Dienstag, 15. Juli 2014

Huan Vu - Interview

[Interview] Huan Vu
Regisseur von Die Farbe und Die Traumlande

Bei meiner Tätigkeit als Chefredakteur beim Medienportal Roter Dorn (www.roterdorn.de) bin ich eigentlich für die Bereiche Brettspiele, Tabletop und Rollenspiele zuständig. Gelegentlich habe ich aber auch die Möglichkeit etwas außerhalb dieser Grenzen tätig zu sein, so wie auch bei diesem kurzen Interview.

Huan Vu, Regisseur der mehrfach ausgezeichneten Lovecraft-Verfilmung Die Farbe, bleibt auch mit seinem nächsten Film dem Werk des US-amerikanischen Autors treu. Derzeit laufen die Arbeiten an seinem neuen Projekt Die Traumlande auf Hochtouren, das Elemente aus so unterschiedlichen Stories wie Celephaïs, Das Weiße Schiff oder auch Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath aufgreift um daraus eine zusammenhängende Geschichte zu machen. Trotzdem hat er die Zeit gefunden und konnte mir einige Fragen zu seiner Arbeit beantworten.

Zum ersten Mal aufgefallen ist mir Deine Arbeit bei dem (höchst inoffiziellen und mittlerweile verschollenen) Warhammer 40.000-Film DAMNATUS. Wie bist Du in Berührung mit diesem Spieleuniversum gekommen? Hast Du einen Bezug zu den dazugehörigen Tabletop-Spielen, dem Rollenspiel-Bereich oder hat Dich einfach der Hintergrund gereizt?
Ich bin schon als kleiner Junge auf das Spieleuniversum von Games Workshop aufmerksam geworden - die Fernsehwerbung für das von GW mit MB entwickelte Brettspiel
StarQuest hatte einen starken Eindruck auf mich und ich quängelte so lange, bis meine Eltern es mir irgendwann zu Weihnachten geschenkt haben.
Zu
Warhammer 40.000 bin ich dann aber erst viel später als Jugendlicher gekommen, als ich über Freunde herausfand, dass StarQuest nur ein Ableger eines viel größeren Spielsystems mit Miniaturen war - was in der deutschen Übersetzung von StarQuest aber auch ziemlich unterging. Da wurde alles umbenannt, was zu brutal wirkte.
So bin ich dann auf jeden Fall zum leidenschaftlichen Wh40k-Spieler geworden und führte mit dem
Sphärentor (www.sphaerentor.com) über viele Jahre die größte und bekannteste deutschsprachige Fan-Seite zu dem Hobby, die sich zudem den Matrix-Filmen und dem Fantasy-Autor Tolkien gewidmet hat und noch widmet.
 


Als dann der Wunsch immer stärker wurde, sich als Filmemacher zu versuchen, führte das eine zum anderen - da es noch keinen großen Wh40k-Fanfilm gab, aber bereits durchaus ansehnliche aus den Fankreisen zu Star Wars und Star Trek, wurde daraus DAMNATUS geboren. Leider konnten wir den Film nicht veröffentlichen, da es rechtliche Bedenken von Seiten Games Workshops gab. Die unveräußerlichen deutschen Urheberrechte waren den Briten suspekt und ein paar Jahre später erschien ein offizieller Animationsfilm. Gut möglich also, dass die Rechtsabteilung von GW hier lieber auf Nummer Sicher gehen wollte. Mittlerweile sind sie glücklicherweise etwas liberaler im Umgang mit Fanprojekten - ein deutscher Filmemacher arbeitet derzeit am animierten Kurzfilm The Lord Inquisitor und hat glücklicherweise grünes Licht erhalten. 

Sieht man sich ein wenig im Netz um, so finden sich zuhauf Spiele, T-Shirts, Figuren, Filme und allerlei andere Dinge mit Bezug auf Cthulhu. Hast Du eine Erklärung dafür, dass H.P. Lovecraft und seine Schöpfung fast 80 Jahre nach seinem Tod so populär sind wie niemals zuvor?
Ich schätze das belegt, wie einzigartig und einflussreich Lovecrafts Werke eben sind. Wenn man quasi nicht drumherum kommt, ihn zu zitieren, wenn es darum geht, nihilistischen Grusel und völlige Hoffnungslosigkeit bezüglich dem Schicksal der Menschheit auszudrücken, dann muss da wohl was dran sein. Dass Cthulhu so populär geworden ist, dass wir heute nun verniedlichende Plüschpuppen von ihm kaufen können und allerlei T-Shirts, die Lovecraft ein wenig auf die Schippe nehmen, das gehört zu diesem Phänomen dazu.
Es mag daran liegen, dass die heutige moderne Gesellschaft zunehmend verwissenschaftlicht, technisiert und selbstbestimmt ich-bezogen ist. Da schlägt Lovecrafts 'kosmischer Schrecken' in eine dankbare Kerbe: Was, wenn unser wissenschaftliches Weltbild doch nicht stimmt? Was, wenn wir als frei und bedeutsam fühlende Menschen am Ende doch nur Sklaven einer finsteren höheren Ordnung sind, in deren Rechnung wir keinerlei Rolle spielen, oder zumindest keine Rolle, die unserem Eigenbild gerecht wird?
 


Sowohl Die Farbe als auch die Geschichten aus den Traumlanden gehören ja nicht unbedingt zu Lovecrafts zugänglichsten Stories. Was hat Dich dazu gebracht grade diese, eher versponnenen, abstrakten, Geschichten zu verfilmen und nicht ein gradliniges Stück wie beispielsweise Der Flüsterer im Dunkeln?
Von der Geschichte gibt es zum einen schon eine sehr gute Verfilmung unserer Kollegen von der H.P. Lovecraft Historical Society. Ansonsten: Ja, ich habe da sicher eher ein Faible für die versponneren Geschichten. Und mir ist es auch immer wichtig, etwas Neues zu schaffen. Von The Colour Out of Space gab es ja bis zu unserem Auftreten keine wirklich adäquate Verfilmung mit einem visuellen Konzept für die Andersartigkeit der Farbe aus dem All, also hatte ich das Gefühl, dass wir hier Neuland betreten könnten. Und aus dem Traumlande-Zyklus wurde wiederum bisher noch nie filmisch etwas gemacht, es gibt nur ein paar animierte Kurzfilme. Auch hier besteht also die Chance etwas Neues zu erschaffen, zum ersten Mal bestimmte Orte und Geschehnisse zu erzählen. 

Du bist, neben Deiner Regiearbeit und der Produktion, auch für das Drehbuch zu Die Traumlande verantwortlich. Können wir eine werktreue Umsetzung der Geschichten erwarten oder lässt Du Dir selbst einen großzügigen kreativen Spielraum?
Wir haben nicht vor, die Geschichten eins zu eins zu verfilmen. Da würde auch keine kohärente Handlung herauskommen, denn die einzelnen Traumlande-Geschichten sind von Lovecraft ja auch eigentlich nie als zusammenhängendes Werk geplant gewesen. Sie spielen lediglich in derselben Welt und beschreiben sie uns. Von daher nehme ich mir da auf jeden Fall Spielraum, das ist auch sehr wichtig, um filmisch daraus etwas machen zu können.
Lovecraft selbst hat es Zeit seines Lebens ausdrücklich begrüßt, seine Werke aufzugreifen und weiterzuentwickeln. Und die Traumlande laden besonders dazu ein, da diese entrückte Traumwelt ohnehin ihren eigenen Gesetzen folgt.
 


Der fertige Film dürfte frühestens Ende 2016 auf den Markt kommen. Arbeitest Du in dieser Zeit noch an anderen Filmen oder investierst Du Deine gesamte Energie in die Umsetzung von Die Traumlande?
Ich denke da wird keine Luft für andere Projekte sein, da ich dann auch stark in die Postproduktion des Films involviert sein werde. Unsere Finanzierungsphase hat sich ja nun deutlich verlängert, ich schätze es wird daher wohl am Ende eher auf 2017 hinauslaufen.
 


Für die Finanzierung des Filmes hast Du Dich für eine Mischung aus Crowdfunding und "klassischen" Investoren entschieden. Wie schwierig ist es für solch ein kleines ambitioniertes Projekt wie Deines, kleine und große Geldgeber für die Realisierung zu finden?
Die Umstrukturierung hin zum Crowdinvestment war wichtig, da wir nicht die Reichweite besitzen, um eine wirklich breite Masse anzusprechen. Die regulären Medien berichten über so etwas eher nicht, H.P. Lovecraft ist dafür dann doch zu speziell. Aber es hat sich herausgestellt, dass es durchaus einige Fans gibt, die bereit sind für solch einen Film auch größere Summen zu investieren - wenn sie dafür an zukünftigen Einnahmen beteiligt werden. Das ist ein großer Vertrauensbeweis und ich schätze, dass die Qualität des Trailers dafür ausschlaggebend war, denn er zeigt gut, in welche Richtung der Film gehen wird und auf welchem Niveau wir uns mittlerweile seit
Die Farbe befinden. 


Ein Projekt dieser Größenordnung kann niemand alleine stemmen. Wer sind Deine wichtigsten Helfer und wie funktioniert die Arbeit im Team über solch einen langen Zeitraum?
Das Kern-Team von
Die Farbe ist auf jeden Fall wieder mit dabei, mal schauen wie wir dieses Mal die interne Kommunikation gestalten werden. Bisher haben wir das immer über ein Online-Forum gemacht, vielleicht wechseln wir für Die Traumlande auf ein Projekt-Management-Tool.  


Die deutsche Film- und Fernsehlandschaft wird dominiert von zumeist seichten Komödien, Beziehungsgeschichten und Krimis, phantastische Stoffe sind eher Mangelware. Wirft man jedoch einen Blick auf die Besucherzahlen der Herr der Ringe- Filme oder die Einschaltquoten von A Game of Thrones so zeigt sich, dass auch hierzulande ein Markt dafür vorhanden ist. Warum haben deutsche Regisseure und Produktionsfirmen so große Probleme mit diesem Genre?
 

Das liegt meiner Auffassung nach an zahlreichen geschichtlichen und kulturell-gesellschaftlichen Faktoren, auf der Website der Initiative Neuer Deutscher Genrefilm (www.genrefilm.net) gibt es hierzu eine Artikelreihe von mir, die sich unter anderem damit beschäftigt. Im großen Ganzen zeigt sich, dass Phantastik bereits seit der Kaiserzeit in Deutschland beziehungsweise dem Deutschen Reich schon immer als Kulturform niederen Rangs und über weite Strecken der deutschen Geschichte von den meisten Geistlichen, Lehrern, Politikern und sonstigen Ordnungshütern als schädlich und minderwertig betrachtet wurde. Auch in der Nachkriegszeit wurde es nicht besser, in den hochpolitisierten 60er Jahren warf man Tolkien faschistoide Tendenzen vor, Michael Ende wiederum wurde von Kritikern dafür angegriffen, Jugendliche und Kinder in Phantasiewelten zu entführen und ihrer Entwicklung zu schaden - mit frappierend ähnlichen Argumenten wie man in der Kaiserzeit Groschenhefte versucht hat von den Schulhöfen zu verbannen, oder später dann Comics.
Die deutsche Filmindustrie ist wiederum stark abhängig von staatlicher Finanzierung. Entsprechend kommt das eine zum anderen - wenn die Filmförderungen und Fernsehanstalten bestimmte Geschichten und Genres als weniger relevant betrachten, oder bei den seltenen Testballons und Ausflügen dann Filmemacher beauftragen, die in diesen Genres nicht wirklich zuhause sind oder auf der Höhe der internationalen Entwicklung stehen, kommt eben auch nichts Nachhaltiges heraus.
 


Die Traumlande wird auf englisch gedreht und erst nachträglich synchronisiert. Wie groß schätzt Du das Potential ein, dass der Film im Ausland haben wird? Lassen sich aus der Resonanz auf Die Farbe schon Rückschlüsse ziehen?
Wir haben vor allem aus den USA sehr großen Zuspruch erhalten, und das obwohl der Film überwiegend auf Deutsch ist. Die Entscheidung war nicht leicht, nun auf Englisch zu wechseln, aber vermarktungstechnisch macht es einfach mehr Sinn so. Wir können so ein viel größeres Publikum erreichen und deutsche Zuschauer sind synchronisierte Filme zum Glück ja gewöhnt. 


Wie sehen Deine weiteren beruflichen Pläne aus? Können wir auch in Zukunft mit ungewöhnlichen Literaturverfilmungen von Dir rechnen?
Gut möglich, dass ich weiter Lovecraft treu bleibe, aber ich stehe beispielsweise auch in Kontakt zu interessanten phantastischen Autoren aus hiesigen Landen, da gibt es noch viele ungehobene Schätze. Ansonsten gibt es auch noch einige andere eigene Stoffe, die derzeit im Hinterkopf herumschwirren und auf ihre Zeit warten. Ein reiner Science-Fiction-Film wäre z.B. auch mal was, das gab es hierzulande auch schon länger nicht mehr.



Huan, vielen Dank dafür, dass Du Dir die Zeit genommen hast meine Fragen zu beantworten. Ansonsten bleibt mir eigentlich nur noch Dir, und natürlich auch Deiner Crew, alles Gute für Die Traumlande zu wünschen und ich bin sehr gespannt wie der fertige Film dann letztendlich ausschaut. Zumindest die Trailer sind ja schon recht vielversprechend und machen Appetit auf mehr.
Wer weitere Informationen zum Film, zu den Beteiligten und zum Fortschritt der Dreharbeiten haben möchte findet all dies auf www.the-dreamlands.com. Natürlich gibt es dort auch schon die ersten Trailer zu bewundern.
 

Der Traumlande-Zyklus
Howard Philips Lovecraft hat keine einzelne große Geschichte zu den Traumlanden geschrieben, sondern auf viele kurze Stories gesetzt, die in diesem fantastischen Reich angesiedelt sind. Die Grundidee dabei war, dass es sehr jungen oder besonders begabten Träumern möglich ist, in eben jenes Land zu reisen und dieses auch mittels ihrer Gedanken zu beeinflussen, und die letztendlich sogar von der normalen Welt gänzlich in die Traumlande überwechseln können. Die einzelnen Geschichten haben, wenn überhaupt, nur einen lockeren Zusammenhang und lassen sich nur schwer mit seinen anderen Erzählungen vergleichen. Ein guter Einstieg für den Leser wäre beispielsweise
Der Silberschlüssel, aber auch Das merkwürdige hochgelegene Haus im Nebel (das eindrucksvoll im Trailer in Szene gesetzt wird) oder Iranons Suche, vermitteln einen guten Einblick in diese teils bizarre, teils idealisierte Welt.



Der Film
Die Traumlande nimmt nun Kernelemente aus einigen Geschichten die den Zyklus bilden und formt daraus den eigentlichen Plot um den Protagonisten Roland.
Hier die kurze, offizielle Beschreibung vom Film:
Roland, ein Waisenjunge mit einer schwierigen Vergangenheit, wird von einem mysteriösen alten Mann in eine andere Welt geführt, die über Jahrtausende hinweg von den großen Träumern der Menschheit im Schlaf erschaffen wurde. Dort herrscht der alte Mann als König und er möchte Roland zu seinem Nachfolger ausbilden.
Doch Roland gelingt es nicht den dunklen Schatten zu überwinden, der auf ihm lastet, und er muss sich entscheiden, ob er seine Fähigkeiten dafür einsetzen will, um die Traumlande weiter zu vergrößern, oder um zu zerstören, was andere errichtet haben.


Der Regisseur
Huan Vu, Jahrgang 1982, arbeitete von 2003 bis 2007 als Produzent, Autor und Regisseur an DAMNATUS, einem ambitionierten non-profit Warhammer 40.000 Fanfilm. Der fertige Spielfilm durfte jedoch am Ende aufgrund von urheberrechtlichen Bedenken seitens Games Workshops, dem Besitzer des Warhammer 40.000 Spiele-Universums, nicht veröffentlicht werden – trotz weltweiter Proteste der auf den Film wartenden Warhammer 40.000 Fans.
Danach begann Huan Vu während des Studiums an der Hochschule der Medien in Stuttgart-Vaihingen mit der Arbeit an Die Farbe, einer Verfilmung von H.P. Lovecraft’s The Colour Out of Space. Zunächst als Diplomfilm, doch als das Projekt zu groß für den Rahmen der Abschlussarbeit wurde, entschieden Co-Produzent Jan Roth und er es im Anschluss an das Studium mit eigenen Mitteln umzusetzen. Die Dreharbeiten fanden 2008 im Schwäbisch-Fränkischen Wald und Umgebung statt und Die Farbe wurde schließlich nach zweijähriger Postproduktion an Heimcomputern Ende 2010 fertiggestellt und im Eigenvertrieb sowie über Vertriebspartner in Nordamerika, Schweden und Finnland veröffentlicht. Bisher glücklicherweise ohne urheberrechtliche Streitigkeiten. Auf einschlägigen Festivals konnte der Film zahlreiche Auszeichnungen gewinnen und erfreut sich bei Fans nach wie vor großer Beliebtheit.
In Entwicklung befinden sich derzeit, neben Die Traumlande, ein skurril-erotisch-okkulter Abenteuerfilm in den Berliner und Wiener 20er Jahren, ein SciFi-DeepSpace-Thriller, ein deutsch-vietnamesischer MartialArts-Revenge-Gangsterfilm, ein Mystery-Krimi nach einem noch unveröffentlichten Roman von Kai Meyer, sowie ein Historiendrama vor dem Hintergrund der Deutschen Revolution von 1848/49.

Sonntag, 18. Mai 2014


[Convention] Role Play Convention 2014

Samstag, 10. und Sonntag, 11. Mai 2014
koelnmesse, Köln



Am zweiten Mai-Wochenende fand die Role Play Convention oder kurz RPC mittlerweile zum achten Male statt. Waren die ersten beiden Jahre in Münster doch eher klein und beschaulich, so wuchs die Convention mit dem Umzug in die Kölner Messehallen beständig. Nach einigen mehr oder minder geglückten Experimenten, beispielsweise einer dreitägigen Veranstaltung oder der Kooperation mit einer Verbrauchermesse, konzentrierten sich die Veranstalter in diesem Jahr wieder auf ihre Kernkompetenzen und boten den Besuchern eine umfassende Mischung aus LARP, Rollenspielen, Mittelaltermarkt, Tabletop, Lesungen, Workshops, Comics und Computerspielen.


Schon eine Stunde vor dem eigentlichen Veranstaltungsbeginn öffneten sich die Türen des Eingangsbereiches der Messe und die, doch recht zahlreichen, Besucher setzten sich langsam in Bewegung. Einige hatten dabei offensichtlich Angst irgend etwas zu verpassen und drückten sich rücksichtslos durch die sich gemächlicher bewegenden Messeteilnehmer. So erreichten sie immerhin die (noch verschlossenen) Tore zu den eigentlichen Messehallen wertvolle Minuten früher und konnte sich dort langweilen. Kurz nachdem ich ebenfalls den Eingang erreicht hatte, wurde der Durchgang von den freundlichen Stormtroopern der 501st Legion – German Garrison abgeriegelt. Die Herren, und wohl auch einige Damen, machten ihren Job offensichtlich gut, denn die nachrückenden Besucher hielten respektvoll Abstand, damit wurde das Drängeln und Schubsen auf ein Minimum reduziert.

Pünktlich um 10 Uhr wurde dann doch der Durchgang freigegeben und die RPC 2014 somit offiziell eröffnet. Als ich das Halbdunkel der Halle 5, fast ausschließlich vom Licht der zahlreichen Monitore und Leinwände erhellt, betrat dröhnten mir aus einer Vielzahl von Boxen Videospiel-Soundtracks oder die Moderationen der Kommentatoren entgegen. Zum einen bin ich kein wirklich großer Freund von Computerspielen, zum anderen war mir das Geschehen auf den Bildschirmen einfach zu hektisch für den frühen Morgen und so machte ich mich schnell daran, den vorderen Teil der Halle zu durchqueren und zu den „normalen“ Ständen zu gelangen.
Meine erste Anlaufstelle war dann, hauptsächlich wegen der Größe und des augenfeindlichen grünen Teppichs, auch kaum zu übersehen. Ulisses Spiele hatten in diesem Jahr wieder alle Register gezogen um den Spielern etwas zu bieten. Neben einigen Theken bei denen Interessierte die Verlagsprodukte kaufen konnten, war der Großteil der Fläche doch den Demospielen vorbehalten. Zusätzlich war noch eine eigene Workshop-Ecke eingerichtet worden, in der die Spieler verschiedene Autoren zu den unterschiedlichsten Themen löchern konnten. Auch einige Vitrinen mit einem kleinen DSA-Museum waren aufgestellt worden, in denen Material aus dreißig Jahren Das Schwarze Auge von den staunenden Spielern begutachtet werden konnte, natürlich einschließlich der Maske des Meisters. Passend zum Jubiläum lag zudem die fünfte Edition des Regelwerkes, die sich derzeit noch in der Beta-Testphase befindet, aus. Da ich mich schon vor vielen Jahren von diesem Spielsystem verabschiedet hatte, hielt sich mein Interesse daran jedoch in überschaubarem Rahmen. Viel spannender fand ich dagegen die drei bisher erschienenen Spiele der Narrativa-Serie, die vor allem optisch zu beeindrucken wussten. Ob sie auch spielerisch überzeugen können, muss sich zwar erst noch zeigen, aber der erste Eindruck beim Gespräch mit einem Mitarbeiter war schon sehr vielversprechend. Auch kleine Demotische für die Tabletop-Systeme Infinity und Warmachine/Hordes hatten hier ihren Platz gefunden, aber ich hatte den Eindruck, dass sich das Interesse der Besucher daran in einem überschaubaren Rahmen hielt. Etwas besser sah es dagegen bei dem opulent ausgestatteten Dungeon-Crawl-Brettspiel Myth aus, das auch spielerisch einiges zu bieten hat. Nach einigen Gesprächen mit Bekannten und dem Austausch nostalgischer Erinnerungen an die erste DSA-Version setzte ich meinen kleinen Messerundgang fort.
Direkt neben Ulisses Spiele, getrennt nur durch einen schmalen Durchgang und farblich in einem satten Rot gehalten, hatten Pegasus Spiele ihr Hauptquartier aufgeschlagen. Wie von den Friedbergern nicht anders gewohnt waren auch hier zahlreiche Neuveröffentlichungen zu bestaunen. Dabei hatten es mir vor allem die Spieltische angetan, da ich, als bekennender Western-Fan, unbedingt das Zwei-Personen-Spiel Revolver antesten wollte. Ein interessantes Spielprinzip, nett aufgemachte Karten und zahlreiche Strategiemöglichkeiten sorgen hier tatsächlich für spannende Spiele, wenn man nicht grade, so wie ich, in der zweiten Spielrunde, einen dämlichen Fehler macht und anschließend (verdient) haushoch verliert. Nach diesem, etwas frustrierenden, Erlebnis schaute ich mich noch etwas weiter am Stand um. Überrascht haben mich dabei in erster Linie die zahlreichen Krosmaster-Spieler, die hier ein Turnier mit ihren knuddeligen Figuren austrugen und zudem rege doppelte Charaktere austauschten. Neben dem obligatorischen Munchkin-Turnier und den dazugehörigen Neuveröffentlichungen zogen vor allem die beiden Rollenspielsysteme des Verlags, Shadowrun und H.P. Lovecrafts Cthulhu zahlreiche Neugierige an, so dass die Demo-Runden nahezu vollständig belegt waren. Da ich beide Systeme jedoch zur Genüge kenne, hielt ich mich auch hier nicht weiter auf sondern machte mich wieder auf den Weg.
Nach einigen weiteren kurzen Zwischenstopps an verschiedenen Ständen, dem einen oder anderen Schwätzchen und einem Abstecher nach draußen auf den Mittelaltermarkt (es regnete zwischenzeitlich wieder einmal), ging es hinüber in die Halle 4, in der sich die LARPer und Zeichner eingenistet hatten und in der auch die meisten Workshops und Rollenspielrunden stattfinden sollten. Waren es in den vergangenen Jahren vor allem die Fantasy-LARP-Spieler die das Bild der RPC dominiert hatten, so waren diesmal die Freunde des gepflegten postapokalyptischen Szenarios deutlich in der Überzhal. Auch Piraten, viktorianisch/wilhelminisch/steampunkig gekleidete Menschen und vor allem jede Menge Zombies gingen beziehungsweise schlurften durch diese Halle. Neugierig geworden machte ich mich auf die Suche nach dem Ursprung der Zombieinfektion und wurde dabei in einer finsteren Ecke der Halle fündig. Hier konnten interessierte Spieler sich als Untote präparieren lassen, ein Zombie-Survival-Training buchen, oder sich über die Ausbreitung und Bekämpfung der Infektion informieren. Wirklich verstörend waren allerdings die Aktionen auf der Bühne von Zombie.de, wo beispielsweise eine Rotte modriger Mädels zu „The Time Warp“ und Stücken aus den 60er Jahren eine etwas abgehackt wirkende Choreografie darboten.
Bis zu meinem nächsten Termin blieb noch ein wenig Zeit und so schlenderte ich ein wenig planlos über die etwas abgelegene Künstlermeile und die Comic Area, unterhielt mich mit einem befreundeten Zeichner und schaute mir die doch recht eindrucksvollen Werke der verschiedenen Künstler an. Besonders beeindruckt war ich dabei von den extrem finsteren Masters of the Universe-Varianten die Helge C. Balzer auf die Leinwand gebracht hatte und den niedlich-abstrusen Viechern von Matthias Derenbach, die allerdings beide nicht im Rahmen meines aktuellen Budgets lagen. Eher meine Preisklasse war dagegen der Comic Schisslaweng von Marvin Clifford, den ich mir bei der Gelegenheit auch gleich signieren ließ. Da ich in diesem Hallenbereich doch erstaunlich viel Zeit vertrödelt hatte, musste ich mich sogar ein wenig beeilen um rechtzeitig wieder am Workshopraum zu sein. Hier hatten sich tatsächlich ein paar Leute eingefunden um bei der Lesung von Frau Hölle dabei zu sein, dem Debütroman von Luci van Org. Die recht merkwürdige Geschichte über germanische Gottheiten die versuchen sich im Berlin der Gegenwart durchzuschlagen ist sicherlich nicht jedermanns Sache, doch die Autorin machte ihre Arbeit trotz der widrigen Umstände, dem recht hohen Geräuschpegel und ständigem Kommen und Gehen der Zuhörer, hervorragend und konnte sowohl mit der Lesung als auch mit ihrem musikalischen Intermezzo in der Pause mich, und wohl auch die anderen Zuhörer, nachhaltig beeindrucken. Nur ein paar Meter weiter hatte die Redaktion des Fanmagazins Cthulhus Ruf ihren Stand aufgebaut und verkaufte fleißig die fünfte Ausgabe ihres Heftes. Thematisch dazu passend hatte daneben der Regisseur von Die Farbe, Huan Vu, seinen Platz gefunden und rührte fleißig die Werbetrommel für sein aktuelles Projekt, die über Crowdfunding finanzierte filmische Umsetzung von Die Traumlande, einer Sammlung von Lovecraft-Geschichten.
Zwei für mich sehr interessante Workshops zum Thema Cthulhu-Rollenspiel, Wie die Sterne stehen und Queen Victoria vs. Cthulhu, konnten durch eine Fehlplanung der Räumlichkeiten leider nicht wie geplant stattfinden. Jedoch gelang es einigen fanatischen Kultisten (und auch mir) den zuständigen Redakteur, der ebenfalls hier herumlungerte, in eine mehr oder minder ruhige Ecke zu zerren und doch einen kurzen Ausblick auf die kommenden Veröffentlichungen zum Rollenspiel und Hintergrundinformationen zum frisch erschienenen Cthulhu Gaslicht zu erhalten. Danke an dieser Stelle nochmal an Daniel Neugebauer der sich trotz der widrigen Umstände ein bisschen Zeit für unsere nervigen Fragen genommen hat.
Nach einem weiteren Ausflug auf den Mittelaltermarkt (zum Regen waren nun noch Sturmböen hinzu gekommen), flüchtete ich schon nach wenigen Minuten wieder in die Halle 5 um einen weiteren Punkt auf meiner Liste abzuarbeiten. Als großer Fan des historischen Skirmish-Tabletops SAGA war ich sehr gespannt, wie die deutsche Umsetzung gelungen war, für die sich der Geländehersteller Stronghold Terrain verantwortlich zeigte. Zum Durchlesen hatte ich bisher zwar leider noch keine Zeit, aber zumindest von der Aufmachung schlägt das Buch das englische Original um Längen. Neben dem Regelwerk gab es zudem auch noch die passenden Würfel und natürlich Figuren am Stand zu erwerben. Unbedingt mitnehmen musste ich schließlich die beiden neuen, für das finstere Zeitalter ausgelegten, Resingebäude die in Zukunft meinen Spieltisch verschönern werden.
Direkt nebenan waren die Damen und Herren von Paint Your Imagination damit beschäftigt, zu demonstrieren, was sich mit ein wenig Farbe, einem Pinsel und etwas Übung alles mit Miniaturen anstellen lässt. Hier gab es zudem die Möglichkeit verschiedenen Malern beim Pinseln zuzuschauen oder bei einem der Workshops am Samstag selbst kleine Panzer anzumalen oder einer NERF-Gun einen neuen Anstrich zu verpassen. Allerdings interessierten mich die Kurse am nächsten Tag deutlich mehr und so nutzte ich die Gelegenheit und setzte meinen Namen auf die Anmeldeliste.
Mittlerweile war es schon recht spät und die meisten Besucher machten sich auf den Weg in Richtung Ausgang. Eigentlich hatte ich geplant, noch bis zur Verleihung der RPC Awards zu bleiben, doch die Nächte davor waren kurz gewesen und der mittlerweile prall gefüllte Rucksack lastete schwer auf meinen Schultern. So drehte ich noch eine kurze Verabschiedungsrunde und schleppte mich dann auch in Richtung meiner Herberge, die glücklicherweise nicht weit entfernt lag. Mittlerweile hatten sich Sturm und Regen jedoch weiter verstärkt und die vielleicht 300 Meter vom Messeausgang bis zum Hotel waren ausreichend um mich völlig zu durchnässen. Immerhin waren die meisten Sachen die ich mir gekauft hatte eingeschweißt, so dass ich hier keine Verluste zu beklagen hatte. Auf Grund des fürchterlichen Wetters entfiel dann auch das eigentlich fest eingeplante Abendessen beim Griechen an der Deutzer Brücke. Die Alternative im hoteleigenen Restaurant sah zwar einladend aus, aber die Preise waren weit von dem entfernt, was ich zu zahlen bereit gewesen wäre. So begnügte ich mich letztendlich mit einer Bockwurst von der Tankstelle gegenüber und einigen Keksen, die noch von meiner Messeverpflegung übrig geblieben waren.


Nach einer weiteren viel zu kurzen Nacht und einem exzessiven, leckeren, und leider auch sehr teuren, Frühstück machte ich mich für die zweite Runde auf der RPC bereit. Da ich mich im Hotel nicht sonderlich beeilt hatte, erreichte ich die Messehalle erst gegen 11 Uhr, wo der erste Besucheranstrom schon abgeebbt war, auch den ersten Regenschauer des Tages hatte ich verpasst. 
Sehr entspannt schlenderte ich diesmal etwas länger durch den Bereich mit den Computerspielen, betrachtete mir die Fortsetzung des Fantasy-Football-Spiels Blood Bowl, das zwar etwas besser aussieht als der erste Teil, aber spielerisch nur wenig Neues bietet. Das erste kurze Antesten des Fantasy-Prügel-Rollenspiel Lords Of The Fallen machte zwar durchaus Appetit auf mehr, doch wird mein heimischer Rechner dabei sicherlich nicht mehr mithalten können, wenn das Spiel im Herbst veröffentlicht wird. Schon fast einen Hauch zu nah an der Realität ist dagegen das Hacker-Spiel Watch Dogs von Ubisoft, in dem der Spieler sich in fremde Smartphones hackt, Computer manipuliert und dabei versucht den Konzernkillern und Verbrechersyndikaten einen Schritt voraus zu sein. Ein durchaus reizvolles Spiel, das ich wohl doch näher im Auge behalten muss, wenn es Ende des Monats erscheint. Ansonsten beschränkten sich die meisten Veröffentlichungen auf Fortsetzungen etablierter Spieleserien, grafisch dem heutigen Standard angepasst, dagegen spielerisch nicht sonderlich innovativ. Nachdem ich hier doch erstaunlich viel Zeit verbracht hatte, setzte ich meinen Weg fort, der mich dabei zum Verlag Martin Ellermeier führte, der neben einer neuen Ausgabe seines Magazins Tabletop Insider auch Demos für das Endzeit-Skirmish-Spiel Eden und das kleinmaßstabige SciFi-Tabletop Dropzone Commander im Gepäck hatte. Die Tische waren recht ansprechend gestaltet, auch wenn mich der Qualm etwas irritierte der unter einem der Tisch hervorquoll. Allerdings wurde mir versichert, das dies Teil des Dioramas sei. Nicht weit davon entfernt hatten Micro Art Studios und Freebooter Miniatures ihre Stände und so nutzte ich die Gelegenheit und holte einige vorbestellte Miniaturen ab.
Auf dem weiteren Weg durch die Halle erzählte mir ein Bekannter, dass es draußen tatsächlich sonnig und trocken wäre und so versuchte ich ein weiteres Mal mein Glück auf dem Mittelaltermarkt. Und tatsächlich: Der nächste Regenschauer ließ fast zwanzig Minuten auf sich warten. In dieser Zeit hatte ich endlich einmal Gelegenheit in Ruhe die Stände zu begutachten. Jeder der schon einmal einen Mittelaltermarkt besucht hat, dürfte wissen, was für ein Sammelsurium an unterschiedlichsten Dingen es dort zu finden gibt: Schmiedehandwerk, Gewandungen, Schnitzereien, Lederarbeiten, die unvermeidlichen Metstände und Fleischbratereien. Eine Ausnahme bildete allerdings ein Stand mit Steinmetzarbeiten, der Ornamente, kleine Gartenfiguren und allerlei anderen Zierrat fein säuberlich aus Sandstein gehauen, anbot. Gerne hätte ich mir noch ein paar andere Dinge genauer angeschaut oder mir einen leckeren Fleischspieß gegönnt, doch ein weiterer Termin rückte näher, außerdem fing es schon wieder leicht zu regnen an.
Schon am Vortag hatte ich mich zu einem Malworkshop mit dem Thema „Layering“ eingetragen und pünktlich um 14 Uhr wurden dann auch die Pinsel geschwungen. Unter fachkundiger Anleitung und in die Arbeit vertieft verging die Zeit erstaunlich schnell und als ich das nächste Mal auf die Uhr schaute, war die Lesung der Kurzgeschichten aus Die alten Götter, die ich eigentlich noch besuchen wollte, schon fast vorüber. Immerhin schaffte ich es dann doch rechtzeitig nach draußen (Regen, unterbrochen von kurzen trockenen und stürmischen Phasen) um mir den musikalischen Höhepunkt der RPC, den Auftritt der bekannten Mittelalter-Combo Schandmaul, anzuschauen. Ich hatte die Band zwar erst im März im Wiesbadener Schlachthof gesehen, aber wenn sich schon mal solch eine Gelegenheit bot, ergriff ich sie doch gerne. Nach knapp einer Stunde war der Auftritt dann auch beendet und die diesjährige Veranstaltung neigte sich bedrohlich ihrem Ende entgegen. Allerdings wollte ich den Markt nicht verlassen, ohne mir einen Brotfladen zu gönnen, dick mit lecker Knobi-Sauce bestrichen, damit meine Kollegen im Büro am nächsten Tag auch noch etwas davon haben würden.



Auf einer letzten Runde durch die beiden Hallen nutzte ich schließlich die Gelegenheit, mich von vielen alten und einigen neuen Freunden zu verabschieden, Mail-Adressen auszutauschen und schon Absprachen für die FeenCon in Bonn (die in diesem Jahr zum 25sten Mal stattfindet) und die SPIEL im Oktober zu treffen. Ein Großteil der Besucher war zu diesem Zeitpunkt schon auf dem Heimweg und auch einige der Aussteller hatten bereits damit angefangen, ihre Waren zu verstauen und die Stände abzuschlagen. Nach einem oder zwei Last-Minute-Einkäufen war für mich die Veranstaltung dann ebenfalls zu Ende und ich machte mich zum Auto auf, wo ich meine Beute im, mittlerweile bedenklich vollen, Kofferraum verstaute. Nach einem kurzen Zwischenstopp an der Tankstelle ging es dann direkt auf die Autobahn und nach Hause, wo ich schließlich den Rest des Abends damit verbrachte, meine neuen Errungenschaften zu begutachten.


Die RPC hat sich mittlerweile nicht nur für die Besucher, sondern auch bei den Verlagen aus dem Fantasy-Brett- und Rollenspielbereich im Veranstaltungskalender fest etabliert, teilweise sogar die Spielemesse in Essen an Bedeutung übertroffen. Leider haben auch die Kölner Hoteliers die gute Resonanz wohl mitbekommen und die Übernachtungspreise an den gängigen Messestandard angepasst. Die Preissteigerung um gut 50% Prozent schmerzt dabei schon erheblich, auch frühere Sonderleistung wie kostenlose Parkplätze in der Hotelgarage oder das im Preis inbegriffene Frühstück sind weggefallen. Dies aber nur am Rande.
Mir persönlich gefällt an dieser Veranstaltung vor allem die Kombination von eher entspannter Atmosphäre, wie man sie eigentlich nur bei kleineren Conventions kennt, die große Bandbreite an unterschiedlichsten Interessenschwerpunkten und das geschäftige Treiben einer richtigen Messe. Zudem gelingt es den Organisatoren eigentlich in jedem Jahr ein recht gelungenes, vielfältiges und attraktives Programm auf die Beine zu stellen, das für jeden Besucher etwas bereit hält. Ein kleiner Wermutstropfen, den ich dabei aber gerne in Kauf nehme, ist die Tatsache, dass es praktisch nicht möglich ist, alle interessanten Workshop, Lesungen, Konzerte und ähnliche Veranstaltungen zu besuchen die angeboten werden. Auch reicht die Zeit meist nicht, um sich jedem Aussteller so zu widmen, wie er es eigentlich verdient hätte. So schaute ich nur kurz bei den, von der GFR e.V. organisierten, Rollenspielrunden vorbei, warf einen flüchtigen Blick auf die Manga-Zeichner, die versteckt in Halle 4 lagen oder entdeckte erst zu Hause beim erneuten Durchlesen des Veranstaltungsprogramms einige Punkte, die vollständig an mir vorüber gegangen waren. Auf jeden Fall habe ich auch in diesem Jahr wieder viele spannende Eindrücke aus dem Bereich der fantastischen Spiele mit nach Hause genommen, viel zu viel Geld ausgegeben und zahlreiche interessante Gespräche geführt.

Samstag, 19. April 2014

[Convention] SALUTE 2014
Samstag, 12. April 2014ExCeL, London

Für mich als (nur ganz leicht) fanatischen Miniaturensammler und Tabletopspieler gibt es eigentlich keinen wichtigeren Termin im Jahr als die in London stattfindende SALUTE. Hier treffen sich Händler, Hersteller, Verlage und natürlich jede Menge Menschen die dem gleich Hobby frönen wie ich auch. Im Gegensatz zum eher spontanen und chaotischen Ablauf im letzten Jahr hatte ich mich diesmal schon frühzeitig um Flug, Unterkunft, Karten für die Veranstaltung und sogar schon Fahrkarten für die Londoner U-Bahn gekümmert. Auch der Pilotenstreik in der Woche vor der Reise in Frankfurt beunruhigte mich nur unwesentlich und so machte ich mich am Freitag, etwas verkatert vom Konzertbesuch am Vorabend, morgens um vier Uhr auf den Weg in die britische Hauptstadt. Und tatsächlich funktionierte alles fast schon zu einfach: Der Flug hatte fast keine Verspätung, die Hotelbuchung wurde berücksichtigt und ich konnte mich darauf konzentrieren mir einige Vorräte für den kommenden Tag zuzulegen.



Immer noch nicht so wirklich erholt ging es am Samstag morgen in Richtung der ExCeL-Messehalle in die Docklands wo die SALUTE nun zum siebten Mal in Folge stattfand. Tatsächlich bin ich immer noch nicht ganz mit der Location warm geworden und vermisse nach wie vor das wesentlich gemütlichere Olympia in Kensington.
Obwohl es noch recht früh am Tag war, herrschte sowohl in der Bahn als auch auf dem Gelände der Messehallen schon reges Treiben und erste Schlangen bildeten sich, vor allem an den Ständen die koffeinhaltige Heißgetränke ausschenkten. Neben der SALUTE fanden zumindest noch zwei weitere Veranstaltungen an diesem Wochenende hier statt, zum einen eine Immobilienmesse und zum anderen die Anmeldung für den London Marathon am Sonntag mit seinen fast 40.000 Teilnehmern. Da im letzten Jahr fast alle Durchgänge von den Wartenden verstopft waren, bekamen die Organisatoren in diesem Jahr eine Wartehalle zugewiesen, in die wir geführt wurden und die sich tatsächlich auch erstaunlich schnell füllte. Um den Besuchern die Wartezeit zu verkürzen wurden schon die Tüten mit der Messefigur und einige andere Goodies verteilt, verschiedene Flyer wurden unters Volk gebracht und die Kinder von Kevin und Sally White, den Machern von Hasslefree Miniatures verfütterten körbeweise Süßigkeiten an die Wartenden. Mit dem Team des Wikinger-Skirmishs Valhalla und ihren mobilen Demoflächen konnten Interessierte auch schon ein wenig die Würfel rollen lassen, bis dann pünktlich um 10 Uhr die Tore zur Messehalle geöffnet wurden und sich die gewaltige Besuchermasse langsam und gemächlich in Bewegung setzte.


2014 jährt sich die Landung der Alliierten in der Normandie zum 70sten mal, Grund genug für die South London Warlords, den Club der für die Organisation der SALUTE verantwortlich ist, die Veranstaltung unter das Motto D-Day zu stellen. Neben den Convention-Shirts und der exklusiven Messefigur Commander Maud (mitsamt Bulldogge) spiegelten auch viele der ausgestellten Dioramen und Spieltische dieses Motto wider. Ich für meinen Teil kann mit der ganzen Weltkriegs-Thematik nicht viel anfangen, aber es ist doch doch beeindruckend zu sehen, mit wie viel Energie und Liebe zum Detail manche Tische aufgebaut waren.
Wie schon gewohnt führte mich mein erster Weg zu meinen Freunden von Freebooter Miniatures aus Oberhausen, in diesem Jahr ganz ungewohnt in ziviler Kleidung und nicht in opulenten Piratenkostümen. Nach einem kurzen Plausch, einem Blick auf die neuesten Miniaturen und einem Gläschen Sekt ging es dann auch zügig weiter zu den nächsten Ständen. Nachdem ich im letzten Jahr bei einigen Dingen leer ausgegangen war, hatte ich es diesmal mit Vorbestellungen bei verschiedenen Händlern versucht. Somit konnte ich mir einigermaßen sicher sein, meine Püppchen auch zu wirklich bekommen. Meine erste Anlaufstelle waren dabei Fenris Games, die hauptsächlich für ihre schicken (und bezahlbaren) Resin-Basen und -Geländeteile bekannt sind. Ein paar Tage zuvor hatte ich eine relativ große Bestellung in Auftrag gegeben, die auch ordentlich verpackt für mich zur Abholung bereit lag. Da ich schon einmal vor Ort war nutzte ich die Gelegenheit für ein Schwätzchen mit Ian Brumby, einem der Verantwortlichen, und wurde quasi genötigt mir auch noch Wally the Wererabbit zu kaufen, die Figur eines sehr schrägen Monsterhasen. Der wahrscheinlich größte Blickfang am Stand waren allerdings die spektakulären Figuren für das Cthulhu Wars-Brettspiel, das wahrscheinlich im Mai ausgeliefert wird. Leider durften sie noch keine Miniaturen dieser Serie verkaufen, aber es war schon toll die bemalten Stücke in greifbarer Nähe zu sehen. Nur ein kleines Stückchen weiter, bei der altehrwürdigen britischen Miniaturenschmiede Foundry wartete schon das nächste Päckchen darauf, von mir eingesammelt zu werden. Die Auswahl die der Hersteller mit auf die Convention gebracht hatte war eher bescheiden, auch Neuheiten waren nur in sehr überschaubarem Rahmen zu sehen. Letztendlich war ich froh, meine Sachen vorbestellt zu haben und machte mich anschließend daran, auch noch die dritte Bestellung einzusammeln. Bei Gripping Beast hatte ich mich wirklich auf die neueste Regelerweiterung zum historischen Skirmish SAGA: The Crescent & the Cross gefreut. Leider musste der Veröffentlichungstermin für das Buch kurzfristig auf Ende Mai verschoben werden. Immerhin konnte ich mir schon die dazugehörigen Würfel und einige Figuren zulegen, sodass ich schon meine Truppen vorbereiten kann. Einer der freundlichen Mitarbeiter gab mir außerdem einen groben Überblick über die verschiedenen Fraktionen und Besonderheiten dieser Erweiterung. Rechtzeitig fertig geworden ist dagegen Jugula, das die Spieler in einer Arena Gladiatorenkämpfe bestreiten lässt und auch die Möglichkeit gibt, die eigenen Figuren weiter zu entwickeln. Durchaus reizvoll, aber da es noch früh am Tag war musste ich mir mein Budget noch etwas einteilen.


Nach diesem kleinen Shopping-Exzess war es an der Zeit den Malwettbewerb näher in Augenschein zu nehmen. Schön zentral in der Mitte der Halle gelegen füllten sich die Vitrinen relativ schnell mit Modellen unterschiedlichster Maßstäbe und Genres. Ich bin mir nicht wirklich sicher, aber es dürften doch einige Teilnehmer mehr gewesen sein, als in den Jahren zuvor. Auch die Qualität der abgelieferten Arbeiten hatte sich wieder ein ganzes Stück gesteigert. Noch 2008 konnte ich den Malwettbewerb in der Kategorie beste Fantasy-Einheit gewinnen, doch mittlerweile wird von einigen Leuten auf solch hohem Niveau gemalt, dass es für mich nur noch wenig Sinn macht, eine Figur abzugeben. Für mich als Maler ist das natürlich etwas frustrierend, aber auch immer wieder ein Ansporn mir die hervorragend bemalten Figuren und die liebevoll gestalteten Dioramen anzuschauen und vielleicht auch noch ein bisschen an meiner Technik zu arbeiten. Zumindest habe ich für das nächste Jahr schon eine Idee für ein Projekt und auch die passenden Zutaten konnte ich schon kaufen. Jetzt muss ich mich nur noch mal hinsetzen und ein wenig den Pinsel schwingen. Nach diesem kleinen Zwischenstopp machte ich mich wieder auf den Weg um mir die zahlreichen Spieltische etwas genauer anzuschauen.


Tabletop-Spiele oder, wie es im angelsächsischen Raum heißt, Miniature Wargaming, hat in Großbritannien einen völlig anderen Stellenwert als hierzulande und in vielen Städten gibt es entsprechende Clubs. Diese nutzen traditionell die SALUTE um sich selbst, aber auch ihre selbst erdachten Spiele zu präsentieren. Diese Spieltische sind für mich immer wieder eines der Highlights der Veranstaltung. Ich habe zwar nur selten Zeit an einem Spiel teilzunehmen, aber alleine sich die liebevoll gestalteten Tische anzuschauen, mit den Leuten ein kurzes Schwätzchen zu halten und das Leuchten in ihren Augen zu sehen, wenn sie über ihre Projekte reden ist immer wieder ein großartiges Erlebnis. Ein besonderer Blickfang war der mächtige Spieltisch der South London Warlords, auf dem die Spieler die Schlacht auf den Feldern von Pelennor aus dem Herrn der Ringe nachspielen konnten. Allerdings wurde hier auf die gängigen Figuren im 28 mm Maßstab verzichtet und stattdessen mit den deutlich größeren Figuren von Schleich gespielt, einschließlich Trollen, Wolfsreitern und Murmaks. Ebenfalls sehr gut gefallen hat mir auch „The Spice Must Flow“ von den Frothers Unite, das auf dem Wüstenplaneten Dune angesiedelt war.
Wer an diesem Tag außerdem Zeit und Muse hatte selbst einmal eine Figur zu bemalen, der konnte beim, von Privateer Press organisierten, Speedpainting-Wettbewerb mitmachen. Mit einer vorgrundierten Warmachine-Miniatur und trotz einer eher eingeschränkten Farbpalette und 45 Minuten Zeit kamen tatsächlich einige sehr ansehnlich Ergebnisse heraus. Daneben gab es natürlich für fast jedes kommerziell erhältliche Tabletop an diesem Tag Demorunden. Also für den interessierten Spieler die perfekte Gelegenheit sich einen Überblick zu verschaffen, was der Markt hergibt. Neben den großen Systemen, beispielsweise Warmachine/Hordes, Warhammer und Warhammer 40.000 waren auch viele kleine Spielsysteme, vor allem aus dem historischen Bereich, vertreten. Obwohl ich eigentlich recht tief in der Materie stecke, ist es für mich doch immer wieder überraschend wie viele Spielsysteme es tatsächlich gibt und was für Perlen sich teilweise darunter befinden.


Nach diesem, zugegeben groben, Überblick gönnte ich mir eine kurze Verschnaufpause in der größeren der beiden Ruhezonen. Hier konnte ich einen ersten Blick auf meine bisherige Beute werfen, mir auf dem Hallenplan die nächsten Ziele herauspicken und das geschäftige Treiben um mich herum beobachten. Etwas skurril waren beispielsweise die drei älteren Herren aus Wales am Nachbartisch, die in ihrer Mittagspause Muscheln und Kaviar mit dem guten Silberbesteck verzehrten und nebenbei die eine oder andere Flasche Bier leerten. Ich dagegen begnügte mich mit schnödem Sandwich, hielt noch ein kurzes Schwätzchen mit einem Bekannten aus Berlin, der zufällig vorbei kam und machte mich dann zur zweiten Runde auf.


Mein nächster Anlaufpunkt war der Stand des renommierten militärhistorischen Verlags Osprey Publishing und dessen Tochter Osprey Wargames, von denen ich mir doch eine etwas größere Auswahl erhofft hatte. Da mich ihre bisherigen Spiele jedoch eigentlich immer überzeugen konnten, nutzte ich die Gelegenheit um A Fistful Of Kung Fu meiner Sammlung einzuverleiben. Dabei handelt es sich um ein schnelles Skirmish-Spiel, dass sich an Filmen wie Hard Boiled oder Big Trouble In Little China orientiert und dabei tief in den gängigen Klischees wühlt. Rein zufällig gab es am Stand nebenan auch die dazugehörigen Figuren von North Star Miniatures für kleines Geld zu kaufen, so dass ich demnächst eine kleine Truppe Polizisten über den heimischen Spieltisch scheuchen kann um die Yakuza und Dämonen meiner Mitspieler im Zaum zu halten. Weiter ging es zum Stand von Demented Games, die zwar bisher außer einer Betaversion, einigen Zeichnungen und Resin-Miniaturen noch nicht sonderlich viel für Twisted zeigen konnten. Doch diese Dinge, zusammen mit dem interessanten Hintergrund-Konzept, machten mich zumindest neugierig auf diese Mischung zwischen Tabletop-, Brett- und Rollenspiel. Sicherlich werde ich die Crowdfunding-Kampagne zu dem Spiel im Auge behalten, wenn sie im Spätsommer startet. Nach nicht ganz so guten Erfahrungen in der letzten Zeit, werde ich jedoch warten, bis das Spiel dann in den Läden erhältlich ist.

Ebenfalls durch Crowdfunding haben Mierce Miniatures ihre Mischung aus Fantasy und historischem Hintergrund, Darklands, finanziert. Das Regelwerk soll angeblich im nächsten Monat ausgeliefert werden, jedoch gab es schon einen Großteil der Figuren zu bestaunen und teilweise auch zu kaufen. Den ganzen Tag über gab es nur wenige Lücken in den Reihen der Schaulustigen, doch irgendwann hatte ich mich auch nach vorne gedrängt und konnte einen Blick auf die wirklich großartigen Resin-Miniaturen werfen und tatsächlich auch eine Miniatur meiner Sammlung hinzufügen. Etwas bedenklich finde ich zwar, dass sie schon die nächste Crowdfunding-Kampagne gestartet haben, während die vorhergehende noch nicht abgewickelt ist, aber anscheinend bin ich mit dieser Meinung ziemlich alleine, wenn ich mir die Anzahl der Backer auf Kickstarter anschaue. Über mangelndes Interesse konnte sich die Mannschaft des Games Workshop-Ablegers Forgeworld ebenfalls nicht beschweren. Bis kurz vor Ende der Veranstaltung herrschte hier so dichtes Gedränge, dass es noch nicht einmal möglich war, einen Blick auf die ausliegenden Neuheiten zu werfen, geschweige denn, sich mit den Leuten zu unterhalten oder auch nur einen Katalog zu ergattern. Die meisten Besucher hatten daher auch im voraus bestellt und waren nun damit beschäftigt, ihre Figuren und Fahrzeuge abzuholen. Als ich doch einen Blick auf die Neuheiten werfen konnte, war ich allerdings ein wenig enttäuscht, gab es doch fast ausschließlich Dinge aus dem Warhammer 40.000-Universum zu sehen und dort fast nur Space Marines in verschiedenen Varianten. Aus dem französischen Lyon haben auch die Herrschaften von Ammon Miniatures wieder ihren Weg nach London gefunden. Konnten sie im letzten Jahr, sowohl auf der SALUTE als auch auf der SPIEL zwar schon einige Figuren vorweisen, so feiert das nicht ganz ernst gemeinte Wrestling-Spiel Da Clash! doch erst jetzt seine Premiere. Nach einem kurzen Testspiel hatte mich das Spiel tatsächlich überzeugt und nicht nur das Grundspiel sondern auch ein Sack mit Extrawürfeln, eine Resin-Spielfläche und zwei Figuren als Grundstock meines Tag-Teams wanderten in den Rucksack. Kein Durchkommen gab es bei den Herrschaften von Prodos, die mit der Neuauflage des Warzone-Tabletops vor Ort waren. Völlig überraschend, ebenfalls finanziert durch eine Crowdfunding-Kampagne und ausgestattet mit einer komplett überarbeiteten Miniaturenserie, besteht, wohl auch immer noch gut zehn Jahre nach der letzten Auflage, offensichtlich großes Interesse an dem Spiel, wie die nicht enden wollen Schlange der Schaulustigen zeigte.

Normalerweise ist die SALUTE auch eine dankbare Gelegenheit für verschiedene Reenactor-Gruppen sich einem breiteren Publikum zu präsentieren. Nachdem es vor einigen Jahre jedoch einen kleinen Eklat gab, nahm diese Zusammenarbeit kontinuierlich ab. Auch 2014 war in dieser Hinsicht etwas kümmerlich und die kleine Gruppe der britischen Homeguard wirkte etwas verloren in ihrem abgesperrten Areal. Auch die Mitglieder der örtlichen Star Wars Garrison waren mit deutlich weniger Vertretern angereist als gewohnt und gingen teilweise im Gewühl unter. Gänzlich vermisst habe ich fahrende Daleks, Panzer und anderes schweres Gerät, dass eigentlich für mich zum Gesamtbild der Veranstaltung gehörte. Auch auf die traditionelle Bring & Buy-Fläche wurde in diesem Jahr, meines Wissens nach zum ersten mal in der 40jährigen Geschichte der Veranstaltung, verzichtet. Stattdessen gab es deutlich mehr Spielflächen und auch die beiden Ruhezonen wurden erheblich ausgeweitet.

Endlich, nach dem ich alles Wichtige gesichtet hatte konnte ich daran gehen, mir die kleinen Leckerlis herauszupicken, die es eigentlich nur auf dieser Convention gibt. Ein recht eindrucksvolles Angebot fuhren die drei Großhändler Wayland Games, Troll Trader und Simple Miniatures auf. Hier ließen sich tatsächlich einige Schnäppchen machen und die Wühltische waren ein schier unendlicher Quell für nicht mehr ganz frisches, aber doch sehr ansehnliches Zinn. Besonders interessierten mich die Modelle der ersten Edition von Malifaux deren Preise geradezu lächerlich waren. Aber nicht nur bei den großen Ständen gab es spannende Dinge zu entdecken, auch die vielen kleinen Aussteller präsentierten interessante, merkwürdige und außergewöhnliche Dinge, beispielsweise selbst gehäkelte Würfelbeutel von der Dice Bag Lady, zahlreiche Stände mit MDF-Gebäuden, Geländeteil aus Latex, Basen aus Resin in jeglicher Form und Thematik oder auch die reichhaltige Auswahl an Würfeln.
Sehr auffällig, durchaus in einem positiven Sinn, war das weitgehende Fehlen von Spielen mit Zombie-Thematik. Nachdem das Genre mittlerweile deutliche Ermüdungserscheinungen aufweist, konzentrierten sich die Hersteller nun wieder auf andere Settings. Eine Ausnahme machte dabei 7ombieTV von Crooked Dice mit seinem liebevoll (und sehr blutig) gestalteten Demotisch, das sich zudem sehr gut und einfach spielte. Vom gleichen Hersteller kamen auch einige Figuren, die auffällige Ähnlichkeiten mit Charakteren aus der britischen Fernsehserie Doctor Who hatten, und die natürlich auch in meinen Rucksack wanderten, zusammen mit dem dazugehörige Regelwerk und den passenden Würfeln.


Mittlerweile war der Nachmittag schon weit fortgeschritten und unmittelbar nach der Preisverleihung leerte sich die Halle merklich. Dies gab mir tatsächlich doch noch die Gelegenheit bei dem einen oder anderen Stand vorbei zu schauen, einen Blick auf einige Figuren zu werfen und noch einige letzte Einkäufe zu tätigen da sich überraschenderweise doch noch ein paar Pfund in meinem Geldbeutel befanden. Tatsächlich gelang es mir meine komplette To-Do-Liste abzuarbeiten, von zwei Herstellern abgesehen, die trotz Ankündigung nicht vor Ort waren. Außerdem gab noch einige völlig überraschende Leckerlis zu entdecken, wie beispielsweise die Messe-Figur von Black Scorpion oder die Marker und Spielutensilien von Litko. Bei einigen anderen Stücken, vor allem Büsten und Großfiguren musste ich mich doch zurückhalten, aber letztendlich waren die Preisvorstellungen mancher Händler doch recht optimistisch, um nicht zu sagen dreist. Hatte ich auf der SPIEL im Oktober beispielsweise für eine der wirklich großartigen Discworld-Büsten von Micro Art Studios noch 30 Euro bezahlt, so war der Preis hier schon bei 40 Pfund angelangt. Wahrscheinlich werde ich mir diese und auch einige andere Dinge wohl im Laufe des Jahres dennoch zulegen, aber diesmal hatte ich einfach keinen Nerv dazu.

Kurz vor 17 Uhr war dann auch für mich die Veranstaltung langsam zu Ende, der Rucksack war schwer und zog mich nach hinten, die Aufnahmefähigkeit lies schon seit einiger Zeit zu wünschen übrig und der Beton-Fußboden der Halle bereitete meinen Füßen zunehmend Probleme. Auf einer letzten Runde verabschiedete ich mich noch von einigen Bekannten und machte mich dann auf den Weg in die völlig überfüllte U-Bahn, die mich in Richtung Hotel brachte, wo ich fast den ganzen restlichen Abend damit verbrachte, meine neuen Errungenschaften zu begutachten. Alles in allem war die SALUTE 2014 wieder eine spannende, lustige, informative und auch sehr, sehr teure Veranstaltung, die ich aber auf keinen Fall missen wollte.


Sonntag, 2. März 2014

Die Kammer; Das Bett; Frankfurt

[Konzert] Die Kammer
Support: Meystersinger
Freitag, 14. Februar 2014
Das Bett, Frankfurt

Eher durch Zufall, beim Besuch eines anderen Konzertes, erfuhr ich vor einigen Tagen, dass Die Kammer zum Release ihres zweiten Albums Season 2: Views From The Inside im Frankfurter Bett ein kleines Konzert spielen wollten. Bisher kannte ich die Band nur von vereinzelten Sampler-Beiträgen und hatte mich auch noch nicht wirklich intensiv mit ihrer Musik beschäftigt. Jedoch machte mich die nicht alltägliche Besetzung mit zwei akustischen Gitarren, Schlagzeug, zwei Violinen, Cello und Tuba neugierig. Daher entschloss ich mich kurzerhand, an einem sonst eher ereignislosen Freitagabend, einen Abstecher nach Frankfurt in die Schmidtstraße zu machen. Auf meine Nachfrage wurde mir bestätigt, dass es noch ausreichend Karten an der Abendkasse geben würde. Daher schreckte mich die relativ lange Schlange vor dem Eingang auch nicht sonderlich ab, die sich schon deutlich vor der eigentlichen Öffnungszeit um 20 Uhr gebildet hatte. Kurz nachdem ich meine Karte abgeholt und mich in die Menge der Wartenden eingereiht hatte, öffneten sich auch die Türen und es ging im Gänsemarsch vorwärts. Schließlich hatte ich mich mit dem Gros der Besucher an der Garderobe vorbei in den Saal gedrückt und mir an der Theke eine Kleinigkeit geholt um die Lippen zu befeuchten. Der Innenraum des Bett füllte sich erstaunlich schnell und ich nutzte die kurze Ruhepause zwischen zwei Besucherwellen, um dem schicken „Feinkostladen“ mit dem Merchandise einen kurzen Besuch abzustatten und mir den frisch erschienenen Silberling zu holen. Mittlerweile wurde die Beleuchtung verdächtig heruntergedimmt und ich beeilte mich, mir einen Platz zu sichern, von dem aus ich das Geschehen auf der Bühne gut im Blick haben würde.
Sogar etwas überpünktlich, kurz vor 21 Uhr, betrat dann auch die Vorband die Bühne, um dem Publikum die Wartezeit auf den Hauptact ein wenig zu verkürzen. Meystersinger aus Berlin ist das derzeitige musikalische Projekt der umtriebigen Luci van Org, bei dem sie zusammen mit dem Sänger und Schauspieler Roman Shamov elektronische Musik mit deutschen Texten kombiniert. Alleine optisch fiel das Duo schon deutlich aus dem Rahmen: Gekleidet in etwas merkwürdige weiße Gewänder, mit Schiffchen auf dem Kopf und Leuchtringen an den Fingern, waren die beiden ein echter Blickfang. Als dann noch im Laufe des Auftritts kleine Filmchen, Bilder und sogar ein Pong-Spiel auf die Kleidung projiziert wurde, war die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums garantiert. Auch musikalisch bot die Band eine recht breit gefächerte Palette. So reichten die Stücke von dezenter Hintergrundkulisse bei „Geht´s Dir gut da, wo Du bist?“ über Elektrostücke bis hin zu dem arg Techno-lastigen „Ja, ich will!“ von der letztjährigen Berliner CSD-Parade. Die Texte drehten sich zumeist um Beziehungen mit all ihren Höhen, Tiefen und Variationen, mal melancholisch, mal euphorisch, aber immer mit einem kleinen ironischen Augenzwinkern. Nach leider nur einer halben Stunde setzte die Band dann mit „Am Ende aller Dinge“, meinem Favoriten, einen gelungenen Schlusspunkt unter ihren Auftritt.
Nachdem das Spektakel auf der Bühne vorbei war, hatte ich endlich die Gelegenheit mich ein wenig umzuschauen: Falls das Bett an diesem Abend nicht komplett ausverkauft war, so fehlte zumindest doch nicht mehr allzu viel. Der Versuch mir in der kurzen Umbaupause an der Theke etwas zu trinken zu holen scheiterte dann auch schon im Ansatz kläglich. Zwischen den dichtgedrängten Gästen gab es kaum ein Durchkommen und so zog ich mich, immer noch durstig, wieder auf meinen Platz zurück. Glücklicherweise war die Wartezeit bis zum Auftritt von Die Kammer nicht sonderlich lang und ziemlich genau um 21.30 Uhr betraten die sieben Musiker, für einige von ihnen war der Auftritt in Frankfurt in Heimspiel, die Bühne.
Die Band, um die beiden musikalischen Köpfe und Gitarristen Marcus Testory und Matthias Ambré, startete mit „Slipping Around The Corner“ vom neuen Album durch und präsentierte damit eine reinrassige Folk-Nummer, die das Publikum vom ersten Takt an zum Mitmachen animierte. Ebenfalls aus Season 2: Views From The Inside stammte das etwas ruhigere „Be Careful“, bei dem der Schwerpunkt hauptsächlich auf den Gitarren und dem Schlagzeug lag. Anschließend zeigte die Band mit „The Line Of Last Resistance“, dass sie nicht nur die ruhigen Töne beherrscht, sondern auch durchaus düsterer und rockiger klingen kann. Dazu passend tauschte, zum einzigen Mal an diesem Abend, Dirk Klinkhammer seine Tuba gegen einen E-Bass aus. Etwas älter waren die vier folgenden Stücke, die eine ordentliche Mischung aus Folk, Klassik und Rock boten und bei denen das Publikum nicht still stehen konnte. Schließlich kam Die Kammer mit „The Orphanage“ zu meinem persönlichen Konzerthighlight. Die Geschichte des Mädchens Sophie, welches sich auf die Suche nach einer ominösen Kammer macht, setzte sich auch mit dem darauf folgenden, dreiteiligen Stück „Sophie´s Circus“ fort. Beide Lieder wurden durch kurze Geschichten ergänzt, die vom Synchronsprecher Matthias Keller stimmig vorgetragen wurden. Die Musik passte sich dabei der Thematik durchaus an und hätte auch als Zirkusmusik aus dem vorvergangenen Jahrhundert durchgehen können.
Vor allem Tuba, Glockenspiel und Harmonika nahmen hier eine herausragende Rolle ein und brachten das Publikum dazu, sich im Takt zu wiegen und auch den Refrain lauthals mitzusingen. Nicht ganz so ausgelassen kamen die folgenden Stücke „Praying Mantis“ und „Mirror“ daher, bei denen die drei Streicher und auch die Gitarren die Führung übernahmen. Fast völlig aus dem bisherigen Rahmen fiel dagegen „Riding The Crest“, mit seinen ungewöhnlich harten Gitarren-Akkorden und Vocals die an die frühen Pearl Jam erinnerten. Einen weiteren krassen Schnitt, thematisch und stilistisch, vollbrachte die Band dann direkt anschließend mit der Moritat von der „Sinister Sister“. Die Pfeifeinlage von Marcus Testory und die malträtierten Geigen von Aline Deinert und Matthias Raue machten das Stück zu einem ungewöhnlichen, aber herausragenden, Teil des Konzertes. Mit „Hither and Tither“, einer sehr folkigen Nummer brachte die Band noch einmal richtig Schwung in die Zuschauer, bevor der reguläre Teil des Konzertes nach ziemlich genau 90 Minuten mit „Final Days“ endete. Für dieses Stück gesellten sich auch noch einmal die beiden Meystersinger auf die Bühne und es endete mit der Vorstellung aller Beteiligten. 
Nach nur einer kurzen Pause betraten die Musiker wieder die Bühne für die erste Zugabenrunde. „The Invitation“, von der Band selbst als Anti-Zugabestück und emotionale Gnackwatschn bezeichnet, verpasste, mit seinem intensiven Gitarren- und Streichereinsatz und der melancholischen Grundstimmung, der Laune des Publikums tatsächlich einen herben Dämpfer. Glücklicherweise wurde das Tempo dann mit „Endangered Memories“ wieder ein wenig angezogen und es kam Bewegung in die Zuschauer, die teils schon ein wenig irritiert geschaut hatten. Damit endete dann auch die erste Zugabe und die Band zog sich für eine weitere, ausgesprochen kurze, Pause in den Backstage-Bereich zurück.
Letzte Reserven wurden dann für das Moby-Cover „That´s When I Reach For My Revolver“ mobilisiert, das den Musikern aber auch dem Publikum noch einmal alles abverlangte. Gegen Ende des Stückes mussten die Musiker zwar eine wahre Konfetti-Dusche über sich ergehen lassen, nahmen es aber mit Humor und ließen sich fast gar nicht aus dem Takt bringen. Für einen stimmigen Ausklang sorgte „The Painter Man´s Spell“ mit dem Die Kammer nach fast zwei Stunden und zwei Zugaben schließlich ihren Auftritt beendete.


Viele der Besucher waren offensichtlich noch nicht in der Stimmung nach Hause zu gehen und so leerte sich der Saal nur schleppend. Immerhin hatten sich die Reihen nach gut einer Viertelstunde soweit gelichtet, dass ich mein Leergut abgeben konnte. Den Versuch, noch ein zweites Mal zum Merchandise durchzudringen und mir eines der schicken T-Shirts zu sichern gab ich jedoch schnell wieder auf, da sich hier immer noch viele Besucher drängten und darauf warteten die Unterschriften der Band zu ergattern. So lange wollte ich jedoch nicht mehr warten, daher machte ich mich, ein wenig müde und immer noch durstig, langsam auf den Heimweg.

Alles in allem habe ich den spontanen Ausflug ins Bett wieder einmal nicht bereut. Für einen durchaus fairen Preis bekamen die Zuschauer rund zweieinhalb Stunden spannende, abwechslungsreiche Musik von zwei glänzend aufgelegten Bands sowie einen gut gelaunten und redseligen Frontmann, der fast jedes Stück ausführlich, wenn auch mit einem etwas gewöhnungsbedürftigen Akzent, anmoderierte. Auch die Verantwortlichen bei der Licht- und Tontechnik machten einen sehr soliden Job und konnten sogar Sonderwünsche, wie beispielsweise nach existentialistischer Beleuchtung, problemlos erfüllen. Der Abend hat einmal mehr bestätigt, warum der kleine Frankfurter Club zu meinen liebsten Konzert-Locations zählt.