan, die den Kompass und damit den Kurs des Schiffes beeinflussen.

Iello

Hier liegt mein Augenmerk natürlich bei King of Tokyo und seinen Ablegern. Wirklich viel Neues gibt es hier aber nicht zu entdecken. Eine Erweiterung für die Duell-Variante der Monsterprügelei ist als Prototyp zu bestaunen. Hier kommt ein komplett anderes Spielbrett zum Einsatz, auch die Mechaniken variieren sich ein wenig. Außerdem gibt es den, bereits in Essen vorgestellten, Hybrid mit Mindbug bei den Neuheiten. Ebenfalls im letzten Jahr erschienen (zumindest auf Englisch und Französisch) ist Popcorn, ein knallbuntes Spiel über Kinobetreiber und die Gunst der Kundschaft. Sowohl Thematik wie auch die Aufmachung gefallen mir sehr gut und ich werde das Spiel bei Gelegenheit genauer unter die Lupe nehmen.

Ravensburger

Der Spielehersteller hat sich, wie gewohnt, etwas abseits des Gros der anderen Verlage in Halle 12 niedergelassen. Durch meinen arg gestrafften Zeitplan, reicht es leider nur für einen Schnelldurchlauf der Neuheiten. Hier gibt es einen Ausbau der echoes-Reihe, Nachschub für das Trading-Card-Spiel Locarna und eine Neuauflage von Las Vegas zu sehen. Mein Augenmerk liegt jedoch auf zwei Vorabversionen: Carcassonne Labyrinth wurde bereits vor einigen Monaten angekündigt, aber bisher gab es wenig Informationen. Hier hatte ich nun die Gelegenheit, mich eingehender damit zu beschäftigen. Letzten Endes werden hier die Grundprinzipien beider Spiele kombiniert, was bei den ersten Zügen schon gut funktioniert. Direkt nebenan, ebenfalls noch nicht ganz fertig, habe ich die Möglichkeit bei Scotland Yard Duell Jagd auf Mr. X zu machen. Nach einer (gescheiterten) Verfolgung hinterlässt auch diese Variante des Klassikers bei mir einen recht guten Eindruck.
Ein abschließender Rundgang durch den Stand zeigt neue Puzzle, zahlreiche Spiele mit Fokus auf Kindern (beispielsweise Die Sandburgen von Burgund) und Familien vervollständigen das umfangreiche Neuheitensortiment des Verlags.

Der Nachmittag ist schon weit fortgeschritten, als ich erneut das Pressezentrum erreiche. Nach einer kurzen Pause sammele ich Jacke, Rucksack und die Tasche mit dem gesammelten Infomaterial ein und verabschiede mich vom immer freundlichen und hilfsbereiten Team. Als ich zu meinem letzten Termin gehe, haben sich die Hallen schon merklich geleert und ich komme zügig voran. Dies lässt mir sogar die Gelegenheit, den einen oder anderen Gang zu durchstreifen, den ich bisher nicht betreten habe. An allen Ecken gibt es hier Dinge zu entdecken, die für mich zwar nicht wirklich relevant, aber dennoch eindrucksvoll anzuschauen sind.

Schmidt Spiele

Ich beende die Messe fast genau dort, wo sie heute morgen begonnen hat - in Halle 10.1. Ich habe noch kurz Zeit bis zu meinem Termin und so schaue ich mir die zahlreichen Neuveröffentlichungen an, um die ich bisher einen Bogen gemacht habe. Besonders augenfällig ist natürlich der Maler, der für My ArtNOBLE Farbe auf die Leinwand bringt. Kein Spiel sondern ein Mal-Set für alle, die sich künstlerisch betätigen wollen. Dabei müssen fast fertige Gemälde ergänzt werden. Eine ausführliche Anleitung mit Farbtheorie und verschiedenen Techniken gibt es obendrauf.

Regale auffüllenDie Vorstellung der Neuheiten findet in einem kleinen, abgetrennten Bereich statt und ich genieße die Möglichkeit, in relativer Ruhe auf einem bequemen Stuhl die Beine auszustrecken. Beim ersten und umfangreichsten Titel handelt es sich um Morty Sorty Magic Shop. Hier ist es die wenig glamouröse Aufgabe der Spieler, Laden-Regale einzuräumen. Allerdings geht es dabei um magische Komponenten, was wiederum einen kleinen Twist in die Angelegenheit bringt. Der erste Eindruck ist ein hübsch aufgemachtes, nicht ganz einfaches Puzzle- und Legespiel, das für alle Altersgruppen geeignet ist und dessen Anspruch sich nach oben schrauben lässt.

Nicht wirklich kategorisieren kann ich dagegen Time to Schein. Ein wildes Partyspiel mit unterschiedlichsten Aufgaben, bei denen Würfel, Stifte, Gegenstände und Worte zum Einsatz kommen. Was das Ganze von ähnlichen Spielen abhebt, ist der Timer und die Möglichkeit für sein Team zusätzliche Zeit zu "kaufen", die man bei vorangegangenen Runden erspielt hat. Alleine diese Mechanik ist es wert, das Spiel ausführlich unter die Lupe zu nehmen. Dagegen kommt One Mind als eher klassisches Assoziationsspiel daher, bei dem die Spieler Zusammenhänge zwischen Worten mit vorgegebenen Anfangsbuchstaben finden müssen. Runde für Runde kommen allerdings neue Begriffe hinzu, so dass sich bestimmte Kombinationen geradezu aufdrängen. Ich mag solche Spiele prinzipiell sehr und die kurze Testrunde weckt die Vorfreude auf mehr. Eigentlich bin ich nicht die Zielgruppen, aber angespielt wird Matsch Party trotzdem. In dem Rennspiel geht es darum, sein Schwein möglichst dreckig zu machen. Das funktioniert am besten, wenn man die Figur von erhöhter Position in die Matschgrube fallen lässt. Auch ein originelles Konzept, dass sich dann aber doch an eher jüngere Spieler richtet.

Red Night

Das Timing ist fast perfekt, als ich den abgetrennten Bereich verlasse, ist grade das Catering am Stand fertig aufgebaut und das Buffet eröffnet. Während ich mir eine Auswahl des (sehr leckeren) Fingerfoods genehmige, ergibt sich die Gelegenheit den Messetag mit anderen Besuchern ein wenig Revue passieren zu lassen. Diese Gespräche sind für mich immer wieder ein Highlight, bekomme ich doch hier Eindrücke und Meinungen von Pressevertretern, Ausstellern oder Organisatoren. Nach einer längeren Pause schaue ich noch an zwei weiteren Ständen vorbei, bevor ich der Messe für dieses Jahr den Rücken kehre.
>Die Fahrt zum Bahnhof verläuft schnell und streßfrei - von dem US-amerikanischen Vertriebler abgesehen, der mir sein Bier über Jacke und Hose schüttet. Das Ganze ist ihm sichtlich peinlich, aber nicht mehr zu ändern.

Am Bahnhof angekommen bietet sich ein ähnliches Bild wie am Morgen in Frankfurt. Der Zug hat erst eine kleine, dann eine längere Verspätung und schließlich ist der nachfolgenden Zug vor meinem gebuchten ICE am Gleis. Wie zu erwarten herrscht in den Abteilen ziemliches Gedränge - dabei hilft es auch nicht, dass zahlreiche Fahrgäste offensichtlich aus dem Wintersport kommen und ihre Snowboards und Ski mit sich führen. Trotzdem gelingt es mir ein relativ ruhiges Plätzchen zu finden und ein wenig zu dösen. Der Zug zuckelt mit gemächlichen 100 km/h in Richtung Heimat - da wohl auf der Strecke viel Verkehr herrscht. Das muss ich nicht wirklich verstehen, aber mittlerweile wundert mich bei der Bahn eigentlich nichts mehr.
>Bis ich schließlich mein Ziel erreiche ist es beinahe Mitternacht, wenn es nach dem Fahrplan gegangen wäre, würde ich jetzt schon im Bett liegen. So aber mache ich mich erst mit S-Bahn und anschließend mit dem Auto auf den Weg zurück. Immerhin hat sich die Wetterlage beruhigt und die Straßen sind weitgehend frei.

Fazit

Jedes Jahr stellt die Spielwarenmesse für mich das Ende der Winterpause dar. Eine Gelegenheit, die ich mir nicht entgehen lassen möchte - zumal die Atmosphäre deutlich entspannter ist, als auf der SPIEL. Die Verlage haben sich vom Weihnachtsgeschäft erholt, geben einen Ausblick auf einen Teil ihrer Neuveröffentlichungen und knüpfen neue Kontakte. Hier gibt es tatsächlich die Möglichkeit, sich die kommenden Neuheiten in Ruhe anzuschauen und mit den Verantwortlichen zu reden. Obwohl der sich für mich interessante Teil der Messe im Prinzip nur auf zweieinhalb Hallen konzentriert, reicht ein einziger Tag nicht aus, um alles in sich aufzunehmen. Diesmal hat auch nicht geholfen, dass die Verspätung der Bahn gut 90 Minuten gekostet hat - dieser Verlust war spürbar. Ich habe jedoch die Hoffnung nicht aufgegeben, dass ich irgendwann zwei Tage in Nürnberg verbringe. Gesehen habe ich trotzdem genug - sogar viele Neuheiten angetestet oder erklärt bekommen. Natürlich kann ich nicht alle Verlage und Spiele erwähnen, die ich neben den genannten entdeckt habe. Ein kompletter Rundgang würde den Rahmen dieses Textes sprengen. Glücklicherweise gibt es für den interessierten Leser aber noch ähnlich gelagerte Messe-Nachlesen und Video-Berichte, so dass sich damit ein vollständiges Bild der Spielwarenmesse ergibt. Auch der Veranstalter selbst liefert ausführliches Informationsmaterial zu Neuheiten, Entwicklungen auf dem Spielemarkt, Auszeichnungen und einigen anderen relevanten Punkten.

Bis zum nächsten Jahr...

 

Während die Zahl der Aussteller (2.313) auf hohem Niveau stagniert, hat sich die Anzahl der Besucher (58.900) ein wenig gesteigert. Dass sich der Markt selbst und damit auch das Publikum langsam wandeln, ist mittlerweile offensichtlich. Meine gesammelten Messebilder der letzten 15 Jahre bestätigen diesen ersten, subjektiven Eindruck. Natürlich vermisse ich manche Aussteller, dafür kommt jedoch Neues hinzu. Manchmal kehren aber auch vergessene Trends wieder zurück. So hatte ich beispielsweise einen ganzen Stand mit Monchichis gesehen, die ich noch aus meiner lange zurückliegenden Schulzeit kenne. Bei anderen Dingen lässt es sich schwer vorstellen, dass sie vom Markt verschwinden. Das klassische Beispiel ist dafür LEGO, die zwar seit Mitte des letzten Jahrhunderts das gleiche Produkt haben, sich aber ständig wandeln. Ein Blick in die Neuheitenschau zeigt daneben viele Innovationen - es ist also davon auszugehen, dass Spiel- und Spielzeugerfindern die Ideen nicht so schnell ausgehen werden.

Wie gewohnt kann ich die Organisation und das Personal der Messe nur in den höchsten Tönen loben. Durchweg freundlich, kompetent und hilfsbereit zeigt die Spielwarenmesse, wie man solch eine Veranstaltung erfolgreich über die Bühne bringt - bereits im 75. Jahr.

Einige weitere Bilder von meinem (leider deutlich verkürzten) Streifzug über die Nürnberger Spielwarenmesse kann man sich HIER anschauen.