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Sonntag, 30. Juli 2017

Amphi 2017; Tanzbrunnen; Köln


[Festival] Amphi
22.-23. Juli  2017
Tanzbrunnen, Köln

Nach einigen Verwerfungen in meinem privaten Umfeld überlegte ich lange, ob ich in diesem Jahr überhaupt wieder auf das Amphi Festival nach Köln fahren sollte. Letzten Endes konnte ich mich dann allerdings doch zusammenreißen und meinen Festivalbesuch wie ursprünglich geplant antreten. Ein adäquate Unterkunft und die Akkreditierung hatte ich glücklicherweise schon lange im Voraus organisiert - auch meine Chefin erhob keine Einwände gegen meinen kurzfristigen Urlaubswunsch.


So kann ich dann, wenn auch ein wenig später als geplant, am Freitag meine Fahrt nach Köln antreten. Die gesamte Strecke ist praktisch eine einzige Baustelle, zumindest fühlt es sich bereits nach einigen Kilometern für mich so an. Dennoch komme ich sehr gut voran und erreiche die Domstadt am frühen Nachmittag, noch vor dem einsetzenden Feierabendverkehr. Nach kurzer Suche finde ich sogar noch einen bezahlbaren Parkplatz in unmittelbarer Nähe des Hotels. So spare ich mir die, deutlich teureren, Festivalparkplätze und vermeide auch das hoteleigene Parkhaus - das pro Tag mit sehr sportlichen 25 Euro berechnet wird, wie mir ein anderer Festivalbesucher mit entsetztem Gesichtsausdruck im Foyer beim Einchecken erzählt.


Mein Zimmer befindet sich im obersten Stockwerk, beinahe in der hintersten Ecke. Der Gang kommt mir bereits jetzt unendlich weit vor, als ich mein Gepäck hinter mir her schleife. Nach einer kurzen, aber dringend notwendigen, Pause steht traditionell noch ein kurzer Abstecher in die Kölner Innenstadt auf dem Programm. Ich bin nicht der einzige schwarz Gekleidete, der an diesem Tag über die Hohenzollernbrücke in Richtung der Domplatte schlendert und die Blicke der "normalen" Passanten sind durchaus interessant. In der Stadt selbst verläuft sich das Ganze dann ein wenig, wobei doch das eine oder andere ausgefallene Fetisch-Outfit die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Zum Abschluss des kleinen Stadtbummels verzichte ich auf das obligatorische Steak und gönne ich mir stattdessen ein sehr leckeres Buffet mit Pizza, Pasta und Salaten. Schwer beladen mit den notwendigsten Einkäufen (und gut gesättigt) schleppe ich mich zurück ins Hotel.


Jetzt fehlt nur noch ein adäquates Abendprogramm - zwei Optionen stehen dabei für mich zur Auswahl: Die grandiosen Der Fluch spielen in der Kölner Innenstadt im The Cage; alternativ gibt es natürlich die Warm-Up-Party für das Amphi. Da es doch schon relativ spät ist, fällt die Entscheidung dann letzten Endes doch auf die Veranstaltung am Tanzbrunnen, die fußläufig vom Hotel aus zu erreichen ist. Außerdem kann ich mir bei der Gelegenheit auch gleich mein Festivalbändchen abholen. Auch zu dieser vorgerückter Stunde stehen noch lange Schlangen vor den Kassenhäuschen. Die Dame bei der Presseakkreditierung sorgt für eine kurze Schrecksekunde, da sie meinen Namen nicht auf der Gästeliste findet. Nach längerer Suche taucht der Eintrag doch noch auf - allerdings nicht da, wo wir ihn vermutet hätten. Nachdem diese Formalitäten geklärt sind, besorge ich mir noch schnell eine Eintrittskarte für die Party, die im Theater schon in vollem Gange ist.


Warm-Up-Party mit Ronan Harris am Mischpult
Vor allem im Biergarten vor der Halle tummeln sich viele finstere Gestalten und nutzen das immer noch hervorragende Wetter, um zu trinken, zu rauchen und sich dem, in der Szene allgemein beliebten, Schaulaufen zu widmen. Als ich den, ebenfalls recht gut gefüllten, Innenraum betrete läuft grade eine wilde Mischung unterschiedlichster Stile "schwarzer" Musik - sehr gefällig, abwechslungsreich und durchaus tanzbar. Im Laufe des Abends verschiebt sich der Fokus jedoch immer weiter in Richtung harter Elektronik. Normalerweise habe ich damit weniger Probleme, doch heute bin ich nicht so richtig in Stimmung dafür, weswegen ich mich lieber unter das Volk draußen mische. Die Musik wird auch im weiteren Verlauf des Abends nicht wirklich besser und so breche gegen 3 Uhr in Richtung Hotel auf - immerhin habe ich noch zwei lange Tage vor mir...


Den Samstag lasse ich sehr langsam angehen – es war am Vortag wohl doch etwas später als geplant und letzten Tage stecken mir noch in den Knochen. Das Wetter kann sich nicht so wirklich zwischen strahlendem Sonnenschein, finsteren Wolken und Regenschauern entscheiden, was die Kleidungsauswahl zu einem Glücksspiel macht. Nach einem leichten Frühstück komme ich gegen Mittag am Tanzbrunnen an. Die Schlange am Eingang ist überschaubar – dankenswerterweise haben viele Besucher auf große Rucksäcke oder Taschen verzichtet. Das die Security dabei freundlich, entspannt, aber dennoch recht gründlich ist, verstärkt den ersten guten Eindruck. Eisfabrik sind grade mitten in ihrem Set, doch ich will mich erst ein wenig auf dem Gelände umschauen. Sowohl was die Essens- als auch die Getränkeauswahl angeht gibt es auf den ersten Blick keinen Grund zur Klage. Auch haben viele Händler mit Kleidung, Accessoires, CDs und allerlei anderem Schickschnack ihre Zelte aufgebaut. 
Gedränge vor der Hauptbühne
Neben vielen (überteuerten) Sachen von der Stange finden sich hier immer wieder sehr schicke, originelle Stücke, meist in Handarbeit gefertigt. Glücklicherweise bin ich grade in einem dieser Ausstellerzelte als der erste, und heftigste, Schauer des Tages herunterkommt. Innerhalb von wenigen Augenblicken ist das ganze Festivalgelände wie leer gefegt und jeder sucht Schutz vor den herab prasselnden Wassermassen. Genau so schnell ist der Schauer aber auch wieder verschwunden und die strahlende Sonne sorgt in kürzester Zeit für unangenehme Schwüle.
Anstatt mich ins Gewühl vor der Bühne bei Chrom zu stürzen, suche ich mir lieber ein bequemes Plätzchen am Sandstrand, nippe an meinem Getränk und genieße einfach den Tag. Aber irgendwann muss ich schließlich doch aufstehen und mich auf die Suche nach etwas Essbarem machen. Ich glaube, die Auswahl ist seit dem letzten Jahr gewachsen - von der schnöden Bratwurst über den vegetarischen Burger bis zum veganen Wrap aus regionalen Zutaten. Meine Wahl fällt auf Falafel mit Knoblauchsoße (meine Mitmenschen sollen schließlich auch etwas davon haben), der Stand befindet sich ein paar Meter außerhalb des eigentlichen Festivalgeländes am Rheinufer. Als Nachtisch gibt es dann noch ein kleines Eis – zu überraschend akzeptablen Preise und einen Schluck Wasser aus den dankenswerterweise aufgestellten Trinkwasserbrunnen. So gestärkt mache ich mich auf den Weg zur Main Stage, schließlich bin ich ja hier um Musik zu hören.
Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich das letzte Mal Tanzwut gehört habe, aber die Mischung aus Sackpfeifen, elektronischen Elementen und Gitarren gefällt mir immer noch ganz gut. Wenn ich mir die feiernden Menschen um mich herum anschaue, bin ich damit auch nicht alleine. Auch Frontmann Teufel hat sichtlich Spaß an seinem Auftritt, erzählt kleine Anekdoten zu den verschiedenen Stücken und stolziert über die Bühne als würde sie ihm gehören. Leider endet das Set schon nach einer guten dreiviertel Stunde und die Menge zerstreut sich recht schnell. Ich nutze die folgende Umbaupause, um mir den Festival-Sampler und einige andere, erstaunlich preiswerte, CDs zu kaufen - die Shirts sind leider alle schon ausverkauft, zumindest in meiner Größe...
Rechtzeitig zu Lord of the Lost bin ich dann wieder am Tanzbrunnen. Fürs Auge wird hier sicherlich etwas geboten, allerdings werde ich mit der Musik der Band nicht wirklich warm. Einige Stücke, wie beispielsweise „Six Feet Underground“ gefallen mir richtig gut, während sich mir bei anderen Liedern die Fußnägel rollen. So schaue ich lieber noch kurz an der Theater Stage vorbei, wo grade Frozen Plasma die Besucher mit ihrem sehr gefälligen Synthie-Pop recht gut unterhalten. Leider habe ich nur Zeit für zwei oder drei Lieder, bevor ich wieder an die Hauptbühne muss.
Es darf auch mal gerockt werden

Das erste (und bisher einzige) Mal hatte ich Diary of Dreams irgendwann im letzten Jahrtausend im Mainzer KUZ gesehen und war seinerzeit schwer beeindruckt gewesen. Nachdem ich sie dann einige Jahre komplett aus den Augen verloren hatte, gehört sie hier zu meinem Pflichtprogramm. Mal elektronisch, mal rockig aber immer spannend liefert die Band einige ihrer bekanntesten Stücke ab. Bei einigen Lieder, beispielsweise „The Curse“, gibt es dann auch Verstärkung von Torben Wendt, der kurz darauf mit seiner eigenen Band Diorama auf dem Schiff auftritt. Diary of Dreams sind tatsächlich so gut, wie ich sie in Erinnerung habe und liefern eine mitreißende Show.
Nach dem Auftritt von Adrian Hates und seinen Mitmusikern bleiben viele Besucher gleich an Ort und Stelle stehen. So kann ich mich nur mit Mühe weiter zu den Absperrgittern vorarbeiten, die ich dann tatsächlich auch mit massivem Schultereinsatz erreiche. Noch während die Techniker letzte Hand an die Instrumente legen, wabert dichter Nebel durch die ersten Zuschauerreihen. Untermalt von einem gesampelten Intro betreten endlich die Fields of the Nephilim die Bühne. Das Set beginnt mit dem langsam mahlenden, 10minütigen "Last Exit for the Lost" - eine ungewöhnliche Wahl, aber ich finde es großartig und lasse jegliche Zurückhaltung fahren. Die Band um Sänger und Frontmann Carl McCoy spielt sich in der folgenden Stunde durch ihre beinahe 35jährige Bandgeschichte. Praktisch jedes Stück, gleich aus welcher Schaffensperiode, wird gefeiert - dabei darf "Psychonaut" ebenso wenig fehlen wie "Mourning Sun" vom gleichnamigen 2005er Album.
Mein ganz persönliches Highlight

Nach diesem großartigen, aber leider viel zu kurzen, Set stellt sich mir die Frage, wo ich den Abend ausklingen lasse. VNV Nation auf der Main Stage sind zweifellos ein großartiger Live-Act, aber ich habe sie in den letzten Jahren schon sehr, sehr oft gesehen. Auf der Theater Stage sorgen Die Krupps für gepflegte Unterhaltung, allerdings empfinde ich die Atmosphäre in dem vollen Saal immer als etwas klaustrophobisch. Die dritte Option wäre noch der Abstecher auf die Orbit Stage auf der anderen Rheinseite. Nach kurzer Überlegung entscheide ich mich dann tatsächlich für den Clan of Xymox und drücke mich mit anderen wechselwilligen Festivalbesuchern in den Shuttle-Bus.
Die Haltestelle befindet sich auf dem Heumarkt, der zu dieser Uhrzeit noch stark von Einheimischen und Touristen frequentiert wird. Und auch hier gibt es wieder den einen oder anderen verstohlenen Blick auf die Gruppe der merkwürdigen Gestalten, die sich in Richtung Bootsanleger bewegen. Nach einer weiteren stressfreien Taschenkontrolle taste ich mich ganz vorsichtig die steile Gangway zur MS RheinEnergie hinab - dabei ist der Untergrund trocken, ich bin nüchtern und trage vernünftiges Schuhwerk. Andere Besucher haben mit diesem Abgang deutlich mehr Probleme…

Noch ist im Schiff relativ wenig los und die Umbaumaßnahmen nach dem Auftritt von Diorama sind noch in vollem Gange. Auf dem Mitteldeck besorge ich mir noch schnell ein Getränk bevor das eigentliche Gedränge startet. Gut versorgt werfe ich noch einen schnellen Blick auf das erstaunlich umfangreiche Merchandise-Sortiment der Band – allerdings ist jetzt nicht wirklich etwas Herausragendes dabei. Als ich mich dann losreißen kann und unten im Innenraum ankomme, habe ich bereits Probleme ein Plätzchen zu finden. Mit ein wenig Geschiebe und Gerücke arbeite ich mich an das Mischpult heran und habe von dort einen recht guten Blick auf das Geschehen. Während im Hintergrund stimmige Video-Projektionen laufen betreten Clan of Xymox die Bühne. Der Sound kommt glasklar aus den Boxen, nur leider hört man von Sänger Ronny Moorings praktisch gar nichts. Wildes Gestikulieren auf der Bühne und hektisches Drehen am Mischpult bringt leider keinerlei Besserung. Erst nachdem ein Techniker die Kabel auf der Bühne neu angeschlossen hat, ist der sympathische Niederländer vernünftig zu hören. Den Rest des Sets verbringe ich praktisch komplett mit geschlossenen Augen und lasse die ruhige, entspannte Musik auf mich wirken. Kurz vor 22 Uhr geht die Band nach nur einer Zugabe von der Bühne und es wird alles für die anschließende Party vorbereitet.



Bei mir stellen sich dagegen leichte Ausfallerscheinungen ein und ich entscheide mich für den Heimweg. Das Wetter hat sich mittlerweile beruhigt und es ist sommerlich warm, entsprechend tummeln sich noch viele Menschen auf der Uferpromenade. Daher verzichte ich auf den Bus und schlendere entspannt am Rhein entlang in Richtung der Hohenzollernbrücke. Vor mir flaniert eine Dame in weit ausladendem Kleid und mit beleuchtetem Horn auf der Stirn, und ich komme aus dem Schmunzeln nicht heraus als ich die Blicke der Passanten sehe.
Eine kleine Stärkung für den restlichen Weg wäre nicht schlecht, doch vor mir kamen anscheinend auch noch einige andere Leute auf diese Idee und die endlos lange Schlange bei der Burgerbraterei im Deutzer Bahnhofsgebäude schreckt mich ab. Glücklicherweise verfügt die Tankstelle direkt vor meinem Hotel aber über ein breit gefächertes Angebot an Leckereien - in flüssiger wie auch fester Form. Die Mitfahrer im Fahrstuhl hatten offensichtlich eine ähnliche Idee wie ich und haben sich reichlich mit Spirituosen (zu exorbitanten Preisen) eingedeckt. Nach einer kurzen, aber tiefgründigen, Unterhaltung über die Vor- und Nachteile fertig gemixter Cocktails trennen sich unsere Wege wieder und ich schleppe mich mit schweren Füßen und müdem Kopf durch den langen Gang meinem Bett entgegen.
Endlich angekommen genehmige ich mir noch einen kleinen Absacker, verstaue meine Neuerwerbungen und lasse den Tag Revue passieren. Auch ein Blick auf das Programm des zweiten Festivaltages muss noch sein, allerdings bin ich mir immer noch nicht sicher zu welchen Bands ich gehen soll.


Am Sonntag ist der Himmel über Köln bewölkt und offensichtlich hat es in den frühen Morgenstunden geregnet. Da ich nicht übermäßig fit bin lasse ich mir relativ viel Zeit bis ich mich auf den Weg auf das Festivalgelände mache. Da das Frühstücksbuffet im Hotel dieses Jahr mein Budget sprengen würde, nehme ich einen kleinen Umweg in Kauf und mache noch einen kurzen Abstecher zur bereits erwähnten Burgerkette. Um diese Uhrzeit herrscht hier deutlich weniger Betrieb und ich gönne mir ein ausgedehntes (und leicht dekadentes) Frühstück.


Stahlmann haben grade ihren Auftritt beendet als ich den Tanzbrunnen erreiche. Allem Anschein nach ist es heute deutlich voller und es herrscht dichtes Gedränge vor den Ständen und der Hauptbühne. Zum Aufwärmen drehe ich noch eine kurze Runde über das Gelände, komme aber rechtzeitig für den nächsten Auftritt wieder bei der Bühne an. Eigentlich bin ich kein sonderlich großer Fan von Das Ich, aber live ist die Band zweifellos etwas Besonderes. Die Show verzichtet zwar weitgehend auf spektakuläre Effekte und aufwändige Bühnenaufbauten, aber dennoch gelingt es den drei Bandmitgliedern das Publikum mitzureißen. Sänger Stefan Ackermann verlässt sogar während dem Klassiker „Gottes Tod“ die sichere Bühne, überwindet Graben und Absperrung nur um sich im Publikum feiern zu lassen. Die Musik sagt mir zwar immer noch nicht wirklich zu, aber der Auftritt war durchaus beeindruckend. Leider muss ich das Konzert kurz vor Ende verlassen, da schon die nächste Band wartet...
Es geht nicht nur musikalisch ganz schön finster zu

Nachdem ich schon mehrere Konzerte der Horror-Punks von The Other verpasst habe, will ich sie mir zumindest auf dem Amphi nicht entgehen lassen. Bisher habe ich die Theater Stage weitgehend gemieden, doch jetzt dränge ich mich mit den anderen Besuchern in den finsteren Saal. Nach dem hellen Außenbereich brauchen meine Augen eine Zeit lang um sich an die praktisch nicht vorhandene Innenbeleuchtung zu gewöhnen. Auf dem Weg in Richtung Bühne passiert es mir mehr als ein Mal, dass ich versehentlich Menschen anrempele – einfach weil ich sie nicht sehe. Als die fünf Musiker dann mit ihrem Set loslegen wird es auch nicht wirklich heller und ich habe Mühe die Bühnendeko zu erkennen. Sänger Rod Usher fühlt sich anscheinend wohl und führt gut gelaunt durch das nachmittägliche Programm, das sich in erster Linie um Mord, Totschlag und unappetitliche Ernährungsgewohnheiten dreht.
Als ich aus dem dunklen Raum in den gleißenden Sonnenschein trete, beginnen grade Hocico mit ihrer brachialen Industrial-Show auf der Hauptbühne. Das Programm ist mir für diese frühe Stunde dann doch ein klein wenig zu heftig, außerdem hatte ich erst vor wenigen Wochen die Gelegenheit ein komplettes Konzert der beiden zu sehen. Dann widme ich mich doch lieber den Auslagen der verschiedenen Händler, gab es da doch noch einige interessante Dinge zu sehen. Ich habe schon das Hauptzelt in Sichtweite, als auch schon ein weiterer Schauer herunter kommt, der in Intensität dem vom Vortag in nichts nachsteht. Im Zelt herrscht dementsprechend dichtes Gedränge und nur mühsam komme ich zwischen den Ständen voran. 
Mjam Mjam Mjam

Am Vortag war mir hier eine sehr schicke, modifizierte Getränkedose - natürlich mit Tentakel - aufgefallen. Leider war das gute Stück schon weg, als ich mich endlich zum Kauf entschieden hatte. Aber die nette Dame am Stand erklärt sich ohne Umschweife bereit (an dieser Stelle ein dickes Danke an Tanja von abARTig), mir im Laufe der nächsten Tage eine neue Dose zu basteln.
Der Schauer hält ungewöhnlich lange an und als ich das Zelt wieder verlasse, haben die beiden Mexikaner ihr Set bereits beendet. Mir steht der Sinn mittlerweile nach einer kleinen Stärkung, aber Haxe, Pulled Pork, Lachs oder Currywurst sind mir dann doch etwas zu mächtig. Stattdessen gibt es, ganz spießig, Kaffee, Crêpe und eine Waffel. Die Wartezeiten in der Schlange ziehen sich zwar endlos in die Länge, aber immerhin ergeben sich dabei Gelegenheit zu netten Gesprächen mit den umstehenden Festivalbesuchern. Schließlich ergattere ich mit meiner Beute sogar einen Sitzplatz, von dem aus ich zumindest einen Teil der Bühne sehen kann, wo grade Combichrist loslegen. Eigentlich möchte ich gar nicht mehr aufstehen – die Sonne scheint, ich bin gesättigt, sitze grade sehr gemütlich und unterhalte mich mit meinen Sitznachbarn. Aber es hilft alles nichts, ich muss weiter!

Es geht wieder zurück in das finstere, volle Theater, in dem es die Klimaanlage kaum schafft für ein wenig frische Luft zu sorgen. Nur wenige Strahler und zwei Fackeln erleuchten spärlich die Bühne, während der Innenraum in tiefste Finsternis getaucht bleibt. Ordo Rosarius Equilibrio zelebrieren ihren Auftritt und obwohl ich die Band schon ewig nicht mehr gehört habe, hat sie nichts von ihrer Faszination verloren. Ich schließe einfach nur die Augen und lasse mich mit Stücken wie „A World not so beautiful“ oder „Three is an Orgy“ treiben. Mir kommt es zwar deutlich kürzer vor, doch nach gut 45 Minuten verabschieden sich Tomas Pettersson und seine Mitmusiker und die Lichter werden ein klein wenig hochgedimmt. Ich schließe mich einem Pulk an, der in Richtung Ausgang drängt, die nächste Band steht bereits in den Startlöchern.
Stephan Groth hat die Menge im Griff
Glücklicherweise ist der Weg zur Main Stage nicht sonderlich weg, wo schon dichtes Gedränge vor dem Auftritt von Apoptygma Berzerk herrscht. Die Norweger um Stephan Groth liefern quasi eine Best-of-Show der letzten 20 Jahre ab. Das Publikum feiert jedes der Stücke und lässt sich dabei auch vom einsetzenden Nieselregen nicht sonderlich beeindrucken. Der Band gelingt es mit „Deep Red“, „In This Together“ und auch dem Cover von „Major Tom“ die Menge in Bewegung zu bringen und es gibt, soweit ich das sehen kann, niemanden der am Tanzbrunnen noch still steht. Leider kann ich nicht auf die Zugabe warten, denn für das letzte Konzert muss ich wieder auf die Orbit Stage.

Wieder geht es mit dem Shuttle auf die andere Seite des Flusses, wo Kirlian Camera das Festival für mich beschließen werden. Eine Kleinigkeit zu Essen wäre auch nicht schlecht, allerdings sind die meisten Speisen bereits ausverkauft und das Schnitzelbrötchen, auf das schließlich meine Wahl gezwungenermaßen fällt, ist eher trocken und geschmacksneutral, aber immerhin warm. Zumindest habe ich vom Sonnendeck einen großartigen Ausblick auf Köln, den Rhein und die vielen Menschen die an beiden Ufern entlang schlendern und den Tag genießen. Als immer mehr Festivalgänger auf den kleinen Anleger drängen, beeile ich mich wieder in den Innenraum des Schiffes zu kommen. Erstaunlicherweise hat sich dieser innerhalb weniger Minuten gefüllt – aber ich kann mir praktisch den gleichen Platz wie am Vortag sichern. Kurz darauf betreten die Musiker, stilsicher wie immer, in Sturmhaube, Anzug und mit Taschenlampe die Bühne. Lediglich Sängerin Elena Fossi hält sich noch vornehm im Hintergrund und kommt erst mit kurzer Verzögerung ans Mikrofon. Ich habe die Band in den letzten Jahren öfters live gesehen, trotzdem werden sie einfach nicht langweilig und Stücke wie „Full Eclipse“ kann ich mir wieder und wieder anhören.
Doch auch dieses Konzert endet leider viel zu früh und nach einem kurzen Abstecher zum Merchandise-Stand stellt sich für mich die Frage, ob ich nun zurück zur Theater Stage zur After-Show-Party oder doch lieber zurück ins Hotel gehe.

Letzten Endes entscheide ich mich dann doch dafür, den Abend auf meinem Zimmer ausklingen zu lassen. Wirklich fit bin ich nicht mehr und die kommende Woche verspricht stressig zu werden. Aber bevor ich ins Hotel zurückkehre gibt es noch ein Eis an der Tankstelle – das habe ich mir verdient!
In weiser Voraussicht hatte ich mich vor der Reise nach Köln mit fertig gemixten Cocktails aus der Dose eingedeckt. Zum Ausklang des Amphi werden einige davon, ganz stilvoll im Zahnputzbecher, verkostet. Die Geschmackserlebnisse reichen hier von absolut ekelhaft (Swimming Pool) über merkwürdig, aber nicht schlecht (Mojito) bis hin zu sehr lecker und fruchtig (Zombie). Als ich dann endlich das Licht ausmache ist es schon erschreckend spät und ich muss aufpassen, dass ich den Termin zum Aus checken nicht verpasse.


Immer diese Entscheidungen...
Ich mag das Amphi einfach! Die Bandauswahl ist immer recht gut durchgemischt und deckt eigentlich alle Aspekte der „schwarzen“ Musikszene ab; auch wenn es in diesem Jahr recht elektronisch zu ging. Das Festivalgelände hat eine angenehme Größe, weitläufig genug mit ruhigen Rückzugsorten, aber immer noch überschaubar um schnell die Örtlichkeit wechseln zu können. Dazu kommt die entspannte, familiäre Atmosphäre, das schicke Ambiente am Rheinufer mit Aussicht auf den Kölner Dom, die verschiedenen Shopping-Möglichkeiten auf dem Festivalgelände und die direkte Nähe zur Innenstadt. Kritikpunkte des letzten Jahres haben die Veranstalter behoben, beispielsweise einen Zugang zur Theater Stage direkt vom Festivalgelände aus eingerichtet; auch die Schließfächer waren eine recht gute Entscheidung. Das die MS RheinEnergie mit der Orbit Stage, bedingt durch den niedrigen Wasserstand, auf der anderen Rheinseite vor Anker gehen musste, war zwar ärgerlich, aber durch den Shuttle-Verkehr fiel dieser Umstand erstaunlich wenig ins Gewicht. Auch hier haben die Organisatoren sehr gute Arbeit geleistet und für einen reibungslosen Ablauf gesorgt. Das die Konzerte mittlerweile recht früh beginnen und enden liegt an den Vorgaben der Kölner Stadtverwaltung, wenn ich das richtig mitbekommen habe. Besonders für die ersten Bands ist es extrem undankbar schon mittags (und meist bei strahlendem Sonnenschein) zu spielen. Generell fühlt es sich für mich immer ein klein wenig seltsam an, „dunkle“ Bands bei Tageslicht zu sehen; dafür war die Beleuchtung auf der Orbit Stage angenehm gedämpft und bei der Theater Stage praktisch nicht vorhanden.
Natürlich hatte ich auch in diesem Jahr wieder Überschneidungen und ich hätte zeitweise an drei Orten gleichzeitig sein müssen. Da die Klontechnologie leider noch nicht so weit fortgeschritten ist, musste ich Prioritäten setzen. Dies fiel mir meist nicht so schwer, eigentlich bedauere ich nur Rummelsnuff und Esben & the Witch verpasst zu haben. Sogar das Wetter war, von dem einen oder anderen wirklich heftigen Schauer abgesehen, deutlich angenehmer als in den Jahren davor.

Donnerstag, 30. Juli 2015

Amphi 2015; Lanxess Arena; Köln

[Festival] Amphi
25.-26. Juli  2015 
Lanxess Arena,Köln

Eigentlich bin ich kein wirklicher Freund von Festivals und besuche lieber Konzerte einzelner Bands. Lediglich bei den kleineren, regionalen Veranstaltungen wie beispielsweise dem Binger Open Air oder der Folklore in Wiesbaden schaue ich gelegentlich vorbei. Eher spontan entschloss ich mich trotzdem, in diesem Jahr mit dem Amphi doch noch eine größere Veranstaltung der schwarzen Szene zu besuchen. War das Festival in den vorangegangenen Jahren am Kölner Tanzbrunnen beheimatet, so mussten sich die Veranstalter aus verschiedenen Gründen für 2015 eine neue Örtlichkeit suchen. Ein Ausweichplatz fand sich, nur wenige hundert Meter entfernt, in der Lanxess Arena, einem Hallenkomplex der für die unterschiedlichsten Events genutzt wird.

Campen war für mich keine Option, und so machte ich mich kurzfristig auf die Suche nach einem Hotel, möglichst in der Nähe des Festival-Geländes. Sowohl das Dorinth wie auch das Radisson Blu kannte ich von mehreren Messebesuchen und von beiden Hotels ließ sich die Arena bequem zu Fuß erreichen. Während das eine Hotel schon ausgebucht war, gab es im anderen noch Kapazitäten, und so orderte ich kurzentschlossen ein Zimmer, auch wenn mir die Preise (selbst ohne Frühstück) die Tränen in die Augen trieben.

Die Anreise verlief angenehm ereignislos und auch kostengünstige Parkplätze in der Nähe des Hotels waren in ausreichender Menge vorhanden. Das Einchecken stellte sich zwar als etwas kompliziert heraus, funktionierte dann aber schließlich noch irgendwann. Während ich in der Lobby des Hotels wartete, hatte ich Zeit die anderen Gäste zu beobachten, die sich hier aufhielten. Sehr schön waren die Blicke, welche die Geschäftsleute und Besucher der nahen Messe den Grufties zuwarfen, die in Lack, Leder, Spitze und Uniform durch die Halle liefen. Nachdem ich dann doch irgendwann mein Zimmer beziehen konnte und das Gepäck sicher verstaut hatte, machte ich mich auf den Weg in die Stadt um ein wenig zu konsumieren. Auch hier war es interessant die Reaktionen der Einwohner und Touristen auf die schwarz gewandeten Gestalten zu beobachten die schon in großer Zahl die Fußgängerzone heimsuchten. Nach einer Runde Extrem-Shopping hatte sich meine Barschaft schon bedenklich gelichtet und ich machte mich langsam auf den Weg zurück ins Hotel. Dabei nahm ich einen winzigen Umweg in Kauf und stattete dem Festival-Gelände einen kurzen Besuch ab, um mir mein Eintrittsband für den nächsten Tag zu sichern und mich vorab etwas zu orientieren. Gerne hätte ich mir auch schon ein Programmheft zur besseren Planung mitgenommen, doch leider waren diese noch nicht erhältlich.

War der Freitag noch sonnig und bei Temperaturen um die 30 Grad durchaus sommerlich gewesen, so zeigte mir ein Blick aus dem Fenster am Samstag morgen, dass wohl der Herbst über Nacht Einzug gehalten hatte. Dicke, schwere Wolken hingen über der Stadt und die ersten Tropfen klatschten gegen das Fenster meines Zimmers. Auch die Bäume auf dem Parkplatz bogen sich unter den gelegentlichen Windböen bedenklich. Da ich mir diesmal ausnahmsweise das Frühstück im Hotel sparen wollte, machte ich mich zuerst in Richtung des hiesigen Supermarktes auf, um einige Vorräte zu ergänzen. Zwischenzeitlich verstärkte sich der Regen etwas und auch der Wind frischte merklich auf. Dennoch ging es, nach einem kurzen improvisierten Frühstück, in die nahegelegene Arena. Ob es an der frühen Uhrzeit oder am bescheidenen Wetter lag, konnte ich nicht sagen, auf jeden Fall hielt sich der Besucherandrang in einem sehr überschaubaren Rahmen. Die Kontrolle an den Gittern nahm, zumindest bei mir, nur wenig Zeit in Anspruch und ich konnte das Gelände betreten und mich orientieren, kannte ich die Lanxess Arena doch bisher nur von außen. Über dem Eingang lachte mir ein knallbuntes Konzertplakat von Violetta, einem Retortenstar aus dem Disney-Konzern entgegen, auch mit Ankündigungen für Howard Carpendale, Mario Barth oder die Bläck Fööss wurde nicht gegeizt, was so gar nicht zur Atmosphäre eines "schwarzen" Festivals passen wollte. Bevor ich mich jedoch weiter umsehen konnte wurde ich von einer Lautsprecherdurchsage aufgefordert mich auf Grund eines aufkommenden Unwetters in der Halle in Sicherheit zu bringen. Kurz darauf wurden weite Teile des Außenareals komplett abgesperrt und die Zelte standen mit flatternden Planen traurig und verlassen im Regen. So blieb mir nichts anderes übrig, als mich in den Rundgang zu begeben der um die Arena herum lief. Neben einigen Merchandise-Ständen waren es vor allem die zahlreichen festinstallierten Essens- und Getränkeanbieter die, nicht unbedingt positiv, auffielen. Nachdem ich mir am Info-Stand endlich ein Programm besorgt hatte, wollte ich dem derben Gebolze auf den Grund gehen, das aus den geöffneten Türen zur "Arena Stage" drang. Bis zum Auftritt von Schöngeist, eigentlich der erste Act des Tages, war noch fast eine Stunde Zeit, und dennoch stand dort eine Band auf der Bühne und spielte vor einer Handvoll Zuschauer. Es dauerte ein paar Minuten, bis ich Centhron identifizieren konnte, die eigentlich erst viel später am Tag draußen auf der "Green Stage" spielen sollten. Wenn es eine entsprechende Ansage gab, so war sie komplett an mir vorbei gelaufen und auch auf den zahlreichen Monitoren im Hallenbereich war keine Programmänderung zu sehen. Irgendwann kam dann auch die Durchsage, dass wegen der Unwetterwarnung der Außenbereich vorerst gesperrt blieb und die Lesung von Christian von Aster auf den Sonntag verlegt werden sollte. Zu den anderen Auftritten gab es zu diesem Zeitpunkt noch keine weiteren Informationen und da Schöngeist nicht unbedingt meinen musikalischen Geschmack trafen, machte ich mich wieder auf den Weg nach draußen.
Mittlerweile waren deutlich mehr Besucher auf dem Amphi eingetroffen und mangels Ausweichmöglichkeiten drängten sie sich praktisch alle im Rundgang, der um die Arena führte. So schoben sich die Besucher langsam in die eine oder andere Richtung, wobei Spurwechsel schon bald nicht mehr ohne den Einsatz von Ellenbogen oder Stiefeln möglich waren. Nachdem ich einige Bekannte getroffen hatte, gaben diese mir den Tipp, doch einmal in die Magistrale, ein Nebengebäude, zu gehen und mir dort die Auslagen der Stände anzuschauen. Tatsächlich war es hier deutlich leerer als in der eigentlichen Halle, was damit zu tun haben könnte, dass es weder Schilder noch andere Hinweise gab, die auf diesen Teil des Festivals hindeuteten. Nachdem ich mich ein wenig umgeschaut hatte, wagte ich noch einen Abstecher in die Arena, wo mittlerweile Chrom dabei waren vor vollem Innenraum und gut besetzten Rängen zu spielen.
Zwischenzeitlich verspürte ich nun doch ein kleines Hüngerchen, daher setzte ich mich ernsthaft mit dem Angebot der Caterer in der Halle auseinander. Hier gab es fast ausschließlich Junkfood zu durchaus sportlichen Preisen und für Vegetarier oder gar Veganer blieb fast nur die Möglichkeit auf Pommes frites auszuweichen. Nach einem kurzen Rundgang entschied ich, dass ich nicht soooo hungrig war, dass ich 3,90 Euro für einen Burger, der offensichtlich schon mehrere Stunden unter einer Hitzelampe gelegen hatte, ausgeben würde. Daher begnügte ich mich mit einer (abgestandenen) Cola und nahm mir vor, nachher in einem der zahlreichen Fastfood-Läden in unmittelbarer Umgebung der Halle meinen Bedarf an Fett, Zucker und Kohlehydraten zu decken.

Da mir das weitere Gedränge mittlerweile gewaltig auf den Nerv ging, verabschiedete ich mich zurück ins Hotel, mit einem kleinen Umweg über eine nahe gelegene Imbiss-Bude. Im Hotel überbrückte ich die Zeit bis zu den nächsten interessanten Konzerten, indem ich mitgebrachten Schreibkram erledigte und zwischendurch immer wieder einen Blick auf die Internet- und Facebook-Präsenz des Festivals warf, doch auch hier waren die Informationen bestenfalls vage oder widersprüchlich. Kurz vor 16 Uhr startete ich dann einen zweiten Anlauf. Das Wetter hatte sich nur unwesentlich beruhigt und auch die Unwetterwarnung war noch in Kraft, aber ich wollte mir zumindest die Gelegenheit nicht entgehen lassen, mir ein Autogramm von Der Fluch zu holen. Nach einigem Suchen fand ich sogar die Stelle, wo die Band sich niedergelassen hatte, auch hier wäre eine bessere Ausschilderung sicherlich hilfreich gewesen. Da sich nicht viele Besucher auf diesen Teil des Festivals verirrt hatten, blieb mir wenigstens Zeit für ein kleines Schwätzchen mit Deutscher W., dem Sänger der Band. Auch er hatte zu diesem Zeitpunkt keinerlei Informationen wann, wo und ob sie überhaupt auftreten würden. Auf den Gängen und im Netz machten immer mehr Gerüchte die Runde, dass beispielsweise das Außengelände am Samstag gar nicht mehr freigegeben würde, der Auftritt von Neuroticfish komplett gestrichen wäre und noch einige andere unschöne Dinge. Offizielle Informationen vom Veranstalter waren weiterhin Mangelware und die aushängenden Programme schon lange überholt.
Danach hatte ich wieder ein wenig Lust auf Musik, deswegen war ich schließlich ja nach Köln gekommen. Daher traf es sich recht gut, dass auf der "Arena Stage" grade The Crüxshadows aus Florida ihr Set starteten. Optisch konnte die Band wieder voll überzeugen, aber der Sound war teilweise grenzwertig. Die Bässe waren im Innenraum kaum erträglich, während die Vocals stellenweise nicht vorhanden waren. Mit ähnlichen Problemen hatten zwar bisher alle Bands zu kämpfen gehabt, die ich auf dieser Bühne gesehen hatte, aber hier war es dann doch etwas extrem.
Mittlerweile kam von offizieller Seite die Bestätigung, dass heute im Außenbereich keine Konzerte mehr stattfinden würden. Aber der Veranstalter versprach alles zu tun, damit die Bands auftreten konnten. Das tröstete zwar ein wenig, änderte aber nichts an der Tatsache, dass ich zwei Bands auf jeden Fall verpassen würde.
Nach einer kurzen Umbaupause folgten die EBM-Pioniere von DAF, mit denen ich persönlich nicht wirklich etwas anfangen kann. Aber immerhin gelang es ihnen, so etwas wie Stimmung in der Halle aufkommen zu lassen. „Sato-Sato“, „Der Räuber und der Prinz“ oder auch „Der Mussolini“ sorgten für tanzende und feiernde Menschen vor der Bühne und zumindest höfliches Interesse der Besucher auf den Rängen. Auch hier war der Sound zu Beginn nicht optimal, wurde aber im Laufe des Auftritts deutlich besser. Mit rund 70 Minuten wurde der Band dann auch die bisher längste Spielzeit an diesem Festivaltag eingeräumt. Und als besonderes Schmankerl für die Fans kündigte Sänger Gabi Delgado an, dass die erst im Januar bestätigte Trennung der Band hinfällig wäre und die beiden weiter zusammen Musik machen wollten.
Nachdem ich schon auf Neuroticfish und Der Fluch verzichten musste (ich habe es schon mehrfach erwähnt), war ich froh, dass wenigstens die Kanadier von The Birthday Massacre wie geplant auftreten würden. Und so blieb ich gleich in der Halle, wechselte aber vom Innenraum hoch auf den Rang ans gegenüberliegende Ende der Arena wo es noch reichlich freie Sitze gab und ich die Füße etwas hochlegen konnte. Wie zu erwarten lag der Fokus des, deutlich gekürzten, Sets auf den Stücken des aktuellen Albums Superstition. Die Show, die Sängerin Chibi und ihre fünf Mitmusiker ablieferten war dann auch das Beste, was ich bisher an diesem Tag gesehen hatte. Leider war nach rund 40 Minuten aber schon Schluss und ich machte mich auf die Suche nach etwas Frischluft und einer kleinen Stärkung.
Die Unwetterwarnung war immer noch nicht aufgehoben, daher waren nur wenige, kleine Außenflächen freigegeben und mit Gitterwänden gesichert worden, so dass sich der geneigte Besucher doch ein wenig eingesperrt vorkam. Die Windböen und Regenschauer taten dann auch ihr übriges, mich wieder schnell in die Halle zu treiben. Doch auch in der Halle seine Runden ziehen und zum wiederholten Male die Auslagen der Stände zu begutachten war auf Dauer nicht wirklich spannend, so dass ich schließlich kurz darauf dem Festival ein zweites Mal an diesem Tag den Rücken kehrte. Diesmal war mein Ziel nicht das Hotel, sondern ein nahe gelegenes Brauhaus, das für seine deftige, regionale Küche bekannt (und berüchtigt) ist. Nach einem exzessiven Abendmahl hatte sich das Wetter erstaunlicherweise stabilisiert, der Regen war fast völlig verschwunden und auch der Wind war auf ein akzeptables Maß zurück gegangen. Kurz spielte ich mit dem Gedanken noch einmal aufs Festivalgelände zurückzukehren, um wenigstens noch Front 242 und And One zu sehen, doch die einsetzende Fressnarkose zwang mich geradezu ins Bett, wo ich auch fast direkt einschlief.

Der Sonntag startete deutlich freundlicher, die Wolken hatten sich komplett verzogen und der Wind war, bis auf ein leichtes Säuseln, nicht mehr vorhanden. Da die Unwetterwarnung schon am gestrigen Abend aufgehoben worden war, stand einem angenehmeren zweiten Festivaltag nichts mehr entgegen.
Die Veranstalter hatten noch spät am Samstag eine neue Running Order veröffentlicht und bemühten sich, wie versprochen, so viele Bands vom Vortag wie nur irgend möglich auf den drei Bühnen unterzubringen. Natürlich nicht Neuroticfish und Der Fluch, weswegen ich eigentlich ja hier war; schade, aber nicht zu ändern. Auch die Lesung von Christian von Aster wurde klammheimlich unter den Tisch fallen gelassen.
Das Festivalgelände machte am zweiten Tag dann auch einen völlig anderen Eindruck: die zahlreichen Zelte mit Klamotten, CDs und verschiedensten Getränken und Lebensmitteln hatten geöffnet und die zarten Sonnenstrahlen ermöglichten das in der Szene so beliebte Flanieren über das Gelände. Hier konnte sich der Betrachter dann auch an der ganzen Vielfalt der dunklen Gestalten ergötzen: traditionelle Goths mit toupierten Haaren und Pikes, die Damen und Herren der EBM-Fraktion in voller Kampfmontur, die farbenfrohen Cyberpunks mit den auffälligen Kunststoff-Dreadlocks, aufwändige viktorianische Kostüme und natürlich viele Leute in Lack-, Leder- und Fetisch-Klamotten.
Diesmal wollte ich den Tag nutzen, um möglichst viele Eindrücke vom Amphi mitzunehmen. Schon weit vor dem Mittagessen beschallten [:SITD:] und die Patenbrigade: Wolff mit teils derben Beats die Halle, doch hier hatte ich gestern schon genug Zeit verbracht und so schlenderte ich lieber noch ein wenig über das Gelände um mich mit einigen CDs einzudecken. Das erste Konzert, was für mich an diesem Tag auf dem Programm stand, waren die Pagan-/Goth-Rocker Inkubus Sukkubus, die auf der kleinen „Orbit Stage“ spielten.
Wer auch immer für den Standort dieser Bühne verantwortlich war, hatte sich wahrscheinlich vorgenommen, diesen Platz so ungemütlich wie möglich zu gestalten. Vielleicht 50 Meter hinter der Bühne, also im direkten Sichtfeld der Zuschauer, fuhren im Minutentakt die Züge der Deutschen Bahn, linker Hand befand sich einer der wichtigsten Durchgänge des Festivals, wollte man nicht durch die Halle laufen. Rechts endete das Gelände an einem der beliebten Gitterzäune und auch nach hinten gab es nicht viel Platz um auszuweichen. Das alles auf hartem Betonboden, der längeres Stehen zu einer Tortur machte und garniert mit einem kleinen Bäumchen, das den Blick auf die Bühne zusätzlich einschränkte.
Der erste Teil des Sets wurde nur von zwei akustischen Gitarren bestritten, die Candias großartige Stimme unterstützten. Beim zweiten Teil wurden dann die Stromgitarren ausgepackt, wobei Drums und Keyboards aus der Konserve kamen, und ich würde fast soweit gehen und behaupten, dass Bass und Gitarre ebenfalls nicht live waren. Alles in allem kein schlechter Auftritt, aber in diesem Fall hätte ich doch „handgemachte“ Musik und kein Halbplayback bevorzugt.
Bis zum Auftritt der Creepshow hatte ich noch ein wenig Zeit und wollte einen Blick auf die „Green Stage“ werfen. Hier ballerten sich grade die Damen und Herren von Pokémon Reaktor fröhlich durch ihr Set. Dem Publikum schien es zu gefallen, doch ich musste mich beeilen, wollte ich mir den Auftritt der kanadischen Psychobillies nicht verpassen. Da das Frühstück morgens ausgefallen war gab es auf dem Weg ein koffeinhaltiges Kaltgetränk (diesmal mit Kohlensäure) und eine mehr oder minder leckere Wurst als Proviant. Die Preise bewegten sich zwar auf unverändert hohem Niveau, aber immerhin war die Auswahl nun deutlich größer und appetitlicher. Anscheinend hatte ich zu lange getrödelt, denn als ich wieder an der „Orbit Stage“ ankam, war das Konzert schon in vollem Gange. Sängerin Kenda wirbelte wild über die kleine Bühne und der Reverend malträtierte seine Orgel. Bass und Gitarre wurden offensichtlich auch gespielt, doch davon kam erstaunlich wenig aus den Boxen. Da sich doch überraschend viele Leute den Auftritt ansehen wollten war der Durchgang links der Bühne komplett blockiert und ich musste einen weiten Umweg in Kauf nehmen, um schließlich doch einen einigermaßen vernünftigen Blick auf die Band zu bekommen. Obwohl sie auf den ersten Blick etwas deplatziert auf diesem Festival wirkte gingen die Zuschauer doch gut mit und feierten die Band ordentlich.

Bis zum nächsten, für mich, interessanten Auftritt hatte ich noch ein wenig Zeit und so schlenderte ich von Bühne zu Bühne um mir ein paar Eindrücke von Sonja Kraushofer mit ihrem klassischen Musikprojekt, den Veteranen Das Ich mit einem offensichtlich gut aufgelegten Stefan Ackermann und den Rockern Darkhaus zu holen. Nachdem letztere mit ihrem Set fertig waren blieb ich gleich an der "Green Stage", sollte hier doch gleich der Auftritt von Qntal stattfinden. Sigrid Hausen, Michael Popp und ihre Mitmusiker mischen mittelalterliches Liedgut mit moderner Instrumentierung und gaben mit ihrem Konzert einen schönen Überblick über die Bandgeschichte, einschließlich meinem persönlichem Favoriten, dem "Palästinalied". Sowohl musikalisch wie auch optisch für mich der bisherige Höhepunkt des Festivals und immer wieder ein großartiges Erlebnis. Bevor die nächste Band auf mich wartete, wollte ich noch ein wenig dem Konsum frönen und konnte tatsächlich noch ein wenig Band-Merchandise ergattern, bevor es auch schon mit dem nächsten Konzert weiterging.
Die Damen und Herren von Welle: Erdball sind immer wieder ein Garant für ausgelassene Stimmung und niveauvolle Unterhaltung, daher war es nicht überraschend, dass praktisch das komplette Gelände vor der "Green Stage", trotz der wieder aufziehenden Regenwolken, gefüllt war. Eine gute Stunde lang präsentierte das Quartett ein Potpourri ihrer größten Erfolge einschließlich solch musikalischer Perlen wie "VW-Käfer", "Schweben, Fliegen, Fallen" oder "Starfighter F104G", komplett mit riesigen Ballons, Papierfliegern und einer Trommeleinlage auf dem Ölfass. Für mich sind die Konzerte der Band immer wieder ein Highlight, alleine der Atmosphäre wegen, die im Publikum herrscht. Während anschließend das Equipment von Samsas Traum aufgebaut wurde fielen die ersten Tropfen und nach wenigen Minuten hatte sich der leichte Regenguss in einen kräftigen Schauer verwandelt. Schließlich wurde es mir doch zu nass und ich ging wieder in die völlig überfüllte Arena zurück, wo Oomph! für Stimmung sorgten.
So kam ich wenigstens trockenen Fußes wieder hinüber zur „Orbit Stage“, wo sich Rome auf ihren Auftritt vorbereiteten. Der Regen hatte sich zwar ein wenig abgeschwächt, dennoch waren vor der Bühne praktisch nur Schirme zu sehen, hinter denen man vage die Band erkennen konnte. Ich arbeitete mich weiter nach vorne, immer bemüht, dass mir niemand die Augen ausstach. Schließlich hatte ich ein lauschiges Plätzchen vor der Bühne gefunden und konnte in Ruhe das Konzert der Luxemburger genießen. Geboten wurde dann auch fast eine Stunde lang Neo-Folk vom Feinsten mit eingängigen Melodien, düsteren Texten und der dazu passenden Stimmung.
In freudiger Erwartung des Abschlusskonzertes machte ich mich schließlich auf den Weg in den Innenraum der Lanxess Arena. Obwohl The Misison noch immer spielten waren Halle und Ränge halb leer. Wayne Hussey, Frontmann und Sänger der Band, war kaum in der Lage einen Ton zu treffen, was durch eine Grippe-Erkrankung bedingt war, glaubt man Band und Konzert-Veranstalter. Nachdem hier die letzten Takte verklangen waren leerte sich die Halle schlagartig, da jeder noch schnell etwas zu erledigen hatte, bevor endlich das große Finale beginnen konnte. Ich nutzte die Gelegenheit und suchte mir ein Plätzchen schön zentral vor der Bühne gelegen und behauptete dies später auch tapfer gegen Nachzügler. Während der Umbaupause füllte sich die Halle immer mehr, bis schließlich gegen 21.30 Uhr kein freier Platz mehr zu bekommen war. Besucher, die den Fehler machten die Halle jetzt noch für einen kurzen Toilettenbesuch zu verlassen wurde der Eintritt verweigert und auch sonst fanden nicht alle Besucher Zugang zur Arena.
Schließlich war es soweit und nach einer letzten Moderation betraten VNV Nation, verstärkt von zwei Keyboardern, die Bühne der „Arena Stage“. Auch Ronan Harris hatte zu Beginn teilweise massive Probleme mit der Stimme, allerdings war er recht gut in der Lage die Situation zu überspielen und nach dem zweiten oder dritten Lied traf er dann auch endlich die richtigen Töne. Musikalisch bot die Band in rund 75 Minuten eine Mischung aus alten und neuen Stücken, und auch der eine oder andere ungewöhnliche Track schaffte es in die Setlist. Was wirklich begeistern konnte war jedoch die Art, wie der Sänger das Publikum im Griff hatte und es auch in die Show mit einbezog, von der Welle, die mehrfach durch die ganze Halle lief bis hin zu den Feuerzeugen (!) die bei manchen Stücken zum Einsatz kamen. Ein rundum großartiger Auftritt, der den hervorragenden Ruf von VNV Nation als Live-Band untermauert und doch einen versöhnlichen Abschluss für das stellenweise holprige Festival bot. Schließlich war es schon kurz nach 23.00 Uhr und der Ruf nach einer Zugabe musste ungehört verhallen. Unerbittlich flammten die Hallenscheinwerfer auf und beleuchteten, das Chaos aus Getränkebecher, Bierpfützen, Müll und erschöpften Menschen innerhalb der Arena.
Eine Aftershow-Party war, meines Wissens nach, nicht geplant und auch die Stände hatten schon alle geschlossen, so dass noch nicht einmal ein Absacker auf dem Gelände möglich war. So strömte ich dann, zusammen mit den anderen Besuchern, im Nieselregen aus der Arena und machte mich, müde, durstig und mit einem verdächtigen Fiepen im Ohr auf den Rückweg zum Hotel, der mir diesmal viel länger vorkam.

Für das wirklich bescheidene Wetter und die damit verbundenen Einschränkungen, vor allem am Samstag, tragen die Veranstalter selbstverständlich keine Verantwortung. Doch hätten sie das Kommunikationssystem der Halle durchaus dazu nutzen können, die Besucher über die Ausfälle und Verlegungen zu informieren. So kam es mir wie Hohn vor, dass auf den Monitoren der Auftritt von Neuroticfish angekündigt wurde, obwohl dieser schon lange abgesagt war. Auch die Hinweise auf die Magistrale mit ihren schicken Verkaufsständen oder den Autogramm-Bereich waren nur schwer zu finden. Zumal nicht jeder Besucher wusste, dass es überhaupt ein Programmheft mit Lageplan gab. Alleine dieses Heftchen zu bekommen stellte sich als schwierige Aufgabe heraus, und auch allgemeine Fragen konnte das, immerhin freundliche und bemühte, Personal am Infostand, nicht, falsch oder nur rudimentär beantworten.
Praktisch bei jeder Anmoderation wiesen die Veranstalter darauf hin, dass zumindest der Samstag hätte abgesagt werden müssen, wenn das Festival wie in den Vorjahren am Tanzbrunnen stattgefunden hätte. Das ist natürlich richtig und für die logistische Schwerstarbeit bei der improvisierten Running Order gebührt den Organisatoren ein wirklich dickes Lob. Allerdings ändert dies nichts an der Tatsache, dass die Lanxess Arena nichts anderes ist, als eine durchkommerzialisierte Bespaßungsanstalt ohne Charme, Charakter oder Atmosphäre. Sie hat zwar unbestreitbare Vorteile was sanitäre Einrichtungen und Sitzgelegenheiten angeht, eine wirkliche Festivalstimmung wollte sich aber, zumindest bei mir, in diesem sterilen Ambiente nicht einstellen. Dazu kam der teilweise sehr schlechte Sound auf der "Arena Stage", der abhängig vom eigenen Standort zudem stark variierte. Ob dies ein generelles Problem mit der Akustik innerhalb der Halle ist, oder ob die Tontechniker zwei extrem schlechte Tage erwischt hatten kann ich als Außenstehender nicht beurteilen.
Wirklich gelungen fand ich dagegen das Line-Up, wurden hier dem Besucher doch einige Szenegrößen präsentiert und mit kleineren, aber interessanten Acts ergänzt. Auswahl gab es auch genug, so dass sich niemand langweilen musste, selbst wenn ein leichter Schwerpunkt auf dem elektronischen Aspekt der "schwarzen" Musik lag. Allerdings hätte ich sehr gut auf die Anmoderationen von Der Tod verzichten können und auch seinen Auftritt hätte ich nicht, oder zumindest nicht in der großen Halle, gebraucht. Aber das sind natürlich nur meine persönlichen Befindlichkeiten.
Die "Green Stage" mit ihrem terrassierten Gelände eignete sich recht gut für die Auftritte, war doch gewährleistet, dass auch Menschen unter zwei Meter die Chance hatten einen Blick auf die Bühne zu werfen. Flankiert von einer kleinen Chill-Out-Area und zahlreichen Ständen kam hier sogar richtiges Festival-Feeling auf und auch der Ton war, zumindest bei den Bands, die ich hier gesehen hatte, sehr ordentlich. Folglich hielt ich mich auch einen großen Teil der Zeit in diesem Bereich auf. Was auf dem gesamten Festivalgelände extrem unschön war, waren die Unmengen an Müll, vorzugsweise Plastikbecher, die überall in der Gegend herumlagen. In der Halle selbst kamen dann noch riesige Pfützen mit verschütteten Getränken hinzu. Diese sah man zwar Dank der diffusen Beleuchtung nicht, aber ich hatte mehr als einmal Probleme damit mein Schuhwerk vom Boden zu lösen. Für diesen Dreck waren natürlich wir, die Besucher, verantwortlich, allerdings gab es praktisch keine Mülltonnen im Innenraum der Halle und auch auf dem Außengelände wurden sie nur sporadisch geleert. Ein Großteil dieses Problems hätte sich sicherlich mit einem Pfandsystem lösen können; warum hier darauf verzichtet wurde bleibt das Geheimnis der Hallenbetreiber.

Es ist für Veranstalter mit einem enormen Risiko verbunden, ein etabliertes Festival zu verlagern, ganz unabhängig von den Gründen. Die Frage die sich hierbei stellt ist natürlich immer, ob die Besucher auch bereit sind mitzuziehen. Selbst wenn man den ausgesprochen unglücklichen Start am Samstag ignoriert, gibt es doch einige wichtige Baustellen, die dringend bis zum nächsten Jahr behoben werden sollten. Die Resonanz der Besucher, zumindest soweit ich sie mitbekommen habe, war entsprechend durchwachsen. Es gab viel (berechtigte) Kritik, aber auch viel (ebenfalls berechtigtes) Lob, was nun davon letzten Endes überwiegt und den Ausschlag gibt im nächsten Jahr wieder aufs Amphi zu fahren, wird jeder für sich selbst entscheiden müssen.