Posts mit dem Label Kartenspiele; Brettspiele; International Toy Fair; Spielwarenmesse; Heidelberger Spieleverlag; Pegasus Spiele; Amigo werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kartenspiele; Brettspiele; International Toy Fair; Spielwarenmesse; Heidelberger Spieleverlag; Pegasus Spiele; Amigo werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 31. Oktober 2018

SPIEL '18


[Messe] SPIEL '18
25. bis 28. Oktober 2018
Grugahallen, Essen


Im letzten Jahr musste ich meinen Besuch auf der SPIEL aus gesundheitlichen Gründen leider bereits nach nur zwei Tagen abbrechen. Auch in diesem Jahr war es bis Anfang Oktober noch nicht abzusehen, ob ich es wirklich nach Essen schaffen würde. Um für alle Fälle gewappnet zu sein, beantragte ich zumindest ein paar Tage Urlaub bei meiner Chefin, organisierte eine Unterkunft und fragte eine Akkreditierung beim Friedhelm Merz Verlag, den Ausrichtern der Messe, an. Wenige Tage später hatte ich nicht nur meine Pressekarte und den Parkausweis im Briefkasten, sondern auch eine Einladung zur Verleihung des Deutschen Spielepreis 2018! Obwohl ich nun seit ziemlich genau 25 Jahren auf die Messe gehe, beinahe die Hälfte der Zeit als Aussteller oder Pressevertreter, war dies für mich etwas Außergewöhnliches – und der ausschlaggebende Grund doch nach Essen zu fahren.
Obwohl mir nicht übermäßig viel Zeit für die Vorbereitungen blieb, gelang es mir doch, überraschend viele Gesprächstermine bei Verlagen zu organisieren. Dazu kamen noch weitere teils geschäftliche, teils private Verabredungen, so dass ich für die komplette Messe (und die dazugehörigen Abende) ein volles Programm hatte.

Mittwoch, 24. Oktober 2018
Die Reise nach Essen beginnt, so denke ich zumindest, mit genug zeitlichem Puffer um für alle Unwägbarkeiten gewappnet zu sein. Ich komme auch gut voran – zumindest bis ich den Großraum Köln erreiche. Dort geht, wie schon so häufig, nichts mehr und ich schaffe in einer halben Stunden einen gefühlten Kilometer...
Irgendwann habe ich jedoch das Nadelöhr passiert und der Verkehr rollt weiter. Glücklicherweise ist dies auch die einzige nennenswerte Behinderung auf der Strecke – die zahlreichen Baustellen fallen da kaum noch ins Gewicht. Als ich die Grugahallen schließlich erreiche, sind die Türen zur Pressekonferenz schon geöffnet und ich beeile mich, mir einen Platz zu suchen. Neben den harten Zahlen und Fakten rund um die Messe (Ausstellungsfläche: 80.000 qm; Aussteller: 1.150; Neuheiten: ca. 1.4000; erwartete Besucher: ca. 190.000) wird verstärkt auf die wachsende Bedeutung des Spielens für die Gesellschaft eingegangen. Die beständig steigenden Umsatz- und Wachstumszahlen der Branche und die allgemeine Entwicklung der Messe bestätigen dies. Der eigentliche Höhepunkt der Pressekonferenz ist (zumindest für mich) die Verleihung des innoSPIEL, eines Preises, der Autoren und Verlage für innovative Spielkonzepte auszeichnet. Gegen die Mitbewerber hat sich dabei Cool Runnings (Olivier Mahy; Ravensburger) durchgesetzt. In dem Spiel muss der Spieler versuchen seinen Eiswürfel ins Ziel zu bringen bevor er geschmolzen ist, während die Mitspieler wirklich alles daran setzen, dies zu verhindern.
Nach dem Ende der Konferenz setzt sich der ganze Tross in Bewegung, um die Neuheitenschau in Halle 1A in Augenschein zu nehmen. Hier steht überall Verlagspersonal bereit, um die neugierigen Fragen der Besucher zu beantworten. Außerdem ist dies für mich die beste Gelegenheit in Ruhe Fotos zu schießen, ohne das ständig jemand im Weg steht. Vor allem an den Tischen von Pegasus Spiele türmen sich die Neuerscheinungen gradezu – was es schwierig macht, alle Spiele ausreichend zu berücksichtigen. Da am Messestand in der Halle erfahrungsgemäß riesiges Gedränge herrscht, nutze ich die Gunst der Stunde um mich hier über einige der zahlreichen Neuerscheinungen zu informieren. Die Rollenspielprodukte zu 7te See, Shadowrun und Cthulhu schaue ich mir allerdings lieber im Laden meines Vertrauens an. Die schon obligatorischen Erweiterungen der Munchkin-Reihe ignoriere ich für den Moment ebenfalls. Viel interessanter ist dagegen das Tower-Defense-Spiel Castle Rampage, bei dem zwei Spieler versuchen, die gegnerische Burg zu erobern. Sieht hübsch aus, spielt sich schnell und auch die Anschaffungskosten halten sich einem überschaubaren Rahmen. Thematisch bietet Adventure Island nichts Neues, allerdings ist der Spielablauf dieses kooperativen Survival-Spiels recht originell. Das Spielziel (und die Hintergrundgeschichte) entwickeln sich erst im Spielverlauf und sollten für einige spannende Runden sorgen – in denen sich die Spieler zudem verbessern können. Zusammen mit der gelungenen Standdeko sicherlich eines der auffälligsten Spiele in der Neuheitenschau.
Besonders neugierig bin ich auf Talisman – Legendäre Abenteuer, eine Einsteigerversion des Klassikers für jüngere Spieler. Das Original war mein erstes Fantasy-Spiel und dürfte für meine spielerische Entwicklung prägend gewesen sein. Diese Version folgt dagegen einem kooperativen Ansatz und lässt das Spielbrett erst nach und nach entstehen. Auf den ersten Blick nicht uninteressant – aber nicht vergleichbar mit dem Original. Dennoch werde ich es bei Gelegenheit genauer in Augenschein nehmen.
Asmodee (und die zahlreichen Verlage unter ihrem Dach) haben zwar auch kleine, unscheinbare Spiele im Programm, doch sind es die großen Brocken, die die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich ziehen. Unter der Last des aufgebauten Materials biegen sich die Tische geradezu: Zombicide, Massive Darkness, Rising Sun oder die verschiedenen Star Wars-Titel mit ihren jeweiligen Erweiterungen nehmen viel Platz ein und zeichnen sich vor allem durch ihren exzessiven Figureneinsatz aus.

Ich notiere mir das eine oder andere Spiel für später, verlasse dann aber bald die Neuheitenschau. Bis zu meinem ersten Termin ist noch ein wenig Zeit und ich möchte mich vor dem eigentlichen Messestart noch ein wenig orientieren. Während sich in den Hallen 1, 2 und 3 im Vergleich zum letzten Jahr relativ wenig getan hat, sind die Hallen 4 und 5 komplett neu strukturiert, die Halle 6 ist gar ganz neu hinzu gekommen ist. Die meisten Aussteller sind noch schwer mit dem Aufbau beschäftigt, daher fasse ich mich kurz und beschränke mich meist nur auf eine kurze Begrüßung.
Bald geht es wieder zurück in Halle 3, wo Amigo Spiele zum Antesten ihrer Neuheiten geladen haben. Ein paar der Spiele habe ich bereits rezensiert, andere wiederum sehe ich hier zum ersten Mal live vor mir. Eine Runde des Schnick-Spiels ICECOOL 2 endet in einem Debakel – die Pinguine fliegen in alle Richtungen, nur nicht dahin, wo ich sie hin haben will. Damit qualifiziere ich mich sicherlich nicht für den Trip in die Antarktis, der für den besten Trick-Shot ausgelobt ist, aber immerhin haben die Umstehenden etwas zu lachen. Auch das Legespiel 3x8 schaue ich mir etwas genauer an – allerdings verbringe ich die meiste Zeit damit mich zu unterhalten.
Bei einer weiteren Runde durch die Hallen mache ich mir fleißig Notizen und entdecke einige vielversprechende Neuheiten, die ich mir später genauer anschauen will. Doch schließlich muss ich mich auf den Weg in meine Unterkunft nach Oberhausen machen und mich auf das eigentliche Highlight des Tages vorbereiten.

Zwei Stunden später stehe ich, frisch geduscht und im Anzug, erneut in der Grugahalle, wieder vor dem Saal Europa. Dort hat sich alles versammelt, was in der Brettspielszene Rang und Namen hat: Autoren, Lektoren, Redakteure und Verlagsleute. Auch einige Schreiberlinge wie ich sind zu diesem Ereignis eingeladen. Nach den einleitenden Worten beginnt die eigentliche Ehrung der nominierten und ausgezeichneten Spiele: Azul (SpielePreis von Michael Kiesling; Next Move/Pegasus Spiele) und Memoarrr! (KinderspielePreis von Carlo Bortolini; Edition Spielwiese/Pegasus Spiele) können sich über die diesjährigen Preise freuen. Eine vollständige Übersicht aller nominierten Spiele findet sich auf der Homepage des Friedhelm Merz Verlages. Der Abschluss (und auch emotionalen Höhepunkt) der Ehrungen war jedoch der Verabschiedung des langjährigen Amigo-Redakteurs Uwe Mölter in den Ruhestand vorbehalten – an dessen Tisch ich eher zufällig landete. Nach dem Ende der Preisverleihung beginnt der „gemütliche“ Teil des Abends mit einem gemeinsamen Essen. Schon bald löst sich die recht starre Sitzordnung auf und es ergeben sich einige sehr interessante Gespräche auf dem Weg zum Buffet oder einfach zwischen den Tischen.
Meine Kondition lässt jedoch nach kurzer Zeit spürbar nach und obwohl ich gerne noch ein wenig geblieben wäre, mache ich auf den Rückweg nach Oberhausen. Hier sortiere ich meine Unterlagen, gehe die Notizen durch und lege noch einige Dinge für den ersten Messetag bereit, bevor ich zügig wegdämmere.

Donnerstag 25. Oktober 2018
Die offizielle Eröffnung der Messe steht kurz bevor und der Trend der letzten Jahre setzt sich auch diesmal ungebremst fort: Donnerstag ist der Tag der Schnäppchenjäger! Schon seit einer guten Stunde drängen sich die Besucher vor den vier Eingängen – ausgestattet mit Unmengen leerer Taschen, Trolleys oder gar Bollerwagen. Ich kann glücklicherweise durch einen Seiteneingang ein paar Minuten früher in die Halle und mir das Spektakel in aller Ruhe von der anderen Seite anschauen. Mit dem Öffnen der Türen wälzt sich die Masse in die Halle und bei einigen der Spielwütigen habe ich den Eindruck, dass sie ums nackte Überleben rennen! Da werden langsamere Besucher rücksichtslos zur Seite gedrückt oder ungünstig platzierte Standdeko rüde mit dem Rucksack abgeräumt. Ich bringe mich in einem der Stände in Sicherheit und warte den ersten Ansturm ab.
Schließlich reihe ich mich auch irgendwann mit in den Besucherstrom ein und lasse mich in Richtung der Galleria treiben. Bis zu meinem ersten Termin bleibt mir noch ein wenig Zeit, so dass ich zuerst meine alljährliche Begrüßungsrunde drehe. Die meisten meiner Bekannten sind mit ihren Verlagen in der neu eröffneten Halle 6 untergekommen. Hier sind in diesem Jahr (fast) alle Aussteller versammelt, die irgendwie mit Tabletops, Rollenspielen, LARP oder Comics zu tun haben. Nachdem ich erfolgreich einige Hände geschüttelt und die obligatorischen Gummibären (in diesem Jahr in Totenkopf-Form mit Chili) verteilt habe, arbeite ich mich langsam wieder zurück in Halle 3. Dort erwartet mich bei Schmidt Spiele der erste offizielle Termin des Tages. Neben ein wenig Smalltalk bekomme ich einen ausführlichen Überblick über die Herbst-Neuheiten. Kinderspiele wie König Grummelbart, Der blubbernde Hexenkessel oder Pfannkuchenparty sind für mich dabei naturgemäß nicht ganz so spannend. Dafür interessiert mich Forbidden Sky umso mehr! Bei dem kooperativen Spiel gilt es mit einer Rakete eine, dem Untergang geweihte, fliegende Stadt zu verlassen. Dazu müssen die Spieler jedoch erst die Rakete startbereit machen, Schaltkreise legen und schließlich das Raumschiff zu erreichen – ohne dabei vom Blitz getroffen oder vom Wind aus der Stadt geweht zu werden. Unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und Charaktere mit verschiedenen Fähigkeiten dürften die Flucht nicht langweilig werden lassen. In eine völlig andere Richtung geht dagegen Top Secret - ein nonverbales Kommunikationsspiel, bei dem sich Teams von Agenten zu konspirativen Treffen verabreden. Das Testspiel zu zweit war relativ reizlos – in großer Runde mit acht Spieler sollte es allerdings gut funktionieren. Wie in jedem Jahr, so gibt es auch 2018 wieder Zuwachs für die Carcassone-Reihe. In Safari sind die Spieler auf der Such nach seltenen Tieren (um diese zu fotografieren). Das grundlegende Spielprinzip wird dabei ein wenig abgewandelt und mit einer neuen Thematik versehen, ist aber eindeutig zu identifizieren. Ein Würfelspiel darf, mit Knapp daneben!, auch in diesem Jahr nicht fehlen. Hier müssen aufeinander folgende Zahlen erwürfelt werden – wobei ich mich dabei als gänzlich unfähig erwiesen habe.

Nach diesem, doch recht ausführlichen, Termin muss ich mich beeilen rechtzeitig in den Saal Europa zu kommen, wo Asmodee zur Spielepräsentation geladen haben. Ein Blick auf die Tische lässt mich schnell eine Entscheidung treffen – zuerst muss es eine Runde Discover sein - „das erste Unique Game der Welt!“, wie es im Begleittext steht. Im Endeffekte bedeutet dies, dass sich jede Packung in ihrem Inhalt unterscheidet, sei es durch Missionen, Bodenplättchen oder Charaktere. Das Spiel selbst dreht sich um eine Gruppe von Charakteren, die auf einer einsamen Insel gelandet sind und diese erforschen müssen. Das Spiel- oder Szenarienziel ist anfangs unbekannt und die Spieler müssen sich darauf konzentrieren, Holz und Nahrung zu finden um zu überleben. Dem ersten Eindruck nach ein ausgesprochen interessantes Spiel mit einigen neuen Einfällen. Ebenfalls auf meiner Must-See-Liste steht Nyctophobia, das ich zwei Tische weiter antesten kann. Bis zu vier Spieler tappen hier im finsteren Wald (simuliert durch undurchsichtige Brillen) herum und müssen sich durch Tasten und Absprachen einen Weg in Sicherheit bahnen. Erschwert wird die Angelegenheit durch einen weiteren Spieler, der die Rolle des irren Axtmörders übernimmt – und der sieht, was die Mitspieler tun. Thematisch und optisch ein weiteres Highlight für mich, auch der erste Test macht Lust auf mehr. KeyForge, das neue Kartenspiel von Richard Garfield, hätte ich mir gerne angeschaut, doch leider war der Andrang hier recht groß und ich hatte keine Zeit mehr.
Also verabschiedete ich mich nach einem weiteren kurzen Rundgang und machte mich auf den Weg zum moses.-Verlag. Neben der schon obligatorischen Fortsetzung der black stories-Serie, diesmal mit einer Sebastian Fitzek-Edition, gibt es mit black stories – Das mörderische Drehbuch auch ein etwas verändertes Konzept. Ausgehend von einer bestimmten Szene müssen die Spieler nach und nach die Entwicklung des Krimi-Drehbuches erraten. Außerdem legt mir meine Gesprächspartnerin Schaben jagen ans Herz. In diesem Solo-Spiel stehen dem Spieler eine gewisse Anzahl an Bewegungskarten zur Verfügung, mit denen er alle Schaben auf dem Spielbrett entweder einsaugen oder zertreten muss. Kniffelige Gehirnakrobatik mit einem erheblichen Suchtpotential bei minimalem Regelaufwand – ein wirklich gelungenes, kleines Spiel! Dazu kommen wieder einige sehr vielversprechende Quiz- und Ratespiele, allerdings beschränke ich mich hier auf ein wenig Prospektmaterial.
Damit endet für mich der offizielle Teil des ersten richtigen Messetages und ich versuche noch einige Dinge von meiner Einkaufsliste zu erledigen. Ein Freund von mir ist großer Terraforming Mars-Fan und der Schwerkraft Verlag hat für die Messe eine neue Erweiterung und drei Promokarten im Gepäck. Außerdem möchte ich ein Auge auf das Bücher-Sammel-Spiel Ex Libris werfen – daher reihe ich mich geduldig in die lange Schlange ein. Als ich endlich an der Reihe bin erfahre ich, dass die Promokarten erst im Laufe des späteren Nachmittag geliefert werden und Ex Libris noch irgendwo im Container im Bauch eines Schiffes liegt. Ärgerlich, aber immerhin kann ich die Spielerweiterung mitnehmen.
Es ist zwar schon relativ spät, aber ein paar Stände stehen noch auf meinem Programm, beispielsweise Voodoo Games. Isles of Terror befindet sich noch in Produktion, immerhin hat der Verlag mit Flautz! eine Neuheit im Gepäck. Für eine Demo-Runde reicht meine Zeit leider nicht, dennoch lasse ich mir das kleine, schnelle Kartenspiel in Grundzügen erklären. Vor allem die putzigen Grafiken haben es mir dabei angetan. Die Tabletop-Schmiede Freebooter Miniatures haben ihrem Piraten-Skirmish nach über acht Jahren und ebenso vielen Ergänzungsbänden eine Generalüberholung verpasst. Freebooter's Fate #2 bringt ein wenig Ordnung in die Regeln, räumt Unstimmigkeiten aus und macht das Spielgeschehen ein wenig flüssiger. Nach wie vor eines meiner liebsten Tabletops – wobei ich es leider viel zu selten spiele! Erst vor kurzem habe ich Warhammer Underworlds von Games Workshop für mich entdeckt. Da trifft es sich gut, dass der britische Tabletop-Riese vor Ort ist und, unter anderem, Nightvault vorstellt. Die Box bringt neben zwei neuen Truppen auch Magieregeln und ein leicht verändertes Setting mit, spielt sich aber noch genau so flüssig wie der Vorgänger.
Die Messe hat zwar noch bis 19 Uhr geöffnet, doch für mich drängt mittlerweile die Zeit, da ich noch ein Treffen in Oberhausen habe. Die Fahrt gestaltet sich zäher als erwartet, und für die 15 km benötige ich beinahe ein Stunde. So bleibt mir nur wenig Zeit, meine Beute zu verstauen und mich ins CentrO zu begeben – wo ich den Tag bei Schnitzel und Pfannkuchen ausklingen lasse.

Freitag, 26. Oktober 2018
Nach einer viel zu kurzen, unruhigen Nacht mache ich noch einen kurzen Abstecher in den örtlichen Supermarkt um meine Vorräte aufzufüllen. Sowohl der Verkehr als auch die Besucherschlangen halten sich heute aber glücklicherweise in einem unüberschaubaren Rahmen. Zudem läuft das Betreten der Halle deutlich gesitteter ab – die Besucher sind an diesem Tag viel entspannter und das Hallenpersonal eingespielt.

Bevor mir irgend etwas anderes dazwischen kommt, besorge ich die Promokarten beim Schwerkraft Verlag; auch bei Fat Fox Games schaue ich kurz vorbei und hole mir die Erweiterung zum, nicht ganz geschmackssicheren, Kartenspiel Don't Drop the Soap. Und ein letzter Kartenpack steht noch auf meiner Liste – die kostenlose Erweiterung zu Kampf gegen das Spießertum von Kampfhummel Spiele. Den angebotenen Schnaps lehne ich dankend ab – ich habe vom Rum-Tasting des vergangenen Tages noch genug. Ein bisschen Zeit bleibt mir noch, daher schaue ich mir die Neuveröffentlichungen der Redaktion Phantastik kurz an. Vor allem das neue Abenteuer Dreadnought für das viktorianische Detektivrollenspiel Private Eye hat es mir angetan. Nachdem ich mir noch die eine oder Kleinigkeit gekauft habe, wird es Zeit für meinen Termin bei Asmodee, die sich in wenigen Jahren von einer winzigen Klitsche zu einem internationalen Branchen-Schwergewicht entwickelt haben. Beinahe die Hälfte der Halle 1 wird von den Verkaufs- und Demoständen des Verlages eingenommen, hinzu kommen weitere Tochter-Verlage, beispielsweise Repos oder Days of Wonder, die traditionell in Halle 3 untergebracht sind. Da ich die Neuheiten schon am Donnerstag in Augenschein nehmen konnte, dreht es sich bei diesem Gespräch eher um Kontaktpflege, das Feedback zu den Neuerscheinungen und den Ausblick auf die kommenden Entwicklungen. Ich mag solche Unterhaltungen sehr, ermöglichen sie mir doch einen tieferen Einblick hinter die Kulissen der Spieleindustrie.
Zum Glück sind es nur ein paar Schritte, bis ich bei Abacusspiele am Stand stehe und bei meinem nächsten Termin bin. Wichtig sind mir hier vor allem drei der Neuheiten, die ich etwas ausführlicher in Augenschein nehmen kann. Die Anno Domini-Reihe erhält mit den Kuriositäten einen neuen Ableger – bei denen die Spieler allerlei obskure historische Ereignisse in die richtige Reihenfolge bringen müssen. Die Serie gehört eindeutig zu meinen Lieblingen und ich freue mich über jede Neuerscheinung – leider teilen meine Mitspieler diesen Enthusiasmus in der Regel nicht. Mit Deckscape – Das Geheimnis von Eldorado liegt bereits der vierte Teil dieses Escape-Room-Kartenspiels vor. Hier gilt es wieder eine ganze Reihe von Aufgaben zu lösen - diesmal fernab der Zivilisation im südamerikanischen Dschungel. Die dritte Neuerscheinung auf meinem Zettel ist deutlich umfangreicher als die beiden anderen Spiele. Als Bauherren müssen die Spieler die City of Rome wieder aufbauen und dabei gleichzeitig auf Ruhm, Geld und politischen Einfluss achten. Ein hübsches, taktisches Spiel, das den Spielern viele Optionen bietet.
Bei Amigo habe ich schon am Mittwoch einige neue Spiele ausprobiert, daher steht auch bei diesem Treffen eher der persönliche Austausch im Vordergrund. Ich finde es wichtig, den Personen, mit denen ich das ganze Jahr über per Mail kommuniziere, ganz normal am Tisch gegenüber zu sitzen und zwanglos zu reden. Allerdings kommen dann doch noch zwei Spiele auf den Tisch, die ich gar nicht richtig auf dem Schirm hatte. Lighthouse Run ist dabei ein klassisches Rennspiel, bei dem es darum geht, mit den eigenen Schiffen den sicheren Hafen zu erreichen, bevor der Sturm losbricht. Was ich im ersten Moment als reines Kinderspiel abgetan habe, entpuppt sich als durchaus taktisch anspruchsvoll. In Lifestyle, einer Mischung aus Karten- und Würfelspiel, geht es dagegen darum, möglichst lohnende Prestigeobjekte zu sammeln. Ein recht nettes Spiel für zwischendurch, mit ein wenig Anspruch und nicht so glücksabhängig, wie es der erste Eindruck vermuten lässt.
Schon auf der Neuheitenschau hat mich die Standdeko von Game Factory angesprochen. Und da ich grade ein wenig Zeit habe und in der Nähe bin, lasse ich mir Frantic erklären – eine Art Mau-Mau mit extrem verschärften Regeln. Sicherlich nicht für jede Spielrunde geeignet, aber sehr böse und schnell! Bereits im letzten Jahr fand ich 13 Indizien, seinerzeit noch in der englischen Version, recht spannend. Nun legt der Verlag zur Messe die deutsche Version des Deduktionsspiels vor, bei dem jeder Spieler ein Verbrechen aufklären muss. Thematisch und optisch sehr schön umgesetzt, auch spielerisch wirkt die Mödersuche recht vielversprechend. Ein kurzer Plausch mit Autor Andrés J. Voicu, der zufällig ebenfalls grade vor Ort ist, rundet den guten Gesamteindruck ab.

Es bleibt mir noch ein wenig Zeit, mich meinen eigentlichen Vorlieben, Tabletop- und Rollenspielen, zu widmen. Dazu geht es wieder zurück in Halle 6 und beinahe ohne Umweg zum geteilten Stand von Uhrwerk und Modiphius, die mittlerweile über ein sehr umfangreiches Sortiment verfügen. Skirmish-Spiele wie Achtung! Cthulhu, Fallout (basierend auf der Computerspiel-Serie) und Wild West Exodus lassen meine Hand kurz zum Geldbeutel zucken – aber eigentlich habe ich genug unbemaltes Zinn und Plastik in den Schränken stehen. Ein paar Blister müssen es dann doch sein – ebenso wie der neue Abenteuerband für das Weird-War-Rollenspiel. Gegenüber an einem eigenen Stand wird das verlagseigene Rollenspiel Splittermond mit seinen zahlreichen Neuerscheinungen präsentiert. Obwohl ich das System durchaus reizvoll finde mangelt es mir jedoch an Spielern und nach einem kurzen Schwatz mit dem Standpersonal ziehe ich weiter.
Auch ein Besuch bei LuPri gehört für mich zum Pflichprogramm. Nach längerer Durststrecke hat Lutz Stepponat mit Zockende Zauberer endlich wieder ein kleines Spiel veröffentlicht. Passend dazu erscheint auch sein Kabale und Hiebe in einer überarbeiteten Version mit einigen neuen Karten. Nach einer schnellen Einführungsrunde lasse ich mir mein Exemplar signieren und mache mich wieder auf den Weg.
Nach einem desaströsen Crowdfunding war das Weird-War-Tabletop DUST eigentlich so gut wie tot – daher überraschte es mich im letzten Jahr einen entsprechenden Stand zu sehen. In diesem Jahr wurden hier sogar neue Produkte präsentiert, einschließlich einer komplett neuen Fraktion mit Cthulhu-Kultisten. Die Arbeiten an einem neuen Regelwerk (auch in deutscher Sprache) schreiten langsam voran und sollen Anfang 2019 abgeschlossen sein. Zumindest die Figuren und das wirklich sehr stimmige Gelände machen einen guten Eindruck und lassen auf einen gelungenen Neustart hoffen. Sicherlich eines der Spiele, die ich künftig wieder mehr im Auge behalten muss.
Die Comic Action hat in diesem Jahr mit dem großen Verlagsstand von Panini wieder einen Fixpunkt, um den sich einige Händler und Illustratoren sammeln können. Dennoch stellt sich mir natürlich die Frage, ob die Integration von Comics in die SPIEL noch ihre Berechtigung hat. Zahlreiche ComicCons, verteilt über die ganze Republik, richten sich gezielt an Freunde der bunten Bildergeschichten und ziehen entsprechend Verlage und Künstler an. Zumal mit der CCXP Cologne im nächsten Jahr noch eine weitere groß angelegte Convention um die Gunst des Publikums buhlen wird. Das hindert mich allerdings nicht daran, noch einige Lücken in meiner Sammlung zu schließen.

Nach weiteren kurzen Zwischenstopps arbeite ich mich langsam in Richtung Parkhaus vor – auch heute Abend habe ich noch Programm. Der Feierabendverkehr auf dem Weg nach Oberhausen fließt zäh und kommt stellenweise ganz zum Erliegen. So bleibt mir wenig Zeit, meine Errungenschaften zu sichern, auch das Abendessen muss ausfallen. Glücklicherweise ist mir noch ein Müsli-Riegel geblieben, den ich auf dem Weg zum Kulttempel mümmele. Die Kammer machen dort auf ihrer Release-Tour zum aktuellen Album Station und Auftritte der achtköpfigen Band sind immer ein Erlebnis!

Samstag, 27. Oktober 2018
Ich bin müde, ein wenig verkatert, Füße und Rücken schmerzen – optimale Voraussetzungen für den härtesten Messetag! Das ganze große Gedränge bleibt diesmal jedoch überraschend aus; sowohl die Verkehrsplanung als auch der zusätzliche Eingang sorgen dafür, dass sich die zahlreichen Besucher etwas besser verteilen.

In den letzten drei Tagen konnte ich mir einen, zumindest groben, Überblick über die Spiele verschaffen, den ich nun etwas vertiefen will – einige vielversprechende Kandidaten habe ich noch auf der Liste. Recht prominent in Halle 6, direkt am Eingang, liegt der Stand für das Trading-Card-Game Warhammer: Champions. Während der kurzen Einführungsrunde wird jedoch schnell klar, dass auch dieses Sammelkartenspiel nichts für mich ist. Direkt dahinter haben Knight Models ihren Stand und stellen ihre drei Skirmish-Tabletops vor. Sowohl das DC Universe Miniature Game als auch das Batman Miniature Game konzentrieren sich auf das Zusammentreffen kleiner Gruppen von Superhelden und -schurken. Ganz neu hinzu gekommen ist das Harry Potter Miniatures Adventure Game, bei dem die Romanfiguren aufeinander treffen. Zumindest das letztere wollte ich mir eigentlich genauer anschauen, doch sowohl die Präsentation als auch die Erklärungen des Standpersonals lassen deutlich zu wünschen übrig. Erschwerend kommt hinzu, dass an dem Stand nichts verkauft wird, lediglich einen Gutschein für den Online-Shop des Herstellers gibt es. Grade bei solch dicken Lizenz-Brocken habe ich doch wesentlich größere Erwartungen!
Besser machen es dagegen Games Workshop aus Nottingham, die in diesem Jahr ihre Präsenz deutlich verstärkt haben. Neben Demotischen für alle ihre Spielsysteme gibt es eine umfangreiche Produktauswahl, vieles davon nicht in Läden erhältlich, und die Möglichkeit unter fachkundiger Anleitung Space Marines zu bemalen. Offensichtlich hat die Firma aus den Fehlern vergangener Jahre gelernt und macht nun vieles richtig.
Ebenfalls aus Nottingham kommen Warlord Games, deren Stand in diesem Jahr etwas kleiner ausgefallen ist. Das Seeschlacht-System Cruel Seas ist nicht mehr rechtzeitig zur Messe fertig geworden, aber mit Blood Red Skies, Konflikt '47 und der neuen Auflage von Black Powder gibt es hier auch genug zu sehen. Dazu gesellen sich Figuren für das Doctor Who-Tabletop und eine umfangreiche Auswahl an Kunststoff-Miniaturen für zahlreichen Epochen und Genres.
War der mächtige Stand von Ulisses Spiele über viele Jahre hinweg einer der Fixpunkte in Halle 2, so ist davon nach der Umstrukturierung des Verlages nicht mehr viel geblieben. In erster Linie konzentrieren sich die Waldemser auf ihr Rollenspiel-Flaggschiff Das Schwarze Auge und verschiedene kleinere Rollenspiel-Crowdfundings, daneben gibt es noch einige Grabbelkisten mit Resten aus dem Lager.
Neben ihrem Fantasy-Football-Skirmish-Tabletop Guildball bauen Steamforged Games ihr Brettspiel-Portfolio weiter aus. Die Brettspiel-Umsetzung des Computerspiels zu Dark Souls ist fertig und im Handel, auf Resident Evil 2 müssen die Spieler noch ein wenig warten, obwohl es auf der Messe die Möglichkeit gab, die fertige Version ausgiebig zu testen. Zudem wurden „Late Pledges“ für die Kickstarter-Kampagnen für Godtear und Horizon eifrig beworben. Beide Spiele sahen für mich jetzt allerdings nicht übermäßig spannend aus – wahrscheinlich habe ich einfach schon zu viele Spiele dieser Art gesehen.
Zwischendurch habe ich noch einen längeren Termin bei Iello, die wie gewohnt mit ihren Neuveröffentlichungen klotzen und nicht kleckern. Ins Auge fällt dabei vor allem das Wikinger-Spiel Raids, bei dem ein Drachenboot am Stand steht und die Spieleerklärer Helme mit leuchtenden Hörnern tragen. Die Spieler ziehen ihre Schiffe zu verschiedenen Orten, plündern, handeln oder vollbringen Heldentaten um Punkte zu kassieren. Vor allem der Zugmechanismus hat mir hier recht gut gefallen – dagegen kann ich mit der Wikingerthematik wenig anfangen.
Downforce erkennt man dagegen sofort an dem Berg Reifen, der in der Demofläche liegt. In dieser Mischung aus Renn-, Strategie- und Wettspiel müssen die Spieler ihre Formel-1-Bolliden durch einen Parcours bringen, aber auch die anderen Aspekte eines erfolgreichen Rennstalls nicht vernachlässigen – ein hübsches Strategiespiel! Mein Favorit am Stand ist allerdings 8Bit Box – ein liebevoll gestaltetes Brettspiel, dass die großen Computer- und Konsolenspiele der 1980er auf den heimischen Spieltisch bringt, einschließlich pixeliger Grafik. Die drei bisher erschienenen „Spiel-Module“ ermöglichen es den Spielern, eine Figur durch ein Labyrinth zu hetzen, an Olympischen Spielen teilzunehmen oder sich mit Raumgleitern Rennen zu liefern. Weitere Module sollen in den nächsten Monaten folgen. Außerdem habe ich noch die Möglichkeit einen kurzen Blick auf demnächst erscheinende Neuheiten, beispielsweise Erweiterungen für King of Tokyo oder Bunny Kingdom, zu werfen.
Mittlerweile ist es spät geworden und das Messeende wurde eingeläutet. Zumindest an diesem Tag halte ich jedoch (gezwungenermaßen) bis zum Toresschluss um 19 Uhr durch, da ich anschließend noch auf die Release-Party eines kleinen Tabletop-Verlags eingeladen bin.
Die Fahrt in einen Vorort von Essen ist erstaunlich stressfrei - die Parkplatzsuche rund um das Diner dagegen eine Katastrophe. Dafür entschädigt jedoch der wirklich sehr gute Burger und die lockere, urige Atmosphäre. Die Runde ist ausgelassen, laut und die Themen drehen sich um alle möglichen Dinge – außer um Spiele. Eine sehr angenehme Art, den vorletzten Messetag abzuschließen.

Sonntag, 28. Oktober 2018
Den letzten Messetag habe ich (beinahe) zur freien Verfügung; lediglich ein Gespräch steht noch auf dem Programm. So bleibt mir genug Zeit, mich in aller Ruhe umzuschauen und noch ein bisschen Geld unters Volk zu bringen. Manche Händler haben am Sonntag tatsächlich die Preise noch einmal reduziert und diesen Umstand nutze ich entsprechend aus. Um das eine oder andere Spiel schleiche ich schon seit Tagen herum, nun wandert es schließlich doch in meine Tasche. Mittlerweile haben mich noch einige Bestellungen aus meinem Bekanntenkreis erreicht. So besorge ich beispielsweise einen Berg Würfel, eine Flasche Sekundenkleber und einige Miniaturen. Bei zwei uralten Spielen scheitere ich dagegen kläglich – der umfangreiche Spieleflohmarkt der vergangenen Jahre ist bis auf wenige Stände mit Raritäten verschwunden. Immerhin bleibt mir so die Zeit, mich ausführlich mit den Hallen 4 und 5 zu beschäftigen, die ich bislang nur im Schnelldurchlauf erkundet hatte. Tatsächlich finden sich hier erstaunlich viele kleine Verlage mit opulent ausgestatteten Brettspiele, die auch nach kurzen Testspielen einen soliden Eindruck machen. Jedoch höre ich mehr als einmal den Satz „Soon on Kickstarter!“, was meine Laune nicht unbedingt hebt.
Bei Osprey Games dagegen ist alles, was auf den Tischen steht, erhältlich, oder war es zumindest – einige Sachen sind bereits ausverkauft. Schon in der Neuheitenschau habe ich vor Wildlands gestanden, einem Mischung aus Tabletop und Dungeon-Crawler, in dem jeder Spieler fünf Figuren durch ein Verlies steuert, dabei Siegpunkte sammelt und im Idealfall die Miniaturen seiner Mitspieler abräumt. Grafisch nicht wirklich anspruchsvoll, aber dafür mit spannendem Gameplay zeigt sich Cryptid, bei dem die Spieler als Cryptozoologen auf der Suche nach einer legendären Kreatur sind. Ein sehr strategisches, komplexes (nicht kompliziertes) Deduktionsspiel, das sicherlich in absehbarer Zeit in meiner Sammlung landen wird.
Um den Stand von Kosmos habe ich in den letzten Tagen nach Möglichkeit einen großen Bogen gemacht, hat sich der Besucherstrom hier doch regelmäßig gestaut. Mittlerweile ist die Lage etwas entspannter und ich werfe einen Blick auf die Neuerscheinungen. Mit Exit Kids – Code Breaker, Exit – Die Katakomben des Grauens und Exit – Das Buch wird die Serie der Escape-Room-Spiele deutlich aufgestockt. Auch Catan bekommt mit Der Aufstieg der Inka neuen Zuwachs. Das Spiel nutzt die klassischen Merkmale der Serie, bringt aber mit dem Untergang der eigenen Zivilisation ein neues Element hinzu – zumindest auf den ersten Blick nicht uninteressant. Das kooperative Würfelspiel Roll for Adventure und eine Erweiterung für Die Legenden von Andor sorgen dafür, dass der Fantasy-Bezug im Verlagsprogramm nicht zu kurz kommt.
Mehrfach habe ich schon am Stand von Monolith Editions gestanden um mir die Spiele genauer anzuschauen, doch herrschte auch hier immer großer Andrang. Nun ist die Situation übersichtlicher und ich nehme auf einem der freien Stühle Platz um mir Solomon Kane erklären zu lassen – ein Brettspiel um meinen liebsten puritanischen Fanatiker. Die Figur wird dabei nicht direkt von den Spielern gesteuert, stattdessen übernehmen diese die Rolle von Tugenden und lenken die Geschicke des Helden. Eine interessante Mechanik, tolle Figuren, finsteres Artwork und eine ausgesprochen umfangreiche Ausstattung – ich kann tatsächlich noch bei der Crowdfunding-Kampagne mitmachen. Auch das zweite Spiel, dass hier präsentiert wird spricht mich optisch und thematisch direkt an. Reich Busters schickt eine kleine, tapfere Truppe alliierter Spezialisten auf Missionen gegen finstere Nazischergen – mit Zombies, Mutantenmonstern und außerirdischer Technologie. Dabei werden die Konzepte mehrerer, von mir sehr geschätzter Computerspiele genutzt. Auf meine Frage nach einem Veröffentlichungstermin werde ich auf den Kickstarter verwiesen, der Ende November starten soll. Eigentlich würde ich jetzt gerne in eine Tischplatte beißen, aber ich kann mich beherrschen.
Mittlerweile ist es früher Nachmittag und ich bin nicht mehr wirklich aufnahmefähig! Dennoch begebe ich mich auf eine letzte Runde durch die Hallen, in erster Linie um mich bei meinen Freunden und Bekannten zu verabschieden. Dass ich dabei noch den einen oder anderen Impulskauf tätige versteht sich beinahe von selbst. Letzten Endes ist aber gegen 15 Uhr für mich Schluss und ich ziehe in Richtung Parkhaus und mache mich auf die lange Heimfahrt.

Und wie wars?!?
Wie in jedem Jahr war die SPIEL anstrengend, lang, teuer, stressig aber auch lustig, spannend und inspirierend. Ich habe viel gesehen, ungewöhnlich viele Spiele angetestet, mit Leuten geredet, die ähnlich spieleverrückt sind wie und eingekauft, als wären meine Schränke nicht schon voller Brett- und Kartenspiele. Dennoch finden sich immer wieder kleine und auch große Spiele, die ich zuvor nicht auf dem Schirm habe, die mich dann aber doch rasch überzeugen können. Daneben gibt es auch Spiele, die einfach nur auf Grund ihrer Thematik, Ausstattung oder weil sie einfach fürchterlich obskur sind in meine Sammlung wandern – zu entdecken gab es in dieser Hinsicht jedenfalls genug! Ärgerlich, vor allem für die Verlage, waren fehlende Spiele, die noch nicht fertig oder im Transit waren – beispielsweise konnte ein kleiner spanischer Verlag außer ein bisschen Deko und einigen Flyern nichts für die Messe vorweisen. Weniger für die Hersteller, sondern eher für die Besucher war es dagegen schade, wenn bestimmte Produkte bereits am ersten oder zweiten Messetag ausverkauft waren. Obwohl ich es eigentlich besser wissen müsste habe ich auch zu lange gezögert und kein Regelwerk für das Warhammer Fantasy Roleplay mehr bekommen.

Selbst an vier Messetagen war es nicht möglich, auch nur einen Bruchteil der gut 1.400 Neuerscheinungen in Augenschein zu nehmen – daher musste ich mich auf einige ausgewählte Spiele beschränken und mich für den großen Rest mit Flyern und Prospektmaterial eindecken. Auch drei Tage nach der Messe habe ich noch nicht alle Eindrücke verarbeitet und alles gesichtet, was ich aus Essen mitgebracht habe.
Die Organisation der Messe lief, von einem kleinen Schluckauf am Donnerstag morgen abgesehen, sehr reibungslos, auch das Verkehrs- und Parkplatzchaos der letzten Jahre scheint nun endlich im Griff zu sein. Die neue Halle 6 kam bei den Ausstellern vor Ort, zumindest was ich gehört habe, recht gut an. Abschließend möchte ich mich an dieser Stelle nochmals für die Akkreditierung und vor allem für die Einladung zur Preisverleihung beim Friedhelm Merz Verlag bedanken!

Waren in den Vorjahren bestimmte Themen, beispielsweise Einhörner oder Zombies, beherrschend, so gab es in diesem Jahr nicht den EINEN Schwerpunkt. Einzig der Große Alte Cthulhu streckt seine Tentakel verstärkt nach den Besuchern aus. John Kovalic sagte zwar einmal, dass mit Cthulhu alles besser wird, jedoch möchte ich das bei einigen der angebotenen Spiele stark bezweifeln. Es reicht eben doch nicht, ein Tentakelmonster auf das Cover zu drucken um ein gutes Horror-Spiel abzuliefern. Glücklicherweise gibt es jedoch genug Verlage, die mit frischen Ideen und Regelmechanismen aufwarten können, so dass es wohl auch die nächsten Jahre im Bereich der Gesellschaftsspiele nicht langweilig wird. Beinahe völlig in den Hintergrund getreten ist mittlerweile die Kombination von traditionellem Brettspiel und elektronischen Hilfsmitteln via App. Zwar versuchen sich manche Hersteller immer noch daran, doch meist fühlt sich das Zusammenspiel der beiden unterschiedlichen Medien einfach falsch an. Sehr häufig bin ich dagegen auf die Brettspielumsetzung von Computerspielen gestoßen – seien es nun Strategie-Schwergewichte wie Civilization, taktische Spiele wie Jagged Alliance oder Action wie Dark Souls.

Ebenfalls auffällig war, das sich zu den Spielen eine unglaubliche Menge von Sekundärprodukten gesellt hat. Dies fängt bei einfachen Kartenhüllen und Würfelbeuteln an, geht über Spielunterlagen aus Stoff oder Neopren und passgenaue Schachteleinlagen für die unterschiedlichsten Spiele und endet schließlich bei, nach Kundenwünschen, handgefertigten Spieltischen. Diese dürfen dann auch gerne einen höheren vierstelligen Betrag kosten. Wenn ich mich nicht verzählt habe, widmeten sich alleine fünf Aussteller diesen luxuriösen Möbelstücken.

Neben vielen wirklich großartigen Dingen gab es natürlich auch einige Aufreger – im Prinzip die gleichen wie in jedem Jahr. Die Preise der Essens- und Getränkestände waren recht sportlich, aber erfahrene Messebesucher hatten sich daher bereits im Vorfeld in einem der nahegelegenen Supermärkte verproviantiert. Viel schwieriger, da nicht einfach auszublenden, war die Geräuschkulisse in manchen Hallen. Besonders in Halle 2 fielen mir zwei Stände auf, die ihre Umgebung zusätzlich zu dem normalen „Grundrauschen“ der Unterhaltungen und Spielgeräusche noch mit Musik und Karaoke-Einlagen beschallten. Dies erschwerte die Kommunikation an den umliegenden Demotischen zusätzlich und sorgte bei manchem Aussteller für gereizte Stimmung. Sehr schön waren auch diesmal wieder die jungen Mütter (selten Väter) anzusehen, die mit ihren Kinderwagen Rammgeschwindigkeit aufnahmen und rücksichtslos durch die Gänge pflügten. Das der Wagen dabei meist mit Spielen vollgestopft war, vergrößerte lediglich die Durchschlagskraft. Besonders hat mich jedoch das Verhalten einiger Kollegen der schreibenden Zunft geärgert – war dies einfach nur zum Fremdschämen. Die Arroganz und Erwartungshaltung mit denen dem Messepersonal und teils auch den Verlagen gegenübergetreten wurde, war schon bemerkenswert und für mich völlig unverständlich. Glücklicherweise handelt es sich dabei um unrühmliche Ausnahmen und die meisten Aussteller und Besucher gingen rücksichtsvoll miteinander um – zumindest soweit ich das sehen konnte.

Noch ein paar Worte zum Thema „Crowdfunding“
Eigentlich zählt diese Thematik mittlerweile eindeutig zu meinen Aufregern, würde aber den obigen Rahmen sprengen, daher möchte ich mich an dieser Stelle kurz separat dazu äußern.
Viele Verlage, auch solche, die vermutlich nicht mehr darauf angewiesen wären, haben in diesem Jahr die SPIEL lediglich als Plattform genutzt, um für ihre Crowdfunding-Projekte zu werben. Ich persönlich habe den Eindruck, dass viele dieser Spiele mittlerweile darauf setzen potentielle Spieler einfach mit tollen Artworks, einem riesigen Berg Figuren und aggressivem Marketing regelrecht zu erschlagen. Dagegen bleiben Spielprinzip, Hintergrundstory und funktionierende Mechaniken immer häufiger auf der Strecke. Natürlich kann mich dieser Eindruck täuschen, doch nach einigen nahezu unspielbaren Spielen in meiner Sammlung (die aber gut aussehen) bin ich in dieser Hinsicht wesentlich skeptischer geworden. Außerdem möchte ich, wenn ich ein Spiel auf der Messe anteste und es mir gefällt, es auch gerne direkt kaufen. Wenn ich dann zu hören bekomme, dass die Kampagne im nächsten Jahr startet und das Spiel (vielleicht) im übernächsten Jahr ausgeliefert wird, verliere ich sehr schnell den Spaß an der Sache.

Natürlich ist es für eine kleine Verlage eine tolle Sache auf diese Weise ein Projekt finanziert zu bekommen, wenn aber große, etablierte Spielehersteller diesen Weg gehen, kommen mir durchaus Zweifel am Sinn des Ganzen. Nichtsdestotrotz hier eine kleine (und sehr unvollständige) Übersicht über Spiele, die mich interessieren, die aber erst über Kickstarter gefundet werden müssen: Solomon Kane (Late Pledge; Mythic Games), Reich Busters (Mythic Games), The Everrain (Grimlord Games), Extraordinary Adventures: Pirates! (Forbidden Games), Project: ELITE (Cool Mini Or Not), Dark Rituals (Dark Gate Games), Assassin's Creed: Brotherhood of Venice (Triton Noir), Magnate: The First City (Naylor Games), Hard City (Hexy Studio), Jagged Alliance (Underground Games), Monumental (Funforge), Krosmaster Blast (Ankama), Cultiststorm oder auch Machina Arcana.

Sonntag, 8. Februar 2015

Spielwarenmesse Nürnberg 2015

[Messe] Spielwarenmesse 2015
Donnerstag, 29. Januar 2015
Nürnberg

Schon im Vorfeld war abzusehen, dass die Spielwarenmesse in Nürnberg in diesem Jahr wieder zahlreiche Rekorde brechen würde. Nicht nur die Anzahl der Aussteller erreichte mit über 2800 einen neuen Höchststand, auch die Auswahl der präsentierten Produkte war mit einer guten Million schon rekordverdächtig. Davon ließ ich mich jedoch nicht irritieren und hatte mir vorgenommen nicht, wie in den Vorjahren, eher planlos durch die Hallen zu laufen, sondern mich auf meine Kernkompetenz, also den Brettspielsektor, zu konzentrieren. Einen groben Überblick hatte ich schon, welche Spiele ich mir unbedingt anschauen wollte, und ansonsten würde ich bei den üblichen Verlagen vorbei schauen und mich einfach überraschen lassen, welche Veröffentlichungen in den nächsten Wochen und Monaten anstanden. Nur ein Tag auf einer Messe dieser Größenordnung macht es dabei fast unmöglich, sich intensiver mit den einzelnen Produkten auseinander zu setzen, dennoch wollte ich versuchen, so viele Eindrücke wie möglich aus den zwölf Messehallen zu sammeln und zumindest einige Spiele genauer unter die Lupe zu nehmen.


Die Akkreditierung hatte ich schon Mitte Dezember erledigt und auch die Bahnkarten entsprechend gebucht, der einzige Unsicherheitsfaktor war nun noch mein Arbeitgeber. Doch auch dieser hatte keine Einwände, zumal der 31. Januar sowieso mein letzter Arbeitstag dort war und ich meinen restlichen Urlaub aufbrauchen musste. So machte ich mich dann, mehr oder minder gut vorbereitet, bei eisiger Kälte und noch etwas übernächtigt auf den Weg zum Bahnhof. Bei einem beiläufigen Blick auf die Uhr stellte ich mit Entsetzen fest, dass ich mich ein wenig mit der Fahrzeit verschätzt hatte und mir nur noch ein ausgesprochen schmales Zeitfenster blieb, die restlichen zehn Kilometer hinter mich zu bringen, das Auto zu parken und ein paar hundert Meter zum Gleis zu laufen. Nach einigen bangen Minuten, mehreren übertretenen Geschwindigkeitsbegrenzungen und einer eher freien Interpretation der Parkhaus-Regeln stand ich dann doch pünktlich am Bahnsteig und konnte rechtzeitig meinen Zubringer zum Frankfurter Hauptbahnhof besteigen. Dort (pünktlich!) angekommen blieb noch die Zeit, mir bei einer großen US-amerikanischen Fast-Food-Kette ein gesundes, nahrhaftes Frühstück zu gönnen bevor es schließlich mit dem ICE weiter in Richtung meines Zieles ging. Eigentlich hatte ich vor gehabt, die Fahrt für ein kurzes Nickerchen zu nutzen, doch dafür war es in dem Abteil zu voll, zu laut und zu stickig und so ging ich statt dessen noch einmal meine Notizen zu den verschiedenen Ausstellern und Spielen durch, die auf meinem Programm standen.


Erstaunlicherweise kam ich wohlbehalten und immer noch pünktlich auf dem Nürnberger Hauptbahnhof an und auch die nächste S-Bahn in Richtung der Messehallen schien nur auf mich gewartet zu haben. Schließlich stand ich nur wenige Minuten nach 9 Uhr im Eingangsbereich der Halle 11 und versuchte mich an meinen Plan zu erinnern, den ich noch am Vortag gehabt hatte. Der erste Weg sollte zum Pressezentrum führen, da ich mir dort nach Möglichkeit ein Schließfach und einen Garderobenplatz sichern wollte, um relativ unbelastet über die Messe schlendern zu können. Allerdings musste ich dafür die komplette Anlage durchqueren, was aber durch verschiedene Seitengänge und Freigelände kein übermäßig großes Problem darstellte. Nachdem ich mein Gepäck einigermaßen sicher verstaut und mir ein kleines zweites Frühstück gegönnt hatte, startete ich zur ersten Runde.
Mein Ziel waren vor allem die Hallen mit den Brettspielen, aber auf dem Weg dorthin galt es, die Halle mit den ferngesteuerten Fahrzeugen zu durchqueren. Nicht unbedingt ein Hobby dem ich selbst nachgehe, aber die vielen Flugzeuge, Autos, Panzer und Schiffe, üben auf mich dennoch einen gewissen Reiz aus und ich schaue mir gerne an, was es Neues auf dem Markt gibt. Die Bandbreite reicht hier von fingerlangen Geländewagen bis hin zu Flugzeugen mit Spannweiten gut über 2 m. Entsprechend vielfältig sind hier dann auch die verwendeten Antriebstechnologien, Qualitätsansprüche und natürlich die Preise. Ein Themenschwerpunkt, der sich bereits im letzten Jahr abgezeichnet hat, waren die Drohnen in all ihren Spielarten. Auch hier gab es für jeden Geldbeutel und jede Anforderung das richtige Modell und ich musste mich tatsächlich beherrschen, um mir vielleicht nicht doch eines (oder auch fünf) dieser Modelle zuzulegen. Manche Stände erlaubten dabei sogar, in entsprechend kleinem Rahmen, Probeflüge, doch war der Andrang hier übermäßig groß und ich wollte nicht unnötig meine knappe Zeit vergeuden. Nachdem ich erfolgreich den Versuchungen widerstanden hatte, denen ich bisher begegnet war, führte mich mein Weg in Halle 7, wo zahlreiche Modellbauer untergebracht waren. Hier hatte ich lediglich den spanischen Farben-Hersteller Acrylicos Vallejo auf meiner Liste stehen und fand den Stand auch wieder an gewohnter Stelle. Wirkliche Neuheiten, abgesehen von einigen Farbsets, gab es aber in diesem Jahr nicht, allerdings war im hinteren Bereich des Ausstellungsbereichs ein Buch mit Bemalanleitungen für Tabletop- und Sammler-Miniaturen vom renommierten Studio Giraldez aufgebaut. Dies fand ich etwas verwunderlich, da ich erst wenige Tage zuvor die Nachricht bekommen hatte, das der Band heute (also am Donnerstag) in den Druck gehen sollte. Eine kurze Nachfrage klärte dann das Missverständnis auf: bei dem hier ausgestellten Exemplar handelte es sich lediglich um einen Dummy, bei dem nur das Cover präsentiert wurde. Sehr schade, aber mittlerweile ist der Band vorbestellt und wird hoffentlich Ende des Monats bei mir auf dem Schreibtisch landen. Ansonsten durchquerte ich die Halle relativ zügig und blieb nur gelegentlich stehen um einen Blick auf die neuen Modelle von Airfix, Zvezda oder Italeri zu werfen, ohne dabei jedoch etwas wirklich spannende Neuheiten zu entdecken.
Ich war erst eine Stunde auf der Messe, doch schon bereute ich es, keinen Trolley mitgenommen zu haben. Die zahlreichen Prospekte, die ich im Vorbeigehen gesammelt hatte, um sie mir später in Ruhe und ausführlich anschauen zu können, wogen erstaunlich schwer und entwickelten sich schon jetzt zur Belastung. Dennoch setzte ich tapfer meinen Weg durch die Hallen 8 und 9 fort, ohne mich dort größer bei Feuerwerk, Luftballons und Faschingsverkleidungen aufzuhalten. Lediglich bei Maskworld legte ich noch einen kurzen Zwischenstopp ein um mir einige der spektakulären neuen Masken und Kostüme anzuschauen und einen Blick auf deren eindrucksvolle Sammlung von LARP-Ausrüstungen zu werfen. Nach diesem kurzen Intermezzo hatte ich es tatsächlich in die Halle 10 geschafft, wo sich auf zwei Stockwerken ein Großteil der hier ausstellenden Brettspielverlage tummelten. Wieder mit einem prominenten Eckstand vertreten waren Kosmos, die auch reichlich Neuheiten im Gepäck hatten.
Fehlen durfte dabei natürlich nicht der obligatorische Zuwachs für die Siedler von Catan-Spielreihe. Dabei handelt es sich in diesem Jahr um eine ausgesprochen kompakte Reiseversion des Klassikers, die auf kleinstem Raum sämtliches Spielmaterial sicher unterbringt. Zumindest optisch sehr ansprechend war das Kartenspiel Von Drachen und Schafen, das ebenfalls in Kürze auf den Markt kommt und mit dem ich mich bei Gelegenheit sicherlich noch näher beschäftigen werde. Direkt daneben gab es auch den unvermeidlichen Beitrag zur, glücklicherweise, abebbenden Zombie-Welle: Bei dem Würfelspiel ZomBee sammeln die fleißigen Bienen Honig und versuchen dabei einem untoten Insekt auszuweichen. Spielmaterial und Idee haben mich jetzt nicht sonderlich beeindruckt, allerdings habe ich das Alter der Zielgruppe bereits um einige Jahrzehnte überschritten. Ansonsten gab es hier zahlreiche neue Experimentierkästen zu sehen, die sich mit durchaus spannende Themen, beispielsweise Robotik, Chemie oder Energiegewinnung, auseinander setzten. Auch die Serie mit Produkten zu Die drei ??? wird in diesem Jahr weiter ausgebaut und kann nun sogar mit einigen technischen Gerätschaften wie Nachtsichtgeräten oder Alarmanlagen aufwarten. Der weitere Weg führte mich an dem polnischen Würfelhersteller Q-Workshop vorbei, der es immer wieder schafft seine eigenen Produkte zu variieren und mittlerweile für eine ganze Reihe von durchaus namhaften Firmen besondere Polyeder herzustellen. Alleine die Auswahl an verschiedenen Würfeln für das grandiose Brettspiel Arkham Horror und seine Ableger ist durchaus beeindruckend. Nur wenige Schritte weiter hatte sich der Heidelberger Spieleverlag ausgebreitet und im Vergleich zum vergangenen Jahr die Standfläche deutlich vergrößert. Hier waren es gleich drei Spiele aus dem Star Wars-Universum, die die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich zogen. Das schnelle Raumkampfspiel X-Wing hat sich mittlerweile fest bei der Spielerschaft etabliert, was sich nicht zuletzt an den zahlreichen ausgebuchten Turnieren im letzten Jahr zeigte. Viel Neues gab es allerdings in Nürnberg für das Spiel nicht zu sehen, auch Auskünfte zum Erscheinen der neuen Fraktion waren bestenfalls vage. Nicht um einzelne Schiffe, sondern um große Flottenverbände, mächtige Sternenzerstörer und gewaltige Raumschlachten geht es dagegen bei Armada, auf dessen deutsche Veröffentlichung wir ebenfalls noch einige Wochen warten müssen. Schließlich bekommen die Spieler mit Imperial Assault gleich zwei Spiele zum Preis von einem. Das Spiel lässt sich, ähnlich wie beispielsweise der Dungeon-Crawl-Klassiker Descent, mit einer ganzen Gruppe von Spielern bestreiten, wobei einer davon die Seite des bösen Imperiums übernimmt, während die anderen die heroischen Rebellen durch eine Raumstation oder über einen Planeten führen. Alternativ lässt sich daraus allerdings auch ein Skirmish-Tabletop für zwei Spieler machen, die dann ihr taktisches Geschick miteinander messen können.
Schon auf der SPIEL in Essen war mir die Umsetzung des Computerspiels XCOM aufgefallen, dort fehlte mir aber die Zeit, mich näher damit auseinander zu setzen, was ich nun in Nürnberg nachholen konnte. Bis zu vier Spieler müssen hier die Verteidigung der Erde vor einer außerirdischen Invasion koordinieren und dabei unter Zeitdruck Entscheidungen treffen. Die Autoren haben sich bemüht, ein Tablet in den Spielverlauf einzubinden, was zumindest bei der Demorunde die ich spielen durfte durchaus gut gelungen ist. Ob das über die ganze Dauer des Spiels auch so funktioniert wird ein ausführlicher Test zeigen, wenn das Spiel und natürlich auch die dazugehörige App ins Deutsche übersetzt sind. Nach dieser doch ausführlichen Erläuterung verbrachte ich ein paar Minuten damit, die luxuriös ausgestatteten Schachbretter mit ihren handgeschmiedeten oder -geschnitzten Figuren zu bewundern, die einige Hersteller den Besuchern präsentierten und die wahrscheinlich nie aus der Mode kommen werden
 
Auch einigen der Verlage im ersten Stock der Halle wollte ich einen Besuch abstatten, bevor die Last in meinem Rucksack mich zum Umkehren zwingen würde. Direkt am Treppenaufgang hatten Schmidt Spiele ihren Stand aufgebaut und obwohl sich viele Spiele des Verlags an eine eher jüngere Zielgruppe richten, schaue ich mir doch ganz gerne das Programm an. Hier fiel mir, dank der großartigen Illustrationen, vor allem Bad Bunnies auf, ein eher unkompliziertes Spiel, bei dem die Spieler versuchen ihre Karten abzulegen. Direkt daneben konnte auch die Kartenversion des erfolgreichen Legespiels Qwirkle angetestet werden, was ich persönlich allerdings nicht sonderlich spannend fand. Auch Amigo hatten einige frische Spiele aufgebaut und das freundliche Standpersonal nahm sich die Zeit, mir meine Fragen zu beantworten. Zugegebenermaßen bin ich ein großer Fan des ausgesprochen kommunikativen Tauschspiels Bohnanza, und damit in Zukunft auch neue Spieler nachwachsen können landet demnächst Mein erstes Bohnanza im Spielwarenhandel. Mit vereinfachten, auf Kinder zugeschnittenen, Regeln und neuem, possierlichen Artwork, soll es Kindern ab vier Jahren die Bohnenernte näher bringen. Nach einem recht kurzen Blick auf die anderen Spiele ging meine Tour weiter zu Queen Games direkt gegenüber, die in diesem Jahr ihren Fokus wieder mehr auf die Aufbau- und Strategiespiele legten. So mischen die Spieler bei Parfum wohlriechende Essenzen miteinander, treiben in Neptun lukrativen Handel im Mittelmeerraum oder übernehmen als Queen's Architect zahlreiche Baumaßnahmen im Königreich. Wer es etwas rustikaler mag, kann als Magier auch beim Tower-Defense-Spiel Orcs Orcs Orcs Jagd auf die Grünhäute machen, die langsam aber sicher auf einen Turm zurücken um diesen dem Erdboden gleich zu machen. Leider ergab sich für mich nicht die Gelegenheit, näher auf die einzelnen Spiele einzugehen, da das Standpersonal alle Hände voll zu tun hatte. Aber ich bin mir sicher, dass sich im Lauf des Jahres noch die Gelegenheit ergeben wird, einige der Neuheiten anzutesten. Direkt nebenan, bei Abacus Spiele, interessierten mich vor allem die Neuheiten für das Bluff- und Wissenskartenspiel Anno Domini. Ich habe schon zahlreiche Ableger dieser Serie und mit Bern sowie Wissenschaft + Forschung sind zwei weitere Themengebiete hinzu gekommen bei denen die Spieler historische Ereignisse richtig einordnen müssen. Ebenfalls neu ist das Spiel Royals bei dem mehrere Adelsfamilien im 17. Jahrhundert um Macht und Einfluss in Europa ringen. Thematisch und optisch sehr schön umgesetzt, dürfte es wohl auch demnächst den Weg in meine Sammlung finden. Sehr gerne schaue ich immer wieder bei Asmodee vorbei, deren Portfolio in den letzten Jahren beständig gewachsen ist und die sich heimlich zu einem der größten europäischen Spieleverlage entwickelt haben.
Hier haben es mir vor allem die opulent ausgestatteten Brettspiele angetan, allen voran das eindrucksvolle, aber nicht ganz einfache Hyperborea, bei dem die Spieler einen Kontinent besiedeln, Technologien erforschen und die Mitspieler bekämpfen müssen. Direkt nebenan war Arcadia Quest zu bewundern, bei dem jeder Spieler drei niedliche Fantasy-Helden in Chibi-Optik gegeneinander oder in einer Kampagne gegen die Monster auf dem Spielfeld antreten lässt. Daneben gab es noch eine ganze Reihe anderer Spiele und zahlreiche Verlage zu sehen, aber meine Aufnahmefähigkeit war auf einem Tiefpunkt angelangt und so beschränkte ich mich auf kurze Seitenblicke und die unvermeidlichen Kataloge, während ich mich auf den langen Weg in Richtung des Pressezentrums machte um mir eine kleine Pause zu gönnen.


Dort angekommen, war ich froh, dass ich die zwei, mittlerweile recht schweren, Beutel mit Prospekten und Informationsmaterial ablegen konnte. Betrachtete ich den ganzen Haufen Papier der sich dort stapelte, so graute es mir schon vor dem Heimweg, doch ich wollte eigentlich auf keinen Katalog verzichten, konnte ich mir so doch später einen detaillierten Überblick über die Messe, und auch die vielen Dinge die ich verpasst hatte, verschaffen. Zum jetzigen Zeitpunkt hatte ich jedoch das Bedürfnis ganz dringend ein paar Minuten die Füße hochzulegen, mir ein koffeinhaltiges Kaltgetränk zu gönnen und ein wenig im Messekatalog zu blättern. Ich hatte Pegasus Spiele nicht an ihrem gewohnten Standort in Halle 10 gefunden und so durchsuchte ich die Verzeichnisse bis ich schließlich in Halle 11 fündig wurde, wo die Friedberger einen recht luxuriös ausgestatteten Bereich bezogen hatten. Nachdem ich mich ein wenig erholt und meine bisherige Beute sicher verstaut hatte, machte ich mich auf zur zweiten Runde über die Messe, wobei ich dieses Mal einen anderen Weg wählte.


An Halle 4A konnte ich nicht vorbei gehen, ohne zumindest einen kurzen Blick auf die großartigen Modelleisenbahnanlagen zu werfen, die so namhafte Hersteller Faller, Märklin oder Noch aufgebaut hatten. Mit Eisenbahnen selbst kann ich zwar nicht viel anfangen, jedoch weiß ich naturgetreues und detailliert gebautes Gelände durchaus zu schätzen. Auffällig war hier der deutlich höhere Altersdurchschnitt der Besucher, doch war deren Enthusiasmus ungebrochen und ich fand die lebhaft geführten Diskussionen, die ich im Vorbeigehen über die kleinen Loks hörte, durchaus spannend.
Eher durch Zufall stolperte ich in einem der zahlreichen Hallendurchgänge auf die Herrschaften von Zometool, die mit ihrem beeindruckend komplexen Stecksystem ursprünglich im wissenschaftlichen Bereich zu Hause waren. Durch einige öffentlichkeitswirksame Projekte und die verstärkte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, versucht der Hersteller mittlerweile jedoch auch im Spielwarenmarkt Fuß zu fassen. Dabei helfen dürften einige Puzzlespiele wie Kepplers Kosmos oder die Design-Serien. Das ausgesprochen kompetente Standpersonal ließ mich auch unter Aufsicht einige Teile zusammen stecken und es geht tatsächlich eine unbestreitbare Faszination von den zahlreichen Stäben und Kugeln aus.
Der Weg zum Stand von Pegasus nahm dann doch deutlich mehr Zeit in Anspruch, als ich ursprünglich geplant hatte. Dennoch hatte sich der Weg gelohnt, den die Friedberger haben offensichtlich nicht vor sich auf den Lorbeeren der letztjährigen Spiel des Jahres-Auszeichnungen auszuruhen, sondern legen mit ordentlichem Tempo neue Spiele nach. Grade für jüngere Spieler wurde eine ganze Reihe Neuheiten vorgestellt, so beispielsweise die Munchkin Treasure Hunt oder Krosmaster Junior, die beide schon bekannte Themen aufgreifen und familienfreundlich aufbereiten. Auch das Rennspiel Viva Topo! bei dem Mäuse auf der Flucht vor der Katze sind und daneben dem größten Käsestück nachjagen und das Legespiel Zoowaboo richten sich in erster Linie an den Spielernachwuchs. Außerdem gab es noch viele weitere Neuheiten und spannende Prototypen zu bestaunen und glücklicherweise konnte einer der zahlreichen Mitarbeiter einige meine Fragen beantworten. Allerdings musste ich meinen Besuch hier deutlich abkürzen, blieb mir nur noch eine knappe Stunde um mir einen Weg zurück ins Pressezentrum zu bahnen. Doch vorher konnte ich es mir nicht verkneifen, wieder einmal einen Blick auf die Stände von Lego, Playmobil und Mattel in Halle 12 zu werfen. Verloren sich in den meisten anderen Hallen die Besucher, so drängten sie sich vor den Ständen dieser drei großen Hersteller dicht in den Gängen. Ohne einen Termin, oder zumindest eine direkte Kontaktperson war es nahezu unmöglich in die eigentlichen Stände vorzudringen um die Neuheiten in Augenschein zu nehmen.
Daher begnügte ich mich notgedrungen mit den voluminösen Messekatalogen und machte noch einen Abstecher zum Modellbauer Revell. Dort gab es neben den, mittlerweile schon obligatorischen, Star Wars-Bausätzen viele schmucke Autos zu bestaunen, vor allem der alte VW-Bus im Maßstab 1:1 hatte es mir dabei angetan, und natürlich die zahlreichen ferngesteuerten Fahrzeuge, die fast alle für eine Probefahrt oder einen -flug zur Verfügung standen.


Mittlerweile hatten sich die Messehallen schon spürbar geleert, daher wollte ich die Gelegenheit nutzen und auf dem Rückweg noch einen kurzen Abstecher zu Hasbro machen. Doch hier herrschte immer noch dichtes Gedränge und so konnte ich nur einige kurze Blicke auf die letzten Pistolen- und Gewehr-Modelle aus der Nerf-Reihe werfen, mir die neusten Monopoly-Varianten anschauen, darunter eine Retro-Version zum achtzigsten Geburtstag des Spiels, und mich schließlich über die Auswüchse der verschiedenen Film- und Comiclizenzen wundern, allen voran die Figuren zur unsäglichen Transformer-Reihe. Für einen genaueren Blick auf die ausgestellten Spielzeuge fehlte mir mittlerweile allerdings die Zeit, musste ich mich doch schon fast beeilen um rechtzeitig ins Pressezentrum zurück zu kommen und dort meine Sachen zusammen zu packen.
Der Donnerstag auf der Spielwarenmesse klingt traditionell mit einem kleinen Umtrunk der Pressevertreter aus, und auch ich nutzte die Möglichkeit mich in der angenehmen Atmosphäre des messeeigenen Restaurants mit einigen Kollegen auszutauschen und am, speziell für die Messe kreierten, Cocktail zu nippen. Schließlich wurde es doch langsam Zeit, sich auf den Heimweg zu machen, doch wählte ich nicht den einfachen Weg zum Shuttle, sondern ging noch die die fast völlig menschenleeren Hallen zum entgegengesetzten Ausgang. Gelegentlich deutete die Geräuschkulisse darauf hin, das einige Aussteller noch an ihrem Stand eine kleine Party feierten, doch waren diese meist gut vor allzu neugierigen Blicken geschützt und obwohl ich gerne einmal hinter die Kulissen geschaut hätte, liess ich mich nicht von meinem Weg abbringen und erreichte die S-Bahn, die auf der ersten Etappe der Heimreise das Fortbewegungsmittel meiner Wahl war.


Der Nürnberger Hauptbahnhof war kalt und zugig und so verbrachte ich die Wartezeit auf den ICE damit, im gut sortierten Zeitschriftenhandel zu stöbern und mir noch eine kleine Stärkung für die Heimfahrt zu besorgen. Schließlich rückte die Ankunftszeit des Zuges näher und ich schleppte mich, schwer bepackt und ziemlich müde, auf den Bahnsteig, wo es noch deutlich kälter war als in den Gängen des Bahnhofs. Und nachdem mich die Bahn am Morgen mit ihrer Pünktlichkeit überraschte, hatten die Verantwortlichen nun anscheinend ein Einsehen und bescherten mir die erwartete Verspätung. Während ich noch mein Gepäck in das erstaunlich volle Abteil hievte, machte ich mir schon Gedanken für den Fall, dass es dem ICE nicht mehr gelingen würde, die Verspätung aufzuholen. Doch waren dDiese Bedenken waren glücklicherweise unbegründet, da ich meinen Anschlusszug in Frankfurt, auch Dank eines kurzen Zwischenspurts über den halben Bahnhof, erreichte. Der Rest der Heimfahrt verlief dann auch angenehm ereignislos und ich konnte noch ein wenig dösen, bevor ich kurz nach Mitternacht, müde, abgekämpft aber einigermaßen zufrieden, an meinem Heimatbahnhof ankam.